| Dublin Goth | Herzblutrot Herzblutrot, der Schmetterling des letzten Sommertages, flog zu mir, verzauberte mich, bezirzte mich, beglückte mich, schenkte mir Freude. Herzblutrot drang tief in mich ein und legte seine Eier in meinem Herzen ab. Die Saat ging auf und Raupen entsprangen daraus, drei wunderschöne mit den Namen Glück, Hoffnung und Liebe. Doch auch eine hässliche war dabei, welche alle anderen auffrass. Nun, da Glück, Hoffnung und Liebe aufgebraucht sind, labt sich dieses Wesen, Giftgrün, an mir. Diese Raupe zerfrisst mich von Innen, verdaut meine Organe, schlürft meine Gedanken aus und atmet meine Seele ein. Jetzt, da ich innerlich leer bin, nur noch eine Hülle, verpuppt sich dieses unsägliche Monster. So verharre ich, leidend, nicht mehr in der Lage, mich zu bewegen oder zu denken, sterbend, und warte auf das Ende. Ein Geräusch aus meinem Gerippe, als würde ein Baum vom Blitz gespaltet, bringt meinen Körper zum Erbeben, reisst meine Brust auf. Aus dem aufgebrochenen Kokon, den ich beherberge, tritt Säure aus, verätzt das bisschen Fleisch, das noch übrig ist, löst mich von innen auf. Mit seinem ersten Flügelschlag bricht der Falter Hassschwarz meine Rippen endgültig auseinander, und die wenigen verbleibenden Hautfetzen aufbeissend tritt er mit triumphierendem Geschrei aus meinem Körper. Die letzten Tropfen Lebens verlassen mich, herzblutrot. |
| Dublin Goth | Zerrissen Stehenbleiben ist mein Vorwärtskommen, Blindheit mein Sehen und Taubheit mein Hören; Dummheit ist mein Wissen, Fallen ist mein Aufsteigen und Aufgeben mein Kämpfen; Abweisung ist meine Zuneigung, Einsamkeit ist mein Lieben und Enttäuschung meine Hoffnung; Laster sind meine Tugenden, Resignation ist mein Versuchen und Und Verlieren mein Gewinnen; Determination ist mein freier Wille und Erniedrigung meine Erhebung. Dahinschwinden ist mein Dasein und Der Tod mein neues Leben. |
| Dublin Goth | Schwarz-Rote Versuche Nummer 1 Schwarz. Alles. Wenig rot. Frisches Blut Und Tod. Nummer 2 Alles Schwarz, nur wenig Rot. Ausgehauchtes Leben. Blitzende Klinge befreit von Not. Muss Erlösung geben. Nummer 3 Alles schwarz, wenig rot. Ein Schrei im Finstern. Stählerner Tod. Nummer 4 Finsternis umgibt mich, Todestanz umringt mich. Schwarz haucht meine Seele aus, Rot fliesst mein Körper aus. Nummer 5 Mein Todesschrei gellt Durch die Nacht. Meine Agonie gefällt Dem Herrscher in Rot, und er wacht über meinen langsamen Tod. Nummer 6 Alles Schwarz, wenig rot, Untergang und Tod. Die Klinge fällt, Todesschrei gellt, alles ist voller Blut. Nummer 7 Durch die schwarze Nacht wandelt der Herrscher in Rot um uns zu holen. Nummer 8 Wer bist du, der in meine Gedanken schleicht? So düster, bitter, böse, schwarz und rot, tot? Nennst dich, mordendes Monster, Retter aus Not, Doch wartest du nur, dass alles Leben weicht. Wo bist du, dessen Wille mein Sein erreicht? So wild, gierig, geil, gegen jedes Verbot? Nennst dich, folternder Geist, Erlöser vom Tod, Doch wartest du nur, dass alles tot erbleicht. Wann bist du, der immer und doch nie hier ist? Zeitlos durch alle Dimensionen wandelnd, jedes Leben zu dem machend, was du bist. Was bezweckst Du, roter Führer Babylons? Alles korrumpierend, mit Leben handelnd, Alles vernichtend, jagend die Kinder Zions. |
| Dublin Goth | Ein erster Frühlingstraum Prüfend wandle ich durch den Park, Ausschau haltend nach einen Anzeichen für einen wenigstens leichten Aufwind. In der Nähe eines Baumes finde ich ihn. Ich lasse mich fallen, sofort ergreift mich der Luftstrom. Ich breite meine Arme aus, wie ein Adler lasse ich mich in die Höhe tragen. Der Park zeigt sich mir nun in seiner ganzen Pracht, während mein Blick schärfer wird. Ich erkenne die eben aus dem Schnee geschmolzenen Wassertropfen, welche über die Grashalme zu Boden fliessen, die Ameise, welche über die Bank krabbelt, selbst die ersten Pollen, die vom Wind aufgewirbelt werden. Ich lasse mich von der Luftsäule abgleiten und fliege auf den Turm des Schlosses zu. Ich setze mich auf das Dach und betrachte das rege Treiben auf der Brücke, beobachte die Fische, die durch den wirbelnden Fluss schnellen. Ich stosse mich vom Dach ab, mitten in einen neuen, starken Aufwind. Ich kreise stundenlang darauf, immer höher, immer höher. Die Stadt wird immer kleiner, während sich meine Aussicht immer mehr erweitert. Ich sehe die Berge im Süden und Osten, überblicke im Norden weite Ebenen und im Westen zerklüftetes Gebiet. Ich geniesse die Freiheit des Fliegens, verlasse die Luftsäule, um mich im Sturzflug der kleinen Stadt zu nähern und immer wieder in den Aufwind einzutauchen, welcher mich warm umfasst und meinen freien Fall wieder hemmt, sobald ich meine Arme ausbreite. Ein letztes Mal noch stürze ich mich hinunter, bremse den Sturzflug ab und schwebe in grossen, immer enger werdenden Kreisen über der Schule. Mit ausgebreiteten Armen setze ich langsam zur Landung an, mitten auf dem Platz, denn ich muss jetzt zum Unterricht. |
| Dublin Goth | Geburt Ich wate durch Nebel Und doch seh’ ich klar. Ich erkenne mein Leben In der Zukunft und wie’s war. Ich erschaffe mich selbst, ich gebäre mich neu. Bis meiner Zeiten Herbst Bleib ich meiner Seele treu. |