| nurich | Hallo! Ich war schon ewig nicht mehr hier. Und finde mich kaum zurecht, irgendwie war das hier alles mal etwas anders aufgeteilt.... oder zumindest gab es eine Ecke wo das hinpasste, was ich jetzt auf dem Herzen hab. Da ich keinen besseren Ort in diesem Forum gefunden hab, poste ich es nun hier: Ich weiß gar nicht so richtig wo ich anfangen soll. Aber mir ist einfach zum Heulen. Seit Wochen, Monaten, eigentlich schon seit Jahren, schaffe ich es kaum noch meinen Haushalt zu führen. Eigentlich spüle ich nur und räume auf. Und die Wäsche mache ich einmal die Woche. Ausserdem gehe regelmässig + pünktlich zur Arbeit. Aber das wars. Meine Wohnung sieht aus wie sau. Wenn ich es einmal im Monat schaffe zu saugen, bin ich schon gut. Ich mag mir keinen einladen, weil es so dreckig ist. Klar, jetzt sagt ihr. Putz doch einfach. Nimm dir jeden Tag ein Zimmer vor, dann hast du bald alles im Griff. Stimmt, das sag ich mir auch. Aber ich komme abends von der Arbeit und bin froh wenn ich es soeben schaffe mir irgendwas essbares in den Mund zu schieben, aufzuräumen und zu spülen. Wenn ich denn mal etwas mehr Kraft habe, nehme ich mir den Staubsauger zur Hand. Oder putze auch mal einen Schrank. Da das aber selten vor kommt, ist meine Wohnung einfach nur ein Saustall. Ich brauche mindestens 8 Stunden schlaf, wenn ich die nicht bekomme, bin ich am nächsten Tag so richtig fertig und könnte schon wenn ich von der Arbeit komme sofort ins Bett gehen. Ich verstehe das nicht. Andere kommen mit 4 oder 5 Stunden aus. Warum brauche ich so viel? Ich gehe morgens um 5.40 Uhr aus dem Haus und komme abends um 18.10 wieder heim, das sind über 12 Stunden. Wenn 12 + 8 rechne, kommen da 4 stunden Freizeit raus, in denen ich aber auch noch essen + zähneputzen + einkaufen etc. muss. Arbeite ich nur um zu schlafen? Einmal im Jahr, kurz vor meinem, bzw. unserem Geburtstag, wird groß Reine gemacht. (Mein Mann und ich haben fast am gleichen Tag Geburtstag. Wir feiern zusammen. Laden dann auch Gäste ein. Vorher wird gross sauber gemacht.) Somit haben wir wenigstens ein paar Tage im Jahr eine saubere Wohnung. Nun kommt mein eigentliches Problem, das mit dem Putzen werde ich irgendwie in den Griff bekommen. Ab und zu schaffe ich das ja auch. Also, meine Eltern, sie brauchen mich jetzt. Mein Vater hat seit ein paar Tagen Pflegestufe 1. Er kann zwar noch gehen, alleine essen und aufs Klo und sich alleine anziehen. Aber mehr nicht. Bei meiner Mutter sieht es jetzt auch so aus. Sie hat zwar noch nicht diese Pflegestufe "eingetragen" bekommen, aber letztendlich ist sie genauso Pflegebedürftig. Beide bewegen sich im Zeitlupentempo durch die Welt. Das macht nix. Sie haben Zeit. Noch bekommt meine Mutter ihr Haus geputzt. (Hochachtung meinerseits, sie hat ca. 100qm ich lediglich 55qm.) Wie sie das hinbekommt ist mir ein Rätsel. Aber ihr Haus sieht es immer wenn ich hinkomme (auch unangemeldet) wie geleckt aus. Dort würde ich vom Fussboden essen! (Bei mir nicht!) Nächste Woche soll ich nun bei Ihr die Fenster putzen. - lol - Meine habens nötiger. Und zum Friedhof will sie mit mir. Ich soll Omas Grab neu bepflanzen. Es sieht jetzt so aus, als wenn ich einmal die Woche zu meinen Eltern sollte um zu putzen o. ä. Ausgerechnet ich, die ihre eigene Wohnung nicht Sauber halten kann. Ich will meinen Eltern ja helfen, sie haben mir vor ein paar Jahren auch sehr geholfen. Da steckte ich in einem tierischen seelischen Tief. Aber so richtig raus bin ich da noch immer nicht. Eigentlich hab ich es grad mal geschafft zu "überleben". Und jetzt soll ich anderen Helfen. Dazu fehlt mir die Kraft. Mein Mann hatte vor etwa einem Jahr "Burn Out". Seit 2 Monaten arbeitet er wieder. Er war also etwa 10 Monate zu Hause, aber glaubt mal nur nicht, dass er auch nur einen Finger gerührt hätte um die Wohnung in Schuss zu halten. Ich bin abends von der Firma gekommen, und hab gespült und aufgeräumt. Mehr wie gesagt nicht... (Ich fühl mich wie ein Papagei, ich sage immer das selbe.) Ab und zu hilft mein Mann auch. Ich mache also nicht alles alleine. Inzwischen kann er mich auch besser verstehen, was meine "Kraftlosigkeit" angeht. Eben durch sein Burn Out. Nicht dass er es wirklich versteht, aber er weiß nun, dass es sowas gibt. Ihm geht es nicht viel anders. Er hat auch nur Kraft zur Arbeit zu gehen und abends ist dann auch nichts mehr mit ihm los. Und jetzt, wie gesagt, kommen meine Eltern als "Aufgabe" dazu. Sie wohnen auch nicht gleich um die Ecke, man braucht schon 30 Minuten mit dem Auto dorthin. Wenn ich also demnächst mit meinen Eltern einkaufen fahren soll, bin ich den ganzen Samstag Vormittag weg... Da bleibt keine Regenerationszeit mehr für mich. Ich weiß nicht wie ich das schaffen soll. Und ich weiß auch nicht wie und ob ich "Nein" sagen kann. Mama soll demnächst ins Krankenhaus. Für die Zeit erwartet mein Vater dass ich mir Urlaub nehme! Hallo?? Was ist mit mir? Bin ich jetzt die undankbare Tochter? Ich weiß, dass ich das nicht lange durchhalten werde. |
| nurich | Ergänzung: Wir sind 40, meine Eltern 70 und 80 Jahre alt |
| solipsismus | Das Unterforum, das du gesucht hast, nennt sich (jetzt?) Auswege. Ist weiter unten, etwas versteckt. Aber ein Moderator wird es sicher dahin verschieben, du musst nur mal darum bitten. Zu deinem Problem vier Punkte, die mir spontan einfallen: a) Hast du in deinem Leben gelernt, für dich zu sorgen - in dem Sinne, dass du weißt, wie es ist, wenn du etwas Gutes für dich tust? Sicher, du hast immer viel zu tun, dass dir als Pflicht vorkommt, aber fällt dir wenigstens eine Sache ein, die du in der Woche tust, die dir gefällt? Wenigstens ein paar Minuten? Die du nicht tust, weil du das Gefühl hast, einer anderen Person gegenüber eine Verpflichtung zu haben? b) Kannst du zu deinen Eltern Nein sagen? Ich meine nicht bezogen auf die Sache, sondern hast du in deinem Leben jemals Bitten abgelehnt, weil du gemerkt hast, dass deine Eltern selbst die Kapazitäten haben und sich darum kümmern können? c) Haben deine Eltern das Geld, sich eine Pflegekraft zu leisten? d) Hilft dein Mann zu 50% in der Wohnung? Also davon ausgehend, dass ihr beide recht überanstrengt seid, rede ich davon, ob das, was ihr beide leisten [i]könnt[/i], weil ihr dazu nach der Arbeit noch die Kraft findet, mehr oder weniger gerecht aufgeteilt ist. Ich frage all das, weil ich das Gefühl habe, du kannst aktuell nicht recht Nein sagen und dass dir der Mut und die Kraft fehlt in deiner geringen Freizeit wenigstens kleine Dinge zu tun, die dir Freude machen. Und ohne solch Sachen, aus denen du Kraft schöpfen kannst, ist es kein Wunder, dass dir alle Energie fehlt. |
| nurich | Danke Solipsismus (hui, schwerer Name), ich merke, Du hast tatsächlich alles gelesen. Ja, Auswege, so hieß es "früher" wohl auch. Das hab ich wohl übersehen. Zu a) Die Antwort ist schwerer, als Dein Name ^^. Ja und nein. Also, weil mir die Kraft fehlt, spiele ich ein sinnloses Browsergame, das mir nicht wirklich Spass macht. Somit tue ich mehr oder weniger etwas für mich. Es ist keine Pflicht, aber ich will unbedingt nach vorn kommen (in dem Spiel). Somit wird das Spiel schon wieder zur Pflicht... Aber so richtig etwas für mich? Ich weiß dass ich früher, als ich zur Schule ging, ich mir die Fingernägel gemacht habe. So richtig mit Feilen und lackieren und so. Hat bestimmt so 1 bis 2 Stunden gebraucht. Der blöde Lack brauchte immer ewig zum trocknen ^^ Aber das war eigentlich immer sehr entspannend. (Kling vielleicht doof, und für Männer unverständlich, aber das tat mir gut.) Das habe ich bestimmt vor 20 Jahren das letzte mal gemacht. Jetzt mache ich nur kurz einmal die Woche die Nägel etwas kürzer. Muss schnell gehen. Zu b) Ich weiß nicht ob ich Nein sagen kann. Ich kann mich nicht erinnern jemals bei etwas (für mich!) wichtigem "Nein" gesagt zu haben. Bei Kleinigkeiten wohl schon. Zu c) Das weiß ich nicht. Ich vermute schon. Sie sind nicht arm, aber auch nicht reich. (Notfalls sollen sie das Haus verkaufen, ich muss nicht erben.) Zu d) Ich habe den Eindruck dass ich etwa 60% mache und mein Mann 40%. Sein Eindruck ist vermutlich genau umgekehrt ^^ Das dürfte daran liegen, dass wir unterschiedliche Prioritäten haben. Beispiel: Ich komme nach Hause, die Wohnung sieht noch schlimmer aus als morgens, da mein Mann noch gekocht hat und er mehr Töpfe benötigt als meiner Meinung nach nötig. Das Essen wird mir auf einem sauberen Teller aber dreckigen und vollgemüllten Esstisch serviert. Die ganze Küche, in der wir essen, sieht aus wie ein saustall. Da schmeckt mir das leckerste Essen nicht und mein Mann ist sauer, weil ich das tolle Essen (welches er mit letzter Kraft gekocht hat) nicht lobe... Er wollte mir doch was gutes tun. Das ist so schon mehrfach geschehen. Ich habe auch jedesmal erklärt, dass das Essen zwar toll ist, ich mich aber über eine saubere / aufgeräumte Wohnung mehr gefreut hätte. |
| nurich | @ Solipsismus Du hast mich zum Nachdenken gebracht. Mal angenommen mir würde es im Augenblick richtig gut gehen. Also ausgeschlafen und ich wäre einfach "Fit wie ein Turnschuh". (Und die Wohung sauber und aufgeräumt.) Ich wüsste gar nicht, wass ich (für mich) machen will. --- Traurig. |
| solipsismus | Ich finde, c) klingt schon vielversprechend. Es macht zumindest den Eindruck, dass du nicht vor hast, dich für deine Eltern zu zerstören. Natürlich würde es ihnen helfen, wenn du ihnen hilfst, aber zumindest aus dem, was du geschildert hast, fällt mir noch gar nicht so recht ein, was ihr großes Problem ist. Ich sage nicht, dass sie keine Hilfe brauchen und sicherlich wäre es auch nett, wenn du Zeit hättest und ab und an bei ihnen vorbei schauen könntest, aber ganz objektiv betrachtet: nehmen wir an, du gehst zwei Wochen zu ihnen mit letzter Kraft und am Ende steht eine schwere Depression/Burnout. Dann bist du erst mal fertig mit allem und kannst definitiv auch deinen Eltern nicht mehr helfen. Unter den Umständen würde ich wirklich erst einmal klären, ob sie nicht eine "Teilzeitpflegekraft" finden können. So traurig das ist - die Löhne in der Pflege sind nicht sehr hoch. Bzw. kann es auch sein (so weit weiß ich über die Lage natürlich nicht Bescheid), dass sie nur Hilfe bei Dingen brauchen, die gar nicht dringend sind. Die Fenster? Das kann noch ein, zwei Wochen warten und dafür kann man wirklich ein Nachbarskind bezahlen, das sich was dazuverdienen will! Schwieriger wäre es halt, wenn es um Dinge geht, für die üblicherweise eine Ausbildung vorliegen sollte. Aber selbst da würde ich ausloten, ob es eben nicht entsprechende bezahlbare Pflegekräfte gebe. Browsergame klingt gar nicht schlecht, obwohl Nägel machen, wie du selbst schon bemerkt hast, gesünder klingt. Also ich meine nicht wegen der Tätigkeit ;) , sondern weil ich denke, dass das Spielen einen leicht zwanghaften Charakter entwickeln kann. Das muss nicht generell schlimm sein, aber ich denke, dass die Entspannung auch zurück geht, je mehr du dich gezwungen siehst, da ins nächste Level zu kommen. Das führt auch schnell dazu, dass du sehr viel Zeit vorm PC verbringst, ohne dich danach wirklich entstresst zu fühlen (nehme ich an). Das Ding ist nicht mal, dass du wissen musst, was dir Spaß macht. Ich finde es fast wichtiger, dass du dir überhaupt die Zeit nimmst, über so etwas nachzudenken. Damit erkennst du an, dass du Bedürfnisse hast, die erfüllt werden wollen und die genau so wichtig sind wie der Wunsch deines Mannes, Anerkennung für seine Mahlzeit zu bekommen und der deiner Eltern, dass du ihnen hilfst. Ob das für andere nun lächerlich klingt oder nicht (für mich tut es das nicht), dass du dich beim Nägel machen entspannt hast - alles ist erlaubt, wenn es für dich eine Auszeit bedeutet. Natürlich zählt dazu nicht, andere Leute zu verprügeln ;), aber ich meine einfach Dinge, so klein sie auch seien, die du ganz für dich tust. Denn der Schlaf, der so wichtig für dich ist (8 Stunden sind meines Wissens nach keineswegs übertrieben, vor allem, wenn man so früh aufstehen muss), ist eine Sache, die du nur für deinen Körper tust, was dir selbst gut tut. Schön wäre halt, wenn du noch zu etwas kämst, dass dir nicht nur die Ressourcen gibt, den Tag zu überleben (was aktuell der Schlaf erledigt und das Essen, das du zu dir nimmst), sondern etwas, dass dir wenigstens für 30 Minuten oder so wirklich etwas Schwung gibt. Vielleicht hält das Gefühl zu Beginn nicht länger an, vielleicht merkst du schon eine Stunde danach nichts mehr davon - aber es wäre ausbaufähig! Das Verhältnis zu deinem Mann scheint prinzipiell auch nicht schlecht zu sein (?). Das würde ich auch als Stütze nutzen. Vielleicht schafft ihr es, euch einmal am Tag, wenn euch danach ist, zu sagen, was euch am anderen gefällt. Vielleicht nur mal "Danke, dass du wieder abgewaschen hast" oder so. Einfach etwas, dass euch zeigt, dass ihr euch wertschätzt und dass ihr bemerkt, dass der andere sich im Rahmen seiner Möglichkeiten Mühe gibt. Das mit dem Aufräumen würde ich nicht sofort in Angriff nehmen, sondern zunächst nur versuchen, das Niveau zu halten. Wenn du dir jeden Tag sagst, dass es schrecklich aussieht, saugst du dir das letzte bisschen Energie aus. Ich würde, wenn schon, mal dort etwas mehr machen, wo es dir wirklich jeden einzelnen Tag richtig negativ ins Auge fällt - zum Beispiel beim Esstisch. Aber so lange du nicht die Kraft hast, einen Großputz zu machen, nutzt es nicht, dir den ganzen Tag Vorhaltungen zu machen. Versuch einfach damit zufrieden zu sein, dass es so bleibt, wie es jetzt ist und wenn (aber nur wenn!) du merkst, dass du gerade etwas mehr Energie hast, dann kannst du dir überlegen, welche Ecke du am liebsten sauber hast und die mal etwas entrümpeln. Vielleicht ist es auch gar nicht so wichtig, dass du dauernd aufräumst, sondern es krankt mehr an eurem Ordnungssystem? Vielleicht fehlt euch ein fester Platz für bestimmte Dinge und wenn ihr strenger mit euch seid, wenn es darum geht, Sachen wegzuräumen, minimiert sich die Aufräumarbeit? Also ähm, sehr lange Rede, kurzer Sinn: denk dir was aus, was Kleines, aber Feines, dass dir Freude bereitet, dass dir wenigstens eine paar Minuten jedes Tages versüßt und bau erst einmal deine Energie auf. Daaaaann kannst du dir überlegen, wie du anderen helfen kannst. |
| nurich | Nochmals Danke Solipsismus. Auch wenn es seltsam klingt, Dein voriger Beitrag hat mir die Kraft gegeben, das Wohnzimmer zu saugen. (Ja um diese Uhrzeit.) Und sogar ein paar Flecken auf dem Teppich zu behandeln. Ich hab nämlich festgestellt, dass ich etwas für mich tun muss, also was mir gut tut, um Kraft für den Alltag zu haben. Das heißt ich "muss" mir Auszeiten gönnen, damit ich mehr schaffen kann. Klingt wiedersprüchlich, aber ich denke du weißt was ich meine. Diese Feststellung hat mir schon mal Kraft gegeben. Deinen Absatz mit "Niveau halten" und "mir selber Vorhaltungen" machen, soweit bin ich schon seit längerem. Das mit den "keine Vorhaltungen machen" klappt allerdings nicht immer. Ja, das Verhältnis mit meinem Mann ist soweit in Ordnung. Klar gibt es mal Streit und wir sind nicht mehr so verliebt wie am ersten Tag, aber wir halten zusammen. Die Idee mit dem Nachbarschaftskind gefällt mir. Wird zwar so nicht direkt umsetzbar sein, aber ein paar Meter von meinen Eltern entfernt ist ein kleinerer Supermarkt. Vielleicht hat der ein "schwarzes Brett" wo man nach Haushaltshilfen (oder so was in der Art) suchen kann. (Es ging übrigens nur um das große Fenster im Wohnzimmer. Meine Mama bekommt permanent Schwindelanfälle und kann daher das riesen Fenster nicht putzen ohne hinzufallen. Die kleineren Fenster bekommt sie hin, keine Ahnung wie sie das macht.) Vielen lieben Dank. Ich hüpf jetzt fix unter die Dusche und anschließend ins Bett. (Muss morgen wieder früh raus.) Gute Nacht. P.S. Hab die "Verschiebung" des Threads beantragt. |
| solipsismus | Super. Dann viel Glück bei der Entwicklung eines kleinen Rituals, das hoffentlich nach und nach deinen ganzen Tag verbessern wird. Gruß Sol |
| Julya | Ich wollte Euch nur sagen, daß ich Euren Austausch total schön finde. :) Manchmal braucht man nur einen kleinen Schubs von außen... oder eine andere Sichtweise... |
| nurich | Ja, Julya, genauso ist es. Manchmal ist man einfach "blind" für das Offensichtliche. Meine Probleme sind noch nicht gelöst, aber ich bin nicht mehr so verzweifelt und fühle mich auch nicht mehr so hilflos. Ich denke, ich bekomme es hin. |
| ArrogantNick | Hallo nurich,- das Wesentlichste hat soli ja schon sehr schön in Worte gefasst. Daher möchte ich nur noch einige Gedanken einstreuen, die mir beim Mitlesen so gekommen sind. Meiner Erfahrung nach, neigen viele Menschen dazu, sich mehr verrückt zu machen, als es nötig wäre. In der Werbung sieht man immer blitzblank aufgeräumte Wohnungen, das Netz ist voll von webLogs, in denen Menschen, vorzugsweise Frauen, ihr porentief sauberes Zuhause in Hochauflösung posten, mit den dazugehörigen Dekos, Gebäcken, Heimwerkerarbeiten etc. ... auch wenn man Leute besuchen geht, wirkt es dort oft wie geleckt. Es gab Zeiten, da hat mich das wahnsinnig gemacht und zwar bis in den Putzzwang hinein und ich mich dabei erwischte, dass ich mit der Zahnbürste die Fugen schrubbte, während ich mir des Metallgeschmacks in meinem Mund gewahr wurde, von meinen blutig gebissenen Lippen. Da wusste ich, dass ich, zu meinen anderen Problemen die ich damals hatte, mir ein neues erschaffen hatte. Eigentlich hatte ich es nicht erschaffen, denn es war schon immer da gewesen, doch nun suchte es sich (s)einen Weg. Der Name dieses Problems ist Perfektionismus. Und nachdem ich mich über Jahre mit dem ollen Perfektionismus-Schweinehund gebalgt hatte, habe ich einiges über ihn gelernt. Man kann ihn nutzen, indem man ihn umleitet vom destruktiven Zwang- und Pflichtgefühl, resultierend aus der irrtümlichen Annahme des eigenen Minderwertes (Komplexen), hin zu einer Fähigkeit des Akribischen. Nämlich des akribischen für sich Sorgens und Hinterfragens der eigenen Komplexe. .... Ich kenne das mit den Fingernägeln nur zu gut. Wenn Du schreibst, dass der Nagellack Stunden brauchte zum Trocknen, so muss ich lächeln, denn das sagt mir, dass Du vermutlich, genau wie ich, ihn damals in mehreren Schichten aufgetragen hast, denn er sollte gleichmäßig sein. Kein Fitzelchen Nagelhaut darf stehenbleiben, keine Macke das Kunstwerk zerstören, das ich persönlich, die ich diese Art 'Körpermeditation' regelmäßig betreibe, sogar noch mit mehrfarbigen Schmucklackierungen, Stickern und Steinchen versehe. Es ist wie das Abtauchen in eine andere Welt. Eine, ohne Gedanken oder Zeit. Eine kleine Welt des 'zu sich Kommens, über die Beschäftigung mit etwas, in dem sich der eigene Perfektionismus perfekt entfalten kann. Nein - es ist nicht verwunderlich, es ist logisch.... Hast Du Dich einmal gefragt, warum Du Dich so sehr 'aufraffen' musst für Dinge? Warum es in Dir eine Instanz zu geben scheint, die gegen Dich zu arbeiten scheint, sobald Du Dich zu etwas zwingen willst, wie Putzen z. B., von dem Du doch weißt, dass wenn Du es tun würdest, es Dir anschließend besser ginge und Du Dich zufriedener fühlen würdest? Dieses Etwas in Dir, das Dich nahezu zu lähmen scheint und alles zu einem unfassbaren Kraftakt werden lässt? Du sagst, dass Du es nicht verstehst, dass Deine Mutter trotz ihrer Langsamkeit und des Alters noch alles soweit schafft. Du fragst Dich, wieso andere Menschen fast mühelos, das zu schaffen scheinen, was für Dich so etwas wie der Mount Everest geworden ist, den Du meinst, niemals bezwingen zu können. Die Antwort (und die Hinterfragung) besteht aus drei Teilen: I. Die Anderen schaffen es nicht mühelos, nur siehst Du diese Mühe nicht, da Du selbst viel zu sehr mit Deinen eigenen Problemen beschäftigt bist und darüber hinaus, Du ja nicht 24/7 bei diesen Leuten bist und siehst, wie sie möglicherweise (ziemlich sicher) sich ebenfalls oft zwingen müssen. Weißt Du, wie es bei anderen Leuten im Schlafzimmer aussieht? In den Schränken? Unter dem Sofa? Nur weil Chaos nicht sichtbar ist, bedeutet das nicht, dass es nicht vorhanden wäre. Dass es bei Dir offensichtlich ist, liegt vermutlich an Teil >> II. Dieses lähmende Etwas in Dir, ist die Logik, die Deinem Perfektionismus innewohnt und die sagt, dass Du erst gar nicht beginnen solltest, wenn Du es doch sowieso niemals perfekt (und in einem Rutsch) hinbekommst. Es ist die Instanz, die absolut logisch und rational handelt und das tun will, was so dringend nötig ist, nämlich Deine eh schon knappen Kraftreserven vernünftig einteilen. Folglich wird sie alles daran setzen, Dich NICHT zu Aktionen zu zwingen, die in dieser Form nicht zu bewältigen sind. Du ringst permanent mit Dir selbst und kanst niemals gewinnen, selbst wenn Du die letzten Kräfte mobilisieren solltest, bist Du nie stärker als Du selbst. Ein Teufelskreis. Eine Erkenntnis muss sich endgültig durchsetzen in Dir, um diesen Bann zu brechen: [b]Es ist NICHT möglich, alles perfekt zu machen. Und das ist auch gar nicht nötig, denn Du bist gut, richtig und liebenswert, auch wenn Du nicht perfekt bist. Perfekt zu sein, bedeutet unmenschlich zu sein.'[/b] III. Bist Du sicher, dass das überhaupt wichtig ist? Also die saubere Wohnung, die perfekte, treusorgende Tochter und die ewig adrette, nebenher noch Vollzeit arbeitende Ehefrau? Ist DAS das Leben das DU willst? Oder täten es auch Kompromisse? ....Frage Dich das. Denke akribisch und perfekt darüber nach.... Koche Dir eine große Tasse Tee, setze Dich in eine Ecke, nimm diese Fragen vor Dich hin, am Besten auf ein Blatt Papier geschrieben, hör in Dich hinein und dann schreib es auf. Lies es, lies es nochmal und nochmal - und dann schau einmal, ob Du nicht auf einmal Lust (und Kraft) verspürst, den Staubsauger zu nehmen. Spüre Dir nach und immer wenn dieses lähmende Etwas in Dir sich meldet, dann höre auf es. Setz Dich hin und frage Dich: Was brauche ich jetzt? Was könnte ich jetzt tun? Was muss ich tun und was will ich statt dessen tun? Und wie sähe die absolut minimalistische Variante davon aus - die 'nicht perfekte', so dass ich beides tun könnte? Führe Dir diese 'nicht perfekte Variante' nach Möglichkeit so plastisch vor Augen wie Du es schaffst und schau was passiert, wenn Du Dir schließlich selbst sagtst: Okay - DAS mache ich jetzt, aber NICHT mehr. Schau, ob die Lähmung dann anhält oder ob es auf einmal leichter wird. Und wenn Du magst, dann melde mir das mal zurück - es würde mich interessieren. .... So - es gibt noch einige konkrete Tipps, die ich hätte, aber dieses Post ist eh schon endlos, also verschiebe ich das auf einen späteren Zeitpunkt und verbleibe vorerst mit lieben Grüßen. Mischa |
| solipsismus | Danke für die interessante Gedanken AN, sage ich auch mal ;) |
| JohnSteed | Man muss nicht alles hinterfragen, zwangsläufig auch sich selbst nicht (immer). Rituale aller Art haben ihren Sinn. Natürlich ist es schön,wenn man das eine oder andere Ritual irgendwann nicht mehr braucht, aber es gibt Krisenfälle im Leben,die erfordern Ausnahmen. Demzufolge hat alles einen gewissen Sinn. Somit würde ich nicht alles durch die Knochenmühle der Selbsthinterfragung jagen. Selten hat man Gelegenheit seine Idealvorstellungen eben unter idealen Bedingungen anzuwenden. Insofern muss man nicht wertvolle Energie dadurch "verschwenden" dass man sich selbst so hinterfragt, dass daraus ein veritabler Selbstvorwurf wird. Das Leben ist, wie es ist. Es erfordert manchmal Kampf,manchmal Diplomatie. Es ist keine gute Idee immer sich selbst für die Quelle allen Versagens zu halten, denn das ist einfach nicht so! |
| nurich | hui... ArrogantNick... ich antworte jetzt erst mal nicht darauf... jedenfalls nicht ausführlich. Ich lasse mir das erst mal durch den Kopf gehen. Das mit dem Perfektionismus in meinem Haushalt habe ich schon lange ad acta gelegt. Aber trotzdem passt von dem was du schriebst einiges. Ja, meine Nägel bekamen mehrere Schichten. Manchmal hab ich nach 'ner Stunde wieder von vorn angefangen, weil ich 'ne kleine Macke irgendwo in den Lack kam (ich hatte etwas zu unvorsichtig angefasst als der Lack noch nicht richtig trocken war). |
| Ronin76 | Hallo, ich habe auch alles gelesen, im Prinzip hat Solipsismus schon das Wichtigste gesagt. [QUOTE]Ich brauche mindestens 8 Stunden schlaf, wenn ich die nicht bekomme, bin ich am nächsten Tag so richtig fertig und könnte schon wenn ich von der Arbeit komme sofort ins Bett gehen. Ich verstehe das nicht. Andere kommen mit 4 oder 5 Stunden aus. Warum brauche ich so viel? Ich gehe morgens um 5.40 Uhr aus dem Haus und komme abends um 18.10 wieder heim, das sind über 12 Stunden. Wenn 12 + 8 rechne, kommen da 4 stunden Freizeit raus, in denen ich aber auch noch essen + zähneputzen + einkaufen etc. muss. Arbeite ich nur um zu schlafen?[/QUOTE] 8 Stunden Schlaf ist Durchschnitt. Viele Menschen sind heute extrem schlafgestört, daher können sie nur 4 oder 5 Stunden schlafen. Die Folgen von Streß, Angst und Elektrosmog. Du arbeitest nicht um zu schlafen, sondern du schläfst um zu arbeiten. Reduziere falls nötig deine Ausgaben und arbeite weniger. Weniger zu arbeiten ist fast immer auch effizienter, da Steuerabzüge progressiv gestaffelt sind. Das beseitigt aber noch nicht das Problem, daß du eine abhängige Lohnsklavin bist, die für den Reichtum von Kapitalisten und Staatsbonzen arbeitet. Durch Konsumverzicht und Gebrauchtgüter nimmst du Ihnen ein großes Stück Macht. [QUOTE] Mama soll demnächst ins Krankenhaus. Für die Zeit erwartet mein Vater dass ich mir Urlaub nehme! Hallo?? Was ist mit mir? Bin ich jetzt die undankbare Tochter? [/QUOTE] Du solltest dir da keine Schuldgefühle einreden und einreden lassen. Du bist nichts und niemandem verpflichtet außer dir selbst. Wenn dein Mann nichts im Haushalt macht, solltest du auch nicht für ihn kochen und waschen, oder bist du seine Magd ? Was du machen kannst: - Kontaktiere einen Sozialdienst und schildere deine Situation - Deine Eltern du selbst benötigen eine Haushaltshilfe - Für Pflegestufe 1 könnte ein Pflegedienst beauftragt werden - Einen Psychologen konsultieren, der zB abklärt ob du Burn-Out-Syndrom hast und spielsüchtig bist (durch das Spielen geht sehr viel Zeit drauf, die dir offensichtlich im Haushalt fehlt) Wer kocht, spült übrigens auch selbst sein Kochgeschirr. Spätestens nach dem Essen. Eine Spüluhr wäre evtl auch ratsam, hat sich in vielen WGs bewährt. Das lässt sich bei 2 Personne zB mit einem Magnet- oder Korkbrett umsetzen, das an der Wand befestigt wird. Die markierte Person muß spülen. Wann sie das macht ist egal, doch je länger sie wartet, desto größer wird der Geschirrberg. Wenn sie ALLES gespült hat, setzt sie den Marker auf die nächste Person. So ist Jeder Beteiligte darauf bedacht, nicht zu lange mit dem Abwasch zu warten und die Küche bleibt sauber. Lässt sich auch auf andere Bereiche und ganze Zimmer anwenden. |
| nurich | hab meine Krise überwunden. Die (Haus-)arbeit ist zwar nicht weniger geworden, aber ich habe mich mir ihr arrangiert ^^ Herzlichen Dank @all Eure Lösungsvorschläge habe ich zum Teil umgesetzt. Mir geht es wieder so wie vorher. Ich bin nicht über'n Berg, aber auf dem richtigen Weg. @ronin Die Idee mit dieser Uhr ist witzig, aber leider für mich nicht umsetztbar. Mein Mann und ich haben eine andere ARbeits-Aufteilung. Er kocht, ich spüle. Ich habe mir angewöhnt einmal am Tag zu spülen, dann ist der Berg nicht so hoch. Manchmal klappt das nicht ganz, aber dann spüle ich am zweiten Tag. Das geht auch noch. Aber wenn sich der ganze Mist von einer Woche ansammelt, wirds heftig. Wir sind 2 unterschiedliche Typen. Kennst Du bestimmt auch. Ich habe die Angewohnheit, wenn ich in die Küche gehe, schon mal irgendwas mitzunehmen, was dorthin gehört. Mein Mann lässt alles stehen und liegen, wo es eben gerade ist. Obwohl er also die Hände frei hat und er sich z. B. ins Schlafzimmer begibt, nimmt er auf dem Weg nichts mit, was dorthin gehört. Das werde ich ihm nie abgewöhnen. So ist er eben. *seufz* Auch die Idee einfach alles so lange liegen zu lassen, bis es den anderen stört, funktioniert nicht. Mein Mann wirft z. B. das Altpapier einfach auf den Boden (in der Küche). In der Küche haben wir eine Altpapiersammelstelle. Er hat irgendwann beschlossen, dass ich für das Altpapier zuständig bin. (Da gibts 'ne Vorgeschichte zu, mag ich jetzt aber nicht erzählen.) Ich bin der Meinung, dass er das Papier wenigestens in den Behälter legen kann. Er nimmt lieber den Fussboden. *grummel* Ich hab den Scheiß mal 3 Wochen liegen lassen. Folgedessen auch nicht gesaugt. (Wie soll ich bitte um den Krempel drumrum saugen??) Nach 3 Wochen war ich es leid über das Papier zu laufen und habs weggeräumt. Er hat nicht mal was dazu gesagt/gefragt. |
| Odessa | Ronin: ---------- 8 Stunden Schlaf ist Durchschnitt. Viele Menschen sind heute extrem schlafgestört, daher können sie nur 4 oder 5 Stunden schlafen. ---------- Ronin, rein biologisch/medizinisch (meine Arbeit in der PSY umfasste u. a. ja auch die Mitarbeit im Schlaflabor) ist alles absolut normal, was zwischen 4,5 und max. 8,5 Stunden Schlaf liegt. Der eine ist Langschläfer, das sind die Leute die 8 Stunden brauchen so wie nurich, der nächste ist Kurzschläfer, das sind die Leute (wie ich), die Zeit ihres Lebens mit nur 4 bis 5 Stunden Schlaf auskommen, auch schon als Kind nie mehr brauchten... solange man sich fit und wohl dabei fühlt, vor allem auch erholt aufwacht, ist beides normal und lediglich eine Sache des eigenen Biorhythmus. Wichtiger ist die Tiefe und Ungestörtheit des Schlafes. Viele Menschen schlafen zwar stundenmässig gesehen ausreichend für ihren Rhythmus, aber wachen wegen unterschwelligen Lärms oder sonstiger Störfaktoren immer wieder auf für Sekunden, auch ohne das bewußt wahrzunehmen. Das geht unglaublich an die Substanz von Herz, Blutdruck und auch psychisch (besagte Lustlosigkeit und Dauerschlappheit tagsüber). Das jedoch, so verstehe ich Dich, nurich, ist bei Dir NICHT der Fall, Du schläfst Deine 8 Stunden und die ungestört? Zu allem Anderen haben solipsismus, AN und Ronin schon geschrieben und diesen klugen Worten kann ich mich nur anschließen. |
| nurich | Unter Schlafproblemen leide ich nicht, mal davon abgesehen, dass mein Schlaf des öfteren zu kurz ist. Ich schlafe tief und fest, neben mir kann eine Bombe einschlagen, das bekomme ich nicht mit. Ausser meine Katze, die weckt mich morgens zwischen 4.30 und 5.00 Uhr (sie hat da so eine spezielle Technik ^^), die fütter ich und geh sofort wieder ins Bett und schlafe auch sofort wieder ein. Das macht sie am Wochenende, in der Woche steh ich sowieso um 4.45 Uhr auf (leider). Damit hab ich auch kein Problem. |
| Odessa | Oh ja, die Katzen und ihr Morgenrhythmus - zuverlässiger als jeder Wecker. Daß Dein Schlaf tief und fest ist, ist gut zu lesen, daran haperts also nicht :-). |
| nurich | stimmt... bei dem süssen Vieh verschlaf ich sogar nicht, wenn wir den Wecker vergessen an zu machen *grummel* ^^ |