| Cagliostro | Bzw. ist die Berichterstattung fast immer anti-serbisch. Vielleicht sollte man dies mal gerade rücken. Nein, ich bin nicht Serbe oder Russe. Rein völkerrechtlich gibt es keinen Zweifel an der Zugehörigkeit zu Serbien. Jugoslawien war teilweise ein fortschrittlicher, eben laizistischer Staat. Empfängnisverhütung und Abtreibung waren erlaubt. Dies hat die mehrheitlich muslimischen Kosovo-albaner nie so ganz erreicht. Vor einigen Jahrzehnte schon wurde die Parole ausgegeben, dass die Geburtenrate eine Art Waffe im Völkerkonflikt sei. Die Bevölkerungsmehrheit kann aber kein Argument dafür sein, dass der bislang immer unangezweifelte völkerrechtliche Status nun in Frage sei. Die hiesigen Medien berichten immer vom bösen Serben und dem armen unterdrückten Kosovo-albaner. Nun, die UCK und ihre Ableger waren und sind in dunkle Drogen-und Prostitutionsgeschäfte verwickelt. Sicher gibt es auch serbischen Rassismus und die Offensive in den 90ern war auch voller Übergriffe. Aber die Berichterstattung, vor allem in den bundesdeutschen Medien ist sehr einseitig, sehr pro-Albaner. Mir persönlich ist schon fraglich, warum das so ist. So wäre es gar nicht schwierig in einem deutschen Bundesland so bis zum Jahre 2015 als die und die Volksgruppe, sagen wir in Baden-Würrtemberg die Mehrheit der Bewohner zu stellen. Wäre B.W. dann völkerrchtlich kein Teil Deutschlands mehr? [url]http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=4816&Alias=dossiers&cob=315991&DosCob=318007[/url] |
| Apex | Nun, ob völkerrechtlich zu Serbien gehörend oder nicht, darüber kann man, wie bei so vielen Balkanländern, sehrsehr lange und ausdauernd streiten. Da könnte man auch argumentieren, dass die Republik Srpska zu Serbien gehört. Und wenn das, warum nicht gleich wieder Kroatien, Mazedonien etc. Tatsächlich haben Völker so etwas wie ein Selbstbestimmungsrecht, wenn also die Mehrheit der Kosovaren für die Unabhängigkeit stimmt (wobei ich nicht so ganz verstehe, warum man keine Anbindung an Albanien wünscht), dann sollte das Mutterland dies akzeptieren. Gut, die Kosovaren erwarten wohl kaum, dass man in Serbien Verständnis für sie aufbringt, immerhin hat die Regierung in Serbien seinerzeit versucht einen Genozid an der albanischen Bevölkerung zu begehen. Sicher ist die UCK keine romantisch-schöne Rebellenbewegung, wie jede Untergrund- oder Terrororganisation ist sie kriminell, auch gegen die Leute für die sie eigentlich kämpft, aber das ist nichts wirklich ungewöhnliches, dass hat man bei anderen Organisationen (ETA, IRA, FLNC...) auch. Trotzdem sollte es nicht von der Tatsache ablenken, dass das Anliegen an sich legitim ist. [QUOTE]So wäre es gar nicht schwierig in einem deutschen Bundesland so bis zum Jahre 2015 als die und die Volksgruppe, sagen wir in Baden-Würrtemberg die Mehrheit der Bewohner zu stellen.[/QUOTE] Die Geschichte Deutschlands ist dir aber bekannt? Die BRD ist ein föderales Gebilde, man könnte beinahe sagen Kunstgebilde. Sie entstand aus den Bundesländern heraus, nicht umgekehrt. Die BRD leitet ihre Legitimität in der Hoheit über Bundesangelegenheiten aus der Zustimmung der Bundesländer ab. Diese Bundesländer waren und sind schon immer eigenständige, völkerrechtliche Objekte gewesen. Tatsächlich unterhalten einige Bundesländer sogar eigene Botschaften. Rein theoretisch könnten die Bundesländer wieder ihre Unabhängigkeit voneinander einfordern oder sich anderen Staatsgebilden anschließen. Gehindert werden sie daran eigentlich nur durch das Prinzip der Bundestreue, dass BVerfGE spricht da eine deutliche Sprache. Nur, was passiert wenn ein Staat wie, sagen wir Bayern, wirklich ernst macht, sich aus dem Bund löst und das BVerfGE nicht mehr anerkennt, dass weiß kein Mensch...die Vorstellung wäre aber wirklich interessant. Wie gesagt, möglich isses... |
| Montrose | [QUOTE]Rein völkerrechtlich gibt es keinen Zweifel an der Zugehörigkeit zu Serbien. Jugoslawien war teilweise ein fortschrittlicher, eben laizistischer Staat. Empfängnisverhütung und Abtreibung waren erlaubt.[/QUOTE] Ein theoretisch interessanter Gedanke. Damit behauptest Du, es gäbe eine Art "Leitkultur", die darüber entscheidet, wem ein Land gehört. Ich würde dieser Argumentation nicht zustimmen. Die Zugehörigeit eines Landes ergibt sich aus der Zustimmungsberechtigung und nicht aus den Zustimmungsinhalten. Denn andernfalls könnte z. B. Deutschland plötzlich Amerika oder Rußland gehören, nur weil im Bundestag amerika- oder rußlandfreundliche Entscheidungen getroffen werden. |
| Cagliostro | Nein, es geht mehr darum, dass das Völkerrecht durchaus verbindlich ist. Egal, welche Realitäten sich in der Zwischenzeit ergeben haben mögen. Inwieweit Regierungen aus dem Ruder laufen und als Diktatur eben falsche Dinge anweisen und anstossen.... Inwieweit verblendeter Nationalismus Menschen Dinge tun lässt, die nicht in Ordnung sind, ist eine Sache. Es ist eine andere Sache, dass ich nicht in ein Haus ziehen kann, nachdem dann das zwölfte Kind auf die Welt gekommen ist, behaupte ich, dass das Haus mir gehören würde, denn es befände sich quasi eine Bevölkerungsmehrheit in dem Haus und diese hat beschlossen, dass das Eigentum daran, das ja woanders liegt, vom heutigen Tage an nichtig sei. Das ist Nonsens. @Apex die Bundesrepublik ist anderslautender Meldungen zum Trotz ein Bundesstaat, dies bedeutet in letzter Konsequenz, dass die Gliedstaaten ein theoretisches Recht haben, aus diesem Bund auszutreten. Es sind andere Voraussetzungen. Ähnlich wie Kroatien aus der Bundesrepublik Jugoslawien ausgetreten ist, könnte Bayern aus der BRD aussteigen, das Parlament in München müsste nur mit einer Dreiviertelmehrheit dies feststellen. Im Kosovo ist dies anders. Abgesehen davon, dass es die BRJugoslawien nicht mehr gibt. Irgendein norddeutscher Landkreis, in dem viele Dänen wohnen, könnte sich nicht einfach zur Norddeutsch-Dänischen Republik erklären, dies wäre illegal. Soviel zu den Unterschieden. |
| Apex | [QUOTE]Im Kosovo ist dies anders.[/QUOTE] Wieso ist das anders? Das Kosovo wurde schon immer mehrheitlich von Albanern bewohnt, warum sollten die nicht ein Selbstbestimmungsrecht haben dürfen? Außerdem halte ich dein Haus-Beispiel aus eben jenem Grund für völligen Nonsens, die Bevölkerung ist dort nicht erst hin gezogen, die Albaner stellen dort schon seit ewigen Zeiten eine Bevölkerungsmehrheit und fordert schon immer eine Unabhängigkeit von Serbien. Um dieses "Problem" zu lösen, hätte die Regierung Serbien beinahe einen Völkermord begangen, es steht für mich außer Frage, dass man von den Kosovaren nicht verlangen kann, ihre Souveränität an ihren potentiellen Mörder abzugeben. |
| Demon17 | Ich denke, viel wichtiger, ob der oder das Kosovo nun unabhängig wird oder nicht ist, dass Serbien sich der EU annähert. Mit oder ohne dieser Provinz, die ursprünglich das Stammland der Serben war. In der EU ist diese Kleinstaaterei möglich, obwohl sie irgendwann ihre Strukturen an die langsam unüberschaubar werdende Zahl an Mitgliedsstaaten anpassen muss. Zum Beispiel durch die Übertragung von mehr Kompetenzen an das Europaparlament. Solange aber auch dort überwiegend nationale Süppchen gekocht werden, wird dies dauern und Fortschritte bei der Intergration sind nur möglich, wenn eines der großen Länder zufällig die Ratspräsidentschaft inne hat. Ich frage mich welche Fortschritte Slowenien erzielen wird. Der Balkan war schon immer ein Krisenhert, weil in winzig kleinen Einheiten relativ viele nationale Minderheiten zusammenleben, so daß viele Staatsgebilde ohne einen transnationalen Überbau, wie ihn die europäische Union darstellt schon wirtschaftlich gar nicht lebensfähig wären. Lasst sie ihren Separatismus ausleben, aber lasst euch durch sie nicht aufhalten. Die Karawane zieht weiter, wer nicht will, der hat schon und wer icht mithalten kann muß sich halt ändern. Im übrigen ist in den Medien durchaus auch von der Vertreibung der Serben aus dem Kosovo berichtet worden. Das ehemalige Jugoslavien ist für mich ein gelungenes Beispiel, für den Erfolg einer harten Linie gegen die Verletzung der Menschenrechte. |
| Heph | Für mich ist der ganze Gang in hinblick auf Basken, Katalanen und Schoten Interessant. Schlussendlich wird hier ein Völkerrechtlicher Präzedenzfall geschaffen. Da wir hier auch über diese eine Un-Resolution und den verstoß gegen sie debatieren ist [URL=http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/NATO-Krieg/un-sr-res-1244.html]hier[/URL] der ins deutsche Übesetzte text. Das im Anhang A erwähnte Ramboulit Abkommen gibt es [URL=http://www.state.gov/www/regions/eur/ksvo_rambouillet_text.html]hier[/URL]. Unabhängig davon ob der Kosovo jetzt gegen die UN-Resolution verstößt was ist so schlimm daran das sie sich für unabhängig erklären? |
| Apex | Prinzipiell eigentlich gar nichts, völkerrechtlich ist es halt, wie gesagt was Neues und gerade im Hinblick auf die vielen Autonomiebestrebungen in Europa (Baskenland, Korsika, Katalonien...) sicherlich interessant zu beobachten. Problematisch ist es halt vor allem für die Kosovaren, solange der Staat als solcher nicht international anerkannt wird. Davon abgesehen ist der Staat an sich leider kaum überlebensfähig. Und wenn seine Majestät Zar Putin I. jetzt ein wenig herumpoltert, mag das vielleicht auch aus Angst davor sein, dass sich ein paar seiner Lehen in Russland auch auf den Weg in die Unabhängigkeit machen. Noch ein Tschetschenien? Das wäre auch für Putin im Moment etwas viel... |
| Cagliostro | So schafft die EU sich gerne Sonderfälle, die man hinterher mühsam zurechterklären muss. Warum darf ein wirtschaftlich schwachbrüstiges Land unabhängig sein, obwohl die völkerrechtlichen Voraussetzungen mehr als dubios sind? Im Falle Korsikas, des Baskenlandes oder sogar Bayerns wären im Rückblick (der Geschichte) diese Voraussetzungen zumindest ansatzweise gegeben oder zumindest einer Prüfung wert, die Wirtschaftskraft vorhanden usw. Da wird noch einiges auf Brüssel zukommen. Sehe das durchaus mit Vergnügen. Obwohl kein ordentliches Mitglied und vermutlich Lichtjahre davon entfernt,wird ein unabhängiger Kosovo immer am Tropf Brüssels hängen. die nächsten 30 Jahre. Die Polizeifunktion der Bundeswehr, die einen Widerspruch an sich darstellt, wird weiterhin gegeben sein. Gut, dass Genscher nicht mehr im Amt ist, der hätte jetzt wieder an irgendeinem Balkon einseitig die Anerkennung ausgesprochen. Der gute Mann weiss bis heute nicht, dass er den 1.Balkankrieg ausgelöst hat... |
| Apex | [QUOTE]So schafft die EU sich gerne Sonderfälle, die man hinterher mühsam zurechterklären muss.[/QUOTE] Na, ich weiß net, ob man der EU da die Schuld geben sollte (insofern man von Schuld reden möchte). Die Kosovaren hätten sich so oder so für unabhängig erklärt, ehrlich gesagt denke ich, für die Kosovaren stand etwas anderes nie wirklich zur Debatte. Ohne die Zustimmung von USA und EU wäre das wohl in einem neuen Balkankrieg geendet... [QUOTE]Warum darf ein wirtschaftlich schwachbrüstiges Land unabhängig sein, obwohl die völkerrechtlichen Voraussetzungen mehr als dubios sind?[/QUOTE] Weil es so entschieden hat. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker erlaubt es jedem Volk der Welt für sich souveräne Entscheidungen zu treffen. Btw. darf man die Schuld für die wirtschaftliche Schwäche getrost auf Belgrad schieben, warum auch eine Region fördern die mehrheitlich von "Minderwertigen" bewohnt wird. Sicher auch ein Grund für die Unabhängigkeit. [QUOTE]die nächsten 30 Jahre.[/QUOTE] Du glaubst doch nicht im ernst, dass ein unabhängiges Kosovo so lange bestand haben wird? Es wird nicht lange dauern und Kosovo wird einen engen Kontakt zu Albanien suchen... Womit du hier überhaupt das Problem hast, verstehe ich nicht. Sei doch froh, dass einmal in der Geschichte Territorialkonflikte weitestgehend gewaltlos gelöst werden. |
| Lacerta | [QUOTE]Ich denke, viel wichtiger, ob der oder das Kosovo nun unabhängig wird oder nicht ist, dass Serbien sich der EU annähert. Mit oder ohne dieser Provinz, die ursprünglich das Stammland der Serben war. In der EU ist diese Kleinstaaterei möglich, obwohl sie irgendwann ihre Strukturen an die langsam unüberschaubar werdende Zahl an Mitgliedsstaaten anpassen muss. Zum Beispiel durch die Übertragung von mehr Kompetenzen an das Europaparlament. Solange aber auch dort überwiegend nationale Süppchen gekocht werden, wird dies dauern und Fortschritte bei der Intergration sind nur möglich, wenn eines der großen Länder zufällig die Ratspräsidentschaft inne hat.[/QUOTE] Angesichts dessen, dass wohl nun weitere Minderheiten in Europa ihre Unabhängigkeit anstreben werden, sollte man sich ein paar Gedanken um ein anderes Europäisches Modell machen. Denn ein Europa, welches sich auf souveräne Nationalstaaten aufbaut, führt bei Zunahme der Kleinstaaterei zu weiteren Problemen. Das momentane Europa hat, was die Lenkbarkeit betrifft, bei einer bestimmten Anzahl von Mitgliedsländern ihre Grenzen! Ich schlage deswegen ein föderales Europa vor, da nur ein solches Europa den Wünschen und Bedürfnissen der vielfältigen Kulturen gerecht werden kann. Ein Europa mit 100 verschiedenen Lebensweisen, Sprachen, Kulturen etc. hat als ein föderaler Staat mit 100 "Bundesstaaten", in welchem jede Kultur seinen eigenen Bundesstaat erhält, die besten Chancen auch weiterhin zu bestehen und für Frieden zu sorgen. Schon heute sind viele Nationalstaaten innerlich zerstritten, da sich jeder Nationalstaat in noch viele weitere Kulturgruppen unterteilen lässt und ein Nationalstaat die Interessen der Minderheiten meist nicht vertreten kann. Deutschland als föderaler Staat zeigt schließlich vor, dass es funktionieren kann, auch wenn ich dazu neige ein föderales Europa in nicht mehr als 100 Bundesstaaten zu unterteilen. Europa sollte allerdings schnell handeln. Schon heute pochen viele Minderheiten in Großbritannien, Belgien, Spanien, Italien usw. auf ein gewisses Maß an Souveränität, was natürlich viele Unruhen mit sich bringt. Belgien ist wohl das beste Beispiel, da dieses scheinbar ebenfalls kurz vor dem Zerfall steht. |
| Cagliostro | Was ist ein Europa wert, dass sich von den USA vorschreiben lässt, wer in die Völkerfamilie aufgenommen wird und wer nicht. Wer über längere Zeit in die EU kommt oder auch nicht. Das ist nicht das Europa, in dem ich leben will. Schon gar nicht wenn ein US-Präsident einen Staat für unabhängig erklärt, dessen Geschichte er nicht kennen kann, dessen Geographie für ihn ein Buch mit Sieben Siegeln ist. Die USA sind ein Land, in dem Budapest, Bukarest oder Repznek Vladska völlig irrelevant sind und kein Schwein interessiert. US-Truppen landen auf Granada und haben Stadtpläne von Panama dabei. Arg. Geographie 6. Ein Präsident, der die Ukraine nicht von der Bretagne unterscheiden kann, was soll so etwas? |
| Lacerta | [QUOTE]Was ist ein Europa wert, dass sich von den USA vorschreiben lässt, wer in die Völkerfamilie aufgenommen wird und wer nicht.[/QUOTE] Europa ist kein statisches Konstrukt, sondern extrem wandelbar. Was es heute ist, kann es morgen schon nicht mehr sein. Was früher eine Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl war, ist heute eine politische Union mit einer halben Milliarde Bürger. Die EU-Bürger sollten sich allmählich als Einheit verstehen, denn als einheitliches Wirtschaftsgebilde ist die EU bereits heute wirtschaftlich potenter als die USA. Der Grund weshalb die USA gegenüber der EU eine solch stärkere internationale Rolle spielt ist der, dass die EU zu sehr mit sich selbst zerstritten ist. Zu viele nationale Egoismen, zu viele Reibungsenergien die unnötig verloren gehen. Was die Anerkennung angeht, zeigt das Beispiel Kosovo ja bereits, dass die vielen einzelnen EU-Staaten als solche keine klare Linie finden können. Hier ist eine einheitliche EU-Außenpolitik dringend notwendig, schon allein deswegen, um als eine Union glaubwürdig zu bleiben und um einen Gegenpol zu den anderen Weltmächten der Erde zu schaffen. Ein kleines Deutschland, welches sich gerne einredet eine Weltmacht zu sein, kann in der Realität auf der internationalen Weltbühne nur wenig ausrichten. Das jahrhunderte alte Prinzip der Nationalstaatlichkeit ist in einer globalisierten Welt eindeutig überholt. Es ist Zeit dieses für etwas größeres aufzuopfern, um die Globalisierung und die Geschicke der Welt mitgestalten zu können bevor es zu spät ist. |
| Cagliostro | Naja, somit kann ich am heutigen Todestag von Andreas Hofer feststellen, dass es z.B. immer noch nicht ein Tirol gibt und dies vermutlich niemanden interessiert in Washington. Die völkerrechtliche Situation ist eindeutig. Südtirol ist Teil Österreichs. Dies erklärt sich aus der Geschichte. Mussolini hat versucht Menschen aus Süditalien anzusiedeln, was in mehrerlei Hinsicht ein Verbrechen war, weil diese Süditaliener auch nicht freiwillig am Brenner waren. Mussolini wollte genau das tun, was die Kosovoalbaner herbeigeboren haben, die Bevölkerungsmehrheit erreichen. Aber was ändern die biologischen Tatsachen an einem völkerrechtlich verbindlichen, juristischen Anspruch? Somit ist Serbien völkerrechtlich Herr über den Kosovo, auch wenn der eine oder andere Machthaber Menschenrechtsverletzungen angeordnet haben mag usw. Auch wenn serbische Generäle sich Kriegsverbrechen schuldig gemacht haben. Man muss das eine vom anderen trennen. Was bleibt ist ein völkerrechtlich-juristischer Anspruch, der zu Recht besteht, der aber mit Hilfe der USA unterdrückt wird. Man stelle sich vor, man hat (als Eigentümer) ein Grundstück und der Besitzer rückt es nicht raus, nein er holt sich noch irgendeinen Dubiosen Berater aus Übersee, der eine Waffe auf dich hält. Absurd. |
| Apex | Wie du darauf kommst, dass die USA hier irgendwem vorschreiben was sie zu tun haben ist mir schleierhaft. Auch ohne die Unterstützung der USA hätten Frankreich und Deutschland und viele andere EU-Staaten Kosovo anerkannt. Das die USA Frankreich irgendwelche außenpolitische Vorschriften machen könnten, daran glaubst du doch wohl selbst nicht. Und ob das Kosovo historisch serbisch ist, na, darüber lässt sich ja auch vortrefflich streiten. Wenn wir in die Antike zurückgehen, dann wurde das Kosovo von Illyrern bewohnt, welche die Vorfahren der heutigen Albaner sind... Aber ich finde die Geschichte sollte so oder so vor den realen gesellschaftlichen Verhältnissen im Kosovo zurückstehen müssen. Und von einer Spaltung der EU wollte ich jetzt auch nicht reden wollen. Wenn man sich die momentanen Staaten ansieht, die das Kosovo nicht anerkennen wollen wird doch deutlich, warum. Spanien, Zypern, Rumänien...alle diese Staaten haben schlicht und einfach Angst, dass die eigenen Volksgruppen und Minderheiten verstärkt auf Sezession drängen. Auch diese Staaten werden bald das Kosovo anerkennen...in aller Stille... Btw. stellst du Cagliostro es so dar, als ob die rechtliche Sachlage klar und auf der Seite der Serben stünde. Dem ist definitiv nicht so. Ich persönlich halte die Auslegung des Völkerrechts von Serbien für höchst obskur, da sie das Selbstbestimmungsrecht der Völker herabstuft, wo es doch eigentlich eines der höchsten Güter sein sollte. Und von angeordneten Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen zu reden, halte ich ebenfalls für eine schamlose Untertreibung, wenn damit ein geplanter Völkermord gemeint sein sollte. |
| Cagliostro | Ach die alte Illyrergeschichte...naja........ Wie dem auch sei, die Wiege der europäischen (geistigen)Kultur liegt in Griechenland, dies nur am Rande. Der grosse Geograph George Bush hat den Kosodingsbums als erster für Unabhängig erklärt. Dreimalsoviel GIs wie etwa BW-Soldaten stehen im Kosovo, obwohl Dubblya sie gerne im Irak verheizen würde. Zufälle gibts aber auch... Nun, die USA haben sich sehr massiv in die Balkangeschichte eingebracht. Aber klar, man braucht ja auch vor Ort willige Helfer für geheime CIA-Gefängnisse (Mazedonien z.B.). Nach Definition der US-Aussenpolitik gibt es aufeinmal böse Moslems und gute Moslems. Die guten Moslems sitzen nach Meinung Washingtons in Pristina. Naja... :rolleyes: |
| Cagliostro | Die "0" stammt aus Mittelamerika. Das Prinzip überhaupt mit Zahlen zu arbeiten aus dem alten Rom. Ansonsten wird die Mathematik aber durchaus gerne überbewertet. Für alle, die es noch nicht wussten: die Mathematik ist eine Hilfswissenschaft! Nicht mehr und nicht weniger. Hat wohl nur bedingt mit dem Kosovo zu tun. Vielleicht weil man aus 1 auch 2 machen kann. Es wird eine Abspaltung von der Abspaltung geben. 100.000 Serben wollen sicher keine Albaner werden. |
| Apex | Wie du hier mit Unwissen und Halbwahrheiten um dich wirfst ist wirklich sehr beachtlich. Die derzeitige Truppenstärke der US-KFOR beträgt 3000 Mann, die der Deutschen ebenfalls 3000 Mann. [QUOTE]Ach die alte Illyrergeschichte[/QUOTE] ...ist mindestens genauso haltbar wie deine... Das Interesse der Europäer und der USA am Balkan ist ganz einfach. Man möchte so nah an Europa Ruhe haben und einen stabilen Balkan. Alles andere als eine Unabhängigkeit des Kosovo hätte in einem neuen Balkankrieg geendet und Möglicherweise wieder in einem Massen- oder Völkermord von serbischer Seite... Mal ganz abgesehen davon, gibt es auch in Serbien Stimmen, gerade von Jugendlichen und Intellektuellen, die die Unabhängigkeit des Kosovos begrüßt haben... |
| WhiteRabbit | Thurgauer Zeitung vom Sepember 07 ----------------------------------------------- „Kriminalität ist Charaktersache- Faulheit auch, und Herkunft nie von Bedeutung“. Immigranten aus dem Balkan geniessen in der Schweiz einen eher bescheidenen Ruf. Am 25. November 2007 nahmen Dr. Ernst Bühler, Soziologe an der Universität Konstanz, Fitim Kamberi, Leiter der Albanisch-Islamischen Gemeinschaft «Hëna e re» und Max Liechti, Pastor der Pfingstgemeinde Kreuzlingen, die Einladung zu einem „dreier Interview“ an. Hauptthema war der Rassismus. In der Schweiz sind es die Albaner, die Jugoslawen oder die Türken, welche Opfer des Rassismus und der Verallgemeinerung werden. Ein Grossteil der Schweizer bringen die Immigranten der Balkan-Region automatisch in Verbindung mit Kriminalität, Schmarotzertum und Faulheit. Gleich wie vor 50 Jahren, als die Italiener in die Schweiz einwanderten, wünschen sich viele Schweizer heute, dass die Ausländer sich den hiesigen Gepflogenheiten besser anpassen würden. Für Max Liechti von der Pfingstgemeinde ein sehr wichtiger Aspekt der Integration: „Die Menschen aus dem Balkan müssen sich dem Schweizervolk anpassen und sich unserer Kultur beugen. Auch ihr Glauben sollten sie hinterfragen“ meint er provokativ. Die Aussage ist ein Standartsatz von Einheimischen. An einer Umfrage vor dem Coop Supermarkt in Kreuzlingen antworteten gut achtzig Prozent der Befragten, dass die Ausländer sich dem Schweizer Volk anpassen müssen. Sie wären ja schliesslich Gäste. Es sind Aussagen die Fitim Kamberi unruhig auf dem Stuhl hin und her schaukeln lassen. „Es ist nicht richtig, von Einwanderern zu verlangen, dass sie ihre Kultur aufgeben müssen. Sowie es auch utopisch ist, von ihnen zu erwarten, im Nu die deutsche Sprache zu erlernen“. Gut siebzig Prozent der eingewanderten Albaner arbeiten mehr als zweiundvierzig Stunden in der Woche, fügt er hinzu und verweist auf das Bundesamt für Statistik. Eine Sprache zu lernen ist teuer und braucht Zeit. Und beides ist bei den Immigranten Mangelware. Die (Aus) Sprache schreckt ab Der Soziologe Ernst Bühler untersuchte den Grund warum die Balkan-Immigranten so unbeliebt beim Schweizer Volk sind. Seine Erkenntnis ist verblüffend. So trage die Sprache der Albaner oder Jugoslawen einen grossen Teil dazu bei, Misstrauen in Schweizern zu wecken. Denn die slawischen Sprachen seien hart und „Schlangen“ ähnlich. Für das Schweizer Ohr tönt sie aggressiv und arrogant. Dort sieht Bühler auch der Grund, warum Italiener eine grosse Beliebtheit geniessen. Im Gegensatz zur slawischen Sprache ist die romanische Sprache warm und weich. Bühler weist aber dennoch darauf hin, dass die Medien ihrerseits einen grossen Teil zur Diffamierung der Ausländer beitragen. Vor einem halben Jahrhundert besassen diese noch nicht die Macht und Möglichkeit, Meinungen zu manipulieren, wie es heute der Fall ist. „Dank den Medien gibt es keinen dankbareren Wahlkampf-Aufhänger als das Ausländerproblem“ lautet sein Fazit. 2450 Franken? Dann wär ich ja ein Bettler! Die Immigration ist eine Randerscheinung der Globalisierung. Durch die Vernetzung der Länder, den Möglichkeiten von Transport und die Expansion der Schweizer Konzerne, sind Menschen von anderen Ländern aufmerksam auf das Wohlstands-Paradies im Herzen Europas geworden. Im Süden Italiens lacht man laut darüber wenn es heisst, dass eine Familie mit 2450 Franken pro Monat in der Schweiz als Arm gelte. „Dann wär ich ja ein Bettler“ lacht Giuseppe Messina ins Telefon und erzählt, dass er mit 600 Euro pro Monat zu den glücklicheren gehöre. Bühler erklärt, dass der Wohlstand den Charakter präge, wie es auch die Armut tut. Wohlhabende Menschen seien weit aus geiziger und immer in Sorge ihr unbeschwertes Leben mit jemand anderem teilen zu müssen. Arme Menschen werden apathisch oder kriminell und nur im besten Falle Lebenskünstler. Für Immigranten stehe das überleben an erster Stelle, danach kommt erst die Integration. „Wir haben andere Sorgen. Eine Sprache zu lernen, ein Dorffest zu besuchen, dass können wir nur, wenn unser Kopf frei vom Überlebensgedanke ist.“ Das Gespräch endet in einem Geplauder und nach gut zwei Stunden eint man sich auf den etwas eigenwilligen, aber durchaus zutreffenden Satz: „Kriminalität ist Charaktersache- Faulheit auch, und Herkunft nie von Bedeutung“. |