| ange gardien | Ich habe heute festgestellt, dass in meinem Bekanntenkreis ( der zum Großteil aus Leuten mit höherem Bildungsabschluss besteht ) auf Anhieb fast niemand etwas mit diesem Datum anfangen konnte. Dieser Gedenktag ist fast völlig aus dem öffentlichen Bewußtsein verschwunden. Schade, angesichts einer Entwicklung, die das Land die letzten Jahre über in eine bedenkliche Richtung lenkte und lenkt. [SIZE=1]( Während unser Innenminister weiter fleissig am Abbau der Bürgerrechte arbeitet, wird übrigens in Brüssel momentan darüber beraten, wie mit der abtrünnigen Teilrepublik Irland verfahren werden soll ).[/SIZE] |
| Seneca | Nun ja...dafür haben wir doch jetzt einen 3. Oktober. der 17. war ein WESTdeutscher Feiuertag der auf einem Ereignis in der DDR beruhte...ich fand das schon immer recht anmaßend und etwas hegemonial. Schließlich war es der 3. OKtober 1990 der die Einheit brachte... nicht der 17. Juni 1953. |
| Cabal | Aha... Und was hat dein Bekanntenkreis nun mit uns zu tun? Das am 17. Juni 1953 mal was gewesen ist muss man auch ersteinmal beigebracht bekommen und dass selbst höherwertige Schulabsolventen mit diesem Datum nichts mehr anzufangen wissen liegt nicht an mangelnden Interesse oder zurückfallenderm Nationalbewusstsein oder Intelligenz, sondern schlicht und ergreifend daran dass dieses Thema heutzutage nunmal nichtmehr so emotional behandelt wird wie früher. Es ist allenfalls noch ein Datum, nötig um die Geschichtsprüfung zu bestehen. Ach und überhaupt.. aus dem Gesichtspunkt aus dem ange gardien dieses Thema betrachtet wurde es früher auch gar nicht behandelt... der 17. Juni war früher nur ein gern herangezogenes Datum den Kommunismus zu diskreditieren.. wer glaubt den ernsthaft in Schulen würde [i]allgemeine[/i] Regierungskritik beigebracht...? |
| Organdi | ich sag nur soviel dazu: 94,5 Radio Cottbus lässt die bewohner der stadt auf gar keinen fall vergessen, was das für ein datum ist (war). heute hat sich anscheinend das gesamte radioprogramm nur um den 17.06.1953 gedreht. ob die Cottbusser sich jetzt jetzt besonders gebildet fühlen dürfen? |
| Organdi | ... |
| Demon17 | Ich finde es irgendwie bezeichnend, das hier niemand erwähnt, worum es beim 17. Juni 53 ging. Das gab einen Wissensvorsprung von einigen Stunden. Denn gestern dürften sich sämtliche Nachrichtensendungen mit dem "faschistischen Putsch" beschäftigt haben, wie es die SED damals nannte. [URL=http://www.mdr.de/geschichte/reise/ereignisse/4828328.html]17. Juni 1953[/URL] |
| Gothic | Schade dass auf dieser Seite nur stand, was dort war und die Festnahmen und Todesopfer, aber nicht zu welchem Ergebnis die Leute dort gekommen sind! |
| Manley | augenscheinlich zu keinem, sonst wäre die wende wohl nicht erst '89 gekommen... :rolleyes: |
| Demon17 | Das Ergebnis war ein antifaschistischer Schutzwall und jede Menge Stasi und IMs. Ich meine im Westen konnte man sich wenigstens die Illusion über die Menschheit bewahren, wenn man weit genug ausstieg.... ;) aber ich habe gehört im Osten haben es auch einige nicht mitgekriegt. |
| Gothic | Aber es sit schon recht heftig, das so viele dort gestreikt haben, so etwas würde es heue nciht mehr in so grossen Ausmaßen geben! |
| Demon17 | Ja nun, wenn die Produktionsnormen für eine gesamte Volkswirtschaft einfach stark hochgesetzt werden und die Versorgung der Bevölkerung unzureichend ist, weil die DDR ja enorme Reparationsleistungen an die UDSSR leisten musste, während der Westen Kredite durch den Marshallplan bekam, darf man sich nicht wundern. |
| Apex | Da möchte ich hier doch glatt auf ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung verweisen. Bei [URL]www.17juni53.de/[/URL] findet man umfangreiche Informationen über den 17. Juni 1953 und seine Vorgeschichte, außerdem gibt es eine umfangreiche Sammlung an Materialien und Verweisen, darunter am beeindruckendsten, wie ich finde, die Originalaufnahmen der Radiosendungen von RIAS Berlin. Wenn man sich für den 17. Juni interessiert, ist man auf dieser Seite garantiert nicht falsch. Insgesamt finde ich es auch sehr schade, dass der 17. Juni 1953 ein wenig in Vergessenheit zu geraten scheint, ist er doch einer der wichtigen Tage in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts, wenn nicht gar der europäischen. |
| Cabal | [QUOTE]Zitat: Demon17 Ich finde es irgendwie bezeichnend, das hier niemand erwähnt, worum es beim 17. Juni 53 ging. Das gab einen Wissensvorsprung von einigen Stunden. Denn gestern dürften sich sämtliche Nachrichtensendungen mit dem "faschistischen Putsch" beschäftigt haben, wie es die SED damals nannte. 17. Juni 1953[/QUOTE] Im Zeitalter der wuchernden Netcrawler erwartet vielleicht auch einfach niemand mehr eine umfassende historische Ausarbeitung der Geschehnisse aus seinem Gedächtnis vornehmen zu müssen um alle Beteiligten über den Tag aufzuklären wenn für die Bildungslücken im Allgemeinen Google und Wikipedia ganz gut herhalten können. Und welchen praktischen Nutzen soll das Wissen um diesen Tag schon bringen? Ich finde es schon nicht mehr witzig wie sich immer und immer wieder hierzulande über die Unkenntniss der Bedeutung diverser Tage aufgeregt wird, ohne im gleichen Atemzug auch begründen zu können warum es ja so furchtbar wichtig sei, dass zu wissen. |
| Demon17 | Tja, vielleicht kann man ja aus der Vergangenheit lernen? Mir ist während meiner Studienjahre aufgefallen, das es ohne historische Grundkenntnisse wenig Sinn macht über die Menschen nachzudenken. Es führt zu verfehlten Vergleichen am Ideal, statt zu einer nüchternen Analyse des War-, Ist- und Sollzustandes. man lernt etwas über die Mechanismen der sozialen Organisation, die Utopien in ihr Gegenteil verkehrt. man lernt, dass die postulierten Ziele weniger wichtig sind, als die Strategien und Verfahren mit denen sie angestrebt werden. |
| TheTurningPoint | [QUOTE][i]Original geschrieben von Demon17 [/i] Tja, vielleicht kann man ja aus der Vergangenheit lernen? Mir ist während meiner Studienjahre aufgefallen, das es ohne historische Grundkenntnisse wenig Sinn macht über die Menschen nachzudenken.[/QUOTE]Wobei es meines Erachtens problematisch ist, seine Lehren vor allem aus den Ereignissen "besonderer Tage" ziehen zu wollen. An solchen Tagen sind meist Leute mit den [URL="http://www.dhm.de/lemo/forum/kollektives_gedaechtnis/177/index.html"]verschiedensten Interessen[/URL] beteiligt, die mit dem eigentlichen Thema (wie hier z.B. Normerhöhungen und unzureichende Versorgung) oft gar nichts zu tun haben. Da sind oft Leute dabei, die aufmucken und provozieren wollen, oder ganz private Rechnungen begleichen wollen. Für nüchterne Analysen ist es besser, etwas größere Zeiträume zu betrachten (Monate, Jahre), um die sozialen und Machtverhältnisse besser zu verstehen. Das Jahr 1953 ist noch zur Stalin-Ära zu rechnen, auch wenn deren Namensgeber Anfang des Jahres gestorben ist (Stalins Tod mag einer der Gründe gewesen sein, einen Aufstand gegen die Verhältnisse überhaupt zu wagen). Zu einer gewissen Lockerung kam es erst mit dem [URL="http://www.dhm.de/lemo/html/DasGeteilteDeutschland/DieZuspitzungDesKaltenKrieges/TeilungDeutschlands/entstalinisierung.html"]20.KPdSU-Parteitag 1956,[/URL] auf dem die Politik Stalins "etwas kritischer beleuchtet" wurde. Dass sich trotzdem nicht viel geändert hatte, zeigten die [URL="http://www.dhm.de/lemo/html/DasGeteilteDeutschland/DieZuspitzungDesKaltenKrieges/TeilungDeutschlands/ungarn1956.html"]Ereignisse in Ungarn 1956.[/URL] Einen guten Eindruck über die Verhältnisse zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten kann man sich oft verschaffen, indem man Quellen nutzt, die nicht vorrangig sondern eher nebenbei politische und wirtschaftliche Situationen beschreiben. Da wird weniger Aufwand getrieben, den Leser in eine bestimmte Richtung zu lenken. Ein solches Buch ist zum Beispiel [URL="http://www.amazon.de/dp/3861534274"]"Uran für Moskau" von Rainer Karlsch,[/URL] in dem es vorrangig um die Geschichte des Wirtschaftsunternehmens "Wismut" geht. Da erfährt man (quasi nebenbei) viel über die Situation der verschiedensten Leute in den 50er Jahren. [QUOTE]man lernt etwas über die Mechanismen der sozialen Organisation, die Utopien in ihr Gegenteil verkehrt.[/QUOTE]Ja, gerade solche [URL="http://www.dhm.de/lemo/html/DasGeteilteDeutschland/JahreDesAufbausInOstUndWest/ZweiStaatenZweiWege/17Juni1953.html"]Aufstände[/URL] und Revolutionen zeigen, dass die ursprünglichen Ziele von immer mehr anderen Zielen überlagert werden. [QUOTE][b]man lernt, dass die postulierten Ziele weniger wichtig sind, als die Strategien und Verfahren mit denen sie angestrebt werden.[/b][/QUOTE]Zu dieser Erkenntnis bin ich im Laufe der Zeit auch gelangt. |
| Cagliostro | [QUOTE][i]Original geschrieben von ange gardien [/i] [B]Ich habe heute festgestellt, dass in meinem Bekanntenkreis ( der zum Großteil aus Leuten mit höherem Bildungsabschluss besteht ) auf Anhieb fast niemand etwas mit diesem Datum anfangen konnte. Dieser Gedenktag ist fast völlig aus dem öffentlichen Bewußtsein verschwunden. Schade, angesichts einer Entwicklung, die das Land die letzten Jahre über in eine bedenkliche Richtung lenkte und lenkt. [SIZE=1]( Während unser Innenminister weiter fleissig am Abbau der Bürgerrechte arbeitet, wird übrigens in Brüssel momentan darüber beraten, wie mit der abtrünnigen Teilrepublik Irland verfahren werden soll ).[/SIZE] [/B][/QUOTE] Der 17.Juni ist evtl. auch eine CIA-Aktion gewesen, wie die nicht geklückte Invasion in der Schweinebucht. Was das mit der Republik Irland zu tun hat, ist mir nicht ganz klar. Irland ist derzeit der Musterschüler der EU, hat sehr viel Fördermittel erhalten, allerdings auch etwas daraus gemacht. |
| demelza | [QUOTE][i]Original geschrieben von Gothic [/i] [B]Schade dass auf dieser Seite nur stand, was dort war und die Festnahmen und Todesopfer, aber nicht zu welchem Ergebnis die Leute dort gekommen sind! [/B][/QUOTE] nanu? Geht das denn nicht eindeutig aus dem Text hervor? "In den Tagen um den 17. Juni 1953 kam es in der DDR zu einer Welle von Streiks, Demonstrationen und Protesten, die als Volksaufstand des 17. Juni bezeichnet werden. Es war der erste Volksaufstand" - so Wikipedia. Da steht außerdem, dass der Aufstand niedergeschlagen wurde: "Niederschlagung des Aufstands und Kriegsrecht ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Die sowjetischen Behörden reagierten mit der Verhängung des Ausnahmezustands für 167 der 217 Landkreise der DDR. Gegen 13 Uhr wurde durch den Militärkommandanten des sowjetischen Sektors von Berlin, Generalmajor Pawel Dibrowa, in Ost-Berlin der Ausnahmezustand verkündet, der erst am 11. Juli 1953 wieder aufgehoben wurde. Mit dieser Ausrufung des Kriegsrechts übernahm die Sowjetunion offiziell wieder die Regierungsgewalt über die DDR. Die bereits ab 10 Uhr in Berlin, in den Bezirken zeitversetzt gegen Mittag oder Nachmittag einrückenden sowjetischen Truppen demonstrierten vor allem Präsenz, denn mit dem Eintreffen der Panzer verlor der Aufstand schnell an Schwung; zu größeren Angriffen auf das Militär kam es nicht. Insgesamt waren 16 sowjetische Divisionen mit etwa 20.000 Soldaten im Einsatz, sowie rund 8.000 Angehörige der Kasernierten Volkspolizei (KVP). Obwohl die sowjetischen Behörden die Situation schon am 17. Juni weitgehend unter Kontrolle brachten, kam es auch in den darauf folgenden Tagen noch zu Protesten, vor allem am 18. Juni, in einzelnen Betrieben aber auch noch bis in den Juli hinein. So wurde am 10. und 11. Juli bei Carl Zeiss Jena und am 16. und 17. Juli im Buna-Werk Schkopau gestreikt. Die Stärke des 17. Juni 1953 wurde aber nicht mehr annähernd erreicht. Intensiv war eine erste Verhaftungswelle. Mit etwa 6.000 Verhaftungen durch Polizei, MfS und Sowjetarmee wurden vor allem so genannte „Provokateure“ verfolgt." [COLOR=crimson]Quelle: [url]http://de.wikipedia.org/wiki/17._Juni_1953[/url] [/COLOR] ~~~ noch Fragen zu dem weiteren Verlauf? |