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  Forum: Buchsalon
    Thema: James Joyce
afterlifeJames Joyce - Finnegans Wake


Hat das irgendwer von euch mal gelesen? Ich habs angefangen, aber um ehrlich zu sein, irgendwie wusste ich nich auf was ich mich da einlasse.
Es heisst, wenn man das Buch zu nem drittel versteht ist man gut...
Ich wollte es nochmal versuchen demnächst,... n paar Erfahrungen mit dem Buch vorher mal zu hören wär wohl ganz hilfreich denk ich ;)


edit by mod:
titel eingefügt
Odessa[size=1]Nachdem es der einzige thread ist, den mir die Suchmaschine zum Thema "James Joyce" anzeigte und sich hier nach 4 Jahren keine Antwort fand, hoffe ich, ich darf den thread zweckentfremden für ein anderes Buch von James Joyce (falls nicht, werte Moderation - walte bitte Deines Amtes).
[/size]

Es gilt als eines der schwierigsten Werke der Literatur und ich habe mich durchgelesen, ohne es ganz verstanden zu haben: [b]"Ulysses". [/b] Die Gliederung des Buches ist ähnlich der von Homer in seiner "Odyssee", also es sind drei Teile und auch 18 Kapitel. Die Hauptpersonen sind Stephen "Kinch" Dedalus und Leopold Bloom (Bloom für Odysseus, Kinch als dessen Sohn Telemachus).

[i]Joyces "Ulysses" gilt als eines der schwierigsten Werke der Weltliteratur: Über weite Strecken ein scheinbar ungeordneter Bewusstseinsstrom, ist der Text in Wahrheit kompakt gewebt aus Symbolen, Anspielungen und Zitaten, an denen Fans und Forscher seit 80 Jahren knobeln. Oberflächlich betrachtet beschreibt Joyce einen beliebigen Arbeitstag Blooms, seine Gänge durch die Stadt, seine Begegnungen, Gespräche, Eindrücke, Assoziationen. Dabei folgt er einer ausgetüftelten Architektur, deren Grundriss Homers "Odyssee" ist: Jede Station Blooms auf seinem Weg durch Dublin korrespondiert mit einer Episode der Irrfahrten des Odysseus (engl.: Ulysses) durch die archaische Mittelmeerwelt. Joyce kontrastiert das antike Helden-Epos mit den mehr oder weniger banalen Erlebnissen eines Dubliner Bürgers Anfang des 20. Jhd., die er dadurch zum "Weltalltag der Epoche" überhöht. Aber die "Odyssee" ist nur eine der vielen Bezugsebenen: Jedes Kapitel bedient sich seiner eigenen literarischen Technik und Symbolik; jedes ist einer anderen Kunst und einem anderen Organ des menschlichen Körpers gewidmet. Revolutionär war auch die präzise Protokollierung des oft nur aus halbbewussten Gedankenfetzen bestehenden inneren Monologs. In einer für seine Zeitgenossen schockierenden Weise mischte Joyce Erhabenes und Triviales und bisweilen Obszönes. ( [url]www.lyrikwelt.de[/url])[/i]


Nun haben mir einige Freunde geraten, das Buch in englisch zu lesen, was ich bisher vermied, da ich ja schon mit der deutschen Ausgabe meine Probleme hatte (wie anscheinend der allergrößte Teil der Leser und sogar Joyces eigene Frau, die nach 27 Seiten Lesens entnervt aufgab und ihren Mann anherrschte, er möge mal etwas schreiben "was die Leute auch verstehen"). Es kämen im englischen Original einige Wortzusammenhänge besser heraus, was mir einleuchtet, aber mir wohl trotzdem nicht die komplexen und "wirren" Handlungsgänge fassbarer machen würde.

Hat irgendwer das Buch - egal in welcher Sprache - auch gelesen und wenn, wie empfindet ihr darüber?
autumnnight[SIZE=1]passt scho.. hab dir die überschrift geändert..[/SIZE]

ich habe das werk (u.) in deutscher ausführung im regal stehen. mal schauen, wann ich es lese. gebe dann info.
OdessaDanke Frau mod, was ein Service ;-)

Das wäre echt interessant, gerade Deine Meinung darüber zu lesen, wo Du so viel liest und gelesen hast. Aber glaub mir, es ist echt sehr "zäh" und gewöhnungsbedürftig.

Das "Finnegans wake" habe ich mir übrigens noch nicht angetan, weil das ja noch schwieriger sein soll als Ulysses oder zumindest genauso unverständlich. Joyce hat da eine eigene Sprache teilweise entwickelt (Sigur Ros lassen - auf musikalischer Seite - grüßen), bei der er die englischen Wörter irgendwie neu zusammensetzt und/oder trennt. Das hatte sogar einen Begriff, ich komm nur nicht drauf, irgendwas mit Port (?) am Wortanfang oder Ende , glaube ich mich schwach zu erinnern. :(
OdessaNachtrag: es gibt anscheinend auch einen Film zum Buch, "Bloom". Leider wurde ich bisher nicht fündig, was eine Kauf-DVD auf deutsch angeht. Die übliche Frage: Buchverfilmung - grandios oder genial daneben? Wer den Film gesehen hat, bitte bitte mir in pn darüber schreiben, danke :-)
ArimahnIch habe das Buch hier in der englischen Ausgabe.

Ja, die Leute haben absolut recht wenn sie sagen es sei schwer und unverständlich. Im Englischen kommt noch hinzu, dass Joyce sehr viel irischen Slang benutzt den selbst native speaker kaum verstehen. Das Geschehen und die Zusammenhänge erschliessen sich mir, als so-gut-wie-native-speaker, nur in einem ganz ganz groben Rahmen. Wenn die Einleitung am Anfang nicht wäre, wäre das Buch vermutlich völlig unverständlich. Ich denke, Ulysses ist ein Roman den man sein ganzes Leben über immer wieder lesen muss um ihn gänzlich zu verstehen.

Ich bin ungefähr 1/3 durch. Es ist äusserst anstrengend zu lesen.
paranoyaDas Komplizierte daran ist, dass er im "stream of consciousness" schreibt, also das zu Papier bringt was sein Held Leopold Bloom in seinem recht häufig recht alkoholisierten Zustand denkt/tut usw.

D.h. der Autor gibt wider was die Figur mit allen ihren Sinnen wahrnimmt, empfindet, denkt, wie sie regiert , Erinnerungen usw. ohne das jeweils zu erläutern. Das alles passiert in direkter Rede, ohne Anführungsziechen o.ä., teilweile komplett ohne Satzzeichen und der Leser muss quasi immerzu "mitdenken", was die Figur jetzt gerade tun könnte...

Es steckt auch ein ernormer Bildungshintergrund drin (griechische Mythologie). Ich finde ohne Sekundärliteratur kommt man auch mit halbwegs guter Gymnasial- oder Unibildung dennoch schwer auf die ganzen Verstrickungen...

Das Faszinierende daran sind auch die Wortspiele (quasi unübersetzbar, der Übersetzer muss selbst ein Poet sein, Hans Wollschläger, der Joyce-Übersetzer ist es definitiv), die Neologismen und die Laute, denn die Figur drückt sich auch manchmal nur durch Laute aus (Onomatopoesie).

Ich finde es furchtbar schwierig weil es so surreal ist und vor allem wenn englisch nicht die Muttersprache ist ist es sehr sehr schwer zu be-greifen. Aber manchmal ist es auch schön nur die Worte und vor-sich-hin-schwimmenden Gedanken zu genießen wie ein Himbeerbonbon das einem auf der Zunge schmilzt... ;-)
OdessaOh mein Gott, es gibt doch noch ein paar Leute außer Kinch, auti und mir, die das Buch kennen bzw. es zumindest ins Visier fass(t)en, es zu lesen - schön:-)

Nachdem ich "nur" Mittlere Reife-Bildung habe, darf ich mich jetzt fast getröstet fühlen, daß es nicht an meiner mangelnden "Bildung" liegt, wenn ich das Werk für wirklich eines der schwer zugänglichsten halte die mir vor die Linse kamen, danke auch dafür.

Du, paranoya, beschreibst das sehr gut, mit dem surrealen. Manchmal denke ich mir, wenn Joyce Filme gemacht hätte, hätte er gedreht wie David Lynch.

--
schön nur die Worte und vor-sich-hin-schwimmenden Gedanken zu genießen wie ein Himbeerbonbom das einem auf der Zunge schmilzt
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:) Das ist mal ein schöner Vergleich.

Arimahn: wie lange wirst Du brauchen für die restlichen 2/3? Schaffen "wir" das noch in diesem Leben? (ich bin 43, es eilt daher etwas, willst Du mir Deine abschließende Meinung dann noch mitteilen *g*)
paranoya@ Odessa: das sollte nicht bildungsarrogant klingen.. nicht ich alte Studienabbrecherin... ;-P
Odessa:D Das hab ich bei Dir auch in keinster Weise so aufgefaßt. Ich schrieb das nur, weil es manche Dinge gibt, die ich als MR-Abschlüsslerin einfach schultechnisch nicht wissen kann, weil ich es nie in Fächern hatte. Gewisse Literaturdinge z. B. wurden da einfach nicht so ausführlich behandelt, wie ich mir das gewünscht hätte, das Augenmerk lag auf anderen Dingen.

Hast Du generell zu Joyce eine bestimmte Neigung oder ist es nur dieses Werk, was Dich interessiert? :)
Arimahn[QUOTE][i]Original geschrieben von Odessa [/i]
[B]
Arimahn: wie lange wirst Du brauchen für die restlichen 2/3? Schaffen "wir" das noch in diesem Leben? (ich bin 43, es eilt daher etwas, willst Du mir Deine abschließende Meinung dann noch mitteilen *g*) [/B][/QUOTE]

Das wird noch dauern da ich grade mit anderen Büchern abgelenkt bin aber ich _werde_ dieses verdammte Buch lesen und wenns nur ist damit ich am Ende sagen kann "Ja, ich habe Ulysses gelesen!". :D

Mal sehen ob ich es bis zum Abitur schaffe. ;)
paranoya[QUOTE][i]Original geschrieben von Odessa [/i]
[B]

Hast Du generell zu Joyce eine bestimmte Neigung oder ist es nur dieses Werk, was Dich interessiert? :) [/B][/QUOTE]


Ich bin komplett anglophil und daher gehört Joyce selbstverständlich auch mit dazu.
Aber er ist jetzt nicht mein Lieblingautor oder so... aber cool ;-D
Desenganohehe.. ich hab auch mal ins auge gefasst, dieses buch irgendwann mal zu lesen. aber ihc will so manches mal lesen. *lach*
aber erstmal vielen dank für den tipp mit odysseus. ich denke, den würde ich vorher mal lesen. einfach um diesen hintergrund dann schonmal zu haben.

naja ihr könnt uns ja mal auf dem laufenden halten, was ds lesen soi angeht. ich mach auch nen sekt auf, wenn ihrs gescahfft habt. *lach*
Odessa---
Ich bin komplett anglophil
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*shake hands* - ich weiß noch nicht mal warum ich es bin. Um es mit den frei übersetzten Worten eines britisch-schottischen Seelenverwandten zu sagen: "Wir sind zynisch, versnobt und fast schon grenzrassistisch in unserem "wir sind auf dieser Insel von Euch Europäern dankenswerterweise isoliert"-Denken, wir haben die halbe Erde mit unserem Kolonialwahn und Imperialismus zerstört, wir haben eine miserable Küche - die der eigentliche Grund war für diesen Kolonialismus denn hey, wir waren nur auf der Suche nach vernünftiger Nahrung - und wir sind exzentrische Hobbyrasenmäher und spießige Rosenzüchter. Wieso nochmal kultet uns alle Welt an?" - ich habe keine Ahnung warum, aber auch ich tu es;-).

Desengano: das mit dem Sekt nehm ich wörtlich, ich bitte allerdings darum, ihn für mich durch Kräuterlimo zu ersetzen;-).

Also ich hab mir jetzt die englische Ausgabe via online-order zugelegt, sogar die "Oxford"-Version sozusagen, und hoffe, die trifft bald ein in good old Bavaria;-) Dann kann ich zumindest mehr dazu sagen, ob ich mir mit dem englischen Original leichter tu als mit der dt. Übersetzung. :)

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