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  Forum: Buchsalon
    Thema: the handmaid's tale
cauchemarhallo! hat jemand von euch schon mal dieses buch von margaret atwood gelesen? wenn ja, was haltet ihr davon? habt ihr es privat oder in der schule gelesen? in englisch oder in deutsch?
NefariaIch hab das Buch letztes Jahr in Englisch-Wahlpflichtfach gelesen und dazu auch den Film gesehen. Ich fand es ganz interessant, muss aber zugeben, dass ich es nicht zu Ende gelesen habe ;) Aber es steht auf meiner Liste der Bücher, die ich noch lesen möchte...
cauchemarhm da gibts nen film zu? wusst ich gar nicht!
NefariaIm Film spielen sogar recht bekannte Leute mit: Faye Dunaway, Aidan Quinn...
Mir hat der Film sehr geholfen mir alles ein bisschen deutlicher vorzustellen. Dadurch, dass ich das Buch auf Englisch gelesen habe, war das Verständnis leider nicht zu 100% vorhanden.
cauchemarwr haben jetzt letztens den film im unterrciht gesehn! es war aber eine deutsche verfilmung, fand ich ziemlich schlecht...das ende und viele andere sachen waren auch anders als im bcuh!
MontroseIch hab das Buch in englischer Sprache und ganz gelesen.


Bei den bisherigen Postings wird so klar nun ja nicht, was Ihr davon haltet. Ich würde mal sagen, es ist ziemlich schwere literarische Kost. Daß das in Schulen abgehandelt wird, wundert mich ein bißchen. Denn um solche Bücher zu verstehen, sind Lehrer in der Regel zu blöd. Lehrer wird nur, wem die Fantasie zu was anderem fehlt. Und dieses Buch ist eine enorme Herausforderung an Fantasie und Vorstellungskraft ...

Die Handlung besteht darin, daß viele Frauen der Oberschicht aufgrund von Alter und Umweltverschmutzung oder, weil sie sich zu fein dazu sind, keine Kinder mehr bekommen. Damit diese Frauen dennoch Kinder haben, werden vornehmlich Frauen mit fragwürdigem Lebenswandel zu Leihmüttern ("Handmaids") versklavt. Auch wenn die Entscheidung zur Leihmutterschaft anscheinend freiwillig erfolgt, sind finanzielle Not als Grund und die klosterhafte Reglementierung des Lebens Zeichen von Versklavung.

Diese Gesellschaftsform wird religiös verbrämt. Um die Versklavung ethisch zu rechtfertigen, erfolgt die Beziehung und der Geschlechtsakt in ritualisierten Formen.
Neben Frauen zwecks Leihfortpflanzung gibt es Frauen mit anderen Aufgaben wie (meist unfruchtbare) Oberschicht-Frauen bzw. Karriere-Frauen, Leihmütter-Ausbilderinnen ("Aunts"), Mägde ("Marthas"), sich zu tote arbeitende Arbeiterinnen und Huren. Die Männer sind entweder Herren ("Commander") oder Soldaten oder Arbeitssklaven.

Die Handlung wird aus der Perspektive einer Leihmutter erzählt.

Es erscheint mir schwierig, die Pointe dieses düsteren Buches herauszuarbeiten. Es sind vielleicht drei Themen, die man isolieren könnte:

1. Was passiert, wenn man die Aufgaben im Privatbereich partialisiert. D.h., wenn eine Frau nicht mehr ganz Frau sein kann, sondern nur noch einen bestimmten Aspekt von Frau lebt und andere Aspekte ausschließt.

2. Man könnte sich überlegen, inwiefern solch eine totalitäre Staatsform Notwendigkeit bekommen könnte. Die Versäumnisse, welche Gilead, der Staat in dem Science Fiction, erst ermöglichten, sind ja bereits heute vorhanden. Eine religiöse Gegenbewegung gegen das gegenwärtige Hurenhaus Deutschland oder Amerika oder einem sonstigen westlichen Sodom und Gomorrha ist aber nicht erkennbar. Und man könnte sich auch überlegen, inwiefern die Partikularisierung des Frauseins, also das falsche Heilmittel Gileads, nicht ebenso bereits existiert.
Was die Autorin ---und das ist die Kritik an dem Buch --- als Widersprüche einander gegenüberstellt und zwangsläufig in eine Diktatur münden läßt, existiert in der derzeitigen Gesellschaft nebeneinander her und führt anscheinend nicht zur Diktatur. Man könnte sagen: die Analyse des Buches ---die nicht in Sprache, sondern in Bildern und Zustandsbeschreibungen erfolgt -trifft zu, aber die daraus resultierenden Vorhersagen/Prophezeiungen sind falsch.

3. Ein Thema dieses Buches ---und das finde ich sehr gelungen und beeidnruckend --- ist die Darstellung, wie ein Opfer eines totalitären Systems mit seiner Situation umgeht. Wie es versucht, die Demütigungen in die eigene Identität zu integrieren, sich davon innerlich zu distanzieren, zu ignorieren und für sich persönliche Freiräume zu suchen. Das Buch zeigt, wie der Widerstand ----selbst ohne polititsches Bewußtsein --- zwangsläufig erfolgt.

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