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  Forum: Auswege
    Thema: Angst vor dem Wahnsinn
SeenaIch denke ich hab Borderline. Klingt schon eigenartig, wenn man sowas schreibt, oder?!
Für mich selbst hört es sich nach "laienhafter Selbstdiagnose" an.
Aber es ist nunmal die Wahrheit.

Hab mich in letzter Zeit ziemlich viel mit dem Thema beschäftigt und mir hunderte von Seiten darüber durchgelesen.
Ungefähr 95% der Symptome passen auf mich. (Stimmungsschwankungen, schwankendes Selbsbild, SVV, ect...)

Vor ein paar Tagen hab ich mir einen Termin bei einem Psychologen ausgemacht - am 17. August muss ich dahin.
Ich bin einerseits erleichtert - dann wird sich herausstellen, was wirklich mit mir nicht stimmt.

Andererseits hab ich schreckliche Angst. Furchtbare Angst.

Angst, dass wirklich etwas nicht in Ordnung ist, dass ich dann "offiziell" verrückt bin.
Angst, dass ich, wie mein Vater, jahrelang Psychopharmaka schlucken muss.
Angst, dass sich Personen, die ich liebe, von mir abwenden.

Meiner Mutter hab ich es schon gesagt - sie hat nur gelacht und gemeint, dass sie es unnötig findet, aber wenn ich meine es zu brauchen, soll ich eben hingehen. Nunja, sie hat eine Art "Abwehrmeachanismus". Sie hat soviel mit meinem Vater durchgemacht, dass ich es sogar verstehe.
Sie kennt die Narben auf meinem Arm und hat noch nie ein Wort dazu gesagt, will sie einfach nicht sehen.
Verstehe ich auch. Was soll sie auch sagen?

Aber am allermeisten fürchte ich mich davor, es meinen Geschwistern sagen zu müssen. Die beiden sind 11 und 9 und mein Ein und Alles. Was sollen sie denken, wenn ich ihnen sage, dass ich "krank" bin?!
Vor allem: WIE soll ich ihnen das sagen?

Danke fürs Zuhören.
Seena
LadyBlackheavenknuddel dich

was für übereisntimmungen hast du den? wird sich schon alles regeln
Montrose[QUOTE]Was sollen sie denken, wenn ich ihnen sage, dass ich "krank" bin?![/QUOTE]Ja was schon? Wenn ihr bisher miteinander ausgekommen seid, warum sollte sich das denn ändern? Du bleibst doch immer noch Du.

Angst...? das glaube ich Dir. Aber niemand geht verloren. Deine Eltern stehen zu Dir, und hier sind genug Leute mit ähnlichen Erfahrungen.

Du springst mit einem Fallschirm ;)
TheTurningPoint@ Seena:
Ich finde die Einstellung deiner Mutter, es dir selbst zu überlassen, ob du zum Arzt gehst oder nicht, gut. Mütter tun meist instinktiv das Richtige, und wer kennt einen Menschen schon besser als die eigene Mutter.

Wenn man sehr viel zu einem Thema liest, sich viel damit beschäftigt, besteht oft die Gefahr, dass man es überbewertet. Ich habe kürzlich nur eine Seite über Depressionen gelesen und mindestens 80% der genannten Symptome würden wohl auf mich zutreffen. Vielleicht ist ja wirklich etwas dran. Aber wenn, dann habe ich, seit ich mich auch mit den dunklen Seiten der Welt befasse und vor allem seit ich hier im Forum bin, wohl irgendwie damit umzugehen gelernt. Aus dem Dunkel heraus kann man selbst einen kleinen, schwachen Lichtschein wahrnehmen.

Ich selbst bin weit davon entfernt, alles was irgendwie anders und außerhalb irgendwelcher (von wem definierter?) Normen liegt, als krank zu bezeichnen. Aber wenn es dir hilft, deine Ängste zu überwinden, dann gehe zum Arzt und verschaffe dir Klarheit.
Egal wie seine Diagnose ausfällt, ob krank oder nicht - das Wichtigste ist, selbst mit dem eigenen (Anders-)Sein umgehen zu lernen. Wenn du selbst gelernt hast, damit umzugehen, dann kannst du auch den Anderen sagen, wie sie am besten mit dir umgehen.
Seena[QUOTE]was für übereisntimmungen hast du den?[/QUOTE]

Viele.
SVV, Selbstmordgedanken, bzw. Drohungen anderen gegenüber (Marke: "Wenn du mich verlässt, bring ich mich um"), extreme Stimmungsschwankungen, keine wirklichen Ziele im Leben (an einem Tag ein bestimmtes Ziel verfolgen, am nächsten Tag schon wieder in eine ganz andere Richtung laufen = Inkonsequenz), extreme Angst davor, Partner, bzw. Menschen, die man liebt, zu verlieren......ect.
Gibt noch sehr viele mehr, aber die fallen mir im Moment ein.

Übrigens: @LadyBlackheaven
*zurückknuddel* Dankeschön....


[QUOTE]Wenn ihr bisher miteinander ausgekommen seid, warum sollte sich das denn ändern? Du bleibst doch immer noch Du. [/QUOTE]

Ja, das stimmt schon. Nur befürchte ich, dass sie nicht mit einer "verrückten" Schwester klarkommen. Die beiden haben auch Freunde, ect....ich will auf keinen Fall, dass sich das irgendwie auf ihr Leben auswirkt.
Und ich hab Angst, dass sie nicht mehr zu mir stehen würden.

Seena
chinese ghostBorderline ist 'ne schwammige Angelegenheit. Ist bei psychischen Erkrankungen eh immer etwas unsicher. Stell dir nicht vor, dass du zum Psychiater gehst und der sagt dir, dass du Borderline hast, schreibt dir was auf und dann wirst du geheilt. Erstens mal ist es nicht wie 'ne physische Krankheit. Die diagnostizieren nicht Borderline wie sie vielleicht Windpocken feststellen können. Das ist 'ne fließende Sache, nicht ein du-hast-es-oder-du-hast-es-nicht. Psychologie und Psychiatrie sind keine exakten Wissenschaften.
Mir geht dieser ganze Kram sowiewo gewaltig auf die Eier. Es ist ja nicht so, dass es eine feststehende Norm gäbe, an der man sich orientieren müsste. Jeder hat irgendwelche Macken, manche sogar ganz gewaltige. Was denkst du denn, was passiert, wenn sie bei dir tatsächlich Borderline diagnostizieren? Wirst du dann sofort in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen? NEIN, Kindchen, wirst du nicht. Man wird dir vielleicht irgendwelche Empfehlungen geben. Stimmungsschwankungen etc. und der ganze andere Kack, der für Borderline typisch sein soll, sind in deinem Alter völlig normal. Wenn du mal ein Gesundheitslexikon studierst, hast du hinterher auch das Gefühl, dass du Krebs, Epilepsie und wenigstens noch Lepra haben musst.
Ich hab' soviele schlechte Erfahrungen mit der ganzen Psychoschiene gemacht, dass ich erstmal grundsätzlich jedem davon abraten würde, sich ohne zwingenden Grund in die Hände von sonnem Seelenklempner zu begeben.
Also jetzt mach dich mal nicht verrückt. Und egal, was der Heini dir sagt, das heißt erstmal noch gar nichts.
moreIch denke du tust das Richtige. Zu deinen Geschwistern, musst du es ihnen denn wirklich sagen? Sie sind wohl auch noch zu jung um diese Diagnose wirklich verstehen zu können.
Solltest du wirklich Borderline haben, ist es nicht zwingend notwendig deinen Geschwistern das zu sagen. Sollten sie Fragen stellen, solltest du ehrlich antworten, aber davor sehe ich keinen Grund dazu.
MarionetteIch denke auch, dass du versuchen solltest dich nicht so massiv in Gedanken darüber ob du nun diese Krankheit hast oder nicht zu versteigen, denn dadurch könntest du schon eher über den Rand des Wahnsinns rutschen.
Eine Diagnose ändert nichts an deinem Zustand.
Ich bin in einer ähnlichen Lage, habe auch den Verdacht, dass ich Borderline habe und witme mich seit einiger Zeit exzessiver Selbstanalyse, die zu nichts führt,da die Resultate stark schwanken (jaja wechselhaftes Selbstbild).
Die Diagnose könnte mir dafür dienen mein Verhalten, das meine Familie stark belastet, zu rechtfertigen und mir das Verständis, dass ich niemals bekommen habe zu erschleichen, wodurch ich sie mir paradoxerweise wünsche und mich doch andererseits zutiefst dafür schämen würde.
Mir scheint es, dass du ein gutes Verhältnis zu deiner Familie hast und deine Angehörigen auch nicht mit Wutausbrüchen deinerseits oder ähnlichem zu verletzen pflegst und auch niemandem etwas ungewöhnliches an deinem Verhalten auffällt.
In der Regel gestaltet sich der Umgang mit Borderlinern schwierig und dem Umfeld müsste auffallen dass der Betroffene in Denken und Fühlen stark von der Norm abweicht. Klar kann das auch eifrig verdrängt werden.
Du solltest bedenken, dass die Ursache der Krankheit oftmals in einer gestörten Eltern-Kind-Beziehung liegt.
Um mich erneut als Negativ-Beispiel anzuführen: ich habe meine Agressionen jahrelang an meiner kleinen Schwester abgeleitet, die mir das wichtigste auf dieser Welt ist. sie wird mich ein Leben lang dafür hassen und befindet sich nun in einem Rachefeldzug gegen mich und nutzt jede Gelegenheit um meine Labilität auszunutzen. Sie würde nur lachen, wenn ich ich mit so einer lächerlichen Diagnose ankommen würde.
Mach dir also keine all zu großen Sorgen darüber, ob deine Geschwister dich nun verstoßen, was ich kaum glaube, denn, wenn ihr auch immer gut verstanden habt, wieso sollte sich dies ändern? Schließlich wirst du nach psychologischer Diagnose nicht gebrantmarkt. Man muss das ja nicht an die große Glocke hängen, falls du angst davor hast, dass deine GEschwister wegen ihrer "verrückten" Schwester" verspottet werden.

Alles Gute für dich.
Seena[QUOTE]Solltest du wirklich Borderline haben, ist es nicht zwingend notwendig deinen Geschwistern das zu sagen. Sollten sie Fragen stellen, solltest du ehrlich antworten, aber davor sehe ich keinen Grund dazu.[/QUOTE]

Ja, da hast du recht.
Nur: Ich kann mich da noch gut an eine Situation erinnern, wo meine Schwester meine Narben am Arm gesehen hat. (Ich hab mich gerade umgezogen und sie kam dazu.)
Sie hat mich gefragt, woher die sind, ich hab irgendwas von der Katze gemurmelt und sie hat nicht nochmal nachgefragt, aber ich weiß, dass sie eine Ahnung hat. Und sie ist erst 9!
Seitdem ist das Thema niemals wieder aufgekommen (weil ich seitdem auch peinlich genau darauf achte, dass die beiden sowas nicht sehen/mitbekommen) - aber Kinder merken und wissen und vermuten mehr, als wir glauben.


[QUOTE]Mir scheint es, dass du ein gutes Verhältnis zu deiner Familie hast und deine Angehörigen auch nicht mit Wutausbrüchen deinerseits oder ähnlichem zu verletzen pflegst und auch niemandem etwas ungewöhnliches an deinem Verhalten auffällt. [/QUOTE]

Stimmt, ich hab eigentlich zu allen ein gutes Verhältnis, aber auch nur, weil ich immer die Klappe halte.
Wegen meiner Mutter ist das so eine Sache.....ich glaube einfach, dass sie so etwas wirklich nicht verstehen würde. Sie ist selbst ein wahnsinnig starker Mensch (hat meinen Vater jahrelang durch die Alkoholsucht geholfen, hat uns drei Kinder allein aufgezogen) und kennt solche Schwächen, Deppressionen ect....einfach nicht.

Naja, ich hoffe mal, am 17. stellt sich endlich was konkretes raus.

@chinese ghost: die liebe zu psychologen hält sich bei mir auch in grenzen, aber zur zeit ist es das einzige, was mir noch einfällt. hab schon so ziemlich alles versucht, aber alleine krieg ich *mich* einfach nicht in den griff, wie's scheint.

Danke euch allen für die aufmunternden worte.
Besonders schön find ich:

[QUOTE]Du springst mit einem Fallschirm[/QUOTE]

Danke.

Seena
Bürgermeister@ Seena
Ich denke mal, offiziel für verrückt erklären wir dich niemand. Ich kann mir auch nicht vorstellen, das sich deine Freunde von dir abwenden.
Ich will jetzt hier keine Ferndiagnose stellen. Ich bin auch kein Therapeut. Aber hast du vieleicht schon daran gedacht, das deine Symotome von einem...wie soll ichs sagen.....du hast geschrieben, das dein Vater sehr krank war. Könnte es sein, das sich deine Mutter mehr um deinen Vater gekümmert hat als um die Kinder? Dann könnte es sein, das du ein Defizit in Sachen Zuneigung hast und auf diesem Wege versucht deine Seele auf sich aufmerksam zu machen.
Das ist jetzt nicht aus der Luft gegriffen. Ich kannte mal ein Mädel, das hatte eine Bruder mit Leukemie. Das hat so ausgesehen, das sich die Eltern mehr um den Bruder als um sie gekümmert haben. Als es dem Bruder besser ging, wurde es bei ihr schlechter. Ihr Knie ist anfanges beim gehen immer weggeknickt. Das wurde nachher so schlimm, das sie Krücken brauchte. Die Ärzte heben keinen physiologischen Schaden festellen können. Sie hat sich Hilfe beim Psychologen geholt und heute kann sie wieder normal laufen. Ach ja, sie hat nie Psychopharmaka bekommen. Warte erstmal ab was der Psychologe sagt. Ich bin Sicher, das sich alles wieder einrenken wird.
Seena@Bürgermeister:

Deine Theorie ist an sich gut - stimmt nur nicht ganz. Ich hab wenig Aufmerksamkeit bekommen, aber deswegen, weil ich für meine Geschwister "Mami" spielen musste (muss?), weil meine Mutter uns drei allein erhalten muss und wir dabei leider alle mehr Verantwortung aufgeladen bekommen, als es eigentlich gut ist.

Ja, ich weiß....wahrscheinlich mach ich mir auch nur zuviele Gedanken....ich wart halt einfach mal ab. Übermorgen ist es soweit. Mal sehen was rauskommt.

Lg Seena
patraUnd, wie wars?
BeowulfIch bezweilfe dass wir das jemals erfahren werden.

Und mich wundert es, wie stigamitisiert psychische Krankheiten bei einigen Menschen noch immer ist.
Montrose[QUOTE]Ich bezweilfe dass wir das jemals erfahren werden.[/QUOTE]Muß ja auch nicht sein. Jeder hat ein Recht auf ein Privatleben.
SeenaHallo...

Es war eigentlich überhaupt nicht schlimm.
Bin dort hingegangen, hab mich eine Stunde mit der Ärztin unterhalten und sie war wirklich nett und verständnisvoll - klar, ist ihr Job.

Ja, es ist nicht alles ganz in Ordnung bei mir - was es denn jetzt genau ist, kann sie noch nicht sagen.

@chineses ghost: Du hattest Recht. Es gibt nicht wirklich ein: Ja, du hast es, oder Nein, du hast es nicht. Hab ich jetzt auch begriffen.

Fixe Therapie kann ich im Moment noch keine anfangen, weil sie gemeint hat, dazu fehlt mir im Moment das Selbstwertgefühl und solange ich mir nicht selbst helfen will, kann sie das auch nicht tun.
Aber ich geh nächste Woche nochmal auf ein normales "Gespräch" hin und dann sehen wir mal weiter.

Meine Ängste waren unbegründet - ich hab meiner Mutter gesagt, dass ich nochmal hingehe, einfach, weil's notwendig ist und sie meinte, dass sie es gut findet, dass ich von alleine hingehen "will" und, dass sie mich unterstützen wird, wenn irgendetwas ist.

Meine Geschwister wissen nicht davon und das ist - im Moment - auch gut und richtig so.

Danke euch allen für die aufbauenden Worte.

Seena

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