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  Forum: Auswege
    Thema: Leben in Wartestellung
WintermeerHallo zusammen,

Nun steh ich auf der Schwelle und klopfe an,bitte um Rat und Ohr!
Verglichen mit vielen der anderen Einträge in diesem Forum scheint mein Problem gering,aber es quält mich sehr!
Also, seit Jahren habe ich das Gefühl mein Leben ist wie schockgefroren,mein Körper eine leere Hülle und mein Umfeld eine Schattenwelt. Ich bin unzufrieden mit meinem Leben und jedesmal denke ich: Ach wenn doch nur erst......dann.....!
Wenn erst das Studium fertig ist, wenn du diese Reise machst, wenn du erst.....!
Ich schaue auf das Gebahren anderer,schaue in ihre Wohnungen und sehe das pralle Leben,sehe Persönlichkeit, Struktur! Ich sehe es und denke an mich, einen zurückgezogenen Jungen der in einer sterilen Hülle haust! Manchmal schaue ich in Kataloge und sehe Welten die mir gefallen und ich denke: Mensch, so muß es werden ,dann bist du froh! Aber sind materielle Dinge die Lösung? Meine Kindheit und Jugend waren sehr zurückgezogen und ich mußte und muß immer noch lange an mir arbeiten um aus mir herauszukommen! Nun ,das klappt schon recht gut und die Rückfälle bei denen ich Angst vor sozialen Bindungen habe werden immer weniger und kürzer! Ich habe Freunde gefunden,die mich so akzeptieren wie ich bin aber der letzte große Schritt bleibt: Das Gefühl JETZT zu leben,nicht SPÄTER!
Was ich empfinde sind kurze Episoden des Glücks die zur vagen Erinnerung werden. sobald sie vorbei sind. Ein dauerhaftes Gefühl mag sich einfach nicht einstellen!
Ich kehre von wundervollen Treffen mit Freunden zurück in meinen sterilen Kokon,in Warteposition. Ich habe nicht das Gefühl hier zu Hause zu sein, es ist wie ein geliehener Schlafsack!
Habt ihr eine Idee, wie dieser Kreis zu durchbrechen ist, wie dieses Leben MEIN Leben werden kann? Ich habe oftmals den Gedanken, so wie Person XY sein und leben,dann wäre alles gut! Aber dies ist doch nur wieder das alte Muster,oder?
Seit vielen Jahren möchte ich die Menschen die ich mag, zu mir einladen, in meine Wohnung,dieses sterile Loch! und es mit Leben füllen....Jetzt bin ich kurz davor und ich habe tierische Angst,obwohl ich diese Menschen seit Jahren kenne und mich keiner allein lassen wird! Ich habe Angst,daß am Ende außer schmutzigem Geschirr nichts bleibt,keine Änderung!
Bitte helft und schreibt mir, wie ihr darüber denkt!

Wintermeer
liobaDeine Worte haben mich gerade ziemlich berührt... Genauso geht es mir auch. Wenn ich mit der Schule fertig bin, dann.... Wenn ich mit der Ausbildung fertig bin, dann..... etc. pp.
Genauso diese...Angst? vor sozialen Bindungen. Ich bin seit ca. einem halben Jahr mit meinem Freund zusammen und fühl mich das erste Mal in einer Beziehung wohl bzw finde es in Ordnung diesen Menschen oft zu treffen. Nur manchmal falle ich wie in ein Loch, wo ich dann Angst habe ihm zu sehr zu vertrauen, zu viel von mir preis zu geben. Dann stoss ich ihn immer wieder weg und will Schluss machen, weil ich diese Nähe nicht mehr ertrage und in meinem Kopf nur noch Gedanken existieren wie "Es hält ja eh nicht lang, wer weiss wem er was alles erzählt etc"
Zum Glück hat er viel Geduld und bleibt immer wieder bei mir...

Von daher weiss ich leider nicht, wie ich dir helfen könnte. Bin selber auf der Suche nach einer Lösung, da es so auf Dauer einfach nicht weitergehen kann...

Lioba
black pearldarf ich dir eine frage stellen?
wann hast du letzte mal so richtig gelacht?ich mein so aus vollem herzen?wann hast du dich das letzte mal so richtig lebendig gefühlt?
es wär echt grausam,wenn alle menschen so ein katalogleben führen würden und ich kann für mich sagen,dass ich es nicht könnte...die welt ist eh schon viel zu sehr materialisiert,hast du kein tolles auto,eigenes haus,glückliche familie und angesehende arbeit ist man in den augen vieler nichts wert...hallo????
wo bleibt denn da das leben?
du fühlst dich bestimmt als beobachterperson,du nimmst alles war,du verstehst alles aber du hast nicht das gefühl wirklich dabei zu sein,nicht wirklich zu leben?obwohls einem eigentlich gut gehen sollte,aber irgentwie fehlt das feeling!
es ist echt schwer da irgentwelche ratschläge zu geben,besser gesagt,ich wüsste keinen,will hier auch keine großen reden schwingen,aber ich bin mir sicher,dass ihr es schaffen werdet!

@lioba:einen menschen kennen zu dürfen dem man wirklich vertraut ist unheimlich wertvoll...liebe ist immer mit einem risiko verbunden,man ist verletzlich und gibt einiges von sich preis,aber ich denke man merkt wenn man auf dem richtigen weg ist,und dass dein freund geduldig ist weißt ja auch darauf hin,dass du ihm was wert bist,also halt ihn gut fest
liobaDas werd ich tun... ganz bestimmt... Auch wenns vielleicht nicht leicht ist manchmal...

[QUOTE].darf ich dir eine frage stellen?
wann hast du letzte mal so richtig gelacht?ich mein so aus vollem herzen?wann hast du dich das letzte mal so richtig lebendig gefühlt?
[/QUOTE]
Darüber hab ich vor ein paar Tagen nachgedacht und hab mit Erschrecken festgestellt,dass ich es nicht mehr weiss... Auch jetzt wüsste ich nichts...

[QUOTE].du fühlst dich bestimmt als beobachterperson,du nimmst alles war,du verstehst alles aber du hast nicht das gefühl wirklich dabei zu sein,nicht wirklich zu leben?obwohls einem eigentlich gut gehen sollte,aber irgentwie fehlt das feeling!
[/QUOTE]
Besser hätte ich es nicht ausdrücken können... Theoretisch ist alles ganz einfach. Nur alles in die Praxis umzusetzen ist echt schwert.
black pearlich hoffe für dich,dass du einen weg ins leben findest!lass mich wissen,wenns dir schlecht geht!
Achaiah[quote]"du fühlst dich bestimmt als beobachterperson,du nimmst alles war,du verstehst alles aber du hast nicht das gefühl wirklich dabei zu sein,nicht wirklich zu leben?obwohls einem eigentlich gut gehen sollte,aber irgentwie fehlt das feeling!"[/quote]

Mir gehts ähnlich.
Ich komme mir vor als ob ich ein Spiel spiele, dessen Regeln ich nicht kenne, dessen Ziel mir unbekannt ist und irgendwie fühlt es sich nichtmal so an, als würde ich "wirklich mitspielen".
Ich sehe mich einfach als Aussenstehender, als Beobachter und auch irgendwo als Richter *gg*
Aber letztenendes trift es in meinen Augen "der narr" am besten.
Ich muss aber sagen, das ich Glücklich damit bin.
Ich bin froh darüber, das ich ein wenig Ausserhalb stehe...
Dieses "Spiel"... es hat einfach irgendwie nichts für mich.
Mal ganz davon abgesehen, das ich mir ansonsten keinerlei Gedanken darum mache. Wen kümmerts, ob ich jetzt ein Teil dieses Spiels bin oder nicht?
Mir zumindest gehts am Arsch vorbei :D

Aber denjenigen, den es damit schlecht geht wünsche ich alles gute :)


Grüße, Achaiah
liobaMich würde es aber wirklich reizen mal mitzuspielen mit allem drum und dran. Und es geht mir ja nicht wirklich schlecht. Aber eben auch nciht gut. Irgendwie irgendwo dazwischen. Oder auch nicht.
Eigentlich gar nichts. Wartestellung eben. Und genau dieses Gefühl, dass eben kein Gefühl da ist macht ab und an ein wenig kaputt. Mich zumindest. Deswegen hab ich mir auch ewig lang immer wieder die Pulsadern aufgeschnitten, weil es wenigstens weh tat, weil es Schuldgefühle mit sich zog und weil mir mein Blut zeigte,dass ich noch lebe. Aber das ist ein anderes Thema und gehört glaub ich nciht ganz hier her.
VivaMoz!Ich glaube, diese Gefühle sind vielen Menschen nicht unbekannt. Somit stehst du gar nicht so allein da und bist durchaus "normal".

Im Leben muss mensch sich immer wieder mit Problemen und Schwierigkeiten auseinandersetzen, jede Lebensphase hat ihre eigenen Tücken. Das von dir beschriebene kenne ich noch gut aus eigenen Erfahrungen- "wenn ich erstmal mit der Ausbildung fertig bin, einen festen Job, festes Gehalt habe, ja DANN...". Soweit, so gut. Inzwischen habe ich seit annähernd zwei Jahren einen festen Job, finanziell geht es mir auch nicht so schlecht, ich habe eine Wohnung in ganz passabler Stadtlage gefunden.... und doch werde ich das Gefühl nicht los, dass da doch noch IRGENDETWAS kommen muss, dass ich unausgefüllt, ja sogar unzufrieden bin. Ich glaube, das hat auch etwas mit der individuellen Persönlichkeit und der Einstellung zum Leben zu tun. Diese stets optimistischen, wenig über existentielle Fragen nachdenken Menschen (das soll nicht abwertend klingen) sind in der Regel glücklicher als die nachdenklichen, sensibleren Menschen. Ganz einfach aus dem Grunde, weil sie das Leben so nehmen, wie es kommt. Das mag mir so gar nicht gelingen, ich finde immer wieder etwas, was mich nachdenklich/traurig/wütend stimmt... und ich glaube, vielen von euch hier mag es ebenso gehen. Alles in allem ist das aber kein Grund zur Verzweiflung, sondern vielleicht sogar eher etwas Befreiendes: über sein Leben nachzudenken, auch mal in Melancholie zu verfallen, bietet eine einzigartige Chance- die Chance zu erkennen, was einen unzufrieden macht... und es entsprechend zu ändern.
WintermeerWann ich das letzte mal gelacht habe? Ooch, das tue ich jeden Tag! Es bleibt danach nur kein positives Gefühl zurück, bis zum nächsten Lacher!
Oftmals verweile ich in Gedanken in der Vergangenheit, mein Gedächtnis ist spitze, ich erinnere mich an die winzigsten Kleinigkeiten von Anno Tobak! es ist also nicht so,daß ich vergesse......
Ich denke eher, es ist ein Problem der Wahrnehmung, selbst wenn mir jeden Tag etwas schönes oder gutes passiert, ich bekomme einfach nicht das Gefühl ,eine schöne Zeit zu haben. Es bleiben Episoden des Glücks gefolgt von Intermezzi! Etwa wie im Theater, entweder es wird gespielt, oder das Theater ist leer.
Eine Zeitlang hing ich einem geradezu wahnwitzigen Schutzmechanismus her, ich fühlte mich wie ein Engel der nur kurzzeitig in das Leben der Menschen eintreten DARF und dann wieder in seinen Himmel (oder was auch immer) muss.
Das lief ganz gut bis in diesem Engel der Wunsch erwachte ein Mensch zu sein!
Vielen Dank für eure offnen Ohren, euer Zuhören wird helfen,irgendwann einmal! An diejenigen, die von gleichem berichten, ich würde euch wünschen ihr würdet es nicht ebenso erleben. Darum bitte versteht mich bitte nicht falsch,wenn ich sage,daß ich dankbar bin , dass ihr auch da seid! Ich hatte immer ANgst ganz allein mit diesem Problem zu sein.

W.
Cold RainIch denke man muss sich von dem Gedanken verabschieden, so leben zu wollen wie Person XY. Oder wie im Katalog.
Auch wenn das eigene Leben halt nicht so verläuft, wie man früher mal gedacht hat oder wie es eben "normal" ist... man hat nur das eigene.

Gut um sich im eigenen Leben zurecht zu finden, können andere Menschen sein, bei denen man sich 100% sicher fühlt und die eine Zeitlang mehr geben als nehmen können. Bis man aus dieser Beobachter-Position/Wartestellung herauskann.

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