| Anubis-Schakal | Es gibt wohl kaum jemand, der nicht mitbekommen hat, das es der Wirtschaft schlechter geht (oder gehen soll). Meiner Meinung nach sieht es dannach aus, das das Wirtschaftsystem das wir im moment weltweit haben, so nicht mehr überlebensfähig ist. Meine Meinungen: - Unsere momentane Marktwirtschaft kann nur überleben, wenn sie wächst. Sprich: Stillstang = niedergang. Das problem: Nichts kann unbegrenzt wachsen. Wirtschaftsmässig ist die ganze Welt bereits erschlossen, die meisten Märkte ausgeschöpft und aufgeteilt. Ein weiteres Wachstum ist nur noch durch radikale Ausbeutung von Rohstoff- und Menschen(Arbeiter)-Resourcen möglich. Sprich: immer billiger produzieren zu billigsten Löhnen und Einkaufspreisen um den eigenen martkanteil auf kosten andere zu vergrössern. Und hier erleben wir gerade die Anfänge. - Besonders die einstmaligen "Industriestaaten" haben sich in den letzten Jahrzehnten zu reinen Endfertigern entwickelt. Ohne Lieferung aus dem "billigen" Ausland (das billig bleiben muss, aber nicht kann, da es auch mitziehen muss) ist eine Produktion hier gar nicht mehr möglich. Zudem kommt hinzu, das ein Hauptteil der Wirtschaftskraft der Industriestaaten (und auch Deutschlands) auf dem Finanzmarkt konzentriert wurde. Problem: Es wird mit reinen Summen gehandelt und spekuliert, mit denen zwar ehrhebliche Renditen gemacht werden können, die aber in keinster weise irgentwie materiell gedeckt sind. Es steckt nichts wirklich handfestes an Waren dahinter. Das bringt uns zum nächsten Punkt: - Der oben angesprochene Finanzmarkt ist inzwischen durch Spekulationen, falsche Wertlegungen/-schätzungen (siehe Hadge-Fonts) so überbläht, das es nur noch eine Frage der Zeit ist bis die Seifenblase platzt ..... die momentane Imobilienkrise in den USA und der Kursfall an der Börse letzte Woche sind nur die ersten Vorboten davon. Fazit: Es wird kein wirkliches Wirtschaftswachtum mehr geben, nur noch ein hin und her geschiebe der Märkte, bei der jeder versucht, den anderen preismässig zu unterbieten, während Löhne und die bereitschaft höhere Preise für Rohstoffe zu zahlen noch drastischer Sinken, als die Preise ... folge: zuerst bleiben die sozial schlechtgestellten auf der Strecke, den für diese ist kein Geld da, da sie keinen "effektiven Nutzwert" haben, auf dauer wird dabei aber auch die Mittelschicht auf der Strecke bleiben, da deren Lebensstandart bald auf das Niveau einstiger Geringverdiener absinken wird. Lediglich die wenigen der Oberschicht, die genug Geld haben um ihr Kapital zu verteidigen werden als gewinner hervorgehen ... es sei den es kommt zum grossen Knall, da auch ihre Anlagen fast nur auf dem virtuellen Vermögen der Finanzmärkte aufgebaut sind, dessen realer Gegenwert in materiellen Gütern (die auch immer mehr an Wert verlieren durch das verschieben der Märkte) schätzungsweise eher gering ist, und wenn diese grosse Seifenblase platzt, werden alle als Verlierer dastehen. Meiner Meinung nach müssen wir uns ganz schnell vom unserem System der Marktwirtschaft, das heute schon dabei ist, Formen des Sozialdarwinismus anzunehmen, verabschieden und eine neue Wirtschaftsform entwickeln, die den heutigen Umständen angepasster ist, die nicht mehr auf einem uneingeschränkten Wachstum der Märkte basiert und dem Handel mit rein virtuellen und spekulativen Werten einhalt gebietet. Aber ich fürchte, solange es noch für die Grossen gut läuft wird sich darann nichts ändern, bis alle Verlierer sind. Wie sind eure Ansichten darüber? |
| Ronin76 | [QUOTE]es sei den es kommt zum grossen Knall,[/QUOTE] Der kommt, ist nur eine Frage der Zeit. Interessant ist diese Theorie, laut der es im Kapitalismus unweigerlich in regelmäßigen Abständen zum Krieg kommen muß, damit neue Märkte entstehen können: [url]http://weltformel.gmxhome.de/weltformel/texte/FK.HTML[/url] |
| Stonehenge | Ich vertrete die Theorie daß man den Übergang vom quantitativen zum qualitativen Wachstum schaffen muß. Bsp.Autoindustrie: Nicht auf den Verkauf von immer mehr und immer schwereren Autos setzen, sondern in Richtung Verbrauchsminimierung arbeiten. Im Sinne knapper werdender Ressourcen rechnet sich das irgendwann auch finanziell. Bsp. Landwirtschaft: Ökolandbau statt Agrarindustrie befördern, von gesünderen Nahrungsmitteln und Tieren sowie weniger Schadstoffeintrag in der Natur haben außer den großen Düngemittel-, Pestizid- und Antibiotikaherstellern alle etwas. Bsp. Medizin: Altes Kräuterwissen wieder auffrischen anstatt die Menschen mit immer mehr Tabletten vollzustopfen. Gibt mit Sicherheit noch viele andere Punkte, aber um diese Uhrzeit fällt mir intensives Nachdenken zu schwer :) Daß viele Geldwerte auf den Finanzmärkten nur auf dem Papier existieren, ist mir klar. Mein "Kleinsparer-Aktiendepot" hatte durch die Kursrutsche immerhin ein Drittel seines virtuellen Wertes eingebüßt (inzwischen wohl wieder gestiegen, ich schau da nicht ständig rein). Ich hatte mich aber trotzdem diebisch gefreut weil ich endlich mal für wenig Geld ein paar Aktien zukaufen konnte. Die Schweiz fährt übrigens dem Anschein nach die letzten paar 100 Jahre ganz gut mit der Strategie sich hauptsächlich auf den Finanzsektor zu konzentrieren. Viel anderes geben die geographischen Verhältnisse dort vermutlich auch nicht her, weder Bodenschätze noch Landwirtschaft im großen Stil. Daß das derzeitige System Marktwirtschaft irgendwann abgewirtschaftet hat halte ich auch für wahrscheinlich, die Frage ist bloß was kommt danach? Ein totalitäres System, etwas demokratisches oder vielleicht mal zur Abwechslung etwas ganz neues? Stone |
| Cagliostro | Grundsätzlich ist eine freie Wirtschaft einer gelenkten Wirtschaft vorzuziehen. In Deutschland hat man eher weniger Erfahrung mit freien Wirtschaftsformen, da Adenauer und Erhard durch die Hintertüre eine gelenkte, teilweise regulierte Wirtschaft eingeführt haben. Somit hat man es erst seit vielleicht zehn, fünfzehn Jahren mit einer freien Form der Marktwirtschaft zu tun. Die Mentalität der Deutschen lässt nur sehr wenig Varianten zu, die Flexibilität ist eher gering. Der Wunschtraum in dem Betrieb zu bleiben, in dem man mit 14 Lehre gemacht hat, schwirrt immer noch durch die Köpfe. In einer psychologischen Landschaft, für die Freiheit wenig bedeutete, muss sich der Deutsche zurechtfinden und dies geht derzeit eher schlecht, weil er es in den Jahrhunderten des Obrigkeitdenkens nie gelernt hat, für sich selbst zu sorgen. Der Lehensherr hat ihn alimentiert und damit auch für ihn gedacht. Aus dem schützenden Kollektiv herauzutreten und nur für sich selbst Lösungen zu finden, überfordert den deutschen Menschen momentan. Dies führt mitunter zu falschen politischen Gedankengängen, NPD und/oder die Linke erfahren diverse Zuwächse. Beide Parteien wollen eine gelenkte Wirtschaft. Das ist aber der falsche Weg. Ein duales System ist der Ausweg. Auf der einen Seite eine ent-nationalisierte Wirtschaft, Teil eines globalen Systems, diverse "global Players", möglichst nicht gegängelt durch dubiose, regionale Rechtsvorschriften. Aber auch regionalisierte Märkte, vor allem in der Landwirtschaft, das Recht der Landwirte ihre Produkte selbst vermarkten zu dürfen, die Abschaffung der derzeitigen Planwirtschaft in der Landwirtschaft. Wo möglich Verzicht auf Geldwirtschaft. Das bedeutet, dass sich Geschäfte zusammenschliessen könnten, um Gutscheine oder Wertmarken auszugeben. Damit könnte man dort einkaufen. Die schrittweise Einführung von oekologisch sinnvollen bzw. fair gehandelten Waren. Mit momentanen Preissteigerungen ist zu rechnen dadurch. Stromsparen, Kraftstoff sparen etc. Es wird ohnehin Veränderungen geben. Es wäre natürlich gut, wenn sich gerade in Deutschland in der Mentalität etwas täte. Mehr geistige Flexibilität wäre nicht schlecht. |