| Jensemann | Es gibt noch keinen Thread dazu, warum? Einer der wenigen Filme die ich hier auf deutsch kaufen kann. Eigentlich halte ich nicht viel vom deutschen Kino, das war aber mal Klasse. Selten hat mich ein dt. Film so bewegt (außer Stalingrad & Barfuß). Bemerkenswert gut umgesetzt wird dem "War doch nicht so schlimm" Bürger ins Gedächtnis gerufen wie es tatsächlich war und das verschwommene Bild beiseite getrieben. Vielleicht übertreibe ich ein wenig, aber dieser Film sollte Pflicht in deutschen Schulen werden um zu verhindern das - gerade im östlichen Teil - alles durch Verharmlosung in Vergessenheit gerät. Wie auch immer, rein von der schauspielerischen Leistung ist dieses Werk ein Meilenstein des dt. Kinos. Ich freue mich eines besseren meiner Vorurteile belehrt worden zu sein. |
| Rookie | Ich fand den Film auch gut, auch wenn er nur einen Ausschnitt der realen Situation in der ehemaligen DDR zeigt. Die Geschichte passt natürlich nur, wenn man sich vor Augen führt, welche Personen und welches Umfeld darin verwickelt sind. Der brave Normalbürger in der DDR wurde selten so massiv bespitzelt, wie es in dem Film gezeigt wird. Aber es stimmt, das gerade Künstler und die Künstlerszene im Allgemeinen überwacht wurden. |
| Tiberon | Mir kam der Film wie eine halbe Ewigkeit vor und nach etwa einem Drittel war ich drauf und dran, vor Langeweile einzuschlafen; bin aber froh, den äußerst langatmigen Start, ausgehalten zu haben, da sich der Film doch in einem Maße steigert, daß ich nicht für möglich gehalten hätte. Das ganze aber gleich als Schulfilm zu nehmen halte ich für übertrieben - zu sehr merkt man, daß der Film von einem 30-jährigen Münchner kommt - ich zumindest habe die DDR noch nichtmal in Details erahnen können und die Stasi hätte ohne großartige Schwierigkeiten auch durch nahezu beliebig andere Dienste ersetzt werden können. Trotzdem ein sehr gelungener Film, den ich nur weiterempfehlen kann. |
| Trauerwesen | Ich muss sagen, bei mir zog sich der Film weniger, nur der Einstieg sorgte bei mir für manche Probleme. Aber als es dann los ging, fand ich den Film so wunderbar komplex und fesselnd, dass die Zeit schnell rumging. Das Drehbuch ist grossartig, diese Metaebene von wegen guter Mensch usw, das war einfach ganz grosses Kino. Doch auch die Darsteller konnten durchaus überzeugen. Und dann kam die Spannung, dann kam das Gefühl, also ich bin mehr als begeistert gewesen. |
| Jensemann | Von Zeit zu Zeit hatte ich manchmal das Gefühl als wäre das in einem fremden, fernen Land gewesen wenn ich jetzt genauer darüber nachdenke. Habe mir vorgenommen meine Eltern mal zu fragen, ob sie etwas von solchen Dingen mitbekommen haben bei nächster Gelegenheit. |
| Tiberon | Ich fands schön, durch den Film auf einen Fehler nicht nur meines Weltbildes aufmerksam geworden zu sein. [i]"Wer nix zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten"[/i] |
| Jensemann | Willst du sagen was du meinst? |
| Tiberon | Ich meine damit, daß sich viele gegen jegliche Form der Überwachung stellen (Bundestrojaner, Videoüberwachung, ...), zu damals aber sagen, man kam schon irgendwie durch. Wenn ichs mir recht überlege, ist der Widerspruch garnicht so groß, wie ich erst dachte. Wahrscheinlich wehrt man sich gegen all das gerade weil man es schon mal mehr, mal weniger, selbst erlebt hat. |
| Jensemann | Richtig, normalerweise sollte das so sein. Leider übersehen (oder vergessen) diese Leute das was hinter der Überwachung stand. Die Motive der heutigen Überwachung sind schließlich anders gelagert als in der DDR. Für etwas mehr Sicherheit gebe ich meine Freiheit ein Stück weit her (Bsp. Flughäfen, Verkehr, Internet), für staatspolitischen Egoismus keine Handbreit. Das ist in dem Film doch auch ganz gut gelungen, den Zusammenhang zwischen Planern und Ausführern aufzuzeigen. |
| Tiberon | Nun, im Film wurde, so interpretiere ich das, die Überwachung (auch) angesetzt, weil der Minister was mit der Schauspielerin hatte. So einen persönlichen Einfluß kann ich mir in vielen Szenarien vorstellen. Auch finde ich nicht, daß man die Rechtmäßigkeit (im Gesamtkontext) miteinander vergleichen kann. Die Stasi war höchstwahrscheinlich genauso der Meinung, den 'Sozialismus' gegen seine Feinde zu beschützen, wie die Bundespolizei, die das jetzige System gegen seine Feinde schützen will. [Spoiler] [color=black]Ob es dann aber immer einen HGW gibt, und wie der aussieht bzw. sich zur Geltung bringen kann, das steht auf einem Blatt, das nichts mit Politik zu tun hat.[/color] |