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  Forum: Des Kaisers Bart
    Thema: Ohne Papiere keine Arbeit, ohne Papiere keine Papiere - der Papierwahn in Deutschland
SunnhildaWerte Leser,

ich habe das mal aus dem Team-Strang abgekoppelt, da es ein eigenes Thema ist:

[QUOTE][i]Original geschrieben von Scheol [/i]
[B]@Sunnhilda

Das Problem liegt in einem regelrechten Zertifizierungswahn in Deutschland. Wenn du deinem Chef kein Zertifikat vorweisen kannst, was ihm bestätigt, daß du Laufen und Atmen gleichzeitig kannst, wird er dir das nicht glauben, selbst wenn du es ihm "zeigst".
[/QUOTE]

Ja, so ist es: ohne Papiere geht nichts, und teilweise wird man ohne Papiere trotz Ausbildung nicht mal zu einer Prüfung zugelassen... also ohne Papiere keine Papiere... ich kann auch ein Lied davon singen:

Ich mache zur Zeit ein Abendstudium, mit welchem ich dann später als Psychologische Beraterin tätig sein, oder aber die Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie machen kann. Den ersten Abschluß erwirbt man durch Teilnahme an mindestens 80% der Ausbildung (man kann dann ein Zertifikat beantragen), der HP-PSY erfordert eine staatliche Prüfung, für die man wiederum einen Wust von Papieren vorlegen muß: polizeiliches Führungszeugnis, ärztliches Attest und den Nachweis mindestens eine qualifizierenden Hauptschulabschlusses.

Und an letzterem scheitert wahrscheinlich meine Zulassung zur Prüfung, denn ich habe vor 32 Jahren aus jugendlichem Trotz und Leichtsinn die Realschule ein Jahr vorzeitig abgebrochen, und das zählt nur wie ein "normaler" Hauptschulabschluss und nicht als "Quali". Nun bin ich davon ausgegangen, daß eine abgeschlossene Berufsausbildung über einem Jahrzehnte zurückliegenden Schulabschluß steht. Ich habe 2001 eine Ausbildung als Buchhändlerin erfolgreich abgeschlossen, in einem Beruf, in dem heute fast nur noch Abiturienten ausgebildet werden, und ich war in dem Glauben, daß das doch höher gewichtet werden müsse als der Schulabschluß. Aber ich mußte mich belehren lassen, daß das wohl ein Irrtum ist und für die staatliche Prüfung nach dem Heilpraktikergesetz tatsächlich das Schulabschlußzeugnis verlangt wird!

Naja, für meine Zwecke (ich möchte gerne im Coachingbereich tätig werden) reicht die Psychologische Beraterin, ich bin nicht so scharf darauf, therapeutisch tätig zu werden, aber trotzdem wurmt mich sowas ungemein. Man stelle sich das vor: man durchläuft eine Ausbildung, die das Wissen vermittelt, das einen zu einem bestimmten Beruf qualifizieren soll, und dann erfährt man, daß man zur Prüfung nicht zugelassen wird, weil man ein anderes Papier, das mit dem Beruf und der Ausbildung NICHTS zu tun hat, nicht vorweisen kann! Und das obwohl man das erforderliche Wissen erworben und die entsprechende Ausbildung gemacht hat! Wie irrsinnig ist das denn?!


[QUOTE]
Bei mir in der Firma arbeitet ein Italiener der in seinem "Heimatland" Kfz.-Mech. gelernt hat. Die Ausbildung ist hier jedoch ungültig. Er hat schon so argumentiert, daß er zu Personalchefs verschiedener Werkstätten sagte: "Prüfen sie mich! Ich zerlege Ihnen vor Ihren Augen einen Motor und bau ihn wieder funktionstüchtig zusammen". Nix, keine Arbeit für jemand ohne Zertifikat.[/QUOTE]

Echt irre, vor allem, da es ein EU-Bürger ist und Italien, sowohl kulturell als auch was Autos betrifft, nun alles andere als hinter dem Mond liegt. Wenn es ein Bewerber aus dem afrikanischen Busch oder einem Dorf in Anatolien wäre, könnte ich das Mißtrauen der Chefs ja verstehen, aber aus dem Lande von Ferrari und Lamborghini? Lächerlich!

Kein Wunder, daß immer mehr Arbeitskräfte aus Deutschland abwandern. Mir hat man auch schon geraten, es doch einmal mit Bewerbungen in Österreich zu probieren, dort sei man zwar auch noch recht bürokratisch, aber immerhin nicht ganz so zeugnishörig und engstirnig wie in Deutschland. Soweit mir gesagt wurde, hätte ich dort mit meiner Buchhändlerausbildung (was ja ein kaufmännischer Beruf ist) z. B. gute Chancen auf eine Stelle als Sachbearbeiterin, während man hier dafür meist explizit eine Ausbildung zur Bürokauffrau verlangt und ich hier höchstens als Bürohilfskraft unterkommen würde.

Was sind eure Erfahrungen mit der Bürokratie in Sachen Arbeit, Aus-und Weiterbildung, und wie seht ihr das vorgehen hierzulande?
JohnSteedEin in diesen Breiten üblicher Fetisch.

Die Tüv-Plakette zählt mehr, als die Krücke auf der sie klebt.

Da hat sich etwas verselbständigt, von der Person abgelöst..
Die Person ist nicht mehr wichtig, sondern ihr Image.
Dieses Image kann man durch Zertifikate nachweisen oder Faken. Ganz egal.

Des Kaisers neue Kleider:

aus irgendeinem Grund ist Intuition hierzulande verboten, das bedeutet, dass nur noch jeder zweite rudimentär über Menschenkenntnis verfügt, somit
sind Zertifikate wichtig, wennauch nicht zielführend.

Hinzukommt, dass man ja sehen muss, ob Jmd. viele Arbeitgeber hatte usw.
Weil er ja damit dokumentiert, dass er ein "unsicherer Kantonist"
Jemand, der also eine eigene Meinung hat und wenn er sich verbessern kann, einfach den Arbeitsplatz wechselt, so ein böser Mensch aber auch.

Ist also jemand nicht devot genug, kriegt er eine Absage.
Man kann das sehr gut aus dem Lebenslauf rauslesen.
Hugin & MuninDas Problem ist, dass man in diesem Land sehr leicht in Extreme verfällt.

Grundsätzlich ist nichts daran aus zu setzen, durch standardisierte Zeugnisse und Ausbildungen so etwas wie Vergleichbarkeit zu schaffen, nur darf darunter nicht der gesunde Menschenverstand leiden.

Wer sich im Ausland z.B. mal bestimmte Elektroinstallationen oder Gasanschlüsse in Häusern angesehen hat, wird befürworten das manche Arbeiten hier von ausgebildetem Fachpersonal erledigt werden müssen.

Aber wie JohnSteed schon schreibt, es führt leider dazu das nur noch Qualifikationen und Titel berücksichtigt werden, nicht aber der Mensch der dahinter steht.

Und wenn man auf den Menschen achtet, werden oft die falschen Prioritäten gesetzt.
Daher setzen sich auch zunehmend Blender und Dampfplauderer in unseren Chefetagen durch.
Kampfsau[QUOTE]Naja, für meine Zwecke (ich möchte gerne im Coachingbereich tätig werden) reicht die Psychologische Beraterin, ich bin nicht so scharf darauf, therapeutisch tätig zu werden, aber trotzdem wurmt mich sowas ungemein. Man stelle sich das vor: man durchläuft eine Ausbildung, die das Wissen vermittelt, das einen zu einem bestimmten Beruf qualifizieren soll, und dann erfährt man, daß man zur Prüfung nicht zugelassen wird, weil man ein anderes Papier, das mit dem Beruf und der Ausbildung NICHTS zu tun hat, nicht vorweisen kann! Und das obwohl man das erforderliche Wissen erworben und die entsprechende Ausbildung gemacht hat! Wie irrsinnig ist das denn?![/QUOTE]

Es geht noch schlimmer, das ist eine Problematik die generell viele Einwanderer betrifft. Die sind nämlich nicht wie Sarrazin gerne behauptet, alle ungebildete Viehbauern sondern haben teilweise hohe Allgemeinbildung und solide berufliche Kenntnisse, die halt nur nicht anerkannt werden.Es gibt Ingenieure und Lehrer, die bei Audi am Band stehen. Naja, teilweise ist es trotzdem so, dass sie sich davon mehr leisten können, als in ihrer Heimat.

Das geht mitunter so weit, dass wenn man nicht aus den richtigen Ländern kommt, als ausgebildeter Arzt nichtmal die Hauptschulreife anerkannt bekommt.

Ich habe auch schon von einem solchen Fall gehört. In ihrer Heimat hat sie Leute behandelt und in Deutschland musste die Frau ihre Schulabschlüsse nachmachen und sich Jahrelang mit so einem albernen Mist wie Dreisatz und irgendwelchen billigen dreistelligen Formeln rumplagen , damit sie studieren durfte um mal irgendwann wieder was qualifiziertes machen zu dürfen.

SOWAS versteh ich nicht. Ich kann ja nachvollziehen wenn man ein Medizinstudium nicht anerkennt aber dass man solchen Menschen absolut gar nichts anerkennt? Man hätte ja einfach ein intensives Eignungsverfahren zur Studieneignung anbieten können.

Das scheint ein gewisser Aufwand zu sein aber ich denke mal, ein 1-2 tägiger, intensiver Test kommt der Volkswirtschaft mehr entgegen, als wenn solche Leute erst nochmal 3 Jahre an der Schule rumgammeln müssen mit Dingen, die sie ohnehin wissen. Vielleicht hilft es etwas beim Deutschlernen aber dafür gibt es auch effektivere Deutschkurse.

[QUOTE]aus irgendeinem Grund ist Intuition hierzulande verboten, das bedeutet, dass nur noch jeder zweite rudimentär über Menschenkenntnis verfügt, somit sind Zertifikate wichtig, wennauch nicht zielführend.[/QUOTE]

In gewisser Weise kann man es schon nachvollziehen. Bevor es standardisierte Ausbildungen gab, mit Mindeststandards und Vergleichbarkeit, waren die Arbeitnehmer im Schnitt weniger gut ausgebildet.

Ähnlich ist es ja im IT Sektor. Man kann sich natürlich auch sagen, wenn ein Architekt Ahnung von Programmierung hat, soll er/sie das tun.

Nur waren in dem Bereich die Standards damals andere. womit man an Wissen vor 20-25 Jahren schon als gefragter Computerexperte durchging wissen heutzutage schon viele 19 Jährige Abiturienten die sich ein bischen mehr für Technik interessieren.

Etwas kompetentere Netzwerkadmins haben damals nicht selten 5 stellige Beträge im Monat in größeren Firmen verdient. Heutzutage ist der Bedarf gestiegen aber es gibt auch weitaus mehr entsprechend ausgebildetes und zertifiziertes Fachpersonal und für eine ähnliche Stelle kriegt man heute vielleicht 20-30 Euro die Stunde.

Man hätte damals ja fragen können, wer weiß was ein Fachinformatiker oder IT Systemelektroniker ist und auch die Absolventenzahlen in Informatikstudiengängen vergleichen können.

Die Technik ist generell vorangeschritten und reichte früher teilweise ein Techniker aus, um in die Entwicklung zu kommen, kommt man heutzutage um ein Universitätsabschluss nicht mehr herum. Und ehrlich gesagt kann ich das auch verstehen. Zwischen diesen beiden Abschlüssen liegen Welten.

Mich selber stört es auch oft, Führungspersonal soll ja in zukunft generell fast nur noch aus Akademikern bestehen, wenn es nach den Politikern geht.

Es werden auch schon Schritte eingeleitet, die Erzieherausbildung und andere Berufe zu Akademisieren. Ich frage mich in der Hinsicht halt, was das jetzt unbedingt bringen soll, ich glaube Erzieher werden durch viele Vorlesungen und übermäßige Theorie auch nicht automatisch besser mit den Kindern umgehen. Das ist in erster Linie Erfahrung.



[QUOTE]Hinzukommt, dass man ja sehen muss, ob Jmd. viele Arbeitgeber hatte usw. Weil er ja damit dokumentiert, dass er ein "unsicherer Kantonist" Jemand, der also eine eigene Meinung hat und wenn er sich verbessern kann, einfach den Arbeitsplatz wechselt, so ein böser Mensch aber auch.[/QUOTE]

Man muss das aus Arbeitgebersicht sehen. Manchen ist es vielleicht recht, wenn man die Leute schnell wieder los ist und sehen das nicht ganz so eng. Andere hingegen suchen oft Leute, mit denen sie auch mal ein paar Jahre arbeiten können.

Die Sache ist die, dass man in der Hinsicht keine Risiken eingehen will. Und wenn ich einen KfZ Mechatroniker suche und jemand keine Ausbildung hat aber trotzdem meint, er kann alles. Vielleicht stimmt das auch, es kann aber auch ein Risiko sein, wenn er dann doch etwas nicht weiß, dass er wissen muss habe ich als Arbeitgeber ein Problem. Wenn ich kaum qualifizierte oder keine Bewerber habe, dann kann ich so ein Risiko auch mal eingehen. Wenn aber so jemand ankommt und ich habe daneben noch 10 andere Bewerber die alle einen Gesellenbrief haben, dann frag ich mich, warum ich Glücksspiele spielen sollte?

Und so ein Doktortitel oder ein Gesellenbrief und so ein Zeugnis kommen nicht aus dem Nirgendwo. Einen Doktortitel muss man sich sehr sehr hart erarbeiten und auch ein Geselle musste erst einmal 3-3,5 Jahre als Lehrling knechten.

Es ist nur wirklich dumm, wenn sowas in reine Formalitäten abdriftet. Es gibt immer Ausnahmen und man kann nicht alles in diese Kästchen einsortieren. Manche Dinge wie die, die Odessa z.B. einbringt in ihre Arbeit, die kann man an keiner Hochschule lernen.

Was ich mir lobe, sind Eignungstests und Einzelfallregelungen.An Musikhochschulen können auch Leute ohne Abi studieren, einfach wenn sie nur genug Talent und Allgemeinbildung haben.

Mich regen dann immer wieder solche Nachrichten wie heute in der Zeitung auf. Es wurde sich darüber aufgeregt, dass wir in Deutschland zu wenige Akademiker haben, weil man bei uns ja nicht für jeden Scheiß an die Hochschule muss und man vergleicht uns dann eiskalt mit Ländern wo man für eine Friseurlehre ans College muss oder Autolackieren studieren kann. Noch dazu ist bei uns die Hochschulbildung doch im Schnitt deutlich anspruchsvoller.

Bei uns sind die Hochschulen und vor allem Universitäten gar nicht darauf ausgelegt, dass überhaupt 60 % der Leute dazu organisatorisch, intellektuell und/oder vom Willen dazu in der Lage sind, dort einen Abschluss zu erreichen

Führungspersonal muss ja in Zukunft in jedem etwas größeren Unternehmen studiert haben.

Ich finde diesen Trend insofern blöd, da so indirekt Ausbildungskosten auf die Privatpersonen und den Staat abgewälzt werden. Vor allem wird so auch vielen Leuten die in der Praxis sehr vie Talent haben oder aus diversen Gründen nicht studieren können oder wollen, Chancen genommen.

Außerdem sagt Zertifikation alleine gar nichts über Qualität aus. Ein Hessenabitur wird mit einem Hamburgerabitur gleichgesetzt, obwohl die Leistungsdifferenzen zwischen diesen Bundesländern mitunter sehr sehr deutlich sind.

Genauso kann man die Anforderungen an den Schulen vor 15-20 Jahren nicht mit denen von heute vergleichen. Jeder kleine Handwerkermeister kann einem sagen, dass die Qualität von Hauptschülern vor 15 Jahren höher war, als das was diese Leute heute drauf haben. Das ist auch der Grund, warum in NRW nahezu die Hälfte aller Schüler mindestens eine Fachhochschulreife erreicht hat und viele Ausbildungsbetriebe nur noch Realschüler und Abiturienten nehmen. Für meinen Ausbildungsberuf braucht man aufgrund des im vergleich zur Realschule, relativ hohen theoretischen Anspruchs in manchen Bundesländern auch schon die Fachhochschulreife. Bei uns ist es zum Glück noch so, dass schlechte Klausuren nicht einfach vom Schnitt her zurechtgerechnet werden, die Naturwissenschaften werden auch nicht einfacher, nur weil man sie nicht verstehen kann und das ist einer der Gründe,warum am Ende von den Leuten die anfangen, nur noch jeder Dritte oder Zweite direkt seinen Abschluss bekommt.

Auch an den Hochschulen wird sich das verwässern. Wenn ein Studium zum Regelabschluss wird. gelingt das auch nur, indem der Anspruch gesenkt wird.
In vielen anderen Ländern setzt man häufig studierte "Ingenieure" für Jobs ein, die bei uns eigentlich für Techniker ausgelegt sind.

Nur an diese Unterschiede denkt eben niemand. Nehmen wir mal Sunnhilda, die hat vor 30 Jahren ihren Realschulabschluss nicht gemacht. Trotzdem hat sie an der Schule wahrscheinlich auch nicht weniger, vielleicht sogar mehr als ein heutiger Realschüler gelernt und trotzdem ist sie dem rein berufsrechtlich benachteiligt in dem Punkt.

Genau deswegen denke ich, dass für mich ein Studium irgendwann doch einfach Pflicht sein wird, auch wenn ich darauf eigentlich keine Lust habe.
Man weiß ja, dass dieser Papierwahn Blödsinn ist aber so läuft das hier halt ab und man muss sich irgendwie anpassen.
ScheolIch halte Zertifikate nicht für so schlecht. Sie dokumentieren das man in etwas Fleiß investiert hat, sozusagen der Schlüssel für die eventuelle, nächste Ebene. Dennoch ist es in diesem Land mehr als pervertiert. Und ich kann von Glück sagen, das mir nichts Schlimmes dadurch passiert ist. Bisher..nungut, so ganz stimmt das auch wieder nicht.

Aufgrund meines schlechten Realschulabschlusses habe ich nach einer abgebrochenen Lehre (im Lebenslauf echt klasse *zyn*) keine neue Lehrstelle mehr gefunden. Nach 6 Jahren habe ich aufgehört zu suchen. Die Lehre brach ich ab, weil mir weder Verständnis noch Fertigkeiten für den Beruf gegeben waren. Dies ging im gegenseitigem Einvernehmen mit meinem Chef, wir beide waren da einer Meinung. So böse das klingt, so böse war es aber nicht. Es ging darum Zeit zu sparen und sich auf etwas Geeigneteres zu konzentrieren. Dies war wie oben beschrieben dann aber nicht Möglich. Zeitarbeit war die einzige Chance keine allzu großen Lücken in meinen Lebenslauf zu reißen. Aber auch die Jobangebote für Niedrigqualifizierte schrumpften und so saß ich da. Bei einer Reifenservice-Firma bekam ich dann ein Angebot für eine sessionale Tätigkeit. Schwerste körperliche Arbeit, aber ich habe mit meinem Willen, und genug Ibuprofen ;), meinen Wert bewiesen. Das hat mir dann wenigstens über Jahre zumindest 4 Monate im Jahr Arbeit eingebracht. Eine Übernahme ging durch die Franchise-Organisierung leider nicht. Frankreich hat es wenig interessiert das eine klitze-kleine Werkstatt einen Fähigen Mann in Darmstadt übernehmen wollte. Irgendwann rief mich der Stellvertretende Filial-Leiter an und fragte mich: "Willst du 'n Job?! Willst du meinen Job?! Ich habe was anderes gefunden und dachte du wärst der Richtige dafür". Ich war verstört da ich weder Abitur noch eine Ausbildung hatte. Doch sagte natürlich zu, bewarb mich und bekam ein Vorstellungsgespräch. Die gesamte Filiale hatte kräftig für mich geworben da es menschlich wunderbar harmonierte. Ich bekam den Job nicht. Und zwar aus dem Grund den JohnSteed eingeworfen hatte. Durch meine Zeitarbeiter-"Karriere" wechselte ich oft den Arbeitsplatz. Und das war der Grund warum man mich nicht nahm. Stattdessen kam ein Herr der aus dem Photobuisness war, und der dann schließlich nach 2 Wochen das Handtuch warf. Sie haben dann noch einen fähigen Mann gefunden. Dennoch empfand ich dies als Beleidigung und war stinksauer auf die Zentrale.

Ich durfte aber weiter sessional arbeiten. Da ich nichts hatte, war ich froh wenigstens dies zu haben. Daheim bei Freunden sozusagen. Dennoch ein komisches Gefühl, zu wissen, den Scheiß anderer Leute wegräumen zu müssen obwohl ich für mehr geeignet gewesen wäre.

Einzig und alleine das Abendgymi hatte mich überrascht. Die Papiere sind rar, die man einreichen muß, und der "Einstufungstest" ist lachhaft. Geht doch!
|Dunkelschön|"Ohne Papier geht´s nicht - sonst hätte der Chinese gleich den Computer erfunden"

[QUOTE][i]Original geschrieben von Hugin & Munin [/i]
[B]

Wer sich im Ausland z.B. mal bestimmte Elektroinstallationen oder Gasanschlüsse in Häusern angesehen hat, wird befürworten das manche Arbeiten hier von ausgebildetem Fachpersonal erledigt werden müssen./B][/QUOTE]

Habe ich auch gedacht in Porto in dem Hotel :D Ansonsten halt in solchen sicherheitsrelevanten Bereichen sind gewisse Zertifikate oder Prüfungen notwendig, aber wenn man wie mancher nicht 300 verschiedene Papiere vorzeigen kann bei der Bewerbung - nehmen wir zum Beispiel mal die beliebte IT:

Stellenanzeige XY:
Wir bieten Arbeit als Admin

wir suchen im Alter zw. 20 30 Jahren

wir benötigen:

Sämtliche Papiere die der Markt so hergibt (MCSA, MCSE,, Cisco, Novell, SAP und nochvielmehr)
+ am besten noch Fachhochschulstudium, noch ein paar andere "Bachelor of Dingenskirchen".
Ach ja die üblichen 10 Jahre Berufserfahrung nicht zu vergessen

Und am Ende darf der Glückliche Bewerber "nur" Rechner zusammenbasteln was ich nachts um 12 bei 3 Promille auch noch schaffe.
SenecaIch kenne das anders herum. In der Produktion sicherheitsrelevanter Konstruktionen bewirbt man sich zwar mit seine Papieren, aber gerade bei Schweißern etc. weis man auch das Papier geduldig ist, und was zählt is die Arbeit die jemand tatasächlich abliefern kann. Daher wird man meist 2 Tage zur Probe einbestellt und DANACH wird entschieden ob man einen Vertrag bekommt oder nicht. Ich hab mich zuletzt mit Referenzstücken anstatt mit Papier beworben.
OdessaShadowflower: das stimmt, aber ich der Klinik in der ich weiter-arbeiten wollte, war dem nicht so, für eine reguläre Einstellung als normale Angestellte in dieser Tätigkeit hätte es die "Diplome" bzw. eine entsprechende Ausbildung, Umschulung oder zumindest "pflegerische" Vorbildung gebraucht. Ich könnte das natürlich jetzt quasi freiberuflich machen, bräuchte mich nur "inserieren" als Mediatorin oder "Betreuerin", aber auch hier fragen die meisten Leute dann nach a la "Haben Sie denn in diesem Bereich schon Erfahrung" oder irgendwelche Papiere. Und außer den Empfehlungsschreiben meiner damaligen Kollegen und Patienten, eben meine persönliche Eignung und Befähigung hierzu betreffend, habe ich eben nichts vorzuweisen.
Seneca[QUOTE][i]Original geschrieben von Odessa [/i]
[B]Shadowflower: das stimmt, aber ich der Klinik in der ich weiter-arbeiten wollte, war dem nicht so, für eine reguläre Einstellung als normale Angestellte in dieser Tätigkeit hätte es die "Diplome" bzw. eine entsprechende Ausbildung, Umschulung oder zumindest "pflegerische" Vorbildung gebraucht. Ich könnte das natürlich jetzt quasi freiberuflich machen, bräuchte mich nur "inserieren" als Mediatorin oder "Betreuerin", aber auch hier fragen die meisten Leute dann nach a la "Haben Sie denn in diesem Bereich schon Erfahrung" oder irgendwelche Papiere. Und außer den Empfehlungsschreiben meiner damaligen Kollegen und Patienten, eben meine persönliche Eignung und Befähigung hierzu betreffend, habe ich eben nichts vorzuweisen. [/B][/QUOTE]Arbeitszeugnis reicht um eine Befähigung nachzuweisen, speziell wenn man jahrlang in einem Fach als Quereinsteiger gearbeitet hat. Unternehmer mögen übrigens keine Bürokratie, Personaler schon...daher kann man sich ausmahlen bei welcher Betriebsgröße man die besseren Chancen hat.
OdessaSeni, es ist ja kein Arbeitszeugnis. Diese Tätigkeiten (sich in den Pausen oder neben der "eigentlichen" Arbeit mit Autisten und anderen Patienten beschäftigen) wurden ja inoffiziell gemacht - ich hätte das gar nicht gedurft bzw es war eben nicht professionelle Pflege oder Therapie, nur "menschliche" Hilfe/das was Patienten in mir sahen bzw mir gegenüber an Offenheit zeigten.
Sunnhilda[QUOTE][i]Original geschrieben von Scheol [/i]
[B] Irgendwann rief mich der Stellvertretende Filial-Leiter an und fragte mich: "Willst du 'n Job?! Willst du meinen Job?! Ich habe was anderes gefunden und dachte du wärst der Richtige dafür". Ich war verstört da ich weder Abitur noch eine Ausbildung hatte. Doch sagte natürlich zu, bewarb mich und bekam ein Vorstellungsgespräch. Die gesamte Filiale hatte kräftig für mich geworben da es menschlich wunderbar harmonierte. Ich bekam den Job nicht. Und zwar aus dem Grund den JohnSteed eingeworfen hatte. Durch meine Zeitarbeiter-"Karriere" wechselte ich oft den Arbeitsplatz. Und das war der Grund warum man mich nicht nahm. Stattdessen kam ein Herr der aus dem Photobuisness war, und der dann schließlich nach 2 Wochen das Handtuch warf. Sie haben dann noch einen fähigen Mann gefunden. Dennoch empfand ich dies als Beleidigung und war stinksauer auf die Zentrale.

Ich durfte aber weiter sessional arbeiten. Da ich nichts hatte, war ich froh wenigstens dies zu haben. Daheim bei Freunden sozusagen. Dennoch ein komisches Gefühl, zu wissen, den Scheiß anderer Leute wegräumen zu müssen obwohl ich für mehr geeignet gewesen wäre.

[/B][/QUOTE]

Das kann ich nachvollziehen, da wäre ich auch total gekränkt und wütend.

Warum wechselt man den Arbeitsplatz? Manchmal sind es Gründe wie Zeitarbeit, befristete Arbeitsverhältnisse oder Umzug, manchmal aber vielleicht auch, weil man keine Chance zur Verbesserung bekommt? Mir geht es so, das ich nicht jahrelang dasselbe machen will bzw. auch nicht jahrelang am selben Level herumkrauchen will. Was hält mich dort, wo es für mich nicht vorwärts geht? Ich weiß, nicht jeder hat diesen Vorwärtsdrang und ist vielleicht selig, wenn er sein Leben lang Daten eintippt oder am Band steht, aber ich habe diesen Drang nun mal, und wenn ich merke, daß es für mich nichts mehr zu lernen und auch keinen Aufstieg innerhalb der Firma gibt, dann sehe ich mich anderweitig um, und wenn ich anderswo Ausscht auf eine Verbesserung habe, dann ziehe ich den Schlußstrich und breche auf zu neuen Ufern.

Etwas anderes wäre es, wenn ich einen Job hätte, den ich wirklich als Berufung empfinde und in den ich mich auch mit Idealismus einbringe. Aber so lange Arbeit für mich nur Broterwerb ist, möchte ich da wenigstens irgendwann einen Aufstieg erleben und nicht ewig am unteren Gehaltslevel herumdümpeln. Und weil ich diese Chance auf dem "normalen" Arbeitsmarkt nicht gesehen habe, hatte ich mich dann letztlich für die Selbständigkeit entschieden, einfach um freier zu sein und mir Optionen erschließen zu können. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, daß für mich im Leben mehr drin sein muß als ein fader, schlechtbezahlter Job als Bürohilfskraft oder hinter irgendeiner Ladenkasse etc.
Wozu habe ich sonst all diese Lebenserfahrung gesammelt, wozu eine Ausbildung als Buchhändlerin absolviert, wozu habe ich mein intuitives und kreatives Potential? Doch nicht, um das im Endeffekt nicht anwenden, nicht leben zu können!
Ich beschäftige mich seit Jahren z. B. mit der Astrologie und mache "nebenberuflich" auch spirituelle Lebensberatung, und "hauptberuflich" bin ich seit 6 Jahren im Akquisebereich tätig. Letzteres hängt mir eigentlich schon seit mindestens zwei Jahren zum Hals heraus, da es einen seelisch manchmal ziemlich runterreißen kann, und irgendwann kam mir die Idee, daß ich meine langjährige Akquiseerfahrung mit einer beratenden Tätigkeit verknüpfen könnte und doch eigentlich so langsam mal dazu übergehen könnte, nicht mehr so viel selbst zu telefonieren, sondern z. B. Leute, die im Akquisebereich tätig sind oder sein wollen, zu schulen bzw. meine Lebensberatung zu professionalisieren. Deshalb hatte ich mich entschieden, die Ausbildung zur Psychologischen Beraterin zu machen, obwohl ich innerlich mittlerweile nicht das Gefühl habe, daß ich diese nun unbedingt brauche - aber ich brauche den Schein, um von potentiellen Klienten, gerade von Firmen, ernstgenommen zu werden. Für Seminare und Coaching geben manche Firmen richtig Geld aus, damit kann ich sicher mehr verdienen als mit Telefonakquise (die in meinem Fall auch nur erfolgsabhängig gezahlt wird), und es schont meine Nerven, auch wenn einem da sicherlich auch nichts geschenkt wird. Mal sehen, vielleicht schlage ich aber auch eine andere Beratungsschiene ein, ich denke auch an eine Erweiterung meiner astrologischen Kenntnisse. Es ist ja nicht so, daß ich bildungsunwillig wäre, nur ist es leider auch eine Frage der Finanzen, da der Wille zur Weiterbildung kaum unterstützt wird - und deshalb werde ich wohl noch eine Weile mit "Zwischenlösungen" vorliebnehmen müssen, derweil ich nebenher meine Weiterbildungen mache.

Natürlich sind Zertifikate auch hilfreich - nur sollte einem dann auch keine Steine in den Weg gelegt werden, diese Zertifikate zu machen. Bei einem 20jährigen kann ich vielleicht noch verstehen, daß da auf den Schulabschluß geschaut wird, weil in dem Alter noch keine großartigen beruflichen Erfahrungen vorhanden sind, aber spätestens ab 30 sollte sowas nicht mehr relevant sein. Viel mehr sollten auch Eignungstests durchgeführt werden. Die Frage ist doch, wo steht der Bewerber JETZT und nicht, wie gut bzw. diszipliniert er vor Jahren in der Schule war. Es geht um Fähigkeiten und um Talente, und darüber muß ein Schulzeugnis nicht unbedingt wahre Auskunft geben. Selbst ein grottenschlechtes Schulzeugnis muß noch nichts über den wahren intellektuellen Entwicklungsstand aussagen, gerade als Jugendlicher kann man auch einfach nur ein rebellierender Schulverweigerer gewesen sein, der in seinem Privatleben trotzdem belesen gewesen sein kann (leuchtendes Beispiel bin ich selbst, die mit 16 mit Vorliebe Poe, Baudelaire und Lovecraft gelesen hat, aber von der Schule, vor allem von Algebra und Physik, wenig wissen wollte). Bei einem Eignungstest könnte man problemlos feststellen, ob man es tatsächlich mit einem Unfähigen, Unwilligen oder gar geistig minderbemittelten Primitivling zu tun hat, oder ob da doch wertvolles Potenzial schlummert das nur darauf wartet, eine Chance zu bekommen und gefördert zu werden.

Der weitere Faktor ist der Lebenslauf... lückenlos soll er sein und wenig Ecken und Kanten haben. Meiner ist zwar lückenlos, aber wimmelt nur so von Zickzackkursen, und ehrlich gesagt, ein bissl kaschiert habe ich da auch (erst mal, was meinen Schulabschluß betrifft, es steht einfach drin, daß ich die Realschule besucht habe - was ja nicht gelogen ist, und von einem Abschluß habe ich nichts erwähnt; und es gibt Tätigkeiten, die gibt man einfach nicht an in einem Lebenslauf) - und ich habe festgestellt, daß bei Vorstellungsgesprächen gerade an diesen Stellen nachgebohrt wird, obwohl sie in meinem Fall schon über 20 bzw. 30 Jahre zurückliegen und heute nicht mehr relevant sein sollten, es sei denn sie seien berufsrelevant für den Job auf den man sich bewirbt. Jetzt habe ich mal was anderes probiert und für einen bestimmten Zeitraum in den 80ern einfach "Lebenskünstlerin" reingeschrieben - mal sehen wie das ankommt ;)

Einerseits wollen sie einen lückenlosen Lebenslauf, andererseits sind manche Dinge, wenn sie da drinstehen, ein K.o.-Kriterium - also wollen sie offenbar nur Leute, die nie vom Weg abgekommen sind, nie in ihrem Leben gestrauchelt sind, die eigentlich ein ziemlich fades, ereignisloses Leben geführt haben müssen... wahrscheinlich, weil sie annehmen, daß das Menschen sind, die sich eher zufriedengeben, bei denen kein Vorwärtstrieb vorhanden ist und die nicht so schnell bereit sind, etwas zu riskieren.
Ronin76Die Ursache all dieses Qualifizierungsblödsinns ist Macht und die dazugehörige Kontrolle. Es ist eine Art moderner Ablaßhandel oder Wegezoll. Ihr wisst inzwischen wie man das beseitigen kann, es hilft nicht viel darüber zu lamentieren. Ich würde gerne eine Parallelgesellschaft gründen, die all diesen Unsinn nicht braucht und sich irgendwann über den Rest hinwegsetzen wird, weil es sich bewährt hat. Einen Staat im Staat.
Scheol@Sunnhilda

Mir wurde mal gesagt, es wäre besser für mich wenn in meinem Lebenslauf "dauerhaft Arbeitslos" stehen würde, als die ständig wechselnden Arbeitsplätze. Na danke auch! Soviel zum Thema "Würdigung der Anstrengung"...

Bei dir ist es halt besonders schlimm...da sich mir die Logik nicht erschließt. Und Odessa hat es schon angesprochen...eines muß man den Amis lassen...deren Einstellung zum Thema Qualifikation ist unserer deutlich überlegen.

Dein Problem ist, das du für diesen Job ein äußerst selbstreflektierter Mensch sein mußt, der sich mit Oberflächen nicht zufrieden gibt. Diese Welt ist aber für Oberflächen konzipiert.

Das ist ein ähnliches Thema mit hochbegabten. Diese Welt ist für Durschnittsmenschen gemacht. Wer übermäßig "darüber" steht wird ein Schulversager. Dafür gibt es dann extra Schulen, die diesen Menschen gezielt fordern und fördern (<--diese Phrase kotzt mich selbst etwas an). Problem...sie kosten Geld, viel Geld.
So gehen diese Menschen unter, gehen auf Sonderschulen (was nicht heißen soll, das alle Menschen dort hochbegabt wären), und driften oftmals in die Perspektivlosigkeit ab.

Verstehst du was ich sagen will?! Du machst etwas in einem "humanistischen" Bereich. Das ist momentan einfach nur nicht sexy...deswegen werden unsinnige Dinge nicht bereinigt, weil sich keiner damit wirklich auseinandersetzt...zumindest von den Menschen die die Möglichkeiten hätten den bürokratischen Ablauf neu zu gestalten...
LaChatte[QUOTE][i]Original geschrieben von Sunnhilda [/i]
[B]
Einerseits wollen sie einen lückenlosen Lebenslauf, andererseits sind manche Dinge, wenn sie da drinstehen, ein K.o.-Kriterium - also wollen sie offenbar nur Leute, die nie vom Weg abgekommen sind, nie in ihrem Leben gestrauchelt sind, die eigentlich ein ziemlich fades, ereignisloses Leben geführt haben müssen... wahrscheinlich, weil sie annehmen, daß das Menschen sind, die sich eher zufriedengeben, bei denen kein Vorwärtstrieb vorhanden ist und die nicht so schnell bereit sind, etwas zu riskieren. [/B][/QUOTE]

ja, das stimmt.

Das wird zwar meist eher mit Worten wie "fokussiert, zielstrebig" beschrieben, aber Himmel, ich hatte nun mal keine Ahnung, bis ich dreissig war, was ich mit meinem Leben anfangen sollte. Ich hatte dann einfach gemacht, was sich grad anbot...

Auf dem herkömmlichen Stellenmarkt ist es mit meinem Lebenslauf auch schwierig - zu viele verschiedene Dinge - aber dort, wo ich jetzt bin, kam ich rein durch probearbeiten, ich habe noch nicht mal einen Lebenslauf abgegeben... es gibt sie schon noch, jene Firmen, denen gute Arbeit wichtiger ist als ein Papier, worauf man lesen kann, welcher Beruf gelernt wurde.

grüsse, barbara
SenecaMir hat mal ein personaler gesagt er glaubt ohnehin keinem Lebenslauf, die sind in aller regel erlogen. Sogar beim "Bewerbertraining" der Agentur wird man zum "extra dick Auftragen" beim Lebenslauf aufgefordert. Aber das Layout ist wichtig und die Strukturierung, auch wenn man sich als Bäcker bewirbt ;)
Odessa----
Wer sich im Ausland z.B. mal bestimmte Elektroinstallationen oder Gasanschlüsse in Häusern angesehen hat, wird befürworten das manche Arbeiten hier von ausgebildetem Fachpersonal erledigt werden müssen.
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Völlig richtig, da bin ich dann auch immer ganz froh darum daß es hierzulande dahingehend strenge - aber mir u. U. das Leben rettende - Vorschriften und Regelungen gibt.

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Aber wie JohnSteed schon schreibt, es führt leider dazu das nur noch Qualifikationen und Titel berücksichtigt werden, nicht aber der Mensch der dahinter steht.
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Oder wie ich oft schon feststellte: es werden heutzutage Menschen "Arzt", die nicht ansatzweise sowas wie Mitgefühl, Empathie, Kommunikationsfähigkeit und ähnlich wichtige EQ-Eigenschaften besitzen. Denke ich an meinen alten Hausarzt, so ist es ein Mann der Arzt wurde, wie er mir mal erzählte, weil er "helfen und heilen will". Weil er Menschen gerne mag und es nicht ertragen kann, daß sie leiden. Ich fragte während meiner Arbeit mit Ärzten in diversen Krankenhäusern und Praxen einige der "Jungen", warum SIE diesen Beruf ergriffen. Und glaubs mir oder nicht - aber von 10 befragten antworteten mir im Schnitt 7 bis 8, mich mit geweiteten Augen ob meiner "dummen" Frage anguckend dabei: "Das ist ein krisensicherer Job, krank werden die Leute immer und ich verdien damit saugut (wahlweise: verdiene recht gut/ganz anständig/mehr als wenn ich Journalistin oder Architektin geworden wäre)".

Und genau so behandelten sie dann auch unsere Patienten - auf zwei Beinen laufende Geldbeutel, die gar wagten "renitent" zu werden wenn sie etwa irgendetwas nachfragten oder widersprachen a la "Nein Herr Doktor, ich möchte diese Tabletten, deren Nebenwirkungen mir mehr zusetzen als die eigentliche Krankheit, NICHT nehmen". Aber hey, FACHLICH nach ihren Zeugnissen und Zusatz-Ausbildungen und blablabla waren die alle alle alle perfekt. Man kann nur leider sowas wie Persönlichkeit, Einfühlungsvermögen, Mitgefühl, Empathie und Herzlichkeit weder in der besten Uni lernen noch kann man anhand von Klausurnoten ablesen, wie befähigt rein charakterlich ein Mensch für einen bestimmten Job ist.

Denke ich zurück an meine eigene Schulzeit und Noten, wäre ich demnach sowas von ungeeignet für alles was mit Zahlen zu tun hat - ich habe es schlicht aufgrund meines Sprechunwillens/unfähigkeit vor "Massen/Gruppen" (Klasse) und meiner Soziopathie nicht auf die Reihe gekriegt, an der Tafel stehend Rechenaufgaben zu lösen oder in mündlichen Prüfungen in Mathe auch nur 2 und 2 zusammengezählt zu bekommen, was dann immer die "gut bis zufriedenstellend" ausgefallenen schriftlichen Noten halt total (durch die mündliche und an der "Tafel entstandene" 4 oder 5) versaute. Heute bin ich es jedoch, die ein Zahlengedächtnis ohne Ende hat, die sich mit Zahlenmythologie/Kabbala beschäftigt seit Jahren und die im Kopfrechnen immer noch schneller und besser ist als viele meiner ehem. Mitschüler, die in ihren Noten bei Mathe eine 2 stehen hatten aber wiederum nicht fähig sind, mal eben im täglichen Einkaufsalltag den 100-Gramm-Preis einer Ware oder den 3%-Skonto bei Barzahlung in Sekunden auszurechnen.
Kampfsau[QUOTE]Oder wie ich oft schon feststellte: es werden heutzutage Menschen "Arzt", die nicht ansatzweise sowas wie Mitgefühl, Empathie, Kommunikationsfähigkeit und ähnlich wichtige EQ-Eigenschaften besitzen. [/QUOTE]

Das liegt ja schon an der Zulassung. Schwerer als andere Studiengänge an der Universität ist Medizin jetzt auch nicht unbedingt.Trotzdem können wahrscheinlich über 90 % der Schüler so direkt nicht mit dem Medizinstudium anfangen und müssen nochmal 5-6 Jahre warten, bis sie dann das 6-7 Jahre lange Studium beginnen dürfen.

Es gibt natürlich die Leute, die sich dazu berufen fühlen und jetzt NUR ein Abi von z.B. 2,2 oder 2,3 haben. Die machen eine Ausbildung als Krankenpfleger oder Rettungsassistent, warten die 5-6 Jahre und starten dann das Studium.

Leute die das durchziehen, sind dann meist auch ganz gute Ärzte aber für mich wäre es sehr wohl verständlich, wenn jemand dann doch lieber richtig Geld verdienen möchte und eine Familie ernähren will und nicht bis anfang-mitte 30 wie ein Student leben will, auch wenn er mal liebend gerne Medizin studiert hätte.

[QUOTE]Die Zulassung zum Medizinstudium ist derzeit in Diskussion.Da in einigen Gebieten (NRW und Sachsen z.B. Ärztemangel besteht). Einerseits möchte man den Mangel ausgleichen (natürlich stellt diese Öffnung auch wieder Forderungen → Arbeitsbereich in dem Gebiet in dem Bedarf besteht) und den NC nicht als Hauptkriterium voraussetzen. [/QUOTE]

Im Gegensatz zu der Altenpflege, mangelt es eigentlich überhaupt nicht an kompetenten Bewerbern in diesem Bereich. Manche Stimmen sagen auch, es gibt gar keinen Mangel. Pro Einwohner hat Deutschland gar nicht so wenige Ärzte.

Das Problem ist eher die Abwanderung, wegen der schlechten Arbeitsbedingungen in Deutschland für Ärzte, dass Patienten angeblich zu häufig zum Artzt gehen und dass Praxen schlecht verteilt sind. So hat man in Großstädten oft ganze Gebäudekomplexe voller Ärzte in jedem Stadtteil und auf dem Land sind für viele Quadratkilometer gar keine oder kaum Ärzte.

[QUOTE]Dafür soll es Aufnahmegespräche geben und den empathischen und sozialen Fähigkeiten mehr Geltung entgegenkommen …und es steht zur Überlegung, ob eine Ausbildung (im Bereich Biologie, Pflegeausbildung, Philosophie, etc.) die in Bezug mit dem Fach Medizin steht, anstelle des Abiturs ausreichend sind. Kritikpunkte dazu sind von manchen Seiten, dass man befürchtet, es würde die Qualifikation in diesem Bereich herabsetzen, wenn der NC keine vorrangige Rolle spielt. [/QUOTE]

Man geht ja eigentlich davon aus, dass intelligente Menschen sehr offen und freigeistig sind aber sie können auch unheimlich konservativ und verbohrt sein. Das hat man ja schon bei der Umstellung von Diplom zu Bachelor und Master gesehen. "Der Bachelor ist nur ein benoteter Studienabbruch" und solche Geschichten.

Und genauso denken viele alte Menschen. "Ich selber hab es gemacht und deswegen ist es nur gut , wenn man es ewig so weiter macht wie ich es gelernt habe"

Dabei weiß ich nicht, warum Medizin soviel anspruchsvoller sein soll, als ein Physik,Mathematik oder Maschinenbaustudium, wo man häufig genug auch ganz ohne Zulassungsbeschränkung klar kommt. Es ist nur eine sehr sehr hohe Quantität an Stoff. Aber die haben Rechtswissenschaftler auch, nur dass dort der NC auch niedriger ist.

Mit dem Bachelor und Mastersystem ist es genauso. Die Uni Oldenburg versucht schon seit Jahren einen Bachelor in Medizin einzuführen. Eigentlich sollte das Programm dieses Jahr starten aber aufgrund von Widerständen wird erst im November entschieden, ob der Studiengang überhaupt zustande kommt.

Es gibt einfach massiven Widerstand, weil die Sache unbekannt ist. Dabei soll der Bachelor nach 3 Jahren gar nicht schon zur Approbation führen, sondern auch abweichende Perspektiven ermöglichen, z.B. im Krankenhausmanagement oder anderen Querschnittsfeldern. Auch soll die gesamte Ausbildung etwas anders verlaufen als beim Staatsexamensstudiengang. Dort wurde ja strikter das Physikum vom klinischen Teil abgetrennt. Das kann auch Vorteile haben aber das neue System beabsichtigt, den Medizinstudenten schon von anfang an , eine durchgehend engere Verzahnung von Praxis und Theorie aufzuzeigen.

Das klingt für mich eigentlich gar nicht so verkehrt. Vielleicht setzt das Studium nicht immer die richtigen Prioritäten. Soviel Auswendiglernen ist wohl unumgänglich, will man Arzt werden, man muss den Körper einfach kennen aber wer nur für irgendwelche Tests lernt, der kann auch vieles vergessen oder er hat keinen Sinn mehr, für die Realität.

Ich finde die Idee nachwievor gut, junge Ärzte von anfang an, mehr auf Praxistauglichkeit zu eichen. Nur wird das nachwievor torpediert. Es ist ja alles gut wie es ist.

Dabei vergisst man oft das Wichtigste, nämlich dass es egal ist, wie man das Zertifizat jetzt nennt. Wichtig ist was man kann und weiß. Und das Wissen selber kann man auch ganz ohne Hochschulen lernen. Es gibt viele Pfleger, die haben umfangreiches medizinisches Wissen, über die Jahre durch Eigeninteresse und autodidaktisch angeeignet.

Genauso kann ein Bachelorabsolvent kompetenter als ein Diplomer sein.
OdessaDa stimme ich Dir völlig zu, Kampfwutz. Gerade was die Pfleger betrifft habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht, die wußten teilweise wirklich besser Bescheid als z. B. unser "abgehobener" Oberarzt, dessen Hauptjob eigentlich seit Jahren nur noch darin bestand daß er bei Visiten mit einschwebte, hochwichtig irgendwelche Krankenblätter (von Patienten die er selbst noch nicht mal untersucht hatte geschweigen denn ihre Namen und Geschichte noch wußte) kurz überflog, ein "Alles okay soweit, wunderbaaar, schönen Tag noch" von sich gab und dann wieder verschwand.
Sunnhilda[QUOTE][i]Original geschrieben von LaChatte [/i]
[B]
Auf dem herkömmlichen Stellenmarkt ist es mit meinem Lebenslauf auch schwierig - zu viele verschiedene Dinge - aber dort, wo ich jetzt bin, kam ich rein durch probearbeiten, ich habe noch nicht mal einen Lebenslauf abgegeben... es gibt sie schon noch, jene Firmen, denen gute Arbeit wichtiger ist als ein Papier, worauf man lesen kann, welcher Beruf gelernt wurde.

[/B][/QUOTE]

Liebe Barbara,

ja, mir geht es da auch so, daß ich eigentlich keinen meiner Jobs auf konventionellem Bewerbungswege bekommen habe. Meine Buchhändlerausbildung habe ich durch Kontakte bekommen, die mir weltanschaulich nahestanden (sonst hätte ich da mit Mitte 30 und ohne Abi wahrscheinlich keine Chance gehabt), und selbst den Job in der größeren Firma habe ich auf eher unkonventionelle Weise bekommen: man hatte mir damals beim Arbeitsamt angeraten, mich bei der Firma zu bewerben, und ich rief da an - und "zufällig" (ich glaube nicht an Zufälle, nur an Fügungen) war am selben Tag, zwei Std. nach meinem Anruf, ein Bewerbergespräch mit mehreren Bewerbern, und es hieß, wenn mir das nicht zu kurzfristig sei, könne ich dazu auch erscheinen. Ich also nur ruck-zuck mein Ausbildungs- und Prüfungszeugnis geschnappt, weiß nicht mal ob ich mir noch die Zeit für einen Lebenslauf genommen hatte, und damit hin zu dem Gespräch. Am Schluß hieß es nur, wer kann am Montag anfangen? - Und schon war ich dabei. Wer weiß, ob ich zu dem Gespräch eingeladen worden wäre, wenn die sich erst meine dürftigen Unterlagen angesehen hätten. Zu der Zeit hatte ich außer der Buchhändlerausbildung nämlich null vorzuweisen, da ich das erste halbe Jahr nach der Ausbildung, als ich frisch nach Bayern gekommen war, nur gejobbt hatte und in den 90ern, als ich noch verheiratet war, bei meinem Mann im Betrieb angestellt war und darüber keine Zeugnisse hatte. Und über das, was davor war, in den 80ern, naja, redet man bei einer Bewerbung besser nicht... jedenfalls war ich dann befristet anderthalb Jahre bei der Firma, und sie haben später, als ich bereits selbständig war, nochmal bei mir angefragt und mich auf Teilzeit nochmal für ein Jahr befristet eingestellt.

Bei meinem späteren Auftraggeber hatte ich mich auf ein Inserat gemeldet, in welchem Telefonistinnen für eine Umfragetätigkeit gesuch wurden, und dort wurde ich gleich zu einem persönlichen Gespräch bestellt. Als der Chef hörte, daß ich bereits Erfahrung im Terminieren hatte, war er gleich hellauf begeistert und hat mich dann nicht lange bei Umfragen verweilen lassen, sondern zum Terminieren eingesetzt. Leider gibt es die Firma seit letztem Herbst nicht mehr, aber ich hatte "zufällig" gerade, als es dort bergab ging, einen neuen Auftraggeber aufgetan, bzw. dieser mich - er hatte mich nämlich auf XING angeschrieben, mir kam das gerade recht - und wir arbeiten heute noch zusammen.
Bin zwar momentan auf der Suche nach was Neuem, aber das hat rein finanzielle Gründe, weil ich nämlich zur Zeit nur auf Provision arbeite und das leider nicht so im Fluß ist wie es eigentlich sein sollte, was mich seelisch ziemlich belastet... will wieder einen Job, wo ich nicht darum bangen muß ob ich meine Fixkosten hereinbekomme oder nicht.

Mittlerweile bin ich soweit, daß ich mich schriftlich gar nicht mehr bewerben mag, es sei denn es geht auch online. Aber Papier, Druckertinte, Porto und den Fahrweg zur Post (wohne auf dem Lande) zu investieren habe ich keine Lust mehr, weil ich die Erfahrung gemacht habe, daß ich es vergessen kann auf dem konventionellen Weg. Wenn meine Unterlagen erst mal auf dem großen Stapel mit vielen anderen landen, kann ich es meist abhaken. Entweder ich bekomme ein persönliches Gespräch, möglichst nach meinem ersten Anruf, oder ich kann es vergessen. Wenn die Firma nicht zu weit weg ist, gehe ich auch manchmal einfach hin... aber damit hab ich leider auch nicht immer Glück, weil der zuständige Ansprechpartner gerade in einer Besprechung sein kann oder außer Haus... aber wenn es nicht zu weit weg ist, riskiere ich das einfach mal ;)


@Odessa, Ärzte, ja... ich habe privat mal einen kennengelernt, der im Krankenhaus lieber in der Verwaltung arbeitet als als Arzt, und der nur privat ein paar Patienten umsorgt - weil er mit der Art zu arbeiten, wie es in Krankenhäusern üblich ist, innerlich in Konflikte kommt.
Kampfsau[QUOTE] Da stimme ich Dir völlig zu, Kampfwutz. Gerade was die Pfleger betrifft habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht, die wußten teilweise wirklich besser Bescheid als z. B. unser "abgehobener" Oberarzt, dessen Hauptjob eigentlich seit Jahren nur noch darin bestand daß er bei Visiten mit einschwebte, hochwichtig irgendwelche Krankenblätter (von Patienten die er selbst noch nicht mal untersucht hatte geschweigen denn ihre Namen und Geschichte noch wußte) kurz überflog, ein "Alles okay soweit, wunderbaaar, schönen Tag noch" von sich gab und dann wieder verschwand.[/QUOTE]

Ich denke allgemein haben die Ärzte natürlich schon mehr drauf als die Pfleger, spätestens nach ein paar Jahren. Als Oberarzt sollte man eigentlich schon ein bischen Ahnung haben.

Es lässt sich aber schon erkennen, dass Ärzte nicht unbedingt dumm sind, sicherlich nicht, nur mangelt es eben an der richtigen Motivation bei vielen.

Solche Fälle sind mir durchaus bekannt.Es geht vielen um Ansehen und Prestige. Das zieht sich durch den ganzen Berufsstand hindurch, dieses Hirachie und Statusdenken.

Es gibt sicherlich Chef und Oberärzte, die sind ihr Geld absolut wert aber bei manchen Visiten konnte man schon sehen, dass sich die Assistenzärzte innerlich sagten "dieser Affe, was labert der da eigentlich für einen Blödsinn?"

Und dann fragt man sich eigentlich, warum der Chefarzt mit einem dicken Mercedes auf seinem eigens reservierten Parkplatz vorfahren darf, während so mancher hochtalentierte Assistenzarzt genauso hart oder sogar härter und länger arbeitet und in einem Golf zur Arbeit fahren muss oder nicht befördert wird, weil er nicht genug das Ego seiner Vorgesetzten gestreichelt hat oder ihm das eigene Gesicht halt nicht so gefällt.

Viel sinnloses Bimbamborium dass vom Sinn und Zweck des Berufes ablenkt, nämlich Kranke zu heilen und Schmerzen zu lindern.
Odessadass sich die Assistenzärzte innerlich sagten "dieser Affe, was labert der da eigentlich für einen Blödsinn?"
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Ich kenne diesen Blick so gut ;-). Mir fällt da wieder Freund/Exkollege X ein, hochfähiger, intelligenter und zudem zutiefst emotionaler Psychiater, dem "seine" Patienten wirklich noch ans Herz gewachsen sind. Weil er nicht genug "Arsch gepudert" hat beim Klinikleiter, wurde er nie Oberarzt bisher. Dafür wurde es eine Dame, die weder fachlich noch menschlich auch nur halb so geeignet ist wie er. Aber gut, sie hat halt genug "gepudert" bei/mit den richtigen Leuten, konnte sich zudem sehr gut verkaufen in ihrem Auftreten (sehr dominant, sehr "nach allen Seiten hin offen" aber niemals wirklich verbindlich usw.) und so wurde sie Oberärztin. Und ja, DIESE Blicke bekommt sie eigentlich immer, sowohl von Kollegen als auch Patienten, da eher in Richtung "Lieber Gott, nimm diese Frau durch einen Blitzschlag zu Dir bevor meine Depressionen wiederkommen/ich Amok laufe/ich denke daß Suizid DOCH eine Alternative wäre angesichts täglicher Visiten DIESER Frau"....
KampfsauDas ist wohl der Grund warum über 90 % der Helden sterben, ohne dass jemand was von ihrem Leben mitbekommt. Zumindest habe ich das mal mit meiner subjektiven Meinung ganz spontan entschieden ^^.

Bei der Psychiatrie ist das vielleicht so eine Sache. Du meintest er ist ein emotionaler Mann, dem seine Patienten am Herzen liegen.

Die Frau ist es nicht. Vielleicht wird ihm diese Herzlichkeit als Schwäche ausgelegt und die Kälte der Frau als Stärke.

Als Akademiker muss man ja immer "sachlich" sein , was wahrscheinlich heißt, dass man sich in völlig weltfremden Theoriegeplaper verlieren soll, ohne richtigen Bezug zu den Menschen.

Menschen sind nunmal nicht alle logisch und diese Theorien passen auch in den seltensten Fällen wie eine Schablone auf die Patienten. Es gehört auch eine gehörige Priese Intuition dazu.

Leider gibt es dafür keine Schulen , sowas entwickelt sich,wenn man etwas tut.Deswegen müssen genug Ärzte und Psychologen nach Jahren des Studiums feststellen, dass sie für ihren Beruf ungeeignet sind.
Ronin76Qualifizierungen hin oder her, entscheidend ist doch das Ergebnis, der Erfolg. Wenn zB meine lieben Freunde, die deutschen Allgemein- und Fachärzte, nur noch auf Erfolgsbasis entlohnt werden würden, wären die vielen Scharlatane die sich an Kranken bereichern ohne zu heilen, sondern noch kränker machen, ganz schnell weg vom Fenster.
Odessa:D Das alte China, Ronin. Aber andererseits - es kann, denke ich, auch keine rundrum-und-immer-"Erfolgsgarantie" geben in Sachen Gesundheit/Gesundmachung, weißt Du... wir sind alle ja keine einheitlich gebauten/funktionierenden Maschinen und was beim einen Patienten hilft, bringt den Anderen ins Grab, überspitzt formuliert. Beispiel: Valium, das soll ja sedieren und auch vor Operationen beruhigen. Ich bekam vor meiner Krebs-OP damals eine gute Ladung davon und wurde aber sowas von putzmunter und lustig drauf, das gibts gar nicht. Witzelnd und für einige Tage mit einem mir dann gar nicht mehr irgendwie "attraktiv" erscheinenden Anästhesisten als Verehrer "gesegnet", durfte ich mir nach der OP nämlich von sämtlichen an der OP Beteiligten anhören, daß ich noch ca. 30 Sekunden bevor ich in Narkose fiel, auch weiterhin konstant den südländischen Narkosearzt aufs anscheinend öhm "direkteste" und "sexuell offensivste" angeflirtet habe; mich zudem im OP-Bett und schon während man es durch die Gänge in den OP-Saal schob, ständig aufrichtete und aufzustehen versuchte, weil ich ihm einen Bauchtanz vorführen wollte, ich weiters wiederholt (sehr fragwürdige Lieder - Schlager von Abba!!) angesungen und betont hätte daß ich überhaupt nicht einsähe jetzt NICHT zum Schwimmen gehen zu können und irgendwas auch noch sagte von wegen ich fühle mich so kreuzfidel und bumsfallera-fit, daß ich sowas von Bock auf Party hätte, wahlweise besagten Narkosearzt auf der Stelle "nicht nur seinen Mundschutz" vom Leibe reissen würde und mit ihm dann aber sowas von Party machen würde. - Ähnliches geschah noch einige Male in fast gleicher äh Ausprägung (mit jedoch wechselndem Ärzteteam und wobei ich einmal anscheinend auch eine schöne indische Krankenschwester als "Prinz Sandokan" angeschmachtet haben muß in meinem Valium-Delirium).

Soviel nur zum Thema "Medikamente und wie sie leider NICHT einheitlich bei allen Menschen gleich wirken" - und das übertrag dann mal auf Betablocker, Antibiotika samt Nebenwirkungen, Rheumamittel usw. :D
KampfsauWieder ein Beispiel dass eben nicht alles auf dem Beipackzettel geschrieben steht.

Zumindest fänd ich es lustig wenn drauf stehen würde

"kann bei manchen Patienten zu Wolllust und spontanen Bauchtanzattacken führen"

^^
JohnSteed[QUOTE][i]Original geschrieben von Ronin76 [/i]
[B]Qualifizierungen hin oder her, entscheidend ist doch das Ergebnis, der Erfolg. Wenn zB meine lieben Freunde, die deutschen Allgemein- und Fachärzte, nur noch auf Erfolgsbasis entlohnt werden würden, wären die vielen Scharlatane die sich an Kranken bereichern ohne zu heilen, sondern noch kränker machen, ganz schnell weg vom Fenster. [/B][/QUOTE]

Man sollte bedenken, dass die Kvs (kassenärztlichen Vereinigungen) auf ein NS-gesetz zurückgehen.
Niemand braucht diese Funktionäre.
Wenn manche Ärzte verstehen würden,dass sie im Grunde freie Unternehmer sind, wäre auch für sie, vieles einfacher.
Nun, ich muss sagen, ich habe viele "Allgemeinärzte", Internisten und Chirurgen kennengelernt, die mir helfen konnten,weil sie-sagen wir-etwas robust oder etwas rustikal-waren.
So etwas gefällt mir allemal.
Alle anderen wissen sich nicht zu helfen und wollen dir für jeden Furz eine psychotherapeutische Behandlung aufdrängen. Ihre "Befähigung" dazu hängt im Wartezimmer.
Zehn Tage Seminar:"Pythagoras für Katzen", auf Sylt.
Auch egal.

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