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  Forum: Auswege
    Thema: Aufstehen
psychochickenVor zwei Jahren war ich mal ein paar Tage lang krank und lag im Bett. Danach wollte ich nicht mehr aufstehen. Ich hatte das Gefühl, dass nichts auf mich wartete. Schlafen war das einzige, was mich nicht traurig machte. Das ganze ist eskaliert und naja, kurzum kam ich in Therapie, hatte unwahrscheinliches Glück und kam glücklich wieder raus.

Jetzt wieder dasselbe. Krank, Bett, Nichtmehrrauswollen. Warum?

Gut, ich bin heute aufgestanden. Dennoch fühl ich mich völlig verwandelt im Vergleich zu der Zeit vor der Krankheit. Ich habe Angst. Ich will nicht dass es wieder soweit kommt.
Aber ich weiß genau dass ich es nicht schaffe, zu meiner Mutter zu gehen und zu sagen "Ich will wieder in Therapie."
Mein halber Freundeskreis kämpft mit psychischen Problemen, ich kann nicht wieder diejeinge sein die wegen scheiß Kinkerlitzchen zum Therapeuten rennt und nach kürzester Zeit ist alles wieder in Ordnung. Meine Therapeutin von damals könnte ich ohnehin nicht mehr bekommen, da ich inzwischen nicht mehr unter Jugendliche falle.

Wie schafft eine verdammte Erkältung es, sowas auszulösen?
Achaiahhi psychochicken,

ich kenne das gefühl, das du meinst.
vieleicht kommt es von der kurzzeitigen ruhe, die man durch das "ein-paar-tage-nichts-tun" erfährt.
dabei hat man zeit zum nachdenken, oder kann einfach tun und lassen was man will, solange man fit genug ist.
und wenn es dann wieder mit dem alltag losgehen soll, schlägt die absurdität des selben zu...
vorallem wenn ich mal auch nur ein oder zwei tage krank war, und nicht gearbeitet habe fällt es mir extrem schwer, wieder da rein zu kommen.
aber es geht dann doch irgendwie...

was du allerdings nicht tun solltest, ist das ganze als kleinigkeit abzustempeln und es runter zu schlucken.
in meinen augen ist sowieso alles, was einen menschen bewegt oder belastet keine kleinigkeit. also trau dich ruhig, das thema bei deiner mutter anzusprechen.
wenn dir eine therapie derart hilft, dann nutze das.
es ist finde ich das wichtigste, das es einem menschen gut geht.


Grüße und alles gute, Achaiah
Ascaron[QUOTE][i]Original geschrieben von psychochicken [/i]
[B]Mein halber Freundeskreis kämpft mit psychischen Problemen, ich kann nicht wieder diejeinge sein die wegen scheiß Kinkerlitzchen zum Therapeuten rennt und nach kürzester Zeit ist alles wieder in Ordnung.[/B][/QUOTE]Warum nicht?
Wenn Deine Freunde mit ihren psychischen Problemen nicht zu einem Therapeuten gehen, ist das ihre Sache, aber niemand kann Dir einen Vorwurf machen, wenn Du diesen Schritt machst. Denn das ist Deine Sache!
Zumal Du diesen Schritt schon einmal gemacht hast und es Dir geholfen hat.

Vielleicht hilft Dir auch schon die Reflexion der damaligen Therapie auf die heutige Situation:
- Wie konnte die Therapeutin Dir helfen?
- Was konntest Du selbst tun, damit es Dir besser ging?
- Was war damals die Ursache für das "Nichtmehrrauswollen"? Ist es wieder dieselbe?
psychochickenIch danke euch. Ich wusste gar nicht dass das mit dem Kranksein bisweilen auch bei anderen so wirkt.

Hm, ich weiß nicht so recht was mir damals geholfen hat. Viele Probleme von damals sind ungelöst geblieben, aber das liegt auch daran, dass das Verhältnis von dem was es kosten würden, an sie heranzugehen im Vergleich zum Resultat schlecht ausfällt.

Ich weiß nur dass ich mich damals völlig gottverlassen und irrelevant fühlte. Dem war nachher nicht mehr so.

Es ist halt leider kein Konflikt den man irgendwie benennen könnte. Ich kann keine konkrete Ursache sehen.
Ich bin einsam und unglücklich, aber wer ist das nicht. Und ich bin auch nicht richtig einsam.
Natürlich ist es dumm, zu warten bis es gar nicht mehr geht. Vielleicht rufe ich irgendwann meine alte Therapeutin an, sie meinte damals einen einzelnen Termin könnte ich haben.

[QUOTE][i]Original geschrieben von Ascaron [/i]
[B]Wenn Deine Freunde mit ihren psychischen Problemen nicht zu einem Therapeuten gehen, ist das ihre Sache, aber niemand kann Dir einen Vorwurf machen, wenn Du diesen Schritt machst. Denn das ist Deine Sache![/B][/QUOTE]

Den Vorwurf mache ich mir selber. Vielleicht bin ich auch noch zu stolz. Das hört sich dumm an, aber im Moment kann ich es nicht über mich bringen.

Wobei ich auch langsam nicht mehr weiss was ich sagen soll, wenn ich die Problem der anderen höre und Angst um sie bekomme. Diejenigen, die in Therapie sind, kommen trotzdem nicht klar. Was soll ich machen wenn meine besten Freundin fragt ob sie sich auf Anrten ihres Therapeutens hin einweisen lassen soll. Ach verdammt.
Ascaron[QUOTE][i]Original geschrieben von psychochicken [/i]
[B]Vielleicht rufe ich irgendwann meine alte Therapeutin an, sie meinte damals einen einzelnen Termin könnte ich haben.[/B][/QUOTE]Warte besser nicht zu lange damit. Du weißt wahrscheinlich selbst am Besten, daß es meistens nur noch schwieriger wird, da wieder rauszukommen.
nd eine Stunde bei Deiner alten Therapeutin ist der erste Schritt in die richtige Richtung und kostet Dich sicher weniger Überwindung. Wenn sie Dir auch nicht mehr helfen darf/kann, kann sie Dir zumindest eine/n Kollegin/Kollegen empfehlen.

[QUOTE][i]Original geschrieben von psychochicken [/i]
[B]Den Vorwurf mache ich mir selber. Vielleicht bin ich auch noch zu stolz. Das hört sich dumm an, aber im Moment kann ich es nicht über mich bringen.[/B][/QUOTE]Dumm hört es sich nicht an, manchmal wählt man eben aus Stolz einen schwereren Weg als eigentlich notwendig.

Einen Vorwurf mußt Du Dir jedenfalls auf keinen Fall machen, wenn Du Dir wegen eines für Dich alleine unlösbaren Problems Hilfe suchst.
Wie ich bereits sagte: wenn Deine Freunde den Schritt zum Therapeuten nicht machen, aus welchen Gründen auch immer, ist das ihre Sache. Aber Du solltest diesbezüglich nicht auf andere schielen, wenn es um Deine Probleme geht. Denn im Endeffekt mußt [B]Du[/B] es ausbaden, wenn Du immer tiefer reinrutschen solltest.
psychochickenHm, ja irgendwann demnächst rufe ich sie mal an. Jetzt ist eh erstmal wieder Schule, Abi und so...
VivaMoz![QUOTE][i]Original geschrieben von psychochicken [/i]
[B]
ich kann nicht wieder diejeinge sein die wegen scheiß Kinkerlitzchen zum Therapeuten rennt und nach kürzester Zeit ist alles wieder in Ordnung. [/B][/QUOTE]

Lass dir bitte nicht einreden, deine Probleme seien "scheiß Kinkerlitzchen". Deine beschriebenen Symptome hören sich nach einer Depression an, und eine solche ist eine wirklich ernstzunehmende Erkrankung. Für Aussenstehende mögen sich die Schwierigkeiten, die ein depressiv kranker Mensch hat, vielleicht banal an. Wie oft hört man: "Reiß dich zusammen, so schwer kann das doch nicht sein!" Aber depressive Menschen leiden wirklich, und gerade das Aufstehen ist aufgrund des sog. Morgentiefs für viele ein echter Kraftakt.

Heutzutage sind Depressionen recht gut erforscht, medizinisch und psychologisch, und daher gut behandelbar. Mit einem guten Therapeuten/Arzt kann man sie loswerden oder zumindest lernen, mit ihnen zu leben. Und man sollte auch bei leichten Anzeichen, die eine neue depressive Phase ankündigen, durchaus ein Gespräch mit dem Arzt oder einem Psychologen suchen. Wenn eine depressive Phase überwunden ist, gibt es nichts wichtigeres als Vorbeugung und bewusste Selbstwahrnehmung, um ein erneutes Abrutschen in die "Stimmungslöcher" zu vermeiden.

Ich wünsche dir viel Kraft!
psychochickenHey.

Ja ich weiß schon was ihr meint, aber ich bin ja selbst diejenige die sich das einredet. Im Moment geht's eh irgendwie.

Um es zuzugeben bin ich gerade dabei Mauern um mich herum aufzubauen. Meine Freunde sind weiterhin meine Freunde, aber jemand neues hat ehr schlechte Karten. Ich glaub ich fühl mich toll in meiner "Ach, die eiserne holde Jungfrau"- Manier. Völlig bescheuert, ich weiß.

Irgendwie weiß ich nicht ob ich inzwischen irre bin oder normal. Ich weiß nicht mehr ob ich Menschen wegstoßen soll oder an mich drücken. Ich glaube ich will sie am liebsten wegstoßen, denn sie würden alles kompliziert machen. Ich hab einfach keine Lust mehr das blöde Kind zu sein, dass alles noch lernen muss. Genau wie früher will ich mich lieber trotzig in eine Ecke stellen und sagen "Nein, jetzt mag ich nicht mehr."

Vielleicht könnte alles schön sein, wenn ich mich nicht so anstellen würde, nachgeben würde. Aber wäre ich dann noch ich?

Behind the hatred there lies
A murderous desire for love

Ja, ich könnte es ja einfach versuchen. Aber dann, dann geht es schief, und ich bin enttäuscht von mir. Und selbst wenn alls toll wird, ich weiß nicht ob ich es ertragen kann, denn andere Menschen haben Fehler und Nähe kann so scheußlich sein.

Weiß gar nicht was mich jetzt dazu gebracht hat, hier so rumzuheulen. ich weiß einfach nicht was tun und aus dem Bauch heraus entscheiden ist vielleicht keine gute Idee.
VivaMoz!Was du schreibst, ist gar nicht mal so ungewöhnlich, denke ich. Auch ich bin von Zeit zu Zeit recht schwer zugänglich, will nur meine Ruhe haben und sitze allein daheim rum, höre Musik, lese oder döse einfach so vor mich hin. Aber hey, was ist daran so schlimm? Ich gebe offen zu, daß ich mit den meisten Menschen wenig anfangen kann... warum also sollte ich mich in Zeiten des allein-sein-wollens unter solche begeben, gezwungen lächeln und Interesse heucheln?

Nimm dir die Zeit für dich, die du brauchst. Und wer dir daraus Vorwürfe macht, sollte sich vielleicht zuerst selbst mal fragen, was er wohl davon halten würde, wenn man von ihm etwas verlangen würde, was er derzeit nicht möchte.
Menschen sind unterschiedlich, nur leider kommen viele mit den Verschiedenheiten und Eigenheiten ihrer Mitmenschen schwer zurecht.

btw: ein Smiths-Zitat in deinem Beitrag, sehr schön. :-) In Zeiten wie der von dir beschriebenen sind die Smiths schon äusserst angenehme Wegbegleiter.

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