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  Forum: Auswege
    Thema: Wie zueinander kommen?
oskadisHmm hätte nie gedacht, daß ich hier schreibe, aber ich habe mich in einer Situation wiedergefunden aus der ich keinen Ausweg sehe - vielleicht könnt ihr mir helfen besser durchzublicken.

Vor einigen Monaten schlug bei mir die Liebe zu wie nie zuvor. Gleiche Wellenlänge, viele Gemeinsamkeiten - es schien das Potential zu haben mehr zu werden. Wir kamen zusammen und haben öfters Zeit miteinander verbracht im Versuch uns besser kennenzulernen.

Jetzt kommt nach und nach heraus, daß mein Liebster nicht nur Schwierigkeiten hat sich gefühlsmäßig mir zu öffnen, sondern daß er aus der Angst heraus nochmal verletzt zu werden ganz bewußt seine Gefühlswelt wegsperrt. (er war 20 Jahre verheiratet, hatte Kinder und wurde auf übelste Weise abserviert - und die Geschichte stimmt). Dazu kommt noch die Einstellung: keine Heirat, keine Kinder, Konfliktscheuheit (obwohl er alles andere als konfliktscheu außerhalb einer Beziehung ist).

Nun stehe ich da und weiß nicht weiter. Was ich sehe ist ein Bild von einem Mann, den ich leidenschaftlich liebe, der aber nur am "rumeiern" ist. Wenn die Umgebung komplett entspannt ist oder er sich sicher wähnt, daß ich ihn nicht sehen oder wahrnehmen kann (jaja das dachte er) läßt er einige Gefühle raus - ansonsten schließt er sie weg und die Barriere steht. Ich weiß nicht was ich tun soll - als empathisch veranlagte brauche ich das Feedback seiner Gefühle für mich viel dringender als irgendwelche Worte der Liebe und Zuneigung. Aber genau das passiert nur viel zu selten.

Nun hadere ich mit mir rum. Dieser Mann verleugnet sich selbst weil er mal zutiefst verletzt wurde, aber ich weiß auch er liebt mich genauso abgöttisch wie ich ihn.

Sollte ich die Beziehung abbrechen um nicht weiter zu leiden? Oder weitermachen in der Hoffnung, daß er über sich hinauswächst? Ich weiß es nicht. Ich fühle im Moment nur Schmerz und Verzweiflung. Denn tief verletzt wurde ich auch, aber ich ging nicht so weit deswegen mich komplett zu verkapseln.
FrostwyrmSag ihm, was du fühlst.
So wie es scheint, leidet ihr beide unter der Situation, trennt ihr euch deswegen, sind beide Seiten noch tiefer verletzt.
Ich kenne mich zwar in diesem Bereich nicht sonderlich aus und kann auch nur schwer einschätzen, ob er dazu bereit ist, aber vielleicht sollte er sich auch einmal nach professioneller Hilfe umsehen, damit er lernt, mit der Vergangenheit klar zu kommen und seine eigenen Gefühle wieder zuzulassen.
moreIch finde den Vorschlag meines Vorredners, sich professionelle Hilfe zu holen sehr gut. Nur muss dieser Mann damit auch einverstanden sein. Ich denke das ist momentan für dich die schwerste Hürde, ihn dazu zu bekommen sich mit seiner Vergangenheit bewusst auseinander zu setzen. Verschließt er sich auch da gegen, wird es schwierig sein für euch beide ein eigenständiges Paar zu werden, welches äusseren Einflüssen gegenüber gefeit ist.
Dinge aus der Vergangenheit beeinflussen Beziehungen sehr stark, ich habe auch meine Zeit gebraucht mich meinem Partner zu öffnen um ihm zu gestehen, dass ich von meinem alkoholkranken Stiefvater misshandelt wurde, und ich es nicht ertrage, wenn ein Mann in meiner Gegenwart dem Alkohol zu sehr zuspricht.
Aber das darüber reden und sich damit auseinander setzen ist wichtig! Wenn er dich liebt wird er mit dir diesen Weg gehen, da bin ich ganz sicher, auch wenn dieser aus Tränen besteht, aber erst danach kann er wieder vertrauen und von vorne anfangen!
Viel Glück!
SeidenfadenProfessionelle Hilfe kann ich auch nur empfehlen. Wobei sich neben der Frage, ob Dein Freund überhaupt mitmacht, auch die nach der Qualität solcher Hilfe stellt.

Wie sehr Du unter der Situation leidest, kann ich halbwegs nachvollziehen. Hatte vor ein paar Jahren selbst einen Freund, der nicht nur optisch mein Traummann war, sondern auch zuverlässig, hilfsbereit und liebevoll. Letzteres allerdings nur zu meinen Katzen. Mich konnte er nie in den Armen nehmen, geschweige denn, ´mal irgendwas nettes sagen. Wenn ich ihn darauf - vorsichtig - angesprochen hatte, meinte er nur, das könnte er jetzt nicht tun, weil es ja dann wie auf Abruf aussehe.

Was soll ich sagen: Irgendwann hab´ ich gemerkt, daß ich zu sehr leide und die Beziehung beendet. Ziemlich schwer, wenn man jemanden liebt. Ob er mich geliebt hat? Keine Ahnung; gesagt hat er´s jedenfalls nie.

Kann also nur (für mich persönlich!) das Statement vertreten, daß Hilfestellung sehr rühmlich ist, Aufopferung bis zur Selbstaufgabe aber nicht.
Wette aber, Dein Freund tickt sowieso ganz anders sprich positiver als mein Ex. Der war wahrhaft einmalig....

Kopf hoch!
belladonnaFrage ihn, ob die Frau die ihn einmal so verletzt hat, daß es ihm jetzt schwerfällt Gefühle zu zeigen, es wirklich wert ist, eure Liebe auf's Spiel zu setzen.
Und professionelle Hilfe würde auch ich empfehlen. Erkundige dich doch mal, ob es in eurer Stadt eine Lebensberatung, eine Anlaufstelle in der man sich erstmal kostenlos in solchen Fragen beraten lassen kann gibt. Geht da am besten zusammen hin. Dort gibt es ausgebildete Psychologen und sollte dein Liebster doch mehr Hilfe benötigen, dann können die euch vielleicht auch gleich an die richtige Adresse vermitteln.
oskadisVielen Dank für eure Antworten.

Ja, more, die Tränen sind (bei uns beiden) gekommen, als der Knoten geplatzt war. Er hat mir angefangen sein Leben zu erzählen und ich hoffe, daß er nach und nach tiefer auf die Gefühlsebene seiner Lebensgeschichte eingeht - aber im Moment reicht mir dieser Anfang.

Ich habe ihm gesagt, daß ich ohne Gefühlsfeedback nicht weitermachen kann. Jetzt liegt es an ihm.

Professionelle Hilfe wird wahrscheinlich keine Alternative sein so wie er ist. Wir haben aber das Glück eine gemeinsame Freundin zu haben, die sehr viel Erfahrung in diesem Bereich hat (auch auf professionellem Niveau). Nur dank ihr ist endlich der Knoten geplatzt und wir haben angefangen auf tieferer Ebene miteinander zu reden. Ich hoffe, daß sich dies fortsetzt und vertieft. Bin mir aber immer noch sehr sehr unsicher. Es wird ein Leidensweg...

Drückt mir einfach die Daumen.
Cold RainOskadis, ich wünsch dir alles gute und viel Kraft für euch beide.... es kann sich lohnen.. hier spricht quasi mal die andere Seite, mein Freund hatte dieses Problem mit mir, ich konnte am Anfang auch nicht wirklich Gefühle zeigen... aber er hat mir zeit gegeben, wir haben viel geredet und es war nicht immer schön, aber seit einiger zeit läuft es wirklich gut zwischen uns...
LaChatteHi Oskadis

hier brauchst du vor allem drei Dinge: Geduld, Geduld und nochmals Geduld. Was du gerne hättest - Gefühlsfeedback - ist durchaus ein legitimes Bedürfnis von dir, aber er kann dir das im Moment nicht geben, auch wenn er wollte. Jemand, der so verschlossen ist, hat keine Ahnung davon, was das ist, was du von ihm wollen könntest.

Mein Freund hat auch Mühe mit solchen Dingen - er bekommt zum Beispiel immer Panik, wenn ich mal weinen sollte. Er kann überhaupt nicht damit umgehen, nicht im Geringsten. Nun, unterdessen gehe ich mit meinen Tränen woanders hin. Er gibt mir sehr viel, also kann ich auch damit leben, dass ich gewisse (für mich) wichtige Dinge nicht mit ihm leben kann, und dafür andere Personen habe. Ich habe auch gelernt, dass er seine Zuneigung sehr wohl ausdrückt, einfach auf eine Art, die ich zuerst verstehen lernen musste.

Ich selbst habe es nicht bereut, zu ihm gehalten zu haben, und auch wenn immer noch viele Dinge fehlen - eben zum Beispiel, mich einfach in den Arm zu nehmen, wenn ich weine - so hat sich doch etwas sehr Tiefes, Liebevolles, Intensives entwickeln dürfen, wo ich immer wieder feststellen kann, aha, andere Paare haben sowas nie und nimmer, auch wenn er sie in den Arm nimmt beim Weinen.

Ein Leidensweg muss es nicht sein, eine Herausforderung ist es wohl - wenn du damit leben kannst, das Gefühlsmässige woanders auszuleben, bei Freundinnen zum Beispiel, ohne ihn, so kann die Beziehung dir dennoch viel geben.
oskadis@LaChatte

Danke für deine Worte. Jetzt sind mehrere Monate ins Land gegangen und die Geduld (und mein Leid) beginnt sich "auszuzahlen". Daß der Knackpunkt an der Sache war, daß er nicht das Ausmaß seiner Gefühle für mich wahrgenommen hat konnte ich nicht wissen. Ich hatte es immer so klar gesehen - aber er anscheinend nicht.

Jetzt wo er nahe dran war mich zu verlieren (ich war drauf und dran zu gehen, weil der Schmerz zu groß war) und dies auch mitbekommen hat scheint sich bei ihm einiges in Bewegung gesetzt zu haben. Ich bekomme jetzt Gefühlsfeedback - wo vorher keines war. Das hilft mir sehr. Ich fühle mich in sein inneres aufgenommen.

Der Weg ist noch lang, vieles ist nicht ausgesprochen und vieles muß noch wachsen. Ich bin aber jetzt guter Hoffnung, daß sich etwas langfristiges entwickeln kann - und das macht mich glücklich. Denn du hattest Recht - die Intensität, die mir diese Beziehung gibt hat mir keine andere gegeben. Stille ist manchmal um so viel aussagekräftiger als viele Worte ...

LG

~Oskadis~

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