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  Forum: Des Kaisers Bart
    Thema: Berlusconi
SenecaDa in letzter Zeit ja einige auf Saddam Hussein und George Bush herumreiten, und der Art wie beide ihr Regime führen...
Wie wäre es mal mit einer Diskussion über die seltsamen Anwandlungen von Silvio Berlusconi, oder ...wie weit steckt die Mafia in der italienischen Politik...

Erschreckend ist doch, das Herr Berlusconi seit Beginn seiner Präsidentschaft hauptsächlich damit beschäftigt ist, Gesetze zu ändern, die seine eigen Verurteilug vor Gericht erschweren.
Sein neuester Wurf erlaubt zum Beispiele dem Angeklagen, bei Mißtrauen gegen die Richter den Gerichtsort zu wechseln, was natürlich zur Verschleppung der Verfahren führt.
Auch bedenklich war die Tatsache, das Berlusconi enfach dem Staatsanwalt, der gegen ihn ermittelte, den Personenschutz entzog, in Italien fast ein Todesurteil... ist das nun Despotismus, oder Demokratie.
Ist es überhaupt legitim, das ein Mann gegen den in einer Strafsache ermittelt wird, die Regierung leitet, und das Medienmonopol des eigenen Landes inne hat...?
SchwarzePestBerlusconi ist halt sehr trationsbewusst.
Wenn man ihn noch ein paar Jahre Zeit läst, wird er als Gottheit angebetet und seine Gegner dürfen wieder im Circus Maximus mit den Löwen spielen.
Rücksitzpunk*lach*

mir fällt dazu eignetlich nur ein, das wir es in deutschland gar nicht mal so schlecht haben. schon erstaunlich, was sich silvio alles erlaubt (und erlauben darf). habe auch noch nicht allzuviel von etwaigen protesten gegen diese gesetze gehört. hat da jemand infos?

grüße
rüsipu
SenecaOh...es wird schon protestiert, aber im Italienischen Fernsehen, und der Presse, wird kaum davon groß berichtet...rate mal warum...!
Mitlerwiele finden vor dem Regierungssitz regelmäßig Demos statt...aber die Masse des Volkes rüttelt das nicht auf...!
Sind halt nur bekloppte Intellektuelle...!
SchwarzePestEr weiß halt wie er das Volk ruhig hält.

Brot und Spiele.
Elyseewie ist es denn mit der opposition oder der europäischen gemeinschaft?
kann die nicht neuwahlen fordern oder berlusconi sonstwie in die schranken weisen?
man fragt sich doch wirklich wie weit die korruption in italien schon ist.

ich habe auch von großen protesten gehört und denke, dass berlusconi im fall von neuwahlen sein amt nicht halten werden kann.
Rücksitzpunkhmm, das dürfte schwierig werden...
er ist rechtmäßig (?) gewählt und es steht der europäischen union nicht zu, sich in die innenpolitischen angelegenheiten eines ihrer mitglieder einzumischen.

aber kritik könnte man üben.... hat man die schon?
SenecaMan hat ja gehört, das Die deutsche Regierung sich mehrfacfh dazu geäußert hat, und das Berlusconi außenpolitisch einen schweren Stand hat, aber zwischeuropäisch hält man sich eben eher bedeckt, was Äußerngen angeht...nicht das am ende bei EU Abstimmungen jemand querschießt.

Vielleicht macht man sich in Italien erst Gedanken, wenn sich die Nation aus der Reihe der bedeutenden Idustrienationen verabschiedet hat...was mit der geplanten Übernahme von FIAT durch General Motors wohl der Fall wäre...!

Und die Regierung schweigt, denn die hat andere Probleme... Prozesse zum Beispiel.
SchwarzePestWas mich wundert ist, das Berlusconi schon so lange an der Macht ist. Wenn ich mich nicht irre, ist es jetzt schon seine 2. Amtzeit. Normalerweise waren die Italiener noch vor ein paar Jahren dafür bekannt, das sie öfter ein neues Parlament wählen als die Unterwäsche wechseln.
Dieser Mensch arbeitet meiner Meinung nach nicht für das Volk sondern für die eigene Tasche.
scorpio666Man braucht da gar net bis Italien schielen,denn Korruption gibts hier schon zu viel.
Man denke nur an die mächtigen Intressenlobiisten.
Es ist ja schon alein ein Witz,das Parteien Spenden annehmen dürfen.
Wenn ich an kohl denke der sich aufs Ehrenwort berufen kann,und so unbestraft bleibt.

Berlusconi hat halt nur den Vorteil das er die Medien besser kontrolieren kann,als es unsere Politiker können.
Net zuletzt bei der Kirch-Pleite ,wurde mal wieder deutlich,wieviel zum Beispiel die CSU mit Geldern beteidigt war.

Für mich gilt halt immer nur ein Spruch:"Eine Krähe hackt der anderen nie das Auge raus"
SIG- TIUnoch sind wir un Deutschland nicht so weit, die Gewaltenteilung wird aber auch hier schon unterwandert.

die Politikverdrossenheit macht es auch nicht besser, ein grosser Teil der Italiener hat wenig Interesse am Tun derer da oben, ein Grund, warum sich die Proteste bisher in Grenzen hielten.
MenedemosWas Berlusconi betreibt, ist einfach indiskutabel. Irgendwie erinnern mich die Vorgänge an die Krisenzeit der römischen Republik. Gesetze zum eigenen Vorteil zu erlassen, die eigene Klientel unterstützt das auch noch vorbehaltlos, ein selbstverliebter Führer, Handgreiflichkeiten im Parlament ... alles schon mal dagewesen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie stabil manche Aspekte einer nationalen Mentalität sind.
Wenn es Europa etc. nicht gäbe, würde die italienische Republik vielleicht einen ähnlichen Weg gehen wie einstmals die römische.

Andererseits: Ich finde es auch bemerkenswert, wie wenig die Italiener diese skandalösen Vorgänge letztlich zu stören scheinen. Aus der Ruhe lassen sie sich deshalb noch lange nicht bringen und das ist echte Lebenskunst.
Das verstehen wir hierzulande nicht, da fehlt etwas und genau so diese Dinge habe ich gemeint, als ich neulich angeprangert habe, daß ZUVIEL (deutscher) Idealismus eher schädlich sei.

Ein Mittelweg wäre vielleicht das Optimale...
Rücksitzpunkich weiss nicht...
findest du, das die lethargie der italiener gut ist?

oder, ganz provokant: hat eine ähnliche lethargie nicht zu hitler geführt?

haut rein! ;)
MenedemosNein. Die deutschen Hysterien haben zu Hitler geführt. Und die Unfähigkeit, ja UnKULTUR, alles ein bißchen lockerer nehmen zu können.

Aber da komme ich schon wieder zu meinem Lieblingsthema, und der Mediziner sagt, man soll sich nicht so aufregen. Außerdem, wenn ich mich aufrege, bewahrheitet sich immer wieder Thomas Manns Satz: "Die mit dem Deutschtum unzufriedenen sind zumeist die Deutschesten aller Deutschen."

Also deshalb, auf deine Frage zurück:
Nein, natürlich finde ich die Lethargie der Italiener in dem Sinn nicht gut. Ich sage ja, ein Mittelweg wäre wohl das beste (der dann wohl irgendwo am Alpenhauptkamm zu finden sein müßte...;) )

Die Italiener sollten noch mehr Derrick anschauen (was sie ohnehin schon tun), und die Deutschen gelegentlich ohne Reiseführung durch Süditalien reisen (daheim Tiefkühlpizza futtern bringt nichts!)

Aber im Ernst: Ich halte es für eine Art Kultur, trotz mancher Widrigkeiten dem Leben positive Seiten abgewinnen zu können. Diese Kultur fehlt hierzulande - oder hat zumindest in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gefehlt. Eine Stunde am Postschalter zu stehen und trotzdem nicht auszuflippen und gegenüber anderen Menschen nicht aggressiv zu werden. Und es ist ja bekannt, Aggressionen pflanzen sich dominoartig fort...
Deshalb wird ein Berlusconi auch nie zu einem Hitler werden. Weil dieses Aggressionspotential nicht durchs Land wabert.
Und in Vertrauen darauf können sie wiederum auch gelassener sein.
Es ist hier wie dort ein Kreislauf.

Das mag vielleicht jetzt alles ein bißchen verwirrend klingen. Ich denke, ich werde meine Überlegungen diesbezüglich mal separat ausführlich darstellen, wenn ich einmal Zeit habe.
SchwarzePest[QUOTE][i]Original geschrieben von Menedemos [/i]
[B]
Deshalb wird ein Berlusconi auch nie zu einem Hitler werden. Weil dieses Aggressionspotential nicht durchs Land wabert.
. [/B][/QUOTE]

Hust!
Duce?
Auch wenn man heute etwas anderes erzählt bekommt.
Der Faschismus ist nicht gerade eine deutsche Erfindung.
CamouflageHallo,

ich habe zwar gestern schon versucht, etwas zu diesem geistreichen Thread beizutragen, aber irgendwie bin ich dann auf die falsche Taste gekommen usw.....

Ja, ich versuche noch einmal die ganze Stimmung einwirken zu lassen. Okay, ich glaube, ich bekomme es noch einmal auf die Reihe.

Also, wir haben in Italien jetzt gesehen, dass es durchaus möglich ist, als Mann der Wirtschaft, der Medien und der zwielichten Kontakte zur rechten Seite der Politik, Karriere zu machen. Erinnert irgendwie an Hitler. Der hatte zwar keine Knete, aber Industrielle, die sie ihm willig bereitgestellt haben, für spätere Aufträge, versteht sich. Stellt sich mir gleich wieder die Frage, wie berechnend eigentlich so ein Konzern in puncto Politik sein kann. Anscheinend hat man da nicht nur ein gutes Näschen für die Geschäfte, sondern auch für die politischen Strukturen...

Ja, wir wollen nicht abschweifen. Berlusconi war schon einmal an der Macht. Seine Forza Italia ist eine Ein-Mann-Partei. Außer ihm, gibt es keine schillernde Persönlichkeit. Nennen wir es eine Diktatur innerhalb einer Partei. Soll uns aber nicht weiter beschäftigen, schließlich hat er sich ja diese Partei selber gebaut und gekauft.

Berlusconi regiert sehr absolutistisch. Er versucht das Parlament mehr und mehr zu entmachten, um eben auch die eigene Haut zu retten. Ich stelle mir nur die Frage, warum er so einen großen Aufhebens macht um die paar Bestechungen usw.? Kann man den Italien nicht von Deutschland lernen? Ein Ehrenwort.

Herr Kohl bietet bestimmt Seminare an...

Ja, wir haben auch die Punkte gelesen, in denen die Italiener etwas als lethargisch beschrieben werden. Ich persönlich hege manchmal Zweifel daran, ob diese Nation wirklich geeint ist. Wir haben das Problem, dass der Süden und der Norden nicht viel füreinander übrig haben. Ein Kandidat muss also die Armut in Italien bekämpfen, den Reichen aber die Pfründe belassen. Was soll er machen? In diesen Zeiten schmieren wir uns eben etwas stinkende rechte Schmiere auf's Brot und schieben die gravierenden, inländischen Konflikte auf die Randgruppen und die, die es noch werden wollen.

Weiterhin sehen wir in Italiens Parlament noch immer die Faschisten und die Kommunisten. Beides keine Staatsformen der grenzenlosen Freiheiten. Die einen wollen die Macht für's Volk (für sich selber), die anderen wollen eine Reinigung der Menschen und dann eben auch die Macht für's Volk (genau......).

In diesem Zusammenhang interessiert mich mehr und mehr die These, dass es den rechten und faschistischen Traum wohl immer geben wird. Nicht nur in Italien, Spanien, Deutschland war es eine interessante Option für die Menschen, nein auch in England gab es die schwarzen Hemden. Die Wiege liegt in Italien, kein Zweifel.

Man hat dort eben etwas gegen zu viel Macht im Parlament. So haben wir doch zig Regierungen in Italien schon gehabt. Viele sind an Kleinigkeiten gescheitert. Die größte Kleinigkeit aber ist das Vielparteiensystem, was es sicherlich sehr erschweren dürfte, gute Koalitionen zu schaffen. Das Weimarer System hatte damit auch die bekannten Probleme.

Italien muss einiges lernen. Föderalismus, Trennung von Amt und Privatwirtschaft, Unantastbarkeit der Justiz.

Etwas weniger dolce vita und etwas mehr Ernst und Sachlichkeit wären angebracht. Natürlich nicht so bierernst wie hierzulande. Jeder nach seinem Geschmack.

Es wäre wirklich angebracht, denn wir haben wieder Strömungen in vielen Ländern, die das rechte Denken für ihre menschlichen Gelüste (Macht, Geld, Beachtung) missbrauchen werden.

Camou
Rücksitzpunkund mit genügend einfluss, sei es durch geld, fussballclubs, tv-präsenz, kann man fast alles vertreten.

und die gallionsfiguren, seien es berlusconi, haider, fortuyn, haben alle die möglichkeit gehabt, sich einer breiten öffentlichkeit zu präsentieren.
und in zeiten, in denen dieter bohlen wichtiger als 200 tote auf bali ist, finden sie auch genügend geneigte zuhörer.

aber berlusconi ist wirklich schamlos...
MenedemosIch bin mir nach wie vor nicht sicher, ob man Hitler und Berlusconi miteinander vergleichen kann.
Hitler war ja irgendwie ein fanatischer Idealist (wenn auch seine Ideale äußerst fragwürdig waren), während Berlusconi - wie viele Italiener - gar keine Ideale zu haben scheint. Er kämpft nur für seine eigenen Ziele und Interessen.
Das macht ihn zweifellos nicht sympathischer, aber doch "harmloser". Wenn ich Berlusconi mit wem vergleichen wollte, dann fiele mir eher Caesar ein. Oder lateinamerikanische Diktatoren.
Rücksitzpunkja, du hast recht...
berlusconi benutzt den nationalismus für sich...

ein zerrbild eines politikers... dem egal ist, warum er gewählt wurde...
Katzenschattenund nun vor Gericht, nur nicht für seine Regierungsarbeit.
Catweazle[QUOTE][i]Original geschrieben von Rücksitzpunk [/i]
[B]und mit genügend einfluss, sei es durch geld, fussballclubs, tv-präsenz, kann man fast alles vertreten.

und die gallionsfiguren, seien es berlusconi, haider, fortuyn, haben alle die möglichkeit gehabt, sich einer breiten öffentlichkeit zu präsentieren.
und in zeiten, in denen dieter bohlen wichtiger als 200 tote auf bali ist, finden sie auch genügend geneigte zuhörer.

aber berlusconi ist wirklich schamlos... [/B][/QUOTE]

1. Geil! RSP ist wieder da!;)


2. Jetzt müsste man halt nur noch N'drangheta und sonstige Mafiakontakte offenlegen.......
Tapio Bearking[QUOTE][i]Original geschrieben von Catweazle [/i]
[B]1. Geil! RSP ist wieder da!;)
[/B][/QUOTE]

*hüstel*
Der Post ist 10 Jahre alt...
hagzissa13[QUOTE][i]Original geschrieben von Tapio Bearking [/i]
[B]*hüstel*
Der Post ist 10 Jahre alt... [/B][/QUOTE]

:D
KatzenschattenNun möchte Berlusconi mit einem Misstrauensvotum die gegen den Sparkurs der Monti-Regierung demonstrierenden Menschen auf den Straßen auf seine Seite bringen. Ich glaube allerdings nicht, dass dies gelingen wird.
RoterAdler"Bella Figura" ist durchaus etwas angenehmes, aber gerade bei Mittelitaliern kann es zur Obsession werden, d.h. dass der Sinn für die Realität vor lauter Grimassenschneiderei darunter leidet...
Die Welschtiroler san anders. Reeler und realer.
pulSar[QUOTE][i]Original geschrieben von hagzissa13 [/i]
[B]:D [/B][/QUOTE]

:-)
tjaja. Manchmal hallen hier Echos jahrzehntelang durch die finsteren Gefilde.


Immerhin : Berlusconi in seiner Art hätte man erfinden müssen, wenn es ihn nicht gäbe. Er hat schon Maßstäbe gesetzt. Gut - keine sonderlich feierlichen aber immerhin.

[img]http://www.titanic-magazin.de/uploads/pics/Berlusconi-karte.jpg[/img]
Demon17Ich meine in einem Land wo Bilanzfälschung erlaubt ist und Betrug nach 3 Monaten verjährt wundert man sich ja sowieso, dass es noch Gerichte gibt. Italien steht echt am Scheidepunkt und wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass eine intensivere Integration der EU eine erhebliche Ausweitung der europäischen Kontrollmechanismen erfordert. Doch hierzu müssen erstmal einheitliche Gesetze geschaffen werden.
Hugin & MuninIch bin mit nicht ganz sicher, ob ausgerechnet die EU als Kontrollinstanz gegen Betrug und Korruption taugt...
Demon17Da ist allerdings was dran, jedenfalls müssten ertmal die Gesetze vereinheitlicht werden.Europa ist wie eine Landschaft aus vielen kleinen Tümpeln, in denen im Trüben gefischt wird. Ich hoffe da auf eine reinigende Strömung, wenn alles zusammenfließt. Aber da sollte man nichts überstürzen.

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