| coma_black | Nach dieser Farce eben im ZDF brauche ich mir um "Kultur" wohl keine Sorgen mehr machen. Auf der einen Seite saß ein erzreaktionärer Literaturpapst, der ewiggestrig Schiller, Brecht und Shakespeare anpries und das allgemein niedrige Niveau des Fernsehens bemängelte. Ihm gegenüber Gottschalk, der brav seine auswendig gelernten Phrasen zur Rechtfertigung von vorsätzlich produziertem Schund aufgrund marktwirtschaftlicher Überlebensstrategien herunterbetete. Seltsamerweise war es Reich-Ranicki aber nicht möglich, diese scheinheilige Argumentation nach dem Motto "auch Dumme wollen Unterhaltung, da sowieso alle dumm sind verzichten wir auf jeden Anflug von Intellektualität" als ebenso falsch wie zynisch zu entlarven; wenn man diese Auffassung von Unterhaltung konsequent zu Ende denkt, dürfte es außer billig hergestellter Pornographie eigentlich gar nichts anderes mehr geben... Und natürlich wurde es auch nicht versäumt, mit erhobenem Zeigefinger auf das moralisch und intellektuell noch viel minderwertigere Internet hinzuweisen. Dabei ist doch gerade das Internet gegenwärtig die größte Chance, die Balance zwischen sensationalistischen Schauwerten und anspruchsvollen Inhalten (gewissermaßen zwischen Kopf und Unterleib) wiederherzustellen. Reich-Ranicki jedenfalls hat sich gründlich lächerlich gemacht und Gottschalk war es ja irgendwie schon immer. |
| Cabal | Interessant. Ich kenne da jemanden, der wäre an einer Kopie einer Aufzeichnung dieser Sendung sehr interessiert. Du hast nicht ganz zufällig eine gemacht, oder? MfG Cabal |
| coma_black | Ich habe die Sendung nicht aufgezeichnet, sorry. Aber es lohnt sich wirklich nicht, das ganze war offensichtlich einstudiert bzw. vorher abgesprochen und die großartig eingeladenen Fernsehintendanten haben sich natürlich auch nicht blicken lassen. edit: die Sendung wird in der ZDF-Mediathek wiederholt, was immer das auch sein mag ;) |
| ange gardien | Das sich Reich-Ranicki mit Gottschalk auf das "du" einigte, erweckte bei mir schon böse Vorahnungen, die leider nicht enttäuscht wurden. 30 Minuten waren für einen solchen Diskurs ohnehin zu knapp bemessen. Daraus gemacht haben beide nichts. Ich hatte den Eindruck RR habe manchmal Mühe gehabt, den Ausführungen Gottschalks zu folgen. Ein wenig erinnerte er mich an den ( von mir sehr geschätzten ) Peter Scholl-Latour, beide sind mittlerweile in ein Alter gekommen, dass es ihnen leider schwer macht in Diskussionen flexibel zu reagieren und daher ergeht man sich in schon x-fach getätigten Stereotypen. Das Fernsehen zu 95% Müll ist war schon vorher klar, dafür braucht man keinen Reich-Ranicki. @cabal Ich kann mir vorstellen, dass es nicht lange dauert, bis eine Aufzeichnung auf youtube zu sehen ist. Das ZDF archiviert auf seiner Website ab und zu auch Beiträge. |
| Heph | Der Reich hat mit seiner Kritik völlig recht auch wenn er sich im Ton vergriffen hatte. Nicht nur wurde diese Preisverleihung unter dem Anschein Life zu sein gesendet (in Wirklichkeit am vortag gedreht) auch wurden viele stellen Geschnitten. Herr ranickis Empörung bezog sich erstens auf die Länge der ganzen show sondern auch auf teilweise unmöglichen Auftritte der Nicht-Entertainer Laudatoren die mal Entertainer seien wollten (und die entfernt wurden). Die Einspieler zu den bepreisten und nominierten Filmen waren großteilig unter aller Grande weil zu kurz und vor allem nichtssagend. Der Herr [URL=http://www.stefan-niggemeier.de/blog/search/Reich+Ranicki/]Niggemeier[/URL] (sicher einigen bekannt vom Bildblog) hatte ein paar gute artickel in seinem blog über das thema. Sehr interresant ist dabei das kommentar von Herrn Pastewka. |
| die nuss | [url]http://de.youtube.com/watch?v=jPMmGt-WIuA&eurl=http://producer-network.de/diskussionen/forum/?m=2&id=186581[/url] ist schon seit ner woche online. aber so ein widerwertiger opportunismus ala kerner wundert mich nicht sonderlich. ich bin die diskussion über das niveau des fernsehen eh schon seit jahren leid. die leute wollen halt ''unterhalten'' werden. die einen schwimmen mit dem strom, die anderen gehen unter und der rest kann über wasser laufen. naja |
| noire désir | vielleicht wollen die alten nur auch noch mal jung spielen und sich wie in zeiten der [url=http://de.wikipedia.org/wiki/Gruppe_47]gruppe 47[/url] zoffen. zumindest ist in der [url=http://www.sueddeutsche.de/,ra4m1/kultur/563/314462/text/]sueddeutschen[/url] ein entsprechender artikel über eine replik von günter grass zu finden. mir gefällt das. endlich mal wieder was los und nicht immer nur grosskoalitionäre konsens-langeweile. |
| die nuss | [QUOTE][i]Original geschrieben von noire désir [/i] [B]endlich mal wieder was los[/B][/QUOTE] das sag ich erst wenn die leute panisch die supermärkte plündern und laut rufen: wir werden alle sterben. |
| +fa+ | [QUOTE][i]Original geschrieben von Heph [/i] [B]Der Reich hat mit seiner Kritik völlig recht auch wenn er sich im Ton vergriffen hatte. [/B][/QUOTE] Stimmt, er war viel zu nachsichtig. Nur schade, daß ein Großteil in diesem Ausbruch nur das Gefasel eines alten Mannes sehen/gesehen haben/sehen werden und sich dennoch nichts ändern wird. Eine Revolution, wie sie in "Free Rainer" dargestellt wurde, werden die Leute, die den Fernseher - insofern sie einen besitzen - tatsächlich noch nutzen, ohnehin nicht erleben. |
| Seneca | MRR hat meiner Ansicht nach mit seinen "Ausbruch der entrüstung" nur seine eigenen Quoten für seine eigene Sendungen verbessern wollen, die immer knapp vor der Absetzung stehen. Die ganze Show war meiner Erachtens reine Berechnung... und eben genau das...Fernsehunterhaltung MRR wird keineswegs so naiv gewesen sein nicht zu wissen was bei der Verleihung im Programm setehen wird...er ist selbst Fernsehprofi. Ich sehe darin eher eine PR Gag einer Mannes der seit Jahrzehnten Berufsprovokateur im Dienste "Seiner ganz privaten Hochkultur" ist. |
| Demon17 | Wenn man bedenkt, das man gezwungen ist monatlich über 16 Euronen für billige Soaps und tödliche Shows zu bezahlen dann kann ich Reich-Ranicki nur recht geben. Wenn ich Florian Silbereisen oder Kai Pflaume sehe, dann geht es nur um die Frage, wer hier der Alien ist. Ich bin sicher das sind Mutanten. Aber auch Hugo Egon Balder ist ja tief in den Sumpf der medialen Prostitution gesunken und ich mein nicht nur tutti frutti. Ich meine der Reich-Ranicki hat absolut recht. Eine Anstalt die Sendungen, wie Deutschland sucht den Superstar austrahlt ist zutiefst kulturfeindlich. Da bleibt nur Subkultur. Aber ich schau sowieso selten die Sender, für die ich bezahlen muss. Seit ich Phoenix und Arte nicht mehr empfangen kann. Man würde sich mehr interessante Literaturverfilmungen wünschen, ein europäisches Gegengewicht zum amerikanischen Action-Kino. Leider schaffen die öffentlich-rechtlichen nur das Rosamunde-Pilcher Niveau. Shakespear wird dagegen mit minimalem Aufwand verfilmt. Warum setzt man nicht mal ein paar gute Autoren daran und übersetzt die Klassiker in eine zeitgemäße Sprache und macht Spielfilme daraus? Irgendwo haben die öffentlich-rechtlichen ja auch einen Bildungsauftrag. So bleiben halt nur Reportagen und ein bisschen Hollywood. |
| Kinch | Ich gebe zu, das Ganze nicht so richtig nachvollziehen können. Dass der Anspruch der Fernsehenprogramme (nicht nur in Deutschland) auf einem niedrigen Niveau dümpelt, ist doch wohl seit mindestens 20 Jahren für jeden offensichtlich. Reich-Ranicki hat insofern doch gar nichts gesagt, was man inhaltlich nicht in ungefähr 1000 Posts allein auf diesem Board findet. Was die privaten Sendern machen, ist mir persönlich egal. Es geht ihnen ja gar nicht mehr um die Quote, sondern um das Verhältnis von Produktionsmitteln zur Quote; soll heißen, sie sind durchaus bereit ein paar 100.000 Zuschauer zu opfern, wenn sie dafür eine Sendung ausstrahlen, die mit einem Minimum der Kosten produziert werden kann. Sie folgen demnach auch nur den markwirtschaftlichen Gesetzen, nach denen unsere Wirtschaft nun einmal funktioniert. Der "Schuldige" ist einfach der Zuschauer, der mit dem Einschalten diese Praktikten am Leben hält. Im Grunde befürworte ich auch die aktuelle Entwicklung: Die Sender tun nicht mehr so, als würde es um etwas anderes als den Gewinn gehen, sondern spielen mit offenen Karten. Sie erfüllen teilweise gar nicht mehr die Kriterien eines Vollprogramms und - Entschuldigung - scheißen ganz offensichtlich auf die Landesmedienanstalten, die auch nur tatenlos rumsitzen und zocken abendlich zwischen Telefonsex- und Klingeltonwerbung (Zielgruppe 40 und 15 Jährige?) noch ihre Zuschauer mit ebenfalls sehr suspekten Gewinnspielen ab. Das war eigentlich nie anders; von einigen Fernsehexperimenten mal abgesehen, die aber entweder sofort pleite gingen, oder aber Anspruch gegen Titten und Fressen getauscht haben (aktuelles Beispiel Gallileo, älters Beispiel VOX). Wie gesagt: Ich begrüße es, weil man dann zumindest von der Heuchelei verschont bleibt, dass Fernsehen hätte auch ne soziale Verantwortung. Wem das nicht passt, der muss es sich ja auch nicht ansehen. Nur was mich wirklich anwiedern sind die Öffentlichen, die für ihren Mist auch noch 7 Milliarden kassieren. Zugegeben ein paar Angebote mag sogar ich, wie das oft erwähnte Arte, 3Sat, aber vor allem viele Podcasts von SWR2 und HR2. Aber wie gut ich das Angebot auch finde: Die sind keine 7 Milliarden wert. Und erst recht nicht den ganzen Ärger den man mit der GEZ hat, oder die Frechheit auf internetfähige Computer Rundfuckgebühren zu zahlen. Ich kann das Verhalten der Öffentlichen nicht nachvollziehen: Sie agieren doch ohne jeden ökonomischen Druck. Sie haben das Geld und die Quelle versiegt auch nicht; sie können theoretisch völlig auf gute Quoten pfeifen und einfach Sendungen mit Anspruch produzieren um ihren Bildungsauftrag nachzukommen. Stattdessen produzieren sie auch fast nur Müll, der lediglich für eine andere Generation bestimmt ist. Schlimmer noch: Ein Schleichwerbungsskandal jagt den nächsten, vielen Berichte fehlt jede Objektivität, manchmal sind sie auch offen propagandistisch. Fragt man nach, heißt es, man müsse mit geistig leichtgewichtiger Kost die ganzen Idioten von den Privaten wegziehen, um sie zwischen Verdummungssendungen auch mal kurz mit Bildung bestrahlen zu können. Und nein: Ich finde nicht, dass Bildung im Fernsehen Schiller, Goethe oder Shakespear ist. Das eine ist Literatur und das andere Fernsehen. Man kann natürlich Klassiker verfilmen bzw. medial aufbereiten. Aber das Fernsehen sollte nicht zur Adaption von Literatur verkommen, sondern eigene Inhalte und eine eigene Kutlur entwickeln. Und Anspruch heißt auch, komplizierte Sachverhalte die uns alle betreffen (wie zum Beispiel, die aktuelle Finanzkrise) auf eine Art zu präsentieren, die auch ein Mensch ohne entsprechende Vorbildung nachvollziehen kann, aber dabei der Sache trotzdem gerecht zu werden. Aber wie gesagt: Davon scheinen die Öffentlichen zum Großteil völlig fern zu sein. Also sollte man die Rundfunkgebühren entweder streichen oder nicht mehr Pauschal für jedes Gerät, das die Öffentlichen empfangen könnte verlangen. |
| noire désir | [QUOTE][i]Original geschrieben von Seneca [/i] [B]Ich sehe darin eher eine PR Gag einer Mannes der seit Jahrzehnten Berufsprovokateur im Dienste "Seiner ganz privaten Hochkultur" ist. [/B][/QUOTE] Naja, ich glaube ein Mensch von 88 Jahren gibt nicht mehr viel auf Karriere und Quote. Die Zeiten dürften wohl vorbei sein. Was aber in dem Alter kommt, ist entweder ein klassischer Wunsch, dass alles doch so sein bzw. bleiben möge, wie gewohnt, oder der insgeheime Wunsch, der Welt etwas zu hinterlassen bevor man endgültig abtritt. Der erste Fall ist ja nicht nur eine Eigenheit alter Menschen, was man ja auch hier in dem Forum gelegentlich beobachten kann. Wenn jemand geht, wird er erst noch einmal gesprächig. ;) Im zweiten Fall soll seine Aktion vielleicht einfach darauf hinweisen, dass eben tatsächlich die Qualität der Fernsehsendungen in der Folge der größeren Quantität generell abzunehmen scheint. Das hat aber nicht nur was mit einem ‚mehr‘ an Sendungen zu tun, sondern zieht auch die „altgedienten“ Sendungen mit in Leidenschaft. Ich habe meinen Fernseher abgeschafft, als selbst die Tagesschau immer mehr Wert auf tainment statt auf info gelegt hat. Es wurde in meinen Augen immer mehr eben eine Infotainment- Sendung und immer weniger eine klassische und dadurch auch etwas trockene Nachrichtensendung. Die Welt ist nunmal kein Kindergarten. Aber so ist der Lauf der Dinge und Marcel Reich-Ranicki wollte da seinen Senf zu abgeben, was er ja auch - wenn man sich die Reaktionen anschaut - ganz gut geschafft hat. Ändern wird das sicher nichts, aber darum geht es ja auch nicht. Ich denke sogar in gewisser Weise hat er mit seiner Aktion vielleicht seinen Frieden mit dem Medium Fernsehen gemacht, dem er ja letztlich seinen Ruhm größtenteils zu verdanken hat. Er ist aber eben auch Teil des Fernsehens. Nun hat er wieder etwas Abstand geschaffen. Und vielleicht auch dank Herrn Reich-Ranicki habe ich für die dunklen Tage vorgesorgt. Vor mir liegen (leider immer noch) noch „Der Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafón und (neu beschafft) der „Zauberberg“ von Thomas Mann. Der Winter kann also kommen (und darf auch etwas dauern ;)). Der nächste Schritt ist dann vielleicht das Internet (wobei das ja ein etwas komplexeres Thema ist). Wie Gottschalk zu seinem neuen Duzfreund sagte: [b]"Wenn du übers Fernsehen weinst, musst du dich erschießen, wenn du ins Internet guckst."[/b] :) |
| Demon17 | Nee das war schon unter Adenauer, aber egal, die Zukunft liegt sowieso im Internet. Wenn man unter tausenden von Filmen aussuchen kann, was man gerade sehen will, dann wird man schon was finden. Das ist dann wie mit der Musik. Richard Waterman verkauft auch nur 2000 Scheiben weltweit und ich habe ihn gefunden. ;) Im Grunde ist das Fernsehen mit seinen starren Programmen total antiquiert. Es landet immer wieder beim kleinsten gemeinsamen Nenner und der ist nun einmal zwangsläufig doof. Das Problem ist dann, das die Leute diese Verblödung für die Norm halten. Es prägt und schafft sich damit ein immer anspruchsloseres Publikum, da die Erwartungshaltungen immer weiter heruntergeschraubt werden. |
| hagzissa13 | Ganz ehrlich: Ich finde, es kommt schon drauf an, WAS man schaut. Ok, vielleicht ist das einigen (vielen) hier vom Intellekt her noch zu niedrig, aber wenn ich mir diverse Sendungen von arte, 3Sat oder auch Dritten Programmen anschaue (und damit meine ich nicht das Musikantenstadl... ;) ), finde ich durchaus Sendungen, die mich ansprechen, ob das nun Ausstrahlungen sind im Dokubereich, oder Sendungen wie "Quarks & Co" oder mal ein nettes Theaterstück im Theaterkanal - warum nicht? Und warum sollte ich mir nicht zur Unterhaltung mal nen netten Spielfilm reinziehen? Oder abends die "Tagesschau" asehen? Natürlich läuft auch viel Schrott im TV. Sogar so viel Schrott, daß sich selbst mir selbsternanntem TV-Junkie die Fußnägel hochrollen - regelmäßig. Aaber muß man alles "Reich-Ranicki-tauglich" machen? Kann man sich nicht auch einfach mal ne "Sendung mit der Maus" gönnen, oder "Bernd das Brot", um richtig herrlich abzulachen? Ich empfinde es so, daß das Gleichgewicht einfach nicht stimmt, zwischen dem, was man gemeinhin als "pädagogisch" oder "künstlerisch" wertvoll nennen könnte (obwohl schon da der Streit beginnt bei vielen....) und dem was die meisten wohl als "Schrott" empfinden. Trotzdem finde ich nicht, daß ALLES nur Schrott ist, was läuft. |
| Heph | Ich finde Gotschalks (mehrfach erwähnte) Tritte gegen das Internet unverschämt. Er verkennt hier völlig das das Internet an sich ein ganz anderes medium als das Fernsehen ist. An der Informationverbreitung über das Medium Internet kann jeder teilnehmen sofern er einen Computer hat das ist beim Fernsehen oder den Printmedien nicht so. Auch bietet das Internet eine gewisse Gleichzeitigkeit zwischen dem "Künstler" "Journalisten" etc. und dem "Zuschauer". Das soll heißen der Produzierende kann jederzeit mit seiner Zielgruppe Kommunizieren und die Zielgruppe auf das Produzierte einwirken lassen. Auch muss beachtet werden das es im Internet sehr oft eben nicht um Quoten geht. Von daher lässt sich im Internet sehr viel schund finden aber auch wundervolle seiten wie Diskussionsboards, Nachrichtenblogs mit unverfälschten Meinungen, oder sogar den classischen Comic in neuer Aufbereitung. |
| Demon17 | Es gibt einfach zu viele Kanäle und zu wenig interessante Sendungen. Ich meine Bauer sucht Frau und Dingsbums wandert aus, diverse Talkshows auf absolutem Asiniveau und die Samstagabend-Gala *schluchz* mit wem auch immer. Das ist bodenlos dumm. Man hat sich dran gewöhnt und zappt weiter, oder legt ne Platte auf. (Ich meine unter diesem Aspekt sind die NW immer noch nicht ganz unten angelangt.) Aber es war richtig, das mal wieder gesagt wurde, das 95% des Fernsehprogrammes für viele Menschen unerträglich sind. |
| hagzissa13 | [QUOTE][i]Original geschrieben von Demon17 [/i] [B]Aber es war richtig, das mal wieder gesagt wurde, das 95% des Fernsehprogrammes für viele Menschen unerträglich sind. [/B][/QUOTE] So viele können es nicht sein, denn das Angebot richtet sich nach der Nachfrage. Wenn eine Sendung schecht läuft, schlechte Quoten hat, sind die Werbepausen unattraktiver => die Sendung spült weniger Geld in die Kasse => der Sender verdient weniger Geld => der Sender produziert lieber etwas, das mehr Leute schauen. Was die Leute wollen? Sie lieben dieses (ich fand das Wort so geil, als ich es das erste Mal hörte... :D ) "Fremdschämen", dieses Gefühl "Oh Goth, wie kann man nur - das gibts doch nicht - wie kann man sich nur so blamieren - schämt der/die sich nicht?". Die Menschen lieben den Voyeurismus, laben sich an Ungeschick und Leid der anderen - sich mit jemandem freuen wäre obsolet, da würde man eher neiden und Neid fühlt sich häßlich an im Inneren gegenüber Schadenfreude - und lieben es, wenn Gegner aufeinander losgehen - niveaulos verbal, wie körperlich ("Springer" Show, USA) Jeder weiß, wenn er diese Auswandererstories sieht, daß da hauptsächlich die ausgesucht werden, die es eh nicht schaffen werden und vor laufender Kamera scheitern. Bei Talkshows weiß man, daß die ausgesucht werden, bei denen man sich herrlich fremdschämen kann. Bei Sendungen wie DSDS weiß man, daß nur die allerbesten und die allerschlechtesten zu den Fernsehcastings gelassen werden - herrliches fremdschämen vs. Gänsehautstimmen. Das ist das, was das gemeine Volk anscheinend will. Das sind die Sendungen, mit den höchsten Einschaltquoten und somit mit den besten Einnahmen. Ich glaube darum nicht, daß es "viele" sind, die sich etwas anderes wünschen. Ok, auf 80 MIO hochgerechnet, werden es schon einige sein, aber eben nicht genug, als daß es sich lohnen würde, für die ein anderes Fernsehprogramm zusammen zu stellen. Verstehst, was ich meine? ;) |
| TheTurningPoint | Ich habe beide Sendungen nicht im Fernsehen geschaut, aber dank YouTube nun doch (auszugsweise) sehen können. Was die Preisverleihung betrifft, da muss ich MRR Recht geben, die war schäbig. Die Gala wurde in Pomp und Gloria gefeiert und hat sicher eine Menge Geld gekostet, aber für ein Glas Wasser hat es offenbar nicht gereicht. Das Gespräch zwischen MRR und TG finde ich aber recht interessant. [QUOTE][i]Original geschrieben von coma_black [/i] Auf der einen Seite saß ein erzreaktionärer Literaturpapst, der ewiggestrig Schiller, Brecht und Shakespeare anpries und das allgemein niedrige Niveau des Fernsehens bemängelte. Ihm gegenüber Gottschalk, der brav seine auswendig gelernten Phrasen zur Rechtfertigung von vorsätzlich produziertem Schund aufgrund marktwirtschaftlicher Überlebensstrategien herunterbetete.[/QUOTE]Manchmal schadet es nicht, seine Vorurteile neu zu ordnen. Mir sind zwar beide nicht sonderlich sympathisch (ich stehe halt mehr auf junge Frauen als auf alte Männer), aber ich bin einfach mal so naiv, ihnen beiden zuzugestehen, dass sie es ehrlich meinen. MRR hat Schiller, Brecht und Shakespeare ja nicht wegen ihres hohen geistigen Anspruchs angepriesen, sondern wegen ihrer "Volksnähe" zu ihrer Zeit. [QUOTE]Seltsamerweise war es Reich-Ranicki aber nicht möglich, diese scheinheilige Argumentation nach dem Motto "auch Dumme wollen Unterhaltung, da sowieso alle dumm sind verzichten wir auf jeden Anflug von Intellektualität" als ebenso falsch wie zynisch zu entlarven; wenn man diese Auffassung von Unterhaltung konsequent zu Ende denkt, dürfte es außer billig hergestellter Pornographie eigentlich gar nichts anderes mehr geben...[/QUOTE]Billig hergestellte Pornographie ist genau das, was den Großteil des heutigen Fernsehprogramms ausmacht. Das - auf den ersten Blick - Erstaunliche ist, dass nicht MRR die Spaltung in "Dumme" und "Intelligente" vornimmt, sondern Gottschalk, der doch eigentlich der Vermittler zwischen den "Dummen" und "Intelligenten" sein sollte - und angeblich auch sein will. [QUOTE]Und natürlich wurde es auch nicht versäumt, mit erhobenem Zeigefinger auf das moralisch und intellektuell noch viel minderwertigere Internet hinzuweisen. Dabei ist doch gerade das Internet gegenwärtig die größte Chance ...[/QUOTE]Und auch der erhobene Zeigefinger gegen das Internet kommt von Seiten Gottschalks, nicht von Reich-Ranicki. Gottschalk erschien - und hat es selbst mehrmals bekräftigt - als ein Lehrer, der einen Stoff vermitteln soll, den er "von oben" diktiert bekommt. Die Frage ist dabei nur noch, ob er den Stoff der "Intelligenten" oder den Stoff seiner Geldgeber vermitteln soll. Und wenn man nach Geld ("Erfolg") strebt, dann hält man sich lieber an die Geldgeber. [QUOTE][i]Original geschrieben von ange gardien [/i] Das sich Reich-Ranicki mit Gottschalk auf das "du" einigte, erweckte bei mir schon böse Vorahnungen, die leider nicht enttäuscht wurden.[/QUOTE]Ich sehe das als Aufforderung, die Unterwürfigkeit und Speichelleckerei (deren Ausdruck auch die Preisverleihung ist) abzulegen und sich auf gleicher Höhe zu begegnen. [QUOTE]Ich hatte den Eindruck RR habe manchmal Mühe gehabt, den Ausführungen Gottschalks zu folgen.[/QUOTE]Ich sehe das eher umgekehrt. MRR hat die ganze Zeit versucht, zu mehr Selbstbewusstsein anzuregen, die eigenen Interessen und Empfindungen viel mehr in den Mittelpunkt zu rücken, dazu zu stehen und auch mal NEIN zu sagen, wenn etwas missfällt. Dabei ist er realistisch genug und sieht, dass es ohne gewisse Zugeständnisse an die Geldgeber nicht geht. Aber man sollte immer wieder nach Kompromissen suchen und sich nicht fatalistisch dem Ist-Zustand ergeben. In diesem Sinne ist er ein Revolutionär, der selbst noch an die Veränderbarkeit der Welt glaubt, und stärkt sogar dem Thomas noch das Selbstbewusstsein, welcher meint, nur noch in Gesellschaft von "Prominenten" geduldet zu sein. [QUOTE]Das Fernsehen zu 95% Müll ist war schon vorher klar, dafür braucht man keinen Reich-Ranicki.[/QUOTE]Aber offenbar brauchen wir diesen alten Mann, um das Bewusstsein zu erlangen, dass der Zustand nicht so miserabel bleiben muss. |
| Demon17 | [QUOTE]Gottschalk erschien - und hat es selbst mehrmals bekräftigt - als ein Lehrer, der einen Stoff vermitteln soll, den er "von oben" diktiert bekommt. Die Frage ist dabei nur noch, ob er den Stoff der "Intelligenten" oder den Stoff seiner Geldgeber vermitteln soll. Und wenn man nach Geld ("Erfolg") strebt, dann hält man sich lieber an die Geldgeber.[/QUOTE] Das Problem ist, der Stoff wird immer dünner, gehaltloser und Gottschalk ist halt leider kein Kulenkampff, der allein durch seine Persönlichkeit diesem faden, typischen Showkonzept etwas Charakter geben konnte. Eine Charaktertype halt. Ich fürchte, es ist im Fernsehen wie in der Politik. Uns gehen langsam die Charaktertypen aus, die mit Ecken und Kanten dem Ganzen ihren persönlichen Stempel aufdrücken. Die ihr Ding machen, ohne zu sehr auf die Quoten zu schielen. Wer da Angst hat anzuecken wird wahrscheinlich sehr schnell langweilig. Aber vielleicht wollen die Leute ja auch nur selig im Takt zum Holzmichel klatschen. Dann bleibt nur noch das Spartenfernsehen. Es gab mal VIVA und VHS jetzt gibt es nur noch MTV und PAY TV nachdem VIVA an MTV ging und VHS an einen PAY TV Veranstalter. Es ist auch der Einfluß des Geldes, der andere Entwicklungen verhindert um aus Monopolen Geld zu schlagen. Ich empfehle deshalb Go-TV aus Österreich. Der einzige freie Musiksender der nicht total verblödet ist. Es geht doch darum, daß durch diese Quotendiktatur sämtliche kreativen Ansätze zerstört werden und die Dummheit die Intelligenz regiert. Es gäbe genug Kanäle für beides ... |
| TheTurningPoint | [QUOTE][i]Original geschrieben von hagzissa13 [/i] So viele können es nicht sein, denn das Angebot richtet sich nach der Nachfrage.[/QUOTE]Diese Lüge wird auch durch noch so viele Wiederholungen nicht wahrer. Wenn dem wirklich so wäre, dann könnte man beim heutigen Stand von Wissenschaft und Technik leicht die Nachfrage befriedigen. Stattdessen wird ein Großteil unserer Ressourcen für die Schaffung neuer Nachfrage verschwendet (durch Werbung) und vernichtet (durch Krieg). [QUOTE]Was die Leute wollen? Sie lieben dieses ... "Fremdschämen" ... Die Menschen lieben den Voyeurismus, laben sich an Ungeschick und Leid der anderen - sich mit jemandem freuen wäre obsolet, da würde man eher neiden und Neid fühlt sich häßlich an im Inneren gegenüber Schadenfreude - und lieben es, wenn Gegner aufeinander losgehen ...[/QUOTE]... Ja, und sie "lieben" auch Komasaufen und Heroinspritzen ... Nein, das ist keine Liebe, das ist Sucht. Die (Börsen-)Spielsüchtigen treiben den Rest der Menschheit in Süchte, um weiter und immer weiter zocken zu können. Ganze Volkswirtschaften, Landstriche, Erdteile, Leben und Gesundheit von Menschen und anderen Lebewesen werden aufs Spiel gesetzt, damit die Zocker immer weiter zocken können. Allein von der letzten von unseren "Volksvertretern" abgesegneten "Hilfe" für die Zocker könnte man allen Bundesbürgern vom Baby bis zum Greis ein monatliches Zusatzeinkommen von 500 Euro bezahlen. Gar nicht zu reden von den Verbesserungen, die man durch sinnvolle Investitionen (zum Beispiel in ein ordentliches Fernsehprogramm) erreichen könnte. Sich mit jemandem zu freuen ist darum obsolet, weil viel zu Wenige die Gelegenheit haben, sich mit jemandem zu freuen und diese Erfahrungen zu genießen. Schon als Kinder werden sie gegeneinander gehetzt und zur Eifersucht getrieben, wird ihr Selbstbewusstsein herausgeprügelt und/oder durch angedrillte Besitzsucht zerstört. [QUOTE]Das ist das, was das gemeine Volk anscheinend will. Das sind die Sendungen, mit den höchsten Einschaltquoten und somit mit den besten Einnahmen.[/QUOTE]Die "Kundschaft" durch Süchte dauerhaft zu binden brachte seit jeher die besten Einnahmen ... [QUOTE]Ich glaube darum nicht, daß es "viele" sind, die sich etwas anderes wünschen. Ok, auf 80 MIO hochgerechnet, werden es schon einige sein, aber eben nicht genug, als daß es sich lohnen würde, für die ein anderes Fernsehprogramm zusammen zu stellen.[/QUOTE]Das ist wie bei den Wahlen. Da schwatzen die Parteien auch dann noch vom Wählerauftrag, wenn die Wahlbeteiligung unter 10% sinkt. Das Fernsehen hat immerhin noch die Unterstützung seiner GEZ, um die "Wahlbeteiligung" in die Höhe zu treiben. Es wäre mal interessant zur Einschätzung der wirklichen Nachfrage, wie viele Leute für welches Fernsehprogramm freiwillig etwas bezahlen würden. |
| hagzissa13 | [QUOTE][i]Original geschrieben von TheTurningPoint [/i] [B]Diese Lüge wird auch durch noch so viele Wiederholungen nicht wahrer. Wenn dem wirklich so wäre, dann könnte man beim heutigen Stand von Wissenschaft und Technik leicht die Nachfrage befriedigen. Stattdessen wird ein Großteil unserer Ressourcen für die Schaffung neuer Nachfrage verschwendet (durch Werbung) und vernichtet (durch Krieg).[/b][/quote] Ich habe lediglich das Prinzip erklärt wie es läuft. Daß das nicht gut ist, darüber müssen wir uns wohl kaum streiten.... ;) [b][quote]Das Fernsehen hat immerhin noch die Unterstützung seiner GEZ, um die "Wahlbeteiligung" in die Höhe zu treiben. Es wäre mal interessant zur Einschätzung der wirklichen Nachfrage, wie viele Leute für welches Fernsehprogramm freiwillig etwas bezahlen würden. [/B][/QUOTE] Die privaten Sender bekommen von den GEZ-Einnahmen gar nichts ab. Die müssen marktwirtschaftlich arbeiten (mir wäre eine gesunde Selbstkritik durchaus lieber, aber es sind nunmal Fernsehsender und keine Wohlfahrtsorganisationen...). Und die öffentlich rechtlichen verplempern ihre GEZ-Einnahmen für Sendungen, wie das Musikantenstadl, SOKO-schieß-mich-tot, Verstehen sie Spaß?, Leute Heute, Tour de Doping und wie diese Sendungen sonst noch alle heißen. Und die GEZ verplempert das Geld, in dem sie denjenigen, die das für rausgeschmissenes Geld halten irgendwelche möchtegern-Spione auf den Leib hetzt. |
| TheTurningPoint | [QUOTE][i]Original geschrieben von Demon17 [/i] Das Problem ist, der Stoff wird immer dünner, gehaltloser und Gottschalk ist halt leider kein Kulenkampff ...[/QUOTE]Der Stoff wird immer dünner, weil er nur bei den Eliten gesucht wird, die ihrerseits in ihren Elfenbeintürmen hausen. Ich sehe das "Du" von MRR als einen Wink mit dem Zaunpfahl, den Stoff unter seinesgleichen zu suchen. Wenn ich mir nur anschaue, wie viele kreative Leute allein unter den paar Nachtweltlern sind, die ich bisher persönlich kennengelernt habe, und wie viele es sonst noch gibt unter den Leuten die ich kenne - da geht der Stoff lange lange nicht aus. Statt dieses unerschöpfliche Potenzial zu nutzen, werden Leute darauf dressiert, immer und immer wieder das gleiche gähnend langweilige Zeug von Bohlen und Co. wiederzukäuen, damit für diese der Rubel weiter rollt. Ich stimme MRR zu, dass Gottschalk das Zeug dazu hat, niveauvolle Sendungen zu machen, wenn er sein Licht nicht so sehr unter den Scheffel stellt. [QUOTE]Uns gehen langsam die Charaktertypen aus, die mit Ecken und Kanten dem Ganzen ihren persönlichen Stempel aufdrücken. Die ihr Ding machen, ohne zu sehr auf die Quoten zu schielen.[/QUOTE]Ja, der persönliche Stempel, das eigene Ding ist das, was fehlt. Leider ist Eigennutz mittlerweile zum Schimpfwort geworden. Statt selbstbewusst zu sagen "Ja, es ist das was [b]ICH[/b] will", verfallen die Leute in Selbstverleugnung und gönnen sich selbst und Anderen nichts Gutes. [QUOTE]Aber vielleicht wollen die Leute ja auch nur selig im Takt zum Holzmichel klatschen.[/QUOTE]Wenn sie das wollen, was spricht dagegen? Aber dann brauchen sie niemanden, der ihnen die Anweisungen und Befehle dazu gibt. [QUOTE]Es geht doch darum, daß durch diese Quotendiktatur sämtliche kreativen Ansätze zerstört werden und die Dummheit die Intelligenz regiert. Es gäbe genug Kanäle für beides ...[/QUOTE]Die Frage ist, wie diese Diktatur der Zahlen gebrochen werden kann, wie Qualität statt Quantität erreicht werden kann. Meiner Ansicht nach nur durch Selbstbewusstsein und den Mut, zu sagen ob [b]MIR SELBST[/b] etwas gefällt oder nicht. |
| Demon17 | [QUOTE]Der Stoff wird immer dünner, weil er nur bei den Eliten gesucht wird, die ihrerseits in ihren Elfenbeintürmen hausen. Ich sehe das "Du" von MRR als einen Wink mit dem Zaunpfahl, den Stoff unter seinesgleichen zu suchen.[/QUOTE] Es sind keine Eliten auf den Gebieten in die sie hineinregieren. Es sind die Eliten des Geldes, für die sich alles in Zahlen auflöst. Doch diese Zahlen geben keine Auskunft über die Qualität eines Programmes, das Entwicklungspotential seiner Macher und seinen Einfluß auf die intellektuelle Entwicklung seines Publikums. Diese Geldeliten und ihre willfährigen Diener machen immer wieder denselben Fehler. Sie verwässern Inhalte um sie massentauglich zu gestalten und rauben der Sache (egal worum es geht) seinen Charakter. Es ist aber dieser eigenwillige Charakter, der etwas auf Dauer sehenswert oder hörenswert macht. Kunst muß Unterhalten sagt Reich-Ranicki, da hat er recht, jedoch muß sich die Kunst ihren Markt auch selber schaffen, indem sie die Wahrnehmung des Publikums schult. Man kann das Publikum in gewissen Grenzen sensibilisieren und abstumpfen. Zur Zeit macht Fernsehen stumpf. Das merke ich immer wieder wenn ich die Glotze ausschalte um mit der Musik und meinen Gedanken allein zu sein. |
| coma_black | @TurningPoint: Genau darum hat sich ja MRR meiner Meinung nach lächerlich gemacht, weil er nicht in der Lage war, die offensichtlichen Schwächen in Gottschalks perfider Argumentation zur Sprache zu bringen. Viel mehr erweckte die ganze Sendung den Anschein, vorher gründlich abgesprochen worden zu sein, vor allem im Falle Gottschalks eine regelrechte Inszenierung. Das ist übrigens nichts neues, wenn eine Debatte über die Qualität des Fernsehens im Fernsehen geführt wird, setzt sich letztlich der vom Fernsehen erwünschte Standpunkt durch, und der war in diesem Falle die marktwirtschaftliche Rechtfertigung für Dumpfbackenunterhaltung. MRR als Intellektueller hätte das eigentlich erkennen müssen. Der Schlag gegen das Internet kam logischerweise von Gottschalk, schließlich ist das Internet (ebenso wie Computerspiele oder früher Video) eine ernstzunehmende Konkurrenz. So wie anfang der 80er Video durch eine im Fernsehen ausgetragene Debatte in eine moralisch zumindest anrüchige Ecke gedrängt wurde ("Mama, Papa, Zombie" gesehen?) und wie man heute jeden Amokläufer ausschlachtet, um Computerspiele als gemeingefährlich zu brandmarken, greift man natürlich auch wenn es um Interntet geht nur allzugerne auf die Klischees von Nazis und Kinderschändern zurück, schaltet gemeinsam mit der EU sogar dummdreist-plakative Werbespots. |
| Xenomorph | So sehr ich Reich-Ranickis Kritik auf der inhaltlichen Ebene auch nachvollziehen kann - so sehe ich bei ihm doch eine gewisse Doppelmoral am Werk...denn nicht zuletzt er selbst hat mit Sendungen wie "Das literarische Quartett" mehr als genug vom Medium Fernsehen profitiert - auch und nicht zuletzt wohl in finanzeiller Hinsicht -denn auch wenn der Kreis der Zuschauer und die Einschaltquoten bei einer Literatursendung sicher um ein vielfaches geringer sein dürften als bei einer für die breite Masse produzierten billigen DailySoap...wenn Reich-Ranicki mit seiner Haltung gegenüber dem Fernsehen wirklich konsequent gewesen wäre - dann hätte er die öffentliche Annahme des Preises bereits vor der Sendung ablehnen müssen - anstatt daraus eine sehr medien-und publikumswirksamse Showeinlage im Rahmen einer Showsendung zu machen - was für mich geradezu nach gezielt eingeplanter Publicityhascherei riecht - der Beweis, dass Reich-Ranicki selbst sehr wohl eine Menge vom Showbusiness versteht, welches er so vehement kritisiert - sich dabei aber auch nicht zu schade ist, sich seine Mechanismen im eigenen Interese gezielt zunutze zu machen ... |
| Demon17 | Er wäre doch dumm, wenn er seine Kritik im Feuilleton einer Zeitung verstecken würde. Das System spielt falsch, nutze das System. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat doch seinen Bildungsauftrag ins Gegenteil verkehrt. Diese Heuchelei läßt sich nun wirklich an Unehrlichkeit nicht überbieten. |
| +fa+ | Ja, was hätte er denn machen sollen?! Wenn er den Preis vor der Sendung abgelehnt hätte, würden wir und andere uns heute gar nicht darüber unterhalten, da es wohl kaum sonderlich publik gemacht worden wäre. Des Weiteren hat Reich-Ranicki nicht das Fernsehen an sich kritisiert sondern dessen Entwicklung. Ich empfehle an dieser Stelle folgenden [URL="http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~EE91B6E359E494E34BE66891A5D35B7AB~ATpl~Ecommon~Scontent.html"]Artikel[/URL] zur Lektüre (für den Fall, daß er noch nicht erwähnt wurde). Vielleicht ändern einige Diskussionsteilnehmer dadurch ihren Blickwinkel. Edit: Da dieses Forum scheinbar nicht in der Lage ist, Verweise korrekt anzuzeigen, kopiere ich den auf FAZ.de veröffentlichten Text hier rein. [QUOTE][SIZE=1] Reich-Ranickis gerechter Zorn Von Elke Heidenreich 12. Oktober 2008 Ich kann mich auf meinen Sechsten Sinn verlassen. Er sagte mir: geh’ hin zum Deutschen Fernsehpreis, schließlich kriegt den Marcel Reich-Ranicki, dem hast du viel zu verdanken, zeig’ und sag’ ihm das, aber geh’ nicht zu früh, es ist immer grässlich da, und du bist selbst fernsehberühmt, und sie setzen dich in Reihe vier und filmen ununterbrochen deine Reaktionen. Ich kam also schön zu spät, nachdem das Stehpalaver vorbei war, meine Plätze (ja! Reihe vier!) zum Glück vergeben waren, und ich konnte mit meinem Mann ganz friedlich und von Kameras unbelästigt irgendwo hinten sitzen. So. Anzeige Man will Hollywood sein und ist Köln-Ossendorf Ein Bühnenbild, das den Namen nicht verdient. Eine Halle, die kaum auszuhalten ist, Coloneum heißt die Scheußlichkeit am Stadtrand, ist man einmal da, 17 km vom Zentrum entfernt, kommt man leider so leicht nicht mehr weg. Als wir kamen, lief die Veranstaltung schon etwa eine Stunde. Das sieht so aus, dass der Moderator Thomas Gottschalk über die Bühne schreitet und routiniert und ohne einen Funken von Witz oder Geist „Moderationen“ herunterhudelt, die er so oder anders schon tausendmal gemacht hat. Dann kommen Laudatoren und lesen vorgefertigte pointenlose Texte von Telepromptern ab, dann kommen auf Riesenbildschirmen Ausschnitte aus Werken der Nominierten, und nominiert wird ALLES: Hauptrolle, Nebenrolle, Film, Serie, Unterhaltung, Regie, Schnitt, Effekte, Comedy, Bühne, Drehbuch, ach, endloser Unsinn, man will Hollywood sein und ist eben doch Köln-Ossendorf. Es zieht sich. Und es ist ein Ärgernis ohnegleichen, dass nahezu jeder Preisträger dann am Mikrofon herumstammelt, das sei so ein toller Preis, und man wisse nun gar nicht, was man sagen solle, und man sei totaaaaal überrascht, und man danke aber dem tollen Team und dem tollen Redakteur und dem Ehemann und dem Kind und, Mama, das ist für dich. Verdammtnochmal, wenn man nominiert wird, weiß man, dass die Chance, da oben zu stehen, eins zu drei ist, und dann bereitet man gefälligst eine Rede vor und blamiert sich und langweilt uns nicht mit diesem furchtbar unfähigen, unzumutbaren Gestammel. Das ist das Eine. Zum Thema * Deutscher Fernsehpreis: Reich-Ranicki sorgt für Eklat Wir haben uns nur noch geschämt Das Andere: Wie jämmerlich die dargebotenen Produkte und Arbeiten in der Mehrzahl waren, wie jämmerlich unser Fernsehen ist, wie arm, wie verblödet, wie kulturlos, wie lächerlich. Wieso darf ein Simpel namens Atze Schröder da vorn seine Possen reißen? Wieso wird eine unterirdische Sendung wie „Deutschland sucht den Superstar“ zur Besten Unterhaltungssendung gekürt und gibt den Machern die Möglichkeit, frech zu sagen: Da seht ihr es, ihr intellektuellen Schreiberlinge, man liebt uns, und wir machen weiter? Wir haben uns nur noch geschämt, wir wären am liebsten sofort wieder gegangen, aber wir wollten Reich-Ranicki ehren und blieben, und in mein Herz schlich sich schon nach und nach der Verdacht: das hält der nicht durch. Ich sah den achtundachtzig Jahre alten Mann da vorn in der ersten Reihe sitzen, gebrechlich, aber geistig ja vollkommen klar, und ich dachte, was für eine Zumutung diese armselige, grottendumme Veranstaltung für ihn sein müsse. In jeder Hinsicht – einen so alten Mann lässt man nicht derart lange warten, und man mutet einem so intelligenten Mann nicht einen solchen stundenlangen Schwachsinn in hässlicher Kulisse zu und Moderationen des Thomas Gottschalk wie die zu einem Film über Kinder, die aus Heimen und vor Misshandlungen gerettet werden: hoffentlich kommen noch viele Kinder in so eine Lage, damit ihr weiter so tolle Filme machen könnt! (Zitat sinngemäß, nicht wörtlich) Es verschlug uns den Atem. Ich wusste, das lässt sich dieser Mann nicht bieten Und dann leise Unruhe, Irritation, Gottschalk teilte mit, man sollte jetzt denken, es wäre schon Schluss, es ginge aber natürlich noch lustig weiter, aber man zöge den letzten Programmpunkt, die Ehrung fürs Lebenswerk jetzt einfach schon mal vor, weil Reich-Ranicki ungeduldig würde. (Ich muss hier etwas einschieben. In einem unserer häufigen Telefonate erzählte mir Reich-Ranicki stolz von diesem Fernsehpreis für sein Lebenswerk und sagte, Gottschalk halte die Laudatio. Wir waren uns einig, das der das nicht tun sollte, ich sollte es tun, nicht weil ich mich darum reiße, auf derartigen Veranstaltungen vorn zu stehen – es ist mir eher tief zuwider –, sondern weil ich näher dran bin, mit Reich-Ranicki mehr zu tun hatte und habe, eine Sendung mache, die in gewisser Weise die seine fortführt. Ich hätte über die Leidenschaft für Kultur im Fernsehen geredet, die er uns gelehrt hat. Man hat mir aber gesagt nein, das mache Herr Gottschalk und aus. Nun gut. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt die Laudatio doch gehalten, es wäre etwas sehr Eisiges daraus geworden, verlasst Euch drauf.) Also, man ziehe die Ehrung nun vor. Aha. Und da wusste ich es. Ich wusste, das lässt sich dieser Mann nicht bieten und ich hoffte inbrünstig, er würde es sich nicht bieten lassen, und hätte ich in Reihe vier gesessen wie vorgesehen, ich wäre in diesem Moment auf die Bühne gegangen und hätte gesagt: „Bitte lass dir das nicht bieten.“ Er braucht mich nicht. Er weiß, was das Gebot der Stunde ist. Er ging nach ein paar lächerlichen, banalen und eher demütigenden Sätzen von Gottschalk, die wohl die Laudatio sein sollten, schwerfällig, gestützt, an das Rednerpult und war dann ganz der Gott des Donners und des Zorns, den wir an ihm kennen und lieben. (Siehe auch: Deutscher Fernsehpreis: Reich-Ranicki sorgt für Eklat) Er nehme den Preis nicht an, basta Was das hier sei. Wo man ihn hier hingeschleppt habe. Was er sich da seit Stunden ansehen und anhören müsse. Eine Zumutung. Er solle hier geehrt werden. Hier? Von wem? Für was? Wo ist hier auch nur eine Ahnung von Kultur und Bildung? Er nehme diesen Preis nicht an. Wunderbar. Danke auf ewig. Lähmendes Entsetzen im Saal, Raunen, vereinzeltes Klatschen, ich hätte vor Freude in die Luft springen mögen, vor Freude über diesen mutigen, zornigen, beleidigten, klugen Mann und vor Zorn und vor Kummer über diese verhunzte Veranstaltung, diese grenzenlose Flachheit. Er nehme den Preis nicht an, basta. Er rang nach Luft, er kriegte einen Hustenanfall, und Thomas Gottschalk hat eine einzige Eigenschaft, die ihn zum Moderator befähigt, nur eine – er ist nicht intelligent, er ist nicht charmant, er hat keinen Witz, aber er ist reaktionsschnell. Er fasste MRR am Arm, hielt ihn fest und sagte (sinngemäß): O soviel Zorn, da schlage ich doch vor, wir setzen uns mit den Intendanten mal zusammen und reden in aller Ruhe darüber, und nun Applaus für Reich-Ranicki. Man schämt sich, in so einem Sender zu arbeiten Und alle standen auf und applaudierten, und Reich-Ranicki erzählte, um irgendwas doch irgendwie wieder gutzumachen, noch eine Anekdote und bot Gottschalk das Du an, und dann wurde er herausgeführt aus der Hölle dieser Halle, und der Moderator sagte, nun wörtlich: „So, jetzt sind wir wieder unter uns und können weitermachen.“ Klar. Der Kritiker, der Spielverderber ist weg, nun ziehen wir unsere hirnlose Scheiße durch bis zum Schluss. Wo waren die Programmdirektoren und Intendanten in diesem Augenblick, warum kam keiner von ihnen auf die Bühne, um etwas zu sagen? Weil es verknöcherte Bürokarrieristen sind, die das Spontane längst verlernt haben, das Menschliche auch, Kultur schon sowieso. Man schämt sich, in so einem Sender überhaupt noch zu arbeiten. Von mir aus schmeißt mich jetzt raus, ich bin des Kampfes eh müde. Ich schäme mich, ich entschuldige mich stellvertretend für alle Leidenden an diesen Zuständen, und derer sind auch in diesen verlotterten Sendern noch viele, bei Marcel Reich-Ranicki für diesen unwürdigen Abend. Ja, bitte nimm den Preis nicht an, jetzt nicht und nie. Lass dich nicht einlullen. Und rede nicht mit den Vertretern der Sender, es bringt nichts. Sie werden es nicht begreifen. Und was die Macher eines solchen desolaten Abends angeht: Fahrt bitte einmal im Mai nach Hamburg zum Henri Nannen Preis und lernt, wie die das machen – ein unterhaltender Abend für intelligente Menschen. Es ist möglich. Aber eben nicht bei ZDF, ARD, Sat 1 und RTL. Und schon gar nicht mit Thomas Gottschalk. Während ich dies schreibe, ist der Zusammenschnitt der Veranstaltung noch nicht im Fernsehen gelaufen. Ich bin gespannt, wie man sich aus der Affäre mogelt. Es wird kaum gehen, denn die Radios meldeten schon, Reich-Ranicki habe einen Eklat verursacht. O nein, das hat er nicht. Der Eklat war diese ganze grauenvolle Veranstaltung. Reich-Ranicki war der Lichtblick.[/SIZE] [/QUOTE] |
| Heph | Susane Härpfer hat zum Thema Journalismus und dessen Qualität [URL=http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28962/1.html]diesen[/URL] schönen Artickel auf Telepolis gebracht, Der Artickel erklärt recht einleuchtend einen der gründe warum die Beiträge in Nachrichtenmagazinen und Sendungen immer schlechter werden. |
| coma_black | Das Schlimme an der Sache ist m. E. aber vor allem die Tatsache, daß das Fernsehen auf Zeit spielen kann. In der Gottschalk-Sendung war es bereits gelungen, die kommerzielle Ausrichtung des Fernsehens als notwendiges Übel herauszustellen. An der Quote komme man eben nicht vorbei. Gleichzeitig kam in letzter Zeit fast täglich irgend ein Bericht über MRR - es wurde gewissermaßen in Salamitaktik jeder Kritikpunkt ausführlich zerpflückt und zerredet. Wenn man dieses Spiel lange genug treibt, bleibt letztlich ein etwas seniler älterer Bücherwurm übrig, der sich nicht zu benehmen weiß; der Fernsehzuschauer hingegen kann aufatmen und sich weiter menschenverachtenden Schrott wie das Super-Untalent anschauen, wo inzwischen nicht einmal mehr vor der Zurschaustellung geistig Behinderter zur allgemeinen Volksbelustigung zurückgeschreckt wird, hier sei nur an den unsäglichen "We are the Champions"-Auftritt erinnert. MRR hätte beinahe eine Debatte über die Qualität des Fernsehprogramms ausgelöst, aber Gottschalk hat ebendies bereits bei der Preisverleihung rhetorisch durchaus geschickt verhindert. Vielleicht hat ihm Reich-Ranicki auch darum das "Du" angeboten. |
| Lady Lafar | Ich halte Gottschalk nicht für pauschal dumm oder unkreativ. Ich glaube (vielleicht steh ich damit alleine... mag sein.), dass er sich lediglich angepasst hat, an das was die Leute sehen wollen, denn ganz unrecht hat er da nicht. Hat jemand das Buch "Generation doof" gelesen? Das mag vielleicht auch eine dieser plakativen Aktionen sein, ABER: Es steckt doch einiges an Wahrheitsgehalt darin. Da wird nämlich genau das beschrieben, was die meisten Deutschen mit dem Fernsehen anstellen; nämlich (das Gerät) einschalten und (das Gehirn) abschalten. Dazu braucht man keine Literatur kritischen Sendungen ala Lesen!, oder auch nicht sowas wie Frontal21 und hartAberfair. Dazu braucht man eben DSDS und Wetten, dass...?. Den Rest will eben niemand sehen, und man kommt an der Quote nicht vorbei. Keiner zahlt Rundfunkgebühren für Sendungen, mit derem geistigen Niveau er oder sie nicht mithalten kann. Daher halte ich das, was Ranicki produziert für Utopie. Das war es auch schon immer; selbst dieses kleinbürgerliche Bild des "Familienfernsehens" der 60er/70er Jahre war Utopie. Ich kenne niemanden, sei es aus der eigenen Familie oder von Freunden, Bekannten, der Fernsehen zu dieser Zeit so erlebt hat. Das einzige, was mich bei Berichterstattung und Recherche immer wieder nervt, ist diese Sensationsgeilheit der privaten Sender. Da halten sich die öffentlich-rechtlichen anscheinend noch vornehm zurück. Aber mal ganz ehrlich: Wie kann man in einer so schnelllebigen Zeit an Formaten wie "Das literarische Quartett" festhalten? Das ist so, als würde man die neuen PCs mit der ersten Rechenmaschine vergleichen. Diese Vergleiche hinken. Ich weiß nicht, inwieweit ihr euch da auskennt, aber auf das Fernsehen wurde schon immer geschimpft; seitdem es das gibt. Und jetzt geht auf einmal der große Aufschrei durch Deutschland. Diese Zusammenhänge sind für mich als halbwegs bildungsaffinen Menschen nicht nachvollziehbar. Natürlich hat MRR Recht. Das will ich auch nicht bestreiten (das verbietet mir schon mein Alter ;o) ), aber es ist doch durchaus löblich, dass er zu dieser Veranstaltung überhaupt erschienen ist. Denn - wenn er doch auf die privaten so sauer ist - er hätte ahnen können, was das für ein Murks ist, den die dort produzieren. Ich finde, dieser Mann sollte sich mal die anderen Wege des Entertainments ansehen. Ich würde ihn gern mal mit in ein Musical nehmen; so etwas wie Les Miserables (was er wahrscheinlic hschon kennt ^^) oder aber "Wicked", bei dem ich finde, dass es eine Aussage hat. Vielleicht könnte das seine Phantasie ein bisschen anregen, weil ich finde, dass die Menschen, die sich so eingehend und empirisch mit Literatur beschäftigen, leider oft vergessen, das Lesen fernsehen im Kopf ist und dass man ein Werk auch auf sich wirken lassen kann, ohne es linguistisch und literaturwissenschaftlich zu zerfleddern. Ja. Dies der kleine Beitrag einer Germanistik-Studentin. Grüße aus Duisburg :) |
| LadyKe | Guten Abend, [QUOTE]Nach dieser Farce eben im ZDF brauche ich mir um "Kultur" wohl keine Sorgen mehr machen. Auf der einen Seite saß ein erzreaktionärer Literaturpapst, der ewiggestrig Schiller, Brecht und Shakespeare anpries und das allgemein niedrige Niveau des Fernsehens bemängelte. Ihm gegenüber Gottschalk, der brav seine auswendig gelernten Phrasen zur Rechtfertigung von vorsätzlich produziertem Schund aufgrund marktwirtschaftlicher Überlebensstrategien herunterbetete. Seltsamerweise war es Reich-Ranicki aber nicht möglich, diese scheinheilige Argumentation nach dem Motto "auch Dumme wollen Unterhaltung, da sowieso alle dumm sind verzichten wir auf jeden Anflug von Intellektualität" als ebenso falsch wie zynisch zu entlarven; wenn man diese Auffassung von Unterhaltung konsequent zu Ende denkt, dürfte es außer billig hergestellter Pornographie eigentlich gar nichts anderes mehr geben... Und natürlich wurde es auch nicht versäumt, mit erhobenem Zeigefinger auf das moralisch und intellektuell noch viel minderwertigere Internet hinzuweisen. Dabei ist doch gerade das Internet gegenwärtig die größte Chance, die Balance zwischen sensationalistischen Schauwerten und anspruchsvollen Inhalten (gewissermaßen zwischen Kopf und Unterleib) wiederherzustellen.[/QUOTE] was soll man dazu noch sagen? die gute alte auf echtes papier gedruckte literatur wird auch von mir hoch geschätzt. allerdings darf man nicht vergessen, dass auch fernsehen und internet ihre vorzüge haben. vielleicht gibt es einen trend zur verdummung. der liegt aber möglicherweise in der falschen nutzung von tv und internet und nicht an den medien selbst. es lässt sich jedoch generell beobachten, dass menschen schwierigkeiten mit dem fortschritt haben. aber wir leben in einer globalisierten welt in der bücher allein eben nicht mehr ausreichen um "dabeizusein". aktuelle informationen werden zunehmend wichtiger und da können selbst tageszeitungen nicht mehr mit der aktualität von tv und vor allem internet mithalten. die welt ist vernetzt und durchsichtig geworden, die bürger auch. das mag manche stören, verängstigen oder freuen. aber es bleibt fakt. und mit dieser "neuen welt" gibt es eben auch neue formen der informationsbeschaffung. da gibt es gewiss pros und contras. aber eine allgemeine verteufelung und schlechtreden von tv und internet zeugt wohl eher von desinteresse an der welt oder von engstirnigem festhalten an alten werten, während die welt längst ihr neues gesicht gezeigt hat. man muss auch bereits sein für neues, sich tragen lassen und entdeckungsfreudig und mit intellekt prüfen, wie man am effektivsten nutzen kann, was einem neuerdings zur verfügung steht. so long... ladyke |
| Inyan | Recht hat er, der Alte. Find ich auch richtig, dass er das vor den Kameras gesagt hat. Preisannahme vor der Sendung abzulehnen hätte doch überhaupt nichts gebracht. Dumm finde ich nur, dass er sich mit dem Kotzbalg äh gottschalk "verrsöhnt" hat. Der verkörpert doch das deutsche Idiotenfernsehen. Gottschalk ist einer, der viel redet und nichts sagt. Der Typ ist zum Kotzen. |
| schwarze_kunst | Jedes Medium ist gleich gut bzw. gleich scheiße, es kommt nur darauf an was daraus gemacht wird. Natürlich läuft im Fernsehen viel zu viel Schrott, aber wenn ich mir da die momentane Bestsellerliste anschaue ist das auch nicht besser. Bushido, Bohlen, usw. ... Sinkendes Niveau ist kein Problem, das nur das Fernsehen hat. |
| Seneca | Nun Ja... auf jeden Fall hat MMR diese Publicity gleich durch zwei Werbeverträge versilbert. Ich denke das ist ein weiteres gutes Indiz für meine Behauptung das er sich als Medienprofi nicht wirklich sehr von TG unterscheidet. |
| engelstraene | Ich muss sagen, dass ich schon seit gut 1,5 Jahren nur noch Nachrichten, wenn überhaupt im Fernsehen gesehen habe. Das Problem, an alten intellektuellen wie Shakespeare und Schiller zu hängen ist doch offensichtlich, dass die Medien sich immer nach ihren Zuschauern gedreht haben, mag das jetzt Fernsehen, Internet oder Theater sein und zu Zeiten Schillers und Goethes waren diese Medieneinrichtungen nur für die "Intellektuelle Elite" geöffnet. mit der Zeit und schnellerer Industrialisierung mussten natürlich auch irgendwo die Massenmedien nachziehen und ihren Fokus auch auf die Bürger werfen. und davon gibt es bekanntlich mehr als Reiche. Shakespeare wäre wohl kaum so populär gewesen wenn er mit Autoren für die unteren Klasse hätte kompetieren müssen. So gesehen gehören Gottschalk, Bohlen und wie sie alle heißen zu den Großen unserer Zeit, weil sie wissen, was sie ihrem Publikum bieten müssen um es glücklich zu machen. Dieses Argument von der bösen intellektuellen Elite bin ich Leid, da diese Elite zu einem Großteil daran Schuld ist, dass die jenigen, die sich keine Privatlehrer leisten können trotz alledem eine Bildung erhalten können. Ist es dann nicht nur logisch, dass man sich den (niedrigen) Bildungsstand der Bürger zunutze macht indem man sie mit billigen Medien speist damit sie sich zwar weiter über die Oberschicht aufregen können (und darin sind die Deutschen Weltklasse) aber trotzdem zu beschäftigt sind um offen dagegen vorzugehen. Insofern sehe ich keinen Grund das Niveau des Fernsehens/Internets/Kino... zu steigern da sich dann meine eigene Position als Privatschüler (Stipendium) verschlechtert da mehr Konkurrenz. Zu Zeiten der "Großen Dichter" gab es diese sogennante Herrschaft des Volkes noch nicht. Zusammenfassend: warum aufregen, wenn man sich die Situation doch so schön zunutze machen kann, Macht Gottschalk nicht genau das Selbe? Und jetzt, wer hat die Millionen €€€, Gottschalk, der jede Woche (?)von Millionen Zuschauern gesehen wird oder Ranicki, mit seiner Intellektuellen Fanbasis (?). |
| Holy War | [quote][...]aber wenn ich mir da die momentane Bestsellerliste anschaue ist das auch nicht besser. Bushido, Bohlen, usw.[/quote] Die Bücher auf der Bestseller-Liste stehen nicht deshalb soweit oben, weil sie gut sind, sondern weil sie sich am besten verkaufen ... Das einzig interessante ist ledeglich, das Bushido Fans überhaupt lesen können. |
| skaldenblut | Wir müssen weder alles lesen was gedruckt wird noch alles schauen was gesendet wird. Einfach mal das TV Programm ausschalten oder das Buch erst testen und dann ggf nicht kaufen hilft und beruhigt ungemein. Ansonsten ist es jedem selbst überlassen auf welche kulturelle Stufe, Art und Weise er sich einlässt und ob er/sie einen eigenen Geschmack entwickelt oder sich ihren/seinen Geschmack von anderen "Beibringen/Einrichtern/Erklären" lassen will. |
| Cagliostro | [QUOTE][i]Original geschrieben von ange gardien [/i] [B]....Das Fernsehen zu 95% Müll ist war schon vorher klar, dafür braucht man keinen Reich-Ranicki. [/B][/QUOTE] Dass die öffentlich-rechtlichen fast nur noch quotenlastiges Unterschichtenfernsehen auf Super-Illu-Niveau machen und dies mit unseren Gebühren, das ist schon skandalös. Aber ich glaube kaum, dass RR so stark in der Materie ist, dass er diesen Umstand gemeint haben könnte. Er hat von der Materie kaum Ahnung. Er war mir eigtl. immer symphatisch, weil der den aufgeblasenen Grass-Popanz abgelehnt hatte. Aber Schuster bleib bei deinen Leisten! Dass er Elke Heidenreich für ihre Sendung "Lesen!" massiv kritisiert hat, war richtig. E.H. ist einfach nur peinlich. |
| Gezeichneter | [QUOTE][i]Original geschrieben von coma_black [/i] [B]Auf der einen Seite saß ein erzreaktionärer Literaturpapst, der ewiggestrig Schiller, Brecht und Shakespeare anpries und das allgemein niedrige Niveau des Fernsehens bemängelte.[/quote] Das Fernsehen hat ein äußerst niedriges Niveau. Vor allem im allgemeinen. Schiller, Brecht und Shakespeare anzupreisen macht hingegen niemanden erzreaktionär. [quote]Reich-Ranicki jedenfalls hat sich gründlich lächerlich gemacht und Gottschalk war es ja irgendwie schon immer.[/QUOTE] Reich-Ranicki hat sich in meinen Augen keineswegs dadurch lächerlich gemacht, dass er das ausgespochen hat, was gesagt werden musste. Sich darüber im Chor zu echauffieren, ist lächerlich. Aber jedem seine Meinung. |
| skaldenblut | Ich stelle mich auf Reich Ranickis Seite und würde ihm sogar einen Orden verleihen, obwohl ich Preisungen dieser Art selber ablehne....den dürfte er dann natürlich auch ablehnen. :cool: Ne mal im Ernst, ein Blick in die TV Zeitung genügt mir mittlerweile, um in 80 Prozent der Fälle statt TV zu glotzen mal wieder ins Kino zu gehn und Arthouse Filme zu kucken, ins Theater zu gehn, ein Buch zu lesen, fürs Hobbie was zu machen, ine Schwatte Disco zu gehn, ins Konzert oder Kabarett zu gehn, oder mich mit Freunden zu treffen. Denn alles das ist besser als seine Zeit mit so einem Sch.... ,ob nun privat oder kommerziell gesendet, zu verplempern. |
| xxxzinixxx | fernsehen ist eben die billig-variante der freizeitgestaltung. |
| Gezeichneter | So ist es. Wobei sich das Gestalten auf die Betätigung der Fernbedienung beschränkt... |
| Heph | Warum sich beschweren? Last uns das letzte todeszucken dieses halbverfaulten Kadavers genießen während wir auf eine Vernüftiges system aus Web-Film verteilern, professionelen Videoblogs, und TV-datenkraken warten. Die Produzierten populärformate werden dadurch eh nicht Sterben ja ich denke die Offentlich Rechtlichen arbeiten schon mit ihren webangeboten an einer Vorsorge für ein solche Zukunft auch wenn sie dafür heute gegängelt werden weil man ja GEZ fürs TV und nicht fürs WEB zahlt. Wenn die Sender - Medienanstallten wird dann aber wirklich besser passen - Geld benötigen können sie ihre Werbefilmchen gern in ein Video einbauen oder einen Beitrag für die unverworbene variante verlangen. Theopraktisch ist das heute doch auch schon möglich wenn man von Leitungstechnischen unzulänglichkeiten absieht die man mit P2P, P4P und anderen Kniffen abfangen und mit einem längst überfälligen Netzauf und umbau eliminieren kann. An internationaler Standart müsste her das schon so das ich mir auch mein Programm sagen wir über google zusammenstellen kann aber auch dies dürfte ein kleineres Problem sein. |
| Gezeichneter | [QUOTE][i]Original geschrieben von Heph [/i] [B]Warum sich beschweren? Last uns das letzte todeszucken dieses halbverfaulten Kadavers genießen [/B][/QUOTE] Einverstanden. |
| coma_black | Sotele, soeben inszeniert Gottschalk die Spießbürgerversion der 120 Tage von Sodom (ist ja soo lustig, in feinem Ambiente Scheißdreck am Geruch zu erkennen) und bei RTL frißt man in Anlehnung an Mondo Cane Heuschrecken und andere Leckereien... Komischerweise steht man als Verehrer dieser beiden filmischen Meisterwerke (bzw. der Schriften von Herrn deSade) immernoch in der Pfui-Ecke, obwohl der Tabubruch bereits zur Massenunterhaltung geworden ist :rolleyes: |
| Gezeichneter | [QUOTE][i]Original geschrieben von coma_black [/i] [B] obwohl der Tabubruch bereits zur Massenunterhaltung geworden ist :rolleyes: [/B][/QUOTE] Welcher Tabubruch? :) |
| coma_black | Diese asexuelle Form von Pornographie, die sich durch die komplette "Familienunterhaltung" zieht. Da wäre es doch ehrlicher, auf RTL würden wieder Arsch- und Tittenfilme gezeigt... |
| Gezeichneter | Das ist richtig. Wobei RTL an sich schon auf die Liste der ekligen Worte gehört. |
| ange gardien | [QUOTE][i]Original geschrieben von skaldenblut [/i] [ Ne mal im Ernst, ein Blick in die TV Zeitung genügt mir mittlerweile, um in 80 Prozent der Fälle statt TV zu glotzen mal wieder ins Kino zu gehn und Arthouse Filme zu kucken, ins Theater zu gehn, ein Buch zu lesen, fürs Hobbie was zu machen[/QUOTE] Ich bin seit Anfang des Jahres ohne TV Gerät und vermisse bisher relativ wenig. Habe den Fernseher bei der GEZ abgemeldet und meiner fernsehsüchtigen Freundin geschenkt. Ausschlaggebend war für mich das immer schlechter werdende Niveau der öffentlich rechtlichen, dass man meiner Meinung nach auch nicht mir der Ausrede entschuldigen kann, der Konsument wolle das so. Erstens wird das schlechte Niveau m.E. nicht vom Zuschauer gefordert, sondern vielmehr soll der Zuschauer von den Sendern langsam daran gewöhnt werden, und zweitens sollten ja gerade die GEZ finanzierten Sendern gegenüber einem Abwärtstrend unabhängig sein. Der Versuch von ARD und ZDF einen auf RTL zu machen kann nur schief gehen, weil sich der Konsument, der RTL will, eben das Original ansieht und nicht die Kopie. Mit ihrem Abrutsch machen sich die öffentl. rechtlichen irgendwann selbst verschuldet überflüssig. Wenigstens muss man sich dann nicht mehr darüber ärgern, für den Mist auch noch Gebühren bezahlt zu haben. Naiv, wie ich mit 18 war, habe ich damals gleich mein Gerät angemeldet, weil ich ja ( wie die GEZ Werbung uns vorplappert ) unabhängige und seriöse Medien brauche. Das schöne am älter werden ist, man fängt mehr und mehr an durch zu blicken ;) [QUOTE]Warum sich beschweren? Last uns das letzte todeszucken dieses halbverfaulten Kadavers genießen[/QUOTE] Sehr schön formuliert Heph |
| Nachtfeuer | Ich persönlich halte die Medienschelte von Marcel Reich-Ranicki für etwas überzogen. Da das ZDF von vielen Gebührenzahlern finanziert wird, muss es auch ein sehr breitfeächertes Programm anbieten. Natürlich ist das allgemeine Niveau in den lesten Jahren auch bei den Rundfunkanstalten zurückgegangen. Dies hängt meiner Meinung damit zusammen, dass die Rundfunkanstalten immer öfters versuchen, das Programm der privaten Sender zu kopieren. Das ZDF sollte selbstverständlich auch weiterhin ein gutes Unterhaltungsprogramm liefern. Schließlich ist es ja kein Spartenkanal wie arte oder Phoenix. Nichtsdestotrotz sollte der Informationsnährwert der einzelnen Sendungen ausgebaut werden. Es kann nämlich nicht sein, dass wir mit unseren Gebühren diverse Kochsendungen mitfinanzieren. Auch die aktuellen Streitigkeiten um Nikolaus Brender lassen für die Zukunft böses erahnen. Durch den Versuch der politischen Einflussnahme von Koch auf das ZDF ist die politische Neutralität des Senders gefährdet. Daher sollte man über eine neue Gesetzgebung für den Öffentlichen Rundfunk in Deutschland nachdenken. So sollten die Vertreter von politischen Parteien aus den Aufsichtsgremien verschwinden. |
| Scheol | Der alte Mann hat Recht. Gleich ob er seine Quoten steigern will oder nicht. Free Rainer wurde hier schon erwähnt...für alle die ihn nicht kennen...anschauen! Ansonsten bleibt zu sagen das zwischen 9Live und RTL II nur noch der Theaterkanal des ZDF bleibt. Phoenix war auch mal besser und ein Glück haben wir ja Roland Koch der aufpasst was die ZDFler alles so machen *zyn* Alter Mann hin oder her. Er ist ein Meister der inszenierten Selbstdarstellung, das mag sein. Aber in Zeiten von Telenovelas und anderem Vomiermitteln ist mir egal wer für einen Eklat sorgt...hauptsache es wird getan...und ein paar mehr davon würde der Fernsehlandschaft ganz gut tun. Auch wenn sich nix ändern wird...warum? Ein Zitat aus einer Kabarettsendung: "Die Mutter der Dummen ist immer schwanger" (von wem ist das ursprünglich???) lg Scheol |