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  Forum: Des Kaisers Bart
    Thema: Gibt es ein Recht auf Glück?
JohnSteedNach allem, was wir aus eigener Erfahrung kennen, gibt es kein leidloses Leben.
Alles ist mit Mühe, Anstrengung und Kampf verbunden.
Somit ist das Leben keine Veranstaltung in der irgendein "Über-ich" (der Staat?) einem vor Unbill aller
Art schützen kann oder dies auch muss...

Es gibt bei allem, was wir tun, immer ein Risiko.
Immer Gefahren.
Man kann im Lebenskampf viel Federn lassen, es gibt auch über jeglichen Materialismus hinaus reichende Lebensläufe.

Nein, es gibt kein "Recht auf Glück" und es würde auch nichts nützen, so etwas in die Verfassung schreiben zu wollen.

Der Mensch ist zunächst seinem Schicksal anheim gestellt, so gut oder schlecht es manchmal sein kann.
hagzissa13Da Glück zum einen nicht definierbar ist (für den einen ist es Glück im Lotto zu gewinnen, für den anderen, nen fünfer auf der Straße zu finden...) und nicht von außen steuerbar ist, kann es in meinen Augen kein Anrecht darauf geben. Wie auch....?
MisericordiaAber nur weil es schwierig ist, allen ein gewisses Maß an Glück zu liefern (schlecht definierbar, kaum kontrollierbar), heißt das doch noch lange nicht, dass keiner ein Recht auf Glück hat. Nur weil Frauen in einigen Teilen Afrikas fürchten müssen, von ihren Verwandten verstümmelt zu werden und auf ihr Recht auf Unversehrtheit keine Rücksicht genommen wird, heißt das doch nicht, dass sie das Recht darauf verloren haben, oder etwa doch?
JohnSteed[QUOTE][i]Original geschrieben von Misericordia [/i]
[B]Aber nur weil es schwierig ist, allen ein gewisses Maß an Glück zu liefern (schlecht definierbar, kaum kontrollierbar), heißt das doch noch lange nicht, dass keiner ein Recht auf Glück hat. Nur weil Frauen in einigen Teilen Afrikas fürchten müssen, von ihren Verwandten verstümmelt zu werden und auf ihr Recht auf Unversehrtheit keine Rücksicht genommen wird, heißt das doch nicht, dass sie das Recht darauf verloren haben, oder etwa doch? [/B][/QUOTE]

Es kann kein Recht (einklagbar z.b. beim Staat)
auf vollendetes Glück geben.
Das ist qua dieser Definition nicht möglich.
In der Demokratie räumt der Staat seinen Bürgern ein,
ihr Glück zu versuchen.
Er kann es unterstützen mit Bildung etc.
Aber ein materielles Recht auf Glück, kann es nicht geben.
Das ist ein Missverständnis, dem leider auch viele Politiker anhängen.
Sie erkennen den kleinen sprachlichen Unterschied nicht.
MisericordiaHuh, wie? Soll also heißen, Recht ist nur dann Recht, wenn es einklagbar ist? Es gibt dann also schon ein echtes Mietrecht in Deutschland, weil es einklagbar ist, aber kein Recht auf Leben in einem anarchistischen Entwicklungsland ohne anständige Verfassung?

Ich denke nicht, dass sich Recht nur über das Gesetz definieren lässt.

So aber stimme ich dir schon zu, dass sich Glück nicht im Gerichtssaal einfordern lässt. Würde mich aber interessieren, welche Politiker da deiner Meinung nach falsche Hoffnungen machen.:rolleyes:
GISMOGlückssuche in einem staatliche erlaubtem Rahmen. Na Prost Mahlzeit. Natürlich kann es kein Anrecht auf Glück geben, weil Glück nicht lieferbar ist. Da muss nicht einmal in den Gesetzbüchern gekramt werden. Er reicht, sich mit der Natur von "Glück" auseinanderzusetzen um zu sehen, dass dies schon praktisch nicht möglich ist. Darum ist es schon richtig zu sagen, dass das auch keinen Sinn machen würde. Das Recht auf Glück würde eigentlich gar nichts ändern. Weil Gesetze nach wie vor eingehalten werden müssen.

Wer darüber nachdenkt, kann allerhöchstens zur Erkenntnis kommen, dass ihn das Gesetz an der Umetzung seines persönlichen Glücks hindert. Pardon, wenn ich hier anfange wie Ronin76 zu klingen, aber im Gegensatz zum Volksglauben, ist nunmal "Glück" nicht in staatlicher Überregulierung zu finden, sondern in so stark ausgedehnter Freiheit wie möglich. Das bringt prinzipiell das Dilemma mit sich, dass Menschen, die zur Umsetzung ihres Glücks Gewalt anwenden müssten, oder gegen andere Gesetze verstoßen müssten, nicht glücklich sein können (was meines Erachtens mittlerweile auf den Großteil der Menschheit zutrifft.)

Man müsste wohl differenzieren, wessen Glück durch den Versuch der Umsetzung des Glücks stärker beeinträchtig ist: Derjenige, dessen Glück beeinflusst wird, oder derjenige, der mit der Umsetzung seines Eigenen sich zurückhalten müsste?

Man könnte sich auch folgendes fragen: Wenn jemand Musik raubkopiert, wer von beiden Parteien wäre in welchen Fällen prinzipiell stärker in der Umsetzung seines Glücks beschränkt: Das Plattenlabel, dass die Raubkopie seines vertriebenen Produktes dulden muss, oder der Raubkopierer, der seine Lieblingsmusik nicht hören kann?


Nein, es gibt kein Recht auf Glück, aber um sein Glück zu versuchen, müsste man auch manchmal mehr machen, als zu was man berechtigt ist.
Ronin76Es gibt kein Recht auf Glück aber man kann zumindest einen Anspruch darauf erheben. Es gab jedoch auch schon philosophische Strömungen welche Glück als die Wurzel allen Übels betrachteten und die völlige Emotionslosigkeit als erstrebenswertes Ideal betrachteten. Denn des Einen Glück ist oft des Anderen Leid.
hagzissa13[QUOTE][i]Original geschrieben von Misericordia [/i]
[B]Aber nur weil es schwierig ist, allen ein gewisses Maß an Glück zu liefern (schlecht definierbar, kaum kontrollierbar), heißt das doch noch lange nicht, dass keiner ein Recht auf Glück hat. Nur weil Frauen in einigen Teilen Afrikas fürchten müssen, von ihren Verwandten verstümmelt zu werden und auf ihr Recht auf Unversehrtheit keine Rücksicht genommen wird, heißt das doch nicht, dass sie das Recht darauf verloren haben, oder etwa doch? [/B][/QUOTE]

Das ist (imA) kein Glück, sondern eben das Recht auf Unversehrtheit.
Glück ist nicht beeinflußbar. Es ist vielleicht (imA) Glück, hier in Deutschland geboren worden zu sein, weil ich hier nicht vor solche Probleme gestellt bin, wie von Dir hier in dem Afrika Beispiel aufgezeigt, aber bei wem willst Du das einklagen, daß Du lieber in Deutschland geboren wärest.

Glücj bedeutet ja nur, daß einem etwas tolles zufällig zustößt, womit vorher nicht wirklich zu rechnen war.
noire désirNein, es gibt m.E. kein Recht auf Glück. Das geht auch gar nicht, da Glück im Wesentlichen von der eigenen Einstellung abhängt. Materieller Reichtum ist dabei natürlich hilfreich, aber keine Garantie, daß man glücklich ist. Selbst ein Lottogewinn macht nur kurzzeitig glücklich, denn schon fangen die Sorgen an, was man mit dem Geld anstellen soll und die Befürchtung, daß es einem jemand nehmen könnte.
Es gibt einige Statistiken, welches die glücklichten Länder sind und da stehen Staaten wie Costa Rica, Dänemark oder Bhutan recht weit oben (ja nach Statistik halt), aber die reichen USA z.B. nicht.

Wie auch immer, ob man glücklich ist oder nicht hat man zum größten Teil selbst in der Hand und es ist von der eigenen Einstellung abhängig.
Glückliche Menschen sind oft Menschen, die mit wenig zufrieden sind. ;)
hagzissa13[QUOTE][i]Original geschrieben von shadowflower [/i]
[B]das ist ein von Außen abhängiges Glück ... "ein glücklicher Zufall" [/B][/QUOTE]

richtig. Aber ein von innen abhängiges Glück könnte man ja noch viel weniger staatlich garantieren. Darum dachte ich, es ginge wenn schon, um das äußere Glück hier im Thread.
JohnSteed[QUOTE][i]Original geschrieben von Misericordia [/i]
[B]Huh, wie? Soll also heißen, Recht ist nur dann Recht, wenn es einklagbar ist? Es gibt dann also schon ein echtes Mietrecht in Deutschland, weil es einklagbar ist, aber kein Recht auf Leben in einem anarchistischen Entwicklungsland ohne anständige Verfassung?

Ich denke nicht, dass sich Recht nur über das Gesetz definieren lässt.

So aber stimme ich dir schon zu, dass sich Glück nicht im Gerichtssaal einfordern lässt. Würde mich aber interessieren, welche Politiker da deiner Meinung nach falsche Hoffnungen machen.:rolleyes: [/B][/QUOTE]

Letzteres ist sehr einfach zu beantworten, so ziemlich jeder linke Politiker ist der Meinung, dass ein äusserst spiessiger materieller Wert das Glück auf Erden sei und dass es das Trachten des Staates sein sollte, dies für alle Bürger zu erreichen: also Zweiraumwohnungen, Zweitaktplastikautos, genug Alkohol damit es keine Unruhen gibt, usw.
Misericordia[QUOTE][i]Original geschrieben von JohnSteed [/i]
[B]

Letzteres ist sehr einfach zu beantworten, so ziemlich jeder linke Politiker ist der Meinung, dass ein äusserst spiessiger materieller Wert das Glück auf Erden sei und dass es das Trachten des Staates sein sollte, dies für alle Bürger zu erreichen[...]

[/B][/QUOTE]

Naja, vor allem ein großer Teil der Bevölkerung denkt wohl, dass ein materieller Wert das Glück auf Erden ist. Da gibt es dann natürlich auch Politiker die genau so eine Zielgruppe ansprechen.
Den Glauben, dass Geld ein Bestandteil des individuellen Glückes ist, kann ich aber auch irgendwie nachvollziehen. Jeder unfreiwillige Arbeitslose, der von HartzIV lebt, weiß, dass man das viele Geld nicht unbedingt braucht, es sich aber in der Limousine leichter weint.





[QUOTE][i]Original geschrieben von shadowflower [/i]
[B]

Das Glück in einer materiell orientierten Welt ist ein fiktives Glück.

[/B][/QUOTE]

Wie auch schon hagzissa meinte, geht es hier im Thread wohl weniger um das innere Glück. Sondern eben um Dinge, die einem der Staat auch mehr oder weniger glaubhaft versprechen kann.
Inwiefern dieses Glück auch echt ist, ist eine andere Frage. Was jedoch viele "Glück" nennen, ist dann aber eben auch irgendwie Glück, oder nicht?
Misericordia[QUOTE][i]Original geschrieben von shadowflower [/i]
[B][ ... ]und glauben tu ich dem auch nix [...] [/B][/QUOTE]

Was an sich ja nur sehr fair ist. :)
ExiledArchangel[QUOTE][i]Original geschrieben von shadowflower [/i]
[B]Ohhh ... hab ich mal was ohne Bezug auf den Staat gesehen :D

Der hat mir aber mein -Glück- nicht zu bestimmen ... und glauben tu ich dem auch nix ... [/B][/QUOTE]

Glück ist undefinierbar - und obendendrein höchst relativ...des einen Glück kann des anderen Unglück bedeuten...der Staat hat sehr wohl damit zu tun - indem er höchst selektiv in diesen individuellen "Glücksfindungsprozess" eingreift - dem einen zum Glück verhilft - den nächsten damit ins Unglück stürzt...der Staat masst sich auch hier mal wieder an, das letzte Wort dabei zu haben, wer "glücklich" sein darf...für ihn, als den Handlanger von Imperialismus und Zionismus - ist dieses Glück indes etwas rein materiell definierbares...
GISMO[QUOTE][i]Original geschrieben von shadowflower [/i]
[B]ja ja ja ... da hast du ja Recht ... je nachdem aus welcher Sichtweise man das Glück oder auch alles andere betrachtet/erfährt

glücklich ist, wer noch zu träumen mag ... und sich freuen kann über das Schöne ... in einem Augenblick [/B][/QUOTE]

Viel zu speziell für Glück. Es ist viel abstrakter.
JohnSteed[QUOTE][i]Original geschrieben von Misericordia [/i]
[B]Naja, vor allem ein großer Teil der Bevölkerung denkt wohl, dass ein materieller Wert das Glück auf Erden ist. Da gibt es dann natürlich auch Politiker die genau so eine Zielgruppe ansprechen.
Den Glauben, dass Geld ein Bestandteil des individuellen Glückes ist, kann ich aber auch irgendwie nachvollziehen. Jeder unfreiwillige Arbeitslose, der von HartzIV lebt, weiß, dass man das viele Geld nicht unbedingt braucht, es sich aber in der Limousine leichter weint.
...Wie auch schon hagzissa meinte, geht es hier im Thread wohl weniger um das innere Glück. Sondern eben um Dinge, die einem der Staat auch mehr oder weniger glaubhaft versprechen kann.
Inwiefern dieses Glück auch echt ist, ist eine andere Frage. Was jedoch viele "Glück" nennen, ist dann aber eben auch irgendwie Glück, oder nicht? [/B][/QUOTE]

ob man nach reichlich Monaten ALG1 noch ein unfreiwillig Arbeitsloser ist, sei dahingestellt.
Liegt wohl auch daran, dass unser schräges Ausbildungssystem viele Wachleute für Osttore ausbildet und die Leute dann keine Bewerbungen schreiben, wenn die Anzeige auf Westtore lautet, aber egal.
Arbeit ist generell unzumutbar und das meine ich nicht zynisch!
Aber als Pragmatiker ist es mir dann auch egal, wo ich beschissen werde, wenn bescheissen zur Arbeitgeberfolklore gehört,Hauptsache es bleibt wenigstns für die Miete irgendwie was übrig.
AzaGlücklich werden muss jeder für sich alleine. Da kann Vater Staat auch nichts machen. Imho ist Glück ein zeitlich begrenzter Gefühlseindruck =)
Manchmal ist man total happy (wenn z.b. die Sonne scheint) und manchmal ist man völlig deprimiert (einfach so.)
ÂmeNoirAlles kann Glück sein. Glück hängt somit von einem selbst ab, denke ich. Es ist letztendlich die eigene Einstellung, die ausschlaggebed ist. Wer nur das Elend sieht, wird schwerlich Glück erkennen. Auch Leid, Risiko und Anstrengung kann Glück sein, denn ohne Leid, Risiko und Anstrengung wüßten wir vielleicht garnicht, was Glück bedeutet. Der Mensch ist sein eigenes Schicksal, denn es kommt immer darauf an, was man aus allem macht, wie man etwas sieht und was man überhaupt als Glück definiert, frei nach dem Motto ... auch aus Steinen, die einem im Weg liegen, kann man etwas Schönes bauen ...
MisericordiaIch glaub, ich bin im falschen Film. In den letzten Beiträgen klingt es so, als ob der deutsche Staat [b]keinerlei[/b] Einfluss auf unser Glück hätte. Klar, für sein Glück ist man ganz allein selbst verantwortlich. Wenn unsere Regierung morgen von nem Haufen deppert Rebellen aus dem Kongo gestürzt werden würde, hindert uns das daraus entstehende Chaos nicht in geringster Weise an unserer Glückfindung. Schließlich kann man auch inmitten von Plünderung und Vergewaltigung sein eigenes Heil finden.
Auch wenn uns unser westlicher, materieller Wohlstand schon selbstverständlich geworden ist - meiner Meinung nach ist er ungemein viel wert und gehört auch zum Konzept des Glücks mit dazu.

@JohnSteed

Schwarze Schafe gibts überall, auch unter den ALGII-Empfängern. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man froh sein kann, nicht mehr von diesem Regelsatz leben zu müssen. Und sei die Steigerung nur Bafög.
hagzissa13[QUOTE][i]Original geschrieben von Misericordia [/i]
[B]Ich glaub, ich bin im falschen Film. In den letzten Beiträgen klingt es so, als ob der deutsche Staat [b]keinerlei[/b] Einfluss auf unser Glück hätte. [/B][/QUOTE]

Stimmt. Hat er auch nicht, weil Glück nicht verallgemeinert werden kann und für jeden etwas anderes bedeutet. So etwas kann der Staat nicht garantieren.
noire désir[QUOTE][i]Original geschrieben von Misericordia [/i]
[B]Klar, für sein Glück ist man ganz allein selbst verantwortlich. Wenn unsere Regierung morgen von nem Haufen deppert Rebellen aus dem Kongo gestürzt werden würde, hindert uns das daraus entstehende Chaos nicht in geringster Weise an unserer Glückfindung. Schließlich kann man auch inmitten von Plünderung und Vergewaltigung sein eigenes Heil finden.
[/B][/QUOTE]
Genau. Erst wenn man in der Lage ist, auch in solchen Situationen sein Glück nicht aus den Augen zu verlieren, ist man wahrhaft glücklich. Nicht dieses oberflächliche Glück, das vergänglich ist und von dem man immer mehr haben will, hat man es mal gefunden. Nie zufrieden sein, macht nicht glücklich. Es scheint mir eines der grundlegenden Probleme zu sein, sind Glück auf äußere Dinge zu beziehen und nicht auf etwas, was man immer bei sich hat und einem niemand nehmen kann...
Misericordia[QUOTE][i]Original geschrieben von hagzissa13 [/i]
[B]Stimmt. Hat er auch nicht, weil Glück nicht verallgemeinert werden kann und für jeden etwas anderes bedeutet. So etwas kann der Staat nicht garantieren. [/B][/QUOTE]

Von Garantie war auch gar keine Rede. Dass der Staat mir nicht versichern kann, glücklich zu sein, verstehe ich. Meine Aussage war nur: der Staat tut etwas, damit ich glücklich bin.

[QUOTE][i]Original geschrieben von noire désir [/i]
[B]
Genau. Erst wenn man in der Lage ist, auch in solchen Situationen sein Glück nicht aus den Augen zu verlieren, ist man wahrhaft glücklich. Nicht dieses oberflächliche Glück, das vergänglich ist und von dem man immer mehr haben will, hat man es mal gefunden. Nie zufrieden sein, macht nicht glücklich.[...]
[/B][/QUOTE]

Mangelnde Zufriedenheit macht in der Tat nicht glücklich und ich finde, gerade Deutschland ist eines der Paradebeispiele für größten Frust im größten Wohlstand. Ich finde es aber unsinnig, per se alles Materielle außen vor zu lassen, wenn man Glück definiert. Soll also nicht heißen: " Geld allein macht glücklich", soll aber wohl heißen "Geld kann mich dem Glück näherbringen."
Ich persönlich bin ziemlich glücklich, dass ich genug Geld besitze, um mir jeden Tag was zu essen kaufen zu können, im Vergleich zu Mitmenschen in der Dritten Welt. Ich kann mir ziemlich gut vorstellen, dass mein Glück gefährdet sein könnte, wenn ich Angst vor dem Hungertod haben müsste.

Ich verstehe aber schon, dass du gerne vergängliches und andauerndes Glück voneinander unterscheiden möchtest, noire. Es stellt sich aber auch die Frage, ob denn nur eine der beiden Kategorien "echtes" Glück sein kann.
hagzissa13[QUOTE][i]Original geschrieben von Misericordia [/i]
[B]Von Garantie war auch gar keine Rede. Dass der Staat mir nicht versichern kann, glücklich zu sein, verstehe ich. Meine Aussage war nur: der Staat tut etwas, damit ich glücklich bin. [/B][/QUOTE]

Glück könnte der Staat nur ganz individuell für jeden einzelnen "verteilen".
Die erste Frage wäre, was der Staat für Dich ganz persönlich tun könnte, damit DU glücklich wärst?
Die zweite Frage wäre, wie der Staat das Glück eines jeden einzelnen umsetzen (mir kommt da gerade so eine Art "Weihnachtsmannzentrale" in den Sinn, wo jeder seinen Wunschzettel hinschicken könnte ;) ) könnte oder sollte?
Die dritte Frage wäre, ob ein Staat das überhaupt leisten kann?
Die vierte Frage wäre, ob das überhaupt erstrebenswert ist, daß der Staat eines jeden Bürgers Glückes Schmied sein sollte?
Tapio Bearking[QUOTE]Die erste Frage wäre, was der Staat für Dich ganz persönlich tun könnte, damit DU glücklich wärst?[/QUOTE]
Direkt nichts. Der Staat kann dir nur die Mittel in die Hand geben, das eigene Glück zu schmieden. Egal was der Staat tut, es macht auf lange Sicht nicht glücklich.
[QUOTE]Die zweite Frage wäre, wie der Staat das Glück eines jeden einzelnen umsetzen (mir kommt da gerade so eine Art "Weihnachtsmannzentrale" in den Sinn, wo jeder seinen Wunschzettel hinschicken könnte ) könnte oder sollte?[/QUOTE]
Gar nicht. Und ich glaube, das ist auch gut so. Meiner Meinung nach ist es ein wichtiger Bestandteil, dass man sich selbst sein Glück erarbeitet und einem niemand das Glück "vorkaut".
Einfaches Beispiel:
Tapio ist ja bekennender Fan eines Münchner Autobauers. Er ist viel glücklicher mit seinem gekauften Gebrauchtwagen, als er es mit einem geschenkten Neuwagen wäre. Denn es ist SEIN Auto, dafür hat er gearbeitet und gearbeitet und gearbeitet und...
[QUOTE]Die dritte Frage wäre, ob ein Staat das überhaupt leisten kann?[/QUOTE]
Er kann seiner Bevölkerung ein materiell sorgloses Leben ermöglichen, aber das bedeutet nicht, dass die Menschen automatisch glücklich sind, immerhin gibt es noch andere Dinge, wie zwischenmenschliche Beziehungen, die kein Staat unterstützen kann.
[QUOTE]Die vierte Frage wäre, ob das überhaupt erstrebenswert ist, daß der Staat eines jeden Bürgers Glückes Schmied sein sollte?[/QUOTE]
Ganz klares Nein. Denn ein wichtiger Teil des Glücks ist, dass man es selbst geschmiedet hat.
Beispiel: Tapio hat auf Arbeit ein schweres Problem für einen Kunden. Er hat es mit Hilfe seiner Kollegen gelöst. Das macht Tapio glücklich. Hätte er nicht einen Finger krum gemacht und das Problem hätte jemand anderes gelöst, wäre er nicht glücklich.
hagzissa13Eben! ;)
HrefnadisNaja.

Glück ist - wie fast alle Vorschreiber schon sagten - etwas sehr Subjektives. Doch ich behaupte einfach mal, dass sich ein wunderschöner Sonnenuntergang glücklicher genießen ließe, wenn man wüßte, mit welchen Mitteln man das Frühstück bestreiten soll.

Sorgen können das Glück töten. Geldsorgen z.B. haben schon für einige Trennungen von an sich harmonischen Beziehungen geführt. Zukunftssorgen haben hoffnungsvolle Studenten in böse Depressionen getrieben usw. Finanzielle und karrierebedingte Sorgen führen dazu, dass einige Frauen auf das Glück der an sich vielleicht schon erwünschten Mutterschaft verzichten usw. usw.

Da kann der Staat helfen. Glück braucht eine Basis, und die heisst Sicherheit. Nicht absolute Sicherheit nein, aber eine gewisse Grundsicherheit sollte da sein, damit man die Freude am Leben nicht verliert. Mit einem Kopf voller Sorgen lächelt es sich nicht leicht.
hagzissa13@ Hrefnadis:

Aber das würde ja im Umkehrschluß bedeuten, daß Menschen in Staaten, die sich keine finanzielle Absicherung ihrer Bürger leisten können (Dritt- und Viertweltstaaten), wie es in diesem Lande geschieht, prinzipiell weniger glücklich wären, als Menschen, die eine Basis - und wenn es nur Harzt IV ist - haben?
noire désir[QUOTE][i]Original geschrieben von Misericordia [/i]
[B] Es stellt sich aber auch die Frage, ob denn nur eine der beiden Kategorien "echtes" Glück sein kann. [/B][/QUOTE]
Das weiß ich nicht. Aber ich weiß, daß Glück, das dauerhaft ist, eine bessere Art des Glücks ist, da es halt nicht so schnell wieder verschwindet.
Natürlich macht Geld auch glücklich. Man kann sich z.B. ein Auto oder eine Musikanlage oder sonst was kaufen. Nur wie lange hält das Glück dann an und wie lange dauert es, bis der nächste Wunsch nach mehr entsteht (oder die Sachen alles zeitliche segnen ;)).
Und ich glaube, daß Menschen, die Zeit ihres Lebens ausreichend Gel haben, auch nicht wirklich glücklich sind, auch wenn man vielleicht neidisch auf denjenigen ist. Und sei es, daß man Angst davor hat, daß jemand es wegnehmen könnte.

Also denke ich schon, daß Glück, sollte es etwas hilfreiches sein, dauerhaft sein muß. Und da ist die Chance, es in einem selbst zu entwickeln, sicher ganz gut, wenn nicht sogar überlegen. :)
Tapio Bearking[QUOTE]Aber das würde ja im Umkehrschluß bedeuten, daß Menschen in Staaten, die sich keine finanzielle Absicherung ihrer Bürger leisten können (Dritt- und Viertweltstaaten), wie es in diesem Lande geschieht, prinzipiell weniger glücklich wären, als Menschen, die eine Basis - und wenn es nur Harzt IV ist - haben?[/QUOTE]
Und das faszinierende ist, dass die Menschen in den Dritt und Viertweltstaaten sogar glücklicher sind :eek:
hagzissa13[QUOTE][i]Original geschrieben von Tapio Bearking [/i]
[B]Und das faszinierende ist, dass die Menschen in den Dritt und Viertweltstaaten sogar glücklicher sind :eek: [/B][/QUOTE]

Durch die Bank, wage ich zu bezweifeln, aber in der Hauptsache ja. Und genau darauf wollte ich mit meinem Beitrag hinaus.
Dies wiederum bedeutet aber auch, daß Glück oder "daß sich glücklich fühlen" anscheinend weniger von materieller Sicherheit abhängt, sondern von der inneren Einstellung.
Tapio BearkingWas wohl daran liegt, dass sie gelernt haben, mit dem zu leben, was der Tag bringt, ohne einen Gedanken an die nahe Zukunft zu verwenden, sie leben quasi von der Hand in den Mund, ohne den Druck der Leistungsgesellschaft der Industrieländer.
hagzissa13[QUOTE][i]Original geschrieben von Tapio Bearking [/i]
[B]Was wohl daran liegt, dass sie gelernt haben, mit dem zu leben, was der Tag bringt, ohne einen Gedanken an die nahe Zukunft zu verwenden, sie leben quasi von der Hand in den Mund, ohne den Druck der Leistungsgesellschaft der Industrieländer. [/B][/QUOTE]

*weiterspinn'*
Das wiederum würde bedeuten, daß Glück nur zu erreichen wäre, wenn es zu einem Systemwechsel in unserem Staat kommt, wodurch dann aber auch nicht gewährleistet werden könnte, daß dieser dann nach dem Systemwechsel den Menschen glücklich macht...
noire désir[QUOTE][i]Original geschrieben von Tapio Bearking [/i]
[B]Was wohl daran liegt, dass sie gelernt haben, mit dem zu leben, was der Tag bringt, ohne einen Gedanken an die nahe Zukunft zu verwenden, sie leben quasi von der Hand in den Mund, ohne den Druck der Leistungsgesellschaft der Industrieländer. [/B][/QUOTE]

Nicht wirklich, denn immerhin ist Dänemark auch ein der "glücklichsten Länder" auf diesem Planeten. Ob das daran liegt, weil sie so gerne singen? Wohl kaum, bzw. nicht nur. Mir scheint, sie haben eine generell gelassenere Lebensart...
Töggelie[QUOTE][i]Original geschrieben von noire désir [/i]
[B]Mir scheint, sie haben eine generell gelassenere Lebensart... [/B][/QUOTE]


Ich denke, das wird auch bei den Ländern der Dritten Welt nicht ganz unwichtig sein. Dort mangelt es zwar an materieller Sicherheit, aber vielleeeeicht läuft dort die emotionale Ebene (zwischenmenschliche Beziehungen, Gelassenheit, etc.) einfach besser ab als bei uns. Deutschland glänzt im Normalfall ja eher durch Bundfaltenhöschentum, fehlgeleiteter Coolness etc.
(Stichwort internationale Sportveranstaltungen: Die Länder stellen sich vor, einige grooven richtig cool mit und ich denke:[I]"Ahaa, das ist Ghana, das ist Australien und das...oh je...da sind wir..." [/I], deutlich erkennbar am Stock an einer wesentlichen Stelle. Gut, das ist jetzt überzogen, aber so ein wenig kommt es doch hin, oder?
Jedenfalls vermute ich, dass ein gutes "Glück-mehr-Genießungs-Starterpaket" (die Betonung liegt auf Starterpaket, es sollte ja vielmehr so eine Last an unnötigen Sorgen beseitigen, die doch ein wenig hemmend auf Freude wirken könnte) eine gesunde Mischung aus allem enthalten sollte: Mehr Zusammenhalt (und was so dazugehört, aber organisier das mal...) + bestmögliche Sicherheiten (das ist etwas machbarer). Ich weiß, sehr simpel und utopisch zurechtgelegt und bestimmt kein Garant für Glück, aber immerhin ein nicht unwesentlicher und flächendeckender Sorgenkiller (was darüber hinausgeht, ist schon wieder individueller und eigenmächtiger (ich glaube, ich habe gerade so einen Klammersetz-Anfall :rolleyes: )) und das bringt einem das persönliche Glück, bzw. die Fähigkeit, es zu erkennen und von weniger Kummer verblendet zu sein, näher. Zumindest könnte es das, aber..."[I]Andere können dich nicht ändern, ändern mußt du dich allein. Du wirst nie die andern ändern, aber du kannst anders sein. [SIZE=1]Zitat: Paul Maar[/SIZE][/I]". So viel zum Thema Gelassenheit.


Edit: Mir fällt da gerade auch der Film "Das Glücksprinzip" ein. Es ging darum, die Welt durch gute Taten, die in einer Art Schneeballprinzip angelegt wurden - man tut jemandem einen Gefallen, derjenige muss dafür einem anderen etwas Gutes tun, etc. - besser zu machen. Also diese Idee beruht auch auf Gemeinschaft.
hagzissa13[QUOTE][i]Original geschrieben von Töggelie [/i]
[B]Ich denke, das wird auch bei den Ländern der Dritten Welt nicht ganz unwichtig sein. Dort mangelt es zwar an materieller Sicherheit, aber vielleeeeicht läuft dort die emotionale Ebene (zwischenmenschliche Beziehungen, Gelassenheit, etc.) einfach besser ab als bei uns. Deutschland glänzt im Normalfall ja eher durch Bundfaltenhöschentum, fehlgeleiteter Coolness etc.
[/B][/QUOTE]


Wenn das den Menschen glücklich macht, könnte man sagen, daß der Staat doch etwas tun könnte für unser Glück (wenn auch keine Garantie übernehmen.... ;) ), nämlich im Lehrplan Fächer etablieren, die genau diese Wesenszüge fördern: Gute Kommunikation, gute Beziehungen, positives Denken etc.
JohnSteedGlück ist retrospektiv......


In Bhutan hat man sich überlegt, dass man Himmel und Erde besser zusammen bringt, indem man das Glück mißt. Fürst Karma Ura erläutert die Glücks-Philosophie, die das Land im Kern zusammenhält.


Bruttoinlandsglück" in Bhutan (3 Min)
Tobias Pfaff, Doktorand der Universität Münster, beschäftigt sich hauptsächlich mit den Themen Lebenszufriedenheit und Ökonomie, Wohlfahrtsmessung und Gross National Happiness als Entwicklungskonzept von Bhutan. Er hat Betriebswirtschaftlehre studiert und arbeitet am Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften. ...
[3sat] Scobel (295 Filme)



Siebter Himmel im Himalaya - Die Glücksformel von Bhutan (29 Min)
In dem kleinen Himalaya-Staat ist das Glück in der Verfassung festgeschrieben. Peter Kunz macht sich auf die Suche nach den Wurzeln des bhutanesischen Glücks
[3sat] Gero (11 Filme)



Bhutans ungewöhnliche Staatsphilosophie (6 Min)
Während Europa hauptsächlich in materiellen Dimensionen denkt, zählen in Bhutan ganz andere Werte. Der Anstieg des nationalen Glücks ist Staatsziel. Dabei zählt Bhutan zu den ärmsten Ländern der Welt.
[ZDF] auslandsjournal (636 Filme)


siehe: [url]http://stream-tv.de/sendung/1264248/gero-die-gluecksformel-von-bhutan[/url]

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