German Gothic Board
 
Boardansicht: Klick HIER und betrachte das Thema mit allen Funktionen direkt im Board.

 
  Forum: Filmpalast
    Thema: Natural Born Killers
WaechterinEine Frau fand in der Wüste eine schwerverletzte Giftschlange. Sie nahm sie mit nach Hause und pflegte sie gesund.
Eines Tages biß die Schlange die Frau. Sterbend fragte die Frau, warum sie dies getan habe. Die Schlange antwortete
daraufhin, daß sie um ihre Natur gewußt und sie dennoch gepflegt habe."

Eine kleine Information zum Film aus dem diese kleine Gleichung stammt:

Der Film erzählt die Geschichte eines Gangsterpärchens, das mordend durch die Gegend zieht und bei den Massakern immer ein Opfer am Leben lässt, damit es die Geschichte erzählen kann. Teilweise wird in Rückblenden, die Jugend der Frau erzählt. Im Großen und Ganzen bewegt sich der Film aber in der Gegenwart und schildert - so ganz nebenbei - den Umgang der Medien mit diesen Massenmördern. Die Massenmörder werden hochstilisiert und die Opfer vergessen.

"Natural Born Killers" ist nichts für zartbesaitete Naturen. Der Film ist unglaublich brutal und anomal in seinen Gewaltdarstellungen.

Es gibt sicherlich viele Leute, die den Film für etwas ganz tolles halten. Handwerklich gesehen ist der Film gut. Die Kameraführung ist gewinnend. Die Musik passt gut in die Atmosphäre. Der Film geht mit seiner Kritik an die Gesellschaft keine Kompromiss ein.

Das ich anfänglich das Zitat mit der Schlange anfügte, sollte zeigen, dass manches beinahe nicht zu vermeiden ist. Denn liegt es nicht in unserer Natur den vermeidlich Schwächeren oder Erkrankten zu helfen? Auch ob der Gefahr hin, dass wir wissen, es könnte unser Finale sein?

Diese kleine Allegorie wird in dem Film Natural born Killer von einem Indianer erzählt, der sich durchaus bewusst ist, dass er nichts tun kann, was im Grunde genommen schon passiert ist. Nämlich, dass er am Schluss getötet wird.


:p
Demon17Der Film hat Dich ja schwer beeindruckt. Aber wo ist jetzt die philosophische Fragestellung? Die Verherrlichung des Mordens durch die Medien. Der moralische Aspekt bei der Hilfe für "natural born killers" wie der Schlange? Oder die Akzeptanz des Schicksals nämlich seines Todes durch den Indianer?

[COLOR=crimson]think twice its magic[/COLOR]


demon17
SethurVielleicht soll die Verherrlichung der Gewalt in diesem Film auch abstoßend wirken...

Sethur
PsychoDas Thema gehört wohl eher in den Filmpalast.

Aber nun zum Thema(?): Der Film ist wirklich genial und ich halte ihn auch nicht für gewaltverherlichend. Wenn man hinter das ganze Gemetzel blickt, findet man einen Gesellschaftskritischen Film mit tiefem Sinn. Der Film kann einen echt Nachdenklich machen...
EkrosDer Film ist unbestreitbar ein Meisterwerk. Ich denke auch nicht das er Gewaltverherrlichend ist. Die Gewaltdarstellung ist nicht objektiv dargestellt sondern gleicht eher einer inszenierten Choreographie. Sie wird in der Tat verherrlichend dargestellt und eine Identifizierung der Mörder als "Helden" bleibt nicht aus. Aber genau das ist Teil der Gesellschaftskritik von der dieser Film angefüllt ist. Es ist ja mit das Hauptthema des Films, die Gewaltverherrlichung in den Medien und genau das versucht Oliver Stone auch mit dem Publikum.

Im Film werden etwa in der Mitte Interviews mit "Fans" der Killer gezeigt, die so begeistert von den Mördern sind wie von dem Idol ihrer Lieblingsband. Und eine solche Wirkung wird auch versucht auf den Zuschauer zu übertragen. Daher diese "verherrlichende" Art der Darstellung.

Ein Film der in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken anregt.

Mein Fazit: Der Film ist nicht Gewaltverherrlichend, die Gewaltverherrlichung ist eines der Hauptthemen des Films, seine größte Gesellschaftskritik.
White_FangIch denke die Frau wollte die Schlange häuten um sich ein paar neue Schuhe zu machen. Die arme Schlange handelte in Notwehr.
Fuck up Evil[QUOTE][i]Original geschrieben von Waechterin [/i]
[B] Der Film ist unglaublich brutal und anomal in seinen Gewaltdarstellungen.
[/B][/QUOTE]

Du meinst doch den Film von Oliver Stone , oder ?!

[img]http://images.amazon.com/images/P/B0000542DH.01.LZZZZZZZ.jpg[/img]
raison d'êtreOliver Stone hat aber nur den Film gedreht.
Die eigentliche Story stammt ursprünglich, mensch höre und staune, von einem gewissen Quentin Tarantino.

Nachdem der Film gedreht war, distanzierte sich Tarantino allerdings öffentlich von diesem Werk, da er ihm nach eigener Aussage irgendwie zu heftig sei - was ich nicht ganz nachvollziehen kann, in Anbetracht zu Pulp Fiction und Kill Bill, aber gut.. nicht meine Sache.

Der Film is' auf jeden Fall genial.
Beste Szene: Der Streit in der Wüste, wo NIN gespielt wird.
MontroseDa es sich nicht lohnt, einen eigenen thread daf+r aufzumachen, schreib ich es hier rein.

Oliver Stones "Alexander" auf DVD.

Liest man Plutarchs Alexander-Biographie, so muß man feststellen, daß Stone die besten historischen Ansätze, einen wirklich guten Film zu machen, kaum aufgegriffen hat. Die da wären:

1. War Alexander am Mord an seinem Vater beteiligt? Was Stone mal kurz als "politische Notwendigkeit" darstellt, nämlich der Mord an seiner Stiefmutter, hätte doch einer näheren Beleuchtung bedürft: könnte man jemandem, der einmal mordet, nicht noch mehr zutrauen?

Stone nimmt dieser Frage die Schärfe, indem er alle Mordlust seiner Mutter zuschreibt. Damit verliert die Gestalt Alexanders aber an Wucht.... aus dem berechnenden Mörder wird Mamas Liebling. Man kann sich leicht vorstellen, was dies für einen Film bedeutet: er wird ein leicht-verdaulicher Kinderfilm für Sechsjährige.

Stone begeht denselben Fehler wie Spielberg in seinem Film "München": er zieht sein Thema auf eine private Ebene herab ---bei Spielberg die persönliche Judenmoral jenseits der staatlichen Räson, bei Stone der familiäre Konflikt -----ohne dem Zuschauer überzeugend klarzumachen, daß es eben nicht um das Schicksal des Sachbearbeiters Lohmann in der Knödelhosen-Straße in Unterwolping geht, sondern um Gesellschaftsgestaltung .... um die Wucht, nicht nur sich, sondern Millionen von Menschen zu repräsentieren.

2. Alexander war nicht nur Sohn einer religiösen Eiferin, sondern er war es in viel größerem Maße selbst. Was für ein interessantes Thema: der Führer, der es nur aus Wahnsinn ist. Ein Volk, daß ---und die Gründe herauszuarbeiten wäre allemal spannnend ---- einem Bekloppten folgt. Was für phantastische Möglichkeiten, die großen Fragen der Geschichte inklusive Zeitbezug zu stellen.

Aber auch hier versäumt Stone seine Chance. Der Schauspieler wird seiner Führerrolle überhaupt nicht gerecht. Der "Alexander" in dem Film hat die Ausstrahlung eines Hamburger-Verkäufers bei MacDonalds. Als Führer wirkt er unglaubwürdig.

Daß Stone mit dem Übersinnlich-religiösen nichs anzufangen weiß, bekommt dem Film nicht gut. Der Skandal "Alexander" erschöpft sich in einer laschen Bisexualität, ein bißchen Trunksucht wird auch noch angedeutet. Damit haben wir in etwa die Skandalträchtigkeit eines Versicherungsvertreters, der ab und zu in den Puff geht. Sorry, auch das ist nicht fürstlich-groß, der Alexander in Stones Film ist im Vergleich zu Plutarchs Schilderungen seicht und irrelevant.

Es ist ein Irrtum zu glauben, man löse Überraschung und Skandal durch Schwuchtelei aus. Daß Alexander, Herr der Erde, eine Mischung aus Jähzorn und Schizophrenie war .... das wäre der Skandal gewesen.

3. Der Tod des Alexander durch Pfeilschuß ist Blödsinn. Richtig ist, daß Alexander nach Genuß von Wasser in ein Fieber fiel und nach mehrtägigem Leiden verstarb. Das Schicksal, das im Film seinem Freund zuteil wurde, war eigentlich das Schicksal des realen Alexander.

Auch hier wieder die Chance vertan, den dramatischen Fall eines heldenhaften Lebens in einen unheldenhaften Tod herauszuarbeiten. Gerade daß Alexander nicht in der Schlacht fiel, sondern an etwas anderem starb --- Vergiftung?? Fluch der Götter---- hätte zu ganz anderen Anfragen von Größe und Fall Anlaß gegeben.

4. Klaviermusik als Filmbegleitung eines Filmes über die Antike ....lächerlich. Die musikalische Begleitung des Filmes ist scheußlich.

5. Der Film hatte keine Botschaft. Das ist zwar nicht tragisch ...die besten Filme haben oft keine Botschaft ... wenn der Regisseur diese neue Freiheit auszunutzen weiß. Stone aber läßt ewig lang einen alten Schwachkopf rumlallen, ohne daß klar wird, was er eigentlich sagen will.
Stone will sagen, daß Alexander der erste mit der Idee einer Weltherrschaft war ... und will es auch wieder nicht sagen. Denn ihm und auch dem Zuschauer ist klar, daß es albern ist, erst einen als Eroberer und Gewalttäter und Mamas Liebling, und dann später als Ghandi darzustellen. Ein blutbesudelter Messias.

Stone, um es kurz zu machen, hat überhaupt nichts zu sagen. Im Film wird viel rumgelabert, aber das Gelaber macht keinen Sinn.

Achso, auf der DVD heißt es auch noch "Alexander im Dschungelcamp". Hier wird versucht, einen Querverweis zu Platoon und Vietnam herzustellen. Alexander ein Green Barrett. Aber auch dieser zögerliche Versuch kommt nur plump und ohne Botschaft rüber. Man vermeidet dann auch peinlich berührt, diesen Unsinn weiterzudenken.


Gesamturteil: wenn man bedenkt, daß Stone im SPIEGEL behauptet, er hätte über 11 Jahre über den Film nachgedacht und er sei sein Lebenstraum .... dann bin ich froh, als einfacher Mann auf der Straße spannendere Träume und Phantasien zu haben als dieser mausgraue Durchschnittsregisseur.

Der Film bekommt von mir eine glatte 5. Zeitverschwendung in jeder Hinsicht.
Lucifer_SamOliver Stone scheint mittlerweile ja auf seinem eigenen Planeten zu leben. Hat er doch vor einiger Zeit eine wohlmeinende Doku mit Fidel Castro gedreht - vielleicht auch ein lang gehegter Traum von ihm... :rolleyes:

Aber JFK, Nixon & Natural Born Killers sind klasse Filme...
TrauerwesenNatural Born Killers ist sicherlich einer der von vielen missverstandenste Film überhaupt. Und das, obwohl die Analogie und die Kritik innerhalbdes Films eigentlich extrem offensichtlich ist.

Nunja, ich mag den Film, aber eben auch aufgrund seiner Aussage. Und die beiden Hauptdarsteller Harrelson und Lewis sind ebenfalls überzeugend.

German Gothic Board
 
Boardansicht: Klick HIER und betrachte das Thema mit allen Funktionen direkt im Board.

 

German Gothic Board

Startseite Chat Grüße SchwarzKultur