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  Forum: Auswege
    Thema: Darkest of all my dreams
SeperaudeIch habe kein Ziel. Ich weiß nicht, was ich will oder ob es etwas gibt, was ich wollen sollte.
Ich besitze keinerlei Gewissheiten. Ich habe die Macht alles zu tun, bin bereit, alles zu geben. Aber da ist Nichts.
Jede Bewegung, jeder Atemzug entsteht aus reinster Willkür und ich bin nicht fähig Gleichgültigkeit gegenüber meinen Handlungen zu empfinden.
Jede Sekunde ist unerträglich. Ich sitze hier und atme, weiß aber nicht warum.
In mir schreit alles, was aufrecht ist. Und da ich alles getötet habe,
was mir erbärmlich schien, schreit mein ganzer Körper und mein ganzer Geist bis ans Ende dieser höllischen Existenz:

"Alles ist Verlogen. Nichts ist ewig. Der Tod ist falsch, das Leben fälscher. Alles ist leiden."

Meine Ratio sagt mir, es gäbt keinen Grund zu leiden. Es sei gänzlich dumm, grundlos zu leiden.
Da sollte man doch lieber noch grundlos fröhlich sein.
Ich zerbreche fast und meine Vernunft flickt mich wieder zusammen: Warum?
Manchmal verschafft mir diese Wendung sogar ein paar göttliche Stunden der Ekstase und das Leben glüht dann einen Augenblick in allen Farben.

Das ist der Augenblick, an dem eine Sicherung platzen müsste, aber es passiert nicht. Ich bin in dieser Situation schon seit langem.
Es ist schlimmer als Verzweiflung. Es ist schlimmer, weit schlimmer, als der Tod. Was sage ich: Der Tod wäre ein Segen dagegen.
Und Verzweiflung hat es so an sich, dass man sich an die nächst beste Möglichkeit der Heilung wendet.
Eben an die Willkür und Verlogenheit. Aber da sterbe ich lieber.
Der Zustand in dem ich bin, ist von allen die ich kenne, am wenigsten falsch, denn er täuscht keine Klarheit, keine Gewissheiten vor.

In mir ist nicht nur ein Selbstmörder, sondern zehn. Ein Teil in mir sehnt mich nach dem Ende mehr als ich es mir vor ein paar Jahren noch zu träumen gewagt hätte.
Das Leben ist ein Spiel. Ich mache daraus blutigen Ernst. Ich will keine Spiele spielen. Ich will entweder die Ewigkeit oder den Tod, alles Andere kann mir gestohlen bleiben.
Niemals werde ich Kompromisse eingehen können. Jedenfalls nicht solange ich noch aufrecht stehen kann.

Ich bin verbittert über diese Leichtigkeit, die mir das Leben entgegen bringt.
Und ich hasse das Gefühl, wenn sich alles wiederholt. Die alte Leiher. Immer wieder. Keine Rettung.
Alles ist erlaubt! Grausame Welt: Alles ist erlaubt!
Für mich ist alles Verboten. Vorallem der Selbstmord. Vorallem der Mord.

Wahrscheinlich werde ich verrückt bevor ich die Lösung finde. Wahrscheinlich gibt es keine Lösung. Habe ich überhaupt ein Problem?
Wenn ich ein klares Problem hätte, könnte ich meine Kräfte wenigstens daran setzen es zu lösen. Aber es ist eben garnichts klar.
Das kann man nicht als Problem bezeichnen. Vielleicht als Abgrund, aber nicht als Problem.

Da helfen mir die Lügen der Dichter nichts und auch nicht die Vertröstungen der Frommen.
Im Gegenteil: Ich hasse ihre Lügen. Aber viel mehr als der Hass, brennt in mir die Liebe. Bloß hat sie keinen Gegenstand. Sie frisst mich auf.
Vielleicht ist sie das Problem. Vielleicht wäre Alles viel einfacher ohne diese unbändige, maßlose Liebe.

Mein Zustand ist mir lieber als jeder Bisherige. Garkeine Wahrheit ist besser als irgendeine Lüge oder Tröstung.
All diese Schätzungen sind reine Willkür. Selbst was ich hier schreibe, ist tausend mal leichter zu ertragen und klarer formuliert, als es in mir ist.

Bitte: Erschießt mich, fickt mich, liebt mich, hasst mich, erleuchtet mich. Tut irgendwas!
Aber macht nicht so weiter wie bisher. Ich ertrage das nicht mehr.
Ich kann dieses Leben nicht ertragen, weil ich es nicht verstehe.
Aber ich muss es ertragen. Ich habe keine Wahl, weil ich die Entscheidung bereits getroffen habe.
Ich weiß nicht ob dieses Leben es wert ist, gelebt zu werden.
Ich weiß nur, dass der Tod aus eigener Hand es nicht wert ist, gestorben zu werden.

Das reicht als Grund um zu leben, aber nicht als Grund, um glücklich zu sein.

Vielleicht ist dies der maßgebliche Wendepunkt, an dem sich eigentlich das Denken zur Ruhe setzen müsste.
Dann sollte sich statt Wollen, die Ergebung, statt Verzweiflung kaltes Lachen der Unendlichkeit seinen Weg in die Seele bahnen.
Statt der ergebnislosen Jagd nach Gewissheit, sollte die Entdeckung Gottes stehen.
Und aus den Ruinen einer verlorenen Welt erhebt sich der inbrünstige Glaube an eine andere.
Doch leider weiß ich, dass das falsch ist.
if=s:on:ichallo....

[QUOTE]Ich kann dieses Leben nicht ertragen, weil ich es nicht verstehe.[/QUOTE]

so aus dem stehgreif würde ich sagen, wer sich selbst nicht versteht, der versteht aus das drumherum/leben nicht. beim lesen deines elaborates, beschlich mich das gefühl, dass du deinen intellekt, der im grunde nur ein werkzeug ist, mit soviel information vollgestopft hast, dass da oben nun das totale chaos herrscht, was sich langsam aber sicher zu einem homogenen inneren zustand verdichtet.

[QUOTE]Statt der ergebnislosen Jagd nach Gewissheit, sollte die Entdeckung Gottes stehen.
Und aus den Ruinen einer verlorenen Welt erhebt sich der inbrünstige Glaube an eine andere.
Doch leider weiß ich, dass das falsch ist.[/QUOTE]

wenn du weißt dass das falsch ist, dann müsstest du problemlos erklären können, was denn falsch daran ist. würdest du es mir bitte erklären?

dankeschön....

m:ich:aela
SeperaudeHallo if=s:on:ic

Mit deiner Analyse aus dem Stehgreif liegst du garnicht mal so falsch. Es ist tatsächlich so, dass ich hauptsächlich daran leide, dass es mir unmöglich scheint eine akzeptable Ordnung in die vielen Puzzleteile meines Gehirns zu transportieren. Aber das ist mir längst klar. Das ist keine Lösung. Mein Verstand verlangt nach Einheit. Nach einem Muster in das all diese Informationen und Bruchstücke der Erfahrung vernunftsgemäß eingeordnet werden können. Nur ist das leider scheinbar unmöglich.
Ich habe viele Bücher studiert und kaum einen Menschen gefunden, der dies erreicht zu haben scheint, so wie ich es meine. Also wäre es purer Hochmut zu glauben ich könnte es schaffen.

Eine philosophische Endlösung die alles umfasst und die in sich vollkommen logisch und wahr ist gibt es nicht. Es ist alles nur Annäherung, es widerspricht sich untereinander und geht in verschiedenste Richtungen. Scheinbar sind viele Menschen damit einverstanden sich aus dem Wirrwah an Meinungen und Denkgebäuden bis hin zu Religionen einfach eine herauszunehmen um dann danach zu leben, aber ich kann und will das nicht. Das ist eben jene Willkür und relativistische Beliebigkeit, die ich nicht ertrage.
Und ich halte es für falsch, das zu tun.
Es scheint mir alles nicht viel mehr als Trost und Hoffnung zu sein, die dabei helfen, alles erträglicher zu machen.
Das kann mich nicht befriedigen, solange es keine Klarheit hat und den Gesamtbereich meiner Erfahrung überdecken kann. Und das kann die Vorstellung, die ich mir momentan von Gott machen kann, eben leider nicht.
if=s:on:icGuten Morgen Seperaude,-
so wie Du Deinen Zustand beschreibst, kann ich es/ihn in gewisser Hinsicht nachvollziehen. Wenn ich das richtig verstehe, so hast Du Dich, das was Du von Dir wahr.nimmst, in einem sehr extremen Maße vergeistigt und dies wohl in der ursprünglichen Hoffnung/Suche, nach etwas, dass Dich innerlich befriedigen könnte, respektive das Du glauben könntest. Nun stelltest Du jedoch fest, dass es das nicht gibt, denn rein logisch, werden sich immer Widersprüche finden lassen und einfach irgendetwas zu glauben, nur um Dich damit womöglich besser zu fühlen, käme quasi einer Art intellektueller Beleidigung gleich - verstehe ich das richtig?

[QUOTE]Also wäre es purer Hochmut zu glauben ich könnte es schaffen.[/QUOTE]

Nun ja, vielleicht glaubst Du nicht mehr daran, es auf Deinem bisherigen Weg schaffen zu können, denn Hochmut kommt ja bekanntlich vor dem Fall. Gesetzt den Fall, Du fällst, was glaubst Du, in welcher Falle Du dann landen könntest, im Fall der Fälle?

Beste Grüße
M:ich:aela
Seperaude[QUOTE] einfach irgendetwas zu glauben, nur um Dich damit womöglich besser zu fühlen, käme quasi einer Art intellektueller Beleidigung gleich - verstehe ich das richtig?[/QUOTE]

Es scheint so, als verstehst du es. Was die Beleidigung angeht, könnte das durchaus möglich sein. Ich kenne den Gedanken bei Dostojewski und las ihn Kommentiert bei Camus.
Kirilow, eine Romanfigur aus "Die Dämonen" meint:
"Da mir auf die Fragen nach dem Glück vermittels meines Bewußtseins erklärt wird, daß ich einzig in der Harmonie des Ganzen glücklich sein kann, das ich nie begreife und nie begreifen werde, ist es offensichtlich... Da ich in dieser Ordnung die Rolle des Klägers und des Beklagten, des Richters und des Angeklagten gleichzeitig auf mich nehmen muss, und da ich diese Komödie seitens der Natur absolut dumm finde und es sogar meinerseits erniedrigend finde, mich auf dieses Spiel einzulassen ..., so verurteile ich in meiner unbestreitbaren Eigenschaft als Kläger und als Beklagter, als Richter und als Angeklagter diese Natur, die mich so schamlos zum Leiden erschaffen hat - ich verurteile sie dazu, mit mir zusammen unterzugehen ..."

[QUOTE] Gesetzt den Fall, Du fällst, was glaubst Du, in welcher Falle Du dann landen könntest, im Fall der Fälle?[/QUOTE]

Möglich wäre ein 10-Stunden Arbeitstag, ein Haus, dass ich häßlich finde, eine Frau die ich nicht liebe und Kinder die mir auf die Nerven gehen. Vielleicht noch Sonntägicher Kirchgang und Lotto am Wochenende. Satter Dienst am Zufriedenheitsgott.
Aber das wäre nur eine Möglichkeit. Es gäbe auch noch welche, bei denen ich durchaus glücklich sein könnte, nur eben um das einzige Kastriert was mir etwas wert zu sein scheint.
SeperaudeKorrektur: Das angegebene Zitat war nicht von Kirilow, sondern von Dostojewski selbst. (Leider gibts hier keine Edit-Funktion)
Außerdem will ich noch anmerken, dass ich diese Konsequenz, welche Dostojewski beschreibt, nicht gehen kann. Ein Selbstmord ist garkeine Lösung, nur ein feiger Ausweg und ein Geständnis, sich sicher zu sein, es tatsächlich nie zu "begreifen".
SeperaudeMan müsste irgendwie gegen den Wahnsinn und die Sinnlosigkeit vorgehen.
Irgendetwas aus dem Chaos wachsen lassen, dass ihm entgegensteht.
Eine Ordnung aufbauen, einen Grund zu Lachen.
Das Gleichgewicht ist so durcheinander in unserer Zeit, dass es keine Orientierung mehr gibt.
Religion ist nicht die Lösung. Ihre Zeit ist vorbei. Zumindest in dieser Form. Wir brauchen etwas Neues.
Oder zumindest etwas, dass im Lauf der Zeit verlorenging oder nur unmerklich am Rande existiert.
Etwas, dass Bestand hat. Und sei es auch nur für kurze Zeit.
Einen Wert und ein Ziel, die für alle gelten und allen zur Freude gereichen.
Oder die ihnen zumindest einen Grund geben weiter zu kämpfen.
Wie wärs mit der Liebe? Dem allumfassenden Mitgefühl für alle Wesen?
Oder endet das auch nur wieder in Bevorzugung, in Hass und Missgunst?

Das riecht alles zu sehr nach Ideal, zu sehr nach Moral, als das ich es heilig sprechen will.
Nein. Die Liebe an sich löst garnichts. Sie ist grausam. Es ist eine Lüge, dass alles durch die Liebe einen Sinn erhält.
Die Liebe erhält ihren Sinn auch erst durch eine Sache, die tiefer liegt und sie selbst übersteigt.
Ich kann es fühlen. Ich bin ihm Nahe. Ich höre das Herz der Welt schlagen. Ich spüre seine Kraft.
Hinter und unter diesem rauchenden und vernebelten Schlachtfeld, diesem ewigen Friedhof, der mein Leben ist, befindet sich der Ozean.
Die Luft schmeckt salzig. Das Blut schlägt Wellen in meinem Körper. Studel und Stürme wallen durch mein Hirn, durch meine endlose innere Wüste.
Es regnet. Da ist etwas im Regen, dass anders ist als die Menschen dieser Zeit. Der Regen wäscht die Seele rein. Er nimmt sie mit.
Er tröstet sie und doch ist er von dieser Welt.

Ich bete nicht in eine karge Leere, die mich fortträgt.
Ich bete das Wasser an. Ich bete die Luft an, die ich atme.
Ich bete das lumpige Mensaessen an, das mir die Kantine vorsetzt und bin dankbar.
Ich bete meine Verdauung an, weil sie so gut funktioniert.
Ich bete meine kleine Schwester an, weil sie ein Stern ist. Sie ist ein Pulsar.

Früher habe ich Jesus angebetet. Danach den Teufel. Beides waren Seiten der selben Münze.
Der Gott der Liebe heißt Abraxas. Dionysos und Apollon müssen Hand in Hand gehen. Sie taten es immer.
Meine Güte: Man muss nur die Augen aufmachen - Weit aufreißen. Irgendwann drückt sich doch noch die Wahrheit hinein.
Was für ein bescheuerter Text das doch ist. Was für eine Verschwendung von Zeit. Nichts als Lügen.
if=s:on:ichallo,-
ich las die letzte zeit recht viel von dir. deine hp, deine postings. du bist ein kluger kopf. allerdings wäre die frage - ist das alles?

beste grüße
michaela
SeperaudeOb das alles ist?
K.a. Ich verstehe die Frage nicht ganz.
Und die HP. Naja. Ich wusste garnicht, dass die immernoch in meinem Profil steht. Eigentlich betreibe ich die schon seit einiger Zeit nicht mehr. Ich glaub nicht mehr an all das Zeug was ich damals so geschrieben habe. Es ist durchtränkt von so Vielen Irrtümern. Soviel Hochmut.

Mein Leben steht dem allen entgegen. Es ist nach außen hin so gewöhnlich und ordinär, oft so langweilig.
Ich studiere Informatik. Bin gerade mit dem 2. Semester durch. Solala. So nebenbei. Es erfüllt mich nicht wirklich. Früher hatte ich noch Spaß an diesem Zeug, diesem Klimbim und Rumspielen mit Computern. Aber seit ich mein Hobby zur Berufung erkohren habe, ist es nicht mehr mein Hobby.
Ich dachte lange Zeit ich sollte vielleicht eher irgendwas geisteswissenschaftliches studieren, was ich ja ohnehin schon autodidaktisch betreibe, aber ich befürchte damit, es zu studieren, würde ich dieser Faszination auch noch den Gar ausmachen.

Wenn ich hier bin, an dieser schmierigen FH, unter all den Menschen, die mich nicht begeistern können, die Fussball und Deliriumssaufen als den größten Spaß ansehen, habe ich oft jene Gefühle, die ich bereits teilweise zu beschreiben versuchte.
Ich spüre, dass das nichts für mich ist, dass das nicht meine Bestimmung ist oder ich zumindest die falsche Einstellung dazu habe, aber es gibt keine sichtbare Alternative.

Vielleicht sollte ich mir eins von diesen Hoppelhäschen suchen und so tun als würde ich sie lieben können. Aber wahrscheinlich würde ich daran scheitern. Ich bin vermutlich beziehungsunfähig. Jedenfalls krieg ich mich nicht überwunden das zu tun was alle tun: In Diskos gehen, mit Handys rumklappern, Fußball schauen, mich über billige Filme und schlechte Musik amüsieren.

Aber was ich da rede kennt ja jeder hier. Es gehört hier zum guten Takt diese Dinge nicht so ganz zu mögen. Aber bei mir steht das alles etwas anders. Verkehrt und krumm. Jedenfalls manchmal. Es gibt Zeiten, da finde ich mich damit ab, nicht fliehen zu können und bin auch mal ein fröhlicher Sklave.

Es gibt auch Zeiten, da erkenne ich wie dumm es ist sich über all das aufzuregen. Da geht es mir gut und ich fühle mich fast wie vorzeitig erleuchtet.

Es wäre zuviel das alles zu beschreiben. Überhaupt habe ich diesen kleinen Post jetzt gerade wohl eher hingeklatscht als durchdacht.
Das durchschlagende Wort hinter all dem hier, das Leiden welches ich nicht nur bei mir sondern fast überall sehe ist eine tiefgreifende umfassende, oft verleugnete Orientierungslosigkeit.
Nur das ich jener ein wenig mehr Metaphysik beimische und sie deutlicher fühle als die anderen.
if=s:on:ichallo,-
so viel 'nichts'....
ich lese immer nur: 'das bin ich nicht, das mag ich nicht, das tue ich nicht, daran glaube ich nicht - geht es auch andersherum? ich las alle [puzzle]steine die du brauchst [m. E.], allerdings immer vergiftet mit 'nichts'. ein bisschen 'etwas' könnte dir nicht schaden. ich überlege noch, ob ich dir wirklich unverblümt meine meinung geigen sollte....

bis hierher erst einmal.

gruß
michaela
Tapio Bearking[QUOTE]Man müsste irgendwie gegen den Wahnsinn und die Sinnlosigkeit vorgehen.
Irgendetwas aus dem Chaos wachsen lassen, dass ihm entgegensteht.
Eine Ordnung aufbauen, einen Grund zu Lachen.[/QUOTE]
Man könnte auch sagen, das man seinem Leben einen Sinn geben sollte. Das ist eine der schwersten Aufgaben, die man sich vorstellen kann. Ich suche nach dem Sinn schon seit Jahren und bin noch nicht fündig geworden. Andere suchen nach dem Sinn und finden ihn nach wenigen Tagen. Wieder andere werden gefunden.

[QUOTE]Das Gleichgewicht ist so durcheinander in unserer Zeit, dass es keine Orientierung mehr gibt.
Religion ist nicht die Lösung. Ihre Zeit ist vorbei. Zumindest in dieser Form. Wir brauchen etwas Neues.[/QUOTE]
Dem möchte ich widersprechen. Religionen können in dieser Zeit halt bieten. Das beschränkt sich nicht nur auf das Christentum. (Eigentlich würde ich vom Christentum sogar abraten, aber das ist eine andere Baustelle)

[QUOTE]Oder zumindest etwas, dass im Lauf der Zeit verlorenging oder nur unmerklich am Rande existiert.
Etwas, dass Bestand hat. Und sei es auch nur für kurze Zeit.
Einen Wert und ein Ziel, die für alle gelten und allen zur Freude gereichen.
Oder die ihnen zumindest einen Grund geben weiter zu kämpfen.
[/QUOTE]
Oh you wise men, you really make me laugh,
With your talk of fast persuation and searching through the past
There is only greed and evil in the men who fight today
The song of the crusader has long since gone away…
(Chris de Burgh - Crusader)

[QUOTE]Wie wärs mit der Liebe? Dem allumfassenden Mitgefühl für alle Wesen?
Oder endet das auch nur wieder in Bevorzugung, in Hass und Missgunst?[/QUOTE]
Das kommt darauf an, wen man fragt. Die einen sehen in der Liebe das vollkommene Glück, das höchste Gut und Blablabla.
Andere sehen in der selben Liebe eines der grausamsten Gefühle. Es ist eine Frage des Standpunkts.

[QUOTE]Das riecht alles zu sehr nach Ideal, zu sehr nach Moral, als das ich es heilig sprechen will.
Nein. Die Liebe an sich löst garnichts. Sie ist grausam. Es ist eine Lüge, dass alles durch die Liebe einen Sinn erhält.[/QUOTE]
Ich sehe, wir verstehen uns.

[QUOTE]Die Liebe erhält ihren Sinn auch erst durch eine Sache, die tiefer liegt und sie selbst übersteigt.
Ich kann es fühlen. Ich bin ihm Nahe. Ich höre das Herz der Welt schlagen. Ich spüre seine Kraft.
Hinter und unter diesem rauchenden und vernebelten Schlachtfeld, diesem ewigen Friedhof, der mein Leben ist, befindet sich der Ozean.
Die Luft schmeckt salzig. Das Blut schlägt Wellen in meinem Körper. Studel und Stürme wallen durch mein Hirn, durch meine endlose innere Wüste.
Es regnet. Da ist etwas im Regen, dass anders ist als die Menschen dieser Zeit. Der Regen wäscht die Seele rein. Er nimmt sie mit.
Er tröstet sie und doch ist er von dieser Welt.[/QUOTE]
Sehr schön geschrieben. Wenn du einen Sinn suchst, dann lass den Ozean dein Sinn sein.

[QUOTE]
Ich bete nicht in eine karge Leere, die mich fortträgt.
Ich bete das Wasser an. Ich bete die Luft an, die ich atme.
Ich bete das lumpige Mensaessen an, das mir die Kantine vorsetzt und bin dankbar.
Ich bete meine Verdauung an, weil sie so gut funktioniert.
Ich bete meine kleine Schwester an, weil sie ein Stern ist. Sie ist ein Pulsar.[/QUOTE]
Ein Pulsar? Heißt das, sie nur ab und zu für dich da?! (Kleiner Spaß am Rande, ich versteh, was du versuchst zu sagen.

[QUOTE]Früher habe ich Jesus angebetet. Danach den Teufel. Beides waren Seiten der selben Münze.[/QUOTE]
Jein. Der Teufel ist um Jahrtausende älter. Aber auch das ist eine andere Baustelle.

[QUOTE]Was für ein bescheuerter Text das doch ist. Was für eine Verschwendung von Zeit. Nichts als Lügen.[/QUOTE]
Ich finde nicht, das es ein bescheuerter Text ist. Er erzählt, was mir schon seit Jahren im Kopf umherschwirrt.

[QUOTE]Mein Leben steht dem allen entgegen. Es ist nach außen hin so gewöhnlich und ordinär, oft so langweilig.[/QUOTE]
Das hat das Leben so an sich. Wäre es immer actiongeladen und spannend und Party bis zum Abwinken, würdest du bald einen Herzkasper bekommen und du wüsstest die wenigen Momente, die du mit Freunden verbringst nicht mehr zu schätzen wissen. Es ist immer eine Frage des Gleichgewichts.

[QUOTE]Ich studiere Informatik. Bin gerade mit dem 2. Semester durch. Solala. So nebenbei. Es erfüllt mich nicht wirklich. Früher hatte ich noch Spaß an diesem Zeug, diesem Klimbim und Rumspielen mit Computern. Aber seit ich mein Hobby zur Berufung erkoren habe, ist es nicht mehr mein Hobby.[/QUOTE]
Nun, da hättest du jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt. Die Informatik hat nur sehr wenig damit zu tun, was man sich anfangs darunter vorstellt. Es ist ein sehr trockenes Thema und man wird, zum Einstieg, mit sehr vielen Dingen konfrontiert, die (aus der Sicht eines Informationstechnikers) recht veraltet sind.
Ich gehe mal davon aus, das du an der FH Zwickau studierst (ich schließe durch deinen Wohnort drauf). Du solltest das Studium durchziehen und wenn du dann eine Herausforderung suchst, solltest du dich in Richtung Hardwarenahe Programmierung orientieren. Das macht wirklich Spaß und bietet tagtäglich neue Herausforderungen. Okay, zurück zum Thema…

[QUOTE]Ich dachte lange Zeit ich sollte vielleicht eher irgendwas geisteswissenschaftliches studieren, was ich ja ohnehin schon autodidaktisch betreibe, aber ich befürchte damit, es zu studieren, würde ich dieser Faszination auch noch den Gar ausmachen.[/QUOTE]
Dieses Gebiet ist wesentlich trockener als die Informatik. Da du, wie ich das mal so einschätze, eher praktisch veranlagt bist, ist das eine ungünstige Wahl.

[QUOTE]Wenn ich hier bin, an dieser schmierigen FH, unter all den Menschen, die mich nicht begeistern können, die Fussball und Deliriumssaufen als den größten Spaß ansehen, habe ich oft jene Gefühle, die ich bereits teilweise zu beschreiben versuchte.[/QUOTE]
Du bist an der FHZ. Aber was erwartest du? Es sind Studenten und für Deliriumssaufen sind sie bekannt. Natürlich ist es nicht jedermanns Sache, aber es ist ja auch keine Pflichtveranstaltung. Aber von Zeit zu Zeit solltest du mal ins 013 gehen. Wir schweifen schon wieder ab…

[QUOTE]Ich spüre, dass das nichts für mich ist, dass das nicht meine Bestimmung ist oder ich zumindest die falsche Einstellung dazu habe, aber es gibt keine sichtbare Alternative.[/QUOTE]
Du bist mit dieser Einstellung nicht allein. Ich habe auch nur einmal das Bergfest besucht und nichts weiter…

[QUOTE]Vielleicht sollte ich mir eins von diesen Hoppelhäschen suchen und so tun als würde ich sie lieben können. Aber wahrscheinlich würde ich daran scheitern. Ich bin vermutlich beziehungsunfähig. Jedenfalls krieg ich mich nicht überwunden das zu tun was alle tun: In Diskos gehen, mit Handys rumklappern, Fußball schauen, mich über billige Filme und schlechte Musik amüsieren.[/QUOTE]
Hm… wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen ich hätte das geschrieben.

[QUOTE]Es wäre zuviel das alles zu beschreiben. Überhaupt habe ich diesen kleinen Post jetzt gerade wohl eher hingeklatscht als durchdacht.[/QUOTE]
Aber es sind genau diese Posts, die zumeist voller Wahrheit stecken. Ich lese lieber etwas schnell hingeschmiertes, als etwas wo sich der Autor stundenlang an irgendwelchen Formulierungen probiert, die danach nur unverständlich werden.

[QUOTE]Das durchschlagende Wort hinter all dem hier, das Leiden welches ich nicht nur bei mir sondern fast überall sehe ist eine tiefgreifende umfassende, oft verleugnete Orientierungslosigkeit.
Nur das ich jener ein wenig mehr Metaphysik beimische und sie deutlicher fühle als die anderen.[/QUOTE]
Orientierungslosigkeit ist… normal. Du solltest dich davon nicht unterkriegen lassen. Immerhin war Columbus auch orientierungslos und hat einen neuen Kontinent entdeckt.

Grüße
Tapio Bearking
Seperaude[QUOTE]ein bisschen 'etwas' könnte dir nicht schaden[/QUOTE]

Vielleicht fand ich kürzlich ein "etwas", dass sich dieser Illusion im Reich des Vergänglichen entzieht. Ich habe mir einen Gedanken zu eigen gemacht den ich bei Camus fand:
"Jeder einsame Selbstmord, erfolgt er nicht aus Ressentiment, ist in gewisser Hinsicht hochherzig oder verachtungsvoll. Doch man verachtet im Namen von etwas [...] Man glaubt, mit sich alles zu zerstören oder fortzunehmen, aber selbst dieser Tod gebiert einen Wert, der vielleicht zu leben gelohnt hätte"

Dieser Gedanke und einige andere führen mich hin zu der Ansicht, oder eher Lebenseinstellung, dass sich am Ende doch nicht alles nur ums Fressen und Ficken dreht.

Ich weiß nicht, ob das jetzt so leicht verständlich ist, denn es ist ziemlich aus dem Kontext gerissen, aber ich wollte dennoch diesen Thread nicht so locker leicht verdampfen lassen und eine Art Schluss schreiben. (auch wenn dieser vielleicht recht dürftig wirkt und auch keiner sein muss)

Bis hierhin sage ich zunächst einmal, aus reiner Höflichkeit, dankeschön für die gewidmete Zeit zu euch beiden.
Twisted_JesterWiedererkennung ist nur ein Wort.
Ich verneige mich.

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