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  Forum: Freundeskreise
    Thema: Verband der Friedhofsnutzer.
AlterkelteLiebe Leute, werdet nie alt....
Je älter ich werde, desto mehr werden die Gräber, die ich besuchen kann/darf/"muss"

Gemischte Gefühle:
ich mag schon die Stimmung auf Friedhöfen, die Ruhe und die Weite vor allem auf grösseren Anlagen.
Manchmal wie jetzt im Wunter gruselt es mich auch etwas, aber naja...

Friedhöfe habe ich einige gesehen, auch "freiwillig", ohne dass ein Angehöriger dort lag, wie etwa der Kirchenfriedhof in Canterbury.In den habe ich mich fast verliebt....

Naja, im Moment kämpfe ich ein wenig mit der Grabsatzung meiner Stadt, was auf so ein Grab alles drauf darf und was nicht. Keine Sorge, liebe Tugendwächter, ich halte Rosa und Elvisskulpturen nicht für der Weisheit letzten Schluss.

Wie ist das bei euch, seid ihr auch so ambivalent wie ich oder steht ihr der Idee der Friedhofsnutzung (zu friedlichen Zwecken) positiv gegenüber.

Schildert eure Eindrücke!
WüstiHallo Kelte,
ich habe noch nie jemanden beerdigen müssen ,meine verwandschaft lebt nicht in Germany,und der kontakt zu denen ist sehr schlecht schon lange.
Kann da nicht mitreden.Was wolltest du denn für einen exclusiven Wunsch am Grabort deiner Verwandten haben?
LG
Lady AshDas Faible für Canterbury scheinen wir zu teilen, hm?

Ansonsten sind Friedhöfe eine sehr ambivalente Angelegenheit für mich. Da meine lebende Verwandschaft nicht in Deutschland wohnt, ein Großteil der toten Verwandtschaft aber hier beerdigt ist, sitze ich tatsächlich mit der einen oder anderen Gruft alleine da und muss mich mit Friedhofsgärtnern darüber streiten, wie groß/hoch/breit eine Eibe sein darf.

In meiner Heimatstadt mag ich keine Friedhöfe und habe für die Grabpflege einen Auftrag erteilt; es ist zu nahe an dem scheußlichen Sterben, dem ich beiwohnte. Da war nichts von Romantik und Frieden, das war nur Kampf und Elend.

Dennoch lebe ich jetzt in dieser neuen Stadt durch Zufall ein paar Häuser von einem Friedhof entfernt und gestehe, dass ich selbigen schon besucht habe, und mich voller Selbstironie zu einem Klischee machte: Die schwarzbemäntelte Lady, die im frühen Abendnebel auf einer grauen Steinmauer sitzt und ihrem gruftigen Freund eine sms vom Friedhof schreibt. Es hatte was. Augenzwinkern inklusive.

Ein Bekannter von mir schwört allerdings, auf dem Prager Friedhof von einem Gespenst angesprochen worden zu sein ... das ist dann ein anderes Kaliber.
AlterkelteWerde versuchen ohne blödsinnige Ironieschnörkel auszukommen, wobei ich feststelle, dass ich gerade bei diesem Thema irgendwie zu Sarkasmus neige, aber man hat mir gesagt, das wäre vergleichsweise normal in so einer Situation. Also bitte nicht übel nehmen.


Ja, Canterbury ist irgenwie nett.....


Die Ambivalenz scheint uns gemeinsam.

Meine Angehörigen/Verwandten und viele andere liegen auf einem der grössten zusammenhängenden Friedhöfe Europas.
Unendliche Waldbestand. An Tagen wie heute, mit Schneesturmqualität also sehr eigenwillig.
Man kann sich sehr schnell verlaufen und irrt dann zwischen den Gräbern umher.
Das hat dann so was von "Wuthering heights" ("Heathcliff!", "Cathy!","Heathcliff"...).
Etwas grenzwertig.
Es gibt Busse, zwei drei Geschäfte, viele Wohnhäuser, aber irgendwie ist das alles dort recht verlassen.
Ein paar Kilometer weiter gibt es nur eine Art Autobahn und eigentlich keine Häuser.
Zumindest kenn ich die Gegend auf der Seite nur aus der Winterperspektive.....
Es ist momentan noch recht bedrohlich und fremd für mich.

Die spanische oder italienische Praxis die Toten oberirdisch in Mauern zu begraben finde ich auch eigenwillig, wäre doch gewöhnungsbedürftig.

Ja, so Gespensterbegegnungen hab ich auch schon einige gehört.
Es erzeugt in mir schon irgendwie unbehagen, mir vorzustellen ausserhalb der Öffnungszeiten dort herumzulaufen....
Man denkt ja schon sehr viel über "Hier" und "Drüben" nach.......
Alterkelte[QUOTE][i]Original geschrieben von Wüsti [/i]
[B]Hallo Kelte,
ich habe noch nie jemanden beerdigen müssen ,meine verwandschaft lebt nicht in Germany,und der kontakt zu denen ist sehr schlecht schon lange.
Kann da nicht mitreden.Was wolltest du denn für einen exclusiven Wunsch am Grabort deiner Verwandten haben?
LG [/B][/QUOTE]

Oh, erst später gelesen....

Aber du hast doch sicher auch Vor-Vorfahren???

Naja, ich denke, dass man die Verwandten schon einbeziehen sollte und man wird wahrscheinlich dann so umgebungstypische Mainstreamsachen aufstellen (Erdbestattung by the way).
Ein gewöhnlicher Grabstein mit Name (nicht zuviel Worte, weil jeder Buchstabe ziemliches Geld kostet!).
Aber es ist mir so wichtig nicht, denn diejenigen,die dort "Wohnen" haben glaube ich, nix davon und ich behalte Menschen lieber in Erinnerung, denn in Kisten.
Vielleicht ist das so eine Sache, dass man Menschen gut verschliesst. Ihrer gedenkt, aber vielleicht ein wenig auf Distanz.....
Wüsti@AK
ja ich habe das glück mit Beerdigungen noch nie was am -noch nie etwas mit zu tun gehabt - zu haben.
Also meine mutter ist damls mit mir und meinem bruder im kleinkindalter hier rüber gekommen und hatte den kontakt nicht gehalten zu ihrer Familie.
Für mich und meinem Bruder ist das schon schade,ohne Verwandte zu sein(Blutverwandte),doch ich habe zum glück einen Mensch gefunden der auch keinen kontakt hat zu sein Verwandten zu gar keinem ,dabei kommt er aus Deutschland.
Ich bewundere wie er sein leben meistert,trotz fehlender Unterstützung von Familie.
Mittlerweile kann ich auf meine Mutter zählen ,er hat mit gar keinem seiner Familie ( schon viele Jahre) Kontakt.
Es tut gut Menschen zu kennen die so ein ähnliches Schicksal haben.
Der einen versteht.Und es gehta uch ohne aber nur mit lieben Freunden.
Die Verwandten von mir habe ch nur dreimal kurz gesehen als wir mal ein paar Wochen insgesamt da waren(Das lezte Mal vor 12Jahren)und sie waren mir natürlich etwas fremd.......
l'ange obscurwenn ich zum ersten mal in einer stadt bin, gehe ich immer auf den friedhof ... irgendwie sind friedhöfe eine eigene welt und haben eine eigene zeit ...

der "schönste" friedhof ist für mich sicherlich der Cémiterio dos Prazeres in lissabon. ( übersetzt: friedhof des vergnügens) nirgendwo anders habe ich gardinen an mausoleen gesehen.

ich war auf vielen beerdigungen ... und ab diesem tag mache ich einen großen bogen um diese friehöfe ... dort "verrottet" eine hülle - mehr nicht. wieso also dann noch dorthin gehen ? dieses "alle rennen an allerseelen auf den friedhof und weinen" konnte ich schon als kind nicht ausstehen; eine ziemlich verlogene geschichte.
Lady AshIch bin wie anscheinend viele hier ein Kind zwischen den Welten gewesen: Meine Eltern lebten etwas anderes als das katholische Dorf um uns herum. Meine Verwandtschaft lebte hunderte von Kilometern entfernt in einem anderen Land.

Als Kind bin ich mit meiner katholischen Dorffreundin viel auf dem Friedhof gewesen und habe die Gräber ihrer Onkel und Tanten mitgepflegt. Es hat etwas mit Wurzeln zu tun, denke ich, Wurzeln die ich nicht habe. Sich seiner Wurzeln bewusst zu sein, zu wissen woher man kommt und wohin man geht ... ich habe die Leute immer für ihre Sicherheit beneidet.

Fremde Friedhöfe hingegen, ich weiß nicht ... sie aus anderen als kulturhistorischen Gründen zu besuchen hat für mich immer einen Hauch von Voyeurismus, es ist doch leicht so, als würde man sich an dem Tod und der Trauer fremder Leute weiden.
Alterkelte@Wüsti

tut mir leid mit deinen Verwandten.

Naja, ich hoffe doch, dass du generell von Begräbnissen verschont wirst, ich muss sagen, es ist nichts, wo ich mich vordrängen würde, es erlebt zu haben.
Das Leben bitet auch noch andere Erfahrungen. Einige davon mögen sogar "Pflichtveranstaltungen" sein, eine Trauerfeier gehört glaube ich nicht dazu....

Wenn ich "gezwungenermassen" nicht ein bisschen ambivalent wäre, würde ich sagen: denk nicht über den Tod nach, sondern lebe einfach.
Wobei wiederrum "Stirb und werde" schon eine Art Lebensprinzip sein könnte, es gibt kein Weinen ohne Lachen und Umgekehrt oder Liebe ohne Schmerz? Schwierig. Die mittlere Reisegeschwindigkeit gibt es vermutlich für uns alle so nicht.....
Aber egal, Kämpfe!
Alterkelte[QUOTE][i]Original geschrieben von Lady Ash [/i]
[B]Ich bin wie anscheinend viele hier ein Kind zwischen den Welten gewesen: Meine Eltern lebten etwas anderes als das katholische Dorf um uns herum. Meine Verwandtschaft lebte hunderte von Kilometern entfernt in einem anderen Land.

Als Kind bin ich mit meiner katholischen Dorffreundin viel auf dem Friedhof gewesen und habe die Gräber ihrer Onkel und Tanten mitgepflegt. Es hat etwas mit Wurzeln zu tun, denke ich, Wurzeln die ich nicht habe. Sich seiner Wurzeln bewusst zu sein, zu wissen woher man kommt und wohin man geht ... ich habe die Leute immer für ihre Sicherheit beneidet.

Fremde Friedhöfe hingegen, ich weiß nicht ... sie aus anderen als kulturhistorischen Gründen zu besuchen hat für mich immer einen Hauch von Voyeurismus, es ist doch leicht so, als würde man sich an dem Tod und der Trauer fremder Leute weiden. [/B][/QUOTE]

Ach Katholiken und Anglikaner sind vom Reglement oder vom Ritus her nicht sehr weit auseinander. Jemand hat mal gesagt, die Anglikaner wären Katholiken ohne Papst. Schon witzig, aber auch wenn du kein Christ oder Moslem oder Agnostiker oder was auch immer bist, denke ich, dass du gewisse Vorstellungen hast über die Zeit danach......

Glaub ich nicht, dass es eine Art Voyeurismus ist, wenn man andere Grabmäler ansieht, bemerkt.
Das ist das Schicksal des Menschen, damit unser persönlich. Wir werden daran erinnert, aber ein "Vergehen" ist es nicht!


@l'ange obscur
Naja, vielleicht hast du Recht. Wir wissen es nicht so ganz genau.
Jedenfalls braucht unsere Sentimentalität vielleicht einen Ort um sich an Jemand zu erinnern. Klingt auch wieder so sauber getrennt.
Man könnte eines coolen Menschen auch anders gedenken...

Zum einen wäre es gruselig die bioligenschen Bedingungen des Daseins zu ignorieren und die toten Leute im Haus aufzubewahren, was früher angeblich schon mal passiert sein soll, in irgendwelchen abgelegenen Gehöften...
Andererseits sagt der Staat, dass Menschen in irgendeiner Weise begraben werden sollten.

Insofern will und kann ich mich über diese Gesetzmässigkeiten nicht hinwegsetzen.
Und abgesehen von den derzeitigen fast gruseligen Besuchsbedingungen ist für mich das Betreten eines Friedhofs immer etwas besonderes, auch wenn ich alle heiligen Zeiten meinen Vater in einer anderen Stadt "besuche". Erklären kann ich es eigentlich nicht....
l'ange obscur[QUOTE][i]Original geschrieben von Alterkelte [/i]
[B]
Jedenfalls braucht unsere Sentimentalität vielleicht einen Ort um sich an Jemand zu erinnern. [/B][/QUOTE]

aber erinnert man sich nicht eher an jemanden, wenn man an einem ort ist, an den eine gemeinsame erinnerung geknüpft ist ?
in den seltensten fällen hat man doch mit demjenigen, den man später auf einem friedhof beerdigt, auf exaxt diesem friedhof gemeinsam zeit verbracht.
wieviel ist ein erinnern wert, wenn es dazu einen ort braucht, an dem man vorher nie gemeinsam war ?
Lady Ash100%ige Zustimmung, l'ange obsur!

Als mein Vater starb, wollte meine Mutter neben ihm in der Leichenhalle verharren, aber ich habe sie doch davon überzeugen können, dass sie viel mehr von ihm im Garten fände als in diesem toten ... Ding.
*schüttelt sich bei der Erinnerung*
AlterkelteNun, ich habe das so gemeint, dass ein Grab AUCH ein Ort des Gedenkens ist, muss aber nicht sein, jeder ist anders.

Es ist nunmal so, dass das Begräbnis als solches seit fast 3000 Jahren zur Alltagskultur gehört. Es ist also Teil der -mag sein-religiös beienflussten- Kulturgeschichte.

Wir wissen ohnehin nicht, was wenige Sekunden nach dem physischen Tod passiert, vielleicht passiert auch gar nix. Egal.
Aber sollte etwas passieren......also etwas das so gross ist, dass wir es eh nicht verstehen können, dann ist es natürlich egal wo die Seele hingeht, die früher mal Herr Dupont oder Fau Hammerl war.

Aber es ist nicht meins aus dem physischen Lebe eine Ideologie zu machen.
Das kann aber jeder halten, wie er will.

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