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  Forum: Gärten der Poeten
    Thema: Mondzeit
MephistoX[SIZE=3]Wartezimmer des jüngsten Gerichts I[/SIZE]

1) Endzeit

Schwarzer Hass in meiner Seele
Brennt kalt und tief
Nichts ist mehr das selbe
Geister die ich rief

Schatten und Konturen der Vergangenheit
Verblassen im dunklen Nebel
Die Welt verschwimmt in grau
Nur Schalter und Hebel

Fehler die man einst gemacht
Wird niemand je vergessen
Automatisierte Menscheit ohne festen Willen
Waltet nach fremden Ermessen

Die Zeit der Unterdrückung endet
Das Urteil wird kommen!
Sklaven eures eigenen Stumpfsinns
Keine Gnade wird gewährt!
MephistoX2) Schlachtruf des Jenseits

Menschen fallen wie Bäume!
Die toten Mienen voller Pein!
Bleiben haften wie Träume!
Dies wird unsre Rache sein!

Nur noch verlassene Räume!
Stehen kalt und einsam dort!
Das Blutfest nicht versäume!
Vernimm auch du das letzte Wort!
MephistoX3) Verkündung des großen Tages

Einst ein großer Tag wird kommen
Hoch gefürcht' und hoch geschätzt
Alles irdsche' soll zerbrechen
Und schreien in endloser Furcht

Die Erde gespalten
Vom Meer überspült
Der Himmel verdorben
Nur Asche und Rauch

Menschenpack das flieht in Schaaren
Wie die Ratten laufen sie
Zu mächtig kommt der Tod daher
Nichts wird ihm entrinnen

Die Länder geteilt
Überzogen von Krieg und Leid
Die Hoffnung gestorben
Übermächtig scheint der Feind

Die Flüsse sind mit Blut getränkt
Kein Leben zieht mehr seine Bahnen
Alles stöhnt und stirbt
Die Elemente siegen unversehrt

Die Luft verpestet von giftigen Gaßen
Dunkler Hass steigt hoch empor
Zur letzten Schlacht wird sich gerüstet
Das Irdsche' interessiert nicht mehr

Kein Mensch wird mehr bleiben
Die Rache kennt keine Gnade
Sie werden ersticken im eigenen Blut
Ausgerottet wie Ungeziefer

Dies wird sein der große Tag
Hoch gefürcht' und hoch geschätzt
Die Erde vergeht an ihrer eigenen Schöpfung
Zum Kampfe rufen die Hörner der Finsterniss
MephistoXVollmond.
Ich habe den ganzen Monat darauf gewartet.
Gut mit Teer versorgt setzte ich mich also nach draußen auf den Panoramabalkon. Es ist sehr kühl, doch mein bodenlanger Kunsteldermantel hält mich warm.
Nur Vogelgezwitscher und Straßenverkehr in der Ferne stört die Stille der Nacht. Der Mond scheint hell und ich genieße die Einsamkeit, die nur ein schwedischstämmiger Kater mit mir teilt, während er sich an den Schlemmereien der Natur ergötzt. Der Geruch von Lindenbäumen und Blauregen vermengt sich mit dem Tabakqualm und der strahlende Vollmod verschwimt im Rauch.
Der Mond wacht wie ein stiller Wächter über die Schlafenden, und schenkt ihnen die Kraft, die die Sonne ihnen genommen hat. Hier finde ich Ruhe und Frieden, während die Sonne nur Hass und Leid bringt. Der Mond steht da wie ein Kunstwerk, eine ästhetische Schönheit am sternenleeren Himmel.
Sein Licht durchdringt die schwächlichen Wolken und scheint in mein Gesicht. Die Mondstrahlen entspannen meinen Geist.
Es scheint fast wie Magie, und einer, der zweifelt und höhnt, mag fast daran glauben. Ich überlege mir, einige Werke von Novalis auszugraben und jede Nacht dort zu zelebrieren, wenn der Mond scheint. Ist es doch das einzige Licht, dem ich als das Licht meidender zugeneigt bin und das einzige Licht, dass ich in meiner Düsterniss akzeptieren werde, bis die ewige Dunkelheit mich umhüllt. Werder grell noch agressiv ist es, sondern friedlich, still und eine Freude für die Augen derer, die es schätzen. Dort sitzte ich und Sinne nach, während sich meine nächtliche Mondstunde dem Ende entgegen neigt. Ich komme wieder, um dieses Wunder zu bestaunen, doch nun heißt es Abschied nehmen vom Vollmond, auf den ich wieder einen ganzen Monat warten muss.
Und schon beim Betreten des warmen Hauses vermisse ich den Mond. Ein letzter Blick nach draußen- Ade!

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