| Anti87 | Lang verwelkte Rosen säumen jenen Garten, den manche Leben nennen und seufzend dort auf Leben warten. Bezeichnenderweise ist dies mein Garten, in dem allerhand Gewächse meines Geistes und Lebens sprießen. Zu jedem der Gedichte folgt eine kurze Erläuterung, z.B. wie oder warum es entstand, was es bedeuten soll...es ist meine Absicht, zu verstehen und auch - richtig - verstanden zu werden, darum diese Erklärungen. Wer anderes hineininterpretieren möchte, soll dies tun - Kunst ist frei, ich weiß, was ich schreibe. Die Bitte um Meinungen sei hier auch vorgebracht, ich freue mich über Anregungen und Kritik - [url=http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?s=&threadid=79685]naturgemäß hier.[/url] Nun - willkommen im Garten meines Geistes. |
| Anti87 | Feigheit = Lebensmut? Er steht oft an seinem Fenster und hört die Ängste singen zu den Sternen flieht sein Blick er will frei sein, er will springen und tut stets einen Schritt zurück Datum unbekannt (ca. 2006) |
| Anti87 | Landkarte Haut ist wie ein weites Land durchzogen von Schluchten, von Feuern verbrannt Darauf zieh'n sich grazil, gleich der Farbe der Wut, Flüsse hindurch, nehmen den Mut So tief unter der Oberfläche stürzen klamme Tränenbäche in den Abgrund, den Niemand kennt, die Tiefe, die man Seele nennt. Und an ihrem tiefsten Punkt kehren jene Ströme um der Weg nach draußen ist bald geschafft eine neue Schlucht nun klafft rote Tränen weint das Land, durchzogen von Narben, von Schmerzen verbrannt. 10.06.´08 |
| Anti87 | Mephisto Nun zeigt sich des Pudels Kern Dem Mensch in seinem Zweifel Kann seine Neugier sich erwehrn Dem Wissensschatz des Teufels? Langsam klärt sich seine Sicht wie damals schon, als Eden fiel Doch sieht der den Sieger nicht in dem teuflisch bösen Spiel Er bringt ihm unendliche Freuden lässt sein Herze höher schlagen Doch auf den Jubel folgen Leiden Und ein Vielfaches an Klagen Ist er fröhlich - ist er traurig? Nun, er weiß es selber nicht Und ein Grinsen, ach so schaurig Steht wohl dem Teufel zu Gesicht Unser Mensch versteht letztendlich Freud´und Liebe fordern Schmerz So stößt er sich -es ist verständlich- Lachend einen Dolch ins Herz Anti, 3.6.'08 |
| Anti87 | Bruder Des tristen Alltags graues Kleid hüllt sie gänzlich ein macht sie blass und trübe zeigt hämisch das, was von ihr bliebe allein in ihrer Einsamkeit Dies´Kleid trägt sie schon lange Zeit sie hat sich dran gewöhnt fast unsichtbar zu sein umgeben stets vom fahlen Schein vorgetäuschter Fröhlichkeit Die Ödnis all der grahmen Tage hält sie fest in kalter Hand unterm Kleid die Schnitte lenkt sie ziellos ihre Schritte in lahmem Stolz zum Grabe Die Iris trüb vom Tränenschleier sucht Zuflucht oft im Schmerz er ist nicht wie die Leute er ist ein Freund an ihrer Seite wird ihr lieb und teuer Im Herbste dann, es war schon Nacht blieb er einmal mehr bei ihr und flüsterte ihr zu: "Heut sind´s nicht nur ich und du, hab meinen Bruder mitgebracht." Sie blickte auf in ihrem Leid der Bruder stand dort, sah sie an nahm zärtlich ihre Hand Mit einer Stimme wie aus Samt sprach er: "Gehen wir zu zweit?" Sie gingen, Mondlicht zum Geleit er wisperte: "Ich liebe dich" Denn eins gefällt dem Tod: "Du trägst es, und es steht dir gut des tristen Alltags graues Kleid..." Hört zum ersten Mal sie lachen Als sie mit ihm zieht davon betrachtet sie dabei Versteht: Glück ist so vielerlei Auch der Tod kann glücklich machen... Corax, 02.09.´08 |
| Anti87 | Endzeit Der Erde Haut liegt brach und offen Wunden, die von Siechtum zeugen Der Mensch wollte die Welt einst beugen Nun hat er sie gebrochen Die Berge sind schon abgetragen Das kühle Nass gänzlich verbraucht Die letzten Feuer sind verraucht Der letzte Baum geschlagen Alles Vieh ist längst schon tot All die Farben sind verblasst Es bleibt zuletzt, mir so verhasst Die Made Mensch in ihrer Not Es fällt kein Regen mehr von oben Obgleich dort düstre Wolken ziehen So schnell, als gelte es zu fliehen Vor den Stürmen, die nun toben Als der Erde Tod begann Machte ich mich auf Endlos scheint mir nun der Lauf Gegen die Zeit, doch ich gewann Alle Menschen, die ich fand Wollten stets sich selbst nur retten Drum schlug ich sie in Ketten Und gab sie in des Todes Hand So blieb zuletzt nur ich allein Steh´ hier auf Schutt und Asche Führe mit mir in der Tasche Die letzte Blume, ach so klein Ein Flecken Erde blieb hier noch In das ich diese Blume bette Ich knie vor ihr und wünscht, ich hätte Ein wenig schwerer wiegend Joch Ich führe über meine Haut Eine scharfe, alte Klinge Dabei scheint es mir, als singe Sie ein Reqiuem der Welt so laut Nun sterbe ich, der Menschheit Rest Und blicke auf zum Firmament Während das Blut, das mir entrinnt Die Wurzeln jener Blume nässt Ich weiß, das Paradies wird sein Nach aller Menschen Leben Doch nicht für sie wird es Erlösung geben Von uns befreit Bleibt´s Paradies Der Erde ganz allein... Corax, 28.09.´08 |
| Anti87 | Tiefe(n)Blicke Seine Augen sind ein Meer tief und düster, schwer und still man sieht nicht weit, wenn er nicht will was an Gedanken dort versinkt, gibt es nicht mehr her Er steht vorm Spiegel, es ist dunkel das Meer beginnt erneut zu funkeln Irrlichter weisen ihm den Weg hinaus aufs Wasser führt ein Steg Langsam, zögernd, wie im Traum gewahr der eignen Schritte kaum geht er zum Rand und blickt hinunter dort im Wasser tanzen munter neckisch seine Ängste lassen ihn erschauern ob der Dinge, die dort lauern Er sieht, wozu er fähig ist wenn er den Mensch in sich vergisst Das Ding im Nass dort mustert ihn begrüßt ihn kalt, mit starrem Blick forschend, prüfend, beinah grinsend reißt es an dem letzten Siegel und er schreckt zurück vorm Spiegel Seine Augen sind ein Meer düster, tief, trügerisch still es nimmt sich von ihm, was es will und was darin versunken ist, das gibt es nie mehr her 12.06.´08 |
| Anti87 | Legion Nenn mich Legion, denn ich bin viele Ein Mensch mit Masken ohne Zahl Mein Lebensfunke glimmt nur fahl Hab einen Weg, doch keine Ziele Stets auf der Suche nach dem Ich Leere füllt mich bis zum Rand Im Dunkel in mir schimmert nichts Das Denken nimmt mir den Verstand Jeder Andre scheint zu wissen woher er kommt, wohin er will Ich steh´hier, jeden Sinn vermissend und frag: "Wer bin ich?" - es bleibt still So viele Wesen lernt´ich kennen Gut und böse, trüb und rein und musste bald erkennen: Ein jeder Mensch kann alles sein Nun habe ich kein festes Wesen ich wechsle ständig meine Art Bin mal dumm und mal belesen mal grausam, hasserfüllt und hart Ich kann liebend sein und trauernd, voll Freude, Willenskraft und Mut Einen Menschentod bedauernd und nach ihm sehnend, voller Wut Doch nimmst du mir die Masken ab Dann sehen deine Augen nichts In all der Schwärze nicht ein Licht Masken - alles, was ich hab... Ich bin Legion. 2009 |
| Anti87 | Grenzgänger Verschlungne Pfade ohne Führung tragen uns durch diese Welt Oftmals führn sie dran vorbei Wir sehn nicht viel, das uns gefällt Ständig auf des Messers Schneide Als Grenzgänger, die wir sind trägt uns das Leben durch die Schwärze gleich Rabenfedern im Nachtwind Das Ziel ist oftmals uns der Weg auf dem so Viele noch allein fliehen vor der Leere dieser Welt, den kalten Menschen und dem Sein Seht beim Wandern auf den Grenzen nach oben, wo die Raben ziehen Der Wind mag eine dieser Federn euch Sehnenden ins Dunkel wehen Und wenn wir alle eines Nachts im samtnen Schwarz die Welt durchschreiten so kümmern uns nicht ihre Pfade Es sind unsre Wege, die uns leiten! 27.08 |
| Anti87 | Sternenleere Im samtigschwarzen Meer der Nacht Treiben Myriaden Lichter All die Sterne sind Gesichter Und jedes davon lacht Sie kichern heimlich, grinsen still Ziehn mich rasch in ihren Bann Warum ich sie wohl hören kann? Vielleicht, weil ich es will... Es ist ein schadenfrohes Lachen Zu Mondes finstersten Grimassen Ich kann spürn, dass sie uns hassen Und bis aufs Blut verachten „Ihr Menschen glaubt, ihr seid so alt und dass die Erde euch gebührt habt selbst uns Sterne schon berührt wie alles andre mit Gewalt!“ „Für uns ist es kaum Tage her das all die Dunkelheit entstand Im Weltenmeer ein Stückchen Land Das gab man euch, doch ihr wollt mehr!“ „Noch ein paar Tage, ein paar Nächte, steht ihr dort im Blütenglanz bald danach verblüht ihr ganz und niemand bleibt, der euch gedächte.“ In weiter Felder Gras ich lag Hörte so der Sterne Klage Ihre Worte auf der Waage Kaum einen Widerspruch ich wag Viel Wahres ist in ihrem Hohn: Man hat im Leben nicht viel Zeit Doch sicher ist, das alles Leid Einmal vergeht durch Todes Lohn Man darf nicht zuviel Ernstes geben Auf des Schicksals Widernisse Wer lernen will, der wisse Die wichtigste Lektion im Leben: Im Vergleich zu all den Sternen Ihrem gleißend hellen Funkeln Sind wir kaum ein Licht im Dunkeln Dass doch könnte leuchten lernen Wär´ nicht der Mensch ein Egoist Der schon denkt, er strahle hell Wenn er sich mit der Dunkelheit In gleicher Menschen Herzen misst! 03.11.08 |
| Anti87 | Müde Es ist zuviel, das mich beschäftigt Zuwenig lenkt mich davon ab Das Denken und das Fühlen Haben mich entkräftet Jeder Tag ein Schritt zum Grab Wenn ich dereinst ein Schatten bin Ein Schatten meiner Selbst Wie immer schon still wandernd Welten fern von eurer Welt Dann achtet weiter nicht auf mich Ihr wollt mich ohnehin nicht sehen Versunken und mit müden Blick Lasst mich doch Gleich einem Raben Meine Bahnen ziehen Der Weg ist lange ohne Mut Doch Schritt um Schritt beschreit ihn ihn Der Wille fehlt zum Leben, Der Wille fehlt zum Tod Ich sehne mich zu keinem hin 23.8. |
| Anti87 | Chronos Vater Chronos flieht vor mir, so schnell ihn seine Beine tragen Verzweifelt hetze, renne, stürme ich ihm nach Vergiesse Tränen für Momente aus längst vergangnen Tagen Als von mir unbeachtet wilde Jugend lachend sprach Meine Sommer sind verschwendet, ich ließ die Zeit verstreichen Die Herbste voll Melancholie verbrachte ich allein Im Winter spürte ich mir alle Lebenskraft entweichen Auf Frühlings falsche Hoffnungsschimmer fiel ich stets herein All´ die Zeit, die uns gegeben, ist wie ein reißend starker Fluss Voll von scharfen Felsen, Erwartungen genannt So mancher unterschätzt die Strömung, der er folgen muss Wird von den Kanten ihrer Riffe schon als Kind zerschrammt Die Jahre ziehen fort, das Leben lässt uns keine Ruh´ Unsrer Träume Blüten werden welk schon bald „Morgen fang´ ich an zu leben!“ reden wir uns selbst gut zu in der traurigen Gewissheit, dass es ungehört verhallt Nach langer Jagd halt ich nun inne, sehe manches klar Es war die Bitterkeit, sie formte meine Worte Doch tut´ dies einen Abbruch dran, dass jedes einzeln wahr? Ist doch Wahrheit Medizin die schmerzt, von der bitt´ren Sorte! Mag sein, dass der Vergleich war nicht ganz richtig mit dem Fluss Vielmehr scheint mir die Zeit zu sein wie Frucht auf weitem Feld Auf dem man scheinbar ewig wandern, nach ihr suchen muss Doch weiß man sie zu finden, gehört einem die Welt Chronos ist ein flinkes, kaum zu fassend´ Tier Der lahmen Hand entwischt er sicherlich Drum suche, finde, fang ihn dir Und beug ihn, sonst zerbricht er dich! Corax, 09.11.´08 Nun...wenn man zurückblickt, ist das meist sehr grausam...man sieht, wie man seine Jugend verschwendet hat, die besten Gelegenheiten ungenutzt verstreichen ließ, anscheinend auf ein besseres Leben verzichtet hat. Ob es nun stimmt oder nicht, liegt im Auge des Betrachters, doch es ist in jedem Fall nicht mehr zu ändern...alles, was man tun kann, ist, es das nächste Mal besser zu machen. Dennoch zerreißt es zumindest mir schier das Herz, wenn ich an vergangene Jahre denke, in denen ich mich allen Widernissen zum Trotz manches Mal als glücklich bezeichnet hätte...es wird niemals wieder so sein wie damals...ein Gedanke wie ein Splitter und gleichzeitig das „Etwas“ im Auge, das einen zum Weinen bringt. Siehe hierzu auch meinen „Gedankenfluss“ - Blog bei den Lokalisten. |
| Anti87 | O Schlag mich in Fesseln Leg mich in Ketten Um die Hände Um den Hals Vernichte die Hülle Den Kern gilt´s zu retten Dämpf den Aufprall Meines Falls 23.8.`08 |
| Anti87 | Vanitas Zeigt euch nur in besten Stoffen Badet nur im schönsten Schein Welcher Wahn lässt euch nur hoffen Nicht einst vorm Sensenblatt zu sein? Ihr sprecht, als gäb´ es ewig Leben Von Seelen, die unsterblich sind Der Glaube soll euch Kräfte geben Die ihr nicht mehr seid als ein Blatt im Wind Man hört sie allenthalben reden In Kirchen, Tempeln und von Türmen: Kein Pfaffe, der sie noch nicht pries Nirvana, Himmel, Garten Eden! Die Erde mit all ihren Würmern Bleibt euch allein als Paradies! So sehr ihr auch nach Höchstem strebt Und ewig schaffend euch bemüht Wart ihr auch selbstlos, keusch und rein Wenn ihr endlich habt genug gelebt Bleibt von euch nach dem Totenlied Nur faulig Fleisch und fahl´s Gebein! Wo die einen durch Blutbäche waten Sind die andren herzensweich Ob gute oder schlechte Taten vor dem Tod sind alle gleich Seht ihr im Herbst das fallend´ Laub Das welke braune, alte Gras Stellt euch nicht blind, dumm oder taub Memento Mori – Vanitas! 17.7. |
| Anti87 | Spiegelsplitter Manchmal hast du das Gefühl, dein Leben liegt in Scherben Splitter liegen vor dir, gleich den Fragmenten eines zersprungenen Spiegels Hebst du einen von ihnen auf, blickst du zurück auf Erinnerungen, Vergangenes Und wie ein scharfes Stück Glas dir ein paar Tropfen Blut entlocken kann So schneiden die Umrisse einer Erinnerung oft um vieles schärfer und fordern Tränen von dir Ein Meer aus Bruchstücken deiner Vergangenheit Du kannst darin eintauchen um ein paar schöne Gedanken herauszusuchen Dies sind die Stücke des Spiegels, die selbst im tiefsten Wasser noch reflektieren, dir ein Licht bieten Oder du kannst darin versinken, um dich wieder und wieder an den Spitzen und Zacken der Splitter zu verletzen Aus denen das gesamte Scherbenmeer zu bestehen scheint Sind sie es dir wert? Die kleinen, sorgfältig von deiner Existenz zugeschliffenen, prismatisch funkelnden Teile? Die seltenen, wunderbaren Lichtblicke deines Lebens, an denen du Halt findest, wenn die Schwärze dich in die Tiefe zieht? Sind sie es nicht wert? Wisse Das Leben geht mit Schmerz einher, all die Trauer, die Wut, die Qualen sind der Maßstab, an dem man das Schöne zu messen hat Wie willst du das Licht genießen, wenn du die Dunkelheit nicht kennen und fürchten gelernt hast? Verstehe Ohne das Schlechte zu kennen, wirst du nie das Gute zu schätzen wissen Und solang du das einfache Gute nicht genug bewundern kannst, ihm nicht die Ehrerbietung zukommen lässt, die es verdient Solang ist deine Existenz ohne Berechtigung, da du sie nicht genießen kannst in ihren schönen Momenten Also lass den Schmerz in dich in all seinen Formen, danke ihm für die Lehren, die er dir erteilt, während du dein Heil suchst Und letztendlich Wird aus beidem ein Leben erwachsen, gleich einem Spiegel Den du dir immer wieder vorhalten sollst, wenn du beginnst, das Schöne und Gute als selbstverständlich hinzunehmen |
| Anti87 | All-Ein Du sagst, es kann in deinem All Nur eine Sonne gleißen Und gibst dich eitlen Träumen hin Die falsches Glück verheißen Schau auf, sieh hoch zum Firmament Missachte nicht die Sterne Wo zu hell eine Sonne brennt Verblassen sie ganz gerne Erwachst du bald aus deinen Träumen Fall´n auf dich die Sternenheere Sie sind erloschen und du bist Alleine in der Sternenleere Corax, 17.11.08 |
| Anti87 | Vater Ich habe oft von dir geträumt Deine Stimme, dein Gesicht Wie dein Körper sich aufbäumt Wie du schreist, wenn du zerbrichst! Du nahmst mir die Freiheit - 24 Jahre Ich nehm dir die Zähne, die Nägel und die Haare! Du warst so gern im Garten, erkennst du deinen Rechen? Ich schlag die Zinken in dein Fleisch und höre Knochen brechen Rache! Nun wirst du bezahln! Rache! Jetzt hilft dir auch kein Flehn Schreie Die von Wänden widerhalln Schmerzen Ich will dich leiden sehn! Du wimmerst um Vergebung - Ich will nichts davon hörn! Die Zunge dir ans Kinn genagelt, wird mich nicht mehr störn Die blutgetränkten Glieder geb ich den Flammen zum Verzehr Deine Augen werden trüb, lange dauert es nicht mehr Rache! Nun wirst du bezahln! Rache! Jetzt hilft dir auch kein Flehn Schreie Die von Wänden widerhalln Schmerzen Ich will dich leiden sehn! Mein Hass auf dich kann sich mit deiner Bosheit messen Viel zu lang bestimmtest du mein Leben Hör meine Worte, bevor ich dich zerbreche: Nie vergessen - Nie vergeben! Rache! Nun wirst du bezahln! Rache! Jetzt hilft dir auch kein Flehn Schreie Die von Wänden widerhalln Schmerzen Ich will dich leiden sehn! Dein Gewinsel und Geheule wird mir nun zu dumm Die Tüte aufgesetzt, ein Strick um den Hals herum Ich stehe vor dir, als du röchelst und deine Welt zerfließt Der Hass in meinen Augen ist das letzte was du siehst Mit dir stirbt nach all den Jahren auch endlich meine Wut die Qual in deinem Blick steht dir unendlich gut Das du nur einmal sterben kannst finden wir ungerecht glaub mir, unsre Kinder hätten sich gerne auch gerächt... 06.08. |
| Anti87 | Schwarzer Veteran Der Mond wirft ein fahlgraues Licht Durch das Fenster In dein Bett Doch davon siehst du nichts Deine Gespenster Sind zurück In schweißnassen Laken Wälzt du dich umher Du hörst ihre Stimmen Und es werden immer mehr Ihre Gesichter, ihre Augen Gehen nicht aus deinem Hirn Als du schreiend aufwachst Bleibt das Nachbild hinter deiner Stirn Refrain Der Wahnsinn Kommt mit den Jahren Langsam Schleicht er heran Tagsüber Findest du Frieden Doch wenn du schläfst Fängt der Krieg wieder an Schwarzer Veteran Dann stürmst du in Dörfer Irgendwo im weiten Land Schnell habt ihr die Männer Mit den Waffen überrannt Sie fallen unter Kugeln Ihre Frauen stehn dabei Du lässt sie in Fesseln legen Irgendwie Fasziniert dich ihr Geschrei „Weißt du, meine Schöne, ich bin hier draußen so allein überall nur Männer du verstehst, das muss mal sein...“ Du siehst ihr in die Augen Ignorierst ihr Flehn (und ihr Schrein) Was sie auf Russisch sagt Kannst du ja nicht verstehn (redest du dir ein) Sie wehrt sich bis zum Schluss („Sie griff mich an!“) Und als sie dich dann beißt Löst sich versehentlich ein Schuss Wie es in den Akten später heißt Deine Kameraden schwiegen still Wie auch vorher immer schon Nur der Frischling war gefährlich Er ließ sich nicht bedrohn Eines Tages kam er Vom Erkunden nicht zurück Später fand man ihn ertrunken Mit einer Kugel im Genick -Refrain- Niemand hat je etwas erfahrn Bis zu diesem einen Tag Deine Taten in all diesen Jahrn Aufgedeckt, auf einen Schlag Du hast es selbst beinah vergessen Die Erinnerung verdrängt Als sich ein alter Kamerad Vor ein paar Tagen erhängt „Ich kann mit der Schuld nicht leben, doch ein Andrer kann es wohl!“ stand in seinem Abschiedsbrief er ließ die Geister auf dich los die ihr damals gemeinsam rieft -Refrain- Nun bist du auf der Flucht Sie kamen dir zweimal sehr nah Du hast sie hinterrücks erschossen Als es gerade niemand sah Eben aufgeschreckt Vom Schrein und Flüstern aufgewacht Du hörst hinaus Sind da nicht Sirenen? Ist da nicht das Flackern ihrer Lichter in der Nacht? Hörst du nicht Stimmen? Dort draußen hinterm Haus? Unterm Kissen, deine Waffe Drei Kugeln fehlen, nur so kamst du ins Haus Der Besitzer wollte wissen, wer du bist Sein Blick fiel auf die Zeitung, auf dein Bild Da war es für ihn leider aus Du hörst das Holz der Haustür bersten Lauschst auf Ihren Tritt Wartest auf den Ersten Vier nimmst du noch mit Der Fünfte endlich trifft dich In deiner Schulter tobt ein Brand Du siehst dein Blut, es malt Groteske Muster an die Wand Mit einem irren Lachen Sackst du in die Knie Schießt ihm noch ins Gesicht Das nächste Geschoss trifft deine Brust Und du verlierst dein Gleichgewicht Eine Patrone Ist noch im Lauf Ein weiser Kämpfer Hebt die immer für sich auf Dein Blick wandert wirr durch den Raum In schattigen Winkeln siehst du sie sitzen Die Konturen erkennst du noch kaum Doch die Augen, die toten, Gott, wie sie glitzern! Du hebst die Waffe unter dein Kinn Gleich ist es geschafft Gleich ist es aus Du denkst, nun musst du nie mehr Träumen Doch als du abdrückst, siehst du voll Entsetzen Sie strecken wie zum Gruße Die fahlen Hände nach dir aus „Sieh nur gut her, kennst du uns noch? Hast uns soviel angetan Vor über fünfzig Jahrn nun komm herüber, wir warten doch!“ „Der Wahnsinn hat kein Ende Du hast falsch gedacht Der Tod ist doch nichts andres Als ewig lange Nacht Die Schlacht ist zu Ende Doch der Krieg fängt erst an Hier warten deine Träume auf dich – Schwarzer Veteran!“ 25.6.´08 |
| Anti87 | Summer rain (Dancing with closed eyes) It hurts To know you will be gone You´re already far away Maybe when I´m done With sorrow and with pain I´ll be at your site someday With closed eyes in the summer rain All my thoughts, they are in vain Lying long awake My feelings rule my brain This is more Than any heart should take It burns But fire also cleans And till my thoughts are clear I´ll give in to my dreams In which I´m holding you While fighting down my fear Of dreams not coming true All my thoughts, they turn to pain Dying from heartache No healing for my brain Wounds so sore Any heart would brake It cuts Far beneath my skin But this time no blood drains Words drip from deep within Upon this paperpiece And my sorrow will be taken with the rain By dying summer´s breeze All my fears, they were in vain Trying to awake From the nightmares in my brain I look forth And see the road I´ve gotta take It winds Far across the lands Through fields with roses full of thorns And whenever this life ends I´ll have enjoyed all of the street And every rose down to the core However thorns will make me bleed Hope you don´t get me wrong Right now i feel for you But like verses in a song There will be more than one or two All my scars I´ll wear with pride And I´ll try to stand upright Even if i dwell in pain But now I´m here alright With closed eyes at your side Smiling In the summer rain 29.6.´08 |
| Anti87 | Wunde Liebe Ich verbrenn mich so gerne an dir Denn ich liebe den Schmerz der Flammen Auch wenn du mir tausend Narben schenkst Stillst du niemals mein Verlangen Jede Berührung ein kleiner Schnitt Jeder Kuss ein Dolch in meinem Herz Deine Klingen empfang ich gerne Meine Liebe wächst mit meinem Schmerz Sei nur nicht zu zärtlich Halt dich nicht zurück Lieb mich bis es weh tut Bring mir meine Art von Glück Ich weiß, du bist pures Gift für mich Doch es hat noch nie so gut geschmeckt Du bist das Salz in meinen Wunden Und ich hab es nie so gern geleckt Lieber stöhn ich auf im Schmerz Als dass ich unter Tränen bebe Beiß mich, reiß mich aus der Leere Beweis mir, das ich lebe! Sei nur nicht zu zärtlich Halt dich nicht zurück Lieb mich bis es weh tut Bring mir meine Art von Glück 08.08.08, |
| Anti87 | Biest Habs satt zu glauben, will nun wissen! Drum verschlinge ich beflissen Studien, Bücher Pergamente wenn ich doch nur endlich fände wonach es mir gelüstet! Ein Wesen, dass für jede Schlacht gerüstet, infernalisch´ Höllenbrut, der Kopf gehörnt, der Huf gespalten jeden Ansturm abzuhalten Beschwingt mit schwarzer Lederhaut Agil, und doch kräftig gebaut erfüllt von Glut, in den Augen lodern Flammen rasend, doch alle Sinne noch beisammen Zähne, die schärfsten Klingen gleichen und reißen, was vors Maul ihm kommt den tapfersten den Mut nimmt und sie prompt dazu veranlasst, mir zu weichen! Seine rote Brust sein meine das Herz, das schlägt unterm Gebeine unser Blut so heiß, als kurz vorm Kochen eine Schale, eine harte sodass kein Streich lässt eine Scharte und kein Pfeil streift unsre Knochen. Unser beider Seelen in eines Körpers Brust Entzweit sonst in der Form, nun vereint in Kampfeslust will verschlingen sehr beflissen unsren Hass auf alle lenken uns beherrscht ein neues Denken Genug vom Glauben, Blut muss fließen! Irgendwann `08 oder so... |
| Anti87 | Stille Nacht Es vergeht kaum eine Nacht In der ich nicht an dich gedacht Doch nicht dein Leib Ist´s, der mir bleibt Die Schwärze hat das Bett gemacht Es vergeht kaum eine Nacht In der kein Traum von dir erwacht Ich liege stumm Dreh mich herum Mir war, als hättest du gelacht Es vergeht kaum je ein Morgen Der nicht quält mit neuen Sorgen Des Tages Schwere Zeigt nur Leere Und du bleibst stets verborgen Es vergeht kaum je ein Leben Das ich nicht für dich würd´ geben Ersehne dich Und wähne mich In Fäden, die nur Trauer weben Es endet niemals je die Zeit Die mich erdrückt mit Einsamkeit An meiner Seite Keine Zweite Zu teilen das verfluchte Leid Es vergeht nie dies Gefühl Man bekommt nie, was man will Die Zeit vergeht Dein Bild besteht Und die nächste Nacht komm still... Corax, 15.12.´08 Dieses hässliche Gefühl, wenn man aufwacht, sich umdreht, in der Hoffnung, es würde jemand neben einem liegen...und da ist nichts. Man muss immerzu an ein Atmen denken, Haare auf einem Kissen, Wärme, die die Kälte in einem Menschen besiegt, wenn auch nur für eine Nacht. Der Morgen kommt, man ist allein...man überbrückt den Tag, die Zeit vergeht nicht, man quält sich mehr oder weniger stumm voran, bis die nächste verfluchte Nacht in Einsamkeit heranbricht und man irgendwann, nach zahllosen, erfolglosen Versuchen, sich abzulenken, in der Gewissheit einschläft: Ich wache auf und bin allein. |
| Anti87 | Weit Du kamst zu mir zur rechten Zeit Du bliebst solang es dir erlaubt Du gingst zu früh und viel zu weit Ich hab erneut an mehr geglaubt Du wartest, so du kannst, auf mich Du weißt, ich kann Nichts versprechen Du hoffst genau so sehr wie ich Ich kann sehr leicht daran zerbrechen Und werden einst aus Wunden Narben Gedenk´ der Nacht ich in der Stille Der Schmerz, die Küsse, all´ die Farben Zwei Seelen war´n wir und ein Wille Ich folg´ dir einst, sobald ich kann Muss ich dann auch wieder geh´n Bis dahin bleib ich nur ein Mann Der darauf wartet, dich zu seh´n Es bleibt nach dieser schönen Zeit Mir weiterhin nur Einsamkeit Selbst Liebe nie die Uhr besticht Ich bitte dich: Vergiss mich nicht... 04.01.´09 Es hat nicht sollen sein...genau ein Jahr hat das gehalten...so schön es war, verging es doch. Tja. |
| Anti87 | Modefotzen Natürlich trägst du Prada Natürlich bist du wild Ja klar, dein Style ist spitze Er stammt ja aus der Bild Du bist IN dein Leben lang Hängst nur mit coolen Leuten rum Lachst alle aus, die anders sind Das heißt, was andres als saudumm Schlagt sie alle tot Die verdammten Modefotzen Bei Gucchi seh´ ich rot Und bei Armani muss ich kotzen Du kannst nie dünn genug sein Bist eh nur Haut und Knochen Du wackelst übern Laufsteg Und bist zu blöd zum Kochen Du frisst nur vegetarisch Aus Überzeugung, ist doch klar Weißt du dumme Sau denn auch Was mal dein Mantel war? Schlagt sie alle tot Die verdammten Modefotzen Bei Gucchi seh´ ich rot Und bei Armani muss ich kotzen Ich zieh´ euch eure Häute ab Und krall mir eure Haare Dann reiß´ ich euch die Nägel aus Das ist doch 1-A-Ware Kann man alles nochmal brauchen Alles, bis auf euer Hirn Und Haut und Haare kriegen all die Viecher Die im Winter frier´n! Schlagt sie alle tot Die verdammten Modefotzen Bei Gucchi seh´ ich rot Und bei Armani muss ich kotzen Tja, mein Mitbewohner hat mal im Namen seiner Punkrockband Lieder bei mir in Auftrag gegeben, und das hier fiel mir mitunter ein...ich fand es recht interessant, mal eine absolut nicht hochgestochene Sprache zu verwenden...Punk halt *g*. Die Meinung bleibt die gleiche, auch wenn mans natürlich noch schöner hätte ausdrücken können. |
| Anti87 | City Lights Das fahle Licht der Stadt lässt Nachts Gedanken rasen Ohne Rast und ohne Ruh' irrst du durch ihre Straßen Die neongrelle Dämmerung zieht dich fort aus Zeit und Raum Überall und Nirgendwo das Leben wie ein schlafloser Traum Menschen kommen, Menschen gehen Die Tage drehen ihre Runden Lichter, seelenlos und kalt und die Zeit schlägt neue Wunden Inmitten aller stets allein nur von der Sehnsucht getrieben so ist traute Einsamkeit dir bis heute treu geblieben Tag und Nacht, sie werden gleich Träume fliegen viel zu weit Im Lichternetz verenden sie Salz in den Wunden der Zeit Menschen kommen, Menschen gehen Die Tage drehen ihre Runden Lichter, seelenlos und kalt und die Zeit schlägt neue Wunden Zwischen Februar und April 2009 |
| Anti87 | Waldläufer Gedanken treten aus den Ecken nehmen mich an meiner Hand Ich möcht' nicht gehen, will mich verstecken! Doch sie ziehen mich in ihr Land Weite, wirr gewachs'ne Wälder Unterm schwarzen Himmelskleid Verlauf ich mich und klag in Bälde dichtem Blätterdach mein Leid Gefühle lauernd dort im Dunkel Starren mich wie Wölfe an die Augen glitzern wie Karfunkel Ich weiß, dass ich nicht fliehen kann Einmal mehr nun plötzlich Licht bin wieder meiner Sinne Herr Noch einmal frei, doch weiß ich nicht was ist, wenn ich mich nicht mehr wehr? Zwischen Februar und April 2009 |
| Anti87 | Hoffnung Heut’ Abend ist die Welt im Lot Der Rest vom Tag trägt sanftes Licht Es quält nicht Sorge mich noch Not Kein Argwohn, der jetzt in mir sticht Der Kerzen Schein ist nicht zu hell Kein Wort ist sinnlos, kein Klang leer Die Zeit entflieht mir nun nicht schnell Mein Kopf ist nicht Gedankenschwer Ich bin gelöst und lass’ mich fallen Der Nacken ruht in Freundesschoß Das Leben hat heut’ sanfte Krallen Ach, ließ nur der Moment nie los! Es sucht mich meiner Liebsten Blick Der jeden Zweifel mir zermahlt Verspricht mir Tage voller Glück So hell hat nie ein Stern gestrahlt Die Nacht gibt mir mein Seelenheil Und Freude schwingt voll Euphorie Der Lebensschmiede Henkerbeil Zum Hals der Trauerlethargie Wenn einst der letzte Vorhang fällt Kein Sonnenstrahl ein Lichtnetz flicht Vergess’ ich auch die ganze Welt Die Zeit mit euch, sie stirbt mir nicht! 15./16.05.2009 |
| Anti87 | Principiis obsta Mene Mene Menetekel Seht die Zeichen an der Wand Die Menschheit trägt die Welt zu Grabe Viel zu lange unerkannt Mene Mene Menetekel Feuerschrift, aus Wut entbrannt Tränenmeere uferlos Überfluten braches Land Mene Mene Menetekel Brennend gleißt der Wahrheit Licht Der Schnitter packt die Sense an Unterschiede macht er nicht Mene Mene Menetekel Haltet nun letztes Gericht Es ist der Mensch in Menschenhand Ein Messer, das im Rücken sticht Mene Mene Menetekel Bald steht nur noch diese Wand Mit Flammenschrift, die ewig spricht Die Warnung vor dem Weltenbrand Corax, 07.06.’09 Die Zeichen der Zeit – man übersieht sie gerne, und selbst wenn manch einer nicht die Augen verschließt vor den ersten Mahnungen...viele andere verschließen sich dann komplett den warnenden Worten, bis es zu spät ist. Ich sehe persönlich unsere „Zivilisation“ auf ein grausames Ende zusteuern...daher, auch wenn andere es schon in anderem Zusammenhang gebraucht haben: Principiis obsta – Wehret den Anfängen! |
| Anti87 | Ruhe sanft... Das Erwachen ist kein Gutes Denn diese Morgenstund’ Hat kein Gold im Mund Nur den Geschmack vergoss’nen Blutes Kein Traum war bei mir letzte Nacht In tiefen Schlafes Stille Verließ mich jeder Wille Und Böses ist in mir erwacht Meine Hand umschließt die Klinge Beendete ein Leben Ich kann’s nie wiedergeben Angst im Abgrund und ich springe Nun ist es erneut geschehen Ich schlief doch nur ’s gab keine Spur Doch werd ich nicht mehr Schlafen gehen Nun wache ich seit vielen Stunden Die Zeiger leuchten matt Auf dem Ziffernblatt Doch sie wollen’s nicht umrunden Hab geschlafen nicht seit Tagen Da ich allzugut nur weiß Wohin mich meine Triebe tragen Wenn ich nicht an den Haaren reiß’ Ich kratze, beiße, brenne, schneide Auf dass die Lider nie mehr fallen Ein Meer aus Schmerz, ich schreie, leide, Schlag die schlimmste Schlacht von allen Meine Augen sehen Schatten Viel zu grell und viel zu laut Die Stimmen, die im Kopf erklingen Haben schon mein Grab gebaut Flüsternd, wispernd schreien sie Die Nägel meiner Finger brechen Zähne reißen wundes Fleisch Als sie unaufhörlich sprechen Blut und Speichel mischen sich Ich schreie schon so laut ich kann Mein Kopf schlägt Putz ab von der Wand Doch komm’ ich nicht dagegen an Ein Sturmwind aus zuviel Gedanken Ungebremst und ungehemmt Zerren an dem Geist, dem Kranken Der sich gegen’s Dunkel stemmt Ich fühls erneut Die Müdigkeit Sie zieht an mir Macht schwer wie Blei Gedanken wirr Das Lachen irr Der Schweiß Verkühlt die Haut Blut im Mund Der Körper wund Es tropft Aus hundert Brunnen Die Lösung klar Da ich es war Ein Mörder Darf nicht leben Meine Lider werden schwer Als sich die Dielen langsam röten Ich spüre es: Ich kann nicht mehr Doch ich will nicht wieder töten Meine Schritte tragen mich Hin zum Schrank, und flehentlich Öffnet meine Hand die Tür Die Lösung, sie liegt hinter ihr Des Tags Erwachen dämmert fahl Doch diese Morgenstund’ Hat kein Gold im Mund Nur den Geschmack von kaltem Stahl „Am Morgen des 25. Mai wurde nach Beschwerden der Mitmieter die Tür zu Ken P.’s Wohnung von Polizeibeamten aufgebrochen. Nach Angaben anderer Hausbewohner war dessen Fernseher seit fünf Tagen ununterbrochen eingeschaltet gewesen, er hätte auf Bitten, ihn leiser zu stellen, mit Drohungen und Wutausbrüchen reagiert. Nach unnatürlich lautem Lärm und nicht enden wollendem Geschrei sowie Schussgeräuschen zwischen 03:00 und 05:00 morgens wurde die Polizei alarmiert. Den Beamten bot sich ein grausames Bild: Ken P. war am ganzen Körper mit unzähligen Wunden aller Art übersät, die er sich anscheinend bei vollem Bewusstsein selbst zugefügt hat, während er außerdem noch seine gesamte Einrichtung dem Erdboden gleichmachte. Hier ein Kommentar des Beamten, der die Horror-Szenerie zuerst zu Gesicht bekommen hatte: „Es war grauenhaft...er lag da, in seinem eigenen Blut, überall war nur Blut, an den Wänden, den Möbelresten, sein Gehirn mit diesen weißen Schädelknochensplittern tropfte von der Decke, der ganze Boden war nass vom Blut! Er...er sah aus, als hätte ihn ein wahnsinniges Tier angefallen...sein Fernseher lief noch, zusammen mit der Stereoanlage, alles flackerte in diesem furchtbaren Licht...ich kann dieses Bild wohl nie mehr vergessen...mein Gott...seine Augen waren offen...“ Ken P., wurde inzwischen als Schuldiger in drei ungeklärten Mordfällen sowie dem letzten von vor fünf Tagen identifiziert. Die Polizei hatte zufällig festgestellt, dass seine DNA mit der an den Tatorten gefundenen übereinstimmte, doch keine Spur hätte sie sonst je zu ihm geführt. Der Sprecher der Sonderkommission meinte dazu: „Er hatte mit den Opfern rein gar nichts zu tun...es waren drei Frauen und ein Mann, die auf dem Nachhauseweg waren, in den frühen Morgenstunden brutal erstochen worden, aber gar nichts deutet auf einen Zusammenhang hin zwischen ihm und den Toten. Er muss sie zufällig ausgewählt haben.“ Ken P. hatte seit fünf Tagen nicht mehr geschlafen und war nach Expertenmeinung in der Folge wahnsinnig geworden vor Schuldgefühlen. Auch wenn Schlafspezialisten vermuten, er hätte die Taten im Schlaf begehen können, weisen die Polizisten diese Theorie ab. Es wird wohl unklar bleiben, was ihn zu seinen Taten trieb und dazu, sich anschließend solch einem Martyrium hinzugeben.“ Corax, 08.06.09 Ich habe heute von einem Menschen gelesen, der vom Mord freigesprochen wurde. Der junge Mann stand mitten in der Nacht auf und fuhr mit seinem Wagen dreiundzwanzig Kilometer zu seiner Schwiegermutter. Dort brach er die Tür auf, verletzte ihren Mann und verfolgte die Fliehende, um sie anschließend mit mehreren Messerstichen zu töten. Er befand sich dabei im Stadium des Tiefschlafs. Ich wünsche angenehme Träume... |
| Anti87 | Golgatha Richtet mich nach eurem Willen das Gewissen gilt´s zu stillen Ignoranz macht Lügen wahr Jeden Tag ist Golgatha! Das Kreuz soll euer Glauben sein wascht euch meiner Sünden rein In Unschuld badet, nennt euch gut taucht noch tiefer in mein Blut! Niemand bot euch Silberlinge doch ihr tut die schlimmsten Dinge Der Mensch heißt Judas, immerdar Jeden Tag ist Golgatha! Die Nägel sind der Hass in euch treibt sie in mein Fleisch, so weich Worte, Blicke schlagen Wunden Haut und Seele nie gesunden Alle Schreie lockt aus mir stillt die heil´ge Leidensgier Doch niemand hört, was offenbar: Jeden Tag ist Golgatha! In der Brust ein breites Loch Seht, dort pocht es immer noch Sucht in euch nach einem Herze: Stille nistet dort, und Schwärze Glaubt nur, was ihr glauben sollt! Seht nur, was ihr sehen wollt! Eure Blicke sind nicht klar - Jeden Tag ist Golgatha! Setzt die Krone mir aufs Haupt Dornen dem, der Falsches glaubt! Denn wer frägt, um auch zu wissen, der wird dafür bitter büßen! Wissend, das ich wiederkehr' geb' ich nun mein Leben her Fleisch bleibt dort, wo Geist einst war Jeden Tag ist Golgatha... Die Nägel und die Krone fallen zurück aus aller Höllen Hallen In den Staub das Kreuz getreten Du musst kriechen, um zu beten! Seht, was ihr aus Wesen macht die ihr hasst und stets verlacht! Hass brennt dort, wo Liebe war Ich bin euer Golgatha! 22.06.'09 |
| Anti87 | Seelenkrank Will die Trauer dich zerfressen In den Nächten, in den kalten Hier sind Hände, die dich halten Du bist nie vergessen Wenn auch harte Stürme wehen Regen dir ins Antlitz schlägt Nur noch Schmerz dich weiterträgt Heb’ den Kopf und bleib nicht stehen Senke niemals deinen Blick Diese Augen könne retten Wollt’ mich schon im Feuer betten Doch sie hielten mich zurück Worte sind das Blut der Seele Was du liest, ist meines Trag es immer in dir, Kleines Dass es dir In finstren Zeiten Deine Tränen stehle Corax, 22.06.’09 Damals hat dieser Mensch mir geholfen. Menschen ändern sich. |
| Anti87 | Am Ziel Mein Leben lang hab ich geträumt Mich dagegen aufgebäumt Dass, wer Frieden sucht, verliert Und wer Wärme will, gefriert Ich wollte nie mehr als zuviel Doch nun bin ich wohl am Ziel Mein Leben lang hab ich gestritten In der Einsamkeit gelitten Da, wer Freiheit wünscht, krepiert, wer Liebe sucht, nur Hass gebiert Alles setzte ich aufs Spiel Und nun bin ich wohl am Ziel Mein Leben lang hab ich gesucht Alle und mich selbst verflucht Weil die Sehnsucht in mir brannte, wollte, was ich gar nicht kannte Bis ich fast dem Tod verfiel So bin ich nun wohl am Ziel Mein Leben ging aufs Leere zu, doch vorm Abgrund standest du warst vom selben Schwarz umhüllt hast dich in mich eingefüllt bis ich endlich dir verfiel und nun bin ich wohl am Ziel Mein Leben lang will ich nur dich Da kein Zweifel mich beschlich Du gibst Wärme, du bringst Frieden, lässt mir Freiheit, dich zu lieben dich, die meine Sehnsucht stillt dich, die all die Leere füllt Nie hab ich von dir zuviel Du bist meines Weges Ziel! Corax, 23.06.’09 Ebenfalls für meine Ex geschrieben... |
| Anti87 | Dornenreigen Im Rosenkleid tanzt sie den ewigen Tanz Dreht sich vor dir, frivol und zu keck Mal ist sie dir nah, mal verschwindet sie ganz Und zwinkert dir zu aus ihrem Versteck Bestaunt und begehrt, im Herzschlag sich wiegend Weiß sie um die Arme, die sie gerne fangen Sie wirft sich hinein, sich scheinbar vergnügend Doch bald sind die Arme für sie nur noch Zangen Sie weiß nicht wonach, nur dass sie sucht Klammert sich dankbar an jeglichen Halt So viele gingen, die sie jetzt verflucht In ihr brennt Hass, die Flammen eiskalt Liebe kann sie nicht mehr geben noch fühlen Zu oft verletzt, verlacht und verstoßen Sie selbst schürt das Feuer, um damit zu spielen Flieh’, wenn du kannst! Sieh’, wie sie tanzt! Im dornigen Kleid aus brennenden Rosen Dezember ’09 |
| Anti87 | Graue(n)Haft In mir ist es finster Doch es gibt noch Leben Es sind Fleisch und Blut Die mein Gefängnis weben Blut gleißt durch die Adern Füllt noch meine Venen Doch kein Muskel zuckt Schlaff sind alle Sehnen Lebendig Begraben Vom eigenen Fleisch! Eure Worte – hörbar Doch mir bleibt nur Stille Kann nicht widersprechen Nutzlos ist mein Wille Ich treibe in der Schwärze Fern vom Leben, lang nicht tot Ewig scheint die Dämmerung Und kein Streif von Morgenrot Lebendig Begraben Vom eigenen Fleisch! Die Fenster meiner Seele Vom Liderpaar versiegelt Mein ist alle Finsternis Die sich darin spiegelt Ob ich gehe, ob ich bleibe Oder wiederkehre Ich hasse, fürchte abgrundtief Die Fesseln dieser Leere Ihr sagt euch, ihr tut’s mit barmherzigen Händen Das Klicken des Schalters, gehört und erkannt Ich will noch nicht sterben, ich will so nicht enden! Lebendig begraben, lebendig verbrannt... Winter 09/10 In dem Buch „Im Netz der Quoten“, dessen Schriftsteller ich leider vergessen haben, fiel mir ein sehr ergreifender Satz auf: “Einem Komapatienten die Maschinen abzuschalten, das ist, als würde man das Gefängnis eines Menschen in Brand stecken.“ |
| Anti87 | Kein Mensch Wir seh’n dem Land beim Sterben zu Der Horizont gerinnt zu grau Kein Auge spiegelt Sonnenlicht Und die Hoffnung übt Verzicht Die Kälte legt uns Mäntel an Schwer die Last auf Schultern ruht Niemand hilft mehr tragen An viel zu kurzen Tagen Auf den Wangen schweigt das Nass Sehr viel tiefer schreit ein Sehnen Kein Mensch wärmt eine klamme Hand Und löscht des Herbstes Fieberbrand Corax, 07.11.’09 Während meiner letzten Zugfahrt zu meiner Ex. Es war Herbst...und schwer die Stimmung, die auf mir lag - wie trüber Nebel auf schneebedeckten Feldern. |
| Anti87 | Liebesleid Du zerreißt die Wolkenscharen Und erwärmst mein Herz so leicht Meine Sehnsucht füllst du aus Linderst, was dem Wahnsinn gleicht Hältst mich fest, sobald ich falle Hast mich schon so oft gefangen Alles Glück ist dein Verdienst Leiden ist mir längst vergangen Deine Liebe gibt mir Stärke Wenn das Leben schmeckt so bitter Meine Seele kommt zur Ruhe Sperrst die Sorgen hinter Gitter Stürzt mich auch das Schicksal nieder Folgst du mir stets in tiefste Not Erlösung liegt in deinen Armen Wir trennen uns allein im Tod Corax, 12.01.8217;10 Das hier sind zwei Gedichte in einem. Lest es zweimal...einmal für jede Seite, die eine so starke Abhängigkeit wie die Liebe besitzt. Der Titel "Liebesleid" erinnert an "Liebeslied", was das Gegenteilige in diesem Werk bezeichnet: Zum einen ein Liebes-, zum anderen ein Klagelied... Für alle, die zu faul zum suchen sind, ist ein paar Zeilen weiter unten das "Gedicht im Gedicht". Achja - Ebenfalls Klinikgedicht. Ich sag ja, es macht kreativ... Du zerreißt mein Herz so leicht meine Sehnsucht Wahnsinn gleicht Hältst mich fest gefangen Alles Glück ist längst vergangen Deine Liebe schmeckt so bitter Meine Seele hinter Gitter Stürzt mich stets in tiefste Not Erlösung liegt allein im Tod |
| Anti87 | Spiegelschrift Ich sehe nichts und alles schweigt Kein Wort entflieht den Lippen mir Die Zeit zerfließt zersetzt mein Sein Das Sehnen beißt mich wie ein Tier Im Herz im Hirn und im Genick Nagt es sich durch meinen Geist Ich spür die Fesseln um mich her Und zerr’ daran doch keine reißt Gewollt ist jeder heiße Schmerz Der mich zurück ins Leben zieht Im Dunkel kniend flehe ich Dass mich nicht ein Auge sieht Der Spiegel flüstert eisig kalt Ein jeder Rückweg ist versperrt Sein Blick trifft meinen vor dem Glase Und erkennt doch nichts von Wert Dieses Leben ist ein Spiel und die Regeln sind verloren Dieses Leben hat kein Ziel und die Wege sind verworren Dieses Leben ist zuviel ohne Glauben nutzt kein Beten Dieses Leben ist ein Spiegel und ein Blick hinein kann töten! Ich reiße meine Lider auf Und Schwärze trübt mein Augenlicht Der fahle Glanz des wahren Scheins Ersetzt die Lüge, tröstet nicht Der Himmel speit sein Wasser aus Und tränkt mich ganz mit Wirklichkeit Im Erdreich wächst kein Same mehr Ganz allein der Hass gedeiht Schaudernd steh’ ich vor dem Nichts Und warte auf den Gnadentod Der Wind erzählt vom Zeitenende Vom Vergessen das mir droht Eingebrannt sind alte Bilder Streiten mit dem Mut zu leben Das Gesicht im Zeitsandsturm Muss ich mich stets neu erheben Gleich dem gold’nen Strahlenkranz Tag um Tag vergebens treiben Vergeh’ ich auch in seinem Schein Dies eine Leben soll mir bleiben! Corax, 25.11.’09 Ich hab dieses Stück im Literaturunterricht geschrieben...am Stück. Es war wie ein Blick in den erwähnten Spiegel, um mein Leben kurzerhand pessimistisch zu reflektieren. Hier das Ergebnis, ein Wortfluss sondergleichen. |
| Anti87 | Utopia Dort wo nur der Horizont Das Ende meines Weges ist Dort wo sich mir Freiheit In mehr als einem Wort erschließt Dort wo meine Beine mich Auf allen Pfaden tragen Dort wo keine Grenzen sich An mein eines Leben wagen Dort, ihr Menschen, will ich sein Fern von allem, was mich zwingt Dorthin zieht mein Herzschlag mich Wenn die Sehnsucht in mir singt Dort wo alle Eitelkeit Vergänglichkeit erfährt Dort wo der Zeiten Mahlstrom Nicht Lieb’ noch Freundschaft mit sich zerrt Dort wo der Hauch der Seele Frei von Schuld und Sühne schwebt Dort wo nicht Krone oder Mitra Lug und Trug zu Glauben webt Dort, ihr Menschen, will ich sein Fern von allem, was mich zwingt Dorthin zieht mein Herzschlag mich Wenn die Sehnsucht in mir singt Dort wo kein Strahl von Sonnenschein An kalte Herzen reicht Dort wo ein Lächeln viel zu oft Einem Zähnefletschen gleicht Dort wo sicheldünnen Lippen Kein aufrechtes Wort entflieht Dort wo man in keinem Auge Mehr als trüben Nebel sieht Dort, ihr Menschen, muss ich sein Fern von allem, was mich wärmt Dorten hält mein Herzschlag mich Wo jedes Antlitz gramverhärmt Ach, wäre nur der letzte auch Der langen Reise erster Schritt! Utopia, weit hinterm Leben Traum, der Menschenhand entglitt! Corax, 18.01.’10 Nunja, mein Utopia und Dystopia gleichermaßen. Anstaltsstück. |
| Anti87 | Sturmflut Es zieht in gar nicht weiter Ferne Ein Sturm herauf am Horizont Jedoch das Wolkenschloss, das thront Verbirgt die Regengüsse gerne Die Wasser fallen heimlich, still Sammeln sich fernab der Sicht Ihr Schimmer flieht ein jedes Licht Und den Blick, der sehen will So staut sich ein ums andre Mal Der Gefühle kalter See Legt auf die Seele sich gleich Schnee Und das Warten wird zur Qual Bald beseh’ ich mir die Dämme Will die Schleusen offen sehen Doch die Räder woll’n nicht drehen Gleich wie ich mich dagegenstemme Drum bleibt mir nur, sie zu verfluchen Mit Grimm im Blicke auszuharren Und die Risse anzustarren Die ihren Weg durchs Mauerwerk sich suchen Ich kann die Zeit nicht mehr bestechen Nur warten, bis die Dämme brechen... 11.10.’09 |
| Anti87 | Dämmerung Kehr' nur wieder, alte Zeit mach dich nur von neuem breit Alte Hoffnung, alte Sorgen, alte Angst vorm neuen Morgen... Das selbe fahle Licht im Blick länger wird der Weg zurück Gedanken fliehn zum Horizont dorthin, wo nicht Trauer wohnt Trübes Grau umfängt mich sacht liegt auf Träumen in der Nacht lässt die Zeit nicht mehr verstreichen und die Zweifel nicht mehr weichen Alte Wege, neue Ziele Gute Gründe gibt es viele Keinen, der zufriedenstellt Chaos lacht, Vernunft zerfällt In dem lang vernarbten Herz spür ich wieder alten Schmerz Was auch kommt, ich bin bereit Kehr' nur wieder, alte Zeit... 30.06.`09 |
| Anti87 | Nosce te ipsum Lunas Antlitz, hell und bleich, ist heute Nacht verschwunden Es strahlen matt die Sterne Augen, dort am Firmament Treiben weit im schwarzen Meer, im Chaos doch verbunden Sehen mich im Dunkel, stille Und nur eine Kerze brennt Schwach ihr Schein und leis’ die Schritte, jeder Balken ächzt und stöhnt Wie aus weiter Ferne Stimmen, hinter dem Gebälk Flüstern mir von einer Kammer, deren Tür nur angelehnt Drinnen stünd’ ein Bett aus Rosen Deren Blüten längst schon welk Mir scheint, ich blick’ durch Traumes Schleier jeden Gang entlang Alte Wände, farblos, kahl Sind von grauem Staub verhüllt Ab und an ein leerer Rahmen, wo dereinst ein Bild wohl hang Folgen mir wie blinde Augen Starren hass- und zornerfüllt Hastig werden meine Schritte, Angst lässt mich nach hinten blicken Etwas folgt mir, blass und fahl Es erlischt der Kerze Licht Was ich sah, bleibt hinterm Lid und will mein Herz erdrücken Dieses Lächeln, grausam kalt Das mir in der Seele sticht Dunkelheit hält mich umfangen, hetzt mich fort durch Gang und Tür Kalter Atem im Genick Und das Flüstern wird zum Wind Keuchend, wimmernd renn ich blindlings, Furcht füllt jede Leere mir Lenkt die Schritte hin zum Wispern Wo die welken Rosen sind Genug erklommen sind der Stufen, hab zuletzt den Raum erreicht Schwaches Licht fängt meinen Blick Mondschein durch ein Fenster fällt Hier, im Auge dieses Sturms, fällt kein Atemzug mehr leicht Das verfaulte Blütenbett Ist die Liebe dieser Welt Grau und tot ist jede Farbe, nur die Dornen rot von Blut Zieren noch die Ruhestätte Und mein Auge findet Halt Bei dem Spiegel an der Wand, der dort seit Äonen ruht Ein Silbersee, die Reflektion Gefasst in Eisen, blank und kalt Im blassen Lichte knie ich nieder, seh’ darin mein Ebenbild Gezähmt mit schwerer Kette Schwarz die Seele, schwarz das Haar Zerrissen ist das Flügelpaar, rote Augen starren wild Seine Haut so blass und fahl Dieser mein Verfolger war! Und ein Schrei entflieht den Lippen, bricht das Schweigen dieser Nacht Meiner Seel’, ich bin verflucht! Wie ein altes Grab sein Mund Geöffnet gleich dem Höllentor, als er voll von Bosheit lacht Meine Qual und seine Häme Schlagen Herz und Ohren wund Klagend stelle ich die Frage, die mir heiß im Blute gleißt Hast du mich gejagt, gesucht? Was für Böses bist du nur, dass du im silbrig Spiegelsee derart an Herz und Seel’ mir reißt? Sprich! Und lass das Traumbild bersten! Sprich! Und gib mir deinen Schwur! Aus des Mundes Höllenschlünden Aus dem Grabestief Steigen Geister, die ich rief Worte, die von Grauen Und von Wahrheit künden: Ich bin Viele, ich bin ewig, ich bin stets gewesen Wer in einen Spiegel blickt Oder Menschenaugen Sieht des Innern dunklen Teil, der ist in jedem Wesen Dort, im Licht des Lebens lauernd Schatten, die zum Töten taugen So will ich dir entsagen, will mich dir entziehen! Laufe, renne, so du kannst, versuch, vor dir zu fliehen! Nimmer bist du in mir, Dämon, nicht in meiner Brust! Sitz’ im Nacken, wohn im Herzen, schwelg in deiner Lust Lass dich von den Schritten tragen, nimm dir alle Zeit Bin bei dir an allen Tagen, der Seele Schatten als Geleit! Im fernsten Winkel deines Geistes hast du’s wohl gewusst! Ich hörte jedes Wort, und der Sinn ist schmerzhaft klar zu sehen Nun lass mich endlich fort, lass das Traumbild schon vergehen! Gedenkst du meiner, auch im Wachen? Nie vergess’ ich dieses Lachen! Und so du gehst im hellen Schein? Bin eingedenk der Worte dein! Und so du glaubst, dies wär’ ein Traum, allein ein Phantasiegespinst? So blick’ ich nur in einen Spiegel, wo die Bosheit ewig grinst! Du hast die Wahrheit wohl gelernt, ich brech’ des Traumes Siegel... Lunas Antlitz, hell und bleich, ist mit der Nacht verschwunden Die Sonne scheint durch Nebel Schreckt mich auf aus wüstem Traum Bilder, Worte, sind in mir wie lang vernarbte Wunden Wende meinen Blick zur Seite Trau’ den müden Augen kaum: Als Mahnmal für den dunklen Teil, liegt neben mir ein Spiegel... Corax, 27. – 30.09.`09 Mein Opus Magnum. Bis jetzt. Gefällt mir von all meinen Werken irgendwie am besten, was wohl daran liegt, dass ich ein großer Bewunderer von klassischer Literatur bin, Theaterstücken u.ä.. Die Sprache, Struktur und Thematik von Werken wie Hoffmanthals "Jedermann" oder Goethes "Faust" haben mich stark beeinflusst und ich träume immer noch davon, irgendwann ein eigenes Stück in dieser Art zu schreiben. |
| Anti87 | Mindlock (Fluchtfragment) Your dreams are castles built on clouds which turn into a stormfront now they fall apart as thunder rages and while the last bolt flashes it's raining down the ashes of castles that have turned to cages The higher you rise the harder you fall hearing the voice of reality call A prisoner is what you are by wanting all, you've gone to far the stars the nearest thing to reach Utopia has locked you in dreaming was your greatest sin a lesson only life can teach The higher you rise the harder you fall hearing the voice of reality call As truth came crawling up your spine you chose the lies, the sweetest wine Into the realm of phantasy Hide away behind your shell Searching heaven, heading hell locked in you mind without a key The higher you rise the harder you fall hearing the voice of insanity call... Corax, 8.2.`10 Die Flucht vor der Realität endet immer im Labyrinth des eigenen Bewusstseins. - Ich |
| Anti87 | Deutsche Rechte Rechte für Rechte? Rechte für Deutschland? Rechte für Menschen? Selbstgerechet Rechte? Rechte Menschen für Deutschland? Ich weiß nicht recht: Recht, nicht aufrecht. Eher Menschenrechte für aufrechte Menschen. Aufrechte Menschen für Deutschland. Hört auf,Rechte: Zu recht, 's ist nicht recht. Keine Menschen für die Rechte - es rächt sich. Corax Keine Erläuterung notwendig für die, die denken können. |
| Anti87 | An den Sommer: L Die Haare im Wind A die Füße im Sand S die Sorgen zu Hause S der Himmel über, M der Weg vor mir I das Leuchten im Auge C das Lachen im Gesicht H die Sonne im Rücken F die Zeit im Abseits Ü die Grenzen verschoben H das Denken im Urlaub L die Freunde greifbar E die Liebe im Arm N das Glück im Herzen Im Frühling `10. Es war eine Erwartung von Freiheit, die sich nicht erfüllt hat...vielmehr trieb es mich erneut in die Isolation, eingesperrt im Zimmer oder ausgesperrt in der weiten Natur. |
| Anti87 | Sommernachtstraum Alle Schatten werden länger und die Blätter, zärtlich, wiegen sich im Atmen dieses Abends in dessen letztem Schein wir liegen Selten sah mein Herz, wie nun, dass sanfter je ein Tag entschlief und nie zuvor war Stille dort, wo schmerzhaft sonst ein Sehnen rief Schweigen wächst aus deinem Blick und spricht, wo Worte sinnlos bleiben In deinen Augen kann ich wie im Meer zu unsren Füßen treiben Nacht verdrängt die letzte Glut Ich leg' mein Herz in deine Hand und mit den letzten, sanften Wogen sinken wir in warmen Sand 10.02.'10 |
| Anti87 | Unter stählernem Himmel (Kürzestgeschichte) In meiner Münchner Berufsschule bat mich ein Klassenkamerad, ihm doch eine "Suicide Story" für eine Sammlung solcher aufmunternder Kurzgeschichten zu schreiben. Da man von unserem Klassenzimmer aus einen unverstellten Blick auf die Massenhaltungskomplexe des olympischen Dorfes hat, habe ich mir vorgestellt, wie es sein muss, dort zu wohnen. Zu leben, zu existieren, zu vergehen, zu sterben. Worte, die mir schon seit der Vollendung des Spieleklassikers "Beneath a steel sky" im Kopf umgingen, fanden hier einen Weg aufs Papier. Und Träume, die mir ebenfalls seit langer Zeit im Kopf umgehen, ergossen sich gleich mit...hier also: Unter stählernem Himmel ‚Träume werden nun mal nicht wahr!’, höre ich sie immer noch sagen. Kurz bevor sie ging, zum letzten Mal mein Zimmer, meine Wohnung, schließlich mein Leben verließ. Meinen Kopf wird sie wohl nie mehr verlassen. Seither – seit ungefähr einem halben Jahr wohl – träume ich wieder. Doch im Gegensatz zu früher, als meine Träume nur tagsüber stattfanden, liegen sie nun im Schlaf wie Alpe auf mir...meinem Geist. Langsam beuge ich mich nach vorne, um dann schwerfällig den Kopf auf die verschränkten Arme über den Knien zu legen. Ungefähr eine Viertelstunde habe ich wieder die Leere um mich herum, in mir, im Spiegel, meinen Augen betrachtet. Was ich dort gesehen habe, lässt mich auf distanzierte Weise einen kalten Schauder wahrnehmen, der einer Spinne – oder ihrem tödlichen Gift – gleich mein Rückgrat hochschleicht. Meine Träume gabeln die Straße meines Lebens in unzählige Abzweigungen. Tausend Wege, eine Richtung. Und anders als bisher sind die Wege nicht das Ziel. Ich habe volle neunzehn Jahre damit verbracht, für das Leben an sich zu leben, aber nun realisiere ich mehr und mehr, das all die Zeit über...jede Handlung, jeder Versuch, eine Perspektive in meine Existenz zu bringen, nur dazu beitrug, mir die Ziellosigkeit vor Augen zu führen, die mich bestimmt. Sie konnte dem Ganzen auch keinen Sinn geben. Meine Blicke folgen den Gedanken in schier endlose Schwärzen hinter den Fenstern zur Seele, ihr Bild eingebrannt, ein Nachbild aus all den Tagräumereien. Es kommt mir so vor, als wäre meine Wohnung zu groß, die Wände werfen die Stille in mir als ohrenbetäubendes Echo zurück. Sie hat diese Stille und Leere fast drei Jahre lang übertüncht, während die weißen Wände meines Bewusstseins unter der beständigen, strahlenden Farbe begannen, im Inneren zu zerfallen, sich auszuhöhlen, indes das Äußere – die Fassade – fester wurde. Fast genug, um mich glauben zu lassen, alles würde gut bleiben, solange sie nur blieb. Die absurde Idee, sie würde für immer bleiben, hatte sie letztendlich verschreckt, ließ die Fassade bröckeln, zurück blieb allein das eingestürzte Gebilde eines unfertigen Konstrukts...meines Lebens. Während ich einsam und still schreiend durch diese Trümmer wandere, Rest des Kerns suche, ein Fundament, stelle ich fest: Ich wandle wie unter stählernem Himmel, kein Licht dringt durch die steril wirkenden, blaugrauen Wolken. Ich erhebe mich von dem Bett, das seit langen Monaten keinen ruhigen Schlaf mehr zu bieten vermag und beginne, die Wohnung zu durchqueren, zum Küchenfenster strebend. Auf dem Weg dorthin fällt mir auf, wie sauber die drei Zimmer sind, welche seit meinem Auszug von daheim mein Zuhause darstellen. Keine Fotos an den Wänden. Wieder ein Zeichen, bemerke ich, für die reine Existenz meiner Person hier. Ich verscheuche den Gedanken, vorerst. Im Treppenhaus knallt eine Tür. Irgendwo hier, im dreißigsten Stock eines namenlosen Massenhaltungskomplexes, ist einer meiner – für mich – gesichts- und bedeutungslosen Nachbarn auf dem Weg nach unten. Er oder sie scheint alle Treppen zu nehmen. Keine Eile, viel Zeit. Nichts davon wird heute an eine Arbeit verschwendet. In der Firma sehen mich all die Augen mit einem seltsamen Blick. Niemand sagt irgendwas, sie machen ihre Arbeit, mischen sich nicht ein. Wozu sollten sie auch? Sie arbeiten, ich arbeite. Die wenigstens reden, es bringt nichts, andere nach ihrem Leben. Jeder hat doch sein eigenes. So leben wir alle, wie wir auch arbeiten. Nebeneinander. Inzwischen bin ich in der Küche und blicke aus dem Fenster. Eine langsam hinter zerfasernden Wolken und wie Narben wirkenden Kondensstreifen versinkende, rotgolden glühende Sonne taucht alles in ein trüb glänzendes Licht, überzieht wie ein ehemals schöner Schutzfilm die graue, laute Stadt. Mein Blick fällt auf einen Vogel, der alleine in Richtung des weit entfernten Grüns fliegt, sich von dem Feuerball am Horizont abhebt. Ich bemerke, wie die Sehnsucht mir Tränen in die Augen treibt. Frei sein. Ein Beben erfasst alle Muskeln, zwingt mich in die Knie. Schmerzen, die fern von allem körperlichen sind, verdrängen die Leere in mir. Ich muss die Augen schließen, als alle Dämme brechen. In mir, zu tief in mir, als dass ich es erfassen oder ändern könnte, vereint sich die Sehnsucht mit der Sinnlosigkeit, produziert die Furch als Randerscheinung. Schluchzend liege ich im sanften, brennenden Abendrot auf den orangenen Kacheln der Küche, muss unwillkürlich daran denken, wie sie meine Mutter vor langer Zeit aus der in unserem Haus getragen hatten. Mein Vater, immer noch in irgendeinem Staatsgefängnis, hatte ein letztes Mal, zu fest, zugeschlagen. Man könnte sagen, der Alkohol hat sie umgebracht. Damals hatte mich nichts in diesem Haus gehalten. Jetzt, bemerke ich, hält mich nichts in diesem Leben. Wenn ich einschlafe...sehe ich Blut. Ich sehe schnell an mir vorbeiziehenden Beton, oder Glas. Ich sehe eine Hand voller Tabletten, die sich zu meinem Mund bewegt, ich höre einen gedämpften Knall, danach wache ich auf. Jeden Morgen wird die Angst weniger, die Möglichkeiten mehr. Die Tränen sind mittlerweile kalte Linien, die schwarze Streifen salzigen Kajals bis zum Metall in meinen Lippen gezogen haben. Mir wird klar, dass ich soeben eine bedeutende, endgültige Feststellung gemach habe: Ich bin nur ein Platzfüller. Alles hier...ist so...kalt, so austauschbar. Mein ganzen „Leben“ ersetzbar. Die paar Freunde, die einen Teil des Weges mit mir gingen, werden es verkraften. Kein schlechtes Gewissen, keine Angst mehr. Dämmerung senkt sich wie der letzte Vorhang vor meinem Fenster, der Vogel ist kaum mehr wahrnehmbar, als ich meine Schritte zum Bad lenke. Heißen, klares Wasser füllt stetig die Wanne, während ich meinen Trauerflor ablege. Im Spiegel betrachte ich all die Narben, einige noch nicht verheilte und wenige kaum einen Tag alte Wunden, welche meinen Körper in eine Landkarte des Leidens, des Hasses, der Hilflosigkeit verwandelt haben. Sie alle sind nur ein sichtbarer Bruchteil dessen, was in mir längst zersplittert ist. Vor langer Zeit habe ich es begonnen, heute vollende ich die Karte. Musik erfüllt das diffus beleuchtete Bad, Töne, so schwer wie die Last eines Lebens. Geduldig öffne ich das kleine Papierbriefchen, entnehme ihm die unsichtbar auf dünnes Metall geschriebenen Worte, die schon so viele Geschichten erzählt und noch mehr beendet haben. Ich sinke in die schwerelose Wärme des Wassers. Nachdem ich eine Weile mit geschlossenen Augen in die Zukunft blicke und nur Schwärze sehe, öffne ich die Lider und führe ruhig, den Schmerz auskostend, eine Ecke der Klinge über den linken Unterarm. Das herausrinnende Blut beruhigt mich noch mehr, färbt das Wasser in einem sanften, roten Ton. Alle etwaig noch verbliebenden Zweifel reißt der Strom warmen Lebenselixiers, das jetzt auch aus dem rechten Arm über die zerschnittenen Ufer der Haut tritt, mit sich. Die Musik übertont das Klagelied meines Körpers, die Wärme trägt mich auf Wellen zärtlich pulsierender, dumpfer Schmerzen fort, in Richtung Freiheit. Blass wird meine Hand, unstet mein Blick, mein Herzschlag wirkt wie durch Watte gefiltert. In mir: Stille. Frieden. Je mehr Blut aus mir fließt, desto weniger wird die Leere, die mich zuvor füllte. Der stählerne Himmel wird dunkel, zerfließt. Als meine Welt zerbricht und alles an Bedeutung verliert, lächle ich unbewusst. Eine kleine Stimme, ein letzter Gedanke: ‚Manche Träume werden doch wahr...“ Corax, 15./16.11.’09 |
| Anti87 | Hoffnung (Asche) Hoffnung? Du fragst mich, was Hoffnung ist? Sie ist ein winziger Funken, der noch in einer Ascheflocke glimmt. Wenn du sie vom Boden aufwirbelst, mag sie sich in deinem Herzen festsetzen und sich dort neu entzünden, weiter nach oben schweben in der leichten Brise der Naivität, bis sie deinen Verstand erreicht. Dort, hinter deinen Augen, wird sie ein Feuer entfachen, dessen greller Schein dich von Innen blendet, stärker noch, sobald du deine Lider schließt! Nährst du die Flamme mit Erwartungen, brennt es heißer und heißer in dir, bis nichts mehr von der Vernunft geblieben ist, während du dich der trügerischen Wärme hingibst, verblendet und sehnenden Herzens blindlings der Hoffnung folgst wie einer durch die Luft tänzelnden Ascheflocke... Sobald du stehen bleibst, sehend und klar denkend, findest du dich wieder in einem gewaltigen Meer aus Asche, das über den Horizont der Zeit hinausreicht. Du wirst feststellen: Jenes schwarze, beinah erkaltete Meer aus erloschenen Träumen ist das Leben...das letzte bisschen des Feuers in dir wird in den Myriaden Flocken versinken...bis jemand unvorsichtigen Fußes einmal mehr einen winzigen, kaum noch glimmenden Funken hoch in die Luft wirbelt.... Corax, Herbst ’09 |
| Anti87 | Verein(sam)t Manchmal, wenn die Sonne scheint, denkt er dran, noch mal zu leben doch statt sich aus dem Stuhl zu heben im zu großen Raum bleibt er sitzen, trinkt und weint Manchmal, wenn er in der Küche Ihre alte Tasse spült Spürt er, wie es ihn zerwühlt Und wie Porzellan Geht auch er dann in die Brüche Manchmal, wenn er aus dem Fenster In den Abendhimmel sieht Fühlt er, wie es an ihm zieht Hin zum Silberstreif In weiter Ferne glänzt er Immer, wenn er an sie denkt, führen ihn die Tränen näher zu der Schwärze Gähnen Als er nicht mehr widerstand, nahm er glücklich ihre Hand im Keller, wo er heut noch hängt... 15.02.’10 |
| Anti87 | Silberzungen Stellt mir keine Fragen, dann hört ihr keine Lügen Dieser Satz allein für sich soll euch schon genügen Was kümmert euch, wie viel ich lebe, Wem ich einen Teil von mir und von meinem Leben gebe? Reden ist, so sagt man, Silber, Schweigen jedoch Gold Ich gebe nichts auf Reichtum, doch dieser wär’ gewollt Drum kehrt vor eurer eig’nen Tür Tretet nicht die meine ein und fordert Silber noch dafür! Wenn mir bittre Freiheit wie die jetzige gewährt Sich der Lebenswille von so wenig Menschen nährt Zwingt mich nicht, dem zu entsagen Legt mir Gold vor meine Tür und erspart mir eure Fragen! Corax, 17.02.’10 Für all die neugierigen Menschen, die es nicht lassen können, sich in die Leben und die Angelegenheiten anderer einzumischen. Für diejenigen, nach denen man seine Existenz ausrichten soll, um nur ja nicht auf ihre zahlreichen Schlipse zu treten. |
| Anti87 | Euthanamnesie Komm', oh Tod, du Schlafes Bruder Lass’ mein Sehnen Lethe sein Fährmann, pack' fest an dein Ruder wasch' mich in den Fluten rein Vom Erinnern, vom Gewissen von all jenen Bitternissen die mein Leben so bestimmen lass mich ins Vergessen schwimmen! Löse mich von allen Ketten Deren Glieder mich beschwern Will mein Haupt zur Ruhe betten Und kein Sterbenswort mehr hörn Soll doch in der Sonne Strahlen Und in Lunas stetem, fahlen Licht das Leben nur gedeihen Will mich einzig dir noch weihen Die Lider mein schließ’ sanft mir zu Nimm’ die Hände fest in deine Ich folge, doch den Weg zeigst du Bring mich mit der Welt ins Reine Lass die Brücken alle brennen Ich hab’s satt, gehetzt zu rennen Stille ist’s, die ich erbitte Nimm mich aus des Zeitstroms Mitte Hier, oh Tod, du Schlafes Bruder Am Ufer Lethes stehend nun Weist zuletzt des Fährmanns Ruder Den letzten Schritt mich an zu tun So tret’ ich hoffnungsvoll ins Nass Aus meinen Augen glimmt es blass Im Vergessen steht’s zum Guten Muss erinnernd nicht verbluten... Corax, 17.02.’10 „Man muss ein Virtuose im Vergessen sein, sonst verblutet man auf der Intensivstation Erinnerung.“ - Martin Johannes Walser Euthanasie, abgeleitet von griech. εὐθανασία, „ein leichter und/oder schöner Tod“ als Zusammensetzung aus εὖ, „gut“, „leicht“ und θάνατος, „Tod“ Amnesie (von griech. a „ohne, nicht“ und mnesis „Erinnerung“) Lethe (von griech. λήθη das Vergessen) ist laut der griechischen Mythologie einer der Flüsse in der Unterwelt. Im Vergessen liegt Erlösung, im Erinnern frischer Schmerz. - Ich |
| Anti87 | Rückblick Wir ham’ es uns nie leicht gemacht Haben viel zu zweit gelacht Doch jeder hat noch viel mehr Nur für sich allein geweint Und jetzt kommt unsre letzte Nacht Wer hätte schon gedacht Dass es mal so endet Das Leben hat uns schön geleimt Und ich höre dich noch sagen Bitte stell’ mir keine Fragen Ich weiß genau so wenig, genau so viel wie du Und hier sitze ich mal wieder Mit dem Herzen in der Hand Mit der Gitarre auf den Knien Und dem Rücken an der Wand Mit Sehnsucht in den Augen Und dem Kopf voller Lieder All’ die Tage, die bald kommen Seh’ ich nur verschwommen Wie den Zug am Horizont Wenn ich auf den Gleisen geh Was sie bringen – keine Ahnung, ich bin kein Mensch mit Plan und ich hab auch keine Tränen warum tut es dann so weh? Und ich höre dich noch sagen Bitte stell’ mir keine Fragen Ich weiß genau so wenig, genau so viel wie du Und hier sitze ich mal wieder Mit Salzgeschmack im Mund Mit Wut in meinem Blick Und mit einem guten Grund Mit Angst in allen Worten Und dem Kopf voller Lieder Du gehst zurück zu deinem Leben Zurück in deine Welt Ich kann dir nichts mitgeben Weil man in solchen Fällen Seinen Schmerz für sich behält Ich weiß genau so wenig, genau so viel wie du Im Leben ist kein Kunde König Und selbst wenn’s welche gibt Gehören wir nicht mehr dazu 21.02.’10 |
| Anti87 | TAK Die Kojoten steh’n Spalier Ihre Augen voller Gier Der Himmel ist vom Abend rot Und Narben zier’n den Horizont Wo die Sonne blutig droht Die Luft ist unheilsschwanger Auf dem Totenanger Der kein Wort wie Gnade kennt Setzt nur ein Tier den blanken Fuß Da der Sand wie Feuer brennt Ein Heulen von den Bergen dringt Als ob ein Wolf vom Tode singt Die Straße liegt bedrohlich stumm Ein Sturm kommt mit dem Zwielicht auf Reißt Hoffnungen und Sträucher um Unter schwarzer Geier Blick Findet hier kein Mensch sein Glück Blutig schimmert ihr Gefieder Spinnen, Schlange, Skorpione Legen vor dem Herrn sich nieder Der spricht Worte ohne Leben Lässt die Tiere sich erheben Schickt sie hin zum Wüstengarten Ihr Gott ist in dem Mann erwacht Nun heißt es Warten Warten Warten... Corax, 23.11.'09 In meinem Kopf...die Stimmung im kleinen Dorf Desperation aus Stephen Kings gleichnamigen Buch, bevor das große Sterben beginnt... |
| Anti87 | Rattenklage Es sind die alten Lieder die nur neue Münder singen so meint man immer wieder dass sie langsam schöner klingen doch auch die Laute dieser Kehlen woll'n nur eines: Seelen stehlen. "Rattenfänger!", schallt es dann damals, jetzt und immerdar mit der Wut im Halse kann lauter schrei'n die feigste Schar und die - man ahnt es - folgerichtig fühlt sich dann so richtig wichtig. Jedoch, das Rattenhüten macht den Leuten zu viel Mühe zu zürnen und zu wüten ist Fleisch in ihrer Brühe Die bitt're Mahlzeit wird livriert mit blankem Hohn garniert serviert. So verflucht die Spielleut' nicht mit Flötenkünsten im Gepäck haltet für euch selbst Gericht! Und seht die Kinder dort im Dreck wo ihr sie lasst, wie sie gleich Tieren nach Liedern zum marschieren gieren... 14.04.'10 Damals, jetzt und immerdar haben die Menschen immer genau solchen "Rattenfängern" die Schuld gegeben, wenn ihren Kindern Böses geschah. Aber, und ich gebe gerne zu, mich bei diesem Werk von Thomas Manegold (großer Lyriker der schwarzen Szene) inspiriert haben zu lassen, wenn die Kinder in die Fänge solcher Wortkünstler laufen, ihren rhetorischen und idealistischen Flötentönen folgen - wer trägt wirklich Schuld? Die "Rattenfänger" haben lediglich leichte Beute gemacht. Wie wurden diese "Ratten" so willenlos und manipulierbar? Durch beschissene Erziehung, Gleichgültigkeit seitens der Eltern, rotzdumme Umwelt, die nichts tut, als zu schreien, WENN etwas passiert ist - und natürlich, dann sind es die bösen Rattenfänger, denen alles anzulasten ist. Prügelt euch gefälligst in die eigene, saudumme Fresse, bevor ihr euren Kindern hinterherweinen, nein, SCHREIEN müsst und KLÄRT SIE AUF! KÜMMERT euch um sie und gebt ihnen verdammtnochmal ein Zuhause, in dem sie sich wohlfühlen! Dann laufen sie nicht irgendwelchen Nazis, Religionsverblendeten oder anderen Extremisten in die offenen Arme, die ihnen ja nur freundlich erscheinen können bei allem, was sie aus der Kindheit kennen! |
| Anti87 | Melancholie Du, Tochter zweier Welten, bist die Göttin langer Nächte mir wenn mein herz die Stunden misst zum Morgenrot mit stummer Gier Deine Haut ist Marmor gleich ein Traum der Sinne die Statur so süß die Stimme, sanft und weich doch verbittert die Natur Ein Lächeln welkt auf deinem Mund darin die Freude übt Verzicht Es zeigt ein Blick zum Herzensgrund Das Glück bewohnt dein Wesen nicht Wenn die Zeit wie Honig scheint die Sonne keine Wärme gibt bist du's, die ohne Tränen weint mit jedem, der dein Gift so liebt Ich ruf' dich, wenn das Licht erstirbt die Stirn an dir zu kühlen gleich Feuer, das um's Wasser wirbt will deiner Wogen Stille fühlen Sehnsucht heißt der Garten, in den ich mich mit dir flüchte Die Zeit gibt bald dem Warten Sinn es blühen Trauerfrüchte Zeit um Zeit verlässt du mich nie jedoch auf Dauer Seltsam leicht ist's ohne dich so sehr ich's auch bedauer Du, Tochter zweier Welten, bist Salz und Nektar mir im Geist der Schmerz, den man im Glück vermisst die Grenze, die zur Freiheit weist 14.04.'10 Gestern war ich elendig kreativ. Faustformel: Langeweile eines Vortrages x dessen Länge / Mangel an Alternativen = Kreatives Schaffen. Oder so. Nun ja, die "Tochter zweier Welten" war mir schon länger ein Anliegen. Teils Trauer, teils romantisches bis pathethisches Sehnen - das bedeutet Melancholie für mich und ist mir eine großartige Geliebte. Nur, je länger sie in den langen Stunden bis zum Morgen oder sonstwann, wenn die Zeit nicht vergehen will, bei mir ist, umso mehr wirkt ihr süßes Gift, dass kreativ macht und zugleich irgendwie lähmt. Vermissen will ich sie trotzdem nicht, sogar wenn es mir gut geht, wünscht ein Teil von mir sich diese wunderschöne, grausame Göttin herbei. |
| Anti87 | Veritas Es wiegt das Rückgrat schwer wie Eisen wenn man Wahrheit spricht Ein Schmerz, der adelt, ist zu preisen wie ein Rückgrat, das nicht bricht und sich nicht verbiegt Ein falsches Wort ist drauf erpicht Narren einen Weg zu weisen, ein falsches Lächeln im Gesicht erlaubt es, sehr bequem zu reisen drum die Lüge siegt Weil in den verlockend' Weisen, singend nur vom Unverzicht, das Rückgrat sich verbiegt in Weisen bis das Bad im falschen Licht keine Last mehr wiegt Drum brich' der Lippen Siegel nicht so dich der Stachel leisen Zweifels im Gewissen sticht, ob der Worte Quell im Weisen, in der Wahrheit liegt! 14.04.'10 Endlich. Vanitas und Veritas, Vergänglichkeit und Wahrheit, meine beiden Leitsätze im Leben, sind komplett. Gestern überfielen mich schließlich die Worte, die es gebraucht hat, um dieses Gedicht zu schreiben. Ich hab' mich zeitweise schon gefragt, ob ich der Wahrheit je das Stück widmen kann, das ich für sie geplant hatte...aber hier isses, und wie immer - wenn's auch sonst keinem gefällt, ich bin damit zufrieden. |
| Anti87 | Kunst – X = Leben Wir spielen das meiste, was wir glauben, zu sein. Wer von uns weiß denn tatsächlich, wer oder was er ist? Flüchtend in alle möglichen und unmöglichen vorgekauten Rollen, zwängen wir uns in Korsagen und Korsetts, die uns die Kunst vorgegeben hat und immer vorgeben wird. Die Medien, die sich schamlos an der Kunst gütlich tun, versuchen es schon seit Ewigkeiten, schaffen es, uns zu Produkten ihrer sogenannten Ideale zu machen und wir, noch viel schamloser, reflektionslos, verabscheuungswürdig, nehmen es an, im Glauben, aus freiem Willen heraus zu handeln. Wir streifen Ideale, Moralvorstellungen, Bewusstsein und ganze Leben über und ab, häuten uns öfter als alle Schlangen, schlängeln uns mit nichts als kriecherischer Attitüde und widerlichem Giftnebel um uns herum durch etwas, das wir "Leben" zu nennen wagen! Nichts an diesem Leben ist mehr als eine bloße Existenz. Das Leben imitiert die Kunst. Das bedeutet für mich, dass die Kunst (per se wertungsfrei) Vorbilder für uns Menschen, die wir meiner Meinung nach ohne eigene Identität dahinexistieren, geschaffen hat bzw. der Mensch überall nach etwas sucht, an dem er sich orientieren kann - und dabei immer alles auf die Kunst, das einzig wirklich schaffende in all seinen Varianten, zurückgreifen muss. Wir imitieren unser "Leben" lang, nicht nur die Plastikideale - das tun nur die allerdümmsten, die leider immer zahlreicher werden - sondern alles, was wir zu unserem Gefallen oder als unser Leitbild nehmen können. Beispiel: Bin ich intelligent? Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass ich es gerne wäre. Das Bild des ausgestoßenen, aber intelligenten Sonderlings ist unfreiwillig eines meiner Leitbilder geworden, teils aufgezwungen durch meine Umwelt während des Aufwachsens und auch jetzt noch, teils durch die romantische Verklärung, die diesen Typ wie viele andere umwabert. Es erreichen kann ich nie, diese "Vorlage" in meinem Kopf, dieses Bild meiner Selbst, dieses Ideal, ist die Vorstellung eines Menschen, der ich mich nicht anpassen kann. "Wir haben in unserem Kopf die Vorstellung eines Menschen, eines idealen Menschen, und wenn wir Menschen treffen, passen wir sie an - nicht die Vorstellung den Menschen, sonders andersherum." - sinngemäßes Zitat, Autor vergessen. Aber so ergeht es uns doch allen mit unseren Vorstellungen, auch von uns selbst, von dem Leben, das wir möchten, von allem, was wir vertreten, darstellen möchten...unerreichbar, aber immerhin eine Art Ziel. Und jedes Korsett scheint uns besser, als nackt dazustehen und unseren Körper, so frei von allem sehen zu müssen. Als sehen zu müssen, das wir nichts sind als billige oder auch bessere Kopien von einer Vorstellung, die in unseren Köpfen, oder schlimmer: derer anderer! entstanden ist. Als EINsehen zu müssen, dass wir unser Leben lang nackt waren und nie gelernt haben, damit umzugehen. Nie gelernt haben, etwas gänzlich eigenes für uns zu schaffen. Nur immer, bereits geschaffenes zu nehmen oder bestenfalls abzuwandeln. Wir sind künstlicher, als alle Kunst es je sein könnte. Wir sind Kunst - X. Nach der Lektüre von Thomas Bernhards „Holzfällen – Eine Erregung“ schien mir dieser Text und die sich aus dem Lesen für mich ergebenden Schlussfolgerungen, ich muss sogar sagen: Erkenntnisse, sowie die damit einhergehende Einsicht bzw. Erregung zu verarbeiten. Die Forderung des Naturalismus „Natur – X = Kunst“ sei hier dienlich, um meine rationalen Überlegungen in der gleichermaßen rationalen Art der mathematischen Formel auszudrücken. 16.04.`10 |
| Anti87 | Leeren Herzens Der kurze Pfad zur Hölle führt durch Vertrauen, Mitleid und das Herz, sobald`s ein Mensch berührt, es verdirbt bis auf den Grund Es zieht des Herzens Schwere uns mit langen Jahren durch die Aschenmeere, wo einst Träume waren Liegt es erst in fremder Hand, vom Rippengitter frei, steckt ein Fühlen es in Brand oder bricht’s entzwei Manches wird zu hartem Stein, ein Riff im Lebensfluss daran ein andres, weil’s zu klein, im Sturm der Zeit zerschellen muss Ach, die Angst vor Menschenhänden macht das Leben mir zum Graus Um solch Schicksal abzuwenden riss’ ich mir mein Herz heraus... Anti, 26.04.’10 |
| Anti87 | Panik Mein Blick ist eine Farce Hastet durch das Zimmer Augen, trüb wie Glas Suchen einen Schimmer Atem flieht die Lungen Muskeln steh’n in Flammen Abertausend Zungen Die aus Ängsten stammen Wispern von Gesichtern Die, noch unerkannt, Still und leis’ irrlichtern An des Wahnsinns Rand Meine Kehle zittert Stilles Wasser drängt Die Vernunft, verwittert, an dünnem Faden hängt Als ich sehe, was nicht ist, krallen meine Nägel Sich in deine Hand Und an jeder Wand Setzen alle Schatten der Vergangenheit die Segel In die Falten der zerworfnen, aufgewühlten Laken Blicke ich zu lang Und zum Wimmerklang Kommen Tote, nie gestorben, die sich in mich haken Bruder, Bruder, deine Augen wollen mich verfluchen! Dort aus dem Kissen Klagend, zerrissen! Ich tat nichts! Er lebt! Sag’, warum sie mich suchen! Während ich noch phantasiere Und zum Fuß des Bettes stiere Wo sich Hände recken Während ich nach ihnen trete Und noch mehr Gespenster töte Willst du mich erwecken Fiebrig atmend will ich beißen Den Geschmack des eignen, heißen Blutes schmecken, doch du hältst Meine Arme und du zählst Immer neue Worte auf Bis der Nachtminuten Lauf Sich die Panik wiedernimmt Und nur Ruhe in mir glimmt Ohne neue Wunden Liege ich noch lange Und zähl still die Stunden Bis ich wieder bange... Anti, 18.05.’10 |
| Anti87 | Des Teufels Klagelied Stolz das Haupt in Sünd' erhoben Bot ich Rücken, Huf und Horn Den Verfall'nen, um zu toben im gerechten Kindeszorn Wer da ritt, der ging zugrunde Doch er tat es ohne Fehl Und in seiner letzten Stunde Wurde aus der Freud' kein Hehl Ach die Wollust, ach die Wut Menschens Steckenpferde! In den Geistern wuchs die Glut und schuf verbrannte Erde Doch so sehr ich auch verführte sie verdarb und es genoss Keinen gabs, der sich erkürte aufschwang sich zu meinem Spross Setz ich heute meine Hufe auf die Reste dieser Welt Hör ich finster ihre Rufe Jeder tut, was ihm gefällt Kann ich auch den alten Herrn immer noch nicht leiden: was ich seh, seh ich nicht gern doch lässt sichs nicht vermeiden Gerecht ist längst kein Wüten mehr sprachlos muss ich stehen Der Mensch, er sei der Erde Herr, Dein Wille ist geschehen Nun sieh, wie deine Schöpfungsbrut sich an der Welt verging! Wer heute noch die Beichte tut, bereut dabei gering Es ist die Sünde Zierde nur man kennt kein Halten nicht! Babylon, die alte Hur’ trägt Schamesröte im Gesicht! Ich setze keine Hufe mehr aufs Antlitz deiner Erde Bei solcher einst'ger Schüler Heer selbst ich zum Schüler werde Gott, du hast die Welt verloren Beide wir den Streit wo solche Bosheit ist geboren endet unsre Zeit Ich gehe nun, ergreif' die Flucht und sag Lebwohl für immer denn wo man Gott vergebens sucht besteht der Teufel nimmer! Anti, 09.08.10 |