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  Forum: Filmpalast
    Thema: Elefant!
RLX-Devlinhey,

Schon jemand den Film gesehen? Soll ja anscheinend soooo gut sein!

mfg Dev
talenavon Gus van Sant? Hab auch nur viel gutes darüber gehört und ich will ihn mir auch anschauen.
InnominataHabe den Film schon gesehen. Er ist anders gedreht als üblich. Die Kamera trottet die ganze Zeit hinter verschiedenen Schülern her und manche Szene sieht man 2-3 Mal, weil die Kamera dann hinter einem Schüler her ist, der jemanden trifft hinter dem die Kamera vorher war. Man sieht also die gleiche Szene aus verschiedenen Perspektiven.
Es gibt keine langen Dialoge, ab und zu sagt man sich "hallo", die meiste Zeit beobachtet man irgendwelche Schüler z.B. beim Bücher sortieren oder still für sich in einer Kammer arbeiten und plötzlich sieht man die zwei Amokläufer kommen.
Also meine Kollegin fand den Film furchtbar langweilig, ich war aber die ganze Zeit fast etwas nervös. Es kommt einfach alles so "normal" rüber und man weiss die ganze Zeit, dass gleich etwas Schlimmes geschehen wird.

Im Allgemeinen ist der Film sehr schwermütig, vielleicht heisst er deswegen Elephant.

Wenn euch dieses Thema interessiert und ihr einen Film sehen wollt, der halt mal "anders" ist, dann schaut ihn euch an.
Fuck up Evil10 / 10
absolut sehenswert !
atra_umbra...wie gemein!

Hier läuft der Film erst ab Ende Mai! Werde ihn mir aber auf alle Fälle ansehen!

atra_umbra
MontroseHabe den Film gestern auch gesehen.

Das ist Kino für Spezialisten - mit Action und Dialoge ist da nicht viel.

Die "Erzählstruktur" hat klassische Elemente: Die Aufnahmen des Wolkenhimmels erinnern an Büchners Lenz. Einheit der Zeit und des Raumes, wie bei den alten griechischen Tragödien. Ich hab diese Korrektheit so verstanden, daß die schulische Darstellung der Schule den Betrachter stärker in diese Welt hineinziehen soll.

Die Kameraführung ist reichlich experimentell. Lange Passagen, in denen nur die jeweilige Hauptperson scharf ist und alles andere verschwommen. Ich würde da gar nicht so sehr, wie andere Kritiker, von Vereinsamung sprechen. Diese Kameraführung macht nach meinem Empfinden vielmehr deutlich, daß es sich bei den Schülerinnen und Schüler um eigenständige Personen handelt. Man sieht ja bei den jungen schon den alten Erwachsenen - wie sie einmal sein würden, wenn nicht ...

Der Film lehnt eine simple psychologische Erklärung der Art "Problem -> Gewalt" ab. Dies zeigt sich daran, daß andere Schüler mit Problemen nicht zu Tätern werden. Auch bei den Vorbereitungen zum Amoklauf werden verschiedene Erklärungsmöglichkeiten gestreift (leicht verfügbare Waffen, Killerspiele, rechte Ideologie, Satanismus: siehe Teufelsfratze im Auto), aber der Film legt sich nicht fest.

Den Amoklauf fand ich überzeugend dargestellt. Die Körperhaltung der beiden, ihre aktuelle Intention und die Eigendynamik in der Situation. Da passiert etwas Unbegreifliches, von dem man aber nicht sagen könnte, es wäre unglaubwürdig. So könnte es gewesen sein. Der Film wirkt nach.
Aviculariahabe ihn auch gesehen. Fand ihn etwas schwer, aber nicht schlecht. Durchaus sehenwert, nur eben ein etwas "anderer" Film Nur das der schon ab 12 frei gegegeben ist, verstand ich nicht ganz.

Der Filmtitel ELEPHANT bezieht sich auf eine buddhistische Parabel aus dem 2. Jahrhundert v. Chr.: Verschiedene Blinde ertasten einen Elefanten. Einer das Ohr, einer das Bein, den Rüssel, den Stosszahn. Jeder ist überzeugt das wahre Wesen des Tieres auf der Grundlage der eigenen Sinneswahrnehmung zu verstehen: Für den einen gleicht es einem Fächer, einem Baum, beziehungsweise einem Seil oder einem Speer – doch keiner erkennt das Tier als Ganzes. Auf dieser Parabel baute Gus Van Sant das Konzept zu seinem Spielfilm auf, für ihn die einzige angemessene Weise, sich dem Thema der Schülermassaker zu nähern.
(Quelle: Donauflimmern)
Clytie//Den Amoklauf fand ich überzeugend dargestellt.//

Ich fand, das war gar kein Amoklauf - zu Amokläufern hätten die meisten der anderen SchülerInnen werden können, wenn man sich ein bisschen in sie hineinversetzt, denn sie hatten Gründe dazu, genau wie der eigentliche Täter: Sie waren jeder für sich (von wenigen Ausnahmen abgesehen) in einer für sie sehr belastenden Lage: für den betrunkenen Vater sorgen müssen, also den eigenen Vater "bemuttern", oder sich trotz deutlicher Anzeichen von körperlichen Misshandlungen bzw. Missbrauchs der schützenden langen Kleidung entledigen und in Shorts turnen müssen...

Alle der gezeigten Schüler zeigten Merkmale von möglichen Tätern: Schüchternheit, Verhuschtsein, Außenseiterposition, familiäre Probleme,... Und doch ist der Täter einer, der NICHT aus einem kaputten Elternhaus kommt, sondern aus einem, wie es wohl viele haben, in dem er halt wenig beachtet wird. Er ist NICHT dumm, ja nicht einmal von vornherein unsympathisch - er kennt Shakespeare, den er beim Marsch durch die Schule zitiert, und spielt Beethoven - der, der eine kaputte Familie hat, ist der, der in Fürsorge und verantwortungsbewusstsein am meisten geschult ist.

Was der Täter jedoch durchzieht, ist kein Amoklauf, sondern eine genau durchgeplante Umsetzung eines Computerspiels. Soweit ich weiß, knallt bei einem Amokläufer irgendwann die Sicherung durch, er beschafft sich eine (Schuss-)Waffe und geht erst auf andere los und dann auf sich selbst.
Was hier passiert, ist kein Kurzschluss. Im Gegenteil, hier planen ZWEI Täter einen großen Coup, bei dem sich vor allem der eine an all denen rächen will, die ihn gehänselt haben. Sie spielen das nach, was sie per PC-Spiel bereits -zigmal durchexerziert haben, und zwar u.a. auch auf der Jagd nach dem ultimativen Kick: Als der Plan nicht hundertprozentig so verläuft wie geplant (die intendierte Panik in einem der Flügel des Gebäudes bleibt aus) wird der Haupttäter nervös und knallt schließlich seinen Komplizen ab - einfach so, damit wenigstens noch ein bisschen was an Spaß und Spannung für ihn rüberkommt.

Was mir nach dem Film im Kopf herumging war das Wort BELANGLOS. Nicht der Film selbst, sondern der Wert von Leben - es werden verschiedene Leute vorgestellt, die man aufgrund der Kameraführung lange zu beobachten gezwungen ist, und man beginnt Sympathien und Antipathien zu entwickeln - keine starken möglicherweise, aber immerhin Ansätze davon. Und dann kommt einfach irgendwer daher und jagt denen eine Kugel in den Kopf, ohne dass sie etwas getan haben. Einfach so. Egal, dass der eine gut fotografieren konnte, oder dass die andere gerade vielleicht überlegt hat, wie sie sich vor dem Sportuntericht drücken kann, oder dass das eine Pärchen sich gerade über belanglosen Kram unterhält.

Die in einem Beitrag hier mokierte Kameraführung fand ich für einen solchen Film eigentlich ziemlich gelungen - was passiert, weiß man sowieso, man muss es nicht in allen Einzelheiten sehen. Wichtig ist ja nicht das, was passiert, sondern wie es passiert - eiskalt, ohne große Gefühlsregung, von Leuten, die man so auf der Straße treffen könnte. Die Leute abknallen, wie andere im Supermarkt ein Glas Senf in ihren Einkaufswagen packen oder den Müll wegbringen. Sie werden scharf gezeigt, weil sie der wichtige Teil des Films sind, und nicht das,was sie tun.

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