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  Forum: Gärten der Poeten
    Thema: Träume, Hoffnungen, Ängste
CellarDoorähm hallo erstmal
im gegensatz zu den ganzen gedichteschreibern hier liebe ich es kurzgeschichten zu schreiben deswegen ür alle, die sich auf gedichte gefreut haben: hier werdet ihr wahrscheinlich keine finden
ich hoffe kurzgeschichten sind hier auch richtig...
Kritik und Kommentare bitte unter [url]http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?s=&threadid=80736[/url] abgeben. Danke im voraus

Winterwelt

Emily stand auf einer Brücke. Sie hatte keinen blassen Schimmer wie sie da hingekommen war und was sie da überhaupt tat. Alles war weiß und große weiße Flocken fielen langsam vom Himmel. Es war dunkel. Wahrscheinlich kurz nach Mitternacht. Langsam ging Emily ans Geländer der Brücke. Sie sah hinunter. Weit, weit unten sah sie einen See oder so was. Der Mond schien hell und sie konnte das glitzernde Eis auf der Oberfläche des Sees erkennen. Soweit sie blickte überall waren Hügel und Wälder. Kein Dorf weit und breit. Alles war winterlich still und friedlich.
Nur in ihr tobte ein Sturm. Die Gefühle wirbelten durcheinander und sie konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.
Vor ihren Augen tauchten seine traurigen Augen auf. Die Schnitte auf seinem Arm. Sie hatte genug Menschen weh getan. Doch besaß sie wirklich das Recht dem einfach ein Ende zu setzen? Konnte sie das ihrer besten Freundin und ihrer Familie wirklich antun? Würde sie dann nicht noch mehr Menschen verletzen?
Emily starrte hinab in die weite unberührte Natur. Ein Meer aus Schnee und Tannengrün. Alles schwarz und weiß. Oder eigentlich nicht wirklich das weiß des Schnees war wegen der Dunkelheit eher ein grau und die Tannen waren auch nicht
wirklich schwarz. Wie das Leben. Nie ist alles einfach schwarz und weiß. Alles hat Vor- und Nachteile. Emily hasste es. Egal was man tut, man tut immer irgendwem weh.
Sie sah den Schneeflocken beim Tanzen zu. Sie wirbelten langsam durch die Nacht. Wunderschön waren sie.
Emily war fast ohne es zu merken auf das Geländer geklettert. Zum ersten Mal seit langem fühlte sie sich frei. Sie stand da. Der Wind pfiff um sie herum und verwirbelte ihre Haare. Sie stand dort die Arme ausgebreitet und Schneeflocken legten sich auf ihre Wangen. Emily lachte. Das war wirklich ein unglaubliches Gefühl. Wie kann man sich am Rand des Abgrunds nur so lebendig fühlen?
In diesem Augenblick brummte ihr Handy. Sie wollte es ignorieren, doch der Anrufer war sehr hartnäckig. Leicht genervt zog sie das Handy aus der Tasche und sah auf das Display. Jace.
Sie drückte ihn weg und lachte leise. Es klang bitter. “Zu spät, mein Ritter auf dem weißen Ross!” Und lächelnd ließ sie sich in die Tiefe fallen.
Sie schwebte nicht wie eine Schneeflocke nach unten und doch kam ihr alles wie in Zeitlupe vor. Langsam kamen der zugefrorene See und die Bäume näher. Es war ein unglaubliches Gefühl. Plötzlich konnte sie Bungee -Springer verstehen.
Und natürlich klingelte genau in diesem Augenblick ihr Handy. Eine Sms.
00:57 Jace:
Bitte pass auf dich auf. Ich brauch dich doch.
00:58 Jace:
Bitte es tut mir leid, dass ich dir nicht geantwortet hab. Bitte ruf mich an!
00:59 Jace:
Emily… Bitte tu nichts Dummes…
01:00 Jace:
Mann… Du hast gewonnen ich sag es ja: Ich liebe dich!
Diese Sms sollte das letzte sein, was Emily sah bevor sie auf das Eis aufschlug. Tränen standen in ihren Augen. Ich dich auch. Ich hoffe du wirst glücklich…
Schreiend wachte Emily auf. Sie konnte sich nicht bewegen. Nicht atmen. Ihr Herz raste. Schließlich schaffte sie es nach Luft zu schnappen. Es war nur ein Traum, es war nur ein Traum, es war nur ein Traum. Immer wieder sagte sie sich das. Nach ein paar Minuten hatte sie sich wieder halbwegs beruhigt.
Neben ihr lag ihr Freund. Er hatte von alldem nichts mitgekriegt und schlief ruhig weiter. Sie schluchzte leise und am nächsten Morgen sagte er zu ihr: “Hey, Schatz. Du hast ja mal richtig gut geschlafen! Nur ich war dauernd wach.”
“Ja… Ja hab ich. Das tut mir leid, Schatz…”
10:17 Jace:
Hi du
Ich hab heut leider keine Zeit tut mir leid
Bis Montag
CellarDoorWie kann man so sein?

Wie kann man nur so sein? Fragt man euch nach eurer Meinung, lügt ihr nur. Erzählt man euch etwas, heuchelt ihr Begeisterung oder Mitleid. Statt zusammenzuarbeiten, betrügt ihr nur um besser zu sein. In was für einer Welt lebt ihr eigentlich? Wie kann man so kalt sein? So egoistisch.
Bittet man euch um Hilfe, heißt es: Tut mir leid keine Zeit! Oder: Du schaffst das schon! Stundenlang könnt ihr über euch selbst reden. Wie toll ihr seid, was ihr alles könnt, wie viel besser ihr als andere seid und warum. Ich stehe da und frage mich: Meint ihr das ernst? Ihr denkt nur an euch und wollt besser sein als alle anderen?
Vielleicht liegt es ja an mir. Vielleicht bin ich zu beschränkt. Denn mir sind andere wichtig. Ich kenne Worte wie Egoismus, Heuchelei und Lügen nicht. Ich höre euer gekünsteltes Lachen, euren Klatsch und Tratsch und verstehe euch nicht. Wie kann man nur so sein? Was interessiert es mich, wie jemand aussieht? Was schert es mich, wie viel Geld jemand hat? Nur weil jemand reich ist, ist er doch noch lange nicht besser als ich. Oder?
Vielleicht lebe ich ja in einer anderen Welt als ihr. Vielleicht funktioniert irgendwas in meinem Kopf nicht richtig. Vielleicht liegt es an mir, dass ich nicht verstehe, wie man in so einer Welt glücklich sein kann.
In einer Welt in der niemand dem anderen wirklich zuhört. In der man nie sagt, was man wirklich denkt. In der Gefühle und Selbstlosigkeit nutzlos und dumm sind.
Wie kann man so leben? Wie kann man so sein?
CellarDoorEiskalt

Sie hatte Angst. Sie spürte weder ihre Beine, über die sie sich noch vor wenigen Minuten beklagt hatte, noch die Kälte des einsetzenden Winters. Das Einzige, was sie fühlte oder zu fühlen glaubte, war der heiße Atem in ihrem Nacken. Sie sah nicht nach, ob er näher gekommen war. Einmal hatte sie den Fehler begangen nach hinten zu sehen. Niemand war dort gewesen, doch sein Lachen hallte ihr immer noch in den Ohren.
Schattenläufer. Samtzunge.
Diese Namen hatten ihm die Menschen gegeben. Seine Stimme, sagen sie, sei schöner als die jedes Schauspielers oder Sängers. Er könnte nur mit Worten Menschen alle Angst nehmen. Doch er schweigt und alles, was Ashley hört, ist ihr eigener keuchender Atem und dieses wunderschöne doch eiskalte Lachen.
Sie weiß genau, dass er nur mit ihr spielt. Er hätte sie schon längst fangen können. Trotzdem rennt sie. Rennt und rennt. Weiter, immer weiter.
Sackgasse.
Sie steht in einem Hinterhof. Alle Türen und Fenster sind verriegelt. Sie weiß, dass ihr niemand helfen wird. Niemand würde den Schutz seines Hauses verlassen um ein Mädchen zu retten. Plötzlich steht er vor ihr. Schenkt ihr sein wunderschönes Engelslächen, das ihre Knie noch immer weich werden lässt.
“Ich liebe dich. Komm mit mir!”
Eine Stimme wie Samt.
Sie verflucht sich selbst. Sie wünschte, sie hätte auf die Leute gehört. Sie hatten sie gewarnt, hatten gesagt mit ihm stimme etwas nicht. Doch Ashley hatte nur gelacht und gesagt, sie wären alle nur neidisch.
Jetzt stand sie hier, sah in seine blauen Augen und wünschte sich von ganzem Herzen, sie hätte sich nie in ihn verliebt.
“Hab keine Angst. Ich tu dir nichts!”
Er machte einen Schritt auf sie zu und sie wollte ihm glauben, doch da sah sie das Silber des Messers aufblitzen. Kalt wie seine Augen.
Schreiend und schweißgebadet wacht Ashley auf. Sie sieht sie noch immer vor sich: sanfte und doch so kalte blaue Augen.

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