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  Forum: Des Kaisers Bart
    Thema: Wahlentscheidungspsychologie?! (Bundestagswahl 2005)
DarkHazeBeim Stöbern durch schon etwas ältere Nachrichten fiel mir folgendes auf. Es ist vielleicht leicht zu erklären, aber ich selbst habe es noch nicht geschafft... Vielleicht findet ihr eine Antwort auf diese alte aber noch immer interessante Frage...

Quellen:
[url]http://www.infratest-dimap.de/?id=51[/url]
[url]http://www.election.de/thermohist2.html[/url]

Die Umfrageergebnisse für die CDU blieben über zwei Monate hinweg stabil auf einem 42%-Niveau. Währenddessen sammelte die SPD einige Wähler von den doch etwas spektischen Neulingen der PDS ab. So zumindest der deskriptive Eindruck.

Am Tag der Wahl jedoch (18.09.2005) fiel das Ergebnis für die CDU erschreckend nüchtern aus: SPD und CDU waren auf Augenhöhe, das ist uns allen noch in Erinnerung.

Warum diese große Differenz zwischen den Umfragen und der Wahl? Die CDU verlor innerhalb einer Woche über 6% - ein gewaltiger Zusammenbruch.

Erste Vermutung: Stichprobenfehler. Umfragen sind "halt nicht repräsentativ" für die tatsächlichen Wähler. Da verwundert die schlechte Vorhersage der Wahlergebnisse nur wenige.

Das Problem: Alle Umfragen nach dem 18.09.2005 entsprechen sehr exakt dem amtlichen Wahlergebnis. Das schließt einen Stichprobenfehler aus. Die Umfragen scheinen tatsächlich jene Leute abgebildet zu haben, die auch zur Wahl gegangen sind. Die intuitive und alltägliche Erklärung, dass man auf Umfragen nichts geben kann, zieht demnach hier nicht.

Was also ist an dem Tag der Wahl passiert, dass sich dermaßen viele (6%!) umentschlossen haben? Das schreit geradezu nach einer Art Wahlentscheidungspsychologie.

Deskriptiv ist suggeriert, dass diese 6% maßgeblich zur FDP abgewandert sind, da diese just ab diesem Tag um starke und vor allem zeitlich stabile 4% zulegte - eine noch viel gravierendere Änderung als in der CDU. Die FDP hat seit der Wahl ein völlig neues Niveau erreicht, das sich im Grunde bis heute noch hält.

Wie hat ein einziger Tag die Wählerschaft zweier Parteien so deutlich und solide geändert? Was geht in den Köpfen vor, wenn Leute vor der Wahlurne stehen?
Goat93Der Wahlzähler war nen besoffener Nazi
Demon17Nun die Standardantwort lautet, die klassischen sozialen Mileus lösen sich auf. Die traditionelle Parteienbindung der Wähler schwindet. Es gibt mehr Wechselwähler, die sich erst im letzten Moment entscheiden. 14 Tage vor der Wahl werden jedoch keine neuen Umfragen mehr veröffentlicht soviel ich weiß, da die Prognosen das Wahlergebnis erwiesenermaßen beeinflussen würden. Die SPD hat sich im Wahlkampf auf die letzten vier Wochen konzentriert, während die CDU ihr Pulver bereits weitgehend verschossen hatte.
moreIch denke das lässt sich dadurch erklären, dass viele Leute eigentlich eher den kleineren Parteien anhängen, aber am Wahltag genau wissen, dass ihre Partei es eh nicht über die fünf %-Hürde schaffen und sich dann spontan für eine der großen Parteien entscheiden. Meist wählt man dann das vermeintlich kleinere Übel.
Und dass das eben 2005 so ausgefallen ist, lag einfach daran, dass ganz klar war, dass man es so, wie es gelaufen ist, nicht mehr haben wollte. Daher variieren die Ergebnisse um eben diese 6 %.
herbstliebeHatte das Wahlergebnis nicht etwas mit der Zweitstimmenproblematik zu tun? Meiner Meinung nach hat die CDU selbst dazu aufgefordert, die FDP zu wählen.

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