| Geisel der Zeit | AAhh... So müde und doch, welch mühn ich unternommen und Anstrengungen, ich erdulden mußte. Welch blöße ich mir gebe mich zuoffenbaren. Obwohl ich es eigentlich lieber vorziehe, es meinem Wesen vielmehr entspricht im verborgenen zubleiben. Habe ich diesen Schritt getan und es dennoch gewagt mich dem ungewissen preiszugeben. In meinem Bestreben nicht gänzlich zuverstummen und in der Hoffnung meine Wortgewandheit ausbauen zukönnen. Ich bin schon an einem Punkt angelangt, wo es mir Mühe bereitet meine Gedanken überhaupt Ausdruck zuverleihen. Es waren einfach zuviele Jahre des rückzuges, des alleinseins. Aus der Verzweiflung heraus, den Vorstellungen und Erwartungen meiner Schöpfer nicht gerecht werden zukönnen. Weil es mir großen Gram bereitet hat, mich diesem unwürdigen Leben zustellen und ich schon seid längerem, ich weis nicht mehr wodurch all meine Munderkeit eingebüßt und meine gewohnten Übungen aufgegeben habe. Und es steht in der Tat so übel um meine Gemühtslage, das die Erde dieser treffliche Bau, mir nur ein kahles Vorgebirge scheint. Seht Ihr, dieser herrliche Baldachin, die Luft, dies wackre umwölbende Firmament, dies majestätisch Dach mit goldenem Feuer ausgelegt, kommt es mir doch nicht anders vor, als ein fauler verpesteter Haufe von dünsten. Hmm.. So schäuslich, schal und flach und unersprieslich scheint mir das ganze Treiben dieser Welt. Ein Garten voller Unkraut, der weiter samend treib, das wuchernde und Grobe erfüllt in aller Örten. (Shakespeare) Ich vermag es kaum, meine Abscheu für dieses Leben, mit Worten Ausdruck zuverleihen! Schon allein die Hülle in der ich mich befinde, ertrage ich kaum mehr. Ich will nicht die Schwäche, ich will nicht die Beschränkungen, ich will die wiederlichen Bedürfnisse und endlose Verwundbarkeit nicht. Ich will den alles durchtränkenden Schweiß nicht. Ich will nicht den Lärm, nicht den Gestank und auch nicht den Anblick dieser Zivilisation. Ich will nicht die Alltäglichkeiten, nicht die Häßlichkeit, nicht die Isolation und auch nicht die beständige Erschöpfung. Ich will... ich will... Dieses Leben nicht! Ahh... Sterben, Schlafen, nichts weiter und zuwissen das ein Schlaf das Herzweh und die tausend Stöße endet, die unsres Fleisches Erbteil. Es ist ein Ziel aufs innigste zuwünschen. Sterben, Schlafen. vielleicht auch Träumen? Ahh... es ist der Harken was in dem Todesschlaf für Träume kommen würden, wenn wir dem Drang des irdischen abgeschüttelt, das zwingt uns stillzustehn! Hmm! Dieser Gedanke gibt allem Elend so ein langes Leben. Denn wer ertrüge den Spott und die Geisel der Zeiten und des stolzen Mannes Hochmut, wenn Übermut den Ämtern des rechtes Aufschub, die Pein verschmähter Liebe! Wenn er sich selbst in Ruhestand setzen könnte mit einem blosen Dolch, er trüge diese Lasten und stöhnt und schwitzt unter Lebensmüt. Wer's nicht die Furcht vor etwas nach dem Tod! Das unentdeckte Land von des Bezirk kein andrer wiederkehrt, den Willen schwächt, das wir die Üblel die wir haben, lieber ertragen als zu unbekannten fliehn. So macht bedenken feige aus uns allen! (Shakespeare) Doch ich werde mir noch ein wenig Aufschub gewähren, um dann dem Vergessen entgültig entgegen zutreten. Es existiert nämlich noch ein Trauer beladenens Wesen, welches erst vor kurzem in mein unwirkliches Leben geraten ist. Wo sich die Anfänge einer zunehmenden Abneignung gegenüber diesem Leben und der Gesellschaft bemerkbar machen. Eine noch so junge Blume, deren Knospen noch erst in der Blühte stehn, welches schon jetzt an einem Wendepunkt, einer so endgültigen Entscheidung stehen könnte. Doch ich werde mich ihren Sorgen und Ängsten annehmen, ihre emotionalen Bedürfnisse stillen, soweit es mir meine Gedankenblässe gestattet. Nun seid Ihr der Beweggründe meines erscheinens hier im klaren. Enttäuscht dieses Vertrauen, was ich in euch setzte nicht! Es würde mich nämlich zerstören und dann auflösen. Übt ein wenig Langmut mit der Schwerfälligkeit meiner eingerosteten Gedankengänge. Und noch etwas... Ist irgendeine gute Tat zutun, die möglichst ruh Euch schenkt? Und ehret mir, spricht zur mir! (Shakespeare) |
| Nix | Hallo erstmal. Ein paar Poeten können wir noch verkraften. Also nimm Dir nen Keks. Aber nicht krümeln. :) |
| Geisel der Zeit | Was habe ich nur getan... Verzeiht mir das ich Euch mit meiner unbedeutenen Exsistenz belästigt habe. |
| JohnSteed | [QUOTE][i]Original geschrieben von Geisel der Zeit [/i] [B]... Wo sich die Anfänge einer zunehmenden Abneignung gegenüber diesem Leben und der Gesellschaft bemerkbar machen. ...) [/B][/QUOTE] Da bist du nicht der einzige, dem es so geht. Aber ich habe herausgefunden, dass sich das System eher dann ärgert, wenn man kämpferisch versucht es in frage zu stellen, als dass man sich zurückzieht, denn das will das System ja: es herrschet also Ruhe im Land. Nun, ich werde dieses Systeminteresse kaum aktiv unterstützen. Der Sinn des Lebens steckt also durchaus im Kampf. Die Partisanentaktik, wie ich sie bevorzuge ist nicht immer zu empfehlen, man verliert gerne den Überblick. Manche Menschen haben gerne geordnete Frontlinien. Jeder wo er steht, kann er einfach mehr Anarchie in die Welt bringen. Tendenziell sehe ich in illegalen Blumenpflanzaktionen das grössere Anarchiepotential. Hirnrisse Sachbeschädiger sind mir zu hohl. Aber im Kern muss die Anarchie ihren Weg bahnen. Systeme sind sehr anfällig. Kopf hoch! Rüstung anlegen, Rausgehen und Kämpfen! Wir sind alle Ritter! Nun, ich bin einer von der traurigen Gestalt, aber das ist mein Bewusstsein: bereits Windmühlen sind Symbole des Systems. |