| Viking | Nach dem Ansehen diverser Filme aus US-amerikanischer Produktion über das Osterwochenende und danach ist mir schmerzhaft aufgefallen, daß sich ein bestimmtes Stilmittel zur Vermittlung tiefgreifender Gedanken in fast jedem dieser Machwerke wiederholt: der "Hör zu"-Pathos ! Dies hochsubtile Gedankenverteilung auf Mitprotagonisten und Publikum erfolgt so: der vermittelnde Charakter setzt in der Pathosszene eine gefühlsschwere Mine auf, blickt dem Gegenüber, an das die Botschaft eigentlich gerichtet ist, mehr oder weniger tief in die Augen und sagt (mit fester oder ziternder Stimme, je nach Botschaft): "Hör zu, ..." und die Botschaft folgt. Schreiben US-Drehbuchauthoren alle voneinander ab? Die Vermutung ist, nach der Häufigkeit dieses Schlüsselsatzes (im Original "Listen, ..."), nicht von der Hand zu weisen, man könnte sogar meinen, das "Hör zu" sei ein aus der Literatur entnommenes Stilmittel zur Verdeutlichung, da es ja auch einen Arsch voll Filme historischer Themengebung giebt, in denen Nassäugige Helden/ -innen das Ding runterseiern. Tatsächlich ist der Satzanfang zu 97% auf Filme in original englischer Sprache beschränkt, denn in romanischen Sprachen wird wichtiges meist einfach gesagt, ohne das darauf hingewiesen wird, daß jetzt was folgt...und die slawischen, germanischen und finno-ugrischen Sprachen sind ebenfalls im Normalfall sehr sparsam mit dem Imperativ(was darüber hinausgeht, entzieht sich meiner Kenntnis). Also warum wird so ausschweifender Gebrauch davon in US-Filmen gemacht? Als zusätzliche Dramaturgie mit einfachstem Mittel vielleicht? Naja, bedenkt man die turmhohen Explosionen, Massen von teuer gekleideten Komparsen und Tonnen zerschroteter Luxusautomobile wirkt ein "Hör zu" mit anschließender Pathosbotschaft auf mich irgendwie- einfallslos- wie der Großteil filmischer US-Unterhaltung. Hört zu: achtet einfach mal beim Fernsehen oder Kinobesuch darauf! |