German Gothic Board
 
Boardansicht: Klick HIER und betrachte das Thema mit allen Funktionen direkt im Board.

 
  Forum: Des Kaisers Bart
    Thema: Der Neo-Biedermeier
HellscreamDer nachfolgende Text war eigentlich als Antwort auf einen Beitrag von pulSar beim Thema „Rechstradkale, Nazionalsozialisten und Skinheads - was ihr von Ihnen haltet“ gedacht. Da er jedoch dem Rahmen sprengte und mit dem eigentlichen Thema nicht mehr viel Berührung gehabt hätte habe ich ihn als neues Thema erdacht.

[QUOTE]geschrieben von pulSar
pulS fasst für sich pauschal zusammen:

Ich scheiß auf radikale ISMEN (dieser oder jeder Richtung)!
und fordere gesunden Menschenverstand und politische Weitsicht abseits der Einsilbigkeit der Ideologien!

---

All diese Ideologien und politischen Richtungen sind doch im Grunde vor allem eins: ein vereinfachtes und in Form gepresstes Weltbild!
Meist wird es bei Extremen dann gewalttätig, wenn dieses Weltbild so nicht ganz mit der Realität in Einklang geht und die jeweils kritisierenden Elemente bekämpft werden müssen.

Das ist -- aus meiner Sicht -- auch dann gültig, wenn es "nur" um intellekt-schwangere Worte der Gutmenschlichkeit und Realitätsabstinenz geht. Die "das kann man so nicht sagen People" (nette Wortschöpfung) drehen sich nämlich auch mehr im Kreise als feierlich ist und verraffen vor lauter Verbesseung gerne mal die Realität dieser Welt.

Die Nationalen sind nicht besser -- nur wesentlich primitiver, verbal und nonverbal sehr nahe der rohen Gewalt und Menschenverachtung und schaffen es auch nur mit der Rückendeckung ihrer erbärmlichen Stammtische die Welt in Parolen verdaulich zu machen. Ganz klar im simplifiziertesten Gut-Böse-Schema!

---

All die Spacken rechts außen wie links außen, oben wie unten und hüben wie drüben sollten doch endlich mal nen Shut-Down-Day einlegen und sich von mir aus die Birne komplett wegkiffen oder -spicen -- hauptsache sie sind ausreichend sediert, hängen bewegungslos im Sessel und machen keinen Stress!

Achja -- bei der Gelegenheit möchte ich die "schwarzen Blocks" unter den Prügelbullen (u.a. erkennbar an Besoldungsstufe und Bildungsstand) gerne mit einschliessen!


Oh Herr schmeiss HIRN vom Himmel![/QUOTE]
[url]http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?threadid=75606&perpage=15&pagenumber=10[/url]

Es gibt auch eine Ideologie der so genannten Mitte. Jener angepassten Neo-Biedermeier die geistig alleine daran ausgerichtet sind die so genannte Mitte nicht zu verfehlen. Der sich auf sich selber zentriert und für den die Welt in Ordnung ist, wenn er persönlich einen Biographischen Erfolg vorweisen kann. Für ihn ist die Welt in Ordnung wenn es ihm selber gut geht, andere Kriterien gibt es für ihn nicht. Wer scheitert an dem muss es selber liegen, der ist unangepasst und unzureichend, das Individuum trägt alle Verantwortung selber, das die bestehende Ordnung an diese Scheitern auch ihren Teil tragen könnte wird nicht bedacht, den diese ist ja jene die den eigenen Erfolg sichert. Wer die bestehende Gesellschaftliche Ordnung in Frage stellt wird mit Schlagworten bedacht, man will nicht das die Ordnung die einem selber seinen Platz in der Mitte der Gesellschaft sichert in frage gestellt wird, man hat sich arrangiert und angepasst. Das die bestehende Ordnung selbst mal ein Extrem war und erst gegen eine bestehende Ordnung erkämpft werden musste wie in der Französischen Revolution, wird ausgeblendet. Demokratie und Soziale Errungenschaften, freie Wissenschaft und andere Dinge wurden aber eben nicht kampflos etabliert, sondern zu meist unter Einsatz des Lebens jener Freigeister erkämpft, welche auch früher schon als Sonderlinge, Abweichler, Ketzer und Radikale betitelt wurden.

Mit Verstand hat das nichts mehr zu tun, mit politischer Weitsicht immerhin aus der Perspektive jener Macht Hungrigen Elemente einer Gesellschaft, die es immer gab und geben wird egal wo sich ein System befindet. Eher mit jener Einseitigkeit, welche selber so gerne gegen alles das geschleudert wird was die eigene bequeme Position gefährden könnte. Die so genannte Mitte bestimmt sich eben nicht aus Verstand und der Vernunft, sondern aufgrund der Position der Masse einer Gesellschaft. Masse war außerhalb der Form von Gewalt die auch Struktureller Art sein kann noch nie ein Gutes Argument. Eben diese Masse bestimmt dann meist was Rechts und Links zu sein hat, pressen andere in Schablonen und halten sich selbst schön raus. Pressen weiter allem anderen auf was die Realität zu sein hat, als wenn man ein Monopol auf Deutungen gefressen hätte. Sie Vergessen dabei das man ohnehin nicht Fähig ist die gesamte Realität zu erfassen, sondern sich Grundsätzlich nur in Fragmenten dieser befindet und Orientiert.

Es ist schon belustigend wenn hier Personen gegen -ismen und Politische Richtungen wettern die auch, das muss man mit bedenken, Orientierung bieten für Menschen in der Gesellschaft und im gleichen Atemzug mit eben so verallgemeinernden leeren politischen Schlagworten wie dem „Gutmenschen“ um sich werfen. In genau diesem Moment verraten sie sich selber, das sie eben auch nichts anderes hinterher laufen wie einer Ideologie. Die wie alle andere Ideologien auch daran bestrebt ist die Masse der Gesellschaft zu bestimmen und im gleichen Atemzug neue „extreme“ in der Gesellschaft als gut und böse definieren zu können.

Der gewalttätige Schläger merkt wenigstens noch unter Umständen das etwas in ihrer Umwelt nicht richtig ist, auch wenn er nicht in der Lage zu sein scheint die Ursache mit entsprechenden Perspektiven in seiner Komplexität zu erkennen und sich konstruktiv zu erwehren. Der Neo-Biedermeier aber stellt sich von vorn herein auf taub und zentriert sich auf sich selbst, alles andere als sich nach der bestehenden Ordnung zu richten erscheint ihm gefährlich, trägt für ihn schon die Saat der Anarchie in sich. Im ist es am liebsten wenn immer alles wie bisher seinen gewohnten Gang geht, deswegen sollen auch ich zitiere „All die Spacken rechts außen wie links außen, oben wie unten und hüben wie drüben sollten doch endlich mal nen Shut-Down-Day einlegen und sich von mir aus die Birne komplett wegkiffen oder -spicen -- hauptsache sie sind ausreichend sediert, hängen bewegungslos im Sessel und machen keinen Stress!“ einem selber geht es ja ganz gut. Warum andere Menschen zur Radikalisierungen neigen, was sie dazu treibt notfalls auch mit Gewalt zu Protestieren wird von vorn herein verdrängt, es wird von vorn herein festgeschrieben das das doch sowie so nur alles Spacken, Versager, Chaoten, Neider, Dummköpfe usw. seien.
coma_blackWenn ich auch nicht gerade zu den Musterbeispielen für Multiperspektivität zähle, so möchte ich trotzdem hiermit meine Zustimmung kundtun!

Das Problem dieser Neo-Biedermeier ist jedoch nicht nur die völlige Ich-Bezogenheit, sondern vielmehr die Tatsache, daß gegenwärtig gerade dieser vermessene und unangebrachte Egoismus, diese geradezu widerliche Selbst-Herrlichkeit von allen Seiten unterstützt wird. Unter dem Schlagwort des "Positiven Denkens" und anderem mehr oder weniger esoterischem Unfug wird ja noch der letzte Anflug von Selbstkritik hinweggefegt, und Menschen, die noch nie ein ordentliches Buch gelesen haben halten sich plötzlich für das Maß aller Dinge. Darum auch das heillose Entsetzen über all jene, die den Mut haben, nicht einverstanden zu sein und das Bestehende zu verneinen (also "negativ" zu denken - allerdings im konstruktiven Sinne, da die Negation des Vorhandenen erst Neuerungen, vielleicht sogar Verbesserungen ermöglicht).

Ob diese Gesellschaft der Konsens-Kultur den Herausforderungen etwa der Wirtschaftskrise gewachsen sein wird, wage ich zu bezweifeln - viel eher steht zu befürchten, daß diejenigen, deren größtes Problem die Papierstärke von Kinderbüchern darstellt, früher oder später von einem wilden Mob mit "extremen" Anschauungen überrannt werden.
Cabal[IMG]http://www.datzietergoeduit.nl/photogallery/zaal-applaus.jpg[/IMG]

Sehr schön.
Seit anderthalb Jahren bin ich der Überzeugung, dass der Mensch eine unfundamentalistische Überzeugung und Idee nicht einnehmen kann. Die Ideologie der Menschlichkeit toleriert keine Unmenschen und geht gegen sie mit der Aggressivität vor wie es die "Unmenschen" gegen ihr System der Menschlichkeit tut. Dabei vermag der imaginäre Stereotyp des Unmenschen lediglich eine andere Sicht auf die Dinge und die Verhältnisse in der Welt entwickelt haben und sich von dem großen, guten System des Humanismus zu Recht betrogen fühlen.
Alle schlagen sich die Köpfe ein und mit alteingessener Bequemlichkeit muss man sich auch nicht selbst kritisieren, denn das eigenen Verhalten ist staatlich abgesegnet und bietet Platz dafür, sich mit seiner Einstellung keinen Zentimeter fortbewegen zu müssen, denn würde derartiges Gedankengut stigmatisiert werden, wäre der bequeme Fernsehsesselsozialkritiker der Verscheuchte, der Kritisierte, der Vertriebene.

So bietet pulsars Ansicht ebenfalls eine Orientierung des ideologischen Fernsehsessels: gemütlich, vorbereitet und muss auf absehbare Zeit nicht ausgewechselt werden, und damit beißt sich Hellscreams Argumentation sich selbst in den Schwanz, geht sie doch gegen einen mit sich selbst im Reinen seiendem Gewohnheitsphrasendrescher, wo er genausogut gegen mit sich selbst im Reinen seiendem revolutionäre Schläger monieren könnte. Gehen Hellscreams Argumente doch ebenfalls nicht auf pulSars Hintergedanken, Motivation und persönlichen Erfahrungen ein, die ihn zu seiner Sichtweise führen.
Wer sich also in eine kritische Position gegenüber einer kritischen Meinung manövriert, merkt nicht, dass er (wieder) die selben Fehler begeht, wie den, den er kritisieren möchte. Darum kann pulSar, ist er klug, einfach die überzeugenden Argumente aufbringen die es rechtfertigen gegen Rechts- und Linksradikalismus zu sein, die Hellscreams Fundament, das Zitat pulSars, aufweichen und die Diskussion wäre beendet. Er könnte sich von Hellscream provozieren lassen und weiterhin sein fundamentalistische Gesicht wahren, dass diese Diskussion richtig schön anheizen würde. Er könnte aber zusammenhangslose Phrasen verwenden und die Diskussion abwürgen.

Ich finde es nett zu sehen, dass die Verläufe solcher Diskussionen im Wesentlichen davon abhängen, wie die User sich entscheiden sie fortzuführen. Es fällt dadurch schwer, wenn nicht gar unmöglich, anhand von Geschriebenen die wirkliche Überzeugung eines Menschen zu ermitteln. Gleichzeitig wird es umso klarer, wenn jemand mit voller Überzeugung schreibt. Dasselbe gilt für das Lesen und Verstehen. Wenn ich will, kann ich das Gute und Richtige in beide Beiträge hinein interpretieren. Das Können ist damit eine Mischung aus selbst gewählter Eigenansicht, und den durch die damit verbundenen Regeln. Was in den meisten Diskussionen dabei durchscheint, ist, dass gerade letztere immer wieder auf andere Menschen und die Welt projiziert werden: Die Bedingungen, unter die die eigene Ansicht Richtig wird. Und da man immerzu daran festhält, dass die eigenen Ansicht richtig ist, neigt man stattdessen dazu die Welt im Kopf den eigenen Regeln anzupassen, anstatt umgekehrt. So entstehen Vorurteile und das blinde Beharren darauf. Die umgekehrte Möglichkeit verursacht natürlich weit mehr Arbeit. Sie macht aber aus Gründen der Weiterbildung und der Erweiterung des eigenen Horizonts auch mehr Spaß.

Soviel von mir dazu.

MfG
Cabal
coma_blackDas Problem ist halt, daß ein Anhänger eines bestimmten Systems (sei es eine Ideologie oder Religion oder sonstige Weltanschauung) zunächst gewissermaßen "blind" für die Schwachstellen dieses Systems ist. Man kann innerhalb einer Gruppe nicht die Position des Außenstehenden einnehmen, Historiker und Sozialforscher haben schon mehrfach betont, daß nicht einmal die genaue Einordnung und objektive Beurteilung der Zeit und Gesellschaft, in der sie leben, möglich sei. Nichteinmal sehr selbstkritische Menschen können sich selbst hunderprozentig richtig einschätzen.

Insofern sind die rechts- und linksextremen Fanatiker für unsere Kultur der "Mitte" und der "Toleranz" bedeutsam, da sie uns den Blick auf Fehlentwicklungen und Schwächen im System eröffnen können, die eben nur für Außenstehende erkennbar sind.
Demon17[QUOTE]Das die bestehende Ordnung selbst mal ein Extrem war und erst gegen eine bestehende Ordnung erkämpft werden musste wie in der Französischen Revolution, wird ausgeblendet. Demokratie und Soziale Errungenschaften, freie Wissenschaft und andere Dinge wurden aber eben nicht kampflos etabliert, sondern zu meist unter Einsatz des Lebens jener Freigeister erkämpft, welche auch früher schon als Sonderlinge, Abweichler, Ketzer und Radikale betitelt wurden. [/QUOTE]

Ja mein Lieber Hellscream, was hat sie denn erkämpft, die Französische Revolution? Die Freiheit? Es war wohl eher ein Massenmord, der schließlich mit der Ermordung der Revolutionäre endete, bis Napoleon an die Macht kam und in Europa ein neues Blutbad auslöste. Demokratie gab es schon in der Antike, in England und anderswo. Das ist ja das Problem mit der Radikalität, sie gibt vor die Welt zu verbessern und verwandelt sie in ein Schlachthaus.
Deswegen nerven diese -ismen ja so. Sie Behaupten die höhere Moral und versuchen Dir ein schlechtes Gewissen zu machen, übersehen dabei doch die Fehlbarkeit des eigenen. Erich Kästner drückte es einmal so aus:

[QUOTE]Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten, Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180 Grad drehbar. [/QUOTE]

Eine weitere Schwäche der -ismen ist, sie basieren ohne Ausnahme alle auf einer viel zu primitiven Weltsicht um der Realität auch nur Ansatzweise gerecht zu werden. Da helfen auch die 2 Meter Marx/Engels im Buchregal nicht. Das ist ja gerade das Problem, der -ismus focussiert auf einige wenige Aspekte der Realität, die durch alle Schriftsteller der Welt nicht annähernd beschreiben werden könnte. Er fördert eine Art von Orthodoxie bei seinem Gefolge, das es nahezu blind macht im Vergleich zum Otto-Normalverbraucher, der wesentlich weniger darüber nachdenkt, sich jedoch relativ flexibel den veränderten Umständen anpasst. Der orthodoxe -ismus ist dem nicht gewachsen. Ähnlich dem Christentum das versuchte die Wissenschaft zu verhindern, errichtet er Scheiterhaufen und endet fast immer in der Unterdrückung, nie jedoch auf der Höhe der Zeit. Es scheint immer noch überwiegend junge Menschen zu geben, die Radikalität irgendwie für sexy, oder besonders individuell halten. Sie treiben sich bevorzugt auf Diskussionsforen herum ( da riskiert man ja nichts) und nerven die Leute mit Forderungen nach einer Umgestaltung der menschlichen Gesellschaft, die den Zielen der meisten Menschen entgegensteht, sich im Grunde nur mit einer diktatorischen Machtvollkommenheit verwirklichen ließen. Dann erwarten sie tatsächlich, das man darüber nachdenjkt, was wäre wenn es trotzdem ginge. Gut wer die Zeit hat soll einen radikalen Thread machen und das ausdiskutieren. Aber nein, sie versuchen die Gespräche der anderen zu stören und drängen sich durch Vielerlei Provokationen, Unterstellungen und sonstige Unfreundlichkeiten auf, wobei ihre Argumente weit jenseits dessen liegen, was man in Deutschland als gesunden Menschenverstand bezeichnet, im amerikanischen Sprachraum als Common Ground. Hier kommen wir zu einem weiteren Problem. Eine Gesellschaft braucht einen Minimum an Konsens. Auf ihr beruht in der Demokratie die gesamte Diskussionskultur. Diese wird aber mit vergnügen Zerstört. Was bleibt sind Destruktionsstrategien und / oder Resignation. Das bringt außer Ichgestörte Profilneurotiker niemanden weiter. Aber es macht vieles kaputt.

Noch ein Wort zu den Radikalen die wir hier hatten. Bei den meisten war es bloße Attitüde. Bei niemanden, den ich kennlernte reichte es wirklich zu einem -ismus. 99% hatten einfach nicht das Wissen und der Rest sein angelesenes Wissen nicht digitalisiert. War also gar nicht in der Lage es flexibel in Diskussionen einfließen zu lassen.
Goat93Als Gedanke zu den -ismen(schen):

Vieles wird auch einfach als Klischee an ein -ismus angehangen,
was die Leute selbst gar nicht erfüllen, die Leute das aber auch
nicht mehr loswerden.
Demon17Ja stimmt schon,

der letzte -smus war ja der Neoliberalismus. Es wird noch eine Weile dauern, bis sie das Image profithungriger Jobkiller und volkswirtschaftlicher Vollidioten los sind. Aber tut mir das wirkliche leid?

[COLOR=silver]Merry X-Mas, Mischa[/COLOR]
CabalInteressant dass Hellscream kein Lebenszeichen mehr von sich gab seit er diesen Beitrag schrieb. Ich hoffe er hat damit nicht seinen Abschied kundgetan.

[QUOTE][b]Zitat: Goat93[/b]
Als Gedanke zu den -ismen(schen):
Vieles wird auch einfach als Klischee an ein -ismus angehangen, was die Leute selbst gar nicht erfüllen, die Leute das aber auch nicht mehr loswerden.[/QUOTE]

Ja, seit sich jedweder -ismus als widerliches Extrem in die Köpfe der Spinner eingebrannt hat ist es gar nicht mehr nötig die Motive und das Handeln dieser -ismen unter die Lupe zu nehmen. Wir könnten die erstrebenswertesten Umstände in ein Konzept packen und es Paradiismus nennen, die Leute würde es wegen des Namens hassen. What a shitload of fuck.

MfG
Cabal
pulSarAch herrje - der Thread bezieht sich ja auch mich... da musste ich erstmal drauf kommen.
Biedermeier spricht mich nicht sonderlich an -- weder als Überschrift zum Draufklicken noch als Einstellung zum Leben.

[quote]Wer sich also in eine kritische Position gegenüber einer kritischen Meinung manövriert, merkt nicht, dass er (wieder) die selben Fehler begeht, wie den, den er kritisieren möchte. Darum kann pulSar, ist er klug, einfach die überzeugenden Argumente aufbringen die es rechtfertigen gegen Rechts- und Linksradikalismus zu sein, die Hellscreams Fundament, das Zitat pulSars, aufweichen und die Diskussion wäre beendet. Er könnte sich von Hellscream provozieren lassen und weiterhin sein fundamentalistische Gesicht wahren, dass diese Diskussion richtig schön anheizen würde. Er könnte aber zusammenhangslose Phrasen verwenden und die Diskussion abwürgen.[/quote]

Ich will den Verlauf des Threads nicht aufhalten oder abwürgen - möchte aber noch anmerken, dass ich - wie ich finde - ein Recht darauf habe, die meisten -Ismen einfach moppelkotze zu finden und dennoch ein kritischer, Schieflagen-wahrnehmender und bestimmt kein pauschaler Mit-dem-Strom-Schwimmer zu sein.

Ich habe im Gegenteil sogar oftmals ein ungutes Gefühl, was die "große Mitte" angeht. Diese kommt mir eher wie eine Masse aus SIMs vor, die ein Leben leben, dass sie sich irgenwo im Katalog bestellten. Und immer da sind, wo alle andere sind - nur nie auffällig, abnormal, radikal oder extrem.

Radikal oder extrem bin ich jedoch selbst - in der ein oder anderen Sachfrage und wie immer abhängig vom Standpunkt des Betrachters. Der Punkt ist viel mehr der : [b]Ich folge keinen fremden Fahnen![/b]
Also scheiden Weltanschauungen wie "links" oder "rechts" aus.

Meiner Erfahrung ist die: immer immer immer gab und gibt es vor allem bei den Menschen, die "die Welt verbessern" wollen - ihren Kampf führen - meist gegen Dinge wie "Staat" oder "Gesellschaft" oder "Globalisierung" [b]SELBST Strukturen, die dem, was sie verachten näher kamen, als mir lieb und ihnen bewusst war / ist.[/b]

In anderen Worten: Vieles mag "vielversprechend" klingen -- Widerstand, Protest, Ablehnung, Befreiung etc pp. Und was IST es in der Realität? Doch nicht selten intern totalitär, intolerant, menschenverachtend... und verbrecherisch!

Der Umkehrschluss daraus ein "biedermeierisches Stromschwimmerchen" zu zimmern, ist so nicht legitim!
Oder vielmehr: zu unrecht unterstellt.

Ich sehe mich am ehesten [b]verneinend außerhalb einer jeglichen Gruppierung[/b] - würde sagen fast notorisch. Diese Haltung kommt mir bekannt vor -- speziell auch hier :-)

Ich habe keine Lust und es gibt (auch sonst) keine überzeugenden Gründe für mich, Rechts- oder Links- oder religiösen Radikalen Bewegungen zu folgen -- [b]es sträubt sich in mir generell, anderen zu folgen![/b]

Und nichts anderes ist die Begleiterscheinung jeder Art von -Ismus: [b]man folgt anderen, die vordachten.[/b] und ihre Manifeste und Ideologien "mundgerecht" ausformulierten.
Oft rhetorisch und psychologisch sehr geschickt eingeleitet -- im Anprangern "des Unheils dieser Welt" und im schüren von Angst. Zukunftsangst. Dies ausreichend intensiv betrieben bringt nicht wenige Schafe dazu in die Herde eingereiht zu werden.

Oft um dann die Regeln der kleinen "wahren" Herde unterworfen zu werden, die ja ihre Existenz aus dem Protest, der Ablehnung der großen Herde bezieht... Es gibt auf einmal viele Verbote der "wahren" Herde.

Marke: Das darfst Du nicht hören - das ist Feindmusik. Okay - "Feind" darf gerne substituiert werden.
Extreme haben aber gemeinsam, dass sie MANIPULIEREN wollen -- und VORSCHREIBEN!
Und dass kritisches Hinterfragen nicht erwünscht ist sondern viel eher "Verrat" darstellt -- inklusive Verurteilung und Vollzug gelegentlich.

[quote]Ja, seit sich jedweder -ismus als widerliches Extrem in die Köpfe der Spinner eingebrannt hat ist es gar nicht mehr nötig die Motive und das Handeln dieser -ismen unter die Lupe zu nehmen. [/quote]
----

Abschliessend: Ich mag doch einen Ismus sehr: den Pragmatismus :-)
Denn kann ich sogar tag täglich improvisieren anwenden... sogar mit physischem Werkzeug!

PS: das war jetzt länger als geplant -- eigentlich würde "ich hab kein Bock auf (Radikal)ISMUS vollkommen als Begründung reichen.... aber das wäre mir zu leicht von der radikalen Wortklauber-Nachtwelten-Volksfront als "mit Phrasen abwürgen" auslegbar gewesen...

PPS: Soundtracker-ISMUS, ABlehn-ISMUS, Schandmaul-ISMUS find ich gut...

Achja -- ich wünsch Euch was und feiert gut in 2009 rein... ich muss mich ausklinken, da sehr im Stress... (Jahres-End-Papier(zuviel)KRIEG-Ismus .. der Buchhalterischen Art).
pulSarIch fasse mich schnell mal zusammen:

[SIZE=4]Eine kritische Haltung bedarf keiner zementierten, radikalen Position und erst recht keiner Gewalt.[/SIZE]

Das gilt jedenfalls solange man NICHT in einem totalitären Staat lebt.
pulSarSeltsam still hier im Kaiser ...

Gebt's zu - ihr schweigt nur, um mich später des Abwürge-ISMUS zu bezichtigen! Hab Euch alle durchschaut... *g*
pulSarMist - jetzt hast Du mich voll ArroGantNickisch mit dem einzig wahren ISMUS erwischt *lach*....

Vermutlich wird der Alkohol-ISMUS seines zum Schweigen der Schafe beigetragen haben ;-)

[i][color=555555]((ist ja nicht jeder wie ich gleich am 1.1. hellwach - ohne Kater - und in der Natur unterwegs))

ABklang fröhnt gerade genüsslich dem Industriealismus der wiederlichen aggro-art-und-Weise -- und das grässlich laut statt leise....[/i][/color]

PS. Freundliche 09er-wird-es-besser Grüße an die Runde!!!
Demon17[QUOTE]Dieser dürfte in der Annahme münden, dass es Besseres gibt als über Feiertage in Foren zu posten - feiern zum Beispiel. [/QUOTE]

Das kommt ganz auf die Diskussion an Liebes. :cool::o
Gezeichneter[QUOTE][i]Original geschrieben von Demon17 [/i]
[B]Ja mein Lieber Hellscream, was hat sie denn erkämpft, die Französische Revolution? Die Freiheit? Es war wohl eher ein Massenmord, der schließlich mit der Ermordung der Revolutionäre endete, bis Napoleon an die Macht kam und in Europa ein neues Blutbad auslöste.[/b][/quote]

Blutbäder wird es immer geben. Und Revolutionen auch. Die meisten Revolutionen waren nunmal nicht friedlich.

[quote][b]Demokratie gab es schon in der Antike, in England und anderswo. [/quote][/b]

Nicht, dass deren Einführung jeweils ohne Blutvergießen vonstatten gegangen wäre... Zumindest hat Jakob II. in der Glorious Revolution nicht freiwillig seinen Thron geräumt.

[quote][b]Das ist ja das Problem mit der Radikalität, sie gibt vor die Welt zu verbessern und verwandelt sie in ein Schlachthaus.
[/B][/QUOTE]

Aber sie führt auch zu radikalen Erkenntnissen. Und ist deshalb zuweilen unumgänglich (siehe Martin Luther und das Zeitalter der Glaubensspaltung).
Hellscream[QUOTE]geschrieben von Cabal
Interessant dass Hellscream kein Lebenszeichen mehr von sich gab seit er diesen Beitrag schrieb. Ich hoffe er hat damit nicht seinen Abschied kundgetan.[/QUOTE]

Da ich in der letzten Zeit regelrecht in Raserei über meine Mitmenschen geraten bin, habe ich es vorgezogen mich für einige Zeit zu isolieren. Die Gründe kennt jeder der mit offenen Augen und Ohren die Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung nutzt. Wilde Beleidigungen zu hinterlassen stand jedenfalls nicht in meiner Absicht und das wird es auch in Zukunft nicht sein, dem entsprechend habe ich hier keine Beiträge mehr Verfasst.

Ich werde hier im folgenden nicht auf spezielle Beiträge eingehen, aber einige angesprochene Dinge werde ich aufgreifen.

[B]Die Existenz des Neo-Biedermeier bestreiten[/B]
Die Existenz des von mir so betitelten „Neo-Biedemeier“ ist nicht zu bestreiten, ob man ihn so oder anders betitelt, man lese nur Literatur zu dem Thema. Da hin gehören die Jugend-Shell Studien, die Studie „null zoff und voll busy“, Studien zur Politischen Bildung in Deutschland bzw. die Evolations Studie „Politische Jugendbildung auf dem Prüfstand“ oder man lese nur die gelegentlich geheuchelte Empörung der Presse
[URL=http://www.zeit.de/online/2009/10/studenten-desinteresse]Politik ist egal[/URL] Man erntet was man sät.

[B]Die Überzeugung dass der Mensch eine unfundamentalistische Überzeugung und Idee nicht einnehmen kann[/B]
Ich muss meine Zustimmung kundtun. Du kannst dich nicht nicht entscheiden kein Teil dieser Welt zu sein. Du kannst dich auch nicht nicht entscheiden mit deiner Umwelt zu kommunizieren. Die Alternative wäre ein selbst gelegter Strick um den Hals oder ein selbst geführtes Messer an der eigenen Kehle usw., aber selbst damit Kommuniziere ich oder wähle eine Entscheidung die Teil dieser Welt ist. Ob man es will oder nicht ich werde Gedankengut aufnehmen und das meiste Gedankengut besitzt eine Basis also ein Fundament. Die Frage ist ob ich mir dessen Bewusst bin oder es unreflektiert in mich aufnehme. Die meisten Menschen die mir in meinem Alltag über den Weg laufen tun es Unbewusst sind sich selbst nicht darüber im Klaren wessen Gedankengut sie eigentlich in die Welt hinaus tragen, gemeinsam haben sie das die Überwiegende Mehrzahl von ihnen Überzeugt ist die „Mitte der Gesellschaft zu sein“ und kein extrem. Das extrem sind immer nur „die anderen“. Das an sich währe nicht mal das größte Problem, die sture Weigerung allerdings sich ernsthaft mit seiner Umwelt auseinander zu setzen jenseits der Vorgaben des aktuellen „Marktwertes“ schon.

[B]Das Argument das „Radikalität“ und Revolution nur noch in noch größere Massengräber führt[/B]
Was ist überhaupt diese „Radikalität“? In erster Linie doch wohl ein anders Sein ein anders Denken das dieses Bedürfnis auch artikuliert und in diesem Zusammenhang den der jetzigen Seins Zustand einer Sache kritisiert und auch dafür eintritt diesen zu verändern. An sich ist damit noch nichts über den Wert der jeweiligen Sache ausgesagt. Beschreibt nur den Willen etwas zu verändern. Wohin führt denn der Weg wenn das Sein das Soll ist? In diesem Maßstab schlage ich vor lasst die ganze Forschung sein, verbrennt die Bücher, entsagt dem Denken über sich selbst. Würde das Sein denn ohne Kampf die Weltbühne verlassen? Im Beispiel der Französischen Revolution: Hätte die Monarchie freiwillig die Macht abgegeben? Um das klar zu stellen ich bestreite in kleinster Weise die Notwendigkeit eines minimal Konsens in der Gesellschaft. Ich finde die Konsensfähigkeit „das eigene zurückstecken“ Wichtig, weigere mich aber meine eigenen Vorstellungen deswegen bedingungslos zu begraben. Ich bin in erste Linie kein Sklave einer Gesellschaft, sondern mein eigener Sklave. Der Gesellschaft diene ich wenn sie mir dient. Ich bestreite aber das man dadurch das man den Kopf in den Sand steckt (im Fall des Neo-Biedermeier sich in das Privat Leben, die eigene Biographie zurück zieht) etwas Sinnvolles dazu beiträgt, was den Zustand des Seins ertragbarer macht (Natürlich ist das „ertragbarer machen“ Perspektiven abhängig). Bewegung ist gefährlich, hört man deswegen auf sich zu Bewegen? Radikalität ist der Drang nach Bewegung. Ich möchte auch darauf hinweisen das nicht jede radikale Denk weise eine primitive ist. Natürlich die Gefahr sich selbst aus dem Blick zu verlieren, die Kritik an sich selbst zu ignorieren ist groß. Die Gefahr will ich nicht klein Reden, ich will aber auf das andere Radikal aufmerksam machen das sich selbst gemäßigt darstellt. Und dir in das Ohr flüstert „Das Leben ist so grausam, du bist so arm und schwach, begnüge dich mit dem Brotkrumen welche dir vor die Füße geworfen werden und erspare dir weiteren Ärger.“ und zur bedingungslosen Kapitulation vor der „bösen Welt“ aufruft.
Muss Radikalität zwingend eine Blutlache hinter sich herziehen? Nein. Es kommt auf die Art der eingeforderten Bewegung an. Deswegen wünsche ich mir auch eine Auseinandersetzung über die Sache und keine Strategien der Verängstigung. Sozialdemokraten waren auch mal als ganz böse Radikale in Deutschland, denen man den gar ausmachen sollte weil sie ganz böse Dinge wie Demokratie und eine Soziale Gesellschaftsform einforderten (die heutige SPD hat mit diesen allerdings recht wenig zu tun, nicht das ich mich hier dem Zuspruch dieser Partei schuldig machen würde). In Schweden und anderen Ländern hat man lieber erstmal mit dem Maschinen Gewehr drauf gehalten. Um nur ein weiteres Beispiel für böse Radikale in der Vergangenheit zu geben ohne auf die Französische Revolution zurück zu greifen. Die Natürlich Kritik bedürftig ist und war, aber wie kann es auch anders sein.

[B]Einige abschließende Randnotizen[/B]
Ich habe mir beim erstellen des Eingangs Beitrags überlegt das Beispiel pulSar hier heraus zu lassen. Weil der Einwand von Cabal absolut richtig ist. Was weiß ich schon wer sich hinter diesem Anonymen Wort verbirgt, was weiß ich über seine Hintergedanken, Motivation und persönlichen Erfahrungen. Das geschriebene war allerdings so vereinfachend und provozierend das ich mich doch dafür entschieden habe.

Ich habe niemals aufgefordert -ismen erst nehmen, als das was sie heute Propagiert werden.
Man hängst einfach nur einer Denkrichtung ein -ismus an und schon ist es etwas „böses“ so gibt es dann auf einmal ganz viele tolle neue Wörter. Insofern hier auch Zustimmung. Ich Fordere aber eine Erstsafte Auseinandersetzung mit dem Denken ein, das so nur allein schon vom Wort her verunstaltet wird und abschrecken soll. Ich wehre mich dagegen das man sich keine Gedanken machen, sich ausschließlich auf sich selbst Konzentrieren soll, auf seinen Erfolg im Leben fixiert, auf seinen Werdegang, auf die maximalen Marktsteigerung im Sinne des Marktes.

German Gothic Board
 
Boardansicht: Klick HIER und betrachte das Thema mit allen Funktionen direkt im Board.

 

German Gothic Board

Startseite Chat Grüße SchwarzKultur