| Trauerwesen | Oft, wenn man selber einen Film gut fand und andere weniger, fällt das Argument "Du hast den Film nicht verstanden". Ich gehöre zugegebenermassen wohl auch zu den Leuten, die dieses Argument zwischendurch in den Raum werfen. Dabei kommt es natürlich auf den jeweiligen Film an; ein reiner Actionfilm mag weniger Verständnis benötigen als ein Drama. Ist es denn notwendig, den Film sehr tief zu interpretieren, um ihn gut zu finden? Und findet man Filme, die man nicht 100%ig versteht, automatisch schlecht? Mir selber passierte es, als ich mal wieder Hostel verriss, dass jemand meinte, der Film habe viel Gesellschaftskritik in sich und ist demnach gut. Ist er das denn wirklich? Ich denke, man kann hier einiges diskutieren. |
| SinRaziel | Interessantes Thema. Ich finde diesen Satz wirklich nervtötend und anmaßend. Zu einer anderen Person zu sagen "Du hast den Film nicht verstanden" zeigt für mich zweierlei: Zum einen Überheblichkeit und Herabwertung des Gegenübers, zum anderen eine beispiellose Selbstüberschätzung bezüglich des eigenen Intellekts. Ich kann zwar auch nicht immer nachvollziehen, warum Leute Filme mies fanden, wo ich Feuer und Flamme bin - FdK III zum Beispiel - oder umgekehrt, aber jedem das seine. Es gibt ein paar Filme - David Lynch zum Beispiel - wo ich von selbst sage, dass ich sie nicht verstanden habe, aber das ist, denke ich, etwas anderes als das hochmütig von einer anderen Person gesagt zu bekommen. Ich muss zwar einen Film nicht zwingend 100% verstanden haben, um ihn in die Kategorie "Sehenswert" einzusortieren, aber hilfreich ist es schon, weil sonst schnell der Frustfaktor recht hoch werden kann ;) Was ich furchtbar finde, ist das Totdiskutieren von Filmen. Ein Film ist gut, schlecht oder sonstwas, aber ich kenne Leute, die Stunden damit verbringen können, sich darüber auszulassen, ob jetzt ein Turnschuhträger bei Herr der Ringe auftaucht oder nicht :rolleyes: |
| Jester | Glaub mir, bei Hostel ist jeglicher Ansatz von Gesellschaftskritik in meinen Augen auf der Strecke geblieben, wo viel möglich gewesen wäre. Da es aber leider in einer Miscvhung aus Teeniehorrr, Sexeskapaden und Möchtegernschocker endete ist der mögliche Ansatz leider in einem jämmerlichen Ausrutscher geendet. Soweit zumindest meien Meinung, besonders in dem Gesichtspunkt das gleich einmal eine Fortsetzung angekündigt wurde die "alles an Grausamkeit noch in den Schatten stellen soll". Ich halte die Tatsach diesem Film diesen Anspruch zusprechen zu wollen als eine gewisse Tendenz zum schönreden. Wollte der Film wirklich auf kritisch auf die Thematik einwirken wollen, so hätte man das drumherum eindeutig niveaureicher gestalten können. Das Grundproblem vom Verständnis von Filmen insgesamt ist aber auch so eine Sache. Gerade da Leute welche ein Genre sehr mögen da aners herangehen als "Aussenseiter". Mitunter gibt es allerdings Filme welche, wenn man sie nicht versteht wirklich eher nur Fragen zurücklassen. Ein Memento, Butterfly Effect oder ähnliches (um mal bei relativen Mainstream Filmen zu bleiben) oder aber auch ein K-Pax oder ähnliches wirken nunmal nur, wenn man es auch schaft ein bisschen tiefer einzutauchen und sich auch mit der Thematik befasst. Aber es gibt auch den einen oder anderen Tiefgründigen Film, welcher auch so einiges hermacht, wenn man ihn nicht zu hundert prozent veresteht. Morte de la more habe ich zwar nie ganz verstanden, halte ihn aber für einen verdammt gutenFilm. |
| SinRaziel | Wobei ich bei Memento und Butterfly Effect schon sagen muss, dass die eigentlich selbsterklärend sind, da sie sich zum Schluss auflösen. Okay, Memento muss man vielleicht zweimal gesehen haben ;) K-Pax lässt viel Raum zum Spekulieren (ist es jetzt so oder nicht?), hat aber meiner Meinung nach auch nichts mit Nicht Verstehen zu tun. Mullholland Drive hab ich zum Beispiel tatsächlich schlicht nicht verstanden. Da ich Gewalt verabscheue, hab ich mir Hostel im übrigen gar nicht erst angeschaut. |
| Trauerwesen | [QUOTE][i]Original geschrieben von SinRaziel [/i] [B]Interessantes Thema. Ich finde diesen Satz wirklich nervtötend und anmaßend. Zu einer anderen Person zu sagen "Du hast den Film nicht verstanden" zeigt für mich zweierlei: Zum einen Überheblichkeit und Herabwertung des Gegenübers, zum anderen eine beispiellose Selbstüberschätzung bezüglich des eigenen Intellekts. Ich kann zwar auch nicht immer nachvollziehen, warum Leute Filme mies fanden, wo ich Feuer und Flamme bin - FdK III zum Beispiel - oder umgekehrt, aber jedem das seine.[/B][/QUOTE] Sicherlich kann man schwer sagen "du hast den Film nicht verstanden", je nach Film, weil jeder etwas anderes aus einem Film zieht. Ein gutes Beispiel wäre da sicherlich Matrix. Manche finden den Film gut wegen netter Effekte und Action, andere wegen des Stils, wiederum andere wegen der philosophischen Botschaft bzw solche Hintergründe, andere mögen die Summe aus allem. Und das beantwortet ja auch direkt, dass man den Film nicht verstanden haben muss (also die Hintergründe), um ihn gut zu finden. [QUOTE][i]Original geschrieben von SinRaziel [/i] [B] Es gibt ein paar Filme - David Lynch zum Beispiel - wo ich von selbst sage, dass ich sie nicht verstanden habe, aber das ist, denke ich, etwas anderes als das hochmütig von einer anderen Person gesagt zu bekommen.Ich muss zwar einen Film nicht zwingend 100% verstanden haben, um ihn in die Kategorie "Sehenswert" einzusortieren, aber hilfreich ist es schon, weil sonst schnell der Frustfaktor recht hoch werden kann ;)[/B][/QUOTE] In die Kategorie gehöre ich wohl auch, ich finde den Film gut, verstehe ihn aber dennoch nicht ganz. Wobei es bei Lynch noch etwas anderes ist, er sagt ja selber, man solle eben nicht verstehen. [QUOTE][i]Original geschrieben von SinRaziel [/i] [B] Was ich furchtbar finde, ist das Totdiskutieren von Filmen. Ein Film ist gut, schlecht oder sonstwas, aber ich kenne Leute, die Stunden damit verbringen können, sich darüber auszulassen, ob jetzt ein Turnschuhträger bei Herr der Ringe auftaucht oder nicht :rolleyes: [/B][/QUOTE] Nunja, ob man nun einen Film analysiert oder sich um Banalitäten wie ´Turnschuhe unterhält, sind schon zwei Paar Schuhe. Sicherlich kann man auch einfach sagen "netter Film", es kommt auch immer auf die Hintergründe und die Herangehensweise an. Jemand, der die Bücher kennt, wird sicherlich eher diskutieren, ob es gut war, dies und jenes rauszulassen oder zu verändern, als jemand, der sich durch solch einen Film nur berieseln lassen will, wie Jester ja auch bereits ansprach. Jester: Was Hostel angeht sind wir uns wohl einig. Man kann sicherlich viel reininterpretieren, aber die Hirnlosigkeit des Films wird damit sicherlich nicht gerechtfertigt ;). Was K-Pax angeht, muss ich sagen, habe ich zwar auch nicht verstanden, ob er es nun ist oder nicht, aber diese philosophischen Botschaften, dieses andere Weltbild fand ich extrem rührend. Wem solche Dinge egal sind, der wird den Film mitunter auch eher schlecht empfinden. Ist alles eben auch Geschmackssache. Ich denke aber, wenn man einen Film wirklich nicht versteht oder dessen Aussage, ist die Wahrscheinlichkeit grösser, ihn nicht zu mögen, eben weil man nichts oder weniger rausziehen kann. |
| never4get | also ich finde einen film auch gut,wenn ich ihn nicht richtig verstanden habe...es kann ihn durchaus auch intressanter machen. das war bei mir so bei "fluch der karibik 3" daher ich den 2 teil nicht gesehen hatte...wusste ich erst gar nicht um was es so recht geht^^ naja trotzdem fande ich den film gut...und hatte somit eine gute anregung mir den 2 anzuschauen. also so denke ich das es nicht gerade daran liegt wenn einem ein film nicht gefällt... ok,andererseits [QUOTE]Wobei ich bei Memento und Butterfly Effect schon sagen muss, dass die eigentlich selbsterklärend sind[/QUOTE] der film butterfly effect hat mir nicht gefallen,und ich fande ihn ehr verwirrend als selbstklärend...naja zum schluss hab ich dann doch noch mitgekriegt was das ganze sollte...aber trotzdem irgendwie war der doch seltam. lg never4get |
| rosenkind | mir hat damals vor 5 Jahren Mullholland Drive gefallen, obwohl oder grade weil ich ihn nicht verstanden habe. ich fürchte dieses "du hast den Film nicht verstanden" ist oft mehr eine Rechtfertigung dafür, warum man einen Film gut findet, der doch etliche Kritikpunkte aufweist. Als ob man immer nur Tiefgründiges gut finden dürfte... |
| Odessa | Also ich habe in Hostel eine Handvoll subtile kleine "Einblenden" als Gesellschaftskritik gesehen und Dir das auch gesagt, glaub ich - allerdings in keinster Weise so, daß Du imho den Film nicht verstanden (im intellektuellen Sinne) hättest, wie das Andere wohl taten;-). Allerdings sage auch ich öfters, wenn es um Filmdiskussionen geht, daß jemand den Film nicht "so" verstanden hätte wie ich ihn verstand - was aber bei mir niemals (und das weiß jeder der mich und mein Diskussionsverhalten kennt *g*) eine Aussage darüber macht wer von uns beiden ihn richtig verstanden hat (weil es so eine allgemeingültige Wahrheit imho gar nicht geben kann) noch was einen von uns in seiner Wahrnehmungsfähigkeit mindert. Es ist einfach nur ein Satz in einer Diskussion, der genau das aussagt was ich dann auch mit dem Wort "verstanden" meine: "Du hast es ANDERS verstanden, anders ausgelegt, anders aufgefaßt als ich; ich erklär Dir jetzt wie ich ihn verstanden habe und Du erklärst mir wie Du ihn verstanden hast." Daran finde ich nichts borniert oder schlimm, denn genau so laufen doch üblicherweise Diskussionen ab: daß man sich austauscht darüber wie man jeweils eine Sache "versteht", sie sieht, sie betrachtet :-) Und wenn Du gleichzeitig sagst, daß Hostel "hirnlos" ist nur weil Du persönlich darin nichts finden konntest was Du "verstanden" (also gemocht) hast...wer ist da in dem Moment der, der diesen Film und die, die ihn sahen und gut fanden, wertet? ;-). Hirnlos fand ich Hostel z. B. allein schon deswegen nicht, weil es wesentlich realistischer ist (und daher bezog Eli Roth auch sein Motiv), daß Menschen andere Menschen verschleppen um sie zu foltern, als daß irgendwelche Aliens sich in die Körper von Menschen fressen, daß Wesen mit komischen Ohren sich Schlachten liefern mit grunzenden Maskenträgern oder daß Geister durch Häuser spuken oder Dämonen aus Gräbern steigen. Menschenhandel existiert immer noch, v. a. in Asien und Afrika, UN-Berichte belegen dies. Und was Menschen tun, um perverse Wünsche von anderen Menschen zu erfüllen, durfte ich am eigenen Leib erleben: ich habe bei einer Razzia vor gut 25 Jahren in einem Pornoshop sogenannte "Snuff-videos" gesehen, sehen müssen, da ich damals mit der Polizei und Staatsanwaltschaft als protokollführende Verwaltungskraft in diesen Laden gehen mußte, als diese Dinge beschlagnahmt wurden. Bei Snuff-Pornos werden Menschen vor der Kamera getötet. Menschen sterben. Langsam, qualvollst. Live, vor der Kamera. Und irgendwelche sexuell kranken Menschen zahlten für so einen Film bis zu 50.000 DM (das, liebe Kinder, war damals die Währung in diesem Land). Das ist nicht "hirnlos", das ist REALITÄT. Menschen auf dieser Erde sind in einer erschreckend großen Anzahl völlig grausam, völlig pervers, und die Handvoll darunter, die das nötige Geld hat, sich ihre Perversionen leisten zu können, die zahlt dafür gerne. Von daher: die Grundidee von Hostel ist für mich persönlich nach wie vor sogar das bisher Glaubwürdigste, was mir in einem "Psycho-Horror-"Film unterkam, denn ich glaube unbesehen und schäme mich auch nicht das zuzugeben, daß auf dieser Erde Menschen mit anderen Menschen Dinge tun, die weder menschlich noch gesetzlich zulässig noch für einen geistig und seelisch gesunden Menschen nachvollziehbar sind. Und ich glaube ferner nach 43 Jahren Lebens auf diesem Planeten, daß es eine Menge Menschen gibt, die für Geld ALLES tun, um anderen Menschen ihre abartigen Perversionen zu erfüllen. Denn ich habe es gesehen, als vor einer laufenden Kamera ein Mädchen zu Tode gefoltert wurde. Für viel Geld, das ein reicher, sexuell kranker Mensch zahlte. - Wie viele Menschen weltweit, jeden Tag? --- Glaub mir, bei Hostel ist jeglicher Ansatz von Gesellschaftskritik in meinen Augen auf der Strecke geblieben, wo viel möglich gewesen wäre. ---- Der Ansatz war auch für mich, wie gesagt, in einer handvoll kleiner Anspielungen gut zu erkennen; aber es wurde wohl auch deswegen nichts daraus gemacht, weil der Film ja eh gar keine Sozialkritik sein wollte, sondern nur ein Psychothriller - und dafür war er gar nicht so schlecht, finde ich. ;) |
| Trauerwesen | [QUOTE][i]Original geschrieben von Odessa [/i] [B]Also ich habe in Hostel eine Handvoll subtile kleine "Einblenden" als Gesellschaftskritik gesehen und Dir das auch gesagt, glaub ich - allerdings in keinster Weise so, daß Du imho den Film nicht verstanden (im intellektuellen Sinne) hättest, wie das Andere wohl taten;-). [/B][/QUOTE] keine Sorge, Odessa, ich meinte auch nicht dich ;). Ich denke auch, dass du nicht zu den Leuten gehörst, die behaupten würden: Hostel ist ein extrem anspruchsvoller und toller Film, weil das Gemetzel nur Mittel zum Zweck ist. Dies ist bei anderen Filmen ja "eher" so, aber das Thema hatten wir ja bereits ;). [QUOTE][i]Original geschrieben von Odessa [/i] [B] Es ist einfach nur ein Satz in einer Diskussion, der genau das aussagt was ich dann auch mit dem Wort "verstanden" meine: "Du hast es ANDERS verstanden, anders ausgelegt, anders aufgefaßt als ich; ich erklär Dir jetzt wie ich ihn verstanden habe und Du erklärst mir wie Du ihn verstanden hast." Daran finde ich nichts borniert oder schlimm, denn genau so laufen doch üblicherweise Diskussionen ab: daß man sich austauscht darüber wie man jeweils eine Sache "versteht", sie sieht, sie betrachtet :-)[/B][/QUOTE] Das meine ich nämlich auch. Jeder zieht etwas anderes aus den Film. Wenn jemand einen Arthouse-Film schaut und sich bei so etwas langweilt, dann eher, weil er nichts geboten bekommt ausser einen künstlerischen Aspekt, mit dem er - aufgrund eines Geschmacks oder sonst irgendetwas - nichts anfangen kann. Muss ja auch nicht negativ gemeint sein. Ich selber meide auch gewisse Genres. [QUOTE][i]Original geschrieben von Odessa [/i] [B] Und wenn Du gleichzeitig sagst, daß Hostel "hirnlos" ist nur weil Du persönlich darin nichts finden konntest was Du "verstanden" (also gemocht) hast...wer ist da in dem Moment der, der diesen Film und die, die ihn sahen und gut fanden, wertet? ;-). [/B][/QUOTE] Ich denke, jeder darf einen Film bewerten. Wo kämen wir sonst hin ohne die Reich-Ranickis der Filmwelt *g*. [QUOTE][i]Original geschrieben von Odessa [/i] [B] Der Ansatz war auch für mich, wie gesagt, in einer handvoll kleiner Anspielungen gut zu erkennen; aber es wurde wohl auch deswegen nichts daraus gemacht, weil der Film ja eh gar keine Sozialkritik sein wollte, sondern nur ein Psychothriller - und dafür war er gar nicht so schlecht, finde ich. ;) [/B][/QUOTE] Das sehe ich auch so, nur war die Sache ja, dass dieser jemand meinte, der Film sei deswegen gut, weil man dies und jenes drin sehen kann. Sicherlich sieht jeder in einem Film etwas anderes, mal deutlicher, mal undeutlicher. Nur ist auch die Frage, ob ein Film direkt besser wird, wenn man die Botschaft versteht bzw wenn dort überhaupt eine drin ist. Bei Lynch definitiv nicht, das zeigt ja auch dieser Thread und Lynchs Statement zu seinen Filmen ("die soll man nicht verstehen"), aber hier dominieren ja dann auch mehr künstlerische Aspekte als eine Botschaft, die dafür eher in anderen Filmen wie - ganz spontan - Uhwerk orange vorhanden ist. Die Frage ist sicherlich auch, ob man eine Botschaft für sich selber braucht und ob man diese erwartet oder auch auf diese verzichten kann. Es kommt wohl immer auf den Film an. Wenn ich Bock habe, mich berieseln zu lassen, kommt eben Popcornkino dran. Wenn ich nachdenken will, dann eben etwas anderes. Ich muss gerade an Literaturkritik denken, bei der es auch mehrere Theorien gibt. Eine besagt, dass der Leser die Bedeutung einbringt, nicht der Autor. Im Film könnte dies nicht ganz so extrem sein, eben weil die Art der Inszenierung auch noch eine Rolle spielt. Nur was ist mit Filmen, die eine Botschaft haben, diese aber eben nicht erkannt wird? Das muss doch Langeweile bedeuten oder man findet den Film schlecht, sofern man diese Botschaft aber eigentlich sehen will. |
| Odessa | --- keine Sorge, Odessa, ich meinte auch nicht dich . --- Das hätt mich jetzt aber auch echt getroffen *g*.... ---- Ich denke auch, dass du nicht zu den Leuten gehörst, die behaupten würden: Hostel ist ein extrem anspruchsvoller und toller Film, weil das Gemetzel nur Mittel zum Zweck ist. ---- Anspruchsvoll ist er für mich nicht, also nicht vergleichbar mit Filmen wie "Spider" oder "7", keine Frage. -- Ich denke, jeder darf einen Film bewerten. Wo kämen wir sonst hin ohne die Reich-Ranickis der Filmwelt *g*. --- Ok, da haste Recht ;-). Aber ich wollt eigentlich auch nur einen Aufhänger haben um zu erklären, warum ich ihn nicht hirnlos fand - auf die Grundthematik bezogen... daß der Film völlig überflüssige Szenen enthielt (die Jester schon ansprach, diese Teeny-Sex-Softporno-Möchtegern-Ausschnitte usw.), die einfach nur dem "Sex sells"-Prinzip dienten, gefiel mir ja auch nicht;-) -- Bei Lynch definitiv nicht, das zeigt ja auch dieser Thread und Lynchs Statement zu seinen Filmen ("die soll man nicht verstehen"), -- Lynch ist Stoff für Diskussionen ohne Ende dahingehend, nichts ist wie es scheint und es bleibt jede Menge der eigenen Deutung und Fantasie überlassen. Man kann sich mit jedem Lynch-Film seinen eigenen Film basteln, genau das liebe ich eigentlich so an seinen Filmen. Sie stoßen mich ab, manchmal, oder besser: manche Charaktere darin. Sie sind brachial, sie sind irrational, sie sind Psychohasen und Honigmörder, wie ich immer sage... aber sie "sind", sie haben etwas was einen nachdenken läßt... -- Es kommt wohl immer auf den Film an. Wenn ich Bock habe, mich berieseln zu lassen, kommt eben Popcornkino dran. Wenn ich nachdenken will, dann eben etwas anderes. Ich muss gerade an Literaturkritik denken, bei der es auch mehrere Theorien gibt. Eine besagt, dass der Leser die Bedeutung einbringt, nicht der Autor. Im Film könnte dies nicht ganz so extrem sein, eben weil die Art der Inszenierung auch noch eine Rolle spielt. --- Stimme Dir vollkommen zu! Bestes Beispiel ist für mich selbst "Spider", ein Film den ich hier schon oft erwähnte weil ich ihn so gut fand. Es gab keine Handvoll Menschen auf diesem Forum, die den Film kannten, nur "die Aversion" und, wie ich glaube noch zwei andere user, hatten ihn gesehen. Der Film lebt nur von der Mimik des Protagonisten "Spider", eines Schizophrenen, der in Rückblenden in diesem Film den Mord an seiner Mutter erlebt - und dessen Ende so unglaublich unerwartet ist und überraschend, daß man wirklich in diesen wenigen Sekunden die die "Auflösung" bedeuten, wie vom Blitz getroffen dasitzt mit einer eisigkalten Gänsehaut... denn erst dann merkt man, sieht man, um was es die ganze Zeit über ging und was "Spider" eigentlich wirklich "sah" und erlebte, fühlte. Ein unglaublich emotionaler Film, der aber - wie "die Aversion" und ich in unseren Gesprächen herausarbeiteten - wohl nur deswegen für uns so bedeutsam und ergreifend war, weil wir uns beide sehr mit der Psychologie, vor allem mit Schizophrenie, schizoiden Verhaltensformen und ähnlichem, beschäftigt hatten; auch waren wir beide sehr gefangen von der Mimik des Schauspielers (Ralph Fiennes), was für uns beide aber ohnehin immer ein Hauptpunkt für ein "gut" ist bei einem Film - daß die Darsteller "leben" in ihrer Rolle, daß sie aufgehen darin, daß sie so glaubwürdig sind daß sie - wie Fiennes es tat für diesen Film - über Monate vor und nach dem Dreh teilweise auch privat sprechen wie der Charakter den sie spielen, sich mit seinem "Film-Umfeld" und Werdegang beschäftigen indem sie Bücher zum Thema studieren usw. Jemand, der dafür kein Interesse hat bzw. dem es nicht wichtig ist für den Filmgenuß, ob ein Schauspieler authentisch ist in seiner Rolle, ob er mit dem Filmcharakter aus Leidenschaft verschmilzt - dem wird so ein Film wie Spider nichts sagen. Keine Botschaft außer: Ein schizophrener älterer Mann geht in einem Pensionszimmer auf und ab und spinnt ("Spider) Wäscheleinen quer durchs Haus. Spricht fast nix - wie öde, muß man ja aufs Gesicht gucken und die Augen. Nee, blöder Film, langweilige Handlung, nix für mich. - Ich bin niemand böse der das so sieht; wenn man nicht ein Faible hat für in ihrem Beruf "besessene" Schauspieler, die sich mit ihren Rollen identifizieren und die allein schon mit ihrem Brennen und Glühen einem Film Leben geben, oder wenn man sich - in dem Fall - halt nicht für Schizophrene und ihre Gedankenwelt interessiert oder man keine Filme mag, wo es nicht ständig plappert lacht kichert scheppert kracht explodiert ... dann ist man mit Spider echt schlecht bedient. Von daher: wie Du sagst - jeder gibt dem Film die Bedeutung, wie auch dem Buch oder Gemälde, die es für diesen Menschen privat hat weil es etwas in ihm berührt. --- Nur was ist mit Filmen, die eine Botschaft haben, diese aber eben nicht erkannt wird? --- Da fällt mir wieder der Film ein, der wie kein zweiter für Diskussionen sorgte genau deswegen: "Natural born killers". Meine erste Meinung dazu war: Was für ein ekelhafter widerlicher brutaler Gewaltverherrlichungsfilm. Das Mörderpärchen wird auch noch als Helden dargestellt, es wird glorifiziert a la "ist doch toll, so zu sein wie wir " usw. Nach 10 Minuten Abregens und nochmal die Filmsituationen durchdenkend kam ich zu einem ganz anderen Ergebnis: der Film ist ein dermaßen offensichtlicher Angriff auf unsere verheuchelte medienregierte Welt, daß der Hohn und die Anklage gegen diese Welt aus jedem Wort tropft: das Pärchen wird von Journalisten und Reportern und Kameramännern belagert, wird hofiert, man riskiert sein eigenes Leben um nur "live und hautnah" an diesen kranken menschenverachtenden Gestalten dran zu sein. Denn das bringt Schlagzeile, zwischen Abendessen und Zähneputzen ein bisschen "Gewalt, Mord und Totschlag". Die Verbrecher kommen heil davon letzten Endes, und auch das ist eigentlich völlig realistisch denn die Welt zeigt uns täglich, daß es leider nicht so ist wie in der Bibel, wonach die Bösen gestraft werden und die Guten belohnt, sondern daß die Guten so ziemlich die Deppen sind, während die Bösen (die stehlen, foltern, morden) zu Medienhelden werden, denen man für teuer Geld auch noch die Rechte an ihren Biographien abkauft. Siehe dt. Topterroristen, die freigelassen werden und sich mit ihren widerlichen Taten gegen die Menschlichkeit auch noch eine goldene Nase verdienen indem sie ihre kranken "Ideologien" als "Lebensbeichte" oder "Biographie" an Zeitungen und Verlage verkaufen (Müllmann Erich, der morgens um 4 aufsteht jeden Tag und die Tonnen leert, bekommt für seine unblutig verlaufende Berufskarriere weder Schlagzeilen noch 250.000 Euro...) Diese verheuchelte erbärmliche Welt zeigt Natural born killers und hält uns dabei den Spiegel vor. Und was passierte? Die Hälfte der Kritiker und Zuschauer schrie entsetzt auf "Gewaltverherrlichung", ich wie erwähnt auch für einige Minuten, weil ich so angewidert war von diesem Mörderpärchen. Aber der Film ist genau das Gegenteil: eine zynische, knallharte und äußerst plakativ in Szene gesetzte Abrechnung mit der "Sensationsgeilheit" unserer Zeit, mit dem Abgestumpftsein was Gewalt angeht, die täglich via Fernsehen und Zeitungen auf uns einprasselt. - Und wo wir uns dann, wenn man uns das vorhält wie in diesem Film, auch noch fast schon berechenbar erstmal darüber dann aufregen DASS uns diese Gewalt genau so brachial und realistisch gezeigt wird wie sie stattfindet. Wie gesagt - nur das für mich prägnanteste Beispiel der jüngeren Zeit, wie falsch eine Botschaft ankommen kann oder wie sie mißgedeutet werden kann. Es gibt da noch den Film "Die Konsequenz", ein Film über eine homosexuelle Liebe zwischen einem erwachsenen Strafgefangenen und dem minderjährigen Sohn des Gefängnisdirektors, oder auch "Lolita" oder "Der blaue Engel". |
| Trauerwesen | Odessa: Bei Natural Born Killers stimme ich dir zu, zudem sollte es ja auch wirklich auf die Medienlandschaft hinweisen. Ebenso galt ja auch Fight Club oft als ach so böser, gewaltverherrlichender Film. Und genau da würde ich auch behaupten wollen, man hat den Film nicht verstanden, denn andere Ansätze sind einfach zu offensichtlich. Zum rest werde ich später noch detaillierter eingehen, muss meine Gammelklamotten nun erstmal umtauschen, muss gleich noch los ;). |
| AlienSexFiend | [QUOTE][i]Original geschrieben von Trauerwesen [/i] [B]Ist es denn notwendig, den Film sehr tief zu interpretieren, um ihn gut zu finden? [/B][/QUOTE] ...es gibt auch Filme, die von der Story her total schwach sind, die aber trotzdem irgendwo einen tollen künstlerischen Aspekt haben...wenn ich da zum Beispiel mal an "Cold Fever" denke...von der Story her zum Einschlafen (Es geht darum, dass ein Japaner die Stelle in Island sucht, wo seine Eltern ums Leben gekommen sind. Der Film endet dort, wo er diese Stelle gefunden hat.) und meiner Meinung nach gibt´s da auch nicht sehr viel reinzuinterpretieren und dennoch ist der Film insofern gut, dass man auf der Reise durch Schnee und Eis regelrecht mitfriert und - leidet, ob er die Stelle nun findet...;) ...mehr oder weniger ähnlich bei "One Pint Zero"...da könnte man, wenn man den Lust hätte, schon mehr als genug reininterpretieren, von der Story her aber eindeutig nicht "mein" Gebiet (Science Fiction eben :rolleyes: )...da ist es eigentlich auch nur diese (er)drückende Stimmung, die der Film von Anfang an konsequent vermittelt, die diesen Film für mich gut macht...wäre das nicht so gut gelungen in diesem Film, wäre ich wohl eingeschlafen wie bei etlichen anderen Science-Fiction-Streifen zuvor... [quote][b] Und findet man Filme, die man nicht 100%ig versteht, automatisch schlecht? [/B][/QUOTE] ...spätestens bei diesen "Mindfucks" haut das ja nicht mehr hin...die sind teilweise ja echt drauf ausgelegt, dass man sie nicht versteht oder dass sie eben nicht "eindeutig" zu interpretieren sind und so viel Platz zum Streiten und Diskutieren lassen... |
| Odessa | --- Und findet man Filme, die man nicht 100%ig versteht, automatisch schlecht? --- Ist bei mir nicht so, eher im Gegenteil - ein Film den ich wirklich nicht "verstehe", weil mir viele seiner Handlungsstränge nicht beim ersten Sehen klar zusammenhängend erscheinen oder wo ich den Faden aus Gründen immer verloren habe, reizen mich dann erst recht. Für mich gibt es ein paar feste Kriterien, nach denen ein Film für mich "schlecht" ist (wohlgemerkt: nur für mich persönlich, es heißt nicht daß die Filme es sind oder für Andere das zu gelten hat): - hektische, unruhige Kameraführung (was heute oft "modern" ist) - miserable schauspielerische Leistung im Sinne von: keine Mimik, keine Überzeugungskraft in der Rolle. Klassisches Beispiel für mich: dieser Typ in "Bourne Identity", den ich so dermaßen unerträglich starr und langweilig und völlig daneben fand, daß ich den ganzen Film nach einer halben Stunde nicht mehr sehen wollte - ständiges Geballer, Geschreie, Gekeife, Gekreische oder ständiges Geblinke, Geflirre und ähnliche optische Effekte. Womit klar ist: ich hasse SciFi-Filme und so Zeugs wie "Blade" - Filme, die kein Ende haben. Mitten im Film einfach aufhören. Sehr beliebt bei sog. "Avantgarde-Filmen", wo der Regiesseur vermutlich auf irgendeinem Drogentrip war, 3 Leute in eine Wüste setzte, 2 davon reden was, der 3. tritt auf eine Schlange, stirbt am Biß, und die anderen 2 reden dann weiter davon daß Kartoffelsuppe blau ist. Der Film ist aus mit dieser Erkenntnis und man fragt sich: hab ich den Sockenschuß oder darf heutzutage wirklich jeder Filme drehen, der eine Kamera einschalten kann... - Filme, die so unlogisch sind, daß nicht mal ich mit meiner blühenden Fantasie dafür noch Entschuldigungen finden kann: Frauen, die prinzipiell bei jeder Bedrohung schreiend und kreischen stehenbleiben statt wegzulaufen. Frauen, die sich dann doch mal wehren und z. B. ein Messer in die Hand nehmen um einen Angreifer abzuwehren, aber dann natürlich zitternd und grenzdebil das Messer fallenlassen 3 cm vor dem Angreifer, statt zuzustechen. Frauen, die eine Waffe in der Hand haben aber nicht schiessen, weil "ich kann es nicht" anscheinend zum Standardrepertoire einer Frau gehört die gerade von einem aggressiven unzurechnungsfähigen Serienmörder angegangen wird und die sich stattdessen lieber umbringen läßt statt zu schießen - Filme, in denen Frauen prinzipiell im Minirock und mit BH bekleidet durch Wüsten, Dschungel, Flußbetten, Anderswelten etc. laufen kämpfen schwimmen fliegen, während sie natürlich nieeemals ihr Make up verschmieren lassen und die Haare sofort nach dem Auftauchen aus dem Wasser wieder trocken und gefönt sind usw. usw. :rolleyes: |
| Nigthmare | Vor ein paar Wochen habe ich mir "Piraten der Karibik 3" anegsehen. Ein Film durchaus voller Intrigen und Geschäfte "mit Hintergedanken". Die Protagonisten sind nicht berechenbar und das Ambiente der schönen heilen Piratenwelt hat man geflissentlich über Bord geworfen. Obwohl der Film zum Grossteil aus Schwatz besteht und weniger Action vorkommt hat er mir verdammt gut gefallen. Ich glaube dass es Einbildung ist, einen Film, übrigens auch Spiele und Bücher, faszinierter wahrzunehmen da dieser Allegorien an die Welt enthält. Er spricht da doch viel mehr die eigene Erfahrungen an und Emotionen an, denn gerade deswegen findet man einen Film doch faszinierend, weil es das [i]Gefühl[/i] des Verständnisses gibt und nicht weil man alles in seinen Kopf nachkonstruieren kann, oder? Besonders wenn man den Inhalt eines Spieles oder Filmes jemanden weitererzählen möchte und merkt, dass man dies bei weitem nicht so gut schafft, bemerkt man vielleicht dass die dargestellten Dinge im Film in dem Fall auch wirklich nur in dem Film existierten und nicht in der Realität. Im Falle Hostel gibt es zwar Menschenhandel und Foltertote in der Realität, aber es existiert nicht der im Hiostel beschriebene Fall selbst in der Realität, und dies wertet den Film ab. Nötig zum "tieferen" Verständnis ist ein abstraktes Denkvermögen dass möglicherweise nicht jedem und auch nicht in jedem Bereich gegeben ist. Wer also den Inhalt eines Filmes wiedergeben will der ihn faszinierte sollte es mal so probieren den Film an sich nicht weiterzuerzählen sondern dass, was man darin interpretierte. Im Umkehrschluss kann man selbst aber der Zuschauer sein, der nicht abstrakt genug denkt und dem der Inhalt des Filmes darum abhanden geht. Das scheint in letzter Zeit (ach, eigentlich schon immer) der Fall zu sein, sonst gäbe es nicht all diese oberflächlichen Hollywood-Movies die dank fehlender Tiefe, die man vorsichtigerweise ob der Blödheit der vermeintlichen Zuschauer rausgelassen hat, nur mit den billigen Schlagwörtert glänzen können die noch übrig bleiben: Star-Besetzung, Special-Effekts, Stunts, größer, weiter, schneller, mehr. :o MfG Nigthmare Edit: @Odessa: Was ich auch toll finde sind Filmhelden die nix raffen. Schlagwort: Jeepers Creepers, Telefongespräch. [i]"Er wird kommen um euch zu holen!" "Hää?" "Er frisst um seinen Körper aufrechtzuerhalten und nun will er euch!" "Wovon reden Sie?" "Das Ding dass euch verfolgt..." "Welches Ding?" "Das Ding dass euch auf der Autobahn gerammt hat, es kann eure Angst riechen." "Ich hab absolut keine Ahnung wovon Sie reden." "Das, in dessen Keller du warst, du hast doch seine Leichen gesehen." "REDEN SIE JETZT MAL KLARTEXT ODER ICH HÄNGE HIER GLEICH AUF." "Ihr werdet getötet werden wenn ihr nicht bald abhaut, HimmelArschundzWirn." "Ich begreiffs nicht..."[/i] ...oder so ähnlich... :rolleyes: |
| Darket | [QUOTE]Okay, Memento muss man vielleicht zweimal gesehen haben[/QUOTE] Den hab sogar ich beim ertsen mal verstanden :D |
| Gabriel Bell | Ah, eine mir vertraute Diskussion, die ich immer wieder dann führen darf, wenn ich anderen Menschen klarmachen will, dass ich ein Anhänger der Matrix-Trilogie bin...das Schema ist und bleibt dasselbe "du meinst sicher nur den ersten Teil" - "nein, ich meine alle drei Teile" - "boah bist du dumm, du hast die Story vom ersten Teil nicht verstanden, sonst würdest du die anderen nicht gut finden, denn sie sind plumpe Action." Ich hab ja wirklich nichts dagegen, wenn einen die Filme vielleicht nicht verleiten, weiter darüber nachzudenken - genausowenig hab ich etwas dagegen, wenn man sie nur um der Action Willen schaut. Aber wenn man schon unbedingt wieder posaunen muss, dann doch bitte begründet und nicht so ausfallend... |
| AlienSexFiend | [QUOTE][i]Original geschrieben von Darket [/i] [B]Den hab sogar ich beim ertsen mal verstanden :D [/B][/QUOTE] [size=1]...weil du das Easter Egg entdeckt hast wie man ihn in chronologischer Reihenfolge sehen kann...? [/size] :D |
| Trauerwesen | Nightmare: Dem kann ich mich anschliessen. Ich habe auch bemerkt, dass ich einen Film, der mein ungefähres Weltbild irgendwie zum Ausdruck brachte, besonders toll fand. Bei Fight Club war es dann so, dass meine Begeisterung wuchs und meine Kinnlade fast auf mein Knie fiel. Ich erinnere mich, dass im Kino eine eine Reihe weiter vorne sass und zu ihrem Macker immer sagte: Ohja, das stimmt ja alles. Oh wie toll.... Dann hat sie es vieleicht verstanden, aber vielleicht nicht selbst irgendwie gehabt. Sie hat neue Erkenntnisse gewonnen (die zumindest die 2 Stunden des Films anhielten), vielleicht auch länger, aber jemand, der solche Dinge sowieso schon so sieht, fühlt sich noch mehr angesprochen und bestätigt. So, Odessa (Du machst mich mit Deiner Beitragslänge fertig^^): Das mit Hostel lasse ich mal gut sein, wir haben da unsere beiden Standpunkte, die aber dann doch fast nur am Geschmack festzumachen sind. Das ganze hatten wir ja auch bereits diskutiert ;) Lynch ist Stoff für Diskussionen ohne Ende dahingehend, nichts ist wie es scheint und es bleibt jede Menge der eigenen Deutung und Fantasie überlassen. Man kann sich mit jedem Lynch-Film seinen eigenen Film basteln, genau das liebe ich eigentlich so an seinen Filmen. Sie stoßen mich ab, manchmal, oder besser: manche Charaktere darin. Sie sind brachial, sie sind irrational, sie sind Psychohasen und Honigmörder, wie ich immer sage... aber sie "sind", sie haben etwas was einen nachdenken läßt... ----------------------------------------------------------- Sicher, hier ist die Unwissenheit Bestand des Films, Intention des Films und auch zugleich Wirkung seines Films. Und das fasziniert. ich habe beispielsweise Mullholland Drive in 4 verschiedenen Zuständen gesehen: Nüchtern, betrunken, bekifft, bekifft und betrunken. Gerade dieses "oh, ich weiss nun, wie es ist", welches von der nächsten Szene radikal zerstört wird, macht den Film zu einem Erlebnis. Postmoderne pur. Spider werde ich mir vielleicht mal zu Gemüte führen, klingt ziemlich interessant. Aber nur, wenn entgegen des Namens keine Spinnen vorkommen :D. Gute Darsteller und gut gemachte Filme sind eigentlich immer ein Reiz. Das Problem ist sicherlich, dass Filme, die etwas negatives darstellen wollen, um es zu kritisieren, schnell dahin abrutschen, und dann als Filme, die es verherrlichen, gedeutet werden. So halt auch Natural Born Killers, Fight Club oder auch American psycho. Die Kriterien, einen Film schlecht zu finden, sind bei mir übrigens ziemlich ähnlich ;) ASF: ...es gibt auch Filme, die von der Story her total schwach sind, die aber trotzdem irgendwo einen tollen künstlerischen Aspekt haben... ---------------------------------------------------------------- Richtig, sprach ich ja auch bereits an. Und wenn man wunderbare Bilder haben will, tolle darstellerische Leistungen usw, können die einem auch etwas bieten - sofern man auf so etwas Wert legt. ...spätestens bei diesen "Mindfucks" haut das ja nicht mehr hin...die sind teilweise ja echt drauf ausgelegt, dass man sie nicht versteht oder dass sie eben nicht "eindeutig" zu interpretieren sind und so viel Platz zum Streiten und Diskutieren lassen... ---------------------------------------------- Richtig, aber da wird es ja drauf angelegt, und Leute, die aber alles verstehen möchten, werden hier sicherlich eher enttäuscht, während andere aber ein unglaubliches Erlebnis bei dem Versuch haben, den Film zu verstehen. Gabriel bell: Ich gehöre zwar auch zu den Leuten, die Matrix 1 und 2 gut fanden, den dritten dann weniger, aber auch in den letzten beiden steckt sehr viel drin. Sicherlich auch viel Action, aber zu sagen, das wäre reine Action, verleitet dann aber doch dazu zu sagen, dass diese sakralen Bilder und Anspielungen (besonders im 3.) bei denjenigen nicht ankamen. Aber vielleicht reicht das den leuten auch einfach nicht. |
| Normalus | Ich fand nun eigentlich gerade Matrix 3 noch am besten, weil der Film im Gegensatz zu seinen Vorgängern am wenigsten versucht hat, mit pseudo-philosophischem Gewäsch mehr zu sein, als er denn wirklich ist. Aber zum eigentlichen Thema; dieses "Du hast den Film nicht verstanden" durfte ich mir auch schon anhören, vorallem wenn nicht so ganz alte Menschen, die sonst nur seichte Filme schauen, einen weiteren seichten Film gesehen haben, der irgendeine genre-untypische Besonderheit aufweist und nur deshalb von ihnen zum Heiligen Gral erklärt wird. "Oldboy" war z.B. so ein Kandidat, oder "Equilibrium", wenn ich ich mich richtig erinnere. In meinen Augen fällt der Satz also vorallem immer dann, wenn eigentlich jeder den Film verstanden hat, nur eben nicht jeder von dem Verstandenen beeindruckt ist. - im Gegensatz zu den schon erwähnten Lynch-Filmen, bei denen Keiner den totalen Durchblick hat. Da könnte man höchstens mit dem Satz kommen "Du bist nicht dazu fähig, den Film verstehen zu wollen !", nur solange die andere Person ihr Unverständnis darüber, so einen Film gutzufinden, in höfliche Worte bettet, sagt man soetwas natürlich auch nicht. Man denkt es sich nur. |
| Nigthmare | @Mindfuck-Movies: Das tolle an diesen Filmen ist ihre Dualität. Paralell zu der in der Handlung vorkommenden, unlogischen und bizarren Geschichte überwiegt hier eine gewisse massive Symbolik. Eine eigentliche Kernaussage solcher Mindfuck-Filme übergeht jeden, der die ensprechenden Zeichen zu deuten nicht in der Lage ist. Zum Film Donnie Darko gibt es eine Interpretation die mir sehr gefällt. Wer den Film einmal gesehen hat und rätselt welch tieferen Sinn er hat, kann sie sich mal durchlesen: [URL=http://www.filmzentrale.com/rezis/donniedarkoat.htm][klick][/URL] Alle anderen sollten sich den Film ansehen, bevor sie das lesen. MfG Nigthmare |
| SinRaziel | -------------------------------------------------------------------------------- Original geschrieben von Darket Den hab sogar ich beim ertsen mal verstanden -------------------------------------------------------------------------------- Du kriegst nen Keks, Streber :D Ich hab ihn zwar auch beim ersten Mal verstanden, aber ich finde, wenn man dann das Ende kennt, ist der Film beim zweiten Mal gucken irgendwie tiefgründiger, weil man auf mehr Einzelheiten achtet. Empfehlenswert bei Filmen à la Memento, Butterfly Effect, Mindhunters, Identität etc.. Da ich aber so gut wie jeden Film, der es irgendwie in meine Top 500 geschafft hat, eh für gewöhnlich ein paar Mal schaue, ist das vielleicht nicht allzu aussagekräftig :D @Odessa: Ich bin in der Hinsicht wohl wirklich die typische Klischeefrau, als dass ich zu den Leuten gehöre, die sich in Filme (und Bücher und Musicals und Musik und ..) völlig hineinversetzen können - so dass ich bei einem auch nur halbwegs traurigen Film am Ende meist diejenige bin, die am Schniefen ist. Das muss nicht unbedingt der Romantikknüller des Jahres sein oder das Drama schlechthin - mir reicht es, wenn die Stimmung stimmt und die Figuren "echt" rüberkommen. Ich bin daher eine von den komischen Leuten, die sogar bei Star Wars III das ganz große Heulen kriegen ;) .. und beim Wixxer, aber [I]das[/I] hat eher andere Gründe :D |
| blue79 | Oh ja den spruch kenne ich.Meine Freundin eine glühende verehrerin von Johnny Depp legt mir nahe den Film das Geheime Fenster zu schauen. Nach ner dreiviertelst. schaltete ich um da ich ihn langweilig fand. Als ich es ihr sagte kamm der spruch na ratet. Klar habe ich den Film nicht verstanden wenn ich nach ner weile abschalte . Einen Film aber automatich als gut zu betrachten weil A: Ein Lieblingsschauspieler mitspielt oder B: Weil er "mystich genug ist um nicht von jeden verstanden zu werden ist blödsinn. Wenn man dann aber mit Filme wie Alegria kommt reagieren die meisten genauso.Das ist das was mich dann richtig wütend macht.Aber ich schätze dagegen kann man nix machen.Filmfreaks unter sich eben.:D |
| Trauerwesen | Odessa: Dann sind Fight Club und Natural Born Killers ja doch durchaus Filme, die man schnell doof findet, wenn man die Intention nicht versteht, oder irre ich mich? ich habe jünst am Sonntag noch einen Film nach 10 Minuten abgeschaltet, weil ich ihn auf zweierlei Weise nicht verstanden habe. Einmal akustisch nicht aber auch inhaltlich nicht, es ging um Antikörper, wo nur zusammenhangslose Szenen gezeigt wurden. Sicherlich ist das dann kein Meisterwerk, es sei denn, es soll genau darum gehen, also Absurdität usw. |
| Ardath Bey | Allerdings ein interessantes Thema. Ich stimme zu das man einen Film nicht tiefgründig (vorausgesetzt diese sind es auch) verstehen muß um ihn genießen zu können aber mit dem Effekt des Verstehens lernt man und erweitert gegebenenfalls sein Weltbild und das ist immer von Vorteil. Ein Gutes Beispile dafür mögen Fisher King (König der Fischer) und Nacked Lunch sein. Es macht schon einen Unterschied wenn man die Arthus Sagen kennt und weis das ein Fischer König der Gralshüter ist. Was jetzt Hostel oder auch Saw betrifft gilt für beide das zwar irgendwo sowas ähnliches wie der Ansatz zu Sozialkritik vorhanden ist, dieser aber in keinster Weise ausgearbeitet wird und somit die Filme stumpfes Pop-Korn Kino bleiben. Tut mir leid Cap. Kirk macht 50 Millionen mal tiefgreifendere Aussagen als sämtliche neuen Horror Schocker. Viel interessanter als die nicht vorhandene oder zumindest billige Aussage der Filme finde ich, von der neuen Welle sogenannter Horror oder Schocker Filme auf unsere Gesellschaft zu schliesen. Finesse und eine weitergreifende Philosophie wurden bei den neuen Filmen mit immer extremerer Grausamkeit ersetzt - stumpfes abschlachten steht im Vordergrund. Dabei legt man mehr Wert auf eine ausgeklügelte Tötungsszene als Menschlichen Inhalt. Wo ist die Philosophie wenn ein Mensch der nie geschworen hat NICHT zu töten dann zur Selbsterhaltung tötet? Richtig, da ist keine Philosophie - nur nackte Realität. Interessant wären Hostel oder Saw geworden wenn ein Mönch, egal welcher Religion, mitgemacht hätte. Ich sehe also das wir in einer Zeit angekommen sind in der man nicht einmal mehr den Elan hat philosophische Themen auszuarbeiten sonder sich nur noch mit nackter Realität befasst. Zu David Lynch: Nacked Lunch ist durchaus gar nicht so komplitziert. Ein Mann erschiest im Drogenrausch seine Frau und flüchtet in die Unterwelt bis er sich endlich selbst stellt. Das Problem bei dem Film ist bloß das es glaube ich nur zwei Szenen gibt die nicht im Drogenvollrausch sind. Lost Highway wiederum hat mich vor ein interessantes Problem gestellt das ich zu lösen wusste. Meiner Meinung nach hat David Lynch mit Lost Highway eine Parody auf Mysterie Thriller geschaffen denn wenn man genau hinseiht merkt man das Lynch akribisch falsche Fährten streut die er immer wieder zerstört. Der Witz an dem Film ist also das man permanent versucht ihn zu verstehen obwohl er nicht funktioniert - sozusagen M.C.Escher als Film. Bah, schon wieder soviel geschrieben. |
| Lesther | Was "Lost Highway" angeht, schließe ich mich voll und ganz Ardath Bey an! Ich kann nicht sagen, dass ich den Film schlecht gefunden habe, im Gegenteil, er hat mir den ganzen Film über gefallen und mich gepackt ... Aber am Ende dachte ich mir dann schon - "Häh? was war das denn jetzt?" Zwar mag ich Filme, die man nicht (gleich) versteht, im Grunde gerne, aber irgendwie lässt es einen doch relativ dummgesichtig zurück... so eine klitzekleine Auflösung würde der Qualität des Filmes zugute kommen, denn das würde zeigen, dass er nicht nur wahnsinnig phantasievoll, sondern auch komplex ist... Gutes Beispiel für einen solchen Film ist meiner Meinung nach "Pulp Fiction". Aber wirklich super Thema und Diskussion! |
| Dirtydevil1981 | Erstmal muss ich sagen, dass das hier endlich mal wieder ein richtig schönes Tread Thema ist. So habe nicht alles hier gelesen aber ich denke (und meine es auch überflogen zu haben) das hier Mulholand Drive und Lost Highway schon genannt wurden. Man die fand ich schon echt klasse aber richtig verstanden hab ich die nicht. Dann gab es da Requiem of a dream, super Film, aber wirklich verstanden hab ich den glaub ich auch net, wobei schon besser als die vorher genannten. Mit Deadales hab ich mich auch sehr schwer gefallen und ich muss zugeben selbst Imperium der Wölfe hat beim zweiten Mal immer noch offene Fragen bei mir hinterlassen. Toll fand ich diese Filme alle, obwohl ich sie nicht ganz kapiert hab. |
| coma_black | Wer von sich behauptet, einen Film (oder sonst ein Kunstwerk) "verstanden" zu haben, überschätzt sich einfach. Ich habe es schon erlebt, daß mich unbeholfene No-Budget-Produktionen mit überaschenden Szenen verblüfft haben, andererseits habe ich mich auch schon über die von mir als solche wahrgenommene Inhaltsleere angeblich (oder tatsächlich) großartiger Filme geärgert. Was will man machen? In der Tat ist es aber eben so, daß man mit einem soliden intellektuellen Background in einem Film einfach mehr sehen kann als andere. Seit ich mich z. B. mit vergleichender Mythologie beschäftigt habe, sehe ich ständig Anspielungen auf das Matriarchat und die Dreifaltige Göttin bzw. das Motiv des ständig aufs neue geopferten Heroen. Wer sich mit Ernst Bloch oder der Kritischen Theorie beschäftigt, mit Psychologie oder Soziologie erkennt wieder neue Chiffren und Codes. Dies kann dann letztlich vielleicht sogar zu Überinterpretation verleiten, oder dazu, Apocalypto als historisch unkorrekten Müll zu verurteilen. Was mich allerdings tatsächlich stört, ist einfach, daß viele Leute sich einen Film einfach nur reinziehen, ihn dann schön oder blöd oder lustig finden, und das war es dann. In diesem Falle bleibt es eben bei der einfachen, rein sinnlichen Rezeption des Werkes "aus dem Bauch heraus"; ich denke, wer sich über einen Film äußern will, sollte über dieses Kindergartenstadium der Kritikfähigkeit hinauskommen und wenigstens zu einer rudimentären Intellektuellen Auseinandersetzung mit dem Werk fähig sein. Darum bin ich auch gerne so arrogant, zu jemandem, der herumtönt, daß Hostel "der letzte Sch..." sei, zu sagen, er habe den Film nicht verstanden. (Okay, Hostel ist aber wirklich nicht gerade ein herausragender Film, aber wie das gesamte Splatter-Genre wird er gerne absichtlich unterbewertet, weil es nicht erwünscht ist, daß sich das tumbe Volk mit moralischen Grenzbereichen auseinandersetzt. Und nachdenklich stimmt Hostel wohl jeden, der nicht völlig verroht ist...) |
| coma_black | @ Ardath Bey: Naked Lunch ist von David Cronenberg, nicht von Lynch ;) Cronenberg und seine "Neues-Fleisch-Philosophie" sind allerdings ein Thema, über das man in der Tat nur mit Menschen diskutieren kann, die offen für ganz andere Perspektiven sind, denn so oft, wie ich im Zusammenhang mit Cronenberg Worte wie "pervers" oder "krank" hören musste, scheint seine Kunst wirklich sehr schwer zugänglich zu sein. |
| Odessa | -- Und nachdenklich stimmt Hostel wohl jeden, der nicht völlig verroht ist...) -- Und ich dachte schon ich steh (mal wieder) allein da mit meiner Meinung, daß man in diesem Film durchaus realistische angstmachende bzw. nachdenklich machende Themen behandelt sehen kann ;-) --- Seit ich mich z. B. mit vergleichender Mythologie beschäftigt habe, sehe ich ständig Anspielungen auf das Matriarchat und die Dreifaltige Göttin bzw. das Motiv des ständig aufs neue geopferten Heroen. --- :) Wie ich Dich verstehe... es geht mir auch so, daß ich Dinge aus meinem mich seit Jahrzehnten begleitendem Umfeld in Filme oder Musik übertrage - einfach weil ich diese Ideologie, diese Gedanken, nicht trennen kann von mir und meinem "Sein", meinem Denken. Und wenn ich dann Filme sehe, in denen ich glaube vor lauter Anspielungen und Mehrdeutigkeiten (Parallelen zu Chaosmagick, Sigillen-Ritualen, sumerischen Gottheiten, Atlantis-Theorien, usw.) die sog. "Tür nicht mehr zuzukriegen", während andere Leute nur ein "ganz nett" oder "ich seh da überhaupt keinen Sinn" von sich geben, denk ich auch oft ich bin "zu blöd", den Film so zu verstehen wie er - folge ich der Mehrheit - anscheinend gemeint war. Ich bleibe dann trotzdem bei meiner Ansicht, freue mich über meine eigene Deutung des Filminhalts und nehme dadurch viel mehr als nur oberflächlichen 1,5-Std.-Genuß aus einem Film mit. |
| coma_black | Das ist für mich ja auch das faszinierende daran, daß man Filme oder Musik bevorzugt, die die eigene Identität widerspiegeln. Man wählt gewissermaßen die Kunstwerke, die die momentane innere Befindlichkeit ausdrücken, darum stelle ich mir auch häufig selbst die Frage, warum mir dieser oder jener Film eigentlich gefallen hat. (Bei einem Hostel kann es dann allerdings auch passieren, daß ich die Antwort darauf gar nicht wissen will ;) ) |
| Odessa | :) Coma, das kenn ich auch. Das "Verstehen" eines Films erfolgt, glaube ich, ohnehin eher über die emotionale und unterbewußte Ebene denn über eine "verstandesregierte", zumindest geht es mir bei einer Vielzahl von Filmen so. Aktuelles Beispiel einer Serie, die mich über die Maßen fesselt und so mitnimmt, daß ich immer wieder davon träume und mir bei einigen Szenen (wenn mal wieder Ehefrauen oder Kinder vor den Augen ihrer Verwandten gefoltert werden oder man mit miesen psychologischen Manövern diese Menschen unter Druck setzt für politische Zwecke), ist "24". Die allermeisten Leute die was von guten Agententhrillern und wirklich klug gemachten Actionfilmen drehen, mögen diese Serie wegen der realitätsnahen Handlung zu aktuellen polit. Geschehnissen und Personen (korrupte Präsidenten, Verschwörungstheorien über Terroranschläge, die Macht der Öl-Multis und ihr Einfluß auf die US-Regierung usw.). Das fasziniert mich als alter Kritiker von Bush zwar auch sehr und ich bin dankbar dafür, daß so eine Serie überhaupt laufen durfte im US-Fernsehen und nicht wegen "Hochverrats" oder "Anstiftung zum polit. Ungehorsam" abgesetzt wurde, aber mich fasziniert daran noch viel mehr die unglaublich authentisch rübergebrachte Gefühlswelt aller Beteiligten, vor allem der (jeweiligen) Opfer. Das geht in dieser Serie weit über das Maß hinaus, was ich sonst in Filmhandlungen erlebte. Die ganz reale Bedrohung durch z. B. die Verhängung des Kriegsrechts über einzelnen Städten; die Situation, in z. B. einem Hotel gefangen zu sein das unter Quarantäne steht weil Giftgas darin ausströmte, und man weiß (und von "außen" zuschauen muß, hilflos) daß alle Menschen darin binnen weniger Stunden sterben werden; die Situation, daß Dein eigenes Kind Geisel ist und Du - um es zu retten - z. B. einen engen Freund erschießen mußt oder etwas tun mußt, das 100 anderen unschuldigen Menschen das Leben kostet; die Gefühle, mitanzusehen wie jemand neben Dir verblutet oder erstickt und Du kannst nicht helfen; die Gefühle die man hat, wenn man sich um Ehepartner, Kinder oder andere geliebte Menschen sorgt weil irgendwelche wahnsinnigen Politiker oder/und Terroristen (in der Serie meist das Gleiche *zyn*) dieser Menschen Leben als Druckmittel oder als "Kollateralschäden" kaltlächelnd in Kauf nehmen - das geht mir an die Nieren ohne Gleichen und wurde in noch keiner mir bekannten Serie/Film so dermaßen "hautnah" und ergreifend, ohne dabei pathetisch zu werden, vermittelt. Meine Mutter wurde mal als "rechte Hand" eines der hochrangigsten Richter Bayerns im Gerichtsgebäude festgehalten, weil dort Bombenalarm herrschte. Deutsche Terroristen hatten damals telefonisch verkündet daß sie eine Bombe dort deponiert hätten und diese zünden würden, käme man ihren Forderungen nicht nach. Die Zeit, bis meine Mutter sicher aus dem Gebäude evakuiert werden konnte, werde ich nie, niemals, vergessen. Jede Sekunde, die man bangt und Angst hat um diesen Menschen... unbeschreiblich. Wer sowas noch nie erlebt hat, kann sich überhaupt nicht vorstellen welche Gefühle man hat, sieht man in einer Serie wie "24" genau solche Situationen wieder und erlebt die Kaltschnäuzigkeit (die gespielte), die unfaßbare Menschenverachtung und Grausamkeit der Täter solcher erbärmlich feiger, inhumaner Aktionen "filmisch" wieder. Mir braucht dann niemand zu sagen, ich würde den Film "nicht verstehen" weil es doch "nur" überspitzt dargestellt wäre oder "so in echt gar nicht sei". Ich weiß, wie echt es ist, in Kriegen und bei Anschlägen geliebte Menschen zu verlieren, und meine Sympathie und Dankbarkeit gilt jedem Regiesseur und jedem Schauspieler, der dieses Leid der Opfer und ihrer Familien und die unfassbare Ohnmacht und Hilflosigkeit, die man als Angehöriger verspürt, in einem Film/einer Serie verarbeitet. Von daher - um den Faden wieder aufzugreifen - gibt es Filme/Serien, die bei mir weit jenseits solcher allgemeinverständlicher oder Kritiker-beurteilbarer Begrifflichkeiten wie "gutes Drehbuch, geschickte Kameraführung" oder "guter Spannungsbogen" laufen, denn diese Filme "verstehe" und erfasse ich nur mit dem Bauch und dem Herzen. |
| coma_black | @Odessa: Puh, da hast Du allerdings schon Sachen durchgemacht, deren Bedeutung wohl niemand nachvollziehen kann, dem es nicht schon ähnlich ergangen ist. Mein Leben war da bisher etwas ruhiger und ich weiß auch gar nicht, wie ich so etwas verkraften würde (und ob ich es überhaupt könnte). Ich für meinen Teil bin sehr empfänglich für melancholische Stimmungen und für apokalyptische Szenarien, für die letzte große Tortenschlacht in Dawn of the Dead, oder die Battle Royale. Es ist für mich irgendwie ein einfach nur schönes Erlebnis, wenn ich mich für eine Filmlänge von der inhumanen Kälte und Hoffnungslosigkeit fertigmachen lasse, um danach neue Kraft fürs Leben zu schöpfen. |
| Odessa | Man wird demütig dadurch und freut sich wie ein Kind über jeden Tag, an dem einfach nur "nichts" passiert, die Sonne scheint, alle Lieben und man selbst wohlauf/schmerzfrei und am Leben sind:-). --- Ich für meinen Teil bin sehr empfänglich für melancholische Stimmungen und für apokalyptische Szenarien, --- Oh ja. Es gibt ganz wunderbare Filme die mit genau diesen Emotionen ganz bewußt spielen - und auch diese Filme "versteht" man für gewöhnlich nicht, man erfaßt sie, man läßt sich von ihnen entführen auf eine Gefühlsreise. Was VictoriaCookie schrieb, find ich auch sehr richtig: wieso darf man nach Ansicht einiger selbsternannter "Intellektueller" nicht einfach nur einen Film genießen weil man dabei abschalten will, weil man sich fallen lassen will in eine herrliche Kitsch- und Romanzenwelt... Filme wie Highlander, Braveheart, Gladiator etc. sind alles Filme, die weder sozialkritische noch "künstlerisch-intellektuell" hinterfragbare Handlungen haben - aber sie sind Filme, die Millionen noch nach Jahren, Jahrzehnten, zu Tränen rühren und die, so unrealistisch (Highlander) sie auch sind, das Gefühl einer besseren, gerechteren Welt vermitteln wenigstens für 90 Minuten... sowas, denke ich, darf und soll Mensch sich doch gönnen ohne sich dafür herablassend als "Schnulzenheini" oder "mainstream-Mitläufer" herabwürdigen lassen zu müssen. :) |
| coma_black | Filme wie die oben genannten sind meiner Meinung nach gar nicht sooo unintelletuell, wie viele das gerne haben möchten. Wenn man sich z. B. die Frage stellt, warum die Gesellschaft solche Erlösergestalten so dringend benötigt (darum ja auch der komerzielle Erfolg etwa eines Gladiator) tut sich doch bereits ein Fass ohne Boden auf. Das "Problem" solcher Mainstreamfilme ist doch eigentlich nur, daß sie relativ leicht zugänglich sind, weil sie vorgeben, eine Geschichte zu erzählen. Darüber, daß dann die "Geschichte" - die letztlich ja nur im Kopf des Zuschauers entsteht, der die einzelnen Szenen zu einer mehr oder weniger logischen Einheit verbindet - mitverfolgt wird, geht dann eben meistens auch dem intellektuellen Publikum der Blick für die Feinheiten der Inszenierung verloren. Z. B. die Szene in Highlander, in der die Kamera ein Aquarium langfährt und dann in einem schottischen See auftaucht, dabei einen Zeitsprung von einigen hundert Jahren macht, usw. In meinen Augen pure Ästhetik. Andersherum ist es auch manchmal so, daß Filme als Kunst gelten, nur weil sie sich dagegen sperren, eine Geschichte zu erzählen. Klar sind postmoderne Trümmerhäufen von Tarantino oder Lynch großartig, aber nicht immer zwangsläufig "besser". Sie sind eben anders, unkonventioneller, experimenteller, weil sie die gängigen filmischen Regeln herausfordern. |
| Odessa | Sehr interessante Ansichten hast Du... das wird hier leider aber zu off topic wenn ich drauf näher eingehe, doch wenn Du magst, können wir das Gespräch an anderer Stelle fortsetzen in einem freundeskreis, wo es noch mehr "Cineasten" hat ( link bei interesse via pn) :) |
| coma_black | Für einen Austausch über Filme bin ich DVD-Junkie jederzeit zu haben. |