| fluchtraum | Ich habe gerade beim stöbern zwei äußerst interessante Diskussionen im 'Dies&Das' zum Thema 'Masse&Individualität' gefunden: [url="http://www.nachtwelten.de/ubb/Forum1/HTML/000118.html"]http://www.nachtwelten.de/ubb/Forum1/HTML/000118.html[/url] und [url="http://www.nachtwelten.de/ubb/Forum1/HTML/000116.html"]http://www.nachtwelten.de/ubb/Forum1/HTML/000116.html[/url] Es lohnt sich, die beiden Threads zu lesen und sich die Zeit dazu zu nehmen. Und ich möchte sie als Ausgangspunkt verwenden, um das Thema nochmal unter einem weiteren Blickwinkel anzugehen. Ich kann es natürlich niemandem befehlen, aber ich bitte darum, diese Beiträge zu lesen, bevor ihr euch hier beteiligt. Es geht um: Etwas, was man innere und äußere Individualität nennen könnte, oder auch schein- und reale Individualität. Ich bin der Meinung, daß Individualität etwas ist, daß weitgehend - wie so vieles - zu einem Fetisch verkommen ist, der nur noch seiner selbst Willen praktiziert wird: Viele Menschen - gerade in der alternativen und schwarzen Szene - versuchen ständig zu zeigen, wie individuell sie sind, wie sie von der Masse abweichen, um sich dadurch zu profilieren und Bestätigung zu erhalten. Ein Mechanismus, der eigentlich paradox ist, wenn man es durchdenkt. Diese Scheinindividualität ist ein nach außen gerichtetes verhalten, daß dazu dient, eine gewisse Wirkung bei anderen hervorzurufen - sich abzuheben von der 'Masse', den 'Normalos', und Bewunderung zu erlangen von jenen der gleichen Subkultur, die ebenfalls den Fetisch 'Idividualismus' verehren. Wirkliche Individualität hingegen ist immer eine innere Einstellung. Sie kann mit äußeren Symbolen zB auffälliger Kleidung einhergehen, muß es aber nicht. Ich denke, wirkliche Individualität ist nur zu erkennen, wenn man sich wirklich mit einem Menschen befasst, und jemand, der durchschnittlich und wie jemand aus der 'Masse' wirkt, kann einen hohen Grad an Individualität in seinem Denken und Fühlen erreicht haben, ohne daß viel von seinem Äußeren darauf aufmerksam macht. Mir fällt als Beispiel Kafka ein, der ein äußerst unauffälliges Leben würde, dessen Texte (ob man sie nun mag oder nicht) jedoch eine höchst individuelle und weit entwickelte Innenwelt offenbaren. so, zur Diskussion freigegeben der fluchtraum [Dieser Beitrag wurde von fluchtraum am 07. Januar 2002 editiert.] |
| Curzon | Bin ganz deiner Meinung, Fluchtraum. Individualismus drückt sich allein dadurch aus, daß man sich stylt, wie es einem gefällt, ohne dabei darauf zu achten, wem man damit (nicht) gefallen könnte/würde/will. Allein schon wenn ich mich als "gothic" bezeichnen würde, würde ich damit meine Individualität einschränken und mich einem Schubladendiktat unterwerfen. Individualität bedeutet für mich einfach, daß ich mich möglichst wenig von anderen beeinflussen lasse, was mein Aussehen angeht. Präziser gesagt, ich lasse mir nicht sagen oder aktiv/passiv vorgeben, wie ich aussehen sollte/könnte/müßte, aber wenn mir von mir selbst aus Dinge bei anderen Menschen gefallen und ich mir denke, daß ich die auch gerne hätte, dann mach ich das schon mal. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie weit man das als Beeinflussung durch andere und wie weit man das als freien Willen einstufen will, denn letztendlich entwickelt sich ein Mensch nur durch den Kontakt zu anderen Menschen weiter. ------------------ IT IS MY FIRM BELIEF THAT IT IS A MISTAKE TO HOLD FIRM BELIEFS. |
| fluchtraum | Verzeihung, aber ich habe nicht den Eindruck, daß du verstanden hast, um was es geht.Zitat: |
| magic caterpillar | Vorerst nur soviel zu einem von dir öfters gebrauchtem Vokabular... fluchtraum... Paradox Viele Widersprüche ergeben bei näherer Betrachtung öfters doch einen Zusammenhang, sodass ich immer wieder überlege, ob es Paradoxien überhaupt gibt... oder ob es sich dabei eher um gestellte Fragen mit offenen Antworten handelt. Weitere Überlegungen halte ich mir für den Zeitpunkt vor, an dem ich wacher antworten kann. Gruß magic |
| fluchtraum | Hm... guter Einwurf, danke magic caterpillar. Ich verwende dieses Wort oft für Phänomene, wenn Menschen gerade das verstärken, was sie zu bekämpfen glauben, oder umgekehrt das unterminieren, was sie zu stützen glauben - wie in diesem Falle. Dies bezeichne ich als paradox, aber ob dieses Wort wirlkich angemessen ist, wäre sicher eine eigene Diskussion wert... werde jedenfalls sicher noch ein wenig darübr nachdenken. Aber das eigentlich nur als Randgedanke... ansonsten, bin gespannt auf deine weiteren Überlegungen. Gruß, der fluchtraum |
| Raeven | Zitat: |
| Curzon | Zitat: |
| Colonaell | Aloha! Individualismus ist doch eine schöne Sache *g* Einst ein Zeichen für geistiges Rückrat, heute einfach nur trendy... Ein wunderbare Welt, jeder ist so individuell, daß sich ganze Indiviualitätsgruppen wunderbar zu Konsumentengruppen zusammenfassen lassen [img]http://www.nachtwelten.de/ubb/smile.gif[/img] Worauf will ich hinaus? Individualität geht für mich mit einem Selbstverständis einher, nur wer sich kennt, kann auch wirklich individuell sein (meine Meinung, die sicherlich ins Kreuzfeuer geraten wird)... "Individualität" ist jedoch zu einem gehabe verkommen, daß viele annehemn, um ihrem schwachen Ego ein wenig Glanz zu verleihen "Schaut mal wie individuell ich bin", und bei aller Toleranz (die bei mir eh spärlich vorhanden ist), aber für solche Subjekte fehlt mir das Verständnis... Ich selbst würde mich zwar als individuell bezeichnen, ein Urteil sollen sich jedoch andere Leute bilden... Man mag jetzt (Äusserlichkeiten sind zwar unwichtig, seltsamerweise aber immer Thema No. 1) sagen, daß ich individuell bin, weil ich mich weder schminke, noch style noch sonstwas, und meine "Gothic fashion" lediglich aus T-Shirt/Pullover und Jeans bestehen. Manchmal ist mir jedoch auch nach was härterem, und wenn ich dann mit Stiefeln, Bondagehose+Kilt, und Samthemd durch die Gegend springe, seh ich gleich aus, wie der Rest... Des weiteren könnte man mir vorhalten, ich wäre gar nicht individuell, weil das ist ja jetzt trendy, und ich würde nur einem Trend folgen... Aber zeigt sich Individualität nicht gerade dadurch, daß man für sich selbst entscheidet? Wenn ich an das thema H&M goes Gothic denke, würden doch am liebsten Viele anfangen bunt zu tragen, weil ihr achso geliebtes "schwarz" "verhunzt" wird... Also Individualität ist für mich nicht messbar, sondern nur eine Frage charakterlicher Stärke, sowas mache ich nicht am Outfit fest (ausser das wechselt jeweils mit den trends... [img]http://www.nachtwelten.de/ubb/tongue.gif[/img] ) Dunkle Grüße Col O'Naell ------------------ -=oO0° We see the star's eternal distance, as we reach out to take them home... °0Oo=- |
| fluchtraum | [b]Also Individualität ist für mich nicht messbar, sondern nur eine Frage charakterlicher Stärke...[/b] Ja, Individualität ist nichts meßbares, nichts greifbares... ist etwas, das langsam reift und auch nur langsam erkennbar wird. Und das steht schon im Wiederspruch zu der Mentalität unserer Zeit, die auf Geschwindigkeit, auf rasch erfassbare Daten, auf äusseren Erfolg fixiert ist. Wo unsere Wahrnehmungsgewohnheiten sich verändern - weg von Sprache und Text, hin zu Bild und Grafik - auf eine Art und Weise, die für lange, inhaltliche und abstrakte Auseinandersetzungen ungünstige Vorraussetzungen schaffen, ist es nicht verwunderlich, daß der Mensch auch zur Feststellung von 'Individualität' solche -ungeeigneten- Kriterien verwendet, die seinen Wahrnehmungsgewohnheiten entsprechen -eben das Outfit in erster Linie. Ansonsten hat Colonaell noch einen ganz wichtigen Punkit angesprochen: [b]"Individualität geht für mich mit einem Selbstverständis einher, nur wer sich kennt, kann auch wirklich individuell sein"[/b] Sich selbst kennen, das ist der entscheidende Punkt... da ist niemals ein Endzustand erreicht, man kann sich selbst immer besser kennenlernen, aber niemal völlig. Aber diese Auseinanderesetzung mit sich selbst ist anstrengend... sie beinhaltet gerade, daß man sich mit eigenen Schattenseiten auseinandersetzt und sich auch eingesteht, wo man von außen beeinflußt oder gar manipuliert wird. Aber gerade daß ist dr Punkt, vor dem viele zurückschrecken. Sie geben sich ihrer Illusion der Freiheit hin, nur weil sie schwarz tragen und sich dadurch von der Gesellschaft distanzieren... dabie sind sie noch genau so ein Teil der Gesellschaft, und ihre Ideale und der Weg, dem sie folgen, ist von unzähligen anderen vorgetrampelt worden. Sie haben fremde Gedanken und Träume zu ihren eigenen gemacht, ohne zu merken, daß diese nich aus ihnen selbst entsprungen sind. (An dieser Stzelle: Raeven, ich stimme dir zu. Glaube zwar nicht, daß man sich damit Feinde macht, aber wenn, dann haben wir die gleichen [img]http://www.nachtwelten.de/ubb/wink.gif[/img]) Gruß, der fluchtraum PS: Auch ich kann mich davon nicht ganz freisprechen - möchte mich hier jetzt nicht als etwas besseres darstellen. |
| verwirrter Wanderer | schöne Grüße, innere Individualität lässt sich wie gesagt meiner Meinung nach nicht messen! Allerdings gibt es, meiner meinung nach, auf der anderen Seite viele Zeichen für das Gegenteil! Hier kann man sich z.B. an Äußerlichkeiten halten! Wenn man sich von Aussagen anderer zu einem anderen Aussehen bringen läßt, welches einem nicht gefällt, so finde ich das nciht wirklich individuell (Ausnahme ist hier natürlich der Beruf, da es hier meist um das Geldverdienen geht und man es sich meist nicht leisten kann Kunden dadurch zu verlieren oder gar entlassen zu werden!) Ein weiteres Beispiel haben wir in den ganzen Mitläufern und ja-sagern! Es ist einfach schwerer seine individuelle (*g*) Meinung zu vertreten, als sich der Gruppe anzuschließen. usw. Dies soll keinesfall eine Anleitung zum Individualismus á la "Sei-anders" sein. Es könnte z.B. sein, dass die eigene Meinung mit der der anderen Übereinstimmt... warum nicht? Ist man dann weniger individuell? Trotz all dem Individualismus denke ich, dass niemand komplett unbeeinflusst von Normen, Meinungen und VOR ALLEM Erziehung ist. dunkle Grüße, verwirrter Wanderer |
| Colonaell | @fluchtraum: Auch auf die Gefahr hin, daß das als off-topic gelöscht wird, aber gerade darauf wollte ich hinaus, man muss sich eigene Schwächen eingestehen, und sich seinen Schattenseiten stellen... @Rest: ich möchte hier nicht den Eindruck erwecken, daß ich mich über andere stelle, und 100%-ig kennt sich nie jemand, aber auch die Erkenntnis gehört zum sichkennen [img]http://www.nachtwelten.de/ubb/smile.gif[/img] Also bleibt wie ihr seid, auch wenn das manchmal der Weg des grösseren Widerstandes, oder der geringeren Anerkennung ist... Dunkle Grüße Col O'Naell ------------------ -=oO0° We see the star's eternal distance, as we reach out to take them home... °0Oo=- |
| Demon17 | Dokumentiert ein individuelles Styling wirklich den Mangel an Individualität, in einer Szene, die ein solches Styling favorisiert? |
| Dark Religion | Hallo, interessantes Thema das mir im allgemeinen zu schwierig ist, aber ich mich mal kurz beteiligen will zum Zwecke der Kommunikation und Weiterbildung. Meine bisherige Sicht: Individualität trägt nur der nach außen der sie offensiv propagieren will. Jeder Mensch ist ein Individuum nur eben der eine legt Wert darauf es auch zu leben der andere nicht. Unter dehnen die sich ihrer Individualität bewusst sind, gibt es dann auch noch viele die es auch nach außen Zeigen, um sich von der Masse der Jasager zusätzlich abzuheben, das eigene Ego zu heben, zu Demonstrieren oder ähnliches. Richtig so, teilweise zu verstehen oder grundsätzlich falsch? |
| Morri | [QUOTE]Zu deinem Statement: "Ich-style-mich-so-wie-ich-es-will" hat wie du sagst mit wirklichem Individualismus nicht viel zu tun. Du sagst selber daß man hinter unscheinbaren Äußeren sehr interessante Menschen finden kann, aber man findet genauso hinter exzentrischeren "Masken" interessante Leute.[/QUOTE] Ich denke mal, dass es einfach naheliegt, hinter einem exzentrischen Aufzug einen Menschen zu finden, der sich auch gedanklich nicht nahtlos in die Masse einfügen lässt ... irgendeinen Grund muss es ja haben, dass er nicht zufrieden damit ist, genauso herumzulaufen, wie alle anderen. Ob diese Gründe nun furchtbar interessant sind, ist eine ganz andere Frage - Abweichungen von der Norm sind jedoch in irgendeiner Form zu erwarten. Bei optischen "Normalos" überrascht es einfach mehr, wenn aus der 08/15-Fassade plötzlich etwas anderes als der erwartete 08/15-Einheitsbrei herausblubbert. |
| Demon17 | Ich erinnere mich noch an die Zeit, der Nonkonformistenunform. Lange Haare, verwaschene Jeans und Bundeswehrparka. Irgendwann bin ich aus der Szene ausgestiegen, weil ich sie mindestens so engstirnig fand, wie die sogenannten Spiesser, die sie kritisierten. Die schwarze Szene ist glücklicherweise heterogener und weniger ideologisiert, doch gerade unter Jugendlichen herrscht ein starker Gruppenzwang, das gilt auch für die Abgrenzung von der Gesellschaft, in Gruppen, in denen dieses populär ist. Insofern ist die Fragestellung für mich so ohne weiteres nicht von der Hand zu weisen. |
| Xenomorph | [QUOTE][i]Original geschrieben von Morri [/i] [B]Ich denke mal, dass es einfach naheliegt, hinter einem exzentrischen Aufzug einen Menschen zu finden, der sich auch gedanklich nicht nahtlos in die Masse einfügen lässt ... irgendeinen Grund muss es ja haben, dass er nicht zufrieden damit ist, genauso herumzulaufen, wie alle anderen. Ob diese Gründe nun furchtbar interessant sind, ist eine ganz andere Frage - Abweichungen von der Norm sind jedoch in irgendeiner Form zu erwarten. Bei optischen "Normalos" überrascht es einfach mehr, wenn aus der 08/15-Fassade plötzlich etwas anderes als der erwartete 08/15-Einheitsbrei herausblubbert. [/QUOTE] Mitunter - sicherlich nicht immer - steckt hinter der biederen Fassade eines vermeintlichen "Normalos" eben weit mehr, als das schlichte Erscheinungsbild vermuten lässt...ich selbst bin bis vor wenigen Jahren noch als (optischer) "Normalo" durchs Leben gelaufen, obwohl ich innerlich nie einer war... während sich umgekehrt manche der Menschen, die sich nach aussen hin wer weiss wie "individuell" geben - und wohl auch dafür halten - als komplette Enttäuschung erweisen können, weil sie nur ebenjene 08/15 - Allgemeinplätze herunterbeten können sobald man mit ihnen mehr als nur ein paar Worte redet...Fazit: Eine aufwändige "Fassade" kann sehr täuschen...oft dient sie nur dazu, um sich dahinter zu verschanzen, ein falsches Bild von sich zu erzeugen, um so wahrgenommen zu werden, wie jemand gern von anderen wahrgenommen werden möchte, und nicht, wie er oder sie tatsächlich ist... |
| Archie | Ich denke, dass Individualismus ein Wort für "auffallend anders" ist, wobei diese Andersartigkeit sich auf alle möglichen Bereiche beziehen kann (Aussehen, Klamotten, Musikgeschmack etc.). Das bedeutet natürlich auch, dass es etwas gibt, von dem man sich abgrenzt. ("Reiner Indivdualismus" wäre vielleicht etwas, was von anderen Sachen gar nicht abgegrenzt werden kann?) "Auffallend" deshalb, da beispielsweise kaum jemand exakt dieselben Klamotten wie der andere anhat, so ziemlich jeder demnach ein individuelles Styling hat, dies von den meisten Menschen jedoch nicht als "individuell" wahrgenommen wird. (Jeder Mensch ist ein Individuum, wie Dark Religion schon erwähnt hat :) ) [QUOTE]Dokumentiert ein individuelles Styling wirklich den mangel an Individualität, in einer Szene, die ein solches Styling favorisiert?[/QUOTE] In so einer Szene haben die Mitglieder ein individuelles Styling ("Alle sehen "auffallend anders" aus"). Es ist innerhalb dieser Szene jedoch nicht individuell, ein individuelles Styling zu haben. Wenn wir sagen, dass eine Person individuell ist, meinen wir dann meistens eine individuelle Persönlichkeit. "Persönlichkeit" ist sozusagen demnach der Bereich, indem die Person uns von einer bestimmten Gruppe abzuweichen scheint. Eine Person mit uns individuell erscheinendem Styling (blond- und blauäugiger Grufti beispielsweise ;) ) hat dann sozusagen eine "Stylingsindividualität" innerhalb einer bestimmten Gruppe (den Gruftiis). [QUOTE]Individualität geht für mich mit einem Selbstverständis einher, nur wer sich kennt, kann auch wirklich individuell sein[/QUOTE] Nur wer sich selbst kennt, kann seine Individualität ausleben. Die Frage ist nur, ob es überhaupt möglich ist seine individuelle Persönlichkeit NICHT auszuleben und demnach auch zwischen innerer und äußerer Individualität unterschieden werden kann. Beispiel: Hans Fritz wird in 2 Monaten ein großes Hobby entdecken: mit Puppen spielen. Hat er dann vorher seine "Individualität" aus Unkenntnis über sich selbst nicht (oder nur beschränkt) ausgelebt, da dieses Hobby auch vorher schon "irgendwie" in ihm verankert war, oder ist es seine Individualität, die sich weiterentwickelt (verändert) hat (und dann entsprechend "zwanghaft" immer mit ausgelebt wird)? |
| Mrs. Spookiness | In manchen Beiträgen kam meiner Meinung nach das Wörtchen "individuell" zu oft vor :D Und auch auf die Gefahr hin, dass mir dieses Thema zu kompliziert wird, versuche ich mich einfach mal, einen vernünftigen Beitrag zu leisten. Individualität ist nicht nur ein schwierig zu schreibendes Wort, sondern auch ein schwierig zu identifizierendes Wort. Wenn man es ganz hart anpackt kann man sich doch auch gleich fragen: gibt es so etwas wie Individualität überhaupt noch? Du kannst im krassen Sinne keine eigene Meinung mehr haben, weder vom Äußeren, noch von den inneren Aspekten her. Du kannst dich nur einer Form anpassen, die es aber eh vorher schon gegeben hat, so machst du ja eigentlich nichts wirklich "individuelles" mehr, das dich zu etwas anderem machen könnte. Das Wort "individuell" (verdammt, schon 4 mal...) wird im heutigen Vergleich doch nur noch im Bezug auf die Konventionen und Normen der jetzigen Einstellungen der Menschheit und Gesellschaft gesehen, ist ein Vergleichswort - und wird zudem immer mehr zu einer Floskel degradiert, was dem Ruf dieses Wortes noch mehr zugesetzt hat. Das war das krasse Beispiel, dem man natürlich nicht zustimmen muss, ist ja auch sehr übertrieben, aber in gewisser Weise auch richtig. Jeder Mensch ist einzigartig, so würde ich es vielleicht eher beschreiben, in der Hinsicht, dass wir nicht alle vollkommen gleich sind. Wird dann aber dem Wort Individualität nicht der ganze Sinn geraubt? Eigentlich könnte man dieses Wort auch gleich auf den Friedhof der sinnverlorenen und überflüssigen Fremdwörter schmeißen. Das I-Wort (ich kann es nicht mehr schreiben...) lässt sich schwer definieren. Im Bezug auf die "Schwarze Szene" kann ich über das Wort nur schmunzeln, da wir doch eigentlich ebenso wenig individuell sind, wie die "Normalos" von denen wir uns abzugrenzen versuchen; folgen wir denn nicht auch alle strengen Richtlinien, die vor allem Aussehen, aber auch Denken streng regeln? Als was lässt sich dieses schwierige Wort dann aber definieren, sehr gute Frage, auf die ich absolut keine Antwort weiß. Vielleicht indem man zufrieden ist mit dem, was man ist, auch wenn man weiß, dass man nicht dem normalen Weltbild entspricht. Vielleicht, indem man Individualität nicht für die Menschen und die Umgebung um sich herum beansprucht, sondern nur für sich, um sich selbst etwas zu zeigen, beweisen. ....Ich habe keine Ahnung :o |
| WhiteRabbit | Individualität ist ein vereinzelter Weg zum Kosmos/zu Gott, zu Odin, zu Allah, wie auch immer. Nicht mehr oder weniger. Kein Selbstzweck und nichts, was letztendlich der Rede wert wäre. Bei einem 100Jahre alten Käfer ist es auch egal, ob er Feldgrau, Blau oder Rot lackiert war. |
| Demon17 | [QUOTE]Der individuelle Mensch schafft sich Freiraum in seinem Denken und in der äußeren Welt. Die innere Induvalität ist die unterschiedliche Art des Denkens, Fühlens, Bewußtseins etc. ... eine Welt die von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein kann. Jeder nimmt die Dinge so wahr, wie er sie mit seinen inneren Strukturen verbindet und webt daraus ein individuelles Bild. [/QUOTE] Ich denke damit hast Du das Thema und den Widerspruch der inneren und Äußeren Individualität auf den Punkt gbracht, shadowflower. Die äußerlich dokumentierte Abgrenzung einer Subkultur zum Maisntrem, geht mit einem starken Gruppenzwang einher. Ich würde niemals ander als total in Schwarz auf einer Party auftauchen. Einfach weil mich selbst das Bunte stört, weil ich mich nicht wohl fühlen würde und weil ich anderen keine Farben zumuten will. Es ist einfach Geschmack- und Rücksichtslos, hat aber mit Individualität nichts zu tun. Die Individualität entsteht nur im Inneren, wenn wir keine Rücksicht nehmen auf die Vorstellungen anderer, sondern nur auf uns selbst und unsere einzigartige Persönlichkeit hören, die sich auf unseren abwegigen Lebenswegen bildete. Sie stößt sofort auf Widerstand, sobald wir sie intersubjektiv preisgeben, allerdings wird auch die bewußte Entsprechung eines vermuteten kollektiven Geschmacks gern diffamiert. So stehen wir wohl in der Schnittmenge einer sozial diffamierten Subkultur und einer individuellen Prägung, die ebensowenig dem Mainstream entspricht, uns aber zusätzlich isoliert. Wieso sage ich wir, wenn ich mich meine? never surrender demon17 |
| Dark Religion | [QUOTE][i]Original geschrieben von Demon17 [/i] [B]Wieso sage ich wir, wenn ich mich meine? never surrender demon17 [/B][/QUOTE] Hallo, weil du für mich mit geschrieben hast:D |
| Kartoffelgratin | Ich möchte mich da auch mal zu äußern, ich hoffe ich rede nicht am Thema vorbei. Aber ich halte das hier für zu interessant um einfach nichts zu sagen. Eine Tatsache ist nunmal, dass kein Mensch dem anderen gleicht. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen gemacht, hat aus Fehlern gelernt, oder auch nicht, Menschen sind verschieden. Was sich ähneln, oder gar gleichen kann, ist der Geschmack, Interessen, Vorlieben, Ansichten. Wer kann schon behaupten, er hätte einen Freund, der alles genau so sieht wie man selbst? Die breite Masse, von der man versucht sich durch Individualität abzugrenzen, ist eigentlich ein ziemlich bunter Haufen von Leuten, die alle andere Ansichten haben. Tatsächlich sind diese Menschen alle recht individuell. Das Bedürfnis, sich vom Einheitsbrei abzuheben, klar zu sagen, ich bin nicht wie die anderen, ist durchaus legitim. Es kommt eben nur drauf an in welcher Art und Weise man dies tut. Zur äußeren Individualität will ich eigentlich gar nicht viel sagen, ausser dass ich finde, dass ich kein großer Fan von Uniformen bin. Diese Meinung habe ich aber auch nicht immer vertreten, ich bin auch mal extremer rumgelaufen, fand mich wahnsinnig "anders", aber ich glaub ich war gar nicht besonders anders. Jetzt, aus beruflichen Gründen, beschränkt sich mein Kleidungsstil auf schlichtes Schwarz. Klar ist es individuell, wenn man sich stylt und sich große Mühe mit dem Outfit gibt, aber andererseits kleidet man sich so wie es eine "Szene" einem vorgibt, weils "schon immer so war". Ich will hier aber auch niemandem ans Bein pinkeln, echt nicht. Jeder soll das machen was er gern mag. Aber nicht um jeden Preis "anders" aussehen wollen, um am Ende doch Regeln zu folgen, die die eigene Individualität gar einschränken könnten. Kann man gerne auch auf sonstige Subkulturen mit "Kleiderordnung" beziehen. Wenn ich mir den momentanen "Zuhälterstyle" bei einer bestimmten Bevölkerungsgruppe anschaue, fällt nicht nur mir auf, dass die eigentlich alle gleich aussehen. Wer will das schon? Bei der inneren Individualität ist es schon schwieriger. Wie hier schon so treffend gesagt wurde, lässt sich das schwer messen. Bin ich schon individuell, wenn ich das derzeitige Fernsehprogramm für nicht sehenswert halte und den Fernseher nur für interessante Dokus einschalte? Bin ich individuell, wenn ich keinen Nerv habe, mich über Oberflächlichkeiten, die für andere aber sehr wohl immens wichtig sein könnten, zu unterhalten? Oder bin ich evtl. Teil der breiten Masse, von der ich mich abzugrenzen versuche, wenn mich ein aktueller Kinofilm, eindeutig für das große Publikum gemacht, mit reisst? Ein Mensch sollte in der Lage sein, seine Gedanken und sein Weltbild, seine individuelle Vorstellung, seine Ansicht, vom großen Ganzen zu transportieren und mitzuteilen, wie auch immer er das gerne hätte. Sei es eben durch optische Abgrenzung, durch Kunst oder durch das gesprochene oder geschriebene Wort. Eine eigene Meinung zu haben, auf diese auch zu bestehen und auch mal Nein zu sagen zeugt, in meinen Augen, von großer Individualität und Charakterstärke. Ich muss nicht alles gut finden, ich muss aber auch nicht alles verteufeln, was viele andere gut finden. Vielleicht ticken in der breiten Masse mehr Menschen ähnlich wie du, ohne dass du es weißt. |
| Goat93 | Individualismus ist eine Selbstlüge um seine eigenen Komplexe und Unsicherheiten besser in den griff zu bekommen. Es ist völlig scheißegal wie man sich anzieht oder wie man sich schminkt oder nicht schminkt, denn jemand anderes trägt das gleiche oder/und schminkt sich gleich. Die Grundbasen der Kleidung ist eh dem selbst eingeordneten Stil angepasst. Wo sind denn auf den Goth Veranstaltungen oder dem WGt die ganzen Individuellen, die sich von der Masse abheben? Im Gleichschritt Individuell mal bei X-Tra eingekauft und fix individuell nen paar Chat CDs gekauft... Man ist immer nur ein Produkt seines Umfeldes und man ist immer von seinem Umfeld beeinflußt, da kann man schonmal nix gegen machen. Die Kleidung bekommt man auch vorgesetzt, ebenso die eigenen Inneren Einstellungen zum Leben. Wer gerne Individuell sein möchte, kann nen Misantrhophen an die Hand nehmen und auf ner einsamen Insel auswandern, da können sie dann Indivdieuell spielen, aber bei einer Mehrere Millionen Menschen zählenden Goth Szene ist das einfach lächerlich edit: Meine Rechtschreibfehler sind ja soooooo individuell :D |
| Cagliostro | Die äussere Individualität ergibt sich zwangsläufig, wenn man innerlich unabhängig ist. Es geht ohnehin nicht darum, was die anderen sagen oder denken könnten. Es geht auch nicht um Egoismus, ich kenne viele Egoisten, die innerlich keine unabhängigen, vor allem individuellen Menschen sind, ja Egoismus nach Aussen gelebt, ist eigentlich Mainstream. Der innere Individualismus ist eine Auftrag,oft ein Fluch, er bringt dich dazu dich mit dir selbst zu beschäftigen, wenn du es richtig machst, kannst du an dir selbst wachsen, aber auch scheitern. Er gibt selten etwas zurück. Es ist eine Entwicklungsform, die eben nur individuell geht. Man kann nicht kollektiv ein besserer Mensch werden, auch das wäre nur eine Äusserlichkeit. Der Mensch an sich ist dumm. Kollektive sind so dumm, wie der dümmste Mensch in der Kette. Man kann als Individuum also von Kollektiven kaum etwas lernen, denn sie richten sich immer nach dem Dümmsten aus. Entwicklung im spirituellen Sinne ist immer individuell. Das Leben an sich ist eine Illusion, das wird auch durch Materialismus (tote Materie) nicht besser. @Goat du willst also nicht dazulernen, nur noch geistiges Franchising betreiben. Wenn du etwas falsch machst ist dein Guru oder dein Führer schuld? Deine Umgebung und deine Eltern? Niemals du................ |
| Goat93 | [QUOTE@Goat du willst also nicht dazulernen, nur noch geistiges Franchising betreiben. Wenn du etwas falsch machst ist dein Guru oder dein Führer schuld? Deine Umgebung und deine Eltern? Niemals du................[/QUOTE] Nein, es geht nicht um Schuldzuweisung sondern die Grundlagen der entwicklung eines selbst. Man kann nur von dem beeinflußt sein, was man um sich hat, andersherum kann man eben auch nur daraus sich entwickeln... Man kann z.B nur aus dem Lernen, was einem auch wirklich passiert oder was man irgendwie greifbar um sich hat (Fernseher oder Bücher oder sowas) Ein Buch über Mathematik auf den Grund des Ozeans bringt dir nichts, du wirst es nähmlich niemals in die Hände bekommen, also kannst du daraus nicht lernen oder Einflüße daraus haben. Dagegen ein Gebrüder Grimm Buch, was dir deine Omi jeden Abend vorliest, kann dich um einiges beeinflußen... |
| Cagliostro | 95% der Menschen sind Kulturfolger. Sie nehmen hin, was so passiert und werden nicht selbst aktiv. Dennoch mögen sie eine funktionierende Heizung und die Fernsehflimmerkiste. Wie, wenn nicht durch individuelle Einzelleistungen hätten Dinge wie Heizung und Fernsehen denn entstehen sollen? Der Mensch lebt von Einzelleistungen. Davon dass das Alphatier vorangeht. Sicher, man kann es sich auch in der Scheinsicherheit des Kollektivs ganz gemütlich machen. Doch, was ist wenn das >Kollektiv Scheisse baut? Vor allem ein politisches, eine Partei, eine Bewegung. "Nein ich bin nicht schuld, aber die anderen"... Befehlsnotstand? Jedoch: SCHULD IST INDIVIDUELL! Kein Platz für Egoismus. Individualismus ist die spirituelle Arbeit an der eigenen Persönlichkeit. Kollektiv und Spiritualität schliessen sich aus. Man kann nur allein und für sich selbst Gott begegnen, wenn.... |
| Goat93 | Was hat Individualismus mit Erfindungen zu tun? Denkst du wirklich, sone Dampflock wird von einem einzelnen erschaffen? |
| Cagliostro | @Goat das nicht, aber die Art des Denkens, die zur Dampflok führt, ist kaum die eines Schafes. Leider sind grosse Teile der Wohnbevölkerung nur Schafe. Nur fähig zu konsumieren. Nur Input.Nur Herdentrieb. Aber sonst nicht viel. Der Individualismus lässt Menschen Dinge erfinden, gegen den Mainstream. "Und sie dreht sich doch.........." Hätte die allgegenwärtige Soziale Kontrolle immer Recht und wäre die "Was-sollen-die-Nachbarn-denken"-Ideologie immer erfolgreich, würden wir noch in Höhlen sitzen und rohes Mammutfleichs kauen. Eigen-sinn ist das wichtigste was ein intelligenter Mensch besitzt. |
| Goat93 | Da muß ich dir widersprechen. [QUOTE]Der Individualismus lässt Menschen Dinge erfinden, gegen den Mainstream.[/QUOTE] Es wird eigentlich FüR den "Mainstream" erfunden, nicht gegen diesen. Und ich erkenn immer noch nicht wieso die Tätigkeit des erfindens jemanden individuell machen sollte, denn jeder kann erfinden und andersherum sind die Erfinder ebenso im ach so bösen Mainstream verankert wie die ganzen "Schafe", besser gesagt es sind eben solche "Schafe", da stellt sich keiner gegen irgendetwas. |
| Cagliostro | Ach, das Thema Erfindungen war nur ein Beispiel... Natürlich ist alles mit allem verbunden und der Kosmos steckt in den Dingen und die Dinge stecken im Kosmos. Aber dennoch, es geht weniger um das Ist, weniger um den Status, als so einer oder so einer. Es geht darum, dass man entweder einen (scheinbar) individualistischen Weg wählt und zwar zum Zwecke der oft schmerzhaften Selbstentwicklung und des Lernens oder aber man geht einen sehr bequemen Weg, man wird zum Herdenschaf. Jeglicher Kontext, der impliziert, dass Individualismus alleine dafür da ist, dem Egoismus seinen Weg zu bahnen hat mir mir nix zu tun. Sicher gibt es Menschen mit anderen Erfahrungen. |
| Goat93 | Man kann Individualismus nicht durch "wollen" errreichen, einige Leute sind es durch due Natur und wohl kaum Glücklich darüber... |
| Cagliostro | Goat der Anspruch glücklich zu sein, ist ein rein egoistischer Massstab, damit nebensächlich. Leben ist im Prinzip voller Leid, ob ich in der Masse mitschwimme oder nicht. Es ist für mich, wenn der Schmerz des Daseins ohnehin nicht abzuleiten ist, ehrenvoller dies als individuelles Einzelwesen zu tun. Richtig ist, man kann im Leben allein durch wollen nicht immer überhaupt etwas erreichen, vor allem wenn das "ich will" im "ich möchte" steckenbleibt. |