| Kildare | Kritik: [url]http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?s=&threadid=39299[/url] There must be sense in this. Master, break me, I can't do it myself, but I'm longing for my backbone to crack. What a beautyfull sound. I don't want to stand anymore. Why can't I lay down and sleep, letting go what makes me mourning, grieving. Master, hear me, release me, many of the beloved have gone before, let me join them. May they blame me, I'm too tired to wait, I will miss my station to get out of this, if I'm staying. And staying means to go from station to station, without finish, round and round. Master, break me, Ican't do it myself. Master kill me, before the madness takes over and I become normal. |
| Kildare | Don't say: Yes. Don't say: You know that You're unfair. For I am not, when Your eyes shine, when Your whole body is telling me to touch, when You're smiling as if my fingertips would contain some weird sort of drug. I've never been invited that much. Legends tell You: Don't allow the vampire to come into Your house. Though don't allow me to lay my hands on You, for I might not take them off before dawn and finally cover You with my ashes. |
| Kildare | Scheiterhaufen Ich habe eifrig Holz zusammen getragen, in Schriften und Zitaten, in Sprüchen und Doktrinen. Es brennt nun gut ob des Funkelns deiner Augen. Mit freudigen Gesten werfe ich Blatt um Blatt ins Feuer, huste im Rauch und sehe mein Rom brennen, Zentrum meines Wissens und Glaubens. Was brauch' ich Wissen? Was Glauben? Dein Lächeln reicht mir als Ikone, ein Heiligenbild dein Angesicht. Und was muss ich denn mehr wissen, als das es dich gibt? |
| Kildare | Tell me I'm fine Tell me I'm fine. Tell me I'm beautifull. The night is lonely and I need the warmth of a human being. I need hands on my body, I need some noise in my chamber, where the shadows hunt me till dawn. Tell me I'm fine. Tell me I'm sane. The shadows whisper fairytales of flesh to me. I won't listen. I feel so cold when they touch me, finally, like my mother used to when I was younger. Tell me I'm fine. Tell me I'm not lonely. There is noone near me, noone who undestands my feelings, my fears, the horror of the hunting shadows. Nobody except me hears the dark lullaby, the night is singing, on and on. Tell me I'm fine. You don't have to understand me. You don't have to love me. Just, help me make it through the night. |
| Kildare | Die Tage schleppen sich hell und zäh wie Honig dahin. Die Nächte sind weit ausgedehnt in ihrer neondurchbrochenen Schwärze. Stunde folgt Stunde, hindämmernd über Papier, der Fluchttür, in eine Welt, in der ich nicht auf dich warte. Ich bin ganz hohl von diesem Warten, ein Resonanzkörper, nicht mehr fähig selbst zu klingen. Träge döse ich, argwöhnisch den Wecker betrachtend, der mich gewiss um Minuten betrügt, die längst vergangen sein müssten. An Fingern und Zehen zähle ich Sekunden ab, Schritte hallen in leeren Räumen, von einer Wand zur anderen trägt es mich, als würde ich die Wohnung nach dir absuchen. Aber du bist nicht hier. Also zurück zur Fluchttür, hinter die Mauer aus Vergessen. Wann kommst du mich holen? |
| Kildare | Meer Auf und ab schwappten gegen weiße, mondbeschienene Felsen Wellen, seelenverschlingend blau, dunkel wie der Zweifel. Murmelnd brandete das Meer gegen den kalten Stein, gurgelnd verlief sich das Wasser in Fugen und Rillen und sprühte silberne Schaumkronen aus der Finsternis herauf. Lichter tanzten über die sich kräuselnde Flut, Spiegelungen und Widerspiegelungen, zahllos wie Sterne, glichen sie einer Stickerei auf samtenem Mantel. Und wenn die See ein Mantel wäre, wen würde sie kleiden? |
| Kildare | Salome [SIZE=1]ein Versuch Sneaky gewidmet[/SIZE] Unter ihren Schilden zermalmt, liegen meine Knochen, sie, die Soldaten meines Vater-Liebsten, haben mir das Rückrat zerbrochen, wie sie auch mein Fleisch zertraten mit ihren Füßen. Um deinen Kopf, Johannes, gab ich mein Leben. Gestorben bin ich, Dir einen Kuss zu geben. Dein Haupt ruht still in einer Silberschale, auf deinen Lippen glänzt der meinen Rot, du hast mich abgewiesen - viele Male. Nun, oh Geliebter, sind wir beide tot. Um deinen Kopf, Johannes, hab' ich mich verschenkt und Leib wie Seele mir in einer Tat verrenkt. Der Mann der Mutter hat dich eingefangen, Prophet von so profaner Schönheit, meine Gunst sucht' er seit Jahren zu erlangen, gegen ihn, nicht gegen dich, war ich gefeit. Um deinen Kopf, Johannes, hab' ich alles vergessen. Von dir bin ich im Leben und im Tod besessen. Seit ich im Kerker dich erblickte, so getreu deinem Schreiner-Götzen musste ich, was mich so entzückte auch um jeden Preis besitzen. Um deinen Kopf, Johannes, musst' ich tanzen mit den Schleiern und mit meiner Mutter Liebsten diese dunkle Nacht durchfeiern. Du hast mich nicht angesehen, nie ein gutes Wort gehabt für mich. Ich verging vor bangem Sehnen, denn, du Narr, ich liebte dich. Um deinen Kopf, Johannes, gab ich alles andere auf. Nur ein Stück von Dir zu haben, nahm ich jede Schuld in Kauf. Meiner Mutter Mann hab' ich gefesselt mit meinem eigenen, weißen Leib, wie ein Hund hat er gebettelt, doch in Gedanken war ich längst dein Weib. Um deinen Kopf, Johannes, hab' ich ihn belogen und getäuscht. Mit meinen eigenen Gliedern hab' ich um dich gefeilscht. Für einen Blick schenkt' er mir dein Leben, so bist du endlich mein gewesen, doch dein Herz konnte er nicht geben, in deinen toten Augen konnt' ich's lesen. Um deinen Kopf, Johannes. fiel mein schwarzes Haar und deine blauen Lippen schmeckten wunderbar. Unter ihren Schilden zerrieben, mich die Soldaten auf meines Vaters Wort. Noch im Sterben bist du mein geblieben, denn schließlich waren wir vereint an diesem Ort. |
| Kildare | Blatt um Blatt löst sich aus dem Kalender. Das Jahr wird ausgehaucht. Golden, scharlachrot, schmutzig braun weht es über die Wege. Vergangen die Zeit der Pläne - Erntetage. Jetzt bringen wir die Erträge unserer Taten nach Hause, lagern ein Lächeln für den Winter ein - und ein zweites. Es wird kalt werden. Türen schließen sich, Lichter werden schmal in Häuser eingepfercht. Einsamkeit wird akzeptiertes Massenleiden und Menthol das Allheilmittel gegen Schnupfen und Seelenpein. |
| Kildare | Die Knochensammlerin Mein einziges Lieb hab ich gehen lassen und hinter der Hecke wartet der Tod. Mein Auskommen hab' ich bei den Gestorbenen, mein Einkommen liegt bei den Verzweifelten. Singsang, so sitz' ich jeden Tag bei der Brücke und spähe ins Land. Da kommen die meinen zu Hauf, so bleichen Angesichts, auf dass ich ihnen Heim leuchte zum Abend. Kommt nur herein, meine Täubchen. Ich koch' euch ein Süppchen zu Nacht. Ich deck' eure Gebeine im Schlaf und vertreibe mit knöcherner Hand den Morgen von euren Lidern. |
| Kildare | Wiedervereinigung Wie Nacht und Tag, wie Sturm und Stille waren wir zwei Seiten von demselben Ding. Wir sind zerbrochen, es war unser Wille, getrennt zu sein, so weit es ging. Wie Licht und Schatten, wie Tiefe und Höhe konnten wir die andere nie gänzlich lassen. Vergeblich war all unsere Mühe, umsonst unser Toben und unser Hassen. Heute fangen wir neu an und beschreiten unsere alten Pfade, wieder zwei an einem Strang, Oben und Unten in dem Rade. |
| Kildare | Wo das Meer zu Ende ist Das Meer hat kein Ende es fängt nur an, blaue Säume, Fluten an Fluten kennt es keine Grenzen. Die See ist unendlich, bitter und salzig, spült sie Treibgut und Algen an, in brackigen Wellen. Wo das Meer zu Ende ist, ist die Hoffnung begraben, gleich neben der Seele, an der Linie des Horizonts. |
| Kildare | [COLOR=silver]Past times - Repeating[/COLOR] We reaped the fruits we sowed last year. They tasted sweet, but bitter was the night, cold and rain fell down, like tears or blood -salt in my wounds- We reaped the fruits we sowed last year. Like silver was the seed, how dark is what grew out of it. I put my hope into the earth, willingly offered my calm to raise a plant, that might defy time and bad weather. But what I finally found was nothing but a bush, protected only by the circumstances, bearing sweet berries, tainted with poison. |
| Kildare | [COLOR=limegreen]Some trees[/COLOR] [COLOR=limegreen]They grew as neighbours[/COLOR] [COLOR=limegreen]competing about water and light[/COLOR] [COLOR=limegreen]digging their roots deeper into the black earth First only few leaves touched, but finally their branches formed a roof for silent meetings, though one could not be cut down without destroying the other. Some trees, huddled togehter, bound to each other more truly then humans [/COLOR] |
| Kildare | Abschied Geh' hinaus, wo die Sterne glühen. Geh' hinaus, wo die Winde wehn. Ich werde dich nicht halten. Such' dir einen anderen Platz. Such' dir einen anderen Schatz. Ich werde dich nicht rufen. Finde dein Glück in fremden Augen. Finde in fremdem Herzen deinen Glauben. Ich werde nicht weinen. Vergiss unsere gemeinsamen Stunden. Vergiss, was uns einst hat verbunden. Ich werde dich nicht erinnern. Leb' wohl mit ungewissen Freuden. Leb' wohl mit ungewissen Leiden. Ich werde fern von dir bleiben. |
| Kildare | [COLOR=seagreen]False gods We' re praying trustfully, raising our voices and heart's wishes up to the eternal throne of an uncertain entity. We're hoping again and again that our lifes would change in the instant of a wonder, no matter what kind of miracle that would be. False gods our desires drive us certain into madness, burning our possibillities on the altar of their own purposes. [/COLOR] |
| Kildare | [COLOR=seagreen]Falscher Gott Dem falschen Gott hänge ich an, nicht einem Kalbe sondern einem Mann, aus Fleisch und Blut, nicht reinem Gold, dass ich was Besseres finden sollt, zu dessen Füßen ich mein Flehn erheben könnt in Himmelshöhn. Mein Götze ist nicht kaltes Erz er hat ein allzu weiches Herz, des Güte ist für mich wie Gift, wo Sanftmut hier auf Sehnsucht trifft. Und Gleichmut mehr als Liebe brennt, wenn mein Mund seinen Kuss erkennt. Das Beten steckt mir in der Kehle und der Schrecken in der Seele, wenn sein Angesicht vor mir steht und der Tag zur Nacht vergeht. Denn wie soll ich mich bezwingen, meine Finger nicht an seine zu bringen? Sauer wird es mir so dann, fasst er seinerseits mich an. Denn auch wenn der Kopf verneint, ist der Körper gern vereint. Doch ich weiß im Morgenlicht, zählt die Tat des Abends nicht. Damit er nicht im Sonnenschein jede Umarmung muss bereuen, beherrsche ich mich doch alsbald, werde klug und werde kalt, und seh' zu, dass ich verschwinde, eh er seine Sinne fände. [/COLOR] |
| Kildare | Nein. wir brauchen nicht des anderen Bild in unserem Spiegel. Niemals vermissen wir ein Angesicht, das nicht unser eigenes ist. Nicht in diesem Leben sind wir einander bestimmt. Und auf das nächste gibt es kein Hoffen. |
| Kildare | Nachtmahr Märchen schreiben sich im Dunkeln, warten auf die stille Stunde, wenn das Auge sehend sucht, was der Tag ihm nicht gezeigt hat. Nachtmahr, Pferd mit Feueratem, Wärme bringst du mehr als Schrecken kalten Herzen und Händen. |
| Kildare | [COLOR=darkred]Fremder Worte Wahrheit zweifle ich nicht an. Glaube hällt zu jeder Zeit mich in einem süßen Wahn. Lüge, rette mich in Gnaden. Lüge, schütze mich vor Schaden. Fremder Münder Zeugnis wehrt mein Geist nicht ab, anderer Zungen Gleichnis, trau ich bis zum Grab. Lüge, wenn du's ehrlich meinst. Lüge, wenn du wahr erscheinst. Ich mag gar nicht wissen, was man mir erzählt, weil's mich bis auf's Kissen nächtens weiter quält. Lüge mir ruhig ins Gesicht. Lüge, ich bemerk es nicht. Mit mir kann man alles machen, so lang die Geschichte stimmt. Ich muss über mich selber lachen, die nicht mal die Liebsten kennt. Lüge, schlimmer kann's nicht werden. Lüge, eígen bin ich ihr auf Erden. [/COLOR] |
| Kildare | [COLOR=royalblue]Fremder, willst Du mir eine Zigarette anzünden, damit ich ein bisschen Tod in meine Lungen saugen kann? Komm, schenk' noch mal ein. Auf dem Boden des Glases konnte ich schon fast Zeichen erkennen. Fremder, blinzele nicht so, das ist nur Rauch und roter Lippenstift. der hartnäckig am Filter klebt. Magst Du tanzen? Willst Du über Geländer balancieren? Mir ist heut alles eins. Ich geh' nicht mehr nach Haus. Komm, gib mr Deine Hand, die warm ist und feucht vor Aufregung. Ich möcht' durch die Stadt streifen, den Mond anheulen, alte, anrüchige Lieder singen. Singst Du mit? Nein, Du hast ganz andere Dinge im Kopf. Schade. Ich küsse nicht auf den Mund.[/COLOR] |
| Kildare | Spiegelfechtereien Auf! Meinem Bildnis nach, hinein in spiegelnde Flächen zu ungeahnten Schwächen und neuem Ungemach, folgt meinem Schattenriss, schillernde Eitelkeiten ich will Euch nur geleiten in diese Finsterniss. Wir spenden selber Licht, jeder nach seinem Dünkel, erhellen jeden Winkel, doch sehen wir uns nicht. Schein dient nur der Erscheinung, uns kümmern keine Flecken, Blindheit birgt keine Schrecken, besteht nur unsere Meinung. Wir suchen in fremden Augen nur unser eigenes Angesicht, was fremder Blick zu uns spricht, berührt nicht unseren Glauben. In dessen Mitte stehen wir Abgötter einer neuen Zeit, die Welt ist für uns himmelweit, es gibt kein jetzt und hier. In unseren Herzen wächst nicht Trauer noch Liebe oder echter Hass wir halten alles recht für Spaß, kein Ding ist wohl für uns von Dauer, der Teufel hat uns aufgegeben, denn leer sind wir von Böse und Gut gerechter und auch falscher Wut und somit auch von allem Leben. Wir sind nur unsere Spiegelbilder, ein Abglanz unserer müden Seelen, der Leidenschaften, die uns fehlen, selbst Lachen mach den Mund nicht milder, der zu allem redet und doch schweigt, der unserem Geist den Weg bereitet, damit er unser Heil bestreitet und unser Ruhm zum Himmel steigt. Sünde und Vergebung sind uns eins, nur für Schale werkt das Maul, der Kern ist ohnehin schon faul, und somit jenseits eines Keims, der unserem Herzen könnte nützen. In uns ruht keine Wahrheit, wir suchen nicht nach Klarheit, wir wollen das Bild beschützen. Uns ist nur unser Abbild kostbar, gleichgültig, was dahinter steht, egal, was dafür noch vergeht, denn eines ist uns völlig klar, wenn unsere Maske endlich fällt, die Welt unsere Gesichter erkennt, man unsere Namen recht benennt, und das Spiegelkabinett zerschellt, bleiben auch von uns nur Splitter, Schatten goldner Glanzgestalten Spiegeltrümmer ganz zerspalten, schwarz und klein und bitter. |
| Kildare | [COLOR=skyblue]Glassplitter, eingefasst in Silbernadeln,feine Spitzen zwischen Menschen, schneiden schmale rote Linien in verwundbare Seelen. Glassplitter, Eisfragmente prickeln halb schmelzend auf zu kalter Haut, wie ein Kuss auf blauen Lippen. Was haben wir nur zerbrochen, dass es nun unentwegt und beständig Glassplitter regnet? [/COLOR] |
| Kildare | [COLOR=indigo]Nimm Dir ein Herz, mein Herz vielleicht, ich brauche es nicht, diesen Wunden Klumpen Fleisch, überzogen von taubem Narbengewebe. Nimm Dir mein Herz, ich will's Dir in Schleifen binden, in eherne Bande schlagen, wenn Du es nur aus meiner Brust reisst und es und mich trennst. Ich hab' nicht das Herz mir dasselbe aus dem Leib zu schneiden und doch wäre ich glücklich, wüsst ich, dass es in Spiritus schwimmend Deine Kommode ziert. Nimm Dir mein Herz, ich verzichte gerne darauf, ohnehin ist es schon lange zu Dir übergelaufen und verrät mich mit jedem Schlag denn es liebt Dich. [/COLOR] |
| Kildare | [COLOR=burlywood]Schatten bluten nicht ich bin ein Schatten meiner selbst warum also quillt es mit rot unter den Händen hervor, fliesst mir mein Leben davon pulsierend, warm, rostig, salzig. Aus schwarz-grau abgetragenem Gelebtsein, tropft es verräterisch auf den Boden, sprudelt unaufhaltsam aus meinen Adern, dem Geflecht, das längst vertrocknet sein sollte und bildet dunkle Lachen. [/COLOR] |
| Kildare | Meerjungfrauentage branden in die Gegenwart angefüllt mit salzigem Wasser und schmerzenden Schritten, die blutige Fußspuren auf Sand zurücklassen. Meerjungfrauensingsang in den Ohren, ein Lied von fernen Ufern prägt sich in die Seele, Sehnsucht nach den Zauberreichen der See und mondlichtklaren Stimmen. Meerjungfrauenbedauern, über verschenkte Leben klagt keine Mädchenstimme, und selbst der blindwütigsten Treue steht der Himmel nicht offen. Meerjungfrauen haben keine Seele. |
| Kildare | Tango - mortale Eröffnung, Hände aneindander, das Kinn erhoben und den Blick starr gradeaus. Die ersten Schritte, Widerstand und Erliegen, ein Umkreisen, Fallenlassen, gefangen werden. Aufschlag. Der Boden ist glatt und glänzend, Erheben. Position. Und von vorne. Schritt, das klacken von Absätzen, fließender Stoff, und schmerzende Knochen. Haltung. Der ganze Reigen lebt nur von einem aufrechten Rücken, und einer unbewegten Miene. Lieber, ich möchte die Tanzschuhe ausziehen, und barfuss gehen. |
| Kildare | Fremde Frau Ich kenne die Dame nicht, will nichts von Drahtseilakten wissen, die man auf Ballen balancierend um langer Beine willen aufführt. So eitel bin ich nie gewesen. Und dann der Schal,die Tasche und die Lippen, in einer Farbe, rot wie Mohn und Morgensonne, ein süßer Duft weht so vor ihr her, eine Standarte aus Kardamon im Abenwind. Das ist die eine Sorte Mädchen. Sie gurrt die Worte, die sie sprechen möchte, sie wispert, flüstert um den Mann wie Seide, obwohl ihr großer, waidwunder Blick viel mehr als jedes Wort aussagt. So müssen Rehe aussehen, kurz vorm Blattschuss. Ich sehe wohl die Arbeit, die in so viel kunstvoller Verpackung steckt, die bei jedem Schritt raschelt und verspricht, dass das Beste erst nach dem Auspacken kommt. Er steht wie Holz und Eisen, gerade und spröde. Ich will doch von gar nichst wissen, geht schneller die Straße entlang, schmiegt euch in Hauseingänge oder nehmt euch ein Taxi. Sie hat den Kopf gleich einer Taube geneigt. Gelebte Abende blitzen wie Sterne vor seinem dunklen Mantel meinem Geist auf. Und ich habe plötzlich Mitleid mit dem kunstvoll künstlichen Weibstück. Geh' heim, die Nacht ist halb verschenkt. So blutrot waren meine Lippen auch, gleichsam unsicher mein Schritt, auf Schuhen, die dazu gemacht sind, dass ein zweiter Arm die Seite stützt. Ich habe gelernt selbst zu stehen. Ich leide also mit ihr, durchlebe noch einmal Abende voll Hoffnungen, die vergangen und vertrocknet sind, und schmecke es bitter auf der Zunge. Du bist kein Mädchen mehr, mein Mädchen. |
| Kildare | Manöver Vorwärts, rückwärts, seitwärts, ran wieder schreite ich in Kreisen, die ich nicht begreifen kann, um mir selber zu beweisen, dass ich einen Weg finde, dass ich endlich begründe, warum mir bis jetzt nichts gelang. Käfigfrau, ich drehe eine Runde, zwischen großen, grauen Stangen, Stunde reiht sich hinter Stunde, Lied um Lied ist mir vergangen, bis selbst Worte im Hals stecken, eigne Stimmen mich erschrecken, wie eine alte, ziehende Wunde. Ich hab keinen Willen im Leibe, kein Ziel treibt meinen Schritt, doch lenkt, dass ich nicht verbleibe, tiefe Unruh' meinen Tritt. Was ich suche, weiß ich nicht mehr, nur ein Verlangen ist mein Begehr, ein Funke, der Schatten vertreibe. Ein Funke schlägt gewaltige Flammen. Ein Feuer kann haushoch erblühen. Ein Brand genügt Helden zu verdammen. Nur mich lässt nichts erglühen. Meine Seele, die bleibt kalt und klamm, mein Gemüt macht keine Sache warm, meine Teile hält kein Band zusammen. Vorwärts, nur vorwärts, wer zurück sieht, verliert den Verstand und die Liebste. Ich starre zurück, wo sich das Weltbild verzieht, denn mein Verstand ist schon der trübste. Was man nicht hat, kann man nicht missen, ich stolpere weiter auf wackligen Füßen, ein Gespenst, das vor Geistern flieht. |
| Kildare | Komm, leg' den Kopf hin, wir werden schon zusammen durch die Nacht kommen bis zum Tagesbeginn. Meine Hände sind zu klein, meine Schultern zu schmal, aber dieses eine Mal will ich für Dich da sein. Das Fenster nur muss ich schließen, vor dem alte Bekannte warten unten in einem dunklen Garten, wo die Bäche des Vergessens fließen. Nicht heute, dich nicht schreie ich hinaus für dich kein Leichenschmaus und mir ein Lebenslicht. Du bist kalt in der Nachtluft, und ich kann dich nicht wärmen, du weilst in eigenen Fernen, zwischen dir und mir eine Kluft. Geh' nicht so weit fort, und bleib vom Fenster weg, von jedem brüchigen Steg und manchem bösen Wort. Geh' nicht so weit fort, du hörst nich mein Zagen, ich kann dir nicht folgen an diesen schattigen Ort. Bleib ein bisschen in der Nähe, damit ich dich höre, mich deinem Schatten verschwöre, wenn ich dich schon nicht verstehe. Also werde ich geduldig sein, während du am Rand balancierst, während du allein frierst, in blassem Lampenschein. Aber bitte, komm wieder... |
| Kildare | Eine von hundert Ich bin nur eine von hundert, kein Einzelexemplar, sondern solide Massenware, die es im Dutzend billiger gibt. Aber du bist trotzdem anders. Ich bin nur eine von hundert, so ein Durchschnittsmädchen mit ganz gewöhnlichen Wünschen und einem grauen Leben. Aber du bist trotzdem anders. Ich bin nur eine von hundert, ein Schicksal unter vielen, ein Stern am Nachthimmel, Lichtpunkt, nicht Sonnenfeuer. Aber du bist trotzdem anders. Ich bin nur eine von hundert. Und mehr wollte ich nie sein. Die Welt wird sich nicht ändern, solche wie ich finden sich immer. Aber du bist trotzdem anders. Ich bin nur eine von hundert und du bist einer von Millionen, ich kann die Welt nicht ändern und du bist die Welt. Aber ich bin trotzdem anders. Du bist einer von Millionen, in denen hundert untergehen, mit all ihren kleinen Träumen an deinen scheitern. |
| Kildare | Reise mit Hund Da stehen wir nun, der Köter Sehnsucht und ich auf einem staubigen Weg vom Dreck in den Dreck. Er horcht nicht, weil sein Name keiner ist und während er mich umschnüffelt, stolpere ich über seine Füße. Ich falle auf meine - immer. Das räudige Vieh, von Jahren abgenutzt, schaut nur schief in mein Gesicht, Schnauze vor Nase, ich atme Hundegestank. Also wieder aufrappeln, die Hände mit dem Straßenmuster klopfend über die Hosen reiben, kopfschüttelnd, Flüche murmelnd. Ich pfeipfe dem Biest, es folgt mir ohnehin, da hab' ich es lieber im Blick. "Komm, Köter. Am Ende gibt's einen Knochen." Es wendet sich nach mir um, ich spreche ja selten mit ihm und leckt seine trockenen Leftzen, auf mich starrend - bis unter die Haut. |
| Kildare | Phönix - vor dem Brennen Ich kann schon spüren wie meine Flügelspitzen knistern von der Wut kommender Flammen. Morgenrote Schwingen, wie schön werdet ihr brennen? Wird es zischen, wenn die Federn verglühen? Und schmerzen, wenn das Feuer dann endlich meinen wolkennahen Leib greift und ihn zum Gegenpart der Erde, meinem Geburtsrecht, wandelt? Aus Asche bin ich gemacht. Grau ist das Rot meines Kleides, grau ist der Glanz meiner Augen, grau der Tag meiner Wiedergeburt. |
| Kildare | Teetasse, am Boden milchiges Braun in dem noch Zucker schwimmt, steht sie verlassen auf dem Tisch, auf den eine schmale Hand sie stellte. Teetasse, Gefäß für die Wärme zwischen uns, an der ich mich fest halten konnte, die du umklammert hast, den Blick starr zur Seite. Teetasse, deine, sie ist stehen geblieben, nachdem du schon lange gegangen bist -und ich küsse ihren Rand, bevor ich sie abwasche. |
| Kildare | Don't lean on me, cause I want to spread wings of fire and brimstone to burn my world. I will inflame Your's, so be wise, stay away from me and the hell in my heart. I would love to hold You in my arms for hours and hours, till You've faded to dust. I would die to see You smile at me with that certain look of true confidence. Darling, I'm burning, sparkling, crackling in my inner purgatory so far from heaven. Angel, fly away, don't get rusty, don't get dirty, near a lost soul. I want to become clean, snowwhite, pure,slim and sharp like a razor's edge, reduced to the necessities. I'm aiming high, above clouds and a blue sky, where birds raise sweet voices, towards cold freedom and calm love. "Freedom is just another word for nothing left to lose." Janis Joplin |
| Kildare | Kündigungsschreiben Ich kündige: deinen regenblauen Augen, deinem messerschmalen Mund, deiner scharfen Zunge, deinen Brauenbögen, die wie Federstriche deine weiße Stirn begrenzen. Ich kündige meine Zuneigung zu Dir auf, meine Haut trennt sich von deinen langfingrigen Händen und mein Blick vom Adlerschwung deiner Nase, kein Zittern mehr, das sich nach deinen Lippen reckt, um Worte herunterzustürzen wie einen ersehnten Schierlingsbecher. Ich kündige meine Herzensbindung auf, wegen nicht nach allgemeiner Sitte erbrachter Leistung. Verstehst du nun? Ich kündige. Vielleicht begreifst du: ich warte nicht auf Anpassung und Erfüllung. Ich trete vom Angebot zurück. Ich lehne den Gegenantrag ab. Ganz profan, in Laienworten: Ich will nicht mehr. Werte es paralel: Du bist wieder allein. |
| Kildare | Tango mortale II - Totentanz Den Kopf erhoben wie ein stolzes Pferd der spanischen Hofreitschule, drehe ich meine Runde, tänzelnd an der Pflichtenkandarre, ein Brauereigaul, der das Vollblut mimt. Voll Blut und voller Leben, mit kapriziösen Sprüngen, setzte ich lachend über mein eignes Lügengatter, schlage Kapriolen für's Publikum, beuge mein Haupt der Menge und verschweige einfach. Verschweige einfach, was niemand hören will und ich nicht sagen kann, leeres Land, Tundra in mir, sibirische Kälte, Permafrost, der selbst Tränen erstarren lässt und Gefrierbrand, der die Seele frisst. Totentanz einer bleichen Frau, Bewegung in müden Knochen, die einfach nicht zusammenfallen, ungebrochen - Schädelgrinsen und eine Hand, die sich streckt, eine zweite zu umfassen, die keinen Unterschied spürt. Tanz mit mir auf dem Dachfirst, schlafwandle mit mir auf Drahtseilen, und wenn es Mitternacht schlägt, verschmelze ich meinen Schatten mit deinem, bleibe noch bis zum Morgen, denn auf mich wartet niemand in verlassenen Räumen in fremden Städten. Geisterreigen, Irrlichterleuchten in müden Augen - falsche Versprechen von Freude und Zuversicht. Schritte, Kreise, Pirouetten einer blassen Ballerina auf halb verrotteter Bühne, die im Scheinwerferkreis steht. Licht an - blendet den Rest aus. |
| Kildare | Heimat Ein altes Lied, zu oft gehört, dessen schmachtende Geigen sich Bogensehne um Katzendarm in mein Herz schneiden. Sehnsucht nach schwarzer Erde. Ein blauer Himmel spannt sich viel zu weit über die Stadt und ich möchte so gern an einem anderen Ort stehn. Sehnsucht nach Brandungsrauschen. Eine vertraute Melodie klingt mir bis in die Füße und meine Knie knicken im Takt. Ich beuge mich Tönen. Sehnsucht nach faltigen Gesichtern. Honig duftet im Tee, der Löffel dreht eigene Kreise und ich schütte Milch nach, die Gemüt und Gebräu sanft färbt. Sehnsucht - und ich wage nicht, zu sagen wonach. |
| Kildare | Wie große Krähen sitzen Wünsche in den Bäumen und werfen Schatten vor den Himmel. Raben, die ihre scharfen Schnäbel in dumpfe Seelenruhe schlagen, sind diese Träume schwarze Vögel mit klugen Augen, deren Blick wie gute Klinge schneidet. Sie ziehen nicht nach Süden, wenn der Frost sie beißt, sie bleiben in den kahlen Ästen morscher Lebensbäume hocken und nähren sich vom As vergangener Kindertage, das süß gereift ist über Jahre. Nekrophil sind diese Wünsche, die verliebt auf Kadavern hocken, die von den Plänen heller Tage übrig sind und schöner werden, je mehr sie verrotten. Ebenso totenliebend ist das Herz, das diesen dunklen Wanderern Heimat bietet und ihre Nahrung ist und hütet. |
| Kildare | Es stand der Erdbeermond über der See, und an den Strand murmelte die Flut ein altes Lied von lang versunkenem Weh, am Himmel leuchtete es rot. Blutmond über dem Meer. Zu anderer Zeit hätte unter diesem Zeichen ich meine Hand in deine nicht gelegt, aus Furcht vor dem Gestirn, dem bleichen, dessen Macht ja Fluten selbst bewegt. Blutmond über dem Meer. Ich habe es gesehen und gedacht, "Ein Omen gibt es nicht in diesen Tagen", mich umgewandt zu dir, gelacht, um einmal mehr die Probe auf das Glück zu wagen. Blutmond über dem Meer. So fanden Münder sich, nicht Herzen, und Körper einten sich statt Seelen. Ich übte mich in wunderlichen Scherzen, und beteuerte, mir würde gar nichts fehlen. Blutmond über dem Meer. In Salz wusch bald darauf ich meinen Leib, das steckt in Tränen und in Wellen, suchte mit jedem möglichen Zeitvertreib, mir das stille Leiden zu vergellen. Blutmond über dem Meer. Ich habe viele Tage nun gesehen, viel Licht seit dieser einen Nacht und buntes Leben im Vorübergehen, nur wirklich glücklich hat’s mich nicht gemacht. Blutmond über dem Meer. Nun suchen am dunklen Himmel meine Augen jenen Silberschild, wie in jedem Menschengetümmel sie ersehnen nur dein Bild. Blutmond über dem Meer. Der Mond steht über der Stadt so hell, mit mir geht nur mein Schatten, -die Straßen sind gespenstisch still- einen Traum ruhig zu bestatten. Blutmond über der See. Ich flüstere es dem fahlen Licht, es soll’s der See erzählen, geliebt hab’ ich Nacht, Sterne, Gischt und Menschen, die mich quälen. Blutmond über der See Dem roten Mond sei es geklagt Und wohl gelobt, hier soll’s auch enden. Du hast mir einmal „Nein gesagt.“, lassen wir’s dabei bewenden. Blutmond über der See. Und wenn ich wieder bin am Meer, den Wellensingsang rauschend in den Ohren will ich nichts wünschen mehr, noch klagen was ich verloren. Blutmond über der See. Ich hab’s ja über uns gesehen, ich hab’s gehört in Wasser und in Wind, ich wollte nur damals nicht verstehen, dass alte Ängste inneres Wissen sind. |
| Kildare | Bilanz (Versuch 2) Das bin ich nun also geworden, die berühmte, erhbare Frau, jene verlässliche Dame grau in grau, die lebt wie halb gestorben. Wie alte Kleider hab' ich mein Verlangen abgelegt und zu einem besseren Zweck in die Sammlung gegeben - nun ist es weg. Doch die Träume sind nicht vergangen. Mir graut vor ihren abwesenden Blicken und jenem freundlichen Vertrauen, auf das Familien bei ältlichen Tanten bauen, die über Sahnetorten entzücken. Es begann mit jener stillen Freundlichkeit, die sich meinen Worten sturr verschloss, so dass ich sie in Kaffee und Milch vergoss. Da dachte ich nicht an Verständlichkeit. Keks um Plätzchen schuf sich so ein Bild, dass einen häuslichen Drachen zeigte und von striktem Altjungferntum zeugte, dass sich gegegnsätzlich zur Mädchenschaft verhält. Ich bin nun der Vorzimmerfelsen, geschlechtlos und gefühllos wie ein Stein, erkoren das Mädchen für alles zu sein, und ich kann mich davon nicht lösen. Nur hinter meinen gedeckten Alltagsfarben, schwelt ein hinterhältiger Brand, eine wachsende Sehnsucht nach Neuland, nach kuchenfreien Liebesgaben. |
| Kildare | Tigeraugen Was goldene Spuren trägt, dass wird nach großen Katzen benannt. Löwenmähnen sind so helle Locken, Leopardenflecken kann das Wasser haben, wenn das Licht es durch die Blätter sprenkelt und dann gibt es deine Tigeraugen. Die sind grün und braun und golden-golden, wenn man nur lange genug hinein sieht. Wie Schilf und untiefer See liegt dieser Blick so ruhig in deinen Zügen, dass man versinken kann wie in trüben Tümpeln, wenn man achtlos genug ist, ihm offen zu begegnen. Schräge Katzenaugen zeichnen dein Gesicht, die Bernsteinfunken sprühen, wenn du lachst und der Schalk darin tanzt. Sphinx, weisst du eigentlich, wie schön du bist? Welche Rätsel hütet wohl dein mildes Lächeln? Welche Fragen stellst du kühnen Geistern? Tigeraugen hast du, die gelassen strahlen und gefangen nehmen, was sie berühren. Flüssiger Honig ist dein Blick, süß und warm, der einem im Gedächtnis klebt und die Erinnerung an sommerflirrende Luft weckt. Mit einem Mal riecht es nach Flieder und Akazien. Tiger, Tiger, wie leise sind deine Pfoten? Wie samten sind deine Schritte, die sich in Herzen schleichen? Zwielicht bricht sich schattenspielend in deinen Raubtieraugen und es blitzt golden, golden. |
| Kildare | Manchmal – ein anderer Morgen Guten Morgen, mein Herz, die Sonne scheint Schon durch die mattblauen Vorhänge, mein Veilchenäugiges Liebchen, es ist jetzt Zeit, dass Du Dich aufmachst. Ich winke noch an der Türe. Und dann beziehe ich die weißen Betten grau Und nehm’ die Vorhänge herunter, um sie lang auszuwaschen, bis sie taubenfarben werden, und alles Klare aufweicht, ausweicht, aus diesem Zimmer. Die Stirn senkt sich in die Kissen. Guten Morgen, mein Herz, es ist hell auf den Straßen Und in den Gassengiebeln Nisten die Schwalben und Spatzen. Es ist noch fast, als das ich Schritte höre Auf dem alten Pflaster. Und ich lausche noch einmal. Dann ist es Zeit zu singen, aus ganzer Kehle, und mit den alten Laken und Fetzen Deinen Geruch aus dem Raum zu fegen, Stück um Stück, die Fenster mit Spiritus blank zu polieren und raschelndem Zeitungspapier. Hübsch wird das werden. Guten Morgen, mein Herz – wo immer Du aufwachst, seit Du ausgezogen bist, aus meinem Leben und meinem Herzen. |
| Kildare | Fremder Wind - von Norden Wir stellen das Segel auf, eine Freiheitsflagge über der endlosen See, und lehnen unser Vertrauen in fremden Wind - von Norden. Es wird kalt auf dem Meer, das ist kein Ort für zarte Hände und Worte zerstreuen sich in salziger Luft - von Norden. Der Bug frisst sich durch die Wellen, ein Pfad aus blauer Seide und Diamantborte, der Sehnsucht führt wie Wasser - nach Norden. Nach Norden ziehen, von wo Vögel fliehn und in Kristallpalästen hausen anstelle von Luftschlössern, wo Eis und Kälte Regentschaft halten in schmelzender Eintracht. |
| Kildare | Ehrliche Schnitte Lass mich Dir ein Messer leihen, dass Du anstelle von Worten und Bildern benutzen kannst, damit Du mich wenigstens bluten siehst. Ehrliche Schnitte anstatt falscher Beteuerungen. 12 Zoll Edelstahl könnten Deine Haut viel besser ritzen als mein Spott und ich würde Deinen Körper liebend gern mit einem Muster überziehen. Ehrliche Schnitte anstatt kleiner Lügen. Komm, tu mir wenigstens richtig weh, dass ich zum Arzt gehen kann, um mich flicken zu lassen an all den Stellen, die schon jetzt schmerzen. Ehrliche Schnitte anstatt trügerischer Hoffnung. Ich möchte Dich aufschneiden und bluten lassen, so wie ich nach innen weg das Gefühl habe, zu verbluten in pulsenden Strömen, jedesmal wieder, wenn Du das falsche sagst. Erhliche Schnitte anstatt fahler Versprechen. Hier, nimm, solche Klingen eignen sich ganz trefflich für Tiere und Menschen und dann nur noch ein bisschen Mut, ein Schritt nach vorn und es ist endlich vorbei. Ehrliche Schnitte anstatt trostloser Zukunft. Ich würde Dich häuten wollen, abziehen wie einen Hasen, in langen Streifen diese blasse Haut von Deinem Körper trennen und Dich zucken sehen, wie ich jedesmal zusammenzucke. Innerlich. Ehrliche Schnitte anstatt milder Freundlichkeit. Sei mein Prinz - bring mich um. Das nennt man Gnadenstoß wenn die arme Rosinante keinen Schritt mehr weiter laufen kann. Das zerbrochene Steckenpferd. Es ist vorbei mit Ritterspielen. Aber Dir bleibt das Küchenmesser. Ehrliche Schnitte anstatt aufgesetzter Besorgnis. "Für das Messer braucht es Helden - und ich kann nicht feige sein." Subway to Sally, Das Messer |
| Kildare | Noh - Masken (Kagome) Sie leiht sich ein Gesicht, um ihres nicht zu verlieren und dieser spitze Fuchskopf passt hervorragend zu einer spitzen Zunge. Sie nimmt die Freiheit eines anderen Lebens, das unter dicken Seidenschichten liegt und dessen leise Füße gewaltige Schleppen durch fremder Menschen Träume schleifen. Trostfrau, Geistergefährtin, Nachtalp - Dunkle Augen in zu tiefen Höhlen, blasse Hände in raschelnden Ärmeln verbergen zu gut Gedanken und Klingen. Zweischneidig sind Wünsche, die sich tief in Ängste und Hoffnungen prägen, ungespiegelt auf einem Gesicht, dass nur das zeigt, was dieser Moment wählt. Rituelle Kerbungen, fest gelegte Züge, einstudierte Gesten, jeder Schritt folgt einem alten Muster, dass man nicht durchbrechen kann und das Ende ist genauso unabwendbar. Die Füchsin, der Dämon, die Jungfrau, der Held sie alle spielen ihre Rolle bis zum Schluss, man kann nur selten wählen und wechseln, gewiss niemals zum Besseren. Sie trägt ihr Fuchsgesicht mit Würde und jenem bitteren Stolz, der ihrem Fach zu eigen ist, das Schattenweib, das alte Leben, die Rückkehrende, ohne einen Platz im Licht, aber mit festem Anker im Leben. Das Gesicht ist gewählt - und der Weg ist entschieden. |
| Kildare | Versprechen - Regentänze Noch ist es nicht Zeit, in die Wüste umzusiedeln und dort allein in Gluthitze die Tage zu beschließen. Noch malen meine Füße Muster in den warmen Sand und trommeln wie Regen auf heißem Wellblech, - Schritt um Schritt in wilden Tänzen. Noch kann ich mein Haar wie einen Federschmuck tragen, schwer im Nacken und den Kopf gerade haltend. Noch reißen meine Hände andere Körper mit in einen Strudel aus Drehungen und Kapriolen - Schritt um Schritt in wilden Tänzen. Wir werden den Regen zwingen mit unseren Beinen und über schrille Rufe Brücken in den Himmel bauen. Wir werden die Wolken leer trinken in unserer Gier von etwas Höherem erfüllt zu werden. - Verlangen nach windgebeugten Leibern. Wir schreiben ein Versprechen in die Luft mit unseren Händen, wir singen einen Eid auf unseren Durst, dass wir tanzen werden bis es regnet und unsere salzig nasse Haut sich kühlt - in dem ersehnten Schauer. |
| Kildare | Drachenschwanz Hälst du auch brav die Balance? Du tanzt auf dem Drachenschwanz und zum Heiligen Georg fehlt dir mehr Glaube als mir das Feuer zum geschuppten Untier. Man hält uns so leicht für Hügel, wenn wir zusammengeringelt schlafen und unser ruhiger Atem das Gras nur wie Windhauch erzittern lässt. Hast du schon einmal, Eingepanzerter, einen echten Drachen gesehen? Eine Kreatur gemacht aus Gold und Flammen, ein übellauniger Phönix ist das. Lass mich dich einhüllen in Rot und Hitze, dass dir die Haare verglühen und du lernst, nicht mehr herumzustochern in anderer Leute Bett und Hort. Du dachtest, die Echse am Schwanz zu ziehen. Nun meinereiner wirft nichts ab, um Menschenkinder zu verwirren. Für diese Lehre will ich Dir, mein Mal aufdrücken. Was ich dir in die Haut gebrannt, wirst hoffentlich du nimmermehr vergessen. Ein Held wird nur wer einen Drachen tötet. Asche trägt keine Titel. |
| Kildare | Alte Segel flattern wie die Fahnen lang vergangner Reiche im salzigen Wind und der Hafen liegt leer und verlassen, wo die Schiffe träumen. Und dort wo einst der Steg sich in die See fraß, zeugen nur noch die Zähne verotteter Planken von Abenteuern einer anderen Zeit, während das Holz dem Wasser entgegen siecht. Die Möwen singen noch immer im blauen Himmel ihr Spottlied auf Wellen und Wracks und weiterhin brandet das zornige Meer an die Küste und sucht beharrlich seinen Pfad durch die Wälle. Die Häuser sind unbewohnt, die Gärten verwildert, kein Nachbar hütet mehr seinen Zaun und wie leere Augenhölen teilen die Fenster die Mauern und blicken anklagend auf die zerfurchten Straßen. Ich hab dir einen Ring gekauft vor einigen Jahren, du findest ihn dort im seichten Wasser, wo im nassen Sand dein Name stand, den der Ozean zusammen mit meiner Sehnsucht fortnahm. |
| Kildare | Beinahe heiter So sitzen wir an den Kaffeehaustischen, kippen uns Zucker in die Tassen, dass man um die schwarze Brühe weinen möchte, und lachen. Damit die Hände nicht so leer bleiben, werden die Zigaretten entzündet, die dann in wilden Gesten wie trunkene Glühwürmchen um uns schwirren. Wir erzählen Anekdoten, grinsen koffeinselig, räuspern uns, starren auf die Straße, und versuchen, unbeschwert zu sein, wenigstens für einen Abend. Und für ein paar Stunden vergessen wir, die leere Wohnung und das leere Konto, den lügenden Liebhaber und die lieben Verwandten und sind eins in fröhlicher Heuchelei. Wir zwinkern uns zu wie Lausbuben, die über denselben Scherz lachen, obwohl wir weinen könnten, aber nicht heute. Denn heute haben wir uns vorgenommen, ein bisschen uns selbst zu feiern, im Großstadtgeplänkel unterzugehen, für einen Abend - beinahe heiter. |
| Kildare | Salzversprechen Und wenn du dann doch einmal weinst, will ich dir die Tränen von den Wangen lecken und zu deinen Füßen einschlafen, damit das Monster unter dem Bett nicht herauskommt. Wenn mir nur nicht längst klar wäre, dass es hier nur zwei Ungeheuer gibt. Gib' mir nur einen Tropfen und ich bleibe bis nach dem Morgengrauen. Für ein paar Körner Salz Und etwas Wasser bloß aus deinen Augen zahl ich dir gern in roter Münze zurück. Ich möchte dir so gern etwas geloben, doch wir sind über die Kinderreime hinaus. So investiere ich in Schweigen lasse mich in leeren Küssen auszahlen und verwahre wie eine Bank das Geheimnis, dass du bloß ein Schluchtzen entfernt bist von mir. |
| Kildare | Roter Himmel Über den Horizont spannt sich eine Bahn Purpur, die ist mit weißen Blüten bestreut, deren Ränder sich blutig tränken im Abendrot, im Morgengrauen. Sie reden von Marine, von Royal und alle ihre Farben sind blau, jedes Wort trennt diesen Eiswasserhimmel von meinem. Mein Firmament ist Feuer, die Wolken Flammenkränze, es brennt in meinen Augen über der aschgrauen Stadt. Und in allen Schatten Rost, Vogelbeere, Kupfer, Cian steht er über mir und erinnert mich an andere ungelöschte Brände. |
| Kildare | Gold und Schwarz Sonne und Asche Der Tag ist davon getröpfelt in Noten und Notizen hat er sich in den Abend ergossen und der mündet in die Nacht. Gold zu Schwarz Sonne zu Asche Sterne verglühen, vergehen zerstieben in den dunklen Himmel und genauso erblasst Gefühltes mit fortschreitender Zeit. Gold in Schwarz Sonne über Asche Sonnen beginnen zu leuchten irgendwo mitten in der Dunkelheit in einer anderen Zeit, einem anderen hier und die Erinnerung bleibt nur Zündstoff. |
| Kildare | Wiederholung -in Anlehnung an H. Hesse An manchen Tagen hat die Platte einen Sprung, beim Frühstück scheint noch brav die Sonne doch bereits bei des ersten Kaffees Wonne schwelgt man weit mehr noch in Erinnernung. Mein Kissen schweigt, doch reden meine Träume, was ich des abends alles noch nicht hinein weine. Es naht der Mittag, Zeit ist nicht geblieben, man hat sie mit veraltetem Papier verbracht, das man selbst manche lange, leere Nacht, mit eigenen Händen fleißig voll geschrieben. Die Sonne läuft beharrlich weiter, nichts kümmert sie, man sitzt sehr brav alleine und wär' gern vis á vis. Und vor dem Fenster strahlt der Himmel blau, wie ein Paar Augen, das man nie vergessen, wie jenes Saphirduett, das man so gern besessen hätte - doch sind solch' Steine nicht für jede Frau. Der Abend neigt sich dunkelnd schon der Nacht entgegen, allein der Schlaf lockt nicht, wo alte Worte liegen. Letztendlich rafft man den Schatz zusammen, der niemand außer einem selber teuer ist, ein Zeugnis, dass man immer noch vermisst, woran man schon zu lange Zeit gehangen. Und doch man möchte nicht missen, was dumpfe Sehnsucht gewährt, einen Herzschlag, ein Seufzer ins Kissen und jemand, zu dem er gehört. |
| Kildare | Funkenflug Überspringen in einem Augenblick, ein Lächeln, ein Blinzeln, ein Glimmen und Glühen, das sich über das Gesicht breitet. Zwei Schritte, halb getanzt wie um ein Lagerfeuer auch wenn niemand Im Hintergrund Gitarre spielt. Wechsel im Vorbeieilen, Abschlag auf der Tanzfläche, Drehungen, dass einem schwindlig wird, und die Röcke zu Klecksen verwirbeln. Spiel auf - noch einmal, Atem holen und ihn gleich wieder verlieren, am Rand nicht zögern sondern springen und auf geborgte Schwingen vertrauen. Phoenix, flammender Schutzpatron, Feuervogel, der aus Asche singend ersteht, leih mir ein paar Funken für einen Flug und einen halben Sommer. |
| Kildare | Melusine Da sitz' ich nun, der Mond gleicht einer Perle in meinem Badehaus, in eigener Zisterne und sehne mich, und singe nicht aus Angst, dass Du, Geliebter, doch zu mir gelangst. Denn was die See einmal gegeben, das holt sie sich zurück, Du hast Dein kurzes, liebes Menschenleben - mir bleibt ein läng'res Stück. Mir ist so bang, dass deine Augen sehen den Schlangenleib, die Schuppen wie Juwelen, dein Geist erkennt was deine Seele schon verstand, ich war nie dieses Mädchen auf goldenweißem Sand. Du glaubtest ein Weib Heim zu tragen, ich hab' es wahr gemacht, allein es wandelt sich rückwärts in jeder Vollmondnacht. Ich lausche den unruhigen, zornigen Schritten gedenke der Gefechte, die wir schon bestritten, in denen ich dir mühsam abrang eines Edelmannes Wort: Ist Artemis' Schild gerundet, so bleibst Du mir fort. Du argwöhnst auf andere Lieben, auf Minne und Ehrenbetrug, ich aber weiß es doch besser, die ich den Liebsten belog. Die Diener schreien erschrocken, als eine Tür zerbricht, ich blicke nicht einmal auf in Dein entsetztes Gesicht, ich sehe es ja selber, es windet sich unter mir so wie ein Lindwurm aus Smaragd und Saphir. Du taumelst schon an der Türe, die Hand fährt dir ans Herz, jetzt weisst Du es wohl mein Liebster, allein es bringt dir nur Schmerz. Schon brechen die Fluten den Steinesrand, das Becken birst, das Wasser frisst das Land und mich reisst es mit sich hinab in jene feuchte Finsternis die mir, bevor Du kamst, die Heimat hieß. Leb' wohl, mein Menschenkind, mit meinem besten Segen, für dich, für deine Kindeskinder und euer aller Landesleben. |
| Kildare | Ungesungene Abschiede Nur ein Moment, so wie ein kurzer Schnitt, bloß eine rote Linie auf blasser Haut, wenige Worte, ungesagt, unbemerkt entschlüpft, fort aus der Tür wie ich mit kurzem "Bis bald". Küstenfelsen zerbrechen über Zeit in die See. Kleine Lügen tragen beharrlich Vertrauen ab. Und ich umgehe ein Versprechen zu verleugnen, indem ich einfach nicht mehr schwöre. Der Himmel ist grau im Fensterrahmen, grau wie Samt und brüchige Schleier, zerschlissen auf einem Dachboden vermodernd, gleich neben den alten Alben mit den vergilbten Bildern. Trockenblumen, bröselige Reste vergangener Sommer, Erinnerungen, bittersüß, deren schwerer Duft noch immer in den Räumen und Kleidern hängt, werden liebevoll auf neue Fäden gereiht. Blätterreigen in rot, gold, rost wirbeln in nebliger Luft, ein Tanz in Schorf und vergangenem Grün, in Neid, Hoffnung und Verwehen auf steinigen Wegen und verschlungenen Waldpfaden, in so vertrauter Einsamkeit. |
| Kildare | Tonartwechsel Und vielleicht verschwand der Winter, nahm die dunklen Lieder mit sich, die nach endlosen Nächten und grauem Himmel klangen. Und vielleicht folgte ihm der Frühling nach, brachte seine Erneuerungschoräle, die in hundert Kehlen und Herzschlägen erwachten. Und vielleicht - zur Abwechslung - für ein Lächeln, eine sorglos verstrichene Morgenröte, möchte ich einfallen in diesen Gesang - weil Du danach tanzt. |
| Kildare | Mit Höhenangst sollte man nicht von freiem Fall und Flügeln träumen. Für kleine Geister sind Wolkenschlösser nicht erdacht und errichtet worden. Mit Höhenangst sollte man nicht auf Podesten stehen und sich von unten bewundern lassen von denen, die einem Höhe für Größe anrechnen. Mit Höhenangst sollte man besser auf dem Boden der Tatsachen bleiben, auf festen Grund gestellt verweilen im wahren Sinne bodenständig. Mit Höhenangst sollte man besser die Fassung bewahren für Sims und Seele gleichermaßen, fern von himmelhochjauzend. |
| Kildare | Ankerängste Das Boot ist fast fertig. Der Rumpf wurde lange gezimmert und die Takelage bekommt letzte Nähte. Bald wird in See gestochen. Als ich jung war hieß es, du brauchst nur Segel, Schiff und Stern, den Ozean dir Untertan zu machen. Und ich, ich glaubte das. Nun stehe ich am Kai, zitternd vor Angst mehr als vor Herbstwind und beobachte wie Planke um Mast mein Entkommen aus diesem Hafen heranwächst. Ich fürchte mich vor der offenen See, dieser einen, mondsüchtigen Liebe und ihrem immer hungrigen Schlund, dem Grab für Haut und Haar, Bug und Heck. Und draußen vor der Hafenmauer singt die Brandung ihr Sirenenlied, lockt mich mit dem Versprechen ferner Wunder, den unentdeckten Lichtern fremder Strände. Ich schüttele mich in der Abendbrise, steif wie ein Pastorenkragen, und starre auf die Klapperschlangenwindungen der gegen das Land drängenden Wellenkämme. Bald schon, bald wird Jungfernfahrt sein, hinaus aus dem Hafen, hinein in die See, und ob wir mit Mann und Maus wiederkehren oder untergehen - ich weiß es nicht. Man nennt mich einen zuversichtlichen Kapitän, die Nase im Wind, den Rücken gerade und kaum einer ahnt, wie bang mir jetzt, so kurz vor dem Auslaufen ist. "Aber du hast das Meer immer geliebt" wird man mir sagen, sollte ich zögern. Eben. Denn was man wirklich liebt, das fürchtet man am meisten. |
| Kildare | Ein Wunsch mehr "Mehr Mut. Mehr Zuversicht." rät man mir zum neuen Jahr, "Es wird schon glücken." lautet die Devise, mir ist das alles unvertraut und sonderbar, wenn nicht auf andere Weise, warum dann auf diese? Es soll schon reichen, wenn ich fest dran glaube, vielleicht ist ist das der ganzen Sache Pferdefuß, das ich tatsächlich eine Hoffnung mir erlaube, ohne Indiz und ohne Garantie auf den Beschluss. Ich bin doch eine von den Pessimisten, die stets befürchten wo sie wohl erwägen, die dem misstrauen, was sie noch nicht wüssten, und sich sehr unwohl fühl'n auf unerforschten Wegen. Ich würde gern ein wenig mehr mir wünschen, wenn nur die Rechnung nicht so bitter hoch geriet, die man am Ende stellt dem hoffnungsfrohen Menschen, der sich mit seinem Glücksstern nur beriet. Von jedem Mal, dass ich gehofft ohne Belege, trag' ich die Narben außen so wie innen, man möge also mir vergeben wenn ich zögere, mit dieser Wünscherei von vorne zu beginnen. Dies Neujahr lasst mich also meine Wunden lecken, die neuen und die alten, dass sie heilen, und in der Kälte nicht zu sehr mich zwicken, wenn wir hinüber in den Januar eilen. Erlaubt mir, auf das Wünschen zu verzichten, es nutzt nur jenem, der das Herz noch hat dazu. Mein Herz trägt solche Last mitnichten, folglich lasst mich mit dieser Hofferei in Ruh. Für's neue Jahr hab' ich somit nur diese Bitte, einen rentablen Stallplatz für mich müdes Tier, ein wenig Heu (nicht wörtlich) in der Schütte, sowie ein bisschen mehr Freude am jetzt und hier. Prost Neujahr - wäre das möglich? |
| Kildare | Fafnir an Siegfried Und bis Du nun glücklich, Drachentöter? Hat mein Blut Dir genug geschenkt? Hast Du reichlich Leben genossen? Oder war es am Ende Dein Fluch? Ich habe Dich nicht unsterblich gemacht, goldener Held. Unverwundbar ist nicht unsterblich. Das hättest Du wissen können, würdest Du auf Kleinigkeiten achten. Aber die waren Dir nie wichtig, Krieger. Du hast Dich mit Königreichen beschäftigt, nicht mit Lindenblättern. Dein Versäumnis hat Dich eingeholt, ich bin gestorben, nun bist Du es auch. Der Tod hat uns gleich gemacht, Untier und glorreicher Prinz, der Tod eint. An diesem dunklen Ort kann ich es Dir endlich gestehen. Du hast mir damals leid getan. Du hattest ein Schicksal, welches Dir auf der Stirn stand, während meines sich dem Ende neigte. Ich habe nicht bereut, Dir Deinen Ruhm zu bereiten. Aber ich habe dich bedauert, Herzensverwirrter zwischen Königen und Prinzessinnen und falschen Freunden. Deine Haut war so dick - aber dein Blick war so unscharf. Nun sind wir wieder beisammen, eine Legende, eine Geschichte, zwei tote Körper und zwei alte Seelen, die gemeinsam die Zeit überdauern. |
| Kildare | Einem Jackenkragen Weisst du, wie ich dich beneide, der du jeden Tag auf seinem Nacken liegst, ungebeten, unangefochten seinen Hals umschmeichelst, ungeladen, unangezweifelt seine zarte Gurgel streichelst? Mir ist solches nicht gegönnt. Wenn sonst niemand kritisch fragt, tut's mein Spiegelbild. Ahnst du, wenn ich mich hinüberbeuge und die Fingerspitzen über deinen Rand fahren, dass ich gern an deiner Stelle wäre, so nah, dass mir sein Geruch bis in die Fasern dringt? Mir ist solches nicht gegönnt. Wenn sich sonst niemand sträubt, tut's mein Spiegelbild. Du nimmst täglich deinen Platz um seine Schultern, hälst ihn warm an kalten Tagen, wirst gewollt, gewünscht gebraucht, bist in allen wesentlichen Fragen das, was für ihn zählt. Mir ist solches nicht gegönnt. Wenn ich fragen möchte, schweigt mein Spiegelbild. Nur in einem Punkte gilt dir mein Bedauern und ich hoffe, mir wird's nicht so gehen, nach der Saison für den gesamten Sommer im Schrank zu verschwinden auf Winterwiedersehen. Doch ich denk' das wäre mir gegönnt. Wenn ich's nicht glauben möchte, tut's mein Spiegelbild. |
| Kildare | Falken, Pfauen, Stare "Was?" fragst Du "Was?","Was?", "Was?" tönt es wie Starenspott. Was soll ich denn sagen? Ich kleide meine Verletzlichkeiten in ein Lächeln, das ich aufschlage wie ein Pfauenrad. Schau nur wie hübsch. Es glänzt auf meinen rissigen Lippen. "Was?" fragst Du, die Falkenzüge unbewegt, Raubvogelkreisen über meinem Schweigen. "Was?", "Was?", "Was?" "Ich habe mich entschieden." Was soll das heißen? Was schon? Was? Was? Ich lege die Pfauenfedern nieder, gold und grün und blau, ich senke den Falkenblick, stumm wird der Starensingsang. Ich habe mich entschieden, für eine Weile zu versuchen für Dich/ mit Dir nur Mensch zu sein. |
| Kildare | Auf Deinen Knochen Du brauchst mehr Raum, mehr Zeit und so viel mehr Freiheit, wo meine Segel gesetzt sind, alles mit Kurs auf Deinen Grund und Boden. Wo Du bist, will ich sein, Flagge gehisst. Du bist mein unentdecktes Land, ungebärdig, nicht erschlossen, unbekannt, der Kontinent noch unerfüllter Wunder, für nicht entfachte Feuer Zunder, ein dunkler Leuchturm meiner langen, wachen Nacht, ein Wimpernschlag neue Heimat, samtig sacht. Neben Dir werden sehnsuchtwilde Wünsche sanft und still, wie vertäute Boote, dass ich ruhen will. Wo Du bist, da liegt mein Hafen, Küstenlinie, neues Kartenwerk zu schaffen, weil ich meinen Raum erweitere um Dich, Meilen landeinwärts, fern von zorniger Gischt, wo ich einst verweilen möchte, ich wage kaum zu hoffen, ein grinsendes Skelett auf Deinen Knochen. |
| Kildare | An einen Realisten „Lass uns sachlich bleiben.“ sagtest du „Und sehen, was kommt.“ als wäre noch Zeit. Bedächtig setztest du deine Schritte auf mich zu und gingst dabei wohl überlegt niemals zu weit. Ich bin eine Luftschlossprinzessin, ein Narwal, der Einhorn gemimt, ich habe nie Geduld besessen, hab' nie meine Sehnsucht getrimmt. Du sprachst: „Nur nich so hastig, so eilig.“ Da war ich schon halb auf dem Weg, du wolltest ein Mädchen, kurzweilig, Bett, Tisch und Bratkartoffeln um's Eck. Ich bin nun schon lange kein Mädchen, auch wenn ich gute Bratkkartoffeln machte, kein süßes, naives,unschuldiges Käthchen, dass ich auf meinen Helden schmachte. Ich habe um dich gelitten, wie Frauen leiden, still geweint, viel stiller noch geträumt, und gehofft, gehofft, gehofft du würdest bleiben, auf das ein Herz und eine Seele sich vereint. Ich habe beides gleichermaßen, Herz und Seel, die bestimmen den Kurs, welchen der Kopf berechnet dann, sind alle zwei gänzlich gewiss nicht ohne Fehl und doch in meinen Lebensstürmen ein treuer Steuermann. Bei dir regiert die Ratio unbestritten, du bis ein Mann des Geistes, ganz bestimmt, du wusstest nichts zu sagen auf mein Bitten, wusstest nicht wie man das Gebot „mein alles“ nimmt. Gleichwohl, ich wünsche dir das Beste, was du bekommen kannst in Deinen Zeiten, du sollst noch feiern zahlreiche Geburtstagsfeste und viele andere frohe Gelegenheiten. Denn eines ist wohl sicher, liebster Realist, dass du in diesem Leben wirst viel Jahre brauchen, um noch einmal eine zu finden, die so ist, ein Narwal, stets bereit für dich ins Meer zu tauchen. Eine, deren Sehnen sich um dich verdichtet die jeden Wunsch wohl auf dich baut, die dir ein Wolkenkuckucksheim errichtet und dir den Schlüssel dazu anvertraut. Doch vielleicht wirst du solches gar nicht brauchen, du willst es nicht, du hast es nie gewollt, du möchtest gern in deiner engen Welt verschnaufen, in der man Grenzen den Respekt gezollt. Du wägst und misst und überdenkst dich, nun, sicher ist, wer nicht gewagt, über die Reling beuge ich mich, und komme heim, erst wenn's getagt. Du bist doch der Gescheitere von uns beiden, der nicht enttäuscht, weil er ja sachlich blieb, ich bin die mit den unbenannten Leiden und der so arg verschmähten, zu nichts Nützen Lieb. Und trotzdem will ich noch nicht klüger werden, will mich nicht zähmen und beengen, will lieber durchgehen mit allen Pferden und mich an wilde Phantasien hängen. Denn noch hat niemand einen Berg bezwungen, ein Meer besegelt, eine Welt erdacht, der dabei nicht haderlich mit sich gerungen, und manche Nacht ohne Schlaf zugebracht. So sollen dir, mein getreuer, guter Denker, die Stirnesfalten deine Welt umzäunen, ich bleibe draußen, mein reeller Wagenlenker, fern deiner Aschebahn in meinen eigenen Träumen. |