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  Forum: Gärten der Poeten
    Thema: Worte sind das Blut der Seele - Lyrik aus meiner Rabenfeder
Anti87Lang verwelkte Rosen säumen jenen Garten,
den manche Leben nennen
und seufzend dort auf Leben warten.

Bezeichnenderweise ist dies mein Garten, in dem allerhand Gewächse meines Geistes und Lebens sprießen.
Zu jedem der Gedichte folgt eine kurze Erläuterung, z.B. wie oder warum es entstand, was es bedeuten soll...es ist meine Absicht, zu verstehen und auch - richtig - verstanden zu werden, darum diese Erklärungen.
Wer anderes hineininterpretieren möchte, soll dies tun - Kunst ist frei, ich weiß, was ich schreibe.

Die Bitte um Meinungen sei hier auch vorgebracht, ich freue mich über Anregungen und Kritik - [url=http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?s=&threadid=79685]naturgemäß hier.[/url]

Nun - willkommen im Garten meines Geistes.
Anti87Feigheit = Lebensmut?

Er steht oft an seinem Fenster
und hört die Ängste singen
zu den Sternen flieht sein Blick
er will frei sein,
er will springen
und tut stets einen Schritt zurück

Datum unbekannt (ca. 2006)
Anti87Landkarte

Haut ist wie ein weites Land
durchzogen von Schluchten, von Feuern verbrannt
Darauf zieh'n sich grazil, gleich der Farbe der Wut,
Flüsse hindurch, nehmen den Mut
So tief unter der Oberfläche
stürzen klamme Tränenbäche
in den Abgrund, den Niemand kennt,
die Tiefe, die man Seele nennt.
Und an ihrem tiefsten Punkt
kehren jene Ströme um
der Weg nach draußen ist bald geschafft
eine neue Schlucht nun klafft
rote Tränen weint das Land,
durchzogen von Narben, von Schmerzen verbrannt.

10.06.´08
Anti87Mephisto


Nun zeigt sich des Pudels Kern
Dem Mensch in seinem Zweifel
Kann seine Neugier sich erwehrn
Dem Wissensschatz des Teufels?

Langsam klärt sich seine Sicht
wie damals schon, als Eden fiel
Doch sieht der den Sieger nicht
in dem teuflisch bösen Spiel

Er bringt ihm unendliche Freuden
lässt sein Herze höher schlagen
Doch auf den Jubel folgen Leiden
Und ein Vielfaches an Klagen

Ist er fröhlich - ist er traurig?
Nun, er weiß es selber nicht
Und ein Grinsen, ach so schaurig
Steht wohl dem Teufel zu Gesicht


Unser Mensch versteht letztendlich
Freud´und Liebe fordern Schmerz
So stößt er sich -es ist verständlich-
Lachend einen Dolch ins Herz


Anti, 3.6.'08
Anti87Bruder


Des tristen Alltags graues Kleid
hüllt sie gänzlich ein
macht sie blass und trübe
zeigt hämisch das, was von ihr bliebe
allein in ihrer Einsamkeit

Dies´Kleid trägt sie schon lange Zeit
sie hat sich dran gewöhnt
fast unsichtbar zu sein
umgeben stets vom fahlen Schein
vorgetäuschter Fröhlichkeit

Die Ödnis all der grahmen Tage
hält sie fest in kalter Hand
unterm Kleid die Schnitte
lenkt sie ziellos ihre Schritte
in lahmem Stolz zum Grabe

Die Iris trüb vom Tränenschleier
sucht Zuflucht oft im Schmerz
er ist nicht wie die Leute
er ist ein Freund an ihrer Seite
wird ihr lieb und teuer

Im Herbste dann, es war schon Nacht
blieb er einmal mehr bei ihr
und flüsterte ihr zu:
"Heut sind´s nicht nur ich und du,
hab meinen Bruder mitgebracht."

Sie blickte auf in ihrem Leid
der Bruder stand dort, sah sie an
nahm zärtlich ihre Hand
Mit einer Stimme wie aus Samt
sprach er: "Gehen wir zu zweit?"

Sie gingen, Mondlicht zum Geleit
er wisperte: "Ich liebe dich"
Denn eins gefällt dem Tod:
"Du trägst es, und es steht dir gut
des tristen Alltags graues Kleid..."

Hört zum ersten Mal sie lachen
Als sie mit ihm zieht davon
betrachtet sie dabei
Versteht: Glück ist so vielerlei
Auch der Tod kann glücklich machen...


Corax, 02.09.´08
Anti87Endzeit


Der Erde Haut liegt brach und offen
Wunden, die von Siechtum zeugen
Der Mensch wollte die Welt einst beugen
Nun hat er sie gebrochen

Die Berge sind schon abgetragen
Das kühle Nass gänzlich verbraucht
Die letzten Feuer sind verraucht
Der letzte Baum geschlagen

Alles Vieh ist längst schon tot
All die Farben sind verblasst
Es bleibt zuletzt, mir so verhasst
Die Made Mensch in ihrer Not

Es fällt kein Regen mehr von oben
Obgleich dort düstre Wolken ziehen
So schnell, als gelte es zu fliehen
Vor den Stürmen, die nun toben

Als der Erde Tod begann
Machte ich mich auf
Endlos scheint mir nun der Lauf
Gegen die Zeit, doch ich gewann

Alle Menschen, die ich fand
Wollten stets sich selbst nur retten
Drum schlug ich sie in Ketten
Und gab sie in des Todes Hand

So blieb zuletzt nur ich allein
Steh´ hier auf Schutt und Asche
Führe mit mir in der Tasche
Die letzte Blume, ach so klein

Ein Flecken Erde blieb hier noch
In das ich diese Blume bette
Ich knie vor ihr und wünscht, ich hätte
Ein wenig schwerer wiegend Joch

Ich führe über meine Haut
Eine scharfe, alte Klinge
Dabei scheint es mir, als singe
Sie ein Reqiuem der Welt so laut

Nun sterbe ich, der Menschheit Rest
Und blicke auf zum Firmament
Während das Blut, das mir entrinnt
Die Wurzeln jener Blume nässt


Ich weiß, das Paradies wird sein
Nach aller Menschen Leben
Doch nicht für sie wird es Erlösung geben
Von uns befreit
Bleibt´s Paradies
Der Erde ganz allein...

Corax, 28.09.´08
Anti87Tiefe(n)Blicke

Seine Augen sind ein Meer
tief und düster, schwer und still
man sieht nicht weit, wenn er nicht will
was an Gedanken dort versinkt, gibt es nicht mehr her

Er steht vorm Spiegel, es ist dunkel
das Meer beginnt erneut zu funkeln
Irrlichter weisen ihm den Weg
hinaus aufs Wasser führt ein Steg

Langsam, zögernd, wie im Traum
gewahr der eignen Schritte kaum
geht er zum Rand und blickt hinunter
dort im Wasser tanzen
munter
neckisch seine Ängste
lassen ihn erschauern
ob der Dinge, die dort lauern
Er sieht, wozu er fähig ist
wenn er den Mensch in sich vergisst

Das Ding im Nass dort mustert ihn
begrüßt ihn kalt, mit starrem Blick
forschend, prüfend, beinah grinsend
reißt es an dem letzten Siegel
und er schreckt zurück
vorm Spiegel

Seine Augen sind ein Meer
düster, tief, trügerisch still
es nimmt sich von ihm, was es will
und was darin versunken ist, das gibt es nie mehr her



12.06.´08
Anti87Legion


Nenn mich Legion, denn ich bin viele
Ein Mensch mit Masken ohne Zahl
Mein Lebensfunke glimmt nur fahl
Hab einen Weg, doch keine Ziele


Stets auf der Suche nach dem Ich
Leere füllt mich bis zum Rand
Im Dunkel in mir schimmert nichts
Das Denken nimmt mir den Verstand

Jeder Andre scheint zu wissen
woher er kommt, wohin er will
Ich steh´hier, jeden Sinn vermissend
und frag: "Wer bin ich?" - es bleibt still

So viele Wesen lernt´ich kennen
Gut und böse, trüb und rein
und musste bald erkennen:
Ein jeder Mensch kann alles sein

Nun habe ich kein festes Wesen
ich wechsle ständig meine Art
Bin mal dumm und mal belesen
mal grausam, hasserfüllt und hart

Ich kann liebend sein und trauernd,
voll Freude, Willenskraft und Mut
Einen Menschentod bedauernd
und nach ihm sehnend, voller Wut


Doch nimmst du mir die Masken ab
Dann sehen deine Augen nichts
In all der Schwärze nicht ein Licht
Masken - alles, was ich hab...

Ich bin Legion.


2009
Anti87Grenzgänger

Verschlungne Pfade ohne Führung
tragen uns durch diese Welt
Oftmals führn sie dran vorbei
Wir sehn nicht viel, das uns gefällt

Ständig auf des Messers Schneide
Als Grenzgänger, die wir sind
trägt uns das Leben durch die Schwärze
gleich Rabenfedern im Nachtwind

Das Ziel ist oftmals uns der Weg
auf dem so Viele noch allein
fliehen vor der Leere dieser Welt,
den kalten Menschen und dem Sein

Seht beim Wandern auf den Grenzen
nach oben, wo die Raben ziehen
Der Wind mag eine dieser Federn
euch Sehnenden ins Dunkel wehen

Und wenn wir alle eines Nachts
im samtnen Schwarz die Welt durchschreiten
so kümmern uns nicht ihre Pfade
Es sind unsre Wege, die uns leiten!


27.08
Anti87Sternenleere


Im samtigschwarzen Meer der Nacht
Treiben Myriaden Lichter
All die Sterne sind Gesichter
Und jedes davon lacht

Sie kichern heimlich, grinsen still
Ziehn mich rasch in ihren Bann
Warum ich sie wohl hören kann?
Vielleicht, weil ich es will...

Es ist ein schadenfrohes Lachen
Zu Mondes finstersten Grimassen
Ich kann spürn, dass sie uns hassen
Und bis aufs Blut verachten

„Ihr Menschen glaubt, ihr seid so alt
und dass die Erde euch gebührt
habt selbst uns Sterne schon berührt
wie alles andre mit Gewalt!“

„Für uns ist es kaum Tage her
das all die Dunkelheit entstand
Im Weltenmeer ein Stückchen Land
Das gab man euch, doch ihr wollt mehr!“

„Noch ein paar Tage, ein paar Nächte,
steht ihr dort im Blütenglanz
bald danach verblüht ihr ganz
und niemand bleibt, der euch gedächte.“

In weiter Felder Gras ich lag
Hörte so der Sterne Klage
Ihre Worte auf der Waage
Kaum einen Widerspruch ich wag

Viel Wahres ist in ihrem Hohn:
Man hat im Leben nicht viel Zeit
Doch sicher ist, das alles Leid
Einmal vergeht durch Todes Lohn

Man darf nicht zuviel Ernstes geben
Auf des Schicksals Widernisse
Wer lernen will, der wisse
Die wichtigste Lektion im Leben:

Im Vergleich zu all den Sternen
Ihrem gleißend hellen Funkeln
Sind wir kaum ein Licht im Dunkeln
Dass doch könnte leuchten lernen
Wär´ nicht der Mensch ein Egoist
Der schon denkt, er strahle hell
Wenn er sich mit der Dunkelheit
In gleicher Menschen Herzen misst!

03.11.08
Anti87Müde


Es ist zuviel, das mich beschäftigt
Zuwenig lenkt mich davon ab
Das Denken und das Fühlen
Haben mich entkräftet
Jeder Tag ein Schritt zum Grab

Wenn ich dereinst ein Schatten bin
Ein Schatten meiner Selbst
Wie immer schon still wandernd
Welten fern von eurer Welt
Dann achtet weiter nicht auf mich
Ihr wollt mich ohnehin nicht sehen
Versunken und mit müden Blick
Lasst mich doch
Gleich einem Raben
Meine Bahnen ziehen

Der Weg ist lange ohne Mut
Doch Schritt um Schritt beschreit ihn ihn
Der Wille fehlt zum Leben,
Der Wille fehlt zum Tod
Ich sehne mich zu keinem hin


23.8.
Anti87Chronos

Vater Chronos flieht vor mir, so schnell ihn seine Beine tragen
Verzweifelt hetze, renne, stürme ich ihm nach
Vergiesse Tränen für Momente aus längst vergangnen Tagen
Als von mir unbeachtet wilde Jugend lachend sprach

Meine Sommer sind verschwendet, ich ließ die Zeit verstreichen
Die Herbste voll Melancholie verbrachte ich allein
Im Winter spürte ich mir alle Lebenskraft entweichen
Auf Frühlings falsche Hoffnungsschimmer fiel ich stets herein

All´ die Zeit, die uns gegeben, ist wie ein reißend starker Fluss
Voll von scharfen Felsen, Erwartungen genannt
So mancher unterschätzt die Strömung, der er folgen muss
Wird von den Kanten ihrer Riffe schon als Kind zerschrammt

Die Jahre ziehen fort, das Leben lässt uns keine Ruh´
Unsrer Träume Blüten werden welk schon bald
„Morgen fang´ ich an zu leben!“ reden wir uns selbst gut zu
in der traurigen Gewissheit, dass es ungehört verhallt

Nach langer Jagd halt ich nun inne, sehe manches klar
Es war die Bitterkeit, sie formte meine Worte
Doch tut´ dies einen Abbruch dran, dass jedes einzeln wahr?
Ist doch Wahrheit Medizin die schmerzt, von der bitt´ren Sorte!

Mag sein, dass der Vergleich war nicht ganz richtig mit dem Fluss
Vielmehr scheint mir die Zeit zu sein wie Frucht auf weitem Feld
Auf dem man scheinbar ewig wandern, nach ihr suchen muss
Doch weiß man sie zu finden, gehört einem die Welt

Chronos ist ein flinkes, kaum zu fassend´ Tier
Der lahmen Hand entwischt er sicherlich
Drum suche, finde, fang ihn dir
Und beug ihn, sonst zerbricht er dich!


Corax, 09.11.´08

Nun...wenn man zurückblickt, ist das meist sehr grausam...man sieht, wie man seine Jugend verschwendet hat, die besten Gelegenheiten ungenutzt verstreichen ließ, anscheinend auf ein besseres Leben verzichtet hat.
Ob es nun stimmt oder nicht, liegt im Auge des Betrachters, doch es ist in jedem Fall nicht mehr zu ändern...alles, was man tun kann, ist, es das nächste Mal besser zu machen.
Dennoch zerreißt es zumindest mir schier das Herz, wenn ich an vergangene Jahre denke, in denen ich mich allen Widernissen zum Trotz manches Mal als glücklich bezeichnet hätte...es wird niemals wieder so sein wie damals...ein Gedanke wie ein Splitter und gleichzeitig das „Etwas“ im Auge, das einen zum Weinen bringt.
Siehe hierzu auch meinen „Gedankenfluss“ - Blog bei den Lokalisten.
Anti87O


Schlag mich in Fesseln
Leg mich in Ketten
Um die Hände
Um den Hals

Vernichte die Hülle
Den Kern gilt´s zu retten
Dämpf den Aufprall
Meines Falls


23.8.`08
Anti87Vanitas


Zeigt euch nur in besten Stoffen
Badet nur im schönsten Schein
Welcher Wahn lässt euch nur hoffen
Nicht einst vorm Sensenblatt zu sein?

Ihr sprecht, als gäb´ es ewig Leben
Von Seelen, die unsterblich sind
Der Glaube soll euch Kräfte geben
Die ihr nicht mehr seid als ein Blatt im Wind

Man hört sie allenthalben reden
In Kirchen, Tempeln und von Türmen:
Kein Pfaffe, der sie noch nicht pries
Nirvana, Himmel, Garten Eden!
Die Erde mit all ihren Würmern
Bleibt euch allein als Paradies!

So sehr ihr auch nach Höchstem strebt
Und ewig schaffend euch bemüht
Wart ihr auch selbstlos, keusch und rein
Wenn ihr endlich habt genug gelebt
Bleibt von euch nach dem Totenlied
Nur faulig Fleisch und fahl´s Gebein!

Wo die einen durch Blutbäche waten
Sind die andren herzensweich
Ob gute oder schlechte Taten
vor dem Tod sind alle gleich

Seht ihr im Herbst das fallend´ Laub
Das welke braune, alte Gras
Stellt euch nicht blind, dumm oder taub
Memento Mori – Vanitas!


17.7.
Anti87Spiegelsplitter

Manchmal hast du das Gefühl, dein Leben liegt in Scherben
Splitter liegen vor dir, gleich den Fragmenten eines zersprungenen Spiegels
Hebst du einen von ihnen auf, blickst du zurück auf Erinnerungen, Vergangenes
Und wie ein scharfes Stück Glas dir ein paar Tropfen Blut entlocken kann
So schneiden die Umrisse einer Erinnerung oft um vieles schärfer und fordern Tränen von dir
Ein Meer aus Bruchstücken deiner Vergangenheit
Du kannst darin eintauchen um ein paar schöne Gedanken herauszusuchen
Dies sind die Stücke des Spiegels, die selbst im tiefsten Wasser noch reflektieren, dir ein Licht bieten
Oder du kannst darin versinken, um dich wieder und wieder an den Spitzen und Zacken der Splitter zu verletzen
Aus denen das gesamte Scherbenmeer zu bestehen scheint
Sind sie es dir wert?
Die kleinen, sorgfältig von deiner Existenz zugeschliffenen, prismatisch funkelnden Teile?
Die seltenen, wunderbaren Lichtblicke deines Lebens, an denen du Halt findest, wenn die Schwärze dich in die Tiefe zieht?
Sind sie es nicht wert?
Wisse
Das Leben geht mit Schmerz einher, all die Trauer, die Wut, die Qualen sind der Maßstab, an dem man das Schöne zu messen hat
Wie willst du das Licht genießen, wenn du die Dunkelheit nicht kennen und fürchten gelernt hast?
Verstehe
Ohne das Schlechte zu kennen, wirst du nie das Gute zu schätzen wissen
Und solang du das einfache Gute nicht genug bewundern kannst, ihm nicht die Ehrerbietung zukommen lässt, die es verdient
Solang ist deine Existenz ohne Berechtigung, da du sie nicht genießen kannst in ihren schönen Momenten
Also lass den Schmerz in dich in all seinen Formen, danke ihm für die Lehren, die er dir erteilt, während du dein Heil suchst
Und letztendlich
Wird aus beidem ein Leben erwachsen, gleich einem Spiegel
Den du dir immer wieder vorhalten sollst, wenn du beginnst, das Schöne und Gute als selbstverständlich hinzunehmen
Anti87All-Ein

Du sagst, es kann in deinem All
Nur eine Sonne gleißen
Und gibst dich eitlen Träumen hin
Die falsches Glück verheißen

Schau auf, sieh hoch zum Firmament
Missachte nicht die Sterne
Wo zu hell eine Sonne brennt
Verblassen sie ganz gerne

Erwachst du bald aus deinen Träumen
Fall´n auf dich die Sternenheere
Sie sind erloschen und du bist
Alleine in der Sternenleere


Corax, 17.11.08
Anti87Vater
Ich habe oft von dir geträumt
Deine Stimme, dein Gesicht
Wie dein Körper sich aufbäumt
Wie du schreist, wenn du zerbrichst!

Du nahmst mir die Freiheit - 24 Jahre
Ich nehm dir die Zähne, die Nägel und die Haare!
Du warst so gern im Garten, erkennst du deinen Rechen?
Ich schlag die Zinken in dein Fleisch und höre Knochen brechen


Rache!
Nun wirst du bezahln!
Rache!
Jetzt hilft dir auch kein Flehn
Schreie
Die von Wänden widerhalln
Schmerzen
Ich will dich leiden sehn!


Du wimmerst um Vergebung - Ich will nichts davon hörn!
Die Zunge dir ans Kinn genagelt, wird mich nicht mehr störn
Die blutgetränkten Glieder geb ich den Flammen zum Verzehr
Deine Augen werden trüb, lange dauert es nicht mehr


Rache!
Nun wirst du bezahln!
Rache!
Jetzt hilft dir auch kein Flehn
Schreie
Die von Wänden widerhalln
Schmerzen
Ich will dich leiden sehn!


Mein Hass auf dich kann sich mit deiner Bosheit messen
Viel zu lang bestimmtest du mein Leben
Hör meine Worte, bevor ich dich zerbreche:
Nie vergessen - Nie vergeben!


Rache!
Nun wirst du bezahln!
Rache!
Jetzt hilft dir auch kein Flehn
Schreie
Die von Wänden widerhalln
Schmerzen
Ich will dich leiden sehn!


Dein Gewinsel und Geheule wird mir nun zu dumm
Die Tüte aufgesetzt, ein Strick um den Hals herum
Ich stehe vor dir, als du röchelst und deine Welt zerfließt
Der Hass in meinen Augen ist das letzte was du siehst


Mit dir stirbt nach all den Jahren
auch endlich meine Wut
die Qual in deinem Blick
steht dir unendlich gut

Das du nur einmal sterben kannst
finden wir ungerecht
glaub mir, unsre Kinder
hätten sich gerne auch gerächt...


06.08.
Anti87Schwarzer Veteran

Der Mond wirft ein fahlgraues Licht
Durch das Fenster
In dein Bett
Doch davon siehst du nichts
Deine Gespenster
Sind zurück

In schweißnassen Laken
Wälzt du dich umher
Du hörst ihre Stimmen
Und es werden immer mehr

Ihre Gesichter, ihre Augen
Gehen nicht aus deinem Hirn
Als du schreiend aufwachst
Bleibt das Nachbild hinter deiner Stirn

Refrain
Der Wahnsinn
Kommt mit den Jahren
Langsam
Schleicht er heran
Tagsüber
Findest du Frieden
Doch wenn du schläfst
Fängt der Krieg wieder an
Schwarzer Veteran


Dann stürmst du in Dörfer
Irgendwo im weiten Land
Schnell habt ihr die Männer
Mit den Waffen überrannt

Sie fallen unter Kugeln
Ihre Frauen stehn dabei
Du lässt sie in Fesseln legen
Irgendwie
Fasziniert dich ihr Geschrei

„Weißt du, meine Schöne,
ich bin hier draußen so allein
überall nur Männer
du verstehst, das muss mal sein...“

Du siehst ihr in die Augen
Ignorierst ihr Flehn (und ihr Schrein)
Was sie auf Russisch sagt
Kannst du ja nicht verstehn (redest du dir ein)

Sie wehrt sich bis zum Schluss („Sie griff mich an!“)
Und als sie dich dann beißt
Löst sich versehentlich ein Schuss
Wie es in den Akten später heißt

Deine Kameraden schwiegen still
Wie auch vorher immer schon
Nur der Frischling war gefährlich
Er ließ sich nicht bedrohn

Eines Tages kam er
Vom Erkunden nicht zurück
Später fand man ihn ertrunken
Mit einer Kugel im Genick

-Refrain-

Niemand hat je etwas erfahrn
Bis zu diesem einen Tag
Deine Taten in all diesen Jahrn
Aufgedeckt, auf einen Schlag

Du hast es selbst beinah vergessen
Die Erinnerung verdrängt
Als sich ein alter Kamerad
Vor ein paar Tagen erhängt

„Ich kann mit der Schuld nicht leben,
doch ein Andrer kann es wohl!“
stand in seinem Abschiedsbrief
er ließ die Geister auf dich los
die ihr damals gemeinsam rieft

-Refrain-

Nun bist du auf der Flucht
Sie kamen dir zweimal sehr nah
Du hast sie hinterrücks erschossen
Als es gerade niemand sah

Eben aufgeschreckt
Vom Schrein und Flüstern aufgewacht
Du hörst hinaus
Sind da nicht Sirenen?
Ist da nicht das Flackern
ihrer Lichter in der Nacht?
Hörst du nicht Stimmen?
Dort draußen hinterm Haus?

Unterm Kissen, deine Waffe
Drei Kugeln fehlen, nur so kamst du ins Haus
Der Besitzer wollte wissen, wer du bist
Sein Blick fiel auf die Zeitung, auf dein Bild
Da war es für ihn leider aus

Du hörst das Holz der Haustür bersten
Lauschst auf Ihren Tritt
Wartest auf den Ersten
Vier nimmst du noch mit

Der Fünfte endlich trifft dich
In deiner Schulter tobt ein Brand
Du siehst dein Blut, es malt
Groteske Muster an die Wand

Mit einem irren Lachen
Sackst du in die Knie
Schießt ihm noch ins Gesicht
Das nächste Geschoss trifft deine Brust
Und du verlierst dein Gleichgewicht

Eine Patrone
Ist noch im Lauf
Ein weiser Kämpfer
Hebt die immer für sich auf

Dein Blick wandert wirr durch den Raum
In schattigen Winkeln siehst du sie sitzen
Die Konturen erkennst du noch kaum
Doch die Augen, die toten, Gott, wie sie glitzern!

Du hebst die Waffe unter dein Kinn
Gleich ist es geschafft
Gleich ist es aus
Du denkst, nun musst du nie mehr Träumen
Doch als du abdrückst, siehst du voll Entsetzen
Sie strecken wie zum Gruße
Die fahlen Hände nach dir aus

„Sieh nur gut her, kennst du uns noch?
Hast uns soviel angetan
Vor über fünfzig Jahrn
nun komm herüber, wir warten doch!“

„Der Wahnsinn hat kein Ende
Du hast falsch gedacht
Der Tod ist doch nichts andres
Als ewig lange Nacht
Die Schlacht ist zu Ende
Doch der Krieg fängt erst an
Hier warten deine Träume auf dich –
Schwarzer Veteran!“

25.6.´08
Anti87Summer rain (Dancing with closed eyes)


It hurts
To know you will be gone
You´re already far away
Maybe when I´m done
With sorrow and with pain
I´ll be at your site someday
With closed eyes in the summer rain

All my thoughts, they are in vain
Lying long awake
My feelings rule my brain
This is more
Than any heart should take

It burns
But fire also cleans
And till my thoughts are clear
I´ll give in to my dreams
In which I´m holding you
While fighting down my fear
Of dreams not coming true

All my thoughts, they turn to pain
Dying from heartache
No healing for my brain
Wounds so sore
Any heart would brake

It cuts
Far beneath my skin
But this time no blood drains
Words drip from deep within
Upon this paperpiece
And my sorrow will be taken with the rain
By dying summer´s breeze

All my fears, they were in vain
Trying to awake
From the nightmares in my brain
I look forth
And see the road I´ve gotta take

It winds
Far across the lands
Through fields with roses full of thorns
And whenever this life ends
I´ll have enjoyed all of the street
And every rose down to the core
However thorns will make me bleed

Hope you don´t get me wrong
Right now i feel for you
But like verses in a song
There will be more than one or two

All my scars I´ll wear with pride
And I´ll try to stand upright
Even if i dwell in pain

But now I´m here alright
With closed eyes at your side
Smiling
In the summer rain


29.6.´08
Anti87Wunde Liebe

Ich verbrenn mich so gerne an dir
Denn ich liebe den Schmerz der Flammen
Auch wenn du mir tausend Narben schenkst
Stillst du niemals mein Verlangen

Jede Berührung ein kleiner Schnitt
Jeder Kuss ein Dolch in meinem Herz
Deine Klingen empfang ich gerne
Meine Liebe wächst mit meinem Schmerz

Sei nur nicht zu zärtlich
Halt dich nicht zurück
Lieb mich bis es weh tut
Bring mir meine Art von Glück

Ich weiß, du bist pures Gift für mich
Doch es hat noch nie so gut geschmeckt
Du bist das Salz in meinen Wunden
Und ich hab es nie so gern geleckt

Lieber stöhn ich auf im Schmerz
Als dass ich unter Tränen bebe
Beiß mich, reiß mich aus der Leere
Beweis mir, das ich lebe!

Sei nur nicht zu zärtlich
Halt dich nicht zurück
Lieb mich bis es weh tut
Bring mir meine Art von Glück

08.08.08,
Anti87Biest

Habs satt zu glauben, will nun wissen!
Drum verschlinge ich beflissen
Studien, Bücher Pergamente
wenn ich doch nur endlich fände
wonach es mir gelüstet!

Ein Wesen, dass für jede Schlacht gerüstet,
infernalisch´ Höllenbrut,
der Kopf gehörnt, der Huf gespalten
jeden Ansturm abzuhalten

Beschwingt mit schwarzer Lederhaut
Agil, und doch kräftig gebaut
erfüllt von Glut, in den Augen lodern Flammen
rasend, doch alle Sinne noch beisammen

Zähne, die schärfsten Klingen gleichen
und reißen, was vors Maul ihm kommt
den tapfersten den Mut nimmt und sie prompt
dazu veranlasst, mir zu weichen!

Seine rote Brust sein meine
das Herz, das schlägt unterm Gebeine
unser Blut so heiß, als kurz vorm Kochen
eine Schale, eine harte
sodass kein Streich lässt eine Scharte
und kein Pfeil streift unsre Knochen.

Unser beider Seelen
in eines Körpers Brust
Entzweit sonst in der Form, nun vereint in Kampfeslust
will verschlingen sehr beflissen
unsren Hass auf alle lenken
uns beherrscht ein neues Denken
Genug vom Glauben, Blut muss fließen!


Irgendwann `08 oder so...
Anti87Stille Nacht


Es vergeht kaum eine Nacht
In der ich nicht an dich gedacht
Doch nicht dein Leib
Ist´s, der mir bleibt
Die Schwärze hat das Bett gemacht

Es vergeht kaum eine Nacht
In der kein Traum von dir erwacht
Ich liege stumm
Dreh mich herum
Mir war, als hättest du gelacht

Es vergeht kaum je ein Morgen
Der nicht quält mit neuen Sorgen
Des Tages Schwere
Zeigt nur Leere
Und du bleibst stets verborgen

Es vergeht kaum je ein Leben
Das ich nicht für dich würd´ geben
Ersehne dich
Und wähne mich
In Fäden, die nur Trauer weben

Es endet niemals je die Zeit
Die mich erdrückt mit Einsamkeit
An meiner Seite
Keine Zweite
Zu teilen das verfluchte Leid

Es vergeht nie dies Gefühl
Man bekommt nie, was man will
Die Zeit vergeht
Dein Bild besteht
Und die nächste Nacht komm still...


Corax, 15.12.´08

Dieses hässliche Gefühl, wenn man aufwacht, sich umdreht, in der Hoffnung, es würde jemand neben einem liegen...und da ist nichts.
Man muss immerzu an ein Atmen denken, Haare auf einem Kissen, Wärme, die die Kälte in einem Menschen besiegt, wenn auch nur für eine Nacht.
Der Morgen kommt, man ist allein...man überbrückt den Tag, die Zeit vergeht nicht, man quält sich mehr oder weniger stumm voran, bis die nächste verfluchte Nacht in Einsamkeit heranbricht und man irgendwann, nach zahllosen, erfolglosen Versuchen, sich abzulenken, in der Gewissheit einschläft:
Ich wache auf und bin allein.
Anti87Weit

Du kamst zu mir zur rechten Zeit
Du bliebst solang es dir erlaubt
Du gingst zu früh und viel zu weit
Ich hab erneut an mehr geglaubt

Du wartest, so du kannst, auf mich
Du weißt, ich kann Nichts versprechen
Du hoffst genau so sehr wie ich
Ich kann sehr leicht daran zerbrechen

Und werden einst aus Wunden Narben
Gedenk´ der Nacht ich in der Stille
Der Schmerz, die Küsse, all´ die Farben
Zwei Seelen war´n wir und ein Wille

Ich folg´ dir einst, sobald ich kann
Muss ich dann auch wieder geh´n
Bis dahin bleib ich nur ein Mann
Der darauf wartet, dich zu seh´n

Es bleibt nach dieser schönen Zeit
Mir weiterhin nur Einsamkeit
Selbst Liebe nie die Uhr besticht
Ich bitte dich: Vergiss mich nicht...

04.01.´09


Es hat nicht sollen sein...genau ein Jahr hat das gehalten...so schön es war, verging es doch.
Tja.
Anti87Modefotzen

Natürlich trägst du Prada
Natürlich bist du wild
Ja klar, dein Style ist spitze
Er stammt ja aus der Bild

Du bist IN dein Leben lang
Hängst nur mit coolen Leuten rum
Lachst alle aus, die anders sind
Das heißt, was andres als saudumm

Schlagt sie alle tot
Die verdammten Modefotzen
Bei Gucchi seh´ ich rot
Und bei Armani muss ich kotzen

Du kannst nie dünn genug sein
Bist eh nur Haut und Knochen
Du wackelst übern Laufsteg
Und bist zu blöd zum Kochen

Du frisst nur vegetarisch
Aus Überzeugung, ist doch klar
Weißt du dumme Sau denn auch
Was mal dein Mantel war?

Schlagt sie alle tot
Die verdammten Modefotzen
Bei Gucchi seh´ ich rot
Und bei Armani muss ich kotzen

Ich zieh´ euch eure Häute ab
Und krall mir eure Haare
Dann reiß´ ich euch die Nägel aus
Das ist doch 1-A-Ware

Kann man alles nochmal brauchen
Alles, bis auf euer Hirn
Und Haut und Haare kriegen all die Viecher
Die im Winter frier´n!

Schlagt sie alle tot
Die verdammten Modefotzen
Bei Gucchi seh´ ich rot
Und bei Armani muss ich kotzen


Tja, mein Mitbewohner hat mal im Namen seiner Punkrockband Lieder bei mir in Auftrag gegeben, und das hier fiel mir mitunter ein...ich fand es recht interessant, mal eine absolut nicht hochgestochene Sprache zu verwenden...Punk halt *g*.
Die Meinung bleibt die gleiche, auch wenn mans natürlich noch schöner hätte ausdrücken können.
Anti87City Lights

Das fahle Licht der Stadt
lässt Nachts Gedanken rasen
Ohne Rast und ohne Ruh'
irrst du durch ihre Straßen

Die neongrelle Dämmerung
zieht dich fort aus Zeit und Raum
Überall und Nirgendwo
das Leben wie ein schlafloser Traum

Menschen kommen, Menschen gehen
Die Tage drehen ihre Runden
Lichter, seelenlos und kalt
und die Zeit schlägt neue Wunden

Inmitten aller stets allein
nur von der Sehnsucht getrieben
so ist traute Einsamkeit
dir bis heute treu geblieben

Tag und Nacht, sie werden gleich
Träume fliegen viel zu weit
Im Lichternetz verenden sie
Salz in den Wunden der Zeit

Menschen kommen, Menschen gehen
Die Tage drehen ihre Runden
Lichter, seelenlos und kalt
und die Zeit schlägt neue Wunden


Zwischen Februar und April 2009
Anti87Waldläufer


Gedanken treten aus den Ecken
nehmen mich an meiner Hand
Ich möcht' nicht gehen, will mich verstecken!
Doch sie ziehen mich in ihr Land

Weite, wirr gewachs'ne Wälder
Unterm schwarzen Himmelskleid
Verlauf ich mich und klag in Bälde
dichtem Blätterdach mein Leid

Gefühle lauernd dort im Dunkel
Starren mich wie Wölfe an
die Augen glitzern wie Karfunkel
Ich weiß, dass ich nicht fliehen kann

Einmal mehr nun plötzlich Licht
bin wieder meiner Sinne Herr
Noch einmal frei, doch weiß ich nicht
was ist, wenn ich mich nicht mehr wehr?

Zwischen Februar und April 2009
Anti87Hoffnung


Heut’ Abend ist die Welt im Lot
Der Rest vom Tag trägt sanftes Licht
Es quält nicht Sorge mich noch Not
Kein Argwohn, der jetzt in mir sticht

Der Kerzen Schein ist nicht zu hell
Kein Wort ist sinnlos, kein Klang leer
Die Zeit entflieht mir nun nicht schnell
Mein Kopf ist nicht Gedankenschwer

Ich bin gelöst und lass’ mich fallen
Der Nacken ruht in Freundesschoß
Das Leben hat heut’ sanfte Krallen
Ach, ließ nur der Moment nie los!

Es sucht mich meiner Liebsten Blick
Der jeden Zweifel mir zermahlt
Verspricht mir Tage voller Glück
So hell hat nie ein Stern gestrahlt

Die Nacht gibt mir mein Seelenheil
Und Freude schwingt voll Euphorie
Der Lebensschmiede Henkerbeil
Zum Hals der Trauerlethargie

Wenn einst der letzte Vorhang fällt
Kein Sonnenstrahl ein Lichtnetz flicht
Vergess’ ich auch die ganze Welt
Die Zeit mit euch, sie stirbt mir nicht!

15./16.05.2009
Anti87Principiis obsta

Mene Mene Menetekel
Seht die Zeichen an der Wand
Die Menschheit trägt die Welt zu Grabe
Viel zu lange unerkannt

Mene Mene Menetekel
Feuerschrift, aus Wut entbrannt
Tränenmeere uferlos
Überfluten braches Land

Mene Mene Menetekel
Brennend gleißt der Wahrheit Licht
Der Schnitter packt die Sense an
Unterschiede macht er nicht

Mene Mene Menetekel
Haltet nun letztes Gericht
Es ist der Mensch in Menschenhand
Ein Messer, das im Rücken sticht

Mene Mene Menetekel
Bald steht nur noch diese Wand
Mit Flammenschrift, die ewig spricht
Die Warnung vor dem Weltenbrand


Corax, 07.06.’09


Die Zeichen der Zeit – man übersieht sie gerne, und selbst wenn manch einer nicht die Augen verschließt vor den ersten Mahnungen...viele andere verschließen sich dann komplett den warnenden Worten, bis es zu spät ist.
Ich sehe persönlich unsere „Zivilisation“ auf ein grausames Ende zusteuern...daher, auch wenn andere es schon in anderem Zusammenhang gebraucht haben:
Principiis obsta – Wehret den Anfängen!
Anti87Ruhe sanft...


Das Erwachen ist kein Gutes
Denn diese Morgenstund’
Hat kein Gold im Mund
Nur den Geschmack vergoss’nen Blutes

Kein Traum war bei mir letzte Nacht
In tiefen Schlafes Stille
Verließ mich jeder Wille
Und Böses ist in mir erwacht

Meine Hand umschließt die Klinge
Beendete ein Leben
Ich kann’s nie wiedergeben
Angst im Abgrund und ich springe

Nun ist es erneut geschehen
Ich schlief doch nur
’s gab keine Spur
Doch werd ich nicht mehr Schlafen gehen


Nun wache ich seit vielen Stunden
Die Zeiger leuchten matt
Auf dem Ziffernblatt
Doch sie wollen’s nicht umrunden


Hab geschlafen nicht seit Tagen
Da ich allzugut nur weiß
Wohin mich meine Triebe tragen
Wenn ich nicht an den Haaren reiß’

Ich kratze, beiße, brenne, schneide
Auf dass die Lider nie mehr fallen
Ein Meer aus Schmerz, ich schreie, leide,
Schlag die schlimmste Schlacht von allen


Meine Augen sehen Schatten
Viel zu grell und viel zu laut
Die Stimmen, die im Kopf erklingen
Haben schon mein Grab gebaut
Flüsternd, wispernd schreien sie
Die Nägel meiner Finger brechen
Zähne reißen wundes Fleisch
Als sie unaufhörlich sprechen
Blut und Speichel mischen sich
Ich schreie schon so laut ich kann
Mein Kopf schlägt Putz ab von der Wand
Doch komm’ ich nicht dagegen an


Ein Sturmwind aus zuviel Gedanken
Ungebremst und ungehemmt
Zerren an dem Geist, dem Kranken
Der sich gegen’s Dunkel stemmt

Ich fühls erneut
Die Müdigkeit
Sie zieht an mir
Macht schwer wie Blei
Gedanken wirr
Das Lachen irr
Der Schweiß
Verkühlt die Haut
Blut im Mund
Der Körper wund
Es tropft
Aus hundert Brunnen
Die Lösung klar
Da ich es war
Ein Mörder
Darf nicht leben


Meine Lider werden schwer
Als sich die Dielen langsam röten
Ich spüre es: Ich kann nicht mehr
Doch ich will nicht wieder töten

Meine Schritte tragen mich
Hin zum Schrank, und flehentlich
Öffnet meine Hand die Tür
Die Lösung, sie liegt hinter ihr


Des Tags Erwachen dämmert fahl
Doch diese Morgenstund’
Hat kein Gold im Mund
Nur den Geschmack von kaltem Stahl


„Am Morgen des 25. Mai wurde nach Beschwerden der Mitmieter die Tür zu Ken P.’s Wohnung von Polizeibeamten aufgebrochen.
Nach Angaben anderer Hausbewohner war dessen Fernseher seit fünf Tagen ununterbrochen eingeschaltet gewesen, er hätte auf Bitten, ihn leiser zu stellen, mit Drohungen und Wutausbrüchen reagiert. Nach unnatürlich lautem Lärm und nicht enden wollendem Geschrei sowie Schussgeräuschen zwischen 03:00 und 05:00 morgens wurde die Polizei alarmiert.
Den Beamten bot sich ein grausames Bild: Ken P. war am ganzen Körper mit unzähligen Wunden aller Art übersät, die er sich anscheinend bei vollem Bewusstsein selbst zugefügt hat, während er außerdem noch seine gesamte Einrichtung dem Erdboden gleichmachte.
Hier ein Kommentar des Beamten, der die Horror-Szenerie zuerst zu Gesicht bekommen hatte:
„Es war grauenhaft...er lag da, in seinem eigenen Blut, überall war nur Blut, an den Wänden, den Möbelresten, sein Gehirn mit diesen weißen Schädelknochensplittern tropfte von der Decke, der ganze Boden war nass vom Blut!
Er...er sah aus, als hätte ihn ein wahnsinniges Tier angefallen...sein Fernseher lief noch, zusammen mit der Stereoanlage, alles flackerte in diesem furchtbaren Licht...ich kann dieses Bild wohl nie mehr vergessen...mein Gott...seine Augen waren offen...“
Ken P., wurde inzwischen als Schuldiger in drei ungeklärten Mordfällen sowie dem letzten von vor fünf Tagen identifiziert.
Die Polizei hatte zufällig festgestellt, dass seine DNA mit der an den Tatorten gefundenen übereinstimmte, doch keine Spur hätte sie sonst je zu ihm geführt. Der Sprecher der Sonderkommission meinte dazu:
„Er hatte mit den Opfern rein gar nichts zu tun...es waren drei Frauen und ein Mann, die auf dem Nachhauseweg waren, in den frühen Morgenstunden brutal erstochen worden, aber gar nichts deutet auf einen Zusammenhang hin zwischen ihm und den Toten. Er muss sie zufällig ausgewählt haben.“
Ken P. hatte seit fünf Tagen nicht mehr geschlafen und war nach Expertenmeinung in der Folge wahnsinnig geworden vor Schuldgefühlen. Auch wenn Schlafspezialisten vermuten, er hätte die Taten im Schlaf begehen können, weisen die Polizisten diese Theorie ab. Es wird wohl unklar bleiben, was ihn zu seinen Taten trieb und dazu, sich anschließend solch einem Martyrium hinzugeben.“


Corax, 08.06.09


Ich habe heute von einem Menschen gelesen, der vom Mord freigesprochen wurde.

Der junge Mann stand mitten in der Nacht auf und fuhr mit seinem Wagen dreiundzwanzig Kilometer zu seiner Schwiegermutter.
Dort brach er die Tür auf, verletzte ihren Mann und verfolgte die Fliehende, um sie anschließend mit mehreren Messerstichen zu töten.

Er befand sich dabei im Stadium des Tiefschlafs.

Ich wünsche angenehme Träume...
Anti87Golgatha

Richtet mich nach eurem Willen
das Gewissen gilt´s zu stillen
Ignoranz macht Lügen wahr
Jeden Tag ist Golgatha!

Das Kreuz soll euer Glauben sein
wascht euch meiner Sünden rein
In Unschuld badet, nennt euch gut
taucht noch tiefer in mein Blut!

Niemand bot euch Silberlinge
doch ihr tut die schlimmsten Dinge
Der Mensch heißt Judas, immerdar
Jeden Tag ist Golgatha!

Die Nägel sind der Hass in euch
treibt sie in mein Fleisch, so weich
Worte, Blicke schlagen Wunden
Haut und Seele nie gesunden

Alle Schreie lockt aus mir
stillt die heil´ge Leidensgier
Doch niemand hört, was offenbar:
Jeden Tag ist Golgatha!

In der Brust ein breites Loch
Seht, dort pocht es immer noch
Sucht in euch nach einem Herze:
Stille nistet dort, und Schwärze

Glaubt nur, was ihr glauben sollt!
Seht nur, was ihr sehen wollt!
Eure Blicke sind nicht klar -
Jeden Tag ist Golgatha!

Setzt die Krone mir aufs Haupt
Dornen dem, der Falsches glaubt!
Denn wer frägt, um auch zu wissen,
der wird dafür bitter büßen!

Wissend, das ich wiederkehr'
geb' ich nun mein Leben her
Fleisch bleibt dort, wo Geist einst war
Jeden Tag ist Golgatha...

Die Nägel und die Krone fallen
zurück aus aller Höllen Hallen
In den Staub das Kreuz getreten
Du musst kriechen, um zu beten!

Seht, was ihr aus Wesen macht
die ihr hasst und stets verlacht!
Hass brennt dort, wo Liebe war
Ich bin euer Golgatha!


22.06.'09
Anti87Seelenkrank

Will die Trauer dich zerfressen
In den Nächten, in den kalten
Hier sind Hände, die dich halten
Du bist nie vergessen

Wenn auch harte Stürme wehen
Regen dir ins Antlitz schlägt
Nur noch Schmerz dich weiterträgt
Heb’ den Kopf und bleib nicht stehen

Senke niemals deinen Blick
Diese Augen könne retten
Wollt’ mich schon im Feuer betten
Doch sie hielten mich zurück

Worte sind das Blut der Seele
Was du liest, ist meines
Trag es immer in dir, Kleines
Dass es dir
In finstren Zeiten
Deine Tränen stehle


Corax, 22.06.’09

Damals hat dieser Mensch mir geholfen.
Menschen ändern sich.
Anti87Am Ziel

Mein Leben lang hab ich geträumt
Mich dagegen aufgebäumt
Dass, wer Frieden sucht, verliert
Und wer Wärme will, gefriert
Ich wollte nie mehr als zuviel
Doch nun bin ich wohl am Ziel

Mein Leben lang hab ich gestritten
In der Einsamkeit gelitten
Da, wer Freiheit wünscht, krepiert,
wer Liebe sucht, nur Hass gebiert
Alles setzte ich aufs Spiel
Und nun bin ich wohl am Ziel

Mein Leben lang hab ich gesucht
Alle und mich selbst verflucht
Weil die Sehnsucht in mir brannte,
wollte, was ich gar nicht kannte
Bis ich fast dem Tod verfiel
So bin ich nun wohl am Ziel

Mein Leben ging aufs Leere zu,
doch vorm Abgrund standest du
warst vom selben Schwarz umhüllt
hast dich in mich eingefüllt
bis ich endlich dir verfiel
und nun bin ich wohl am Ziel

Mein Leben lang will ich nur dich
Da kein Zweifel mich beschlich
Du gibst Wärme, du bringst Frieden,
lässt mir Freiheit, dich zu lieben
dich, die meine Sehnsucht stillt
dich, die all die Leere füllt
Nie hab ich von dir zuviel
Du bist meines Weges Ziel!

Corax, 23.06.’09


Ebenfalls für meine Ex geschrieben...
Anti87Dornenreigen

Im Rosenkleid tanzt sie den ewigen Tanz
Dreht sich vor dir, frivol und zu keck
Mal ist sie dir nah, mal verschwindet sie ganz
Und zwinkert dir zu aus ihrem Versteck

Bestaunt und begehrt, im Herzschlag sich wiegend
Weiß sie um die Arme, die sie gerne fangen
Sie wirft sich hinein, sich scheinbar vergnügend
Doch bald sind die Arme für sie nur noch Zangen

Sie weiß nicht wonach, nur dass sie sucht
Klammert sich dankbar an jeglichen Halt
So viele gingen, die sie jetzt verflucht
In ihr brennt Hass, die Flammen eiskalt

Liebe kann sie nicht mehr geben noch fühlen
Zu oft verletzt, verlacht und verstoßen
Sie selbst schürt das Feuer, um damit zu spielen
Flieh’, wenn du kannst!
Sieh’, wie sie tanzt!
Im dornigen Kleid aus brennenden Rosen


Dezember ’09
Anti87Graue(n)Haft


In mir ist es finster
Doch es gibt noch Leben
Es sind Fleisch und Blut
Die mein Gefängnis weben

Blut gleißt durch die Adern
Füllt noch meine Venen
Doch kein Muskel zuckt
Schlaff sind alle Sehnen

Lebendig
Begraben
Vom eigenen Fleisch!

Eure Worte – hörbar
Doch mir bleibt nur Stille
Kann nicht widersprechen
Nutzlos ist mein Wille

Ich treibe in der Schwärze
Fern vom Leben, lang nicht tot
Ewig scheint die Dämmerung
Und kein Streif von Morgenrot

Lebendig
Begraben
Vom eigenen Fleisch!

Die Fenster meiner Seele
Vom Liderpaar versiegelt
Mein ist alle Finsternis
Die sich darin spiegelt

Ob ich gehe, ob ich bleibe
Oder wiederkehre
Ich hasse, fürchte abgrundtief
Die Fesseln dieser Leere

Ihr sagt euch, ihr tut’s mit barmherzigen Händen
Das Klicken des Schalters, gehört und erkannt
Ich will noch nicht sterben, ich will so nicht enden!
Lebendig begraben, lebendig verbrannt...

Winter 09/10

In dem Buch „Im Netz der Quoten“, dessen Schriftsteller ich leider vergessen haben, fiel mir
ein sehr ergreifender Satz auf:
“Einem Komapatienten die Maschinen abzuschalten, das ist, als würde man das Gefängnis eines Menschen in Brand stecken.“
Anti87Kein Mensch

Wir seh’n dem Land beim Sterben zu
Der Horizont gerinnt zu grau
Kein Auge spiegelt Sonnenlicht
Und die Hoffnung übt Verzicht

Die Kälte legt uns Mäntel an
Schwer die Last auf Schultern ruht
Niemand hilft mehr tragen
An viel zu kurzen Tagen

Auf den Wangen schweigt das Nass
Sehr viel tiefer schreit ein Sehnen
Kein Mensch wärmt eine klamme Hand
Und löscht des Herbstes Fieberbrand


Corax, 07.11.’09


Während meiner letzten Zugfahrt zu meiner Ex. Es war Herbst...und schwer die Stimmung, die auf mir lag - wie trüber Nebel auf schneebedeckten Feldern.
Anti87Liebesleid

Du zerreißt die Wolkenscharen
Und erwärmst mein Herz so leicht
Meine Sehnsucht füllst du aus
Linderst, was dem Wahnsinn gleicht

Hältst mich fest, sobald ich falle
Hast mich schon so oft gefangen
Alles Glück ist dein Verdienst
Leiden ist mir längst vergangen

Deine Liebe gibt mir Stärke
Wenn das Leben schmeckt so bitter
Meine Seele kommt zur Ruhe
Sperrst die Sorgen hinter Gitter

Stürzt mich auch das Schicksal nieder
Folgst du mir stets in tiefste Not
Erlösung liegt in deinen Armen
Wir trennen uns allein im Tod

Corax, 12.01.8217;10

Das hier sind zwei Gedichte in einem.
Lest es zweimal...einmal für jede Seite, die eine so starke Abhängigkeit wie die Liebe besitzt.
Der Titel "Liebesleid" erinnert an "Liebeslied", was das Gegenteilige in diesem Werk bezeichnet:
Zum einen ein Liebes-, zum anderen ein Klagelied...
Für alle, die zu faul zum suchen sind, ist ein paar Zeilen weiter unten das "Gedicht im Gedicht".
Achja - Ebenfalls Klinikgedicht. Ich sag ja, es macht kreativ...


















Du zerreißt
mein Herz so leicht
meine Sehnsucht
Wahnsinn gleicht

Hältst mich fest
gefangen
Alles Glück ist
längst vergangen

Deine Liebe
schmeckt so bitter
Meine Seele
hinter Gitter

Stürzt mich
stets in tiefste Not
Erlösung liegt
allein im Tod
Anti87Spiegelschrift


Ich sehe nichts und alles schweigt
Kein Wort entflieht den Lippen mir
Die Zeit zerfließt zersetzt mein Sein
Das Sehnen beißt mich wie ein Tier
Im Herz im Hirn und im Genick
Nagt es sich durch meinen Geist
Ich spür die Fesseln um mich her
Und zerr’ daran doch keine reißt

Gewollt ist jeder heiße Schmerz
Der mich zurück ins Leben zieht
Im Dunkel kniend flehe ich
Dass mich nicht ein Auge sieht
Der Spiegel flüstert eisig kalt
Ein jeder Rückweg ist versperrt
Sein Blick trifft meinen vor dem Glase
Und erkennt doch nichts von Wert

Dieses Leben ist ein Spiel und die Regeln sind verloren
Dieses Leben hat kein Ziel und die Wege sind verworren
Dieses Leben ist zuviel ohne Glauben nutzt kein Beten
Dieses Leben ist ein Spiegel und ein Blick hinein kann töten!

Ich reiße meine Lider auf
Und Schwärze trübt mein Augenlicht
Der fahle Glanz des wahren Scheins
Ersetzt die Lüge, tröstet nicht
Der Himmel speit sein Wasser aus
Und tränkt mich ganz mit Wirklichkeit
Im Erdreich wächst kein Same mehr
Ganz allein der Hass gedeiht

Schaudernd steh’ ich vor dem Nichts
Und warte auf den Gnadentod
Der Wind erzählt vom Zeitenende
Vom Vergessen das mir droht
Eingebrannt sind alte Bilder
Streiten mit dem Mut zu leben
Das Gesicht im Zeitsandsturm
Muss ich mich stets neu erheben

Gleich dem gold’nen Strahlenkranz
Tag um Tag vergebens treiben
Vergeh’ ich auch in seinem Schein
Dies eine Leben soll mir bleiben!


Corax, 25.11.’09



Ich hab dieses Stück im Literaturunterricht geschrieben...am Stück.
Es war wie ein Blick in den erwähnten Spiegel, um mein Leben kurzerhand pessimistisch zu reflektieren.
Hier das Ergebnis, ein Wortfluss sondergleichen.
Anti87Utopia


Dort wo nur der Horizont
Das Ende meines Weges ist
Dort wo sich mir Freiheit
In mehr als einem Wort erschließt

Dort wo meine Beine mich
Auf allen Pfaden tragen
Dort wo keine Grenzen sich
An mein eines Leben wagen


Dort, ihr Menschen, will ich sein
Fern von allem, was mich zwingt
Dorthin zieht mein Herzschlag mich
Wenn die Sehnsucht in mir singt


Dort wo alle Eitelkeit
Vergänglichkeit erfährt
Dort wo der Zeiten Mahlstrom
Nicht Lieb’ noch Freundschaft mit sich zerrt

Dort wo der Hauch der Seele
Frei von Schuld und Sühne schwebt
Dort wo nicht Krone oder Mitra
Lug und Trug zu Glauben webt


Dort, ihr Menschen, will ich sein
Fern von allem, was mich zwingt
Dorthin zieht mein Herzschlag mich
Wenn die Sehnsucht in mir singt


Dort wo kein Strahl von Sonnenschein
An kalte Herzen reicht
Dort wo ein Lächeln viel zu oft
Einem Zähnefletschen gleicht

Dort wo sicheldünnen Lippen
Kein aufrechtes Wort entflieht
Dort wo man in keinem Auge
Mehr als trüben Nebel sieht


Dort, ihr Menschen, muss ich sein
Fern von allem, was mich wärmt
Dorten hält mein Herzschlag mich
Wo jedes Antlitz gramverhärmt

Ach, wäre nur der letzte auch
Der langen Reise erster Schritt!
Utopia, weit hinterm Leben
Traum, der Menschenhand entglitt!


Corax, 18.01.’10

Nunja, mein Utopia und Dystopia gleichermaßen.
Anstaltsstück.
Anti87Sturmflut


Es zieht in gar nicht weiter Ferne
Ein Sturm herauf am Horizont
Jedoch das Wolkenschloss, das thront
Verbirgt die Regengüsse gerne

Die Wasser fallen heimlich, still
Sammeln sich fernab der Sicht
Ihr Schimmer flieht ein jedes Licht
Und den Blick, der sehen will

So staut sich ein ums andre Mal
Der Gefühle kalter See
Legt auf die Seele sich gleich Schnee
Und das Warten wird zur Qual

Bald beseh’ ich mir die Dämme
Will die Schleusen offen sehen
Doch die Räder woll’n nicht drehen
Gleich wie ich mich dagegenstemme

Drum bleibt mir nur, sie zu verfluchen
Mit Grimm im Blicke auszuharren
Und die Risse anzustarren
Die ihren Weg durchs Mauerwerk sich suchen

Ich kann die Zeit nicht mehr bestechen
Nur warten, bis die Dämme brechen...


11.10.’09
Anti87Dämmerung

Kehr' nur wieder, alte Zeit
mach dich nur von neuem breit
Alte Hoffnung, alte Sorgen,
alte Angst vorm neuen Morgen...

Das selbe fahle Licht im Blick
länger wird der Weg zurück
Gedanken fliehn zum Horizont
dorthin, wo nicht Trauer wohnt

Trübes Grau umfängt mich sacht
liegt auf Träumen in der Nacht
lässt die Zeit nicht mehr verstreichen
und die Zweifel nicht mehr weichen

Alte Wege, neue Ziele
Gute Gründe gibt es viele
Keinen, der zufriedenstellt
Chaos lacht, Vernunft zerfällt

In dem lang vernarbten Herz
spür ich wieder alten Schmerz
Was auch kommt, ich bin bereit
Kehr' nur wieder, alte Zeit...

30.06.`09
Anti87Nosce te ipsum


Lunas Antlitz, hell und bleich, ist heute Nacht verschwunden
Es strahlen matt die Sterne
Augen, dort am Firmament
Treiben weit im schwarzen Meer, im Chaos doch verbunden
Sehen mich im Dunkel, stille
Und nur eine Kerze brennt

Schwach ihr Schein und leis’ die Schritte, jeder Balken ächzt und stöhnt
Wie aus weiter Ferne
Stimmen, hinter dem Gebälk
Flüstern mir von einer Kammer, deren Tür nur angelehnt
Drinnen stünd’ ein Bett aus Rosen
Deren Blüten längst schon welk

Mir scheint, ich blick’ durch Traumes Schleier jeden Gang entlang
Alte Wände, farblos, kahl
Sind von grauem Staub verhüllt
Ab und an ein leerer Rahmen, wo dereinst ein Bild wohl hang
Folgen mir wie blinde Augen
Starren hass- und zornerfüllt

Hastig werden meine Schritte, Angst lässt mich nach hinten blicken
Etwas folgt mir, blass und fahl
Es erlischt der Kerze Licht
Was ich sah, bleibt hinterm Lid und will mein Herz erdrücken
Dieses Lächeln, grausam kalt
Das mir in der Seele sticht

Dunkelheit hält mich umfangen, hetzt mich fort durch Gang und Tür
Kalter Atem im Genick
Und das Flüstern wird zum Wind
Keuchend, wimmernd renn ich blindlings, Furcht füllt jede Leere mir
Lenkt die Schritte hin zum Wispern
Wo die welken Rosen sind

Genug erklommen sind der Stufen, hab zuletzt den Raum erreicht
Schwaches Licht fängt meinen Blick
Mondschein durch ein Fenster fällt
Hier, im Auge dieses Sturms, fällt kein Atemzug mehr leicht
Das verfaulte Blütenbett
Ist die Liebe dieser Welt

Grau und tot ist jede Farbe, nur die Dornen rot von Blut
Zieren noch die Ruhestätte
Und mein Auge findet Halt
Bei dem Spiegel an der Wand, der dort seit Äonen ruht
Ein Silbersee, die Reflektion
Gefasst in Eisen, blank und kalt
Im blassen Lichte knie ich nieder, seh’ darin mein Ebenbild
Gezähmt mit schwerer Kette
Schwarz die Seele, schwarz das Haar
Zerrissen ist das Flügelpaar, rote Augen starren wild
Seine Haut so blass und fahl
Dieser mein Verfolger war!

Und ein Schrei entflieht den Lippen, bricht das Schweigen dieser Nacht
Meiner Seel’, ich bin verflucht!
Wie ein altes Grab sein Mund
Geöffnet gleich dem Höllentor, als er voll von Bosheit lacht
Meine Qual und seine Häme
Schlagen Herz und Ohren wund

Klagend stelle ich die Frage, die mir heiß im Blute gleißt
Hast du mich gejagt, gesucht?
Was für Böses bist du nur,
dass du im silbrig Spiegelsee derart an Herz und Seel’ mir reißt?
Sprich! Und lass das Traumbild bersten!
Sprich! Und gib mir deinen Schwur!

Aus des Mundes Höllenschlünden
Aus dem Grabestief
Steigen Geister, die ich rief
Worte, die von Grauen
Und von Wahrheit künden:

Ich bin Viele, ich bin ewig, ich bin stets gewesen
Wer in einen Spiegel blickt
Oder Menschenaugen
Sieht des Innern dunklen Teil, der ist in jedem Wesen
Dort, im Licht des Lebens lauernd
Schatten, die zum Töten taugen

So will ich dir entsagen, will mich dir entziehen!

Laufe, renne, so du kannst, versuch, vor dir zu fliehen!

Nimmer bist du in mir, Dämon, nicht in meiner Brust!

Sitz’ im Nacken, wohn im Herzen, schwelg in deiner Lust
Lass dich von den Schritten tragen, nimm dir alle Zeit
Bin bei dir an allen Tagen, der Seele Schatten als Geleit!
Im fernsten Winkel deines Geistes hast du’s wohl gewusst!

Ich hörte jedes Wort, und der Sinn ist schmerzhaft klar zu sehen
Nun lass mich endlich fort, lass das Traumbild schon vergehen!




Gedenkst du meiner, auch im Wachen?

Nie vergess’ ich dieses Lachen!

Und so du gehst im hellen Schein?

Bin eingedenk der Worte dein!

Und so du glaubst, dies wär’ ein Traum, allein ein Phantasiegespinst?

So blick’ ich nur in einen Spiegel, wo die Bosheit ewig grinst!

Du hast die Wahrheit wohl gelernt, ich brech’ des Traumes Siegel...


Lunas Antlitz, hell und bleich, ist mit der Nacht verschwunden
Die Sonne scheint durch Nebel
Schreckt mich auf aus wüstem Traum
Bilder, Worte, sind in mir wie lang vernarbte Wunden
Wende meinen Blick zur Seite
Trau’ den müden Augen kaum:


Als Mahnmal für den dunklen Teil, liegt neben mir ein Spiegel...



Corax, 27. – 30.09.`09


Mein Opus Magnum. Bis jetzt.
Gefällt mir von all meinen Werken irgendwie am besten, was wohl daran liegt, dass ich ein großer Bewunderer von klassischer Literatur bin, Theaterstücken u.ä.. Die Sprache, Struktur und Thematik von Werken wie Hoffmanthals "Jedermann" oder Goethes "Faust" haben mich stark beeinflusst und ich träume immer noch davon, irgendwann ein eigenes Stück in dieser Art zu schreiben.
Anti87Mindlock (Fluchtfragment)

Your dreams are castles built on clouds
which turn into a stormfront now
they fall apart as thunder rages
and while the last bolt flashes
it's raining down the ashes
of castles that have turned to cages

The higher you rise
the harder you fall
hearing the voice
of reality call

A prisoner is what you are
by wanting all, you've gone to far
the stars the nearest thing to reach
Utopia has locked you in
dreaming was your greatest sin
a lesson only life can teach

The higher you rise
the harder you fall
hearing the voice
of reality call

As truth came crawling up your spine
you chose the lies, the sweetest wine
Into the realm of phantasy
Hide away behind your shell
Searching heaven, heading hell
locked in you mind without a key

The higher you rise
the harder you fall
hearing the voice
of insanity call...


Corax, 8.2.`10

Die Flucht vor der Realität endet immer im Labyrinth des eigenen Bewusstseins.
- Ich
Anti87Deutsche Rechte

Rechte für Rechte?
Rechte für Deutschland?
Rechte für Menschen?
Selbstgerechet Rechte?
Rechte Menschen für Deutschland?
Ich weiß nicht recht:
Recht, nicht aufrecht.
Eher Menschenrechte für aufrechte Menschen.
Aufrechte Menschen für Deutschland.
Hört auf,Rechte:
Zu recht, 's ist nicht recht.
Keine Menschen für die Rechte - es rächt sich.


Corax


Keine Erläuterung notwendig für die, die denken können.
Anti87An den Sommer:

L Die Haare im Wind
A die Füße im Sand
S die Sorgen zu Hause
S der Himmel über,
M der Weg vor mir
I das Leuchten im Auge
C das Lachen im Gesicht
H die Sonne im Rücken
F die Zeit im Abseits
Ü die Grenzen verschoben
H das Denken im Urlaub
L die Freunde greifbar
E die Liebe im Arm
N das Glück im Herzen


Im Frühling `10.
Es war eine Erwartung von Freiheit, die sich nicht erfüllt hat...vielmehr trieb es mich erneut in die Isolation, eingesperrt im Zimmer oder ausgesperrt in der weiten Natur.
Anti87Sommernachtstraum

Alle Schatten werden länger
und die Blätter, zärtlich, wiegen
sich im Atmen dieses Abends
in dessen letztem Schein wir liegen

Selten sah mein Herz, wie nun,
dass sanfter je ein Tag entschlief
und nie zuvor war Stille dort,
wo schmerzhaft sonst ein Sehnen rief

Schweigen wächst aus deinem Blick
und spricht, wo Worte sinnlos bleiben
In deinen Augen kann ich wie
im Meer zu unsren Füßen treiben

Nacht verdrängt die letzte Glut
Ich leg' mein Herz in deine Hand
und mit den letzten, sanften Wogen
sinken wir in warmen Sand

10.02.'10
Anti87Unter stählernem Himmel (Kürzestgeschichte)
In meiner Münchner Berufsschule bat mich ein Klassenkamerad, ihm doch eine "Suicide Story" für eine Sammlung solcher aufmunternder Kurzgeschichten zu schreiben.
Da man von unserem Klassenzimmer aus einen unverstellten Blick auf die Massenhaltungskomplexe des olympischen Dorfes hat, habe ich mir vorgestellt, wie es sein muss, dort zu wohnen. Zu leben, zu existieren, zu vergehen, zu sterben.
Worte, die mir schon seit der Vollendung des Spieleklassikers "Beneath a steel sky" im Kopf umgingen, fanden hier einen Weg aufs Papier.
Und Träume, die mir ebenfalls seit langer Zeit im Kopf umgehen, ergossen sich gleich mit...hier also:

Unter stählernem Himmel

‚Träume werden nun mal nicht wahr!’, höre ich sie immer noch sagen.
Kurz bevor sie ging, zum letzten Mal mein Zimmer, meine Wohnung, schließlich mein Leben verließ.
Meinen Kopf wird sie wohl nie mehr verlassen.
Seither – seit ungefähr einem halben Jahr wohl – träume ich wieder.
Doch im Gegensatz zu früher, als meine Träume nur tagsüber stattfanden, liegen sie nun im Schlaf wie Alpe auf mir...meinem Geist.
Langsam beuge ich mich nach vorne, um dann schwerfällig den Kopf auf die verschränkten Arme über den Knien zu legen.
Ungefähr eine Viertelstunde habe ich wieder die Leere um mich herum, in mir, im Spiegel, meinen Augen betrachtet.
Was ich dort gesehen habe, lässt mich auf distanzierte Weise einen kalten Schauder wahrnehmen, der einer Spinne – oder ihrem tödlichen Gift – gleich mein Rückgrat hochschleicht.
Meine Träume gabeln die Straße meines Lebens in unzählige Abzweigungen.
Tausend Wege, eine Richtung. Und anders als bisher sind die Wege nicht das Ziel.
Ich habe volle neunzehn Jahre damit verbracht, für das Leben an sich zu leben, aber nun realisiere ich mehr und mehr, das all die Zeit über...jede Handlung, jeder Versuch, eine Perspektive in meine Existenz zu bringen, nur dazu beitrug, mir die Ziellosigkeit vor Augen zu führen, die mich bestimmt.
Sie konnte dem Ganzen auch keinen Sinn geben.
Meine Blicke folgen den Gedanken in schier endlose Schwärzen hinter den Fenstern zur Seele, ihr Bild eingebrannt, ein Nachbild aus all den Tagräumereien.
Es kommt mir so vor, als wäre meine Wohnung zu groß, die Wände werfen die Stille in mir als ohrenbetäubendes Echo zurück.
Sie hat diese Stille und Leere fast drei Jahre lang übertüncht, während die weißen Wände meines Bewusstseins unter der beständigen, strahlenden Farbe begannen, im Inneren zu zerfallen, sich auszuhöhlen, indes das Äußere – die Fassade – fester wurde.
Fast genug, um mich glauben zu lassen, alles würde gut bleiben, solange sie nur blieb.
Die absurde Idee, sie würde für immer bleiben, hatte sie letztendlich verschreckt, ließ die Fassade bröckeln, zurück blieb allein das eingestürzte Gebilde eines unfertigen Konstrukts...meines Lebens.
Während ich einsam und still schreiend durch diese Trümmer wandere, Rest des Kerns suche, ein Fundament, stelle ich fest:
Ich wandle wie unter stählernem Himmel, kein Licht dringt durch die steril wirkenden, blaugrauen Wolken.
Ich erhebe mich von dem Bett, das seit langen Monaten keinen ruhigen Schlaf mehr zu bieten vermag und beginne, die Wohnung zu durchqueren, zum Küchenfenster strebend.
Auf dem Weg dorthin fällt mir auf, wie sauber die drei Zimmer sind, welche seit meinem Auszug von daheim mein Zuhause darstellen.
Keine Fotos an den Wänden.
Wieder ein Zeichen, bemerke ich, für die reine Existenz meiner Person hier. Ich verscheuche den Gedanken, vorerst.
Im Treppenhaus knallt eine Tür.
Irgendwo hier, im dreißigsten Stock eines namenlosen Massenhaltungskomplexes, ist einer meiner – für mich – gesichts- und bedeutungslosen Nachbarn auf dem Weg nach unten.
Er oder sie scheint alle Treppen zu nehmen. Keine Eile, viel Zeit. Nichts davon wird heute an eine Arbeit verschwendet.
In der Firma sehen mich all die Augen mit einem seltsamen Blick.
Niemand sagt irgendwas, sie machen ihre Arbeit, mischen sich nicht ein.
Wozu sollten sie auch? Sie arbeiten, ich arbeite. Die wenigstens reden, es bringt nichts, andere nach ihrem Leben. Jeder hat doch sein eigenes.
So leben wir alle, wie wir auch arbeiten.
Nebeneinander.
Inzwischen bin ich in der Küche und blicke aus dem Fenster.
Eine langsam hinter zerfasernden Wolken und wie Narben wirkenden Kondensstreifen versinkende, rotgolden glühende Sonne taucht alles in ein trüb glänzendes Licht, überzieht wie ein ehemals schöner Schutzfilm die graue, laute Stadt.
Mein Blick fällt auf einen Vogel, der alleine in Richtung des weit entfernten Grüns fliegt, sich von dem Feuerball am Horizont abhebt.
Ich bemerke, wie die Sehnsucht mir Tränen in die Augen treibt.
Frei sein.
Ein Beben erfasst alle Muskeln, zwingt mich in die Knie.
Schmerzen, die fern von allem körperlichen sind, verdrängen die Leere in mir.
Ich muss die Augen schließen, als alle Dämme brechen.
In mir, zu tief in mir, als dass ich es erfassen oder ändern könnte, vereint sich die Sehnsucht mit der Sinnlosigkeit, produziert die Furch als Randerscheinung.
Schluchzend liege ich im sanften, brennenden Abendrot auf den orangenen Kacheln der Küche, muss unwillkürlich daran denken, wie sie meine Mutter vor langer Zeit aus der in unserem Haus getragen hatten.
Mein Vater, immer noch in irgendeinem Staatsgefängnis, hatte ein letztes Mal, zu fest, zugeschlagen. Man könnte sagen, der Alkohol hat sie umgebracht.
Damals hatte mich nichts in diesem Haus gehalten.
Jetzt, bemerke ich, hält mich nichts in diesem Leben.
Wenn ich einschlafe...sehe ich Blut. Ich sehe schnell an mir vorbeiziehenden Beton, oder Glas.
Ich sehe eine Hand voller Tabletten, die sich zu meinem Mund bewegt, ich höre einen gedämpften Knall, danach wache ich auf.
Jeden Morgen wird die Angst weniger, die Möglichkeiten mehr.
Die Tränen sind mittlerweile kalte Linien, die schwarze Streifen salzigen Kajals bis zum Metall in meinen Lippen gezogen haben.
Mir wird klar, dass ich soeben eine bedeutende, endgültige Feststellung gemach habe:
Ich bin nur ein Platzfüller.
Alles hier...ist so...kalt, so austauschbar.
Mein ganzen „Leben“ ersetzbar.
Die paar Freunde, die einen Teil des Weges mit mir gingen, werden es verkraften.
Kein schlechtes Gewissen, keine Angst mehr.
Dämmerung senkt sich wie der letzte Vorhang vor meinem Fenster, der Vogel ist kaum mehr wahrnehmbar, als ich meine Schritte zum Bad lenke.
Heißen, klares Wasser füllt stetig die Wanne, während ich meinen Trauerflor ablege.
Im Spiegel betrachte ich all die Narben, einige noch nicht verheilte und wenige kaum einen Tag alte Wunden, welche meinen Körper in eine Landkarte des Leidens, des Hasses, der Hilflosigkeit verwandelt haben.
Sie alle sind nur ein sichtbarer Bruchteil dessen, was in mir längst zersplittert ist.
Vor langer Zeit habe ich es begonnen, heute vollende ich die Karte.
Musik erfüllt das diffus beleuchtete Bad, Töne, so schwer wie die Last eines Lebens.
Geduldig öffne ich das kleine Papierbriefchen, entnehme ihm die unsichtbar auf dünnes Metall geschriebenen Worte, die schon so viele Geschichten erzählt und noch mehr beendet haben.
Ich sinke in die schwerelose Wärme des Wassers.
Nachdem ich eine Weile mit geschlossenen Augen in die Zukunft blicke und nur Schwärze sehe, öffne ich die Lider und führe ruhig, den Schmerz auskostend, eine Ecke der Klinge über den linken Unterarm.
Das herausrinnende Blut beruhigt mich noch mehr, färbt das Wasser in einem sanften, roten Ton.
Alle etwaig noch verbliebenden Zweifel reißt der Strom warmen Lebenselixiers, das jetzt auch aus dem rechten Arm über die zerschnittenen Ufer der Haut tritt, mit sich.
Die Musik übertont das Klagelied meines Körpers, die Wärme trägt mich auf Wellen zärtlich pulsierender, dumpfer Schmerzen fort, in Richtung Freiheit.
Blass wird meine Hand, unstet mein Blick, mein Herzschlag wirkt wie durch Watte gefiltert.
In mir: Stille. Frieden.
Je mehr Blut aus mir fließt, desto weniger wird die Leere, die mich zuvor füllte.
Der stählerne Himmel wird dunkel, zerfließt.
Als meine Welt zerbricht und alles an Bedeutung verliert, lächle ich unbewusst.
Eine kleine Stimme, ein letzter Gedanke:
‚Manche Träume werden doch wahr...“

Corax, 15./16.11.’09
Anti87Hoffnung (Asche)

Hoffnung? Du fragst mich, was Hoffnung ist?
Sie ist ein winziger Funken, der noch in einer Ascheflocke glimmt.
Wenn du sie vom Boden aufwirbelst, mag sie sich in deinem Herzen festsetzen und sich dort neu entzünden, weiter nach oben schweben in der leichten Brise der Naivität, bis sie deinen Verstand erreicht.
Dort, hinter deinen Augen, wird sie ein Feuer entfachen, dessen greller Schein dich von Innen blendet, stärker noch, sobald du deine Lider schließt!
Nährst du die Flamme mit Erwartungen, brennt es heißer und heißer in dir, bis nichts mehr von der Vernunft geblieben ist, während du dich der trügerischen Wärme hingibst, verblendet und sehnenden Herzens blindlings der Hoffnung folgst wie einer durch die Luft tänzelnden Ascheflocke...
Sobald du stehen bleibst, sehend und klar denkend, findest du dich wieder in einem gewaltigen Meer aus Asche, das über den Horizont der Zeit hinausreicht.
Du wirst feststellen: Jenes schwarze, beinah erkaltete Meer aus erloschenen Träumen ist das Leben...das letzte bisschen des Feuers in dir wird in den Myriaden Flocken versinken...bis jemand unvorsichtigen Fußes einmal mehr einen winzigen, kaum noch glimmenden Funken hoch in die Luft wirbelt....

Corax, Herbst ’09
Anti87Verein(sam)t

Manchmal, wenn die Sonne scheint,
denkt er dran, noch mal zu leben
doch statt sich aus dem Stuhl zu heben
im zu großen Raum
bleibt er sitzen, trinkt und weint

Manchmal, wenn er in der Küche
Ihre alte Tasse spült
Spürt er, wie es ihn zerwühlt
Und wie Porzellan
Geht auch er dann in die Brüche

Manchmal, wenn er aus dem Fenster
In den Abendhimmel sieht
Fühlt er, wie es an ihm zieht
Hin zum Silberstreif
In weiter Ferne glänzt er

Immer, wenn er an sie denkt,
führen ihn die Tränen
näher zu der Schwärze Gähnen

Als er nicht mehr widerstand,
nahm er glücklich ihre Hand
im Keller, wo er heut noch hängt...


15.02.’10
Anti87Silberzungen

Stellt mir keine Fragen, dann hört ihr keine Lügen
Dieser Satz allein für sich soll euch schon genügen
Was kümmert euch, wie viel ich lebe,
Wem ich einen Teil von mir
und von meinem Leben gebe?

Reden ist, so sagt man, Silber, Schweigen jedoch Gold
Ich gebe nichts auf Reichtum, doch dieser wär’ gewollt
Drum kehrt vor eurer eig’nen Tür
Tretet nicht die meine ein
und fordert Silber noch dafür!

Wenn mir bittre Freiheit wie die jetzige gewährt
Sich der Lebenswille von so wenig Menschen nährt
Zwingt mich nicht, dem zu entsagen
Legt mir Gold vor meine Tür
und erspart mir eure Fragen!

Corax, 17.02.’10


Für all die neugierigen Menschen, die es nicht lassen können, sich in die Leben und die Angelegenheiten anderer einzumischen.
Für diejenigen, nach denen man seine Existenz ausrichten soll, um nur ja nicht auf ihre zahlreichen Schlipse zu treten.
Anti87Euthanamnesie

Komm', oh Tod, du Schlafes Bruder
Lass’ mein Sehnen Lethe sein
Fährmann, pack' fest an dein Ruder
wasch' mich in den Fluten rein
Vom Erinnern, vom Gewissen
von all jenen Bitternissen
die mein Leben so bestimmen
lass mich ins Vergessen schwimmen!

Löse mich von allen Ketten
Deren Glieder mich beschwern
Will mein Haupt zur Ruhe betten
Und kein Sterbenswort mehr hörn
Soll doch in der Sonne Strahlen
Und in Lunas stetem, fahlen
Licht das Leben nur gedeihen
Will mich einzig dir noch weihen

Die Lider mein schließ’ sanft mir zu
Nimm’ die Hände fest in deine
Ich folge, doch den Weg zeigst du
Bring mich mit der Welt ins Reine
Lass die Brücken alle brennen
Ich hab’s satt, gehetzt zu rennen
Stille ist’s, die ich erbitte
Nimm mich aus des Zeitstroms Mitte

Hier, oh Tod, du Schlafes Bruder
Am Ufer Lethes stehend nun
Weist zuletzt des Fährmanns Ruder
Den letzten Schritt mich an zu tun
So tret’ ich hoffnungsvoll ins Nass
Aus meinen Augen glimmt es blass
Im Vergessen steht’s zum Guten
Muss erinnernd nicht verbluten...

Corax, 17.02.’10

„Man muss ein Virtuose im Vergessen sein, sonst verblutet man auf der Intensivstation Erinnerung.“
- Martin Johannes Walser

Euthanasie, abgeleitet von griech. εὐθανασία, „ein leichter und/oder schöner Tod“ als Zusammensetzung aus εὖ, „gut“, „leicht“ und θάνατος, „Tod“

Amnesie (von griech. a „ohne, nicht“ und mnesis „Erinnerung“)

Lethe (von griech. λήθη das Vergessen) ist laut der griechischen Mythologie einer der Flüsse in der Unterwelt.

Im Vergessen liegt Erlösung, im Erinnern frischer Schmerz.
- Ich
Anti87Rückblick


Wir ham’ es uns nie leicht gemacht
Haben viel zu zweit gelacht
Doch jeder hat noch viel mehr
Nur für sich allein geweint
Und jetzt kommt unsre letzte Nacht
Wer hätte schon gedacht
Dass es mal so endet
Das Leben hat uns schön geleimt

Und ich höre dich noch sagen
Bitte stell’ mir keine Fragen
Ich weiß genau so wenig,
genau so viel wie du

Und hier sitze ich mal wieder
Mit dem Herzen in der Hand
Mit der Gitarre auf den Knien
Und dem Rücken an der Wand
Mit Sehnsucht in den Augen
Und dem Kopf voller Lieder

All’ die Tage, die bald kommen
Seh’ ich nur verschwommen
Wie den Zug am Horizont
Wenn ich auf den Gleisen geh
Was sie bringen – keine Ahnung,
ich bin kein Mensch mit Plan und
ich hab auch keine Tränen
warum tut es dann so weh?

Und ich höre dich noch sagen
Bitte stell’ mir keine Fragen
Ich weiß genau so wenig,
genau so viel wie du

Und hier sitze ich mal wieder
Mit Salzgeschmack im Mund
Mit Wut in meinem Blick
Und mit einem guten Grund
Mit Angst in allen Worten
Und dem Kopf voller Lieder

Du gehst zurück zu deinem Leben
Zurück in deine Welt
Ich kann dir nichts mitgeben
Weil man in solchen Fällen
Seinen Schmerz für sich behält

Ich weiß genau so wenig,
genau so viel wie du
Im Leben ist kein Kunde König
Und selbst wenn’s welche gibt
Gehören wir nicht mehr dazu

21.02.’10
Anti87TAK

Die Kojoten steh’n Spalier
Ihre Augen voller Gier
Der Himmel ist vom Abend rot
Und Narben zier’n den Horizont
Wo die Sonne blutig droht

Die Luft ist unheilsschwanger
Auf dem Totenanger
Der kein Wort wie Gnade kennt
Setzt nur ein Tier den blanken Fuß
Da der Sand wie Feuer brennt

Ein Heulen von den Bergen dringt
Als ob ein Wolf vom Tode singt
Die Straße liegt bedrohlich stumm
Ein Sturm kommt mit dem Zwielicht auf
Reißt Hoffnungen und Sträucher um

Unter schwarzer Geier Blick
Findet hier kein Mensch sein Glück
Blutig schimmert ihr Gefieder
Spinnen, Schlange, Skorpione
Legen vor dem Herrn sich nieder

Der spricht Worte ohne Leben
Lässt die Tiere sich erheben
Schickt sie hin zum Wüstengarten
Ihr Gott ist in dem Mann erwacht
Nun heißt es
Warten
Warten
Warten...


Corax, 23.11.'09

In meinem Kopf...die Stimmung im kleinen Dorf Desperation aus Stephen Kings gleichnamigen Buch, bevor das große Sterben beginnt...
Anti87Rattenklage

Es sind die alten Lieder
die nur neue Münder singen
so meint man immer wieder
dass sie langsam schöner klingen
doch auch die Laute dieser Kehlen
woll'n nur eines:
Seelen stehlen.

"Rattenfänger!", schallt es dann
damals, jetzt und immerdar
mit der Wut im Halse kann
lauter schrei'n die feigste Schar
und die - man ahnt es - folgerichtig
fühlt sich dann so
richtig wichtig.

Jedoch, das Rattenhüten
macht den Leuten zu viel Mühe
zu zürnen und zu wüten
ist Fleisch in ihrer Brühe
Die bitt're Mahlzeit wird livriert
mit blankem Hohn
garniert serviert.

So verflucht die Spielleut' nicht
mit Flötenkünsten im Gepäck
haltet für euch selbst Gericht!
Und seht die Kinder dort im Dreck
wo ihr sie lasst, wie sie gleich Tieren
nach Liedern zum
marschieren gieren...

14.04.'10


Damals, jetzt und immerdar haben die Menschen immer genau solchen "Rattenfängern" die Schuld gegeben, wenn ihren Kindern Böses geschah.
Aber, und ich gebe gerne zu, mich bei diesem Werk von Thomas Manegold (großer Lyriker der schwarzen Szene) inspiriert haben zu lassen, wenn die Kinder in die Fänge solcher Wortkünstler laufen, ihren rhetorischen und idealistischen Flötentönen folgen - wer trägt wirklich Schuld?
Die "Rattenfänger" haben lediglich leichte Beute gemacht. Wie wurden diese "Ratten" so willenlos und manipulierbar? Durch beschissene Erziehung, Gleichgültigkeit seitens der Eltern, rotzdumme Umwelt, die nichts tut, als zu schreien, WENN etwas passiert ist - und natürlich, dann sind es die bösen Rattenfänger, denen alles anzulasten ist.
Prügelt euch gefälligst in die eigene, saudumme Fresse, bevor ihr euren Kindern hinterherweinen, nein, SCHREIEN müsst und KLÄRT SIE AUF! KÜMMERT euch um sie und gebt ihnen verdammtnochmal ein Zuhause, in dem sie sich wohlfühlen!
Dann laufen sie nicht irgendwelchen Nazis, Religionsverblendeten oder anderen Extremisten in die offenen Arme, die ihnen ja nur freundlich erscheinen können bei allem, was sie aus der Kindheit kennen!
Anti87Melancholie

Du, Tochter zweier Welten, bist
die Göttin langer Nächte mir
wenn mein herz die Stunden misst
zum Morgenrot mit stummer Gier

Deine Haut ist Marmor gleich
ein Traum der Sinne die Statur
so süß die Stimme, sanft und weich
doch verbittert die Natur

Ein Lächeln welkt auf deinem Mund
darin die Freude übt Verzicht
Es zeigt ein Blick zum Herzensgrund
Das Glück bewohnt dein Wesen nicht

Wenn die Zeit wie Honig scheint
die Sonne keine Wärme gibt
bist du's, die ohne Tränen weint
mit jedem, der dein Gift so liebt

Ich ruf' dich, wenn das Licht erstirbt
die Stirn an dir zu kühlen
gleich Feuer, das um's Wasser wirbt
will deiner Wogen Stille fühlen

Sehnsucht heißt der Garten, in
den ich mich mit dir flüchte
Die Zeit gibt bald dem Warten Sinn
es blühen Trauerfrüchte

Zeit um Zeit verlässt du mich
nie jedoch auf Dauer
Seltsam leicht ist's ohne dich
so sehr ich's auch bedauer

Du, Tochter zweier Welten, bist
Salz und Nektar mir im Geist
der Schmerz, den man im Glück vermisst
die Grenze, die zur Freiheit weist

14.04.'10

Gestern war ich elendig kreativ. Faustformel: Langeweile eines Vortrages x dessen Länge / Mangel an Alternativen = Kreatives Schaffen.
Oder so.
Nun ja, die "Tochter zweier Welten" war mir schon länger ein Anliegen. Teils Trauer, teils romantisches bis pathethisches Sehnen - das bedeutet Melancholie für mich und ist mir eine großartige Geliebte. Nur, je länger sie in den langen Stunden bis zum Morgen oder sonstwann, wenn die Zeit nicht vergehen will, bei mir ist, umso mehr wirkt ihr süßes Gift, dass kreativ macht und zugleich irgendwie lähmt.
Vermissen will ich sie trotzdem nicht, sogar wenn es mir gut geht, wünscht ein Teil von mir sich diese wunderschöne, grausame Göttin herbei.
Anti87Veritas

Es wiegt das Rückgrat schwer wie Eisen
wenn man Wahrheit spricht
Ein Schmerz, der adelt, ist zu preisen
wie ein Rückgrat, das nicht bricht
und sich nicht verbiegt
Ein falsches Wort ist drauf erpicht
Narren einen Weg zu weisen,
ein falsches Lächeln im Gesicht
erlaubt es, sehr bequem zu reisen
drum die Lüge siegt
Weil in den verlockend' Weisen,
singend nur vom Unverzicht,
das Rückgrat sich verbiegt in Weisen
bis das Bad im falschen Licht
keine Last mehr wiegt
Drum brich' der Lippen Siegel nicht
so dich der Stachel leisen
Zweifels im Gewissen sticht,
ob der Worte Quell im Weisen,
in der Wahrheit liegt!

14.04.'10

Endlich. Vanitas und Veritas, Vergänglichkeit und Wahrheit, meine beiden Leitsätze im Leben, sind komplett.
Gestern überfielen mich schließlich die Worte, die es gebraucht hat, um dieses Gedicht zu schreiben. Ich hab' mich zeitweise schon gefragt, ob ich der Wahrheit je das Stück widmen kann, das ich für sie geplant hatte...aber hier isses, und wie immer - wenn's auch sonst keinem gefällt, ich bin damit zufrieden.
Anti87Kunst – X = Leben

Wir spielen das meiste, was wir glauben, zu sein. Wer von uns weiß denn tatsächlich, wer oder was er ist? Flüchtend in alle möglichen und unmöglichen vorgekauten Rollen, zwängen wir uns in Korsagen und Korsetts, die uns die Kunst vorgegeben hat und immer vorgeben wird. Die Medien, die sich schamlos an der Kunst gütlich tun, versuchen es schon seit Ewigkeiten, schaffen es, uns zu Produkten ihrer sogenannten Ideale zu machen und wir, noch viel schamloser, reflektionslos, verabscheuungswürdig, nehmen es an, im Glauben, aus freiem Willen heraus zu handeln. Wir streifen Ideale, Moralvorstellungen, Bewusstsein und ganze Leben über und ab, häuten uns öfter als alle Schlangen, schlängeln uns mit nichts als kriecherischer Attitüde und widerlichem Giftnebel um uns herum durch etwas, das wir "Leben" zu nennen wagen! Nichts an diesem Leben ist mehr als eine bloße Existenz.

Das Leben imitiert die Kunst.
Das bedeutet für mich, dass die Kunst (per se wertungsfrei) Vorbilder für uns Menschen, die wir meiner Meinung nach ohne eigene Identität dahinexistieren, geschaffen hat bzw. der Mensch überall nach etwas sucht, an dem er sich orientieren kann - und dabei immer alles auf die Kunst, das einzig wirklich schaffende in all seinen Varianten, zurückgreifen muss.

Wir imitieren unser "Leben" lang, nicht nur die Plastikideale - das tun nur die allerdümmsten, die leider immer zahlreicher werden - sondern alles, was wir zu unserem Gefallen oder als unser Leitbild nehmen können.

Beispiel: Bin ich intelligent? Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass ich es gerne wäre. Das Bild des ausgestoßenen, aber intelligenten Sonderlings ist unfreiwillig eines meiner Leitbilder geworden, teils aufgezwungen durch meine Umwelt während des Aufwachsens und auch jetzt noch, teils durch die romantische Verklärung, die diesen Typ wie viele andere umwabert.

Es erreichen kann ich nie, diese "Vorlage" in meinem Kopf, dieses Bild meiner Selbst, dieses Ideal, ist die Vorstellung eines Menschen, der ich mich nicht anpassen kann.
"Wir haben in unserem Kopf die Vorstellung eines Menschen, eines idealen Menschen, und wenn wir Menschen treffen, passen wir sie an - nicht die Vorstellung den Menschen, sonders andersherum." - sinngemäßes Zitat, Autor vergessen.
Aber so ergeht es uns doch allen mit unseren Vorstellungen, auch von uns selbst, von dem Leben, das wir möchten, von allem, was wir vertreten, darstellen möchten...unerreichbar, aber immerhin eine Art Ziel.
Und jedes Korsett scheint uns besser, als nackt dazustehen und unseren Körper, so frei von allem sehen zu müssen.
Als sehen zu müssen, das wir nichts sind als billige oder auch bessere Kopien von einer Vorstellung, die in unseren Köpfen, oder schlimmer: derer anderer! entstanden ist.
Als EINsehen zu müssen, dass wir unser Leben lang nackt waren und nie gelernt haben, damit umzugehen.
Nie gelernt haben, etwas gänzlich eigenes für uns zu schaffen.
Nur immer, bereits geschaffenes zu nehmen oder bestenfalls abzuwandeln.
Wir sind künstlicher, als alle Kunst es je sein könnte.
Wir sind Kunst - X.

Nach der Lektüre von Thomas Bernhards „Holzfällen – Eine Erregung“ schien mir dieser Text und die sich aus dem Lesen für mich ergebenden Schlussfolgerungen, ich muss sogar sagen: Erkenntnisse, sowie die damit einhergehende Einsicht bzw. Erregung zu verarbeiten.
Die Forderung des Naturalismus „Natur – X = Kunst“ sei hier dienlich, um meine rationalen Überlegungen in der gleichermaßen rationalen Art der mathematischen Formel auszudrücken.

16.04.`10
Anti87Leeren Herzens

Der kurze Pfad zur Hölle führt
durch Vertrauen, Mitleid und
das Herz, sobald`s ein Mensch berührt,
es verdirbt bis auf den Grund

Es zieht des Herzens Schwere
uns mit langen Jahren
durch die Aschenmeere,
wo einst Träume waren

Liegt es erst in fremder Hand,
vom Rippengitter frei,
steckt ein Fühlen es in Brand
oder bricht’s entzwei

Manches wird zu hartem Stein,
ein Riff im Lebensfluss
daran ein andres, weil’s zu klein,
im Sturm der Zeit zerschellen muss

Ach, die Angst vor Menschenhänden
macht das Leben mir zum Graus
Um solch Schicksal abzuwenden
riss’ ich mir mein Herz heraus...

Anti, 26.04.’10
Anti87Panik


Mein Blick ist eine Farce
Hastet durch das Zimmer
Augen, trüb wie Glas
Suchen einen Schimmer

Atem flieht die Lungen
Muskeln steh’n in Flammen
Abertausend Zungen
Die aus Ängsten stammen

Wispern von Gesichtern
Die, noch unerkannt,
Still und leis’ irrlichtern
An des Wahnsinns Rand

Meine Kehle zittert
Stilles Wasser drängt
Die Vernunft, verwittert,
an dünnem Faden hängt

Als ich sehe, was nicht ist, krallen meine Nägel
Sich in deine Hand
Und an jeder Wand
Setzen alle Schatten der Vergangenheit die Segel

In die Falten der zerworfnen, aufgewühlten Laken
Blicke ich zu lang
Und zum Wimmerklang
Kommen Tote, nie gestorben, die sich in mich haken

Bruder, Bruder, deine Augen wollen mich verfluchen!
Dort aus dem Kissen
Klagend, zerrissen!
Ich tat nichts! Er lebt! Sag’, warum sie mich suchen!

Während ich noch phantasiere
Und zum Fuß des Bettes stiere
Wo sich Hände recken

Während ich nach ihnen trete
Und noch mehr Gespenster töte
Willst du mich erwecken

Fiebrig atmend will ich beißen
Den Geschmack des eignen, heißen
Blutes schmecken, doch du hältst
Meine Arme und du zählst
Immer neue Worte auf
Bis der Nachtminuten Lauf
Sich die Panik wiedernimmt
Und nur Ruhe in mir glimmt

Ohne neue Wunden
Liege ich noch lange
Und zähl still die Stunden
Bis ich wieder bange...

Anti, 18.05.’10
Anti87Des Teufels Klagelied


Stolz das Haupt in Sünd' erhoben
Bot ich Rücken, Huf und Horn
Den Verfall'nen, um zu toben
im gerechten Kindeszorn

Wer da ritt, der ging zugrunde
Doch er tat es ohne Fehl
Und in seiner letzten Stunde
Wurde aus der Freud' kein Hehl

Ach die Wollust, ach die Wut
Menschens Steckenpferde!
In den Geistern wuchs die Glut
und schuf verbrannte Erde

Doch so sehr ich auch verführte
sie verdarb und es genoss
Keinen gabs, der sich erkürte
aufschwang sich zu meinem Spross

Setz ich heute meine Hufe
auf die Reste dieser Welt
Hör ich finster ihre Rufe
Jeder tut, was ihm gefällt

Kann ich auch den alten Herrn
immer noch nicht leiden:
was ich seh, seh ich nicht gern
doch lässt sichs nicht vermeiden

Gerecht ist längst kein Wüten mehr
sprachlos muss ich stehen
Der Mensch, er sei der Erde Herr,
Dein Wille ist geschehen

Nun sieh, wie deine Schöpfungsbrut
sich an der Welt verging!
Wer heute noch die Beichte tut,
bereut dabei gering

Es ist die Sünde Zierde nur
man kennt kein Halten nicht!
Babylon, die alte Hur’
trägt Schamesröte im Gesicht!

Ich setze keine Hufe mehr
aufs Antlitz deiner Erde
Bei solcher einst'ger Schüler Heer
selbst ich zum Schüler werde

Gott, du hast die Welt verloren
Beide wir den Streit
wo solche Bosheit ist geboren
endet unsre Zeit

Ich gehe nun, ergreif' die Flucht
und sag Lebwohl für immer
denn wo man Gott vergebens sucht
besteht der Teufel nimmer!


Anti, 09.08.10

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