| logic_system | [b]Ihr Name, war ich[/b] [url=http://www.ghost-dance.de/sk](c) andreas plöger 2006[/url] Irgendetwas war anders an diesem Abend. Albert J. Langen saß nervös auf einer Bank im dunklen Hotelfoyer und lauschte dem Ticken der altmodischen Wanduhr. Schwerer, süßer Pfeifen- und Tabakrauch schwängerte die ohnehin dicke Luft. Seine Hand fuhr unruhig über den Rand des Zylinders, der in seinem Schoß ruhte. Langen wusste nicht, wieso er hier überhaupt wartete. Ebenso schien es ihm wie ein schlechter Traum, ohne wenn und aber auf die Einladung einer wildfremdem Frau eingegangen zu sein. Obgleich ihre Schönheit von aussergewöhnlich seltenem Charakter war und ihre Optik selbst mit dem Begriff "exotisch" nur spärlich erfasst werden konnte, strahlte sie etwas unheimlich vertrautes aus. Mit einem lauten Schlag verkündete das Glockenspiel der Wanduhr, dass es Mitternacht war. Der Klang hallte ungehindert durch den Raum und ließ Langen erst bewusst werden, dass er ganz allein in dem großen Saal saß. Selbst der Portier schien verschwunden zu sein. Ein mulmiges Gefühl breitete sich in seiner Magengrube aus. Als er sich, wie schon so oft an diesem Abend, umsah, wirkte alles auf einmal fremd auf ihn. Er war sich noch nichteinmal mehr sicher, ober er je von dieser Hotelanlage, der Strasse, geschweigedenn dem Stadtviertel jemals zuvor gehört zu haben. Verunsichert huschte sein Blick von Stuhl zu Stuhl, Ecke zu Ecke, Tür zu Tür. Nichts, niemand. Wo kam überhaupt der Tabakgeruch her? Den kalten Schweiß von seiner Stirn wischend, stand Langen auf und schickte sich - den Zylinder fest umklammert - an, das Hotel zu verlassen. Doch die gewaltige Doppeltüre, durch die er in das Foyer gekommen war, war verschwunden. Anstatt der Doppeltüre waren vor ihm nun drei Türen aus schwerem, rötlichen Holz und mit Gold beschlagen. In der Mitte einer jeder dieser Türen war ein einziger goldener Knauf angebracht, doch über ein Schloss schien keine einzige zu verfügen. Eilig ging er auf die Türen zu, rüttelte, drückte, fluchte, doch keine ließ sich öffnen. Schweiß perlte über seine Stirn. Das Rütteln der Türen schien auf der anderen Seite geradezu unendlich weiterzuschallen, immer lauter zu werden, nur um dann abrupt zu verklingen. Stille lag im Raum. Panisch sah er sich nach einem Ausgang um - Stühle, Ecken, Türen, niemand. Als er sich abermals, mehr im Rausch der eigenen Angst und Verzweiflung durch den Raum jagte, sah er sie. So unglaublich schön war sie, schöner als er jemals eine Frau erblickt hatte. Alle Angst war vergessen und wie von Geisterhand geführt machte er einen Diener und rückte seinen schweißgetränkten Kragen zurecht. "Da sind sie ja.", sie nickte, nahm ihre grüne, samtene Handtasche und bedeutete ihm, ihr zu folgen. Wortlos erklommen sie die schier endlos erscheinenden Stufen des Treppenhauses. Jeder Schritt warf sein enormes Echo in den Raum und hallte in die unergründlichen Weiten dieses absonderlichen Schlunds, bis es langsam schwächer und schwächer wurde. Ganz verklang jedoch kein einziges. Nach einem Aufstieg, der wenige Minuten, Tage oder sogar Wochen gedauert haben könnte, hielten sie vor einer Tür an. Zeit hatte für Langen sowieso ihre Bedeutung verloren, solange er bei IHR bleiben konnte. Dann, ohne ein erkennbares Zutun ihrerseits öffnete sich die Tür. Sie lächelte und sah ihm in die Augen. Und hätte es Langen nicht besser gewusst, hätte er behauptet, das ganze Universum und eine gewaltige, alles negierende Leere zugleich durch sie erblickt zu haben. Sie nahm ihn zärtlich, fast wie einen verloren geglaubten Sohn bei der Hand und führte ihn in den Raum hinter der Türschwelle. Rote Wandmalereien, die wohl lüstern-romantisierte Szenen eines absolutistischen Hofstaats darstellen sollten, zierten die sonst kahlen Wände. Bis auf einen verspiegelten Tisch und zwei Stühle war der Rest des Raumes leer. Langen hörte, wie sie hinter ihm absperrte. Und mit dem Einrasten des Schlosses flammte in ihm ein nie dagewesenes Begehren auf. Würde sie ihn verführen? Sie setzte sich auf einen der ebenfalls mit Gold verzierten Stühle und nickte ihm zu. Auf ihr Zeichen hin nahm auch er Platz. Stille. Nach einigen Minuten fasste er sich ein Herz und versuchte etwas über seine geheimnisvolle Gastgeberin herauszufinden, deren bloßer Anblick seinen Verstand zu rauben schien: "Verzeihen sie, Gnädigste, aber wir haben nun schon bestimmt den einen oder anderen Augenblick miteinander verbracht und doch weiß ich noch nichteinmal ihren Namen." Sie sah ihn an und lächelte. Kein Wort verließ ihren Mund, der durch die perfekten weißen Zähne wie ummauert schien, geschützt allem Grauen, dass kommen mag. Ihr ausgestreckter Arm zeigte auf die Mitte des verspiegelten Tisches. Langsam senkte Langen den Blick. Schlagartig verließ jeder Ansatz von Farbe sein Gesicht. "Nein, dass kann nicht sein", er jaulte auf wie ein getretener Hund. Er wollte aufspringen, doch der Stuhl war längst verschwunden. Dort, im Spiegel, sah er sich, Albert J. Langen, und seinen Arm, der auf die Mitte des Spiegels deutete. Um ihn herum Schwärze, kein Licht, keine Sterne, kein Tisch, keine Stühle, nur eine Tür. "Dein Name, bin ich!", schrie er, als er geblendet vom eigenen Wahnsinn, wie wild am Knauf der schweren, goldbeschlagenen Tür rüttelte, die er selbst verschlossen hatte. |
| Isaak | Eine gut zu lesende Geschichte. Dennoch fehlt mir die Verknüpfung zwischen Anfang und Ende, es geht mir irgendwie viel zu abrupt und die mystische Welt um Langen die aufgebaut wird, scheint plötzlich keine Rolle mehr zu spielen. Beispiele: [QUOTE]Anstatt der Doppeltüre waren vor ihm nun drei Türen aus schwerem, rötlichen Holz und mit Gold beschlagen. In der Mitte einer jeder dieser Türen war ein einziger goldener Knauf angebracht, doch über ein Schloss schien keine einzige zu verfügen.[/QUOTE] Viel zu viel Aufwand dafür dass diese Türen eigentlich völlig Bedeutungslos bleiben. Erst schön ausstaffiert und dann aber völlig Zwecklos => sinnloser Füllstoff. [QUOTE]Panisch sah er sich nach einem Ausgang um - Stühle, Ecken, Türen, niemand. Als er sich abermals, mehr im Rausch der eigenen Angst und Verzweiflung durch den Raum jagte, sah er sie.[/QUOTE] Nach meiner Meinung viel zu oberflächliche Behandlung der Panik. Ich kann nicht die Angst mit dem Charakter teilen. Naja und dass du dir die Freude nimmst den Leser am Ende völlig darüber aufzuklären was DU damit sagen willst, ist deine Sache. Aber ich finde für so einen Schritt gibst du dem Leser zu wenig Informationen mit und zu viel Freiraum für Vermutungen. (Der arme Kerl hat eine Vorliebe für Frauenkleider und hat sich im begehbaren Schrank seiner Frau verirrt. Und hätte wohl vorher nicht diese Champignonsuppe essen sollen? :D ) Dein Schreibstil gefällt mir allerdings. Die Art, wie du die Welt um Langen erschaffen hast, hat was. Ich hoffe ich konnte Dir etwas helfen. |
| logic_system | sorry für die späte antwort und schonmal ein großes dankeschön für die doch sehr ausführliche kritik. das abrupte ende ist mir mittlerweile auch bewusst geworden und ich versuche das ganze gerade noch ein wenig runder abzuschließen. da ich die geschichten grundsätzlich in einem stück schreibe und (ob mans mir abnimmt oder nicht, stellenweise den inhalt nur bildlich vor mir sehe und die hand dann die drecksarbeit erledigt..autsch, das kann man jetzt missverstehen ^^) reflektiere ich den inhalt relativ selten auf solche schwächen mile gracie! |