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  Forum: Text-Kritik
    Thema: hallo neu hier und will ne kritik :-)
garm666mehr davon auf [url]www.weltzerstoerung.de[/url] ; paßwort kann bei mir erfragt werden

warten

endlich neigt sich dieser tag seinem ende zu. die dämmerung legt zaghaft, aber bestimmt einen immer tiefer werdendes schwarz auf das, was im glanze einer zu grellen sonne, zu lebhaft erschien. lebhaft. das bin ich bestimmt nicht, nicht zu dieser zeit. und immerhin haben wir herbst. auf den herbst freut man sich, und wenn er dann in meine gedanken bricht, zerbreche ich. immer und immer wieder. mir ist, als ob jemand diesen vorgang auch noch kontrolliert. wie ein kranich, der im herbst das hiesige gefilde verläßt, um im frühjahr wieder zu kommen, erscheinen bei mir auch diese zustände. beinahe vermisse ich sie, wenn sie ausbleiben, denn mir ist immer bewußt, daß sie nicht lange ausbleiben werden. und wenn sie wieder die macht in meinem gemüt übernehmen, dann hasse ich sie. sie und mich.
die wolken werden dunkeler. noch wenige minuten und ich werde mich in der geborgenheit der nacht wiederfinden. sie wird mir eine decke sein, die mich warm umhüllt, unter der ich ich sein kann. aber wie nun habe ich diesen tag verbracht? wenn ich mich an eine bestimmte situation dieses tages errinnern müßte, wenn ich dazu gezwungen würde, ich könnte es nicht. ich habe diesen tag gewartet. als ich aufwachte, konnte ich mich selber nicht leiden, denn ich wachte zu früh auf und der tag würde zu lange andauern. ich habe mich gezwungen weiter zu schlafen, einfach die decke über den kopf zu ziehen, und mir vorspielen, daß der tag noch nicht begonnen hat. aber länger als eine stunde halte ich es nicht durch, mich selber zu belügen. was aber jetzt? ich muß mein gemach verlassen, und dieser zustand gesellt sich zu mir. verdammt. aber eigentlich habe ich ihn schon erwartet. ich spürte ihn schon beim ersten zaghaften öffnen der augen. ich muß einen tag verbringen, ironischerweise auf den nächsten warten. die erwartungen, was dieser tag neues bringen wird, verlaufen sich schnell im destilat. es ist die bittere erkenntnis der realität, daß alles so bleiben wird wie es war. natürlich könnte ich aktiv versuchen, etwas an diesem zustand zu ändern, aber mir fehlt die kraft, bezeichne mich ruhig als schwach, das ist mein wesen. und welche optionen hätte ich denn? ich verbringe zeit damit, über genau diese nachzudenken, zu schnell aber muß ich einsehen, daß keine der hypothetischen optionen mir als die wahre erscheint.
ich beginne zu warten. unfähig mich zu bewegen, verfalle ich der lethargie, die ein halbwegs gemütlicher sessel in einem ertragbarem zimmer mit sich bringt. ich sehe die zeit verstreichen, auf einem digitalem display. eine tickende uhr wäre mein tod. aber dennoch merke ich nicht, wie die zeit verstreicht. ich reduziere meine pflichten und tätigkeiten auf ein minimum, schließlich muß ich warten. ich habe keine zeit, meinen tag mit anderen dingen zu vergeuden als warten. damit ich in meinem sessel keine langeweile bei einer beschäftigung bekomme, starre ich aus dem fenster. das ist wenigstens ehrlich. stunde um stunde warte ich. langsam vergehen sie, sehr langsam, aber die erkenntnis, daß sie vergehen müssen, läßt mich weiter warten. irgendwann werde ich auch diesen tag verbracht haben. aber das liegt noch in erdrückender ferne. es ist erst mittag. habe ich die hälfte geschafft? nein, ich denke nicht. zumindest nicht, wenn ich daran denke, wie lange ein nachmittag sein kann. ich versuche wieder zu schlafen. ich weiß, daß ich nachmittags nicht einschlafen kann, aber ich versuche es dennoch. möglicherweise schaffe ich ein paar minuten zeitlosigkeit im nichts. im nichts gibt es keine zeit, welch beruhigender gedanke. doch ich schaffe es nicht, nicht einmal schaffe ich es, eine viertel stunde zu dösen. bei vollem beußtsein und geschlossenen augen zieht sich die zeit. bald schon stehe ich auf. rauche mal wieder eine zigarette, die beruhigen mich und verhindern ein aufkeimen der nervösität. ich wechsel die cd, nachdem ich sie vier mal gehört habe, geht sie mir auf die nerven. und begebe mich wieder auf meinen sessel. dieser aufwand verlangt nach beruhigung, ich rauche wieder eine und beginne die decke anzustarren. die hatte ich heute noch nicht. mal sehen, wie spät ist es? zu früh. die sonne scheint noch zu grell. ich schließe die vorhänge, so bin ich isoliert. kann mir selber vorgaukeln, die dämmerung würde sich ankündigen. wieder auf den sessel. kann ich mir diesen irrealen zustand echt vortäuschen? es scheint zu gehen, zumindest bleibt mir keine andere möglichkeit. länger kann ich die sonne nicht ertragen. ich verbringe ungefähr eine halbe ewigkeit im sessel, und werde jäh herrausgerissen. das telefon klingelt. ich überlege, ob ich den anruf beantworten soll oder nicht. unfähig, diese entscheidung zu treffen, nervt das klingeln immer mehr. automatisch gehe ich dran. ob ich heute abend zeit habe? nein, ich kann heute nicht. kurz angebunden wird mein gegenüber indirekt darüber informiert, daß ich keine lust verspüre, meine lippen weitere worte formen zu lassen und daß es mich nervt, weitere worte zu hören. auflegen und das aufkeimende schlechte gewissen mit einer zigarette beruhigen. und direkt noch eine hinterher, mich wieder auf den ursprünglichen zustand zurück besinnen. endlich kann ich weiter warten. mein herz geht auf, denn langsam geht die sonne unter. doch zu lange dauert es noch, bis sich die dämmerung ankündigt. doch bald werde ich es geschafft haben, es kann nicht mehr lange dauern. darauf kann man warten. doch es wird noch lange nicht soweit sein. ich versuche fern zu sehen. doch es läuft nichts. 24 kanäle und alle zeigen nur irgendwas, was mir als mist vorkommt. irreale figuren, die vollkommen idealisiert sind oder reale auf der anderen seite, die mich und mein warten nie verstehen würden. ich komme mir alleine vor und schalte das gerät wieder ab. jetzt bin ich wieder alleine, aber mit mir selber. beruhigend. ich wechsel ein letztes mal die cd und warte auf meinem bequemen sessel weiter. zehn zigaretten später hat der tag verloren, und endlich die nacht gewonnen. es wird von zeit zu zeit dunkler. ich werde eins mit mir selber. ich weiß nun worauf ich wartete, denn die nacht bringt wird mir die erkenntnis bringen, wieder einen langen tag überstanden zu haben. und bald, schon sehr bald, werde ich mich zur ruhe betten, ein letztes male an diesem tage warten. warten darauf, daß ich bald im nichts verschwinde. geborgen umhüllt von zeitlosigkeit. ohne diesen zustand....
und jetzt frag mich bitte nie wieder, wie mein tag, bitte.
specialschön geschrieben, garm. gefällt mir wirklich sehr.
durch die kurzen, teilweise 'abgehackten' Sätze schaffst Du eine kühle Atmosphäre.
Du malst Bilder mit Deinen Worten, man kann sich direkt ins Geschehen hineinversetzen.

lg
special

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