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  Forum: Filmpalast
    Thema: Engel des Universums
NachzehrerAus aktuellem Anlass ( eigentlich viel zu kurzfristig ) wollte ich mal kurz darauf hinweisen , dass heute um 23 Uhr 10 auf ARD " Engel des Universums " läuft . Ich hab den Film vor ein paar Monaten schon gesehen und kann nur sagen bzw. eher schreiben , dass sich niemand diesen Film entgehen lassen sollte .... ist natürlich geschmackssache , der Streifen ist meines Wissens sogar der erfolgreichste isländische Film aller Zeiten )

[url]http://www.artechock.de/arte/text/kritik/e/endeu1.htm[/url]


Gibt´s übrigens auch ein Buch von :

( Neue Zürcher Zeitung )

Im Hochhaus der Einsamkeit

Einar Már Gudmundssons Roman «Engel des Universums»

Von Andrea Köhler

Engel sind, spätestens seit Wim Wenders den Himmel über Berlin mit Bruno Ganz und anderen Götterboten bevölkerte, aus unseren himmelwärts zielenden Kommunikationssystemen nicht mehr wegzudenken; nicht selten schrammt die Renaissance der geflügelten Wesen in Buch und Film dabei freilich haarscharf am Kitsch vorbei. Wir lieben sie, unsre gefiederten oder gefallenen Halbbrüder, auch deshalb, weil sie das Triviale und das Mystische so innig amalgamieren – und dem Wunsch nach Geborgenheit auf der Schwelle ins Nichts Trost und Gestalt anbieten. Halb Mensch und halb Gott, halb Vogel, halb Sphärengeburt, ist der Engel der träumende Schatten unserer irdischen Existenz, und noch in jeder Kindheit hat ein guter Geist den Schlaf und den Augenblick vor dem bösen Erwachen beschützt.

«Ich habe unter dem Vollmond gelebt, bin über Himmelsgewölbe gereist und durch den Abgrund», sagt Einar Már Gudmundssons «Engel des Universums». Der Mann hat eine lyrische Ader, er ist irre und – er ist tot. Aber er spricht, er redet in hochpoetischen Bildern. Ein Toter, der redet, wie Engel und Narren reden und Shakespeare geschrieben hat. «Leben ist nur ein wandelnd Schattenbild», sagt er, «ein Märchen ist's, erzählt von einem Blöden, voller Klang und Wut, das nichts bedeutet.» Er sagt: «Ich verstehe die Wirklichkeit ebensowenig wie sie mich.»

Der isländische Autor Einar Már Gudmundsson erzählt eine Geschichte von jenseits des Grabes und aus dem Innern des Wahns. Es ist die Geschichte seines kranken Bruders und der Bericht aus einer spiegelverkehrten Welt. Hier herrschen die Gesetze der medikamentös verabreichten Schwerkraft, die Beleuchtung ist wie in Träumen, und die Gesichter sind still, mit Augen, «wie wenn Verstorbene im Traum erscheinen». Da ist die Welt ein winziges Schiffchen und Gott ein Vogeljunges in einem verlassenen Ruderhaus. So traurig ist alles, wie nur der Norden mit seinem ewigen «Mittwinterdunkel» sein kann, und zugleich ist das Buch voller komischer Episoden.

Gudmundssons Krankengeschichte ist nämlich auch ein Schelmenroman, gespickt mit Märchen- und Fabelmotiven und dem Witz einer höheren Kindervernunft. Und doch wird «die Kälte, die man Gesellschaft nennt», ganz anders sichtbar als in solchen abgedroschenen Formulierungen. Sie gefriert «in dem leeren Raum», der um den Kranken entsteht und den das Buch nicht ausfüllt, aber durchkreuzt. Der Abstand zwischen dem Boden der Normalität und dem «Hochhaus der Einsamkeit» ist die Fallhöhe, in der die Engel zu Hause sind.

Gudmundsson erzählt in der Ichform, er erzählt in chronologischen Sprüngen, die Lebensgeschichte umfasst die Spanne vor der Geburt bis nach dem Tod. Die Wahl dieser Perspektive ist kühn, genauer: sie stimmt hinten und vorne nicht. «The I in the book cannot die in the book», sagt Nabokov. Die Sprache der Toten müsste erst noch erfunden werden. Es müsste die Sprache der Engel sein.

So redet ein Toter, der zwischendurch wie ein Lebender und ein Blöder, der wie ein Normaler spricht: «Ich bin ganz mit Farbe verschmiert, grün und blau an den Fingern, aber nichtsdestoweniger davon überzeugt, dass ich die Reinkarnation Vincent van Goghs bin», sagt Pall, der Irre, als buchstabiere er seine eigene Krankenakte. Die Grenze zum Wahnsinn, scheint es, ist nicht überschreitbar, sowenig wie die zum Tod – bei Gudmundsson zeigt sich das in der unüberbrückbaren Kluft zwischen dem Ich und seinem Erzähler. «Der Verrückte sagt, er sei schon begraben. Jeden Sonntag geht er auf den Friedhof und stellt sich Blumen aufs Grab.» Doch der Verrückte sagt nicht, dass er verrückt, und er sagt nicht, dass er die Reinkarnation Vincent van Goghs sei.

«Engel des Universums» ist ein seltsames Buch, ein Zwitter aus poetischem Wahnwitz und psychologischen Platitüden. Gudmundsson versucht das Unmögliche: in das Andere der Vernunft einzudringen und zugleich die Abwehr dagegen begreiflich zu machen. Die Perspektive kommt sich selbst ins Gehege – als fürchte der Erzähler die Ansteckung. Darum stimmt am Ende nichts an dem Buch. Und doch hat einen etwas berührt und erreicht: die Zerreissprobe selbst.

Es gibt in dem Roman einen verrückten Maler, von dem es heisst, sein bedingungsloser Realismus bringe es mit sich, dass er die Fliege noch male, die ihn bei der Arbeit umschwirrt. Von solcher Genauigkeit, die ins Besessene kippt, ist das Buch in seinen lyrischen Bildern bestimmt. Es sind diese Bilder, die zeigen, wie nahe Wahn und Kunst beieinander wohnen. Auf der Schwelle wachen die Engel des Universums.



[IMG]http://www.kinopolis.de/filminfo/e/img/engeldesuniversumsplakat.jpg[/IMG]
NoXaMach mensch, hätte ich es gewusst, hätte ich ihn mir angeschaut. da läuft doch ab und zu etwas interessantes im fernsehen.

werde mir aber das buch zulegen und es lesen.

trotzdem ist es schön, auf solche interessanten geschichten zu stoßen

noxam

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