| Kimrah | antihelden schön und gut, aber was in dieser serie gezeigt wird geht echt zu weit. mir ist richtig schlecht geworden, als ich die erste folge gesehen habe (und ich bin, was medien angeht, einiges gewohnt. ich mag splatter- und ballerfilme durchaus... hab zumindest kein problem damit). da wird korruption, willkür und folter als annehmbere massnahme dargestellt, der held ist ein bulle wie ihn keiner wirklich will. er könnte auch aufseher in guantanamo sein statt cop in la. ich denke, eine solche serie leistet nur argumenten vorschub, wie man sie in letzter zeit allzu oft hört :"folter ist ok, wenn dadurch leben gerettet werden. täter haben keine rechte. das leben von dealern ist nichts wert. usw.." wenn solch einstellungen als gesellschaftsfähig angesehen werden, dauert es nicht mehr lange, bis wir tatsächlich zurück in die barbarei fallen (siehe hexenverfolgung u. ä.) meine frage nun an euch: geht es nur mir so, bin ich vielleicht zu sensibel? oder ist sonst noch jemand der meinung, daß die aussage dieser serie zu weit geht? |
| Phönix | Ich kenn die Serie leider nicht, aber was Du da sagst hört sich schon ziemlich rewaktionär an. Ich denke, dass die Medien unser denken mehr beinflussen, als wir glauben. Z.B. kennen wir aus Actionfilmen die Helden, die ihre Gegner immer (auf ich gebe zu, manchmal recht amüsante Weise) töten - aber wir akzeptieren das, und wenn wir den nächsten Film sehen fragt keiner mehr, ob die nicht noch mal in Ruhe darüber reden könnten. Man kann außerdem mit den Ängsten der Bevölkerung prima arbeiten: bei den verschärften Sicherheitsmaßnahmen nach den Terroranschlägen hat keiner gesagt: "Hey, dass schränkt meine persönliche Freiheit ein", jeder wollte es so, weil wir arme Amerikaner in den Nachrichten gesehen haben, die jammerten "ooohh, unsere Türme sind kaputt gemacht worden." (natürlich habe ich Mitleid für die einzelnen Betroffenen), und zum Schluss möchte ich noch mal eine Aussage aus ironischer weise einem Actionfilm hier Anbringen: Wer die Medien kontrolliert, kontrolliert die ganze Welt. Es kann also gefährlich sein, was wir im Fernsehen aussenden, andererseits können wir es nur selten kontrollieren. |
| Zaphot | naja, ich möchte da mal dazwichenwerfen dass nciht alle Medien gleich sind, es gibt durchaus auch "Schwarze Schafe" die noch gutes und anspruchsvolles Programm bringen, wenn auch die Zuschauerschaft leider immer mehr abnimmt.... |
| Phönix | Ja, es gibt auch noch seriöse Medien, und ich denke dass es in diesem Land auch noch genug Menschen gibt, die differenziert denken können, wenn es darauf ankommt, aber leider ist in Deutschland die Bild immernoch die Zeitung mit der höchsten Auflage - und das liegt nicht daran, dass die Bild so gut wäre oder die anderen Zeitungen so schlecht, aber die breite Masse [I]will[/I] ja diese Art von Medien. Darin liegt doch eigentlich das Problem. Wenn die Polizeiserie keiner sehen will, wird se halt abgesetzt. Ich bin mir nicht sicher, aber es muss einen menschklichen Hang zur Verdummung geben, anders kann ich mir nicht erklären, warum jetzt die was-weiß-ich-wievielte Staffel von Big Brother läuft. |
| Zaphot | vielleicht ist es eine Kombination von natürlichem Fluss der Masse (Trägheit) und Manipulation. Was früher Brot und Spiele war, nennt sich heute Tittytainment (tits and entertainment), also Mc Donnalds und Big Brother, oder besser, fast food für den Bauch und fürs Gehirn. Man läuft schnell gefahr, hier eine Verschwörung der Mächtgen zu wittern, denn willkommen ist jedes Mittel, das die Massen davon abbringt, sich für Politik zu interessieren und den Politikern, oder besser den Konzernbossen auf die Finger zu schauen. Allerdings glaube ich, dass die Mächtigen nur die existeierenden Strukturen verwenden, aber für deren Existenz sind wir selber verantwortlich. |
| Kimrah | @ phönix : das ding läuft dienstag abend auf pro7. schau mal rein. das medien- und gewatthema und die damit einhergehende desensibilisierung der masse gegenüber solchen sachen ist eine schon oft geführte disskusion, der thread soll sich damit eigentlich nur am rande beschäftigen. bis jetzt fand ich, hat sich das deutsche fernsehen im großen und ganzen in dieser richtung immer recht gut verhalten. was mir aufstößt, ist, daß die serie einen völlig realen hintergrund hat (nicht wie die meisten brutalen actionfilme oder -serien, deren setting doch teilweise sehr von der wirklichkeit abweicht; z.b. sind weder rambo noch die hauptfigur aus alias tatsächlich vorstellbare charaktere). dieser cop ist allerdings sehr echt, er tut die dinge, von den in den nachrichten berichtet wird (siehe anfangsposting), wird aber nicht zur rechenschaft gezogen. stattdessen gibt die serie diesem tun eine absolution und rechtfertigt menschenverachtende praktiken. meiner meinung nach wird hir eine völlig neue dimension in richtung medialer gewalt geöffnet. |
| Phönix | Ich werd's mir auf jeden Fall mal anschauen. Meld mich dann wieder wenn ich besser bescheid weiß;) |
| demelza | [QUOTE][i]Original geschrieben von Kimrah [/i] [B]@ phönix : das ding läuft dienstag abend auf pro7. schau mal rein. was mir aufstößt, ist, daß die serie einen völlig realen hintergrund hat (nicht wie die meisten brutalen actionfilme oder -serien, deren setting doch teilweise sehr von der wirklichkeit abweicht; z.b. sind weder rambo noch die hauptfigur aus alias tatsächlich vorstellbare charaktere). dieser cop ist allerdings sehr echt, er tut die dinge, von den in den nachrichten berichtet wird (siehe anfangsposting), wird aber nicht zur rechenschaft gezogen. [/B][/QUOTE] ja, da muß ich dir recht geben - habe die voranzeige auf pro7 gesehen ("dieser typ verfolgt seine eigenen gesetze") und mir dann die erste folge angetan - und ich muß leider sagen, meine negativen erwartungen wurden erfüllt. jemand, der für sein eigenmächtiges, menschenverachtendes vorgehen nicht einmal von seinem vorgesetzten oder höheren chargen zur rechenschaft gezogen wird - leider gibt es hierzulande leute, die diesen typ auch noch gut finden. man lese nur die vielen beiträge von lesern in den zeitungen, die z.b. einen polizeipräsidenten beglückwünschen, der einem straftäter "ein bißchen folter" androht, damit dieser das versteck des entführten und getöteten kindes preisgibt. er wollte das kind retten (was er vermutlich gar nicht konnte, weil das kind zu diesem zeitpunkt schon tot war) er wußte, was er tat, und war bereit, die konsequenzen dafür zu tragen - die geneigte leserschaft jedoch findet, er gehöre nicht vor gericht gestellt, sondern belohnt für sein vorbildliches vorgehen und wenn leute ihre bedenken und ihren unmut zu dieser ganzen geschichte öffentlich äußern, werden sie verbal niedergemacht oder ins lächerliche gezogen da frage ich mich, ob wir nicht schon längst auf dem weg in die Barbarei (wie vorher schon hier gesagt) oder ins Mittelalter sind. |
| Kimrah | [QUOTE][i]Original geschrieben von demelza [/i] [B]z.b. einen polizeipräsidenten beglückwünschen, der einem straftäter "ein bißchen folter" androht, damit dieser das versteck des entführten und getöteten kindes preisgibt. er wollte das kind retten (was er vermutlich gar nicht konnte, weil das kind zu diesem zeitpunkt schon tot war) er wußte, was er tat, und war bereit, die konsequenzen dafür zu tragen - die geneigte leserschaft jedoch findet, er gehöre nicht vor gericht gestellt, sondern belohnt für sein vorbildliches vorgehen und wenn leute ihre bedenken und ihren unmut zu dieser ganzen geschichte öffentlich äußern, werden sie verbal niedergemacht oder ins lächerliche gezogen [/B][/QUOTE] *eifrig nickt und zustimmt* gnau daß habe ich gemeint und es ist wohl auch der grund dafür, daß ich wirklich einen gelinden hass auf die serie, ihre macher und v.a. die programmverantwortlichen von pro7 entwickelt habe... und das schon nach der ersten folge. normalerweise bin ich in der kritik von film und fernsehen eher sehr großzügig, gerade wenn es um fiktion geht (schließlich ist es "nur" unterhaltung). aber irgenwie hat diese story eine grenze überschritten, die ich nicht so ohne weiteres definieren kann. aber ich hab mich auch seltsam an diese ganze folterdiskussion vom letzten jahr errinnert gefühlt. |