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  Forum: Buchsalon
    Thema: michel houellebecq
StrapsenKindhab vor kurzem elementarteilchen fertiggelesen und wollte jetzt mal fragen was ihr von seiner these haltet, die er in form des epilogs aufgestellt hat.

vertretet ihr auch die meinung, dass die menschheit dadurch verbessert werden würde, wenn sie sexualität abschafft? ich kann mir das nur schwer vorstellen...
BleedingHeartHmm...nur, wenn man auch die Hormone abschafft denk ich mir.
Ansonsten würde der Mensch wohl von Aggressivität überquellen.
Aber ich denke mir schon, dass ohne Sexualität einiges einfacher wäre und vor allem rationaler.
Sternenstaubfrag mal die lumi :)
Wolkenfelderin "Ausweitung der Kampfzone" stellt er die Theorie auf, dass Sex quasi die Gegenseite vom Geld ist: man muss a) Erfolg in beruf-licher Hinsicht haben (Macht, Geld etc) und b) in sexueller
Dann ist man ein sowohl angesehener als auch zufriedener Mensch.

Meiner Meinung nach hätten wir nach einer Abschaffung von Sex (wie auch immer das möglich sein soll) quasi "kommunistische" Sex - Zustände... Ich meine - im Endeffekt wären vielleicht alle unzufrieden und erfolglos aber ob damit so viel gewonnen wäre...

Mal davon abgesehen, dass wir dann entweder beim aussterben der Menschheit oder bei "Fabrikproduktion" (oh schöne neue Welt...) wären, aber das ist schon wieder ein anderes Thema...
IrisIch habe Houellebecque in Ausweitunge der Kampfzone so verstanden, dass Sex eine konvertierbare Währung ist, eine Art Kapital. Wer gut aussieht, jung ist, gesund ist, hat Sex, hat Erfolg. Er beschreibt das Leben in einer darwinistischen Marktwirtschaft als Kampf, der sich aus dem klassischen Bereich des Materiellen auf immatrielle Kapitalien ausgweitet hat. Die Verlierer dieses Kampfes sind nicht nur die ökonomisch Ausgegrenzezten, sondern auch die Häßlichen, Dicken, Alten..all die, die vom Sex ausgeschlossen sind.
Wie man sein ökonomisches Kapital mehrt, erfährt man aus den Börsenzeitungen, wie man sein sexuelles Kapital mehrt, aus der Men's Health oder der Allegra. Wer hat, dem wird gegeben.

Gegen diese Kultur der Oberfläche hat Houllebecque, da er kein Linker ist, nichts gegenzusetzen. Das kollektive Sex-Paradies, das er in Elementarteilchen beschreibt, in dem jeder seinen Teil vom Kuchen bekommt, egal wie er ausschaut (also eine Art sozialistische, nicht-elitäre Alternative), ist, wenn man seinen angwiderten Beschreibungen folgen darf, keine Lösung.

@ Nix: [quote] Aber ich mag sie nicht. Sie sind Anleitungen zum Selbsthass. Dort ist das Glück nicht zu finden.[/quote]

Seine Bücher sind negativ bis ins Letzte. Sie zeigen kein Licht auf, machen nicht glücklich. Müssen sie das denn (oder war das nur ein persönliches Geschmacksurteil)?
SternenstaubEin verwirrendes, schonungsloses Werk...eine igrgendwie erschreckende Prognose fuer die Zukunft. Und ein sehr depressives Bild der heutigen Gesellschaft. Ich weiß auch nicht ob ich dieses Buch lieben oder hassen soll...
Wolkenfeldermich hat der erzähler in Ausweitung der kampfzone (mag es nun genau H. sein oder doch nur ein Ausschnitt seines Charakters) sehr an den "komischen" aus "brave new world" erinnert (mir ist gerade der Name entfallen) der sich so lange auch mit "anderen Gedanken..." auseinandersetzte wie er in der Kampfzone (um beim Wort zu bleiben) keine Chance hatte. Danach war er null an sowas interssiert. Spiel, Spass, Frauen und Soma...

Das typische "die Trauben sind mir viel zu sauer" verhalten. H wäre in Ausweitung der Kampfzone auch gerne Teil der schönen, begehrten... hat aber schlechte Karten. Was macht er? Er bezeichnet diese Welt als unmenschlich. Klar doch. Aber er kritisiert nicht um zu verbessern, sondern weil er sich ausgeschlossen fühlt... für andere in seiner Situation hat er deshalb auch keinen Blick. Er WILL garkeine andere Situation und er WILL auch nicht das die Kampfzone abgeschafft wird. Er will einfach nur nicht zu den loosern gehören.
TheKillingTideErst mal was persönliches. Beim lesen dieses Thread’s hab ich bemerkt wie gut ich doch Belletristisch bewandert bin, da ich eigentlich fast nur Sachbücher lese war das echt überraschend für mich. Von den erwähnten Autoren hab ich bis jetzt nur Camus nicht gelesen.
Gut, jetzt zu Houellebecq. Ich finde nicht das „Elementarteilchen“ über weite Strecken öde, muffig oder spießig ist. Ich habe diese stellen genossen, Nix hat es ja auch gesagt, nur durch sie schafft es der Roman diese wunderbar negative und desillusionierte Stimmung aufzubauen. Und genau das ist es was mich dazu gebracht hat ihn überhaupt zu lesen. Der Charakter des Brunos in Elementarteilchen hat mich sehr stark an Bukowski erinnert, aber ich denke mal, dass es jeden so gegangen ist. Mit seiner sozialen Unangepasstheit (meiner Meinung nach die unterhaltensten Stellen in Roman, aber das nur am Rande) und seinen sexuellen komplexen ist er ein perfekter Bukowski. Aber auch so erinnert H. stark an Bukowski, dass ist wahrscheinlich auch der Grund warum ich mich sofort mit H. art zu schreiben angefreundet habe. Aber über Bukowski können wir an anderer stelle reden.
Ich bin nicht der Meinung das seine Bücher eine Anleitungen zum Selbsthass sind, viel mehr können sie dazu führen (Ich kann mir vorstellen das man ihn nicht in der Midlifecrisis lesen sollte). Seine Bücher sind viel mehr Gesellschafts- als Selbstkritik. Aber natürlich können sie auch Selbstkritisch gelesen werden, aber ich habe H. jedenfalls nicht so verstanden. [QUOTE]Das kollektive Sex-Paradies, das er in Elementarteilchen beschreibt, in dem jeder seinen Teil vom Kuchen bekommt, egal wie er ausschaut (also eine Art sozialistische, nicht-elitäre Alternative), ist, wenn man seinen angwiderten Beschreibungen folgen darf, keine Lösung. [/QUOTE]
Das liegt einfach daran das es kein Paradies ist. Er beschreibt doch die Unzulänglichkeiten dieser Systeme des sexuellen kollektivismuses sehr eingehend, denn auch dort geht es nur nach Attraktivität und persönlichen vorlieben. Er beschreibt ja keine Schöne neue Welt, wobei auch bei Huxley das system seine Unzulänglichkeiten hat. Denn irgendwie hat jeder seiner Charaktere mehr oder minder starke sexuelle Komplexe, aber das ist ja auch einer seiner Kritikpunkte.
[QUOTE]Mich hat auch aufgebracht, wie bereitwillig Houllebecq den Schönheitsbegriff der Medien kommentarlos aufgenommen hat. [/QUOTE]
[B]Ist nicht sein ganzes Werk eine brutale Anklage dieses Systems?[/B]

So ich bin jetzt mal gespannt wie meine Meinung aufgenommen wird. Da ich ja hier der erste bin der H. vollkommen verfallen ist. Ich finde mich in so vielen was er geschrieben hat wieder. Auch wenn es ironisch gemeint war gefällt mir dieser Ausspruch sehr gut:
[QUOTE]Ich-würde-mich-ficken-wieso-tut-es-dann-niemand-Houllebecq[/QUOTE]

Denn da finde ich mich definitiv wieder. Ich denke mal, dass das erst mal für genug Diskussionsstoff herhält. Aber zu einen späteren Zeitpunkt will auch noch gern auf seine Theorien näher eingehen (Plattform wurde auch noch gar nicht erwähnt).
TheKillingTideBei Plattform gibt es auch noch einen ganz anderen interessanten Aspekt über den man sich wunderbar streiten kann (ich denk mal ihr wisst was ich meine). Aber ich will nicht derjenige sein der diese unsägliche Diskussion lostritt. Außerdem hemmt die „political correctness“ bei den meisten Menschen die Fähigkeit einer objektiven Betrachtung.
Doppelkopf[QUOTE][i]Original geschrieben von Nix [/i]
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Original geschrieben von Sternenstaub
Ein verwirrendes, schonungsloses Werk...eine igrgendwie erschreckende Prognose fuer die Zukunft. Und ein sehr depressives Bild der heutigen Gesellschaft. Ich weiß auch nicht ob ich dieses Buch lieben oder hassen soll...
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[B]Gar kein schlechtes Fazit, finde ich...

Nix
;) [/B][/QUOTE]

Um einen alten Thread mal aufzuwärmen...

Das ging mir auch durch den Kopf!

Zu dem Buch (Kampfzone): Ich fand es damals sehr erschreckend, da ich teilweise meine Gedankengänge zu Papier gebracht wiederfand. Es hat mich damals wirklich in eine Krise gerissen, die mich heute tw. noch einholt, wobei ich es heute differenzierter sehe.
Was mich allerdings etwas wundert, ist dass MH zufolge anscheinend die Dienste von Prostutieren in Anspruch zu nehmen, kein "Ausweg" ist.
Wolkenfelder@Doppelkopf
Ich versteh das mit den Prostituierten so, dass Sex quasi ein Zeichen des Erfolgs ist... so wie Geld, dass man dadurch verdient, dass man im Job erfolgreich ist.
Wenn man Geld im Grunde nur als Zeichen für nen erfolgreichen Job will, dann hilft weder leihen, noch Banküberfall...
Wenn Sex jetzt ein Zeichen "sozialer Akzeptanz" "guten Ankommens" "gemocht werdens" was auch immer ist, dann hilft es nicht nur nichts zu Prostituierten zu gehen, man outet sich damit zusätzlich noch als totaler looser...
TheKillingTideAusweitung der Kampfzone wurde jetzt verfilmt. Bin ja mal gespannt, mache mir aber nicht zu große Erwartungen obwohl MH am Drehbuch mitgeschrieben hatt. Aber vielleicht wird es auch der totale Kultfilm, mal abwarten.
SternenstaubHallo, hallo.
Ich möchte anfragen ob jemand von der geschätzten Leserschaft schon 'Die Möglichkeit einer Insel' gelesen hat / liest.
Ich finde, der liebe Michel wiederholt sich zu sehr. Wieder Klone, Penisse, Nutten. Dazwischen wieder Meinungen der Klone. Welt ist schlecht. Alles wird älter.
Ehrlich gesagt ist es weder neu. Weder informativ. Enttäuschend.
Mein Eindruck nach den ersten 100 Seiten..
FatalistIch warte darauf, dass es als Taschenbuch erscheint. Und ob er sich wiederholt oder nicht, das ist mir eigentlich egal. Die Welt wiederholt sich auch täglich, und wird älter und hässlicher. Wenn mir der Sinn nach anderer Literatur steht, lese ich andere Literatur. Bukowski wiederholte sich auch ständig, Phillip K. Dick kannte auch nur zwei, drei Hauptthemen. Trotzdem sind sie meine Lieblingsautoren. Wenn ich Überraschungen will, kauf mich mir was neues, wenn mir der Sinn nach H. steht, dann kauf ich mir eben einen H. und hab Spass dabei, dass er meine Erwartungen erfüllt.

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