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  Forum: Buchsalon
    Thema: zusammengeführt: lieblingsgedichte und -dichter?
ashipisburningIch habe noch gar keinen "Lieblingsgedicht-Thread" entdeckt.

Vielleicht will ja jemand sein Lieblingsgedicht hier kundtun. Ich weiß, dass sich das ja immer mal wieder ändert, ist also nur eine momentane Bestandsaufnahme.

Meins ist momentan:

Die stumme Schöne

Als ich die junge Clitia
Schön, wie ein Tag im Frühling, sah,
Rief ich: welch reizendes Gesicht!
O Schade! daß sie doch nicht spricht!

Sie sprach, und nun war ich ganz Ohr,
Kaum stammelt sie zwey Worte vor;
So rief ich: welch ein schön Gesicht!
Nur ewig Schade! daß sie spricht.


Christian Felix Weiße
(1726-1804)
the_DragonriderErlkönig von Goethe

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind.
er hat den Knaben wohl im Arm
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm

"Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?"
"Siehst Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron und mit Schweif?"
"Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif."

"Du lieber Knab' komm geh mit mir,
gar schöne Spiele spiel ich mit dir,
manch bunte Blumen sind an dem Strand,
meine Mutter hat manch gülden Gewand"

"Mein Vater, mein Vater und hörest du nicht,
was Erlenkönig mir leise verspricht?"
"Sei ruhig, bleib ruhig mein Kind,
in dürren Blättern säuselt der Wind"

"Willst feiner Knab nicht mit mir gehn?
meine Töchter sollen dich warten schön
meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
und tanzen und wiegen und singen dich ein"

"Mein Vater, mein Vater und siehst du nicht dort,
Erlkönigs Töchter am düsteren Ort?"
"Mein Sohn, mein Sohn ich seh' es genau,
es scheinen die alten Weiden so grau"

"Ich lieb dich, mich reizt deine schöne Gestalt,
und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt."
"Mein Vater, mein vater, jetzt fasst er mich an,
Erlkönig hat mir ein Leids getan"

Dem Vater grausets, er reitet geschwind,
in seinen Armen das ächzende Kind
Erreicht den Hof nur mit Mühe und Not
In seinen Armen das Kind war tot.


Das habe ich in der 8.Klasse vorgetragen.
Fand es einfach so schön gruselig. :D
WolkenfelderDer Reiter

Wir kannten den Reiter
Und ahnten die Macht
Er fasste die flatternde Mähne der Nacht
Die Scharlachdecken bluteten rot
Wir kannten den Reiter
Es war der Tod

(von Ludwig Derlith - glaub ich)
WolkenfelderEine Schande

Die uns krank gemacht haben
haben uns beigebracht:
Krankheit ist eine Schande
So konnten sie die Krankheit
noch ärger machen

Vielleicht aber
haben sie manchmal Recht
und Krankheit ist eine Schande
nämlich für die
die uns krank gemacht haben

(Erich Fried)
bloodflower7Mein süßes Lieb, wenn du im Grab,
Im dunkelen Grab wirst liegen,
Dann will ich steigen zu Dir hinab,
Und will mich an Dich schmiegen.

Ich küsse, umschlinge und presse dich wild,
Du Stille, du Kalte, du Bleiche!
Ich jauchze, ich zittre, ich weine mild,
Ich werde selber zur Leiche.

Die Toten stehn auf, die Mitternacht ruft,
Sie tanzen im luftigen Schwarme;
Wir beide bleiben in der Gruft,
Ich liege in deinem Arme.

Die Toten stehn auf, der Tag des Gerichts
Ruft sie zu Qual und Vergnügen;
Wir beide bekümmern uns um nichts,
Und bleiben umschlungen liegen.

(von Heinrich Heine)


Mondnacht

Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus


Nachts

Ich wandre durch die stille Nacht,
Da schleicht der Mond so heimlich sacht
Oft aus der dunklen Wolkenhülle,
Und hin und her im Tal
Erwacht die Nachtigall,
Dann wieder alles grau und stille.

O wunderbarer Nachtgesang:
Von fern im Land der Ströme Gang,
Leis Schauern in den dunklen Bäumen -
Wirrst die Gedanken mir,
Mein irres Singen hier
Ist wie ein Rufen nur aus Träumen.

(beide von Joseph Freiherr von Eichendorff)


Das ist mein Leid

Das ist mein Leid, daß ich in allzuvielen
Bemalten Masken allzugut zu spielen
Und mich und andre allzugut
Zu täuschen lernte. Keine leise Regung
Zuckt in mir auf und keines Lieds Bewegung,
In der nicht Spiel und Absicht ruht.
Das muß ich meinen Jammer nennen:
Mich selber so ins Innerste zu kennen,
Vorwissend jedes Pulses Schlag,
Daß keines Traumes unbewußte Mahnung
Und keiner Lust und keines Leides Ahnung
Mir mehr die Seele rühren mag.


Welkende Rosen

Möchten viele Seelen dies verstehen,
Möchten viele Liebende es lernen:
So melodisch flüsternd zu verhallen,
So im Taumel auseinander wehen,
So in rosiges Blätterspiel zerfallen,
Lächelnd sich vom Liebesmahl entfernen,
So den eigenen Tod als Fest begehen,
So gelöst dem Leiblichen entsinken
Und in einem Kuß den Tod zu trinken.

(beide von Herrman Hesse)
-rigol-Spontan fällt mir nur eins ein - ein titelloses von Heinrich Heine:

Wer zum erstemale liebt,
Sei's auch glücklos, ist ein Gott;
Aber wer zum zweitenmale
Glücklos liebt, der ist ein Narr.

Ich, ein solcher Narr, ich liebe
Wieder ohne Gegenliebe!
Sonne, Mond und Sterne lachen,
Und ich lache mit - und sterbe.
BlackDawn[U]Weil ich dich liebe[/U]

Weil ich dich liebe, bin ich des Nachts
So wild und flüsternd zu dir gekommen,
Und daß du mich nimmer vergessen kannst,
Hab ich deine Seele mit mir genommen.

Sie ist nun bei mir und gehört mir ganz
Im Guten und auch im Bösen;
Von meiner wilden, brennenden Liebe
Kann dich kein Engel erlösen.

Empfehlen kann ich alles von Hermann Hesse und Gottfried Benn. Letzterer schreibt sehr düstere Todesgedichte, da er Arzt war.
BlackDawnAchja:
Falls ihr nach einem guten Benn-Gedichtband sucht: "Ausgewählte Gedichte" - Gottfried Benn, im Diogenes Verlag erschienen ist ziemlich gut.
Auch ein toller Gedichtband: "Die Lieblingsgedichte der Deutschen" vom Artemis & Winkler Verlag. Dort wurden die 100 beliebtesten deutschen Gedichte anhand von Umfragen ermittelt. Aus 3000 Einsendungen wurde dann dieses Buch erstellt. Das Buch gibt es auch mit Hörbuch CD hintendrin. Sehr zu empfehlen!
NebelschimmerHach Gedichte ... :)

Gut - dann einmal mein absolutes Lieblingsgedicht , auch wenn es ausgelutscht sein soll - ich finde es genial !

[U]Der Panther[/U]

[i]Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein. [/i]


Dann noch etwas anderes sehr schönes von Rilke - ansonsten kann ich die erste Duineser Elegie sehr empfehlen , ist allerdings ein wenig sehr lang , zu lang zum posten würd ich sagen . Also hier ein anderes sehr schönes gedicht von Rilke ...

[U]Herbst[/U]

[i]Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält[/i]


Zum Thema Herbst gibt es auch von Lenau noch ein fabelhaftes Gedicht ...

[U]Herbst[/U]

[i]Nun ist es Herbst, die Blätter fallen,
den Wald durchbraust des Scheidens Weh;
den Lenz und seine Nachtigallen
versäumt' ich auf der wüsten See.

Der Himmel schien so mild, so helle,
verloren ging sein warmes Licht;
es blühte nicht die Meereswelle,
die rohen Winde sangen nicht.

Und mir verging die Jugend traurig,
des Frühlings Wonne blieb versäumt;
der Herbst durchweht mich trennungsschaurig,
mein Herz dem Tod entgegenträumt.[/i]


Mondnacht von Eichendorff wurde schon gepostet , auch eines meiner Lieblingsgedichte , dann bleibt mir noch eines von Hesse.

[U]Im Nebel[/U]

[i]Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den anderen,
Jeder ist allein.

Voll von Freuden war mir die Welt,
Als noch mein Leben Licht war,
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkle kennt,
Das unentrinnbar und leise.
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist einsam sein.
Kein Mensch kennt den anderen,
Jeder ist allein[/i]
BlackDawnOhja, das "Im Nebel" Gedicht von Hesse ist wundervoll. *schmacht*
bleeding rosemein absolutes lieblingsgedicht ist der zauberlehrling von goethe. mein vater hat es mir als ich noch klein war immer abends vorgelesen und dabei seine stimme verstellt. an diesem gedicht hängen halt ziemlich viele erinnerungen...



Der Zauberlehrling
Hat der alte Hexenmeister
sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort und Werke
merkt ich und den Brauch,
und mit Geistesstärke
tu ich Wunder auch.

Walle! walle
Manche Strecke,
daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen;
bist schon lange Knecht gewesen:
nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
oben sei ein Kopf,
eile nun und gehe
mit dem Wassertopf!


Walle! walle
manche Strecke,
daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Seht, er läuft zum Ufer nieder,
Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
und mit Blitzesschnelle wieder
ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
voll mit Wasser füllt!


Stehe! stehe!
denn wir haben
deiner Gaben
vollgemessen! -
Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!

Ach, das Wort, worauf am Ende
er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
stürzen auf mich ein.


Nein, nicht länger
kann ichs lassen;
will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Mine! welche Blicke!

O du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
steh doch wieder still!


Willst am Ende
gar nicht lassen?
Will dich fassen,
will dich halten
und das alte Holz behende
mit dem scharfen Beile spalten.

Seht da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
gleich, o Kobold, liegst du nieder;
krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich, brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
und ich atme frei!


Wehe! wehe!
Beide Teile
stehn in Eile
schon als Knechte
völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Naß und nässer
wirds im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör mich rufen! -
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los.


"In die Ecke,
Besen, Besen!
Seids gewesen.
Denn als Geister
ruft euch nur zu diesem Zwecke,
erst hervor der alte Meister."


Johann Wolfgang von Goethe

davon gibts übrigens auch ne vertonung (kann man das sagen?) von corvus corax ;)

gruss rose
SternenstaubDer Vampir : Charles Baudelaire

Du, die wie ein Messerstoß
In mein stöhnend Herz gedrungen,
Die wie wilden Heeres Troß
Wüst und prangend mich bezwungen,

Die erniedrigt meinen Geist
Sich zur Wohn- und Lagerstätte;
Scheusal, an das ich geschweißt
Wie der Sträfling an der Kette

Wie der Spieler an die Sucht,
Wie der Trinker an das Glas,
Wie an das Gewürm das Aas -
Sei verflucht du, sei verflucht!

Mir die Freiheit zu erringen,
Flehte ich das rasche Schwert,
Meine Feigheit zu bezwingen,
Hab ich tückisch Gift begehrt.

Gift und Schwert - verächtlich böse
Boten sie mir Wort, die zwei:
Bist nicht wert, daß man dich löse
Aus verworfner Sklaverei

Narr! wenn von der Herrschaft Schrecken
Dich befreite unser Mut,
Würdest du mit frischer Glut
Den Vampir zum Leben wecken
BleedingHeart[b][u]Chanson d'Automne- Paul Verlaine [/b][/u]

Les sanglots longs
Des violons
De l'automne
Bercent mon coeur
D'une langueur
Monotone.

Tout suffocant
Et blême, quand
Sonne l'heure,
Je me souviens
Des jours anciens
Et je pleure ;

Et je m'en vais
Au vent mauvais
Qui m'emporte
Deçà, delà
Pareil à la
Feuille morte.
NnordyIch liebe Celan und Hesse... Aber das hier auch:

Ich bin din
Du bist min
des solt du gewis sin
Du bist beslozzen
in minem herzen
verlorn ist daz slüzzelin
du muost immer drinne sin.

Da fehlen diverse Circonflexe, die ich hier auf der Tastatur mal wieder nicht hin bekomme - müßten über das "din", "min" und "sin".
rochusBin ich dir unmaere,
des enweiz ich niht: ich minne dich.
Einez ist mir swaere:
dû sihst bî mir hin und über mich.
Daz solt dû vermîden.
ine mac niht erlîden
selhe liebe ân grôzen schaden.
hilf mir tragen, ich bin ze vil geladen.

Sol daz sîn dîn huote,
daz dîn ouge mich sô selten siht?
Tuost dû daz ze guote,
sône wîze ich dir dar umbe niht.
Sô mît mir daz houbet
- daz sî dir erloubet -
und sich nider an mînen fuoz,
sô dû baz enmügest: daz sî dîn gruoz.

[...]

Vrouwe, dû versinne
dich ob ich dir z'ihte maere sî.
Eines friundes minne
diust niht guot, da ensî ein ander bî.
Minne entouc niht eine,
si sol sîn gemeine,
sô gemeine daz sie gê
dur zwei herze und dur dekeinez mê.


(Walther von der Vogelweide)
raison d'êtreSowas habe ich nicht. Es gibt viel mehr dutzende Gedichte, die ich liebe, einige davon wurden hier sogar schon eingebracht, aber so ein richtiges Lieblingsgedicht, dass habe ich nicht.

Damit der Beitrag nicht umsonst ist, will ich trotzdem ein weiteres einbringen, welches ich sehr mag. Ist nicht sehr lang, aber schön.

[b]
Wenn ich sterbe.


Legt rote Rosen mir um meine Stirne,
im Festgewande will ich von euch gehn,
und stoßt die Fenster auf, daß die Gestirne
mit heiterm Lächeln auf mein Lager sehn.

Und dann Musik! Und während Lieder schallen,
von Hand zu Hand der Abschiedsbecher blinkt,
mag mählich über mich der Vorhang fallen,
wie Sommernacht auf reife Felder sinkt.[/b]

Gustav Falke (1853 - 1916)
ShanianaHier muss eineutig noch mehr von Erich Fried rein... ;)



Trennung

Der erste Tag war leicht
der zweite Tag war schwerer
Der dritte Tag war schwerer als der zweite
Von Tag zu Tag schwerer:
Der siebente Tag war so schwer
dass es schien er sei nicht zu ertragen
Nach diesem siebenten Tag
sehne ich mich
schon zurück




Hoffnung

Ich hoffe

Ich hoffe
dass ich noch hoffe

Ich fürchte
dass ich nicht hoffe
nur noch hoffe
dass ich noch hoffe

Ich hoffe
doch noch
dass ich doch noch
hoffe
ShanianaOder natürlich den alten Kästner:


Ein gutes Mädchen träumt

Ihr träumte, sie träfe ihn im Café.
Er läse. Und säße beim Essen.
Und sähe sie an und sagte zu ihr:
"Du hast das Buch vergessen!"

Da nickte sie. Und drehte sich um.
Und lächelte verstohlen.
Und trat auf die späte Strasse hinaus
und dachte: Ich will es holen.

Der Weg war weit. Sie lief und lief.
Und summte ein paar Lieder.
Sie stieg in die Wohnung. Und blieb eine Zeit.
Und schließlich ging sie wieder.

Und als sie das Café betrat,
saß er noch immer beim Essen.
Er sah sie kommen. Und rief ihr zu:
"Du hast das Buch vergessen!"

Da stand sie still und erschrak vor sich.
Und konnte es nicht verstehen.
Dann nickte sie wieder. Und trat vor die Tür,
um den Weg noch einmal zu gehen.

Sie war so müde. Und ging. Und kam.
Und hätte so gerne gesessen.
Er sah kaum hoch. Und sagte bloß:
"Du hast das Buch vergessen!"

Sie kehrte um. Sie kam. Sie ging.
Schlich Treppen auf und nieder.
Und immer wieder fragte er.
Und immer ging sie wieder.

Sie lief wie durch die Ewigkeit!
Sie weinte. Und er lachte.
Ihr flossen Tränen in den Mund.
Auch noch als sie erwachte.
AntiopeEs gibt viele Gedichte die ich liebe, hier eins von einem türkischen Dichter:


Den Menschen die ich liebe
Könnte ich zürnen
Wenn Lieben mich nicht gelehrt hätte traurig zu sein.

(Orhan Veli)
Fortunahmm...Charles Baudelaire is einfach genial...

Der Besessene

Die Sonne hüllte sich in Schleier. Wie ihr Strahl,
O meines Lebens Mond! laß dich von Schatten wiegen;
Schlaf, rauch nach Herzenslust; sei ernst und sei
verschwiegen,
Und tauche in den Schlund der Öde und der Qual;

So lieb ich dich! Allein willst heute du einmal,
Gleich einem hellen Stern, der Wolkennacht
entstiegen,
An Stätten strahlen, die dem finstren Wahn erliegen,
Nun gut! Heraus, mein Dolch, es bleibt dir keine
Wahl!

Entflamm dein Auge an der Lüster Glanz und
Prangen!
Entflamme in dem Blick der Flegel das Verlangen!
Du bist mir immer Lust in Müdigkeit undGier;

Sei dunkel wie die Nacht, sei morgenrotes Weben;
Mit jeder Faser bebt und glüht mein Leib nach dir:
Du Höllenrose, ich kann ohne dich nicht leben!
Fortuna...oder Rainer Maria Rilke...

Liebes-Lied

Wie soll ich meine Seele halten,
daß sie nicht an deine rührt?
Wie soll ich sie hinheben über dich
zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlornem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Spieler hat uns in der Hand?
O süßes Lied.


*seufz*...wie schön...
DarketDes Sängers Fluch-Ludwig Uhland


Es stand in alten Zeiten ein Schloß so hoch und hehr,
Weit glänzt’ es über die Lande bis an das blaue Meer,
Und rings von duft’gen Gärten ein blütenreicher Kranz,
Drin sprangen frische Brunnen in Regenbogenglanz.

Dort saß ein stolzer König, an Land und Siegen reich,
Er saß auf seinem Throne so finster und so bleich;
Denn was er sinnt, ist Schrecken, und was er blickt, ist Wut,
Und was er spricht, ist Geißel, und was er schreibt, ist Blut.

Einst zog nach diesem Schlosse ein edles Sängerpaar,
Der ein’ in goldnen Locken, der andre grau von Haar;
Der Alte mit der Harfe, der saß auf schmuckem Roß,
Es schritt ihm frisch zur Seite der blühende Genoß.

Der Alte sprach zum Jungen: „Nun sei bereit, mein Sohn!
Denk unsrer tiefsten Lieder, stimm an den vollsten Ton!
Nimm alle Kraft zusammen, die Lust und auch den Schmerz!
Es gilt uns heut, zu rühren des Königs steinern Herz."

Schon stehn die beiden Sänger im hohen Säulensaal,
Und auf dem Throne sitzen der König und sein Gemahl;
Der König furchtbar prächtig, wie blut’ger Nordlichtschein,
Die Königin süß und milde, als blickte Vollmond drein.

Da schlug der Greis die Saiten, er schlug sie wundervoll,
Daß reicher, immer reicher der Klang zum Ohre schwoll,
Dann strömte himmlisch helle des Jünglings Stimme vor,
Des Alten Sang dazwischen wie dumpfer Geisterchor.

Sie singen von Lenz und Liebe, von sel’ger goldner Zeit,
Von Freiheit, Männerwürde, von treu und Heiligkeit;
Sie singen von allem Süßen, was Menschenbrust durchbebt,
Sie singen von allem Hohen, was Menschenherz erhebt.

Die Höflingsschar im Kreise verlernet jeden Spott,
Des Königs trotz’ge Krieger, sie beugen sich vor Gott,
Die Königin, zerflossen in Wehmut und Lust,
Sie wirft den Sängern nieder die Rose von ihrer Brust.

„Ihr habt mein Volk verführet, verlockt ihr nun mein Weib?"
Der König schreit es wütend, er bebt am ganzen Leib,
Er wirft sein Schwert, das blitzend des Jünglings Brust durchdringt,
Draus statt der goldnen Lieder ein Blutstrahl hoch aufspringt.

Und wie vom Sturm zerstoben ist all der Hörer Schwarm,
Der Jüngling hat verröchelt in seines Meister Arm,
Der schlägt um ihn den Mantel und setzt ihn auf das Roß,
Er bind’t ihn aufrecht feste, verläßt mit ihm das Schloß.

Doch vor dem hohen Tore, da hält der Sängergreis,
Da faßt er seine Harfe, sie aller Harfen Preis,
An einer Marmorsäule, da hat er sie zerschellt,
Dann ruft er, daß es schaurig durch Schloß und Gärten gellt:

„Weh euch, ihr stolzen Hallen! nie töne süßer Klang
Durch eure Räume wieder, nie Saite noch Gesang,
Nein! Seufzer nur und Stöhnen und scheuer Sklavenschritt,
Bis euch zu Schutt und Moder der Rachegeist zertritt!

Weh euch, ihr duft’gen Gärten im holden Maienlicht!
Euch zeig ich dieses Toten entstelltes Angesicht,
Daß ihr darob verdorret, daß jeder Quell versiegt,
Daß ihr in künft’gen Tagen versteint, verödet liegt.

Weh dir, verruchter Mörder! du Fluch des Sängertums!
Umsonst sei all dein Ringen nach Kränzen blut’gen Ruhms,
Dein Name sei vergessen, in ew’ge Nacht getaucht,
Sei wie ein letztes Röcheln in leere Luft verhaucht!"

Der Alte hat’s gerufen, der Himmel hat’s gehört,
Die Mauern liegen nieder, die Hallen sind zerstört,
Noch eine hohe Säule zeugt von verschwundner Pracht,
Auch diese, schon geborsten, kann stürzen in der Nacht.

Und rings satt duft’ger Gärten ein ödes Heideland,
Kein Baum verstreuet Schatten, kein Quell durchdringt den Sand,
Des Königs Namen meldet kein Lied, kein Heldenbuch;
Versunken und vergessen! das ist des Sängers Fluch.


Wunderbare Ballade und hervorragend (wenn auch recht stark abgewandelt) vertont von In Extremo ("Spielmannsfluch)
CaligoCavus[center][i] Die unverstandene Frau (Erich Kästner)

Er band, vorm Spiegel stehend die Krawatte.
Da sagte sie (und blickte an die Wand)
„Soll ich den Traum erzählen, den ich hatte?
Ich hielt im Traum ein Messer in der Hand.

Ich hob es hoch, mich in den Arm zu stechen,
und schnitt hinein, als sei der Arm aus Brot.
Du warst dabei. Wir wagten nicht zu sprechen.
Und meine Hände wurden langsam rot.

Das Blut floß lautlos in die Teppichranken.
Ich hatte Angst und hoffte auf ein Wort.
Ich sah dich an. Du standest in Gedanken.
Dann sagtest du:„Das Messer ist ja fort...”

Du bücktest dich. Doch war es nicht zu finden.
Ich rief:„So hilf mir endlich!“ Aber du,
du meintest nur:„Man müßte dich verbinden“,
und schautest mir wie einem Schauspiel zu.

Mir war so kalt, als sollte ich erfrieren
Du standest da mit traurigem Gesicht,
und wolltest rasch zum Arzt telefonieren
und Rettung holen. Doch du tatest es nicht.

Dann nahmst du Hut und Mantel, um zu gehen,
und sprachst:'Jetzt muß ich aber ins Büro',
und gingst hinaus. Und ich blieb blutend stehen.
Ich starb im Traum. Und war darüber froh...“

Er band, vorm Spiegel stehend, die Krawatte.
Und sah im Spiegel, daß sie nicht mehr sprach.
Und als er sich den Schlips gebunden hatte,
griff er zum Kamm. Und zog den Scheitel nach.[/i]
[/center]
chrisuSie haben heut abend Gesellschaft,
Und das Haus ist lichterfüllt.
Dort oben am hellen Fenster
Bewegt sich ein Schattenbild.

Du schaust mich nicht, im Dunkeln
Steh ich hier unten allein;
Noch wenger kannst du schauen
In mein dunkles Herz hinein.

Mein dunkles Herze liebt dich,
Es liebt dich und es bricht,
Und bricht und zuckt und verblutet,
Aber du siehst es nicht.

(heinrich heine)
Prisoner[b][SIZE=3]Rainer Maria Rilke - Der Panther[/SIZE] [/b]

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.
HellflameIch mag Gottfried Benn:

Verlorenes Ich

Verlorenes Ich, zersprengt von Stratosphären,
Opfer des Ion—: Gamma-Strahlen-Lamm—,
Teilchen und Feld—: Unendlichkeitschimären
auf deinem grauen Stein von Notre-Dame.

Die Tage geh'n dir ohne Nacht und Morgen,
die Jahre halten ohne Schnee und Frucht
bedrohend das Unendliche verborgen—,
die Welt als Flucht.

Wo endest du, wo lagerst du, wo breiten
sich deine Sphären an—, Verlust, Gewinn—:
Ein Spiel von Bestien: Ewigkeiten,
an ihren Gittern fliehst du hin.

Der Bestienblick: die Sterne als Kaldaunen,
der Dschungeltod als Seins- und Schöpfungsgrund,
Mensch, Völkerschlachten, Katalaunen
hinab den Bestienschlund.

Die Welt zerdacht. Und Raum und Zeiten Funktion nur von Unendlichkeiten—,
die Mythe log.

Woher, wohin—, nicht Nacht, nicht Morgen,
kein Evoë, kein Requiem,
du möchtest der ein Stichwort borgen—,
allein bei wem?

Ach, als sich alle einer Mitte neigten
und auch die Denker nur den Gott gedacht,
sie sich den Hirten und dem Lamm verzweigten,
wenn aus dem Kelch das Blut sie rein gemacht,

und alle rannen aus der einen Wunde,
brachen das Brot, das jeglicher genoß—,
oh ferne zwingende erfüllte Stunde,
die einst auch das verlor'ne Ich umschloß.
LittleMissScaryIm Moment ist es das hier:
Das Testament einer Katze
Wenn Menschen sterben, machen sie ein Testament,
um ihr Heim und alles, was sie haben,
denen zu hinterlassen, die sie lieben.
Ich würde auch solch´ ein Testament machen,
wenn ich schreiben könnte.
Einem armen, sehnsuchtsvollen, einsamen Streuner
würde ich mein glückliches Zuhause hinterlassen,
meinen Napf, mein kuscheliges Bett,
mein weiches Kissen, mein Spielzeug
und den so geliebten Schoß,
die sanft streichelnde Hand,
die liebevolle Stimme,
den Platz, den ich in jemandes Herzen hatte,
die Liebe, die mir zu guter Letzt
zu einem friedlichen und schmerzfreien Ende helfen wird,
gehalten im liebendem Arm.
Wenn ich einmal sterbe, dann sag' bitte nicht:
"Nie wieder werde ich ein Tier haben,
der Verlust tut viel zu weh!"
Such Dir eine einsame, ungeliebte Katze aus
Und gib' ihr meinen Platz.
Das ist mein Erbe.
Die Liebe, die ich zurück lasse, ist alles,
was ich geben kann.

(Margaret Trowton)

ich find das so traurig *schnief* ist evtl etwas kitschig,aber als katzenfan sieht man das anders (=
ElbenblattGustav Falke: Zwei

Drüben du, mir deine weiße
Rose übers Wasse zeigend,
Hüben ich, dir miene dunkle
Sehnsüchtig entgegen neigend.

In dem breiten Strome, der uns
Scheidet, zittern unsre blassen
Schatten, die vergebens suchen,
sich zu finden, sich zu fassen.

Und so stehn wir, unser Stammeln,
Stirbt im Wind, im Wellenrauschen,
Und wie können nichts als unsre
Stummen Sehnsuchtswinke tauschen.

Leis, gespenstisch, zwischen unsern
Dunklen Ufern schwimmt ein wilder
Schwarzer Schwan, und seltsam schwanken
Unsre blassen Spiegelbilder.
meusWas mich treibt, ist nicht der Haß.
Es ist nicht die Furcht.
Es ist kein Verlangen, keine Pflicht und auch nichts Vernunft bedingtes.
Alle diese Gedanken und Gefühle sind mir schon lange fremd.
Alles, worum es mir jetzt noch geht, ist die gerechte Strafe...

Ich weiss leider nicht von wem es ist.
NefariaSehr schön finde ich die "Hymnen an die Nacht" von Novalis...

Zur Zeit aber beschäftigt mich dieses Gedicht hier:

Aufgehender Mond - Georg von den Vring

Die Sterne schwinden aus der Bahn,
Es hebt der Mond zu schweben an,
Die weiße Scheibe flugbereit.
Wie einsam ist die Zeit!

Viel andre Zeiten unterm Mond
Verschwanden schon, die hier gewohnt.
Die Menschen blühn und welken ab.
Wie einsam ist ein Grab!

Es glüht der Mond auf Gräber hin.
Mir schläft schon mancher Freund darin.
Sie sind so fern wie Mond und Stern.
Oh, ewig ist so fern!

Sie schlafen lang, sie lebten kaum.
Wie schön hing einst der Mond im Raum!
Sie lebten froh, sie schlafen bang!
Oh, ewig ist so lang!

Ich hab es zu einer Schularbeit zum Thema Gedichtinterpretation bekommen und hab mich sofort begeistert an die Arbeit gemacht...
Angelaso, dann melde ich mich hier auch mal @--,--

Hermann Hesse ist natürlich absolut genial, hier noch zwei gedichte von ihm

Bei Nacht - Hermann Hesse


Nachts, wenn das Meer mich wiegt
Und bleicher Sternenglanz
Auf seinen weiten Wellen liegt,
Dann löse ich mich ganz
Von allem Tun und aller Liebe los
Und stehe still und atme bloß
Allein, allein vom Meer gewiegt,
Das still und kalt mit tausend Lichtern liegt.
Dann muß ich meiner Freunde denken
Und meinen Blick in ihre Blicke senken,
Und frage jeden still allein:
"Bist du noch mein?
Ist dir mein Leid ein Leid, mein Tod ein Tod?"
Fühlst du von meiner Liebe, meiner Not
Nur einen Hauch, nur einen Widerhall?"
Und ruhig blickt und schweigt das Meer
Und lächelt: Nein.
Und nirgendwo kommt Gruß und Antwort her.


Wie sind die Tage ... - Hermann Hesse

Wie sind die Tage schwer!
An keinen Feuer kann ich erwarmen,
Keine Sonne lacht mir mehr,
Ist alles leer,
Ist alles kalt und ohne Erbarmen,
Und auch die lieben klaren
Sterne schauen mich trostlos an,
Seit ich im Herzen erfahren,
Daß Liebe sterben kann.




+Meine Lieblingsdichterin ist und bleibt aber Else Lasker-Schüler, sie hat so eine eigene, Art vielleicht auch kindliche Art des Beschreibens, auf der anderen Seite schreibt sie total schockierend traurig in ihren Gedichten *schwärm* aber seht selbst
außerdem kommt in ihren Gedichte oft das Wort 'blau' vor, es soll für etwas paradisisches stehen, etwas nahezu perfektes.
Es gibt auch andere Dichter die 'blau' als Wort benutzen. Wer kennt sich damit aus? Vielleicht eröffne ich dazu auch mal einen Thread.+


Ich bin traurig
Deine Küsse dunkeln, auf meinem Mund.
Du hast mich nicht mehr lieb.
Und wie du kamst -!
Blau vor Paradies;
Um deinen süßesten Brunnen
Gaukelte mein Herz.
Nun will ich es schminken,
Wie die Freudenmädchen
Die welke Rose ihrer Lende röten.
Unsere Augen sind halb geschlossen,
Wie sterbende Himmel -
Alt ist der Mond geworden.
Die Nacht wird nicht mehr wach.
Du erinnerst dich meiner kaum.
Wo soll ich mit meinem Herzen hin?




Ein Lied - Else Lasker-Schüler

Hinter meinen Augen stehen Wasser,
Die muss ich alle weinen.

Immer möchte ich auffliegen,
Mit den Zugvögeln fort;

Buntatmen mit den Winden
In der großen Luft.

O ich bin so traurig -
Das Gesicht im Mond weiß es.

Drum ist viel samtne Andacht
Und nahender Frühmorgen um mich

Als an deinem steinernen Herzen
Meine Flügel brachen,

Fielen die Amseln wie Trauerrosen
Hoch vom blauen Gebüsch.

Alles verhaltene Gezwitscher
Will wieder jubeln,

Und ich möchte auffliegen,
Mit den Zugvögeln fort.
neeChristEin Auszug aus Ernst Wiecherts "Totenmesse":

Wer vom Weibe hier geboren,
ist wie Gras, das früh vergeht,
unser Rühmen, unser Glänzen
hilft uns wohl zu frühen Kränzen,
bis der Wind das Blatt verweht.

Fern am Rande unsres Lebens
geht die Uhr, die niemals schlägt;
Korn auf Korn nur rinnt zur Tiefe,
wo ein Mann, als ob er schliefe,
schweigend eine Sense trägt.

Wer vom Weibe hier geboren,
lebt zur Miete seinen Tag.
Alle Freuden, alle Mühen
sind von Gott ihm nur geliehen
bis zum letzten Stundenschlag.

Nur vier Bretter und zwei Brettchen
sind des Hochmuts stiller Schrein.
Ohne Glanz und ohne Namen,
wie vom Mutterleib wir kamen,
gehn wir in die Erde ein.
Lady FrancesHmmmmm...

Es gibt so viele wunderschöne Gedichte, hier ist ein ganz kurzes:

Der Tod ist groß
Wir sind die seinen lachenden Munds
Wenn wir uns mitten im Leben meinen wagt er zu weinen
mitten in uns

(Rilke)

Und hier ein englisches, in dem es um den Tod eines Geliebten geht:

I dreamed of him last night, I saw his face
All radiant and unshadowed of distress
And as of old, in music measureless,
I heard his golden voice and marked him trace,
under the common thing the hidden grace,
till mean things put on beauty like a dress
And all the world was an enchanted place.

And then methought outside a fast locked gate,
I mourned the loss of unrecorded words,
Forgotten tales and mysteries half said,
Wonders that might have been articulate,
and voiceless thoughts like murdered singing birds.
And so I woke and knew that he was dead.

Von Lord Alfred Douglas, geschrieben nach Oscar Wildes Tod
LeereBlutquell - Charles Baudelaire

Mir scheint zuweilen, daß mein Blut entfließt,
gleich Brunnen rhythmisch schluchzend sich im Takt ergießt.
Wohl hör ichs rauschen lange, lange Stunde,
doch tast ich auch, ich finde nicht die Wunde.
Es flutet durch die Stadt wie einen Hag,
grenzt Inseln ab, wo glattes Pflaster lag;
Stillt überall, wo einen Durst bedroht,
und färbt die Welt in allen Dingen rot.
Oft bat die schweren Weine ich vermessen,
kurz einzuschläfern meiner Schreckniss bohren;
Doch Wein schärft die Augen und verfeint die Ohren!
Ich suchte in der Liebe Schlafs vergessen:
Doch mir ist ein Nagelbett, bereit
zu tränken dieser Mädchen Grausamkeit!


Ich glaube ich kann sagen, dass generell angenommen wird, dass der Dichter Blut mit Liebe gleichsetzt. Sehr romantisch und morbide. Auch 'Der Besessene' fand ich schön. Danke fürs posten vorher kannte ich es noch gar nicht.
Tja dann habe ich noch etwas, von einem ganz jungen deutschen Dichter. Dazu muss ich sagen, Leute verweilt nicht immer in vergangenen Jahrhunderten. Ja diese Gedichte waren schön. Aber es muss auch neues geben. Kann empfehlen öfter mal auf 'jüngere' Seiten und Dichtercommunities zuzugreifen es lohnt sich.


Blaues Auge - Thomas Mrozik

Signal und aufgewacht
Schmerzensblau
Verstecken in der Nacht


Und zu dem Wunsch, den irgendjemand äusserte mehr über 'blaue' Gedichte zu erfahren, wäre[URL=http://www.soulstream.de/themen/spunk/blau.htm]diese Seite[/URL] vielleicht ein Anfang.
Viel Spass.

Leere
Angharadalso, nachdem hier eher dunkle Gedichte an der Tagesordnung stehen, mal was Erheiterndes:

das Mittelkymrische (=Walisisch des Mittelalters) Original und daneben die Übersetzung ins Englische:

Trafferth mewn Tafarn Trouble at an Inn
Deuthum i ddinas dethol, I came to a choice city
A'm hardd wreangyn i'm hôl. with my fine young servant after me,
Cain hoywdraul, lle cwyn gydrum, a place of lavish entertainment, liberal meals:
Cymryd, balch o febyd fûm, I was proud from childhood, so I took
Llety urddedig ddigawn a public lodging, dignified enough,
Cyffredin, a gwin a gawn. and I took some wine.

Canfod rhiain addfeindeg I perceived a slim and lovely girl
Yn y ty, mau enaid teg. in that house, my pretty darling:
Bwrw yn llwyr, liw haul dwyrain, I set my heart entirely on my blessed slender dear
Fy mryd ar wyn fy myd main. who had an aspect like the rising sun.
Prynu rhost, nid er bostiaw, It was not just to show off that I bought a roast
A gwin drud, mi a gwen draw. and costly wine for me and for that girl.
Gwarwy a gâr gwyr ieuainc - Young men love sport, and so I called the girl
Galw ar fun, ddyn gwyl, i'r fainc. a modest creature to join me at the bench.
Hustyng, bûm wr hy astud, Truth to say, I whispered to her
Dioer yw hyn, deuair o hud, two words of magic - I was bold and pressing
Gwneuthur, ni bu segur serch, nor was love with her idle - and I made
Amod dyfod at hoywferch agreement to come to the sprightly lass
Pan elai y minteioedd when all the company should habe gone off
I gysgu; bun aelddu oedd. to sleep: she was a black-browed girl.

Wedi cysgu, tru tremyn, When everyone was sleeping but myself
O bawb eithr myfi a bun, and her - it was a desperate journey -
Profais yn hyfedr fedru I summoned all my skill to reach
Ar wely'r ferch; alar fu. the maiden's bed: sisastrous was the attempt,
Cefais, pan soniais yna, I made a noise and got a wretched fall -
Gwymp dig, nid oedd gampau da; nought prospered for me there:
Haws codi, drygioni drud, easier it was - foolhardy mischief -
Yn drwsgl nog yn dra esgud. to get up clumsily than expeditiously.
Trewais, ni neidiais yn iach, Not jumping without hurt, I struck
Y grimog, a gwae'r omach, my shin - woe to my leg - aboce my ankle
Wrth ystly, ar waith ostler, against the side - some ostler's negligence -
Ystôl groch ffôl, goruwch ffêr. of a stupid noisy stool.
Dyfod, bu chwedl edifar, Getting up, it was a sorry tale,
I fyny, Cymry a'm câr, Welshmen love me!
Trewais, drwg fydd tra awydd, I struck - for too much eagerness is bad -
Lle y'm rhoed, heb un llam rhwydd, my brow against the table's edge
Mynych dwyll amwyll ymwrdd,where there was placed for me - I could not jump safe -
Fu nhalcen wrth ben y bwrdd, a frequent snare - stupidity to hit it -
Lle 'dd oedd gawg yrhawg yn rhydd a basin standing loose
A llafar badell efydd. and a clattering brass bowl.
Syrthio o'r bwrdd, dragwrdd drefn, The table fell - it was a mighty piece of gear -
A'r ddeudrestl a'r holl ddodrefn; with its two trestles and all the furniture,
Rhoi diasbad o'r badell the brass bowl cried out after me
I'm hôl, fo'i clywid ymhell; - it could be heard far off -
Gweiddi, gwr gorwag oeddwn, I was an idiot, with the basin screaming,
O'r cawg, a'm cyfarth o'r cwn. and the dogs barking after me.

Yr oedd gerllaw muroedd mawr Nearby, beside high walls, there were
Drisais mewn gwely drewsawr, three English tinkers in a smelly bed,
Yn trafferth am eu triphac fretting, each one, for their tree packs -
Hicin a Siencin a Siac. Hickyn, Jenkyn and Jack.
Syganai'r gwas soeg enau, With beery lips, one of them whispered
Araith oedd ddig, wrth y dau: to the other two this angry speech:

'Mae Cymro, taer gyffro twyll, 'It is a Welshman makes this uproar to deceice,
Yn rhodio yma'n rhydwyll; he prowls around here bent on treachery,
Lleidr yw ef, os goddefwn, he is a robber, if we suffer it,
Mogelwch, cedwch rhag hwn.' look out, and guard yourselves from him!'

Codi o'r ostler niferoedd The ostler roused up all the folk
I gyd, a chwedi dybryd oedd. together, it was a dradful tale.
Gygus oeddynt i'm gogylch They were threatening all around me
Yn chwilio i'm ceisio i'm cylch; while seeking everywhere to find me,
A minnau, hagr wyniau hyll, and I, in angry ugly rage
Yn tewi yn y tywyll. kept silence in the darkness.
Gweddiais, nid gwedd eofn, I prayed, and that was in no fearless way,
Dan gêl, megis dyn ag ofn; being in hiding, as a man in terror:
Ac o nerth gweddi gerth gu, and by the strength of true and loving prayer,
Ac o ras y gwir Iesu, and by the grace of faithful Jesus
Cael i minnau, cwlm anun, I yet was able, though I got no pay,
Heb sâl, fy henwal fy hun. fettered by sleeplessnes, to reach my own bed.
Dihengais i, da wng saint, I escaped - well that the saints are near -
I Dduw'r archaf faddeuaint. and my forgiveness I ask of God.

-Dafydd ap Gwilym

PS hab grad gesehn, dass die Leerzeichen zwischen der Übersetzung nicht angezeigt werden, sorry ist so etwas schwierig zu lesen.

hwyl
Angharad
crying_silenceIch komme vom Gebirge her,
Es dampft das Tal, es braust das Meer.
Ich wandle still, bin wenig froh,
Und immer fragt der Seufzer: wo?
Die Sonne dünkt mich hier so kalt,
Die Blüte welk, das Leben alt,
Und was sie reden, leerer Schall,
Ich bin ein Fremdling überall.
Wo bist du, mein geliebtes Land?
Gesucht, geahnt, und nie gekannt!
Das Land, das Land so hoffnungsgrün,
Das Land, wo meine Rosen blühn,
Wo meine Freunde wandelnd geh’n,
Wo meine Toten auferstehn,
Das Land, das meine Sprache spricht,
Land, wo bist du?
Im Geisterhauch tönt’s mir zurück:
„Dort, wo du nicht bist, ist das Glück."

Georg Philipp Schmidt von Lübeck
Astaldonovwen[I]Memento[/I] (Mascha Kaléko)

Vor meinem eigenen Tod ist mir nicht bang,
Nur vor dem Tode derer, die mir nahe sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast' ich todentlang
Und lass mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem Gleiches widerfuhr;
- Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt, den eigenen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der anderen muss man leben.
Schattenwesen1Der Rabe (von Edgar Ellen Poe)

Einst, um eine Mittnacht graulich, da ich trübe sann und traulich
müde über manchem alten Folio lang vergess'ner Lehr' -
da der Schlaf schon kam gekrochen, scholl auf einmal leis ein Pochen,
gleichwie wenn ein Fingerknochen pochte, von der Türe her.
"'s ist Besuch wohl", murrt' ich, "was da pocht so knöchern zu mir her -

das allein - nichts weiter mehr."


Ah, ich kann's genau bestimmen: im Dezember war's, dem grimmen,
und der Kohlen matt Verglimmen schuf ein Geisterlicht so leer.
Brünstig wünscht' ich mir den Morgen; - hatt' umsonst versucht zu borgen
von den Büchern Trost dem Sorgen, ob Lenor' wohl selig wär' -
ob Lenor', die ich verloren, bei den Engeln selig wär' -

bei den Engeln - hier nicht mehr.

Und das seidig triste Drängen in den purpurnen Behängen
füllt', durchwühlt' mich mit Beengen, wie ich's nie gefühlt vorher;
also daß ich den wie tollen Herzensschlag mußt' wiederholen:
"'s ist Besuch nur, der ohn' Grollen mahnt, daß Einlaß er begehr' -
nur ein später Gast, der friedlich mahnt, daß Einlaß er begehr'; -

ja, nur das - nichts weiter mehr."

Augenblicklich schwand mein Bangen, und so sprach ich unbefangen:
"Gleich, mein Herr - gleich, meine Dame - um Vergebung bitt' ich sehr;
just ein Nickerchen ich machte, und Ihr Klopfen klang so sachte,
daß ich kaum davon erwachte, sachte von der Türe her -
doch nun tretet ein!" - und damit riß weit auf die Tür ich - leer!

Dunkel dort - nichts weiter mehr.

Tief ins Dunkel späht' ich lange, zweifelnd, wieder seltsam bange,
Träume träumend, wie kein sterblich Hirn sie träumte je vorher;
doch die Stille gab kein Zeichen; nur ein Wort ließ hin sie streichen
durch die Nacht, das mich erbleichen ließ: das Wort "Lenor'?" so schwer -
selber sprach ich's, und ein Echo murmelte's zurück so schwer:

nur "Lenor'!" - nichts weiter mehr.

Da ich nun zurück mich wandte und mein Herz wie Feuer brannte,
hört' ich abermals ein Pochen, etwas lauter denn vorher.
"Ah, gewiß", so sprach ich bitter, "liegt's an meinem Fenstergitter;
Schaden tat ihm das Gewitter jüngst - ja, so ich's mir erklär', -
schweig denn still, mein Herze, laß mich nachsehn, daß ich's mir erklär!: -

's ist der Wind - nichts weiter mehr!"

Auf warf ich das Fenstergatter, als herein mit viel Geflatter
schritt ein stattlich stolzer Rabe wie aus Sagenzeiten her;
Grüßen lag ihm nicht im Sinne; keinen Blick lang hielt er inne;
mit hochherrschaftlicher Miene flog empor zur Türe er -
setzt' sich auf die Pallas-Büste überm Türgesims dort - er

flog und saß - nichts weiter mehr.

Doch dies ebenholzne Wesen ließ mein Bangen rasch genesen,
ließ mich lächelnd ob der Miene, die es macht' so ernst und hehr;
"Ward dir auch kein Kamm zur Gabe", sprach ich, "so doch stolz Gehabe,
grauslich grimmer alter Rabe, Wanderer aus nächtger Sphär' -
sag, welch hohen Namen gab man dir in Plutos nächtger Sphär'?"

Sprach der Rabe, "Nimmermehr."

Staunend hört' dies rauhe Klingen ich dem Schnabel sich entringen,
ob die Antwort schon nicht eben sinnvoll und bedeutungsschwer;
denn wir dürfen wohl gestehen, daß es keinem noch geschehen,
solch ein Tier bei sich zu sehen, das vom Türgesimse her -
das von einer Marmor-Büste überm Türgesimse her

sprach, es heiße "Nimmermehr."

Doch der droben einsam ragte und dies eine Wort nur sagte,
gleich als schütte seine Seele aus in diesem Worte er,
keine Silbe sonst entriß sich seinem düstren Innern, bis ich
seufzte: "Mancher Freund verließ mich früher schon ohn' Wiederkehr -
morgen wird er mich verlassen, wie mein Glück - ohn' Wiederkehr."

Doch da sprach er, "Nimmermehr!"

Einen Augenblick erblassend ob der Antwort, die so passend,
sagt' ich, "Fraglos ist dies alles, was das Tier gelernt bisher:
's war bei einem Herrn in Pflege, den so tief des Schicksals Schläge
trafen, daß all seine Wege schloß dies eine Wort so schwer -
daß all seiner Hoffnung Lieder als Refrain beschloß so schwer

dies "Nimmer - nimmermehr."

Doch was Trübes ich auch dachte, dieses Tier mich lächeln machte,
immer noch, und also rollt' ich stracks mir einen Sessel her
und ließ die Gedanken fliehen, reihte wilde Theorien,
Phantasie an Phantasien: wie's wohl zu verstehen wär' -
wie dies grimme, ominöse Wesen zu verstehen wär',

wenn es krächzte "Nimmermehr."

Dieses zu erraten, saß ich wortlos vor dem Tier, doch fraß sich
mir sein Blick ins tiefste Innre nun, als ob er Feuer wär';
brütend über Ungewissem legt' ich, hin und her gerissen,
meinen Kopf aufs samtne Kissen, das ihr Haupt einst drückte hehr -
auf das violette Kissen, das ihr Haupt einst drückte hehr,

doch nun, ach! drückt nimmermehr!

Da auf einmal füllten Düfte, dünkt' mich, weihrauchgleich die Lüfte,
und seraphner Schritte Klingen drang vom Estrich zu mir her.
"Ärmster", rief ich, "sieh, Gott sendet seine Engel dir und spendet
Nepenthes, worinnen endet nun Lenor's Gedächtnis schwer; -
trink das freundliche Vergessen, das bald tilgt, was in dir schwer!"

Sprach der Rabe, "Nimmermehr."

"Ah, du prophezeist ohn' Zweifel, Höllenbrut! Ob Tier, ob Teufel -
ob dich der Versucher sandte, ob ein Sturm dich ließ hierher,
trostlos, doch ganz ohne Bangen, in dies öde Land gelangen,
in dies Haus, von Graun umfangen, - sag's mir ehrlich, bitt' ich sehr -
gibt es- gibt's in Gilead Balsam? - sag's mir - sag mir, bitt' dich sehr!"

Sprach der Rabe, "Nimmermehr."

"Ah! dann nimm den letzten Zweifel, Höllenbrut - ob Tier, ob Teufel!
Bei dem Himmel, der hoch über uns sich wölbt - bei Gottes Ehr' -
künd mir: wird es denn geschehen, daß ich einst in Edens Höhen
darf ein Mädchen wiedersehen, selig in der Engel Heer -
darf Lenor', die ich verloren, sehen in der Engel Heer?"

Sprach der Rabe, "Nimmermehr."

"Sei denn dies dein Abschiedszeichen", schrie ich, "Unhold ohnegleichen!
Hebe dich hinweg und kehre stracks zurück in Plutos Sphär'!
Keiner einz'gen Feder Schwärze bliebe hier, dem finstern Scherze
Zeugnis! Laß mit meinem Schmerze mich allein! - hinweg dich scher!
Friß nicht länger mir am Leben! Pack dich! Fort! Hinweg dich scher!"

Sprach der Rabe, "Nimmermehr."

Und der Rabe rührt' sich nimmer, sitzt noch immer, sitzt noch immer
auf der bleichen Pallas-Büste überm Türsims wie vorher;
und in seinen Augenhöhlen eines Dämons Träume schwelen,
und das Licht wirft seinen scheelen Schatten auf den Estrich schwer;
und es hebt sich aus dem Schatten auf dem Estrich dumpf und schwer

meine Seele - nimmermehr.
TwilightSunhmm, meine beiden lieblingsgedichte sind "der panther" und "liebes-lied" von rilke...den panther habe ich zum ersten mal in der siebten oder achten klasse gehört...und seitdem liebe ich das gedicht...überhaupt mag ich fast alle gedichte von rilke...sie sind..einfach wunderbar...da beide texte schon in diesem text stehen, setze ich sie jetzt nciht nochmal rein...
hesse liebe ich auch...die bücher mehr als die gedichte, aber auch sie sind wunderschön...das mir liebste von ihm ist, glaube ich, "im nebel", aber auch das wurde hier schon verewigt...

Liebe grüße
twi
Little DreamerThe Raven - Edgar Allan Poe

Once upon a midnight dreary, while I pondered weak and weary,
Over many a quaint and curious volume of forgotten lore
While I nodded, nearly napping, suddenly there came a tapping,
As of some one gently rapping, rapping at my chamber door.
" 'Tis some visitor," I muttered, "tapping at my chamber door
[COLOR=black]________________________[/COLOR] Only this and nothing more."

Ah distinctly I remember it was in the bleak december....
.....

viel mehr weiß ich jetzt leider nicht mehr auswendig,
konnte mal das ganze Gedicht
ja, ich liebe dieses Gedicht,
aber ich halte nichts von Gedichtübersetzungen, sie zerstören die Stimmung, die dahinter steckt.

Ein kleines Gedicht, das mir gerade wieder eingefallen ist:

Ein Metterschling mit flauen Bügeln log durch die Fluft,
Er war einem Computer entnommen, dem war was durcheinandergekommen,
irgendein Rädchen, irgendein Drähtchen
und als man es merkte, da war's schon zu spätchen.
Da war der Metterschling schon feit wort,
wanz geit,
Mir lut er teid.

Haben wir in der Grundschule gelesen, hab ich irgendwie nie vergessen. ;)

Little Dreamer
Lykosich hab auch ein sehr schönes , aber wer von euch kan latein *fg*


Delicium, blanditiae, ludus, amor, voluptas,
barbara, sed quae Latias vincis alumna pupas,
Bissula, nomen tenerae rusticulum puellae,
horridulum non solitis, sed domino venustum.
rochus[QUOTE][i]Original geschrieben von Lykos [/i]
[B]ich hab auch ein sehr schönes , aber wer von euch kan latein *fg*[/B][/QUOTE]

ich z.B. :P kann zwar nichtmehr so viel (muss endlich was dafür tun! wollte nach meinem Abitur wieder mehr Texte auf Latein lesen) aber ich hab es verstanden und es gefällt mir!

gruß
rochus
Schattenwesen1Lykos könntest du vielleicht bitte dein gedicht übersetzen?
nihil00Ja, ich weiß, woher ich stamme:
Ungesättigt gleich der Flamme
glühe und verzehr ich mich.
Licht wird alles, was ich fasse,
Kohle, alles, was ich lasse
- Flamme bin ich sicherlich.

Friedrich Nietzsche
IrisElse Lasker-Schüler (1869-1945)

SINNENRAUSCH

Dein sünd'ger Mund ist meine Totengruft,
Betäubend ist sein süsser Atemduft,
Denn meine Tugenden entschliefen.
Ich trinke sinnberauscht aus seiner Quelle
Und sinke willenlos in ihre Tiefen,
Verklärten Blickes in die Hölle.

Mein heisser Leib erglüht in seinem Hauch,
Er zittert, wie ein junger Rosenstrauch,
Geküsst vom warmen Maienregen.
- Ich folge Dir ins wilde Land der Sünde
Und pflücke Feuerlilien auf den Wegen,
- Wenn ich die Heimat auch nicht wiederfinde ...

--------------------


Rainer Maria Rilke (1875-1926)



Einmal, am Rande des Hains,
stehn wir einsam beisammen
und sind festlich, wie Flammen
fühlen: Alles ist Eins.

Halten uns fest umfaßt;
werden im lauschenden Lande
durch die weichen Gewande
wachsen wie Ast an Ast.

Wiegt ein erwachender Hauch
die Dolden des Oleanders:
sieh, wir sind nicht mehr anders,
und wir wiegen uns auch.

Meine Seele spürt,
daß wir am Tore tasten.
Und sie fragt dich im Rasten:
Hast Du mich hergeführt?

Und du lächelst darauf
so herrlich und heiter
und: bald wandern wir weiter:
Tore gehn auf..

Und wir sind nichtmehr zag,
unser Weg wird kein Weh sein,
wird eine lange Allee sein
aus dem vergangenen Tag.


Aus: Dir zur Feier (1897/98)
broken dreamsMomentan bin ich von Erich Fried angetan...

[U]Was ist es?[/U]

[I]Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe.[/I]
[Erich Fried]

[U]Nur nicht[/U]


[I]Das Leben
wäre
vielleicht einfacher
wenn ich dich
gar nicht getroffen hätte

Weniger Trauer
jedes Mal
wenn wir uns trennen müssen
weniger Angst
vor der nächsten
und übernächsten Trennung

Und auch nicht soviel
von dieser machtlosen Sehnsucht
wenn du nicht da bist
die nur das Unmögliche will
und das sofort
im nächsten Augenblick
und die dann
weil es nicht sein kann
betroffen ist
und schwer atmet

Das Leben
wäre vielleicht
einfacher
wenn ich dich
nicht getroffen hätte
Es wäre nur nicht
mein Leben.[/I]
[Erich Fried]

Das ist mein absolutes Lieblingsgedicht im Moment ;)

[U]Dich[/U]

[I]Dich
dich sein lassen
ganz dich
Sehen daß du nur du bist
wenn du alles bist was du bist
das Zarte und das Wilde
das was sich losreißen
und das was sich anschmiegen will
Wer nur die Hälfte liebt
der liebt nicht halb
sondern gar nicht
der will dich zurechtschneiden
amputieren verstümmeln...

Dich
dich sein lassen
ob das schwer oder leicht ist?
Es kommt nicht darauf an
mit wieviel Vorbedacht und Verstand
sondern mit wieviel Liebe
und mit wieviel
offener Sehnsucht nach allem
nach allem was du ist
Nach der Wärme und nach der Kälte
nach der Güte und nach dem Starrsinn
nach deinem Willen und Unwillen
nach jeder deiner Gebärden
nach deiner Ungebärdigkeit
Unstetigkeit Stetigkeit
Dann ist dieses
dich dich sein lassen
vielleicht gar nicht so schwer. [/I]
[Erich Fried]

Finde ich auch voll schön
fraeulein grauoch, alles so ernst hier

mehr morgenstern! das henkersmädel war ja schon da

der seufzer

ein seufzer lief schlittschuh
auf nächtlichem eis
und träumte von liebe und freude.
es war bei dem stadtwall und schneeweiss
glänzten die stadtwallgebäude.

der seufzer dacht' an ein maidelein
und blieb erglühend stehen
da schmolz die eisbahn unter ihm ein
und er sank
und ward nimmer gesehen.


und gleich noch eins:

der walfafisch oder: das überwasser

das wasser rinnt, das wasser spinnt,
bis es die ganze welt gewinnt
das dorf ersäuft
die eule läuft
und in der eiche sitzt ein kind

dem kind sind schon die beinchen nass
es ruft "das wass, das wass, das wass!"
der walfisch weint
und sagt: "mir scheint
es regnet ohne unterlass"

das wasser rann mit zasch und zisch
die erde ward zum wassertisch
und kind und eul
-oh greul, oh greul-
die frissifraß der walfafisch.



ich mag, was er mit den silben macht. tolle melodie.
Mondelfdas ist mein momentanes Liebluingsgedicht

an einen, die ich liebgewonnen habe


anfangs warst du ein stern,
einer von vielen,
an meinem himmelszelt.

inzwischen bist du
ein mond geworden
mit einer
unheimlich starken
anziehungskraft.



k. allert-w.
CarpeNoctemIch habe vor kurzem meine Liebe zum Sonett entdeckt...

Nur mal ein meiner Ansicht nach sehr schönes (und vor allem wahres...) Werk:

[U]Es ist alles eitel[/U]
Du siehst, wohin du siehst, nur eitelkeit auf erden.
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein;
Wo ietzundt städte stehn, wird eine Wiese seyn,
Auf der ein schäfers kind wird spielen mit den herden;

Was itzundt prächtig blüth, sol bald zutreten werden;
Was itzt so pocht und trotzt, ist morgen asch und bein;
Nichts ist, das ewig sey, kein ertz, kein marmorstein.
Jetzt lacht das glück uns an, bald donnern die beschwerden.

Der hohen thaten ruhm muß wie ein traum vergehn.
Soll denn das spiel der zeit, der leichte mensch bestehn?
Ach, was ist alles diß, was wir vor köstlich achten,

Als schlechte nichtigkeit, als schatten, staub und Wind,
Als eine wiesen blum, die man nicht wieder find't!
Noch wil, was ewig ist, kein einig mensch betrachten.

[SIZE=1]- Andreas Gryphius (1663) -[/SIZE]
Winston_WolfHesses Werke sind mir wohl die Liebsten,aber ich binde mich weder an Namen noch an einzelne Werke.Dennoch hier zwei Werke, die mir ans Herz gewachsen sind.Das zweite ist im Gegensatz zu den meisten hier verewigten Werke von Hesse eher humorvoll, wie ich finde.


Hermann Hesse - An die Melancholie

Zum Wein, zu Freunden bin ich dir entflohn,
Da mir vor deinem dunklen Auge graute,
In Liebesarmen und beim Klang der Laute
Vergaß ich dich, dein ungetreuer Sohn.

Du aber gingest mir verschwiegen nach
Und warst im Wein, den ich verzweifelt zechte,
Warst in der Schwüle meiner Liebesnächte
Und warest noch im Hohn, den ich dir sprach.

Nun kühlst du die erschöpften Glieder mir
Und hast mein Haupt in deinen Schoß genommen,
Da ich von meinen Fahrten heimgekommen:
Denn all mein Irren war ein Weg zu dir.


Hermann Hesse – Pfeifen

Klavier und Geige, die ich wahrlich schätze,
Ich konnte mich mit ihnen kaum befassen,
Mir hat bis jetzt des Lebens rasche Hetze
Nur zu der Kunst des Pfeifens Zeit gelassen.

Zwar darf ich mich noch keinen Meister nennen,
Lang ist die Kunst und kurz ist unser Leben.
Doch alle, die des Pfeifens Kunst nicht kennen,
Bedaure ich. Mir hat sie viel gegeben.

Drum hab ich längst mir innigst vorgenommen,
In dieser Kunst von Grad zu Grad zu reifen,
Und hoffe endlich noch dahin zu kommen,
Auf mich, auf euch, auf alle Welt zu pfeifen.
Krishaspontan fällt mir da nur des ein:



Helena

von Heinrich Heine

Du hast mich beschworen aus dem
Grab, durch deinen Zauberwillen,


Belebtest du mich mit Wolllustglut,
jetzt kannst du die Glut nicht stillen.


Press deinen Mund an meinen Mund,
der Menschen Odem ist göttlich!


Ich trinke deine Seele aus,
die Toten sind unersättlich.
axaWillkommen und Abschied


Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!
Es war getan fast eh gedacht.
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht;
Schon stand im Nebelkleid die Eiche,
Ein aufgetürmter Riese, da,
Wo Finsternis aus dem Gesträuche
Mit hundert schwarzen Augen sah.
Der Mond von einem Wolkenhügel
Sah kläglich aus dem Duft hervor,
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsausten schauerlich mein Ohr;
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer,
Doch frisch und fröhlich war mein Mut:
In meinen Adern welches Feuer!
In meinem Herzen welche Glut!

Dich sah ich, und die milde Freude
Floß von dem süßen Blick auf mich;
Ganz war mein Herz an deiner Seite
Und jeder Atemzug für dich.
Ein rosenfarbnes Frühlingswetter
Umgab das liebliche Gesicht,
Und Zärtlichkeit für mich – ihr Götter!
Ich hofft es, ich verdient es nicht!

Doch ach, schon mit der Morgensonne
Verengt der Abschied mir das Herz:
In deinen Küssen welche Wonne!
In deinem Auge welcher Schmerz!
Ich ging, du standst und sahst zur Erden,
Und sahst mir nach mit nassem Blick:
Und doch, welch Glück, geliebt zu werden!
Und lieben, Götter, welch ein Glück!



von Goethe
schattenzeitein tolles thema *froi*

hier eins meiner liebsten von Heinrich Heine:



Childe Harold

Eine starke, schwarze Barke
segelt trauervoll dahin.
Die vermummten und verstummten
Leichenhüter sitzen drin.

Toter Dichter, stille liegt er,
mit entblößtem Angesicht;
seine blauen Augen schauen
immer noch zum Himmelslicht.

Aus der Tiefe klingts, als riefe
eine kranke Nixenbraut,
und die Wellen, sie zerschellen
an dem Kahn, wie Klagelaut.

**********

Rilke
Duineser Elegie I
Wer, wenn ich schrie, hörte mich denn aus der Engel
Ordnungen? und gesetzt selbst, es nähme
einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem
stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts
als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen,
und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht,
uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich.
Und so verhalt ich mich denn und verschlucke den Lockruf
dunklen Schluchzens.

***********

Annette von Droste-Hülshoff
Der Knabe im Moor

O, schaurig ists, übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt -
O, schaurig ists, übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!

Fest hält die Fibel das zitternde Kind
Und rennt, als ob man es jage;
Hohl über die Fläche sauset der Wind -
Was raschelt drüben am Hage?
Das ist der gespenstige Gräberknecht,
Der dem Meister die besten Torfe verzecht;
Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind!
Hinducket das Knäblein zage.

Vom Ufer starret Gestumpf hervor,
Unheimlich nicket die Föhre;
Der Knabe rennt, gespannt das Ohr,
Durch Riesenhalme wie Speere;
Und wie es rieselt und knittert darin!
Das ist die unselige Spinnerin,
Das ist die gebannte Spinnlenor',
Die den Haspel dreht im Geröhre!

Voran, voran! nur immer im Lauf,
Voran, als woll' es ihn holen!
Vor seinem Fuße brodelt es auf,
Es pfeift ihm unter den Sohlen
Wie eine gespenstige Melodei;
Das ist der Geigenmann ungetreu,
Das ist der diebische Fiedler Knauf,
Der den Hochzeitheller gestohlen!

Da birst das Moor, ein Seufzer geht
Hervor aus der klaffenden Höhle;
Weh, weh, da ruft die verdammte Margret:
"Ho, ho, meine arme Seele!"
Der Knabe springt wie ein wundes Reh;
Wär nicht Schutzengel in seiner Näh,
Seine bleichenden Knöchelchen fände spät
Ein Gräber im Moorgeschwele.

Da mählich gründet der Boden sich,
Und drüben, neben der Weide,
Die Lampe flimmert so heimatlich,
Der Knabe steht an der Scheide.
Tief atmet er auf, zum Moor zurück
Noch immer wirft er den scheuen Blick:
Ja, im Geröhre war's fürchterlich,
O, schaurig war's in der Heide!

***********

Friedrich Nietzsche
Vereinsamt
Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein, -
Wohl dem, der jetzt noch - Heimat hat!

Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts, ach! wie lange schon!
Was bist du Narr
Vor Winters in die Welt entflohn?

Die Welt - ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends Halt.

Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg, Vogel, schnarr
Dein Lied im Wüstenvogel-Ton! -
Versteck, du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schein, -
Weh dem, der keine Heimat hat!
SethBertold Brecht:

Erinnerung an die Marie A.

An jenem Tag im blauen Mond September
Still unter einem jungen Pflaumenbaum
Da hielt ich sie, die stille bleiche Liebe
In meinem Arm wie einen holden Traum.
Und über uns im schönen Sommerhimmel
War eine Wolke, die ich lange sah
Sie war sehr weiß und ungeheuer oben
Und als ich aufsah, war sie nimmer da.

Seit jenem Tag sind viele, viele Monde
Geschwommen still hinunter und vorbei
Die Pflaumenbäume sind wohl abgehauen
Und fragst du mich, was mit der Liebe sei?
So sag ich dir: ich kann mich nicht erinnern.
Und doch, gewiß, ich weiß schon, was du meinst
Doch ihr Gesicht, das weiß ich wirklich nimmer
Ich weiß nur mehr: Ich küßte es dereinst.

Und auch den Kuß, ich hätt ihn längst vergessen
Wenn nicht die Wolke da gewesen wär
Die weiß ich noch und werd ich immer wissen
Sie war sehr weiß und kam von oben her.
Die Pflaumenbäume blühn vielleicht noch immer
Und jene Frau hat jetzt vielleicht das siebte Kind
Doch jene Wolke blühte nur Minuten
Und als ich aufsah, schwand sie schon im Wind.
Nightingale@wolke

Sind nicht alle Gedichte von Fried wunderbar? *schwaerm*
In meinen Augen ein wirklich grosser und unterschaetzter Poet...
KronosJa Erich Fried ist klasse!!!

Ich finde v.a. auch seine politischen Gedichte sehr gut und auch sehr mutig!!! Ein Mann der ehrlich ausspricht was er denkt, auch wenn er damit sich selbst bzw. sein Volk kritisiert!!!

Mein Favorit:

Höre, Israel!

Als wir verfolgt wurden,
war ich einer von euch.
Wie kann ich das bleiben,
wenn ihr Verfolger werdet?

Eure Sehnsucht war,
wie die anderen Völker zu werden
die euch mordeten.
Nun seid ihr geworden wie sie.

Ihr habt überlebt
die zu euch grausam waren.
Lebt ihre Grausamkeit
in euch jetzt weiter?

Den Geschlagenen habt ihr befohlen:
"Zieht eure Schuhe aus".
Wie den Sündenbock habt ihr sie
in die Wüste getrieben

in die große Moschee des Todes
deren Sandalen Sand sind
doch sie nahmen die Sünde nicht an
die ihr ihnen auflegen wolltet.

Der Eindruck der nackten Füße
im Wüstensand
überdauert die Spuren
eurer Bomben und Panzer.


Sehr beeindruckend finde ich!!

Gruß Kronos
asamandraChristian Morgenstern: Die unmögliche Tatsache

Palmström, etwas schon an Jahren,
wird an einer Straßenbeuge
und von einem Kraftfahrzeuge
überfahren.

"Wie war" (spricht er, sich erhebend
und entschlossen weiterlebend)
"möglich, wie dies Unglück, ja -:
daß es überhaupt geschah?

Ist die Staatskunst anzuklagen
in bezug auf Kraftfahrwagen?
Gab die Polizeivorschrift
hier dem Fahrer freie Trift?

Oder war vielmehr verboten,
hier Lebendige zu Toten
umzuwandeln, - kurz und schlicht:
Durfte hier der Kutscher nicht -?"

Eingehüllt in feuchte Tücher,
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im klaren:
Wagen durften dort nicht fahren!

Und er kommt zu dem Ergebnis:
Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil, so schließt er messerscharf,
"nicht sein kann, was nicht sein darf."


Morgenstern is einfach nur genial ;)


Auch nicht schlecht von ihm:

Der Hecht
Ein Hecht, vom heiligen Antón
bekehrt, beschloß, samt Frau und Sohn,
am vegetarischen Gedanken
moralisch sich emporzuranken.

Er aß seit jenem nur noch dies:
Seegras, Seerose und Seegrieß.
Doch Grieß, Gras, Rose floß, o Graus,
entsetzlich wieder hinten aus.

Der ganze Teich ward angesteckt.
Fünfhundert Fische sind verreckt.
Doch Sankt Antón, gerufen eilig,
sprach nichts als: "Heilig! heilig! heilig!"
MoonlightoceanUnter anderem diese hier:

Do not stand on my grave and weep.
I am not there. I do not sleep.
I am a thousand winds that blow
I am the diamond glints on snow.
I am the sunlight on the rippend grain
I am the gentle autumn rain.

When you awaken in the mornings hush,
I am the swift uplifting rush
Of quiet birds in circled flight.
I am the soft stars that shine at night
I am not there. I did not die.

Weiß leider nicht, wer das geschrieben hat.


[I]Als wir uns liebten,
liebten wir uns selbst nicht.[/I]

[I]Als wir uns den Krieg erklärten,[/I]
[I]gaben wir uns schon verloren.[/I]

[I]Als wir geschlagen waren,[/I]
[I]bemühten wir die Geschichte.[/I]

[I]Als wir allein waren,[/I]
[I]übertönten wir sie mit Musik.[/I]

[I]Als wir uns trennten,[/I]
[I]blieben wir am gleichen Ort.[/I]

[I]So lagen wir uns bald wieder in den Armen[/I]
[I]und nannten es ein Liebesgedicht,[/I]

[I]aber kein Liebesgedicht erklärt uns[/I]
[I]die Angst vor der Liebe,[/I]

[I]und warum der Himmel so blau war,[/I]
[I]als wir uns trafen,[/I]

[I]und warum er immer noch blau sein wird,[/I]
[I]wenn wir sterben werden,[/I]

[I]du für dich,[/I]
[I]ich für mich.[/I]

[I]Was bliebe hinzuzufügen?[/I]

Fauser


Und von Jim Morrison:

I am troubled
Immeasurably
By your eyes

I am struck
By the feather
of your soft
Reply

The sound of glass
Speaks quick
Disdain

And conceals
What your eyes fight
To explain
IshtarWelke Blätter


Plötzlich hallt mein
Schritt nicht mehr,
sondern rauscht leise,
leise
wie die tränenvolle
Weise,
die ich sing', vor
Sehnsucht schwer.
Unter meinen müden
Beinen,
die ich hebe wie im
Traum,
liegen tot und voll von
Weinen
Blätter von dem großen
Baum.




(Selma Meerbaum-Eisinger, 15
3 Jahre bevor sie im SS-Arbeitslager Michailowska starb)
Boudicea" Wenn ich einmal tot bin" von Christina Rossetti- Text folgt später einmal
MondsilbertaufeDie fünf Hühnerchen

Ich war einmal im Dorfe,
da gab es einen Sturm.
Da zankten sich fünf Hühnerchen
um einen Regenwurm.

Und als kein Wurm mehr war zu sehn,
da sagten alle: 'Piep!'
Da hatten die fünf Hühnerchen
einander wieder lieb.

Victor Blüthgen
KalypsoGeorg Trakl

[b]Ballade[/b]

[i]Ein Narre schrieb drei Zeichen in Sand,
Eine bleiche Magd da vor ihm stand.
Laut sang, o sang das Meer.
Sie hielt einen Becher in der Hand,
Der schimmerte bis auf zum Rand,
Wie Blut so rot und schwer.

Kein Wort ward gesprochen – die Sonne schwand,
Da nahm der Narre aus ihrer Hand
Den Becher und trank ihn leer.

Da löschte sein Licht in ihrer Hand,
Der Wind verwehte drei Zeichen im Sand –
Laut sang, o sang das Meer.[/i]

_______________


[b]De profundis[/b]

[i]Es ist ein Stoppelfeld, in das ein schwarzer Regen fällt.
Es ist ein brauner Baum, der einsam dasteht.
Es ist ein Zischelwind, der leere Hütten umkreist -
Wie traurig dieser Abend.

Am Weiler vorbei
Sammelt die sanfte Waise noch spärliche Ähren ein.
Ihre Augen weiden rund und goldig in der Dämmerung
Und ihr Schoß harrt des himmlischen Bräutigams.

Bei ihrer Heimkehr
Fanden die Hirten den süßen Leib
Verwest im Dornenbusch.

Ein Schatten bin ich ferne finsteren Dörfern.
Gottes Schweigen
Trank ich aus dem Brunnen des Hains.

Auf meine Stirne tritt kaltes Metall.
Spinnen suchen mein Herz.
Es ist ein Licht, das meinen Mund erlöscht.

Nachts fand ich mich auf einer Heide,
Starrend von Unrat und Staub der Sterne.
Im Haselgebüsch
Klangen wieder kristallne Engel.[/i]
crimson death"Die Reise" von Charles Baudelaire

Die Reise

I

Dem Kind, berauscht von bunter Bilder Flimmer,
Scheint wie sein Lebenshunger weit die Welt,
Wie ist sie groß beim stillen Lampenschimmer!
Wie klein von der Erinnerung Licht erhellt!

Es kommt ein Tag, da ziehn wir in die Weiten,
Voll bitterer Sehnsucht und voll banger Glut,
Und wiegen unsre Unermeßlichkeiten
Auf eines Weltmeers engbemeßner Flut.

Der eine flieht aus fremdverhaßten Landen,
Der andre macht sich von der Heimat frei,
Sternforscher, die im Weib den Himmel fanden,
Fliehn vor der Kirke holder Tyrannei.

Sie wollen nicht zum Tier sich wandeln lassen,
Drum flüchten sie zum Meer und Himmelsstrahl,
In Sonnenglut, im Eishauch wird verblassen
Mählich der Küsse brennend rotes Mal.

Die wahren Wandrer aber sind`s, die ziehen
Aus Wandertrieb leicht wie Feder fort.
Sie können ihrem Schicksal nie entfliehen,
Und "weiter, weiter" heißt ihr Losungswort.

Sie, deren Wünsche sind gleich Luftgebilden,
Sie träumen wie ein Knabe vor der Schlacht
Von Leuchtenden, stets wechselnden Gefilden
Voll Schönheit, wie sie nie ein Mensch erdacht.


II

O Schreck! Wir drehn uns, springen wie ein Kreisel,
Die Neugier peitscht uns auf aus Schlaf und Traum,
Dem strengen Engel gleich, der mit der Geißel
Die Sonnen wirbelt durch den Weltenraum.

Seltsames Glück, des Ziele sich verschieben,
Das nirgends ist und dennoch überall!
Der Mensch, von Hoffung hin- und hergetrieben,
Er sucht die Ruhe und durchrast das All.

Sein Geist gleicht einem Segler, rastlos strebend,
Und "Augen auf" ertönt es aus dem Schiff,
Vom Mast schreit eine Stimme, glühend, bebend:
"Ruhm! Liebe! Glück!" - O Fluch, es war ein Riff!

Doch jedes Eiland, fern im fahlen Lichte,
Scheint uns das Eden, das der Traum verhieß,
Und jeder Tag macht unsren Traum zunichte,
Zeigt starre Klippen uns, kein Paradies.

O arme Sucher lockender Gefilde!
Den Trunknen, der die neue Welt entdeckt,
Stürzt in das Meer, denn vor dem Zauberbilde
Noch bitterer der Staub des Alltags schmeckt.

So stampft der Bettler hin durch öde Strecken,
Durch Kot und Schmutz, träumt eine Zauberwelt,
Und will verzückt ein Capua entdecken,
Wo nur ein Span das finstre Loch erhellt.


III

Erhabne Wandrer, sagt, was ihr errungen,
Was in dem meerestiefen Blick euch lebt,
Zeigt die Kleinodien der Erinnerungen,
Aus Luft und Meer und Sternenglanz gewebt!

Wir wollen ohne Dampf und Segel fliehn,
Erhellt den Kerker, drin wir festgebannt,
Und laßt an unsrem Geist vorüberziehn,
Was Ihr erlebt, vom Horizont umspannt.

Sagt, was ihr saht!


IV

"Wir sahen Sterngefunkel
Und Wogenglanz. Auch Wüsten sahen wir;
Und trotz Sturmschauer und Gewitterdunkel,
Kam oft der Überdruß uns, so wie hier.

Das Abendmeer in violettnem Prangen,
Der Stadt Erglühn, wenn die Sonne sinkt,
Erweckten nur im Herzen heiß Verlangen
Nach einem Himmel, der verlockend winkt.

Die schönsten Länder und die reichsten Städte
Berauschten nieso glühend unsren Sinn
Wie fern am Himmel jene Wolkenkette,
Und traurig zogen wir voll Sehnsucht hin.

O Sehnsucht, nur die Freude gibt dir Kräfte!
Du gleichst dem Baum, den nur die Lust erweckt,
Es wachsen und es schwellen deine Säfte,
Wenn dein Geäst sich nach der Sonne reckt.

Wächst du noch immer kühn wie die Zypressen,
Du alter Baum? - Doch seht, ihr Freunde hier,
Wir haben auch die Skizzen nicht vergessen
Für euch, die ihr das Fremde liebt wie wir.

Wir grüßten Götzen, halb in Staub gesunken,
Throne von leuchtendem Gestein bedeckt,
Paläste, deren feenhaftes Prunken
Goldgierigen Seelen wilde Träume weckt.

Gewande, deren Pracht die Sinne lähmten,
Und Frauen, die sich färbten Zahn und Hand,
Und kluge Zauberer, die Schlangen zähmen."


V

Was noch, was noch? -


VI

"O kindischer Verstand!

Allüberall bot sich, was wir nicht suchten,
Was immer sein wird und was immer war,
Die stufen auf und nieder, die verruchten,
Bot sich des ewigen Lasters Spiel uns dar.

Das Weib, gemein, voll niedrigem Behangen,
Das schamlos sich vergöttert und genießt,
Der Mann, der Sklavin Sklave, feig, erschlangen,
Ein schmutziger Schaum, der durch die Gossen fließt.

Der Henker roh des Opfers Qual verschärfend,
Die wilden Feste unterm Blutgerüst,
Das Gift der Macht, Despoten selbst entnervend,
Das knechtige Volk, das seine Rute küßt.

Und Religionen - immer war`s ein Gleiches:
Zum Himmel klettern sie, und doch zum Schluß
Ist Glaube nur ein Bett, ein wollustweiches,
Und Dorn und Geißel wird für sie Genuß.

Der Mensch schwatzhaft, hochmutstolle Rotte.
Die jetzt wie ehdem blöde und errucht,
Schreit auf im Todeskampf zu ihrem Gotte:
"O Herr, mein Ebenbild du, sei verlucht!".

Nur wenige fliehn wahnwitzig und vermessen
Aus dieser eingepferchten Herde Stall,
Und suchen in dem Opiumrausch Vergessen
- So lautet der Bericht vom Erdenball."


VII

O bittre Weisheit, die die Fahrt uns lehrt!
Es hat der Welt stumpfsinnig Einerlei
Stets unser eignes Bild uns zugekehrt,
Ein Quell des Schrecks in öder Wüstenei.

Gehn? Bleiben? Wie wir müssen, wollen;
Der duckt sich nieder und der andre rennt,
Der Feindin zu entgehen, der unheilvollen,
Wachsamen Zeit, die keine Schonung kennt.

Du siehst die Menschen gleich Ahasver eilen,
Da nützen kein Wagen, nützt kein schnelles Boot,
Die Schlimme holt sie ein. - Andre verweilen
Und schlagen sie schon in der Wiege tot.

Doch setzt sie ihren Fuß auf unsren Rücken,
Dann hoffen wir, und "Vorwärts!" heißt der Schrei.
So fuhren wir nach China voll Entzücken
Mit sturmverwehtem Haar, die Blicke weit und frei.

So schiffen wir uns ein zur düstern Reise,
Und jung das Blut durch unsre Adern fließt,
Hört ihr die Stimmen feierlich und leise:
"Kommt her, kommt her! Und labt euch und genießt!

Genießt des Lotos Blüte, schwer von Düften,
Erlesne Früchte, die ihr lang entbehrt;
Berauscht euch an den seltsam fremden Lüften,
Des heißen Nachmittags, der ewig währt!"

Es sind der Schatten liebvertraute Stimmen,
Doch die Pyladen wehren dem Gelüst;
"Willst Labung du, mußt zu Elektra schwimmen!"
Spricht eine, deren Knie wir einst geküßt. -


VII

Tod, alter Fährmann, komm die Anker lichten!
Segel gehißt! - Wir sind der Erde satt.
Wenn schwarz auch Meer und Himmel sich verdichten,
Du weißt, daß unsre Seele Strahlen hat.

Reich uns dein Gift, daß Tröstung wir erfahren!
Noch brennt das Feuer - laß zum tiefsten Schlund,
Laß uns zu Himmel oder Hölle fahren!
Nur Neues zeig uns, Tod, im fremden Grund!
CloudySkyDer Panther - Rainer maria Rilke... Ohne weitere wote :-) und mit abstand das beste :-)

Der Panther
Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehen der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein grosser Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

-Rainer Maria Rilke-


Ansonsten Freid, Goethe etc. Sehr schöne Sachen.

LG,
CS
ombre[B]die einsamkeit[/B]


[i]das muß schon einige zeit her sein,
daß ich von einsamkeit gelesen habe,
denn längst ist die einsamkeit nicht mehr
so fern (von mir),
daß ich es lesen muß
um etwas davon zu hören.
sie geht mir tag und nacht
nicht mehr aus den ohren.[/i]


Ernst Jandl


[size=1]Die Orthographie gehört so. Vielen Dank für den großartigen Herrn Celan, oben.[/size]
Pelloquin[b]Exemplarische Herbstnacht[/b]

[size=1]Nachts sind die Straßen so leer.
Nur ganz mitunter
markiert ein Auto Verkehr.
Ein Rudel bunter,
raschelnder Blätter jagt hinterher.

Die Blätter jagen und hetzen.
Und doch weht kein Wind.
Sie rascheln wie Fetzen und hetzen
und folgen geheimen Gesetzen,
obwohl sie gestorben sind.

Nachts sind die Straßen so leer.
Die Lampen brennen nicht mehr.
Man geht und möchte nicht stören.
Man könnte das Gras wachsen hören,
wenn Gras auf den Straßen wär.

Der Himmel ist kalt und weit.
auf der Milchstraße hat's geschneit.
Man hört seine Schritte wandern,
als wären es Schritte von andern,
und geht mit sich selbst zu zweit.

Nachts sind die Straßen so leer.
Die Menschen legten sich nieder.
Nun schlafen sie, treu und bieder,
Und morgen fallen sie wieder
übereinander her.


(Erich Kästner)
[/size]
wesenAbschied

Du füllst mich an wie Blut die frische Wunde
und rinnst hernieder seine dunkle Spur,
du dehnst dich aus wie Nacht in jener Stunde,
da sich die Matte färbt zur Schattenflur,
du blühst wie Rosen schwer in Gärten allen,
du Einsamkeit aus Alter und Verlust,
du Überleben, wenn die Träume fallen,
zuviel gelitten und zuviel gewusst.

Entfremdet früh dem Wahn der Wirklichkeiten,
versagend sich der schnell gegebenen Welt,
ermüdet von dem Trug der Einzelheiten,
da keine sich dem tiefen Ich gesellt;
nun aus der Tiefe selbst, durch nichts rühren,
und die kein Wort und Zeichen je verrät,
musst du dein Schweigen nehmen, Abwärtsführen
zu Nacht und Trauer und den Rosen spät.

Manchmal noch denkst du dich --: die eigene Sage --:
das warst du doch --? ach, wie du dich vergasst!
war das dein Bild? war das nicht deine Frage,
dein Wort, dein Himmelslicht, das du besasst?
Mein Wort, mein Himmelslicht, dereinst besessen,
mein Wort, mein Himmelslicht, zerstört, vertan --
wem das geschah, der muss sich wohl vergessen
und rührt nicht mehr die alten Stunden an.

Ein letzter Tag --: spätglühend, weite Räume,
ein Wasser führt dich zu entrücktem Ziel,
ein hohes Licht umströmt die alten Bäume
und schafft im Schatten sich ein Widerspiel,
von Früchten nichts, aus Ähren keine Krone
und auch nach Ernten hat er nicht gefragt --
er spielt sein Spiel, und fühlt sein Licht und ohne
Erinnern nieder -- alles ist gesagt.

Gottfried Benn
Kildare[U]Ich habe dich so lieb[/U]
[I]Joachim Ringelnatz[/I]

Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
eine Kachel aus meinem Ofen schenken.

Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir so traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
leuchtet der Ginster so gut.

Vorbei - verjährt
Doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange währt,
ist leise.

Die Zeit entstellt
alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen.
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.

Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
an einem Sieb.
Ich habe dich so lieb.
beylaMein absoluter Favorit ist Erich Kästners "Sachliche Romanze", die aber schon erwähnt wurde. Des weiteren:

Erich Fried: Bei dir sein wollen

Bei dir sein wollen
mitten aus dem was man tut
weg sein wollen
bei dir verschwunden sein
nichts als bei dir
näher als Hand an Hand
enger als Mund an Mund
bei dir sein wollen
in dir zärtlich zu dir sein
dich küssen von aussen
und dich streicheln von innen
so und so und auch anders
und dich einatmen wollen
immer nur einatmen wollen
tiefer, tiefer
und ohne Ausatmen trinken
aber zwischendurch Abstand suchen
um dich sehen zu können
aus ein zwei Handbreit Entfernung
und dann dich weiter küssen



Auch noch wunderschön:

Schiller: Die Bürgschaft


[URL=http://home.arcor.de/jpe-wl/texte/g_buergschaft.html]http://home.arcor.de/jpe-wl/texte/g_buergschaft.html[/URL]
sternenschwesterHeinrich Heine
Kluge Sterne

Die Blumen erreicht dder Fuß so leicht,
Auch werden zertreten die meisten;
Man geht vorbei und tritt entzwei
Die blöden wie die dreisten.

Die Perlen ruhn in Meerestruhn,
Doch weiß man sie aufzuspüren;
Man bohrt ein Loch und spannt sie ins Joch,
Ins Joch von seidenen Schnüren.

Die Sterne sind klug, sie halten mit Fug
Von unserer Erde sich ferne;
Am Himmelszelt, als Lichter der Welt,
Stehn ewig sicher die Sterne.
arthoriamMich hat das immer sehr beeindruckt, ist auch von Heinrich Heine

Belsazar

Die Mitternacht zog näher schon;
In stiller Ruh' lag Babylon.

Nur oben in des Königs Schloß,
Da flackert's, da lärmt des Königs Troß.

Dort oben in dem Königssaal
Belsazar hielt sein Königsmahl.

Die Knechte saßen in schimmernden Reihn,
Und leerten die Becher mit funkelndem Wein.

Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht';
So klang es dem störrigen Könige recht.

Des Königs Wangen leuchten Glut;
Im Wein erwuchs ihm kecker Mut.

Und blindlings reißt der Mut ihn fort;
Und er lästert die Gottheit mit sündigem Wort.

Und er brüstet sich frech, und lästert wild;
Die Knechtenschar ihm Beifall brüllt.

Der König rief mit stolzem Blick;
Der Diener eilt und kehrt zurück.

Er trug viel gülden Gerät auf dem Haupt;
Das war aus dem Tempel Jehovas geraubt.

Und der König ergriff mit frevler Hand
Einen heiligen Becher, gefüllt bis am Rand.

Und er leert ihn hastig bis auf den Grund,
Und rufet laut mit schäumendem Mund:

"Jehova! dir künd ich auf ewig Hohn -
Ich bin der König von Babylon!"

Doch kaum das grause Wort verklang,
Dem König ward's heimlich im Busen bang.

Das gellende Lachen verstummte zumal;
Es wurde leichenstill im Saal.

Und sieh! und sieh! an weißer Wand
Da kam's hervor wie Menschenhand;

Und schrieb, und schrieb an weißer Wand
Buchstaben von Feuer, und schrieb und verschwand.

Der König stieren Blicks da saß,
Mit schlotternden Knien und totenblaß.

Die Knechtenschar saß kalt durchgraut,
Und saß gar still, gab keinen Laut.

Die Magier kamen, doch keiner verstand
Zu deuten die Flammenschrift an der Wand.

Belsazar ward aber in selbiger Nacht
Von seinen Knechten umgebracht.
ashipisburningEine Strophe, die mir nicht mehr aus dem Kopf will, der Beginn der "Zueignung" von Novalis:

[COLOR=DARKRED]
Du hast in mir den edlen Trieb erregt
Tief ins Gemüth der weiten Welt zu schauen;
Mit deiner Hand ergriff mich ein Vertrauen,
Das sicher mich durch alle Stürme trägt.
[/COLOR]
KappabaniRudyard Kipling!
If - tipp ich aber jetzt nicht ab weil zu lang und

The Appeal
If I have given you delight
by aught that I have done
let me lie quiet in that night
which shall be yours anon.

And for the little, little span
the dead are born in mind
seek not to question other then
the books I leave behind.
black_soul_82Ich habe 2 Lieblingsgedichte, die von meiner besten Freundin Juliane vor ein paar Jahren verfasst wurden.

Gedanken

Chaos ist schwer zu verstehen
Chaos zu ordnen verlangt Verstand
Auch Ordnung kann verwirren
Aber ist sie leichter zu verstehen?
Kann man lernen im Chaos zu leben?
Oder lebt das Chaos in uns?
Leben bedeutet gleichzeitig Tod
Ist das die Ordnung der Natur?
Haben wir das Chaos erschaffen,
und die Ordnung der Natur zerstört?
Werden wir je Antworten finden?
Oder bleiben sie uns ewig verwehrt?

Chaos verwirrt
und trotzdem belehrt es
Ordnung soll belehren
und kann doch verwirren

Juliane `99



Kind der Finsternis

Schwarze Wolken bedecken den Himmel,
erzeugen eine Welt der Dunkelheit
Von glühender Liebe umgeben
stehe ich auf einem frierenden Feld
Um mich herum unendliche Weiten
Es ist still, beängstigend still
Nur Nebel und eisige Kälte

Und doch fühle ich etwas wie Geborgenheit

Juliane Nov. 99
dochthmm hab wohl kein lieblingsgedicht oder so, aber find einige sehr gut.. kenn aber leider nich so viele :O



e. a. poe: a dream within a dream


Take this kiss upon the brow!
And, in parting from you now,
Thus much let me avow ---
You are not wrong, who deem
That my days have been a dream;
Yet if hope has flown away
In a night, or in a day,
In a vision, or in none,
Is it therefore the less gone?
All that we see or seem
Is but a dream within a dream.

I stand amid the roar
Of a surf-tormented shore,
And I hold within my hand
Grains of the golden sand ---
How few! yet how they creep
Through my fingers to the deep,
While I weep --- while I weep!
O God! can I not grasp
Them with a tighter clasp?
O God! can I not save
One from the pitiless wave?
Is all that we see or seem
But a dream within a dream?


-----

rose auslaender: Wer bin ich

Wenn ich verzweifelt bin
schreib ich Gedichte

Bin ich fröhlich
schreiben sich Gedichte
in mich

Wer bin ich
wenn ich nicht
schreibe
belladonnaHabe da zwei Lieblingsgedichte:

1.)

Um Mitternacht hab ich gewacht
Und aufgeblickt zum Himmel
Kein Stern vom Sterngewimmel
Hat mir gelacht
Um Mitternacht

Um Mitternacht hab ich gedacht
Hinaus in weite Schranken
Es hat kein Lichtgedanken
Mir Trost gebracht
Um Mitternacht

Um Mitternacht nahm ich in Acht
Die Schläge meines Herzens
Ein einzger Puls des Schmerzens
War angefacht
Um Mitternacht

Um Mitternacht kämpft ich die Schlacht
Oh, Menschheit deiner Leiden
Nicht konnt ich sie entscheiden
Mit meiner Macht
Um Mitternacht

Um Mitternacht hab ich die Macht
In deine Hand gegeben
Herr über Tod und Leben
Du hältst die Wacht
Um Mitternacht

2.)

An deinem Munde und zur selben Stunde
In fernem Land an einem anderen Mund
Und während ich dort wär
Wär ich auch hier
Und während ich fort wär
Wär ich bei dir

Wenn ich dich küsse
Fliegt ein glühender Stern durch die Nacht
Küss ich den andren
Sterben tausend Mann in der Schlacht

Bei jedem Wimperschlag
Geschehen Geburt und Tod
Ist hier Tag ist woanders Nacht
So viele Lippen sind rot

Zehn Frauen möcht ich sein
In Treue gehüllt und Betrug
Zehn Frauen möcht ich sein
und immer wär´s noch nicht genug!
In Rom und im Ritz
Und im Beduinenzelt
Im Krönungsmantel und ganz ohne Kleid

Zehn Frauen möcht ich sein
Zehnmal zur selben Zeit
Zehn Frauen möcht ich sein
Zehnmal ich selbst auf der Welt!

Wenn ich dich umarme
Umarme ich dann nur dich?
Hältst du mich Arm
Umarmst du wirklich mich?

Man ist in sich verbannt
Gefangen für alle Zeit
Im Krönungsmantel und ganz ohne Kleid

Mit dunklem Flügelschlag
Ziehen stumm die Wünsche dahin
Ist hier Tag ist woanders Nacht
Sag mir doch wo ich bin!

An deinem Munde und zur selben Stunde
In fernem Land an einem anderen Mund
Und während ich dich küsse
Schreibt einer sein erstes Gedicht
Während ich dich liebe
Liebst du mich - nicht

Na gut, alle guten Dinge sind drei:

Nimm deine Hand fort
Ich liebe dich nicht
Weil du es gewollt hast
Bist du nur ein Freund

Deine schönen Hände
Dein liebender Kuss
Dein schlafender Mund
Sind für andere gemacht

Sprich nicht wenn es dunkelt
Es ist zu viel Intimität in deiner leisen Stimme
Gib mir vor allem nicht immer wieder dein Taschentuch
Es hat zu viel des Parfums das ich liebe

Sag mir wen du liebst
Ich liebe dich nicht
Erzähl von der Leidenschaft
Die du für andere hast
Ich liebe dich nicht

Ich mag dich
Auch wenn du zu mir kommst
Und mir erzählst wie gemein sie zu dir war
Und du mich brauchst
Sei nicht charmant
Ich liebe dich nicht

Ich weine nicht
Ich habe nicht geweint
Es ist nur der Rauch
Nur ein Wahnsinn
Ich mag deine Augen
Wie sie lachen voll Leben
Ohne Bedauern ohne Melancholie

Es ist mir genug deine Augen zu sehen
Es wird mir genügen dein Lächeln zu spüren
Erzähl mir wie du das andere Herz genommen hast
Und dann sag auch mir was wir nie sagen können
Ob du...Fass mich nicht an!
Ich liebe dich nicht
Das Feuer ist aus
Die Tür die ist zu
Ich liebe dich nicht!

Ich weine - und das ist alles

Ich liebe dich nicht, ich liebe dich nicht, ich liebe dich nicht...
faustIch mag Heinrich Heine, besonders "Die schlesischen Weber":

Im düstern Auge keine Träne
Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:
Deutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch -

Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten
In Winterskälte und Hungersnöten;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt -
Er hat uns geäfft, gefoppt und genarrt -

Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen
Der den letzten Groschen von uns erpreßt
Und uns wie Hunde erschiessen läßt -

Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wir nur gedeihen Schmach und Schande,
Wo jede Blume früh geknickt,
Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt -

Wir weben, wir weben!

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
Wir weben emsig Tag und Nacht -
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch,

Wir weben, wir weben!
sparkling starGedichte sollten nicht mit einem . (Punkt) oder sonst einem Satzzeichen enden, finde ich.
Dessen bzw. deren Anwendung finde ich brutal.
. Ende (muss alles ein Ende haben?)

Für dummes und unsinniges Geschwätze wie Paragraphen, vorschriften,... unbedingt erforderlich.

Schöne Schriften sollten ewig währen
fagetoh, da gibt es viele... aber eines meiner liebsten ist das hier:

Steh nicht weinend an meinem Grab.
Ich bin nicht dort unten, ich schlafe nicht.
Ich bin tausend Winde, die wehn',
ich bin das Glitzern der Sonne im Schnee,
ich bin das Sonnenlicht auf reifem Korn,
ich bin der sanfte Regen im Herbst.
Wenn du erwachst in der Morgenfrühe,
bin ich das schnelle Aufsteigen
der Vögel im kreisenden Flug.
Ich bin das sanfte Sternenlicht in der Nacht.
Steh nicht weinend an meinem Grab.
Ich bin nicht dort unten, ich schlafe nicht.

einen tipp hab ich aber noch: wer sich für gedichte aller art interessiert kann es ja mal unter [url]www.lyrik.at[/url] versuchen... da kann man nicht nur neue gedichte oder geschichten entdecken, sondern auch selber welche veröffentlichen... weitere schöne gedichte gibt es auch unter [url]www.drucila666.de...[/url]
viel spaß damit!
SternenstaubEs gibt in Weiten dieses Boardes
ein wunderbares Paradies.
Wo sich im Fluge eines Wortes
ein User gerne niederließ.

Man fand dort Zeichen, silbergrau,
und jeder Wunsch war dort daheim
Drum gib es ein und sieh an! Schau!
Es wird die Suchmaschine sein.


*


[URL=http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?s=&threadid=29202&highlight=Lieblingsgedichte]~clique-moi~[/URL]

Außerdem gibt es in den 'Gärten der Poesie' die 'Fremdlyrik'
Zu empfehlen, wärmstens ist

[URL=http://www.gedankenlos.net]gedankenlos[/URL]
autumnnightzusammenführen von threads macht ja ab und an spass..
trotzdem: SUCHMASCHINE!!!
ScherbenKöniginBei mir ist es auch der Erlkönig , bringt ja nichts es nochmal zu schreiben , steht ja direkt am Anfang ;)


und


Erich Kästner- Das kleine Solo

Einsam bist du, sehr alleine.
Aus der Wanduhr tropft die Zeit.
Stehst am Fenster. Starrst auf Steine.
Träumst von Liebe. Glaubst an keine.
Kennst das Leben. Weißt Bescheid.
Einsam bist du, sehr alleine –
Und am Schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.

Wünsche gehen auf die Freite.
Glück ist ein verhexter Ort.
Kommt dir nahe. Weicht zur Seite.
Sucht vor Suchenden das Weite.
Ist nie hier. Ist immer dort.
Stehst am Fenster. Starrst auf Steine.
Sehnsucht krallt sich in dein Kleid.
Einsam bist du, sehr alleine –
Und am Schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.

Schenkst dich hin. Mit Haut und Haaren.
Magst nicht bleiben, wer du bist.
Liebe treibt die Welt zu Paaren.
Wirst getrieben. Musst erfahren,
dass es nicht die Liebe ist...
Bist sogar im Kuss alleine.
Aus der Wanduhr tropft die Zeit.
Gehst ans Fenster. Starrst auf Steine.
Brauchtest Liebe. Findest keine.
Träumst vom Glück. Und lebst im Leid.
Einsam bist du, sehr alleine –
Und am Schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit
XenomorphEines meiner Lieblingsgedichte (neben vielen anderen) ist und bleibt dieses, und zwar, weil es jederzeit von der Wirklichkeit eingeholt werden könnte:

Jakob van Hoddis - Weltende

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
in allen Lüften hallt es wie Geschrei,
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten - liest man - steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen,
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.
Gabriel BellRainer Maria Rilke - Der Engel

Wie ist der hülflos, der mit nichts als Worten
aussagen soll wie er dich fühlt und sieht;
dieweil dein Leben festlich sich vollzieht
wie aufgehoben, wie in Sopraporten
in welchen neben dir ein Engel kniet.

Ein Engel - : ein im Himmlischen Zerstreuter,
der um dich ist seitdem du hier erschienst;
kaum jemals trauriger, kaum je erfreuter,
doch immer strahlender in deinem Dienst:

so hingegeben wie an große Räume
an dich, du weite, unbekannte Welt,
und wie ein Kind in seine ersten Träume
so atemlos in dich hineingestellt.

Beschäftigt, dir dein Leben hinzureichen,
die Stunde, die du grade ihm bestimmst,
und schwindelnd von der Größe ohne gleichen
mit der du sie aus seinen Händen nimmst:

verbraucht er seine vielen Ewigkeiten
in deiner Zeit wie einen kurzen Tag.
Er wird nie wieder heimgekehrt zu seiten
der andern Engel im Aeropag

des Himmels stehn; auch nicht im Weltgerichte.
Sein Platz wird leer sein auf der Engelsbank.
Doch man wird sagen von dem Angesichte
an dem ein Engel lebte und ertrank.
Israfelich mag goethe sehr, baudelaire, meinen persönlichen gott-Poe und von dem nehm ich mal mein "lieblingsgedicht" [stimmt halt nicht ganz, ich habe zuviele]

alone [1830] E.A.Poe

from childhoods hour
i have not been
as others were
i have not seen
as others saw
i could not bring
my passions from a common spring

from the same source
i have not taken
my sorrow
i could not awaken
my heart to joy at the same tone
and all i loved
i loved alone

then in my childhood
in the dawn
of a most stormy life
was drawn
from evry depth of good and ill
the mystery which binds me still

from the torrent or the fountain
from the redcliff of the mountain
from the sun that round me rolled
in its autumn tint of gold
from the lightning in the sky
as it passed me flying by
from the thunder and the storm
and the cloud that took the form
(when the rest of heaven was blue-)
of a demon in my view


[eventuelle kleine dreher/rechtschreibfehler vorbehalten,
da die "complete work of EA poe" site gerade off ist,
und ich es selbst reproduzierte ;)]

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