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  Forum: Gärten der Poeten
    Thema: Im Geiste entstanden, im Herzen behalten
mementomori[COLOR=red]Wir sind Mensch[/COLOR]

Durchschneidet unsre Zungen,
wir reden hinfort.
Zermalmt die Hände,
wir schaffen hinfort.
Trennt fort die Füße,
wir kommen voran.
Stecht aus die Augen,
uns entgeht's nicht.
Brennt uns zu Asche,
wir irren umher.
Was sind wir?
Welch Kreatur?
Dass wir leben hinfort, so hartnäckig!
Was ich bin, das bist du.
Was du bist, ist auch er.
Was er ist, sind wir alle.
Alle sind wir nur eins!
Wir sind Mensch und sind hinfort!
mementomori[COLOR=red]Der Sinn[/COLOR]

Der Mond erstickt vom Schwarz.
Der Baum ertrinkt im Harz.
Die Sonne entführt von der Luft.
Die Tiefe fällt in die Kluft.
Der Mensch gefressen von Neugier.
Der Sinn verkleidet von mir.
mementomori[COLOR=red]Das Wissen[/COLOR]

Des Menschens Denken ist ein Segen.
Die Weisheit wird sich regen.
Der Untergang wird's auch noch sein.
Ist dieses Wissen noch so klein.
mementomori[COLOR=red]In der Nacht[/COLOR]

Er steckte ihr die Eisblume ins Haar.
Ihr Gesicht so wunderbar und ihre Augen so klar.
Sie war so schön wie keine und die Blume erfreute die Kleine.
Ihre Haut schimmernd bleich, engelsgleich.
Und ihre Lippen voll und rot wie Blut.
Ihre Tränen kamen in leidenschaftlicher Flut.
Leuchtend wie tausend Sterne am sanften Schwarz des Himmels.
Und die kühle Luft füllte ihr Lunge.
So vereint in der Nacht der [COLOR=red]Engel[/COLOR] und der [COLOR=red]Junge[/COLOR] !
mementomori[COLOR=red]Herbst[/COLOR]

Herbstlich die Stimmung, das stille Schweigen, das kündet von frostiger Zeit.
Und man sieht die bunten Blätter und deren Rauschen reicht weit.
Rot leuchtend, gelb singend und die Musik des Windes klingend.
Ein Meer voller Blätter und die Bäume stehn kahl.
Der Regen besucht uns und das Licht geht, wird fahl.
Es kündet Frost an, doch kann man denn böse sein,
wenn man sieht den schönen, herbstlichen Schein?
mementomori[COLOR=red]Die Dichtkunst[/COLOR]

Ich seh hinab in eure Gesichter und möchte hängen über diese weise Lichter.
Ich seh hinab in eure leeren Augen und hoff sie werden auch das Feuer der Dichtkunst saugen.
Ich seh hinab auf eure stillen Hände und hoff sie werden spannen lange Bände.
Ich seh hinab in eure hohlen Herzen und hoff die Dichtkunst wird's befreien von allen Schmerzen.
mementomori[COLOR=red]Der Henker[/COLOR]

Im stillen Angesicht des Mondes ein Henker band seinen Knoten.
Zum trauernden Haus eines Dichters sandte man bald einen Boten.
Der Bote brachte den Mann, der wohl dem Teufel geschrieben.
Der Henker verbrannte die Briefe, an der Zahl waren es sieben.
Der Henker geduldig stehend wartet auf die übliche Stille.
Der Dichter gesunkenen Hauptes nun kam, voller Hauch seine Brille.
Ein Dichter mit dem Teufel im Pakt, so wusste der Henker zu denken.
Des Gesetzes Urteil, der Befehl an den Henker, der sollte den Menschen Frieden nun schenken.
Der Henker tat dies, zog den Hebel ohne jegliche Fragen.
Und keiner wusste, wie ihm zumute war, welch' eine Last er hatte zu tragen.
Ob seine Opfer nun schuldig, ob nicht er hat es nimmer gewusst.
Doch war er auch ein Opfer, ein Opfer all seiner Frust.
mementomori[COLOR=red]Gottes Fehler[/COLOR]

Wenn ein Engel am Boden liegt und der Schmerz schwer wiegt.
Dann sitzt die Trauer ganz tief und das Lächeln wird schief.
Wenn ein Engel nicht mehr lacht,
dann hat Gott etwas falsch gemacht.
mementomori[COLOR=red]Die Suche[/COLOR]

In weiter Ferne schlummert mein Herz.
All dieser erlittene Schmerz.
Wo führt mich dieser helle Pfad wohl hin?
Hat diese Suche nach dir einen Sinn?
Werden irgendwann meine Tränen versiegen?
Wann wirst du dich an meine warme Brust schmiegen?
Ich stelle mir Fragen über Wann und Wo.
Hät ich Antwort, so wär ich froh.
Doch mein Blick schweift nur suchend umher.
Dich zu vergessen fällt mir ebenfalls schwer.
Ich höre dich nur nach meiner Liebe schreien.
Nur Geduld, ich komme, um dich zu befreien.
Doch wo soll ich suchen und wie?
Oder vielleicht find ich dich nie?
mementomori[COLOR=red]Das weibliche Wesen[/COLOR]

Holder Mann, so höre zu!
Von mir lernen wirst du im Nu!
Hat Amors Pfeil am Gesäß dich erwischt,
wird's Zeit , dass du dich mit 'nem Weibchen mischt.
Ein weibliches Wesen ist schön und zerbrechlich.
Ihr Herz platzt nur von einem Stich.
Doch sitzt dieser Stich liebevoll zwischen den Beinen,
wird vor dir eine goldenes Leben erscheinen.
Du sollst sie vergöttern und auf Händen tragen.
Ob sie dich liebt, dass sollst du nicht fragen.
Denn lieben wird sie dich, egal was du machst.
Außer, wenn du böse in ihre Seele lachst.
mementomori[COLOR=red]Die Hurenmagd[/COLOR]

Der Vater schlägt mir ins Gesicht,
damit die Wahrheit beschien Licht.
Der Vater schlägt mich mit der Faust,
wohl am Ort an dem ich haust.
Der Vater spuckt mir auf die Hand,
wohl in seinem Vaterland.
Doch bin ich ihm kein bisschen bös,
denn gab ich mir ja selbst die Blöß.
Als ich vergriff mich an ‘nem Weib,
als ich mich labt an ihrem Leib.
Wohl war dies Weib ja mir nicht bös,
denn gab sie sich ja selbst die Blöß.
Als sie sich schält aus ihrem Kleid
und sich mir gab mit Heiterkeit.
Der Vater sieht mich strafend an
und zieht mich näher an sich ran.
Er meint, das Weib sei ach so schlecht,
so geb ich ihm bedenklos Recht.
Denn Recht hat er, als er es sagt,
denn dieses Weib sei Hurenmagd.
mementomori[COLOR=red]Oh, wenn du wüsstest[/COLOR]

Ich sah hinab in’s goldne Tal,
das Licht so schön und nicht mehr fahl.
Ich sah hinab und sah ich dich,
wie du da lagst, so wunderlich.
Das braune Haar sich weit ergoss,
dein rotes Kleid am Körper floss.
Die vollen Lippen ganz leicht offen,
so fing ich an nicht schwach zu hoffen.
Hofft, du würdest zu mir eilen
und sehr lange bei mir weilen.
Hofft du würdest mich fest drücken,
währ’nd ich streichle deinen Rücken.
Wollte spüren deine Lippen,
dass ich droh auf’s Gras zu kippen .
Wollte dich so innig lieben,
bis du schwebst auf Wolke sieben.
Wollte dich für mich allein
und nimmer lassen diesem Schwein.
Dem Kerl der grade zu dir geht,
dem, der jetze nicht mehr steht.
Sondern sich in deine Richtung lehnt,
während sich mein Herze nach dir sehnt.
Wie er sich so gierig bückt
und seine Lippen auf die deine drückt.
Wie er dich mit Händen fasst.
Oh, wüsstest du, wie ich ihn hasst.
Könnt ihn würgen, könnt ihn schlagen
und dich dann auf Händen tragen.
Oh, was würd’ ich alles geben,
um an deiner Seit zu leben.
Doch du bist leider mir fern,
wie am Himmel ein leucht’ner Stern.
Oh, wenn du wüsstest, wie mein Herz vor Liebe brennt,
auch wenn’s deines gar nicht kennt.
mementomori[COLOR=red]Weiße Rose[/COLOR]

Ich bückte mich nach vorne und nahm die Rose in die Hand.
Es gefiel mir sehr wohl, was ich da fand.
Es war ‘ne Rose, weiß wie Schnee
und die Blüten so weich, wie das Haar einer Fee.
Der Duft betörend
und die Dornen scharf, wie eines Drachens Krallen zerstörend.
Da tat die Rose einen Atemzug
und die Blüten verließen die Mitte im Flug.
Die Rose fiel.
Was für ein böses Schicksalsspiel.
Alle Schönheit geraubt,
die ich für Ewig zu behalten geglaubt.
Trauer kam auf, ganz ohne Sinn.
“Keiner glaubt, wie verzweifelt ich bin.”
Ich weinte Tränen über den Rest dieser Schönheit.
Und ich begriff, sie ward meinem Leben geweiht.
mementomori[COLOR=red]Verrat meines Sohnes[/COLOR]

Blut benetzte meine Lippen.
Schweiß rann mir in Strömen.
Ich spürte die gebrochenen Rippen.
Ich fühlte das Schwert in meiner Hand.
Des Himmels Tränen prallten mir am Körper.
Und ich bekam mit, wie aller Zweifel aus mir schwand.
Ich sammelte die letzte Kraft.
Ich sah den Gegner vor mir stehen.
Und wie dieser all seine Wut gerafft.
Ich stieß zu und durchbohrte ihn ganz.
Höllische Trauer schoss mir durch die Brust.
Und das Blut meines Sohnes erhellt im sündigen Glanz.
Alle kraft verflog aus meinen Beinen.
Ich ging zu Boden und küsste die verlosch’nen Augen meines Sohnes.
Bis es graute, hörte ich nicht auf zu weinen.
Oh, wie weh mir tat meines Sohnes Verrat.
Hatte sich gelehnt gegen den einzigsten, liebsten Schaffer.
Und ich hörte, wie er im Schwinden um Vergebung bat.
"Der Vater wird dem Sohne vergeben."
Das flüsterte ich, immer noch leidend.
"Doch es ist zu spät, um als Sohn an meiner Seite zu leben."
mementomori[COLOR=red]Herzraub[/COLOR]

Das Flüstern im Dunkeln, dass du hörst, wenn du eilst,
ist die Angst, die dir Entsetzten säht.
Der Schatten im Haus will dich vertreiben, wenn du weilst,
denn ertragen will's dich nicht.
Das Schreien im Herzen, das du hörst, wenn du glaubst,
ist der kriechende Zweifel, der dich überkommt.
Die Nadel am Hals will dir drohen, wenn du's raubst,
denn lieben lassen wird's dich nie.

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