| Pyracanth | Wer bin ich? Ich bin ein Mensch, der schwarze Kleidung trägt. Ich habe Piercings im Gesicht und sehe anders aus als "normale" Menschen. Bin ich anders? Anders als wer? Wer ist normal? Mein Leben bewegt sich um meine Gedanken; jeden Tag wache ich mit einem leeren Kopf auf, um mit einem gedankengefüllten Kopf einzuschlafen. Manchmal schlafe ich vor meinem Computer, der Mittelpunkt meiner Wohnung. Meine Wohnung ist dunkelgrün. Ich habe keinen Park in der Nähe, oder irgendwelche Grünlandschaften. Also habe ich die Natur zu mir geholt. Ich habe einige meterlange Wurzeln über Jahre gesammelt. Da mein kleines Reich stets abgedunkelt ist, habe ich sie mit Kunstefeu behangen. Durch die Entwöhnung vom Tageslicht kann ich kaum erkennen wo ich entlang laufe. Ich habe Angst, hinzufallen, weil ich kaputte Füße und Beine habe. Ich muss ständig versuchen, so zu laufen, dass es niemandem auffällt, aber das klappt nicht. Ich muss mich dabei sehr konzentrieren, die ganze Zeit bei jedem meiner Schritte. Also nennt man mich Krüppel. Ich laufe andauernd auf einem dünnen Faden, von dem ich nicht runterfallen darf, ich spiele meine Rolle, in der sich die Welt immer ein wenig irreal anfühlt. Die Nacht entzerrt dieses Gefühl wieder. Der Morgen bringt es mir wieder zurück und ein leerer Kopf wacht auf mit einem leeren Menschen daran. Der Weg zur Schule ist schlimm, in den Straßenbahnen, der endlos scheinenden langsamen Fahrt. Ich höre Musik, um die Menschen nicht hören zu müssen. Wenn ich die Augen zumache, höre und sehe ich die Menschen nicht mehr. Aber ich spüre, wie sie die Person mustern, die mit geschlossenen Augen Musik hört um sie auszublenden. In der Schule sitze ich in einer Ecke. Die Lehrer fragen mich, ob ich mich dort verstecke. Doch dort male und schreibe ich in mein kleines schwarzes Buch hinein. Ich hab mir eine komplexere Geheimschrift mit einigen Kniffen ausgedacht. So kann man nicht lesen, was ich schreibe, falls mir mein Buch mal jemand weg nehmen sollte. Selbst wenn er sich bemühte, die Schrift zu knacken, würde das einige Zeit brauchen und er würde es wohl aufgeben. Ich kann alles hineinschreiben, was ich will. Niemand weiß es, ich bin allein. Und doch nicht einsam. Schüler sprechen mit mir oder auch nicht. Was sie sagen, das höre ich nicht. Es interessiert mich so wenig, dass ich schon an mir zweifle... Dann komme ich in ein Forum, um festzustellen, dass es nicht an mir liegt, dass mich niemand interessiert. Denn dieses Forum verdeutlicht mir, dass es sehr wohl einige Gespräche über Themen gibt, die mein Interesse wecken. Themen mit vielschichtigen und durchdachten Meinungen. Sonst gibt es das selten. Interessante Menschen gehen in Schulen, um wortlos zu sagen, wie sie sich fühlen. Nur um anschließend für immer zu gehen. Dieser Schmerz, der in einem wohnt, will nach außen getragen werden und soll von denen mitgetragen werden, unter denen man auf Unverständnis stieß. Interessante Menschen besitzen ein Maß an Selbstkenntnis, das ihnen erlaubt, ungetrübter und freier zu denken. Sie können individuelle Prinzipien und Moralvorstellungen entwickeln und lassen sich ungern mit vorgefertigten Werten füttern. Das erweckt meine Sehnsucht und einzig in solchen Momenten bin ich wirklich wach. Dann weiß ich wieder, wer ich bin. |
| Odessa | Füge dem dunkelgrün etwas Sonnengelb dazu. Pflanzen brauchen das, aber Menschen vor allem auch. Und auch Kunstefau kann wachsen und wuchern, wenn die Fantasie zum strahlenden Stern wird der die Nacht durchbricht. Lass den Computer nicht zum Lebensersatz werden, lass den Computer nur Hilfsmittel zur Kontaktaufnahme sein, er ist nur ein farbloses Medium in einer farbigen Welt. Er kann Dir kein Leben geben, nur die Illusion davon. Tanze auf dem dünnen Faden in einen Wald hinein und sieh das Blau eines Baches. Laß die Einsamkeit nicht zur Schwärze werden, sondern liebe die Menschen. Sie sind es fast alle wert, wenn man intelligent genug ist (und dafür halte ich Dich), Schwächen und Fehler nicht als Makel, sondern als Bereicherung an der man wachsen kann zu erkennen. Meine Wohnung ist dunkelblau mit viel dunkelgrün, dunkelrot, mit etwas warmem Rot des Orients und mit der zärtlichen Erdfarbe der Toskana. Geheimschriften sind in Tinte, versiegelt, und die Zahlen geben dem Kopf ein Netz als Haltevorrichtung. Spider. Interessante Menschen haben Sehnsucht nach anderen interessanten Menschen. Welche Farbe hat Interesse, wieviel Hoffnungs-grün die Neugier? Lieben Gruß und ein rot-herzliches Willkommen hier... |
| Carcas999 | Interessiert bist du... und wach musst du sein um dieses zu zeigen und Interesse bezwingt auch die Einsamkeit. Odessa hat recht mit dem was sie sagt über das Sonnengelb. Auch ich bin oft ein Nachtmensch, lebe mehr mit dem Kerzenschein als im grellen Licht. Aber genauso oft bin ich draußen und genieße die Sonne, die Luft. Auch die Natur ist doch so viel bunter bei Tag. Und jede noch so graue Stadt hat irgendwo ihre Grünflächen, Gärten und Wälder am Stadtrand. Du musst nicht mitten im Wald leben um naturverbunden zu sein. Vielleicht hilft es dir, wenn ein paar echte Pflanzen deine Wohnung schmücken würden, statt des Kunstefeus. Sie bringen ein wenig Farbe und Natur zu dir. Und sie helfen dir dich wieder an das Tageslicht zu gewöhnen. Herzlich Willkommen hier Pyracanth! |
| Pyracanth | Hallo. Ich höre Ratschläge wie diese nicht zum ersten Mal. "Tu dieses, lass jenes bleiben." Und doch behalte ich immer bei, was sich bewährt und schaffe nur ab, was mich bremst. Ich bin kein kompromissloser Mensch, was man an meiner Kleidung erkennt: Mittelding zwischen dem, was ich gern anziehen würde und jenem, was andere in Ordnung finden. Dieses Gefühl, in das Menschenbild anderer passen zu müssen und mich ihren Lebensweisen und - einstellungen anzunähern, lege ich beim Betreten meiner Wohnung ab. Das hat zur Folge, dass diese Wohnung unberührt von Erwartungen anderer ist sondern einzig mich widerspiegelt. Ich behalte mein düsteres Reich; ich weiß dass es anders sein könnte doch es würde nicht dem entsprechen, was ich will. Meine Wohnung hat genug Platz, für 26 lebende Pflanzen, da nicht jeder Raum dunkel ist. Nur der, in dem ich permanent bin. Carcas999 und Odessa sprechen von Einsamkeit; ich weiß nicht, ob sich das konkret auf mich bezog aber da es mir im Kontext so schien, verweise ich auf meinen ersten Beitrag. Denn einsam bin ich nicht. Mit den Worten "einsam" und "allein" ist es relativ ähnlich wie mit "Außenseiter" und "Einzelgänger". Das erste ist ein unfreiwilliger Zustand, das zweite eine Entscheidung. Dass ich dennoch Bedarf an Gesprächen habe, ist klar, sonst wäre ich nicht hier. Mein Computer ist für mich, was für euch Bücher, Fernseher, Notizzettel, Taschenrechner, Spielbrett, Stereo-Anlage, Lexikon ... sind. Er ist kein Mittel, um stundenlang jenes eine übermäßig wichtige Spiel zu spielen, pausenlos zu chatten oder sonst eine bestimmte Sache viele Stunden am Tag zu tun, was einer Sucht entsprechen würde. Zuletzt, dass mein Post traurig klingt wollte ich nicht. Ich nehme an, dass mein Leben, was Traurigkeit angeht, etwas über dem Durchschnitt liegt. Wobei traurig nicht ganz das richtige Wort ist. Vielleicht schwermütig und kräftezehrend. Aber es ging mir schon schlechter, ich habe mich mit mir eher abgefunden und innerhalb der Gefühlsspanne meiner kleinen und doch riesigen Welt finde auch ich Momente des Glücks. Diese Dinge sind vielleicht nicht für jeden nachvollziehbar, weil der ein oder andere so nicht leben wollen würde. Das akzeptiere ich, halte es aber für vorschnell, davon auszugehen, dass ich es ebenfalls nicht möchte. Ich will niemandem mit meiner Antwort zunahetreten weil es erfreulich ist, dass ihr euch extra Zeit genommen habt um mir zu antworten. [url]http://www.bilder-space.de/show.php?file=X8LF3cMvmGzb9tR.jpg[/url] |
| x-xcva | Hallo Pyracanth,- sei mir nicht böse, aber Dein Einstiegsbeitrag, liest sich für mich persönlich, wie eine Aneinanderreihung so ziemlich aller satirisch verwertbaren Klischees, die ich über diese sogenannte 'schwarze Szene' kenne. Ich weiß nicht was ich davon halten soll, ehrlich gesagt ('s liest sich etwas wie 'Claudi 666') ....und habe es auch nur gelesen, sprich meine Nase in dieses Unterforum gesteckt, da Odessas Name auf der Übersicht erschien. Aber wie auch immer, Du scheinst sehr gut hierher zu passen, so oder so. Nun denn, viel Spaß.... öhm.... ja, doch ~>Spaß. ;) Grüßlies Mischa |
| Pyracanth | Man könnte den Text schon als eine Art Prosa verstehen, teils jedenfalls. Wenn Du mit Klischee meinst, dass dies ein gängiges "Gedankenmuster" unter Leuten der schwarzen Szene ist (wenn man mal vorraussetzt, dass sich das aus so wenigen Zeilen erschließen ließe), dann fühle ich mich hier in der Tat gut aufgehoben. Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass ich ein sehr bestimmtes Thema angesprochen habe im Text, welches bestimmt von manchen entdeckt wurde und von anderen nicht. Wie der Text wirkt, wenn man nicht darauf gestoßen ist, kann ich schlecht sagen. @Odessa: Ja das klingt nach mir. |
| Pyracanth | Darf man fragen von woher wir uns kennen? |
| Carcas999 | Ich wollte deinen Lebensstil nicht kritisieren, auf keinen Fall, wenn es dannach klang entschuldige ich mich. Nur nach Prosa klang mir das überhaupt nicht ;) Bei den meisten Menschen ist es nur so, dass das Alleinsein nicht selbstgewählt ist, sondern sie sich nur daran gewöhnt haben und auf ihre Art und Weise damit glücklich geworden sind. Sie haben vielleicht "vergessen" wie es ist, echte Freunde zu haben oder hatten solche nie. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass man richtig glücklich und zufrieden ist ohne andere Menschen um sich herum, aber vielleicht übersteigt das auch nur meine Vorstellungskraft... Sieht übrigens sehr gemütlich aus, dein Waldzimmer! |
| Pyracanth | Ich weiß nicht, wie es sich für andere Menschen anfühlt. Als ich jung war, schloss ich einige Freundschaften, da meine Familie mich ermahnte, ich solle mir welche zulegen und öfter etwas unternehmen, also tat ich das. Und ich hatte gute Freunde und schlechte Freunde. Anfangs genoss ich es, aber ich veränderte mich mehr und mehr. Dann kam der Zeitpunkt, an dem ich mir erlaubte, zu tun, was ich will und nicht was von mir erwartet wird, also hab ich die Kontakte beendet. Damals fiel mir ein Stein vom Herz. Ich verschließe mich nicht davor, Menschen in mein Leben zu lassen. Ich behalte mir dennoch vor, alle Menschen von mir fern zu halten, die mich nicht interessieren. Das ich "richtig glücklich und zufrieden" bin kann ich nicht grade behaupten, was allerdings wenig mit dem Thena "Freunde" zu tun hat. |
| x-xcva | [QUOTE][i]Original geschrieben von Pyracanth: [/i] Dann kam der Zeitpunkt, an dem ich mir erlaubte, zu tun, was ich will und nicht was von mir erwartet wird, also hab ich die Kontakte beendet. Damals fiel mir ein Stein vom Herz. Ich verschließe mich nicht davor, Menschen in mein Leben zu lassen. Ich behalte mir dennoch vor, alle Menschen von mir fern zu halten, die mich nicht interessieren. [....][/QUOTE] Hm, klingt für mich völlig nachvollziehbar und normal, das mache ich auch so .... und, na ja, auch alle Menschen mit denen ich näheren Kontakt habe, kommen zumindest ausnahmslos früher oder später dahinter, dass das die einzige Art ist, sich sinnvoll zu verhalten was Kontakte angeht. Sich mit Menschen zu befassen die einem gleichgültig sind, ist nichts als pure Energieverschwendung oder eben Erwerbstätigkeit. ;) Grüßlie Mischa |
| Pyracanth | Und eben weil so normal, lasse ich mir da kaum reinreden. Meine Grenze beim Thema interessante Leute liegt nur ein wenig weiter rechts. |