| Seelenvampir | ~Heikles Thema, das mich direkt betrifft (betroffen hat wohl eher... zum Glück)~ Dies irae Als ich an diesem Morgen erwachte Als ich an gar nichts anderes dachte Als daran, mich zu rächen Eure Welt einzuäschern Befiel mich, gleich einer warmen Glut Diese immerwährende Wut Dies irae, dies illa Solvet saeclum in favilla Ich ging an meinen Schrank, wo ich Versteckte ein Gewehr, präzise, tödlich Gereinigt, schussbereit, die Munition daneben Um heute zu nehmen euch das Leben Schon so lang schläft in mir der Wunsch nach Frieden Nur euer Tod kann den mir noch geben Dies irae, dies illa Solvet saeclum in favilla Schon so oft träumte ich diesen Traum Wenn ich schlafe, hier in diesem Raum Kein Gewehr in meinem Schrank Noch nicht mal der Hauch des Reellen Den ich mir so oft wünschte, und doch zum Glück nie spürte Denn eines habt ihr mir nicht nehmen können: Die Selbstachtung, meine Werte, die Moral, kurz Die Kontrolle über mich Über mein Leben |
| Seelenvampir | Weiß gekachelter Raum Fensterlos, von den Lüftungsschächten Zieht sterile Luft hindurch Fahles Neonlicht beleuchtet die Szenerie Keine Tür, kein Ausgang ist zu erkennen Gefangen in der Eiseskälte Hocke mich in eine Ecke Zittere, Eis durchzieht den Körper Den schon lang ich nicht mehr spüre Jegliches Gefühl von Angst, Hoffnung Schmerz, Glück, Trauer Hat mich längst verlassen Lethargie befiel mich Seit ich hier gelandet Schützt mich vor dem Wahn Den Gefühle in mir auslösen Die ich nicht mehr einordnen kann Nur noch schwache Erinnerungen An Liebe, Geborgenheit Wie sie genannt werden Schmerzwellen durchziehen mich Nehm sie fast nicht mehr wahr Schon lange aufgegeben zu schreien Jemanden dort draußen zu erreichen Werde hier drinnen bleiben In der Schutzhaft meines Verstandes Bis der Tod mich schließlich befreit |
| Seelenvampir | Sturmumtostes Eiland Im Meer der Einsamkeit Verlassen von fast allem Lebendigen Vergessen, ein weißer Fleck auf der Karte Diese Insel Sie ist mein Refugium Gefängnis und Zuflucht zugleich Schutz vor meinen Gefühlen Diese Insel In meiner Seele Nebelschwaden wabern über sie Nie hat sie ein Sonnenstrahl erreicht Mitten auf ihr Trotzt den Stürmen ein Turm Düster erhebt er sich Aus den Nebeln, mein Zuhause Von dem höchsten Zimmer aus Schau ich auf das Meer hinab Sehe, dass es doch, früher oder später Heißt: Land unter Meine Gefühle brechen Gegen die Klippen, wieder und wieder Angst, Hass, Verzweiflung, Trauer Noch trotzt sie den Wellen Nur: wie viel Zeit bleibt mir noch? |
| Seelenvampir | [B]Requiem[/B] Eiskristalle glitzern im Gras Die Welt, versunken in Traurigkeit Erwacht aus ihrem Winterschlaf Erblüht in neuer Herrlichkeit Und träumt doch immer weiter Von anderen Welten Mal traurig, mal heiter Andere, bessere Möglichkeiten Ihrer tatsächlichen Existenz Es kann der Mensch nicht glücklich sein Über den Zustand, der seine Welt bestimmt Baut sich ein Leben, weniger Sein denn Schein Das, ihn, tief im Innern, immer wieder verstimmt Ich blicke hinab auf diese Welt Verbittert, enttäuscht, wie verkommen sie doch ist So schön war sie, wie es sich nun kaum einer mehr vorstellt Sehe dich, deren einz'ger Lichtstrahl du noch bist Betrachte meinen Körper, aufgebahrt Daneben dich, unendlich schön Eine Wahrheit, die sich offenbart Bin nun bereit, endlich zu vergeh'n Die Bindungen lockern sich Die meinen Geist hier halten Eine tiefe Ruhe überkommt mich Will dich doch noch einmal betrachten Tränen strömen über deine Wangen Trauer zeichnet deine Züge Und eine der zahllosen Fragen Die mich immer schon beschäftigt Drängt sich energisch nach vorne In den letzten Rest meines Bewusstseins: Wofür dies Leben? Ist es nicht eine Art Gruppenzwang? Nur weil alle Leben, ich's nicht beenden kann? Hab es doch getan. Oder ein Geschenk, gleich aus welcher Quelle? Annehmen muss man es ja dann nicht. Die letzten Gedanken Bevor der Rest von mir Nun auch vergeht |