| Doppeltesspiel | Wo soll ich bloß anfangen... Am besten ganz am Anfang, ich hatte eine sehr fröhliche unbeschwerte Jugend, nur einige schlechte Erinnerungen habe ich, aber die sind sehr schwer für mich, seit ich weiß woher sie kommen. Zu allererst, ich wohne noch daheim und bin 23 Jahre alt. Vor einigen Jahren, ich war gerade in der Lehre und oft nicht daheim, da merkte ich wie mein Vater immer seltsamer wurde, verschlossener, zornig und aggressiv. Er musste oft Überstunden machen und wurde sehr schlecht auf der Arbeit behandelt. Das trug er mit nach Hause. Meine Eltern stritten sich in der Zeit sehrsehr oft und mein Vater wurde zunehmends aggressiver. Irgendwann, nach einem sehr schlimmen Streit, erzählte mir meine Mutter, die ich zu trösten versuchte, dass es schonmal so schlimm war. Damals war die Mutter meines Vaters gestorben und ich war noch sehr klein. Er fing über seine Trauer (mein Vater konnte noch nie gut mit Gefühlen umgehen) an zu trinken. Ich wünschte mir heute meine Mutter hätte mir das damals nicht erzählt, es wäre alles leichter für mich. Es brach in jedem Fall eine Welt für mich zusammen, ich betrachte es heute als Ende meiner Kindheit. Mein Vater, zu dem ich immer aufsah ein Alkoholiker? Tja, es war wohl so, denn auch meine Oma (die damals noch bei uns wohnte) lies in zunehmendem Alter ähnliche Bemerkungen fallen. Naja, meine Eltern lieben sich sehr, davon bin ich überzeugt, denn sie kämpften, vielleicht auch für mich. Und sie schafften es, mein Vater wurde trocken und rührte seitdem, soweit wir wissen, keinen Tropfen an. Die Beziehung wurde besser, er wieder liebevoller...es war eine schöne Kindheit, bis zu jenen Jahren als ich in der Lehre war und alles über mich herein brach. Nun, wir überwanden auch das, meine Mutter und ich redeten immer wieder mit meinem Vater bis er einsah, dass er eine neue Stelle brauchte. Er fand auch eine, wo es ihm besser gefiel und er gut gelaunt von der arbeit kam. Aber er bekam nach kurzer Zeit Probleme mit einem Kollegen und suchte sich wieder eine neue Stelle. Diese gefiel ihm auch sehr gut, auch wenn er jeden Tag ne Stunde fahren muss um dahin zu kommen. Nunja, er blieb da, bis heute. Und es geht wieder los. Mein Vater wird ja auch nicht jünger, inzwischen ist er 53 und es fällt ihm schwerer zu arbeiten. Zumal er wieder viele Überstunden macht und anscheinend wieder jede Arbeit an ihn abgegeben wird (er kann nur sehr schwer nein sagen). Kommt wieder sehr geschafft von der Arbeit und ist häufig sehr seltsam, nicht unbedingt so aggressiv wie früher, er ist anders, zornig, komisch. Ich kann es nur schwer beschreiben. Wir hatten im letzten Jahr viele Schicksalsschläge zu verkraften. Meine Großmutter starb und Anfang des Jahres der Hund an dem mein Vater so hing. Wir haben einen neuen Hund, aber der scheint meinen Vater nicht so sehr zu akzeptieren und er merkt auch, dass mein Vater seltsam ist, denn er geht ihm aus dem Weg, was meinen Vater sehr traurig macht. Wie gesagt, meine Mutter ist oft sehr fertig mit den Nerven, sie hat Angst, dass mein Vater das letzte Jahr wieder nicht seelisch verkraftet, dazu kommt das zunehmende Alter, er wird häufiger krank (geht aber trotzdem arbeiten). Heute war wieder so ein Tag. Und ich? Mich nimmt das Ganze am meisten mit, glaube ich. Ich fange an nächtelang wach zu liegen und mir Gedanken zu machen. Verkrieche mich, wenn mein Vater heim kommt, weil ich nicht mitbekommen will, wenn er wieder so seltsam ist. Ich habe heute mit meinem Vater drüber geredet, er meinte nur ich solle mir keine Sorgen machen, er würde das schon schaffen und er hätte mich doch lieb und freue sich, dass ich da wäre. Aber das Problem besteht natürlich weiter... Ich spiele immer häufiger mit dem Gedanken auszuziehen, woanders zu studieren oder mir eine Arbeit zu suchen, weil ich merke, dass es mich auch physisch sehr mitnimmt. Ein Freund meinte er kenne das, es wäre vor allem das Alter, dass Väter seltsam mache, man darf es halt nicht zu sehr an sich ran lassen. Aber wie soll ich das machen wenn ich meinen Eltern so nahe stehe? Ausziehen wäre wohl der einzige Weg. Aber ich will auch meine Eltern nicht zurück lassen, alleine in dem riesigen Haus, dass sie extra gebaut haben damit ich mal darin mit ihnen lebe, dass sie vielleicht eines Tages mit ihrem Kind samt Schwiegertochter und Enkeln darin wohnen können. Ich weiß ich solte erst einmal an mich denken, aber das kann ich nicht, so bin ich nicht. Ich glaube ich würde mir woanders ständig Gedanken darum machen wie es meine Eltern allein schaffen. Viele Freunde haben sie nicht mehr, da mein Vater nichts mehr trinkt sind viele Freundschaften damals weg gebrochen. Man traf sich halt nicht mehr. Ich habe die Angst es könnte nur noch schlimmer werden und das halte ich kaum aus. Ich weiß nicht was ich machen soll. Ich fühle mich so hilflos und halte es gleichzeitig für so falsch, dass ich mir das alles so zu Herzen nehme. Was soll ich nur machen? Ich weiß es nicht. |
| paradoxa | hallo doppeltesspiel, auch wenn es dir schwerfallen wird - ein bißchen musst du auch an dich selber denken! ein patentrezept gibt es meiner meinung nach nicht. und ich kann deine gefühle und ängste verstehen. vielleicht fragst du dich was dann mit deinen eltern wird, ob sie sich einsam oder im stich gelassen fühlen. du hast doch schon mal mit deiner mutter und deinem vater geredet - getrennt - oder? wenn man mit ihnen ganz normal über etwas reden kann, vielleicht kann man dann auch gemeinsam mal drüber reden. einfach nur mal damit du beschreiben kannst wie es dir geht, wie kaputt dich das macht und eine lösung gefunden werden muss. und das, wenn sich nichts ändert, du mit dem gedanken über einen auszug spielst. aus meiner ansicht kann auch ein auszug eine chance sein. eine anfang um wieder selber zur ruhe zu kommen. das bedeutet ja nicht das du nie wieder zurück kommen wirst. es tut mir leid das ich dir nicht aktiv helfen kann - kenne ich dieses gefühl selbst zu gut. lg paradoxa |
| Montrose | Willkommen in der Realität. Was Du von Deinem Vater erzählst, geht hunderttausenden Männern genauso. Dein Vater bemüht sich, er sagt, er liebt Dich und schafft das schon. Was kann ein Mann besseres tun? Dass er erschöpft, komisch, unzufrieden ist.... kann man ihm das vorwerfen? Und die Sache mit dem Alkoholismus ..... was meinst Du, wie häufig das so ist. Dass er es ohne Alkohol aushält .... und dennoch immer noch genug Probleme hat, ist klar. Wenn Du Dir das zu sehr zu Herzen nimmst, dann hintertreibst Du seine Anstrengungen, denn dann hat er ja eine Sorge mehr, nämlich Dich. Fortgehen ist in Deinem Alter möglich. Aber sicherlich nicht als Bestrafung gegen Deinen Vater. Es wäre besser, ihr würdet im Guten miteinander umgehen. Vielleicht wäre es gut, dem Mann mal was Nettes zu sagen. Denn das muss sich ja furchtbar anfühlen, nicht nur Streß an der Arbeit zu haben, sondern auch noch in der Familie keinen Rückhalt zu finden. [QUOTE]Ich wünschte mir heute meine Mutter hätte mir das damals nicht erzählt, es wäre alles leichter für mich. Es brach in jedem Fall eine Welt für mich zusammen, ich betrachte es heute als Ende meiner Kindheit. Mein Vater, zu dem ich immer aufsah ein Alkoholiker? Tja, es war wohl so, denn auch meine Oma (die damals noch bei uns wohnte) lies in zunehmendem Alter ähnliche Bemerkungen fallen.[/QUOTE] Ich denke, das geht Dich einfach nichts an, Doppeltesspiel. Und das liebe Omas hetzen, sich die am meisten nahestehenden Verwandten in ein schlechtes Licht rücken ..... Willkommen in der Realität! Was hast Du denn gedacht? Dass die Verwandtschaft Heilige, Engel oder sich immer nur liebende Wunderquellen sind. Da spielen sich Dinge im Graubereich ab, die Du als 23jährige nicht mal ansatzweise begreifen kannst. Ich selbst hab erst lange nach 30 gemerkt, dass manche "böse Tante" gar nicht böse war und manche scheinbar so liebevolle Person ihre Schattenseiten hatte. Ist das Problem vielleicht weniger Dein Vater als dass Du Dich von allzu kindlichen Vorstellungen verabschieden mußt? Paradies lost? [QUOTE]Ich fühle mich so hilflos und halte es gleichzeitig für so falsch, dass ich mir das alles so zu Herzen nehme.[/QUOTE] Es gibt eine falsche Form des "zu Herzen Nehmens". Dort, wo jemand sich so in etwas reinsteigert, dass er anderen eher zur Last wird. Es gibt aber auch eine falsche Form von Härte. Irgendwo dazwischen sollte es einen Mittelweg geben. Die väterlichen Probleme sollten getrennt von Deinen Unabhängigkeitsbestrebungen abgehandelt werden. Du kannst beides tun: Deine Wege gehen und dennoch nett und aufgeschlossen gegenüber Deinem Vater sein. Es gibt ihm sicherlich Kraft. [QUOTE]ich will auch meine Eltern nicht zurück lassen, alleine in dem riesigen Haus, dass sie extra gebaut haben damit ich mal darin mit ihnen lebe, dass sie vielleicht eines Tages mit ihrem Kind samt Schwiegertochter und Enkeln darin wohnen können.[/QUOTE] Nanana, diese Story höre ich auch häufig: meine Eltern haben dies oder jenes für mich vorgesehen/gebaut. Haben sie Dich danach gefragt? Kann jemand einen anderen einfach so festlegen? Ist der Wunsch, die Kinder mit Partner im eigenen Haus zu haben, wirklich nur uneigennnützig? Abgesehen davon: das Haus gehört Deinen Eltern und nicht Dir. Sie haben es für sich gebaut, und sicherlich auch aus steuerlichen oder Prestigegründen erweitert. Was ich sagen will: Besitz und Erben ist immer so ein bißchen ein heikles Geschäft. Denn oftmals heißt es "Das gehört mal alles Dir, WENN ...." Wenn.... das ist Machtausübung. Sicherlich, Dein Vater hat wahrscheinlich ein Problem. Er kann sich vielleicht nicht vom Macher, Allesbestimmer zu einem genießenden Zuschauer verwandeln. Männer sind desöfteren in jüngeren Jahren unsicher. Das überspielen sie, indem sie Karriere machen, ein Frauchen finden, dass auf ihre Hilfe angewiesen ist, Kinder ....jedesmal sind sie in der Rolle des Starken, so dass sie sich nicht hinterfragen müssen. Und dann kommt das Alter, und sie sollen manche dieser Krücken fallen lassen und stehen nun nicht mehr als Jünglinge mit Zukunft, sondern als Menschen auf absteigendem Ast denselben Fragen und Ängsten wie in der Jugend gegenüber .... nur das die Antworten nicht mehr so rosig ausfallen. Ich vermute, Dein Vater muss Loslassen lernen. Wenn er ein großes Haus gebaut hat, ist er sicherlich nicht arm, er kämpft nicht um seine materielle Existenz. Umso interessanter ist die Frage, um welche geistige Existenz er kämpft. Dass er an diesen Herausforderugen zu knappsen hat, bedeutet nicht, dass er ein schlechter Mensch ist. |
| fragment | Hi, bevor ich loslege brauch ich etwas Ordnung. Man merkt, dass du emotional ganz tief drinsteckst und das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich das Gefühl hab, dass du selbst gar nicht so richtig weißt wo eigentlich dein Problem ist. Der Alkohohlismus von deinem Vater ist überstanden, richtig? Er hat damals mit Trinken angefangen eine schwere Phase durchgemacht, die aber gemeistert und es ging wieder aufwärts. Ich verstehe, dass dich das damals schwer mitgenommen hat. Sowas trifft nie nur eine Person, sondern immer auch das Umfeld...aber wo liegt JETZT das Problem? Vermutest du, dass er wieder trinkt? Hast du selbst die Zeit nicht verarbeiten können? Dein Vater scheint das jedenfalls hinter sich gelassen zu haben, denn du sagst ja (Zitat) :[i]Und sie schafften es, mein Vater wurde trocken und rührte seitdem, soweit wir wissen, keinen Tropfen an. Die Beziehung wurde besser, er wieder liebevoller...[/i] Welche Rolle spielt das für dich noch? Dein Vater hat außerdem Probleme auf der Arbeit...nun gut wer hat die nicht. Du wünschst dir für ihn also bessere Arbeitsbedingungen? Mehr Zufriedenheit? Bessere Kollegen? Wo liegt dein Problem an dieser Stelle? Willst du einfach, dass er netter und liebevoller zu dir ist? Was beschäftigt deinen Vater eigentlich? Mir scheint, dass du ihn das noch nie richtig gefragt hast. Kann es vielleicht sein, dass du sein Verhalten aus deiner Perspektive beurteilst und einordnest? Vielleicht sieht er in den Dingen, die dich so runterziehen gar keine schweren Probleme. Kennst du seine Probleme tatsächlich? Oder geht es in KERN eigentlich gar nicht um ihn, sondern um dich? Kommst du damit klar, dass dein Vater schwächelt? Kannst du akzeptieren, dass er Probleme hat und daran knabbern muß? |