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    Thema: AleX Page, mein erstes Buch ist draußen
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ALeX Page - Gothic Tales






Alex Page - Gothic Tales
Christopher Müller


Preis: EUR 11,00
Lieferzeit :






Buch Paperback 240 Seiten
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Schauplatz der Handlung ist eine düstere, alptraumhafte Großstadt, umgeben von Wäldern, in der einsame Seelen ums Überleben kämpfen. Das Ende scheint nah, und der Eisregen ist allgegenwärtig.

Da ist zum einen Zoe, die ihre geliebte Mutter verloren hat und Rache für den Mord nehmen will. Und Kim, die nach ihrem Weg aus der Irrenanstalt sucht. Lucy wird von schrecklichen Alpträumen heimgesucht und kämpft gegen den Schlaf. Rätselhafte Morde beschäftigen eine junge Schriftstellerin.

Und alle verbindet der auf mysteriöse Art und Weise verschwundene Sänger einer Gothic-Band AleX Page.

Die Kurzgeschichten wachsen, einem Puzzle gleich, nach und nach zu einem Gesamtkonzept.

Ewigkeit ist nur der Anfang ...

Hier zu bestellen:
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unseen sparkHmm... klingt nicht schlecht...
Hoffentlich gibt's bald wieder Taschengeld... :D
(Kannst du nicht vielleicht auch eine kleine Leseprobe reinsetzen? Dann kann man sich noch ein besseres Bild machen...)
inVISILeseprobe AleX Page (copyright Christopher Müller)

Jason – a gothic nightmare

Long after midnight on a night like this, I´d sit by ma black light and dream of your kiss, pulsating music fills my room and my head and I´d dream what it would be like with you in my bed.
Your best nightmare - London After Midnight

Es war vier Uhr in der Nacht in einem dunklen Apartment in der Stadt. Das Zimmer war verraucht und ungepflegt. In einer Ecke stapelten sich leere Pizzakartons. Die Tapete war an einigen Stellen zerfetzt und das Holz darunter guckte hervor. Die Decke des Zimmers war schwarz gestrichen. Und auch die Tapete wirkte sehr dunkel. Eine nackte Glühbirne hing an der Decke, aber sie war nicht erleuchtet. Das einzige Licht im Zimmer rührte von einigen wachsenden Kerzen her, die mit einem starken Patchuli-Duft den Raum schwängerten, in dem wir uns befanden.
Mein Blick wandelte vorbei an meinem besten Freund, der auf dem Bett über seine Freundin gebeugt lag und blieb am Radiowecker haften. Diese rot leuchtenden Zahlen – four a.m. – die Uhrzeit. Die Zahlen schienen sich nicht zu verändern. Die Zeit schien still zu stehen. Trotzdem war der neue Morgen nur noch eine Frage der Zeit. So schien es doch, als würde die Nacht noch ewig dauern.
Wir hatten den Abend in unserer Stammdisko, dem Brain, begonnen, dabei waren wir schon ziemlich früh gelangweilt in dieses Apartment zurückgekehrt. Wir hatten uns ein wenig betrunken, eine leere Flasche Absinth stand auf dem Tisch. Ich steckte mir eine Zigarette an, Prince Denmark war meine Sorte. Die Zigarette in meiner Hand fühlte sich sonderbar an, fast wie ein Insekt, das einen eigenen Atem hat. Ich führte sie zärtlich an meinen Mund und zog den Rauch in meine Lungen und ließ ihn dort eine geraume Zeit, um ihn dann durch die Nasenlöcher entweichen zu lassen.
Ich hörte, wie Dawn leise seufzte – immer wieder. Sie schien es zu genießen, wie mein bester und einziger Freund mit seiner Zunge über ihren Körper wanderte. War es ihm entgangen, dass sie es war, die ich anbetete? Und das schon seit Jahren... dass sie für mich die Unerreichbare war, die ich als stiller Verehrer auserkoren hatte. Doch ich hatte nie den Mut gefunden, es ihr zu gestehen. Nun waren die beiden zusammen, ein Paar, so schien es jedenfalls, obwohl es wahrscheinlicher war, dass sie sich nur die Einsamkeit vertrieben. Dass diese kurze Vereinigung auf dem Bett nichts weiter war, als ein Zeitvertreib. Doch für mich war es Qual. Es mit anzusehen, aus dieser Nähe, mit anzuhören, wie sich ihr Atem in leise Stoßseufzer verwandelte, die ihre Lust verrieten. Jason sah mich für einen kurzen Moment an. Und als unsere Blicke sich trafen, war ich mir sicher, war es mir sonnenklar, dass er wusste, wie sehr er mich mit dieser Tat verletzte. Er lächelte ein wissendes Lächeln und klammerte sich dann wieder an das halbnackte Mädchen unter sich.
Ich versuchte das Bild der beiden aus meinem Kopf zu verbannen und blickte aus dem Fenster. Ich sah dem Regen zu, wie er die Scheiben herunterperlte, den Staub und den Dreck wegspülte, so dass man wieder freie Sicht auf die Straße hatte, in der sich auch noch zu dieser Zeit unzählige Autos entlang schoben. Von hier oben sahen sie aus wie Insekten, wie Ameisen. Neben dem Fenster war eine Neonleuchtreklame angebracht, die für einen Puff warb, der sich unter uns befand. Mir ging das elektronische Knistern auf die Nerven, es war so unrythmisch. Der Takt, in dem das Licht aufblitzte, traf sich mit dem von Dawns Lustseufzern. Ihre Erregung schien sich zu steigern, und dadurch wuchs auch meine Qual...
Wie gerne wäre ich jetzt an Jasons Stelle gewesen...und mir meinen Weg zwischen ihre langen Schenkel gebahnt, um sie von Innen zu fühlen. Doch ich war nicht Jason. Ich war ja nur sein Freund, sein Gefährte, derjenige, der ihm ständig Gehör schenkte, sich seine nichtigen Geschichten anhörte, die er in einer Tour von sich gab. Es war ein Wunder, dass Jason jetzt schwieg, denn normalerweise sabbelte er in einer Tour auf mich ein. Und ich? Ich war introvertiert und schwieg die meiste Zeit. Nein, es war nicht so, dass ich nicht etwas zu sagen hätte, aber es lag wohl eher daran, dass ich ihm nichts zu sagen hatte. Und dass ich es zur Gewohnheit gemacht hatte, meine Ohren offen zu haben, zu lauschen, zu verstehen und versuchte daraus zu lernen, doch noch immer war das Leben für mich ein Rätsel, und vor allem die Frauen. Ich verstand sie nicht, und mir gelang es auch nie, mich ihnen wirklich zu nähern. Als stünde eine große Barriere vor mir, die ich nicht überwinden konnte.
Es war Jahre her, dass ich etwas mit einer Frau gehabt hatte...
Doch damals war es nur eine harmlose Teenagerschwärmerei gewesen. Verschwitzte Nächte auf Autorücksitzen, im Autokino, das Übliche, ohne große Gefühle und ohne große Lust. Und dann war ich immer mehr in mich gegangen, hatte immer mehr geschwiegen und weniger gelacht, war zu einem Außenseiter geworden, den alle mieden. Meine schwarze Kleidung war nur ein äußeres Zeichen, eine Art mich von den anderen abzugrenzen. Und diese Abgrenzung war mir sehr gut gelungen. Und so war auch die Distanz zu den Frauen immer mehr gewachsen.
Ich konnte Dawn riechen, der ganze Körper voll Schweiß glänzte im Kerzenlicht. Ich konnte sogar einen Blick auf ihre nackten Brüste erhaschen, ihre aufgeregten Nippel, die nur darauf warteten, von Jasons Zunge umspielt zu werden, von seinen Bartstoppeln gekratzt zu werden.
Ich zog an meiner Zigarette und versuchte, mich abzulenken. Ich konnte die Erregung, die in mir wuchs, nicht abschütteln. Das Blut rauschte durch meine Adern, immer wieder wendete ich mich um und erhaschte kurze Blicke auf das Treiben neben mir, das sich immer weiter steigerte, lauter wurde und schneller. Das Bett quietschte leise. Und Jason gab kaum Laute von sich. Ich hörte nur seinen leisen Atem...
Warum ich gerade mein Herz an Dawn verloren hatte, wusste ich nicht. Eigentlich war sie es gar nicht wert, weil sie sich mit meinem Freund abgab, für den ich, bei genauerer Betrachtung, gar nicht wirklich viel übrig hatte. Aber trotzdem verband uns etwas.
Wir hatten zusammen dem Tod ins Auge gesehen, wären beinah zusammen bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Dieser Vorfall, den wir gerade so überlebten, hatte uns zusammen geschweißt und uns in den nächsten Jahren zu ständigen Gefährten gemacht. Wir harmonierten gut zusammen, auch wenn wir in unserem Wesen unterschiedlicher waren als Feuer und Wasser.
Ich war der Wasserdampf, der über Jasons heißem Feuer schwebte. Gasförmig. Diffundierend. In ständiger Bewegung. Nur seine Hitze hinderte mich daran, wieder flüssig zu werden und in meinen normalen Zustand zurück zu kehren.
Wieder trafen sich Jasons und mein Blick. Er sah meine Erregung ganz deutlich, meine geröteten Wangen, die mein ansonsten kreidebleiches Gesicht mit Farbe füllten, mit roter – blutroter – Farbe. Blutrot wie meine stark geschminkten Lippen. Der Kajal um meine Augen war verwischt und viel zu dick aufgetragen. Meine Augen waren glasig, und auch ich atmete schwer.
Jason wendete sich wieder Dawn zu, knöpfte nun ihre Hose auf und drang in sie ein.
Ich konnte es nicht mehr ertragen und fragte mich, ob ich gehen sollte. Aber draußen regnete es, und ich war nur leicht bekleidet, hatte meine Jacke im Club vergessen. Vielleicht hätte ich auf die Toilette gehen sollen, um dort eine zu rauchen...wenn ich wieder käme, wären sie womöglich schon fertig, oder?
Ich ließ meinen Blick wandern und fand schließlich Jasons große Plattensammlung und blätterte durch die Kisten, zog schwarze Vinylscheiben aus den Hüllen, sah mir die Cover an und entschied mich schließlich für ein Album von The Cure. „Pornography“ – mein Lieblingsalbum. Ich schaltete den Plattenspieler ein und setzte den Saphir in die Rille. Die Schallplatte knisterte. Die Musik, die ich nur leise aufgedreht hatte, mischte sich mit den Geräuschen, die der Regen verursachte, dem immer währenden elektrischen Knistern der Neonleuchtreklame und den Seufzern von Dawn.
Als ich den Radiowecker betrachtete, fiel mir auf, dass es noch immer 4 Uhr war. Es schien unmöglich zu sein, dass weniger als eine Minute vergangen sein sollte.
Ich vertiefte mich in den Gesang von Robert Smith. Für eine kurze Zeit vergaß ich sogar, daß mein bester Freund es mit meiner Angebeteten neben mir trieb und dem Höhepunkt immer näher kam.
Dann drang wieder dieser Geruch von ihr in meine Nase, ein starker Geruch, der Geruch des Schweißes vermischt mit ihrem Parfum. Eine Träne rann meine Wangen hinab, schwarz war sie, schwarz vom verwischten Kajal. Ich schmeckte sie, meine Zunge auch.
inVISIDawns Seufzer hatten sich in ein gleichmäßiges Stöhnen verwandelt, es war für mich unmöglich, nicht darauf zu achten. Sogar mein Atem schien sich diesem Rhythmus anzugleichen. Und so auch mein Herzschlag. Immer schneller, bis sie schließlich einen lauten, hellen Ton ausstieß und sich verkrampfte, sich dann, völlig verschwitzt, von Jason löste und in einer Ecke des Bettes zusammenkauerte. Ihre klitschnassen Haare hingen in ihr Gesicht, sie zündete sich eine Zigarette an. Jason kroch vom Bett und näherte sich. Ich lag auf dem Bauch und blätterte in dem Booklet der Schallplatte, guckte mir die Lyrics an, eigentlich eine sinnlose Sache, da ich sie alle auswendig kannte. Ich spürte seinen Atem im Nacken, er legte sich von hinten auf mich und fuhr mit seiner Hand durch meine Haare. Ein merkwürdiges Gefühl...
Ich verspürte eine Gänsehaut und wollte ihm sagen, dass er aufhören sollte, aber ich war noch immer zu verstört. Meine Gedanken waren noch bei Dawn, die nackt auf dem Bett kauerte. Dawn beobachtete uns beide mit schneidenden Blicken, dem Blick eines Chirurgen.
Jason schien ein Ziel zu verfolgen. Er zog mit seinen Händen mein T-Shirt aus der Hose, fuhr mit einer Hand unter mich und knöpfte meine Hose auf. Er öffnete den Gürtel und zog meine Hose dann langsam nach hinten. Spätestens jetzt hätte ich ihm sagen sollen, dass er es lassen sollte. Aber die Erregung, die Dawn in mir geweckt hatte, war noch nicht gewichen. Und ich blickte zu ihr, wie sie dort nackt saß und stellte mir vor, es wären ihre Hände, die meine Hose aufknöpften, ihre Lippen, die auf meinem Rücken heiße Küsse hinterließen, ein Frösteln in mir weckten, das meine Wirbelsäule hochkroch bis in den Nacken. Jason striff meine Unterhose ab und massierte mich. Das T-Shirt hatte er weit hochgeschoben und fuhr mit seinen langen, schlanken Fingern über meinen Rücken. Er hatte eine gute Massagetechnik drauf, die mir wohltat. Zum ersten Mal seit Monaten gingen meine Rückenschmerzen zurück. Ich spürte sein Gewicht auf mir. Er war schwerer als ich, muskulöser und behaart, wohingegen ich fast gar keine Körperhaare hatte. Dann flüsterte er mir mit seinem heißen Atem ins Ohr, ich solle mich umdrehen. Und wie in Trance folgte ich seinem Vorschlag. Es war wie im Traum, ich hatte nicht das Gefühl, als könnte ich mich widersetzen. Dabei hatte ich nie den Wunsch gehabt oder das Verlangen, es mit einem anderen Mann zu treiben. Aber in diesem Moment passierte einfach alles.
Es geschah, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte. Und dann war da ja diese Erregung und Dawn, und ich schloss meine Augen und stellte mir vor, wie er sich über mich beugte. Ich spürte nun Jasons Mund, seine Lippen zwischen meinen Beinen. Und ich ließ ihn gewähren. Vor meinem inneren Auge spielte sich die gleiche Situation, die ich eben miterlebt hatte, noch einmal ab, nur dass ich jetzt auf Dawn lag.
Wie Dawn zuvor, gab auch ich Seufzer von mir, fast genauso hoch, lustvoll. Jason machte immer weiter, als wolle er mich auf seine Art entschädigen. Oder vielleicht wollte er mich auch einfach nur demütigen. Oder er war im tiefsten Inneren bisexuell.
Ich wusste es nicht. Aber meine Gedanken waren sowieso nur bei ihr. Und dann fing es an, wirklich seltsam zu werden. Ich hatte ihre Stimme in meinem Kopf, nicht wie meine Gedanken es suggerierten, sondern es war so, als spräche sie direkt zu mir. Und als ich aufblickte für einen Moment und in ihre Richtung sah, lächelte sie mich an. Sie sprach zu mir, ganz leise in meinem Kopf. Sie sagte, dass ich Jason in Wirklichkeit gar nicht mochte, dass ich ihn sogar verabscheute. Und dann sagte sie, dass sie ihn in Wirklichkeit sogar noch mehr hasste. Dass sie etwas mit ihm vorhabe, und dass sie mich dazu brauchte. Und das alles formulierte sie so aus, wie sie sonst auch sprach, und ihre Stimme klang so laut auf einmal und realistisch, dass ich es mir nicht einbilden konnte...
Sie zielte direkt in meinem Kopf, als könnte sie Gedanken lesen. Ich musste wieder an ihren Blick denken, den Blick eines Chirurgen. Konnte sie wirklich in mein Innerstes schauen?
Sie sagte, dass sie spürte, dass ich an sie denke und mir vorstelle, mit ihr zu schlafen. Mit einmal eröffnete sie mir, dass es ihr eben genauso ergangen war. Und dass sie all die Jahre gewusst hatte, dass in meinem Herzen sich alles nur um sie drehte. Und sie hatte es genossen. Diese stille Bewunderung hatte sie genossen. Sie mochte mich auch, viel mehr als Jason.
Ich musste wieder an sie denken. Ich fragte mich, warum ich sie liebte. Denn ich verachtete sie auch auf eine Art, für das was sie machte.
Jason und ich gingen zur Uni und studierten Literatur. Sie hatte das Studium geschmissen, verdiente sich jetzt ihr Geld auf andere Art und Weise. Sie hatte angefangen, ihren Körper in einem Nachtclub zur Schau zu stellen, sich von alten, gierigen Männern angeilen zu lassen für Geld. Und ich hasste sie dafür.
Jason sagte sogar, dass sie es manchmal für Geld mit anderen Männern trieb. Aber ich hatte es nie glauben wollen. Obwohl es sehr wahrscheinlich schien, dass diese Gerüchte stimmten.
Dawn lachte leise, nur in meinem Kopf. Die Leute reden viel. Dann sagte sie, ich weiß auch, dass du eine Künstlerseele hast, dass du Hunderte von Gedichten geschrieben hast, und dass sich in vielen Gedichten alles nur um sie dreht.
Ich stöhnte. Jasons Zunge traf meinen wunden Punkt, der Lust in mir weckte. Die nun zu einer nie gekannten Erregung anschwoll. Meine Augen hatte ich auch immer geschlossen, dann lass sie zu, sagte sie. Komm, lass dich treiben, werde zu Flüssigkeit, du bist die längste Zeit Dunst gewesen vor seinem Feuer. Werde flüssig, ergieße dich, los komm. Dann explodierte ich, so dass sich Jason fast verschluckte. Und ich fühlte auf einmal, wie meine Kraft mich verließ, wie mich die Ekstase meiner Kraft beraubt hatte, und ich wurde müde und schläfrig und sank in einen tiefen, festen Schlaf.
In meinem Traum drehte sich noch immer alles nur um Dawn. Ich wandelte in diesem Traum mit ihr durch die Straßen, wir unterhielten uns. Es war erschreckend, wie sehr sich unsere Weltansichten glichen. Unsere Hoffnungen und Träume, sie erzählte mir von ihrer Arbeit, und dass sie sie eigentlich verabscheute. Aber sie sagte einen Satz, der mir sehr zu denken gab in diesem Traum. Sie sagte, dass wir zwar wussten, wenn wir etwas machten, was schlecht für uns war, aber dass wir trotzdem nicht davon ablassen konnten. Von unseren schlechten Angewohnheiten, die so sehr ein Teil von uns geworden sind.
Und dann verblasste auch dieser Traum, und ich sank endgültig in Morpheus` Arme und erholte mich in diesem langen Schlaf. Die Nacht dauerte wirklich noch lange, viel länger als es eigentlich hätte möglich sein dürfen. Als ich aus meinem Traum erwachte, lag ich mit dem Kopf auf Jasons nackter Brust, der noch immer schlummerte. Draußen war es noch immer dunkel. Und der Radiowecker zeigte halb fünf an, was ich nicht für möglich hielt. Wahrscheinlich war er kaputt, das war die einzige Erklärung. In diesen eisigen Winternächten blieb es lange dunkel, ich schaute mich um, doch ich konnte Dawn nirgendwo sehen. Vielleicht war sie gegangen, vielleicht auch nur im Bad oder unter der Dusche. Ja, ich hörte das leise Rauschen des Wassers, stellte mir vor wie es an ihr herunterperlte, an ihrem eingeseiften Körper. Dann verstummte auch dieses Geräusch, schließlich hörte ich tapsende Schritte über den Holzfußboden.
inVISIIch wollte mich aufrichten und nach ihr umschauen, doch ich war wie gelähmt, ich konnte mich nicht bewegen, nicht mal meinen Kopf. Meine Glieder waren so schwer, noch immer war ich kraftlos und ausgesaugt. Ich lachte – ausgesaugt. Besser passend hätte ich es nicht ausdrücken können. Dann sah ich eine dunkle Gestalt im Zimmer über mir, nur von dem blauen Neonlicht angeleuchtet. Sie war noch immer unbekleidet, aber die Kerzen waren herunter gebrannt, und sie war nur eine Kontur. Sie lachte leise wie eine kleine Hexe und streute dann ein blaues Pulver, das unwirklich glitzerte und funkelte, auf mich hernieder. Das blaue Pulver roch wie tausend und eine Nacht und benetzte mich wie ein Zaubereis. Ich hatte Angst, wirklich Angst. Auf einmal fürchtete ich mich vor ihr, als sei sie eine dunkle Königin oder Zauberin aus einem Märchen, die sich über mich hermachen wollte. Und mit mir Sachen machen wollte, vor denen ich Angst hatte. Sie hob ihr eines Bein und preßte ihren einen Fuß kraftvoll auf meine Brust, als wollte sie mich am Boden festdrücken. Aber ich konnte mich ja sowieso nicht erheben. Ich sah ihre nassen Haare, sie duftete nach Pfirsich, nach ihrem Shampoo und glänzten. Dann kniete sie sich nieder und setzte sich auf mich und sah mich an. Ich musste träumen...Ich hielt diese Situation für unwirklich, irreal, seltsam. Es konnte nicht die Wirklichkeit sein. Es war wie in einem meiner Träume. Denn in meinen Träumen hatte sich Dawn mir schon oft zugewendet. Sie bewegte ihre Lippen nicht und sprach trotzdem zu mir. Du bist schon wach, nun wird sich alles ändern, mein kleiner Prinz. Und sie streichelte sanft durch meine Haare.
Jason hustete im Schlaf und zuckte, als hätte er einen furchtbaren Alptraum.
Dawn sprach zu mir, ich habe ihm einen Traum geschickt, nicht so einen süßen wie dir. Ich habe Jason einen Alptraum geschickt, den er verdient. Und dann beugte sie sich ganz weit herunter und küsste mich auf die Lippen und rang mir den Atem ab. Sprichwörtlich war es, als saugte sie Luft aus meinen Lungen, meine Lebenskraft aus mir heraus. Ich wurde noch schwächer, schwächer als ich es sowieso schon war, vollkommen ausgeliefert. Und obwohl ich ihrem warmen Körper so nahe war, wie ich es mir in meinen kühnsten Träumen nicht erhofft hatte, hatte ich doch furchtbare Angst vor ihr, vor ihrer Macht.
Immer weiter zog sie mir den Atem aus den Lungen, und mein Körper wurde kälter, eiskalt, ich fröstelte.
„Bitte hör auf“, flüsterte ich. Aber sie dachte gar nicht daran. Dann stand sie wieder auf und ging im Raum hin und her, so dass ich sie nicht mit den Augen verfolgen konnte, denn mein Blick war starr. Und ich konnte meinen Kopf noch immer nicht bewegen. Oder? Ich versuchte es. Und jede Bewegung war schwer. Es war, als wäre alle Kraft aus meinen Muskeln gewichen. Und als wäre ich wie ein Blatt Papier ihrem Wind ausgeliefert.
„Du gehörst jetzt mir“ , sprach die Stimme in meinem Kopf, „ich kann deine Gedanken lesen. Und ich weiß, dass du dich an Jason rächen möchtest für das, was er dir vorhin angetan hat. Und ich erhob mich völlig geschwächt und sah den Radiowecker an und sah, dass es vier Uhr morgens war, als sei die Uhr rückwärts gelaufen. Nein, der Wecker musste wirklich kaputt sein.
Das blaue Pulver auf meiner Haut kitzelte, juckte auf eine beängstigende, unwirkliche Weise.
„Was hast Du mit mir gemacht?“
„Schweig!“ sagte sie. „Wag es nicht, mir zu widersprechen! Niemand widerspricht mir. Ich bin erwacht, ich habe meinen Weg gefunden. Du hast recht, ich habe meinen Körper verkauft. Für eine Zeit, eine Nacht, als ein widerlicher Freier sich über mich beugte, da war in meinem Körper etwas verrückt geworden. Eine Verwandlung, ich habe auf einmal eine Macht verspürt, dann habe ich meinen Mund geöffnet, als wollte ich ihn küssen. Und ich habe die Luft eingesogen, sein Körper hat sich verändert, er wurde durchscheinend, gasförmig, und dann habe ich ihn ganz fest in mich gezogen, seinen ganzen Leib, den schmierigen Leib. Er war wie aus Milliarden kleiner Partikel, die ich in mich einsog, schluckte. Ich behielt sie eine Weile in der Lunge, ging dann zur Toilette, ich netzte meinen Mund, zog dann die Spülung und atmete aus. Und die Partikel wurden von dem Sog erfaßt und in den Abgrund gespült. Hab keine Angst, das habe ich nicht mit dir vor.“
Ich war geschockt, blickte Jason an, der noch immer einen schlimmen Alptraum zu haben schien.
Dann sagte sie: „Ich habe nie an so etwas wie Liebe geglaubt. Nur an Lust. Und Lust war für mich immer etwas Dreckiges. Deswegen war es für mich auch so überraschend, von deiner stillen Bewunderung zu hören, deinen Gedichten. Das hat mich alles sehr bewegt. Zum ersten Mal in meinem Leben hat es mich wirklich bewegt. Und ich merkte, dass ich etwas verändern musste, dass ich mein Leben verändern musste. Ich sehnte mich nach einer Reinheit zurück, die ich längst verloren hatte. Ich weiss es nicht, ob es dir aufgefallen ist, aber Jason hat mich vorhin auf eine Art genommen, die sehr demütigend und widerwärtig war. Du musst wissen, in Wirklichkeit stand er gar nicht auf mich, er hat es nur getan, um dich zu provozieren. Diese Situation hatte er eingefädelt, um sein Ziel zu erreichen. Er war in Wirklichkeit schon seit sehr langer Zeit hinter dir her. An dich hatte er vorhin gedacht, mit dir wollte er schlafen. Nun liegt er hier und windet sich in schmerzhaften Alpträumen, und dabei steht er seinem Schicksal noch bevor. Ich bin noch nicht fertig mit ihm. Wir sind noch nicht fertig mit ihm.“
Dann stand sie auf, erhob sich vom Bett, kauerte über Jason und küsste ihn. Und raubte ihm seinen Atem, wie sie es vorher mit mir getan hatte.
Auch Jason schien sich zu verwandeln, seine Haut wurde bleicher und kälter. Ich bildete mir sogar ein, dass die Temperatur im Raum zunehmend sank. Ich fröstelte. Mir war noch immer so schrecklich kalt und fühlte mich so schwach. Dann erhob sie sich und küsste mich leidenschaftlich und atmete aus. Und die Wärme kehrte ganz langsam in meinen Körper zurück und damit auch die Kraft.
Dann stand sie wieder auf, stellte sich hinter mich, ich wendete meinen Kopf und sah sie an. Die Schallplatte war mittlerweile zu Ende. Aber der Saphir hing noch immer am Ende der Schallplatte und knisterte und sprang hin und her. Nun näherten sich die Alpträume und auch die Nacht dem Ende, ihrem Höhepunkt.
„Ich hoffe, du bist neugierig, wie es ausgehen wird.“
Ich nickte, war aber immer noch ängstlich. Ich hatte solche Angst vor ihr. Sie wechselte nun von dieser blauen Farbe des Neonlichts in einen schwarzen Ton, in einen Umriss. Sie sackte in sich zusammen, schien schließlich die Form einer schwarzen Katze anzunehmen, die mich mit funkelnden Augen anstarrte und sich dann auf meinen Schoß setzte. Instinktiv fing ich an, die Katze zu kraulen, zu streicheln, und sie schnurrte.
In meinem Kopf sprach sie noch einmal zu mir: „Why not?“ Aber ihre Worte bildeten keine Sätze. Es waren eher Gefühle. Sie sprach direkt zu meinem Herzen, ohne einen größeren Sinn zu ergeben.
Die Katze fing an, mich zu kratzen, fuhr die Linien meiner selbst zugefügten Wunden nach, auf eine zärtliche Art und Weise. Dann hob sie die eine Pfote und schleuderte etwas in Jasons Richtung. Es war ein Pulver, das ihn benetzte. Furchtsam beobachtete ich es. Und Jason wurde zu einem Schatten und sank in sich zusammen und nahm die Gestalt einer kleinen Maus an, die furchtsam den Blick der Katze erwiderte, um dann blitzartig in Richtung Tür zu verschwinden.
Nun war ich mir wirklich sicher, dass auch ich einen sonderbaren Traum erlebte. Die Katze, die vorher noch Dawn gewesen war, folgte der Maus aus dem Zimmer, und ich war allein. Ich sank wieder auf dem Fußboden zusammen, und mir fielen die Augen zu. Der Schlaf übermannte mich, und als ich die Augen – es schien wirklich nur für eine kurze Zeit gewesen zu sein – wieder öffnete, war draußen der Tag angebrochen. Ich war noch immer allein im Zimmer. Ich suchte alle Zimmer ab und schaute im Badezimmer nach, aber die beiden waren wohl gegangen. Ich suchte meine Jacke zusammen und wollte den Schallplattenspieler ausstellen, da fiel mir ein schwarzes Büchlein auf, das neben dem Plattenspieler lag. Ich zögerte, doch die Neugier war stärker. Ich öffnete es und blickte in Jasons geheimes Tagebuch. Erst wollte ich es wieder aus der Hand legen, denn es wäre ein großer Bruch in unserer Freundschaft gewesen, die geheimen Gedanken meines Freundes zu lesen, aber ein Satz war mir ins Auge gesprungen, der mich weiterlesen ließ. Er schilderte in diesem Satz seine Absichten für diese Nacht, wie er Dawn benutzen wollte, um mich in sein Bett zu bekommen.
Und so las ich weiter und weiter, während es draußen immer heller wurde. Erst hatte ich noch Angst, dass sie zurückkämen und mich dabei erwischten, aber dann vertiefte ich mich immer weiter in Jasons Gedanken. Ich verstand ihn nun besser. Meine ablehnenden Gefühle verschwanden, denn in seinen Worten fand ich viele Gedanken, die in mir auch vorkamen. Ich verstand ihn immer besser. Der verrückte Traum, den ich in der letzten Nacht gehabt hatte, nachdem Jason es mit mir getrieben hatte, ging mir nicht aus dem Kopf. Immer wieder musste ich an die intensiven Bilder denken, an diesen verrückten Alptraum. Ich packte meine Sachen zusammen und verließ das Apartment, ging das Treppenhaus hinunter, die vielen Stufen. Als ich aus dem Haus gehen wollte, fiel mir in einer Ecke eine schwarze Katze auf, die mir bekannt vorkam. Es war die Katze aus meinem Traum. Sie schien mich anzulächeln, wenn Katzen überhaupt lächeln konnten. Und dann verschwand sie im Dunkeln und ließ mich mit meinen Gedanken zurück...

ende
selanahmm.... wenn ich mal wieder Geld hab werd ich mir das wohl zulegen, hab Lust auf mehr davon bekommen *g*
Pandora4Hallo!

Sag einmal, habe ich das so richtig verstanden, das ist dein Buch?
Wie hast du denn deine Geschichte veröffentlicht?
Schreibe selbst auch und würde mich mal dafür interessieren, wie der Verlauf einer Veröffentlichung ist.
Welche Wege bist du gegangen?

Danke.
angeliaSo sei gegrüßt
ich habe dein buch gelesen und band zwei war leider gerad nich lieferba.
nun dann ich muß sagen es ist der absolute wahnsinn ich habe gelesen und gelesen und nicht nur das man darin versinkkt neeee es macht süchtig und zwar alle die genauer hinschauen und sich mit dingen einfach auseinander setzen.

ich habe es aus dem buch "anderst leben" die kurzgeschichte die dadrin stand fand ich als anlaß um mir gleich deine zwei bücher zu bestellen.
Respekt und ich hoffe da kommt noch mehr.


hast du vieleicht mal ne lesung oder so?

ich kann das buch nur weiter empfehlen und das mache ich auch und ich hoffe das es viele lesen genau wie !anderst leben! von DarkAngel, nur das ich an dem halt selbst mit gewirkt habe......

Blessed Be
Angelia
DeathGirl666klingt echt cool!!!
hey, vielleicht kaufe ichs mir ja tatsächlig *grübel* na ja erst mal muss ic aufs taschengeld warten :)
DeathGirl666nur mal 2 bemerkungen:

der link ist defekt

das buch kostet 12,90€
CyberpaganBemerkung zu den Bemerkung Nr. 1:

Der Link ist - wie das Post auch - über 2 Jahre alt ;)

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