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  Forum: Text-Kritik
    Thema: Feedback zu meiner Lyrik
AndurilEin freundliches "Moin!" an alle Forumbesucher. Heute habe ich einen kleinen Teil meiner Gedichte in den Gärten der Poeten veröffentlicht und ich würde mich über Kritik, Verbesserungsvorschläge, Kommentare etc. freuen.

In diesem Sinne.

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Die Welt wird nicht mehr begriffen und zu wenig kritisiert - sie wird viel zu sehr inszeniert.
Gr. GaulichterHallo Anduril,

dass wir an deinen Gedanken teilhaben dürfen, dafür vielen Dank. Mit „lyrischen Augen“ betrachtet gefällt mir – abgesehen vom Titel – „Lebe dein Leben“ als einziges deiner Werke (bis jetzt) auf Anhieb, obwohl einige Stellen überlegt werden können, was zweifelsohne die Technik der durchgehenden Alliteration bedingt; allerdings nicht nur. So finde ich es wenig problematisch, in der vorletzten Zeile das „sehr“ zu entfernen; dem Rhythmus gefällt das sogar.

„Spuren in Verdun“ gibt natürlich schon des Themas wegen genug an die Hand, um erwartungsgemäß zu schreiben. Das macht es in meinen Augen allerdings auch schwer, nicht wiederkäuend tätig zu werden. Mein Gefühl sagt mir jedoch, (das ist jedoch eine persönliche Vorliebe) dass die Verdichtung an diesem Text stärker sein darf. Ich lese aus dem Text ein Gedenken, ein Spätbesuch von direkt Beteiligten heraus. Mit diesem Eindruck mag ich die letzte Zeile nicht, denn als Beteiligter „weiß“ man nicht nur, es ist weitaus mehr. Vielfach ist es sogar so, dass von außen betrachtet der Betroffene meint, viel zu wissen. Dennoch, und dabei bleibe ich, steht sicherlich das Gefühl noch vor dem Wissen. (Das abgesetzte Fragezeichen in der vierten Zeile kann ich mir bisweilen nicht erklären. Kannst du es?)

gg
AndurilSei gegrüßt, Gr. Gaulichter!

Dir sei für dein Kommentar gedankt. Ich sollte wohl noch anmerken, dass ich erst wieder seit 2006 (relativ regelmäßig) Gedichte verfasse und meist manifestiere ich nur meine Gedanken mit der Tastatur oder einem Stift ohne großartig darüber nachzudenken und dies meist auch im Unterricht oder in der Sozialschleuder (= Straßenbahn) - weswegen ich meine Gedichte auch nicht unbedingt schön finde und sie lyrisch nicht herausragend sind.

"Lebe dein Leben" sollte einfach nur als Gegensatz zum eigentlichen Gedicht wirken; zumal dieser Satz indirekt in das Gedicht codiert wurde (ich muss zugeben, dass das Außenstehende nicht wissen können, weil in dieser Beziehung mein krankes Gehirn um mehere Ecken denkt). Das "sehr" habe ich entfernt, weil du mich davon treffend überzeugen konntest.

Das Fragezeichen bei "Spuren in Verdun" habe ich ebenfalls editiert, da es meinerseits ein Druckfehler war. Das Gedicht entstand, als ich mit einer Gruppe in Verdun war und ich habe einfach nur versucht meine (subjektiven) Gefühle zu verdeutlichen, wobei "Unbeholfenheit" da eine große Präsenz hatte - wie beim näheren Betrachten wohl deutlich wird.

Nun werde ich erst einmal ein paar weitere Gedichte hinzufügen; vielleicht gefallen sie dir besser. Über weitere Anregungen wäre ich sehr erfreut.
Gr. GaulichterHallo Anduril,

schon bei „Existenz“, viel mehr aber noch beim Text „Augenblicke“ bin ich bezüglich des Genres recht ambivalent. Ich habe den zweiten für mich mal durch Auslassung der Zeilenwechsel notiert. In der Form hinterlässt es den Eindruck von lyrischer Prosa, statt nur von Lyrik. Das gäbe im Gegensatz zum Gedicht (s. „verdichten“) dann natürlich auch weitaus mehr Raum zur Bearbeitung des Augenblickbegriffs. Allerdings kam in dem Moment auch gleich der Gedanke, nein: die Frage auf, warum die Texte entstanden sind. Ich will das jetzt nicht zu weit aufdröseln, weil es irgendwann an Themen ankommt wie „Wirklichkeitsbegriff“ und „Modell“ Diese Frage ist natürlich nicht ausschließlich an dich, sondern auch an mich gerichtet, weil es doch den Weg beeinflusst, den die Kommentare nehmen. Allzu schnell kommt man an den Punkt, an dem man sich sagen muss ‚Hier dränge ich dem Autor aber meine Vorstellung von Lyrik auf.’ – und das ist nicht in meinem Interesse. Ich will dir lediglich Ergebnisse meiner Beobachtung mitteilen. Dadurch erweckt man seine Texte erst zum Leben. Ich hoffe, du kannst damit etwas anfangen. Bei deinem Text über Verdun wird das deutlich durch den Gegensatz deiner Erinnerungen und dem damit verknüpften Moment der Niederschrift und meiner Text-Beobachtung auf der anderen Seite.

Zum „warum“ entdecke ich in deinen Texten dann auch weitaus mehr wertende Momente, Aussagen, die an den Geist appellieren, statt Beschreibungen, die die Sinne adressieren. Deine letzte Antwort bestätigt das auch indirekt, sodass Lyrik Mittel zum Zweck wird, nämlich dem Zweck der Gedankenniederschrift. Lyrik kann aber mehr, nämlich wenn sie als Handwerk gesehen wird (und dann kommt man zwangsläufig auch wieder zu den Themen, s. o.).

gg
AndurilSei gegrüßt, Gr. Gaulichter!

Danke, für deine Kritik, über die ich erst einmal gründlich nachdenken wollte, ehe ich darauf näher eingehe. Ich hätte auch an dich persönlich noch eine Frage, nämlich ob du selber Lyrik verfasst.

Das Gedicht „Augenblicke“ ist die gekürzte Variante einer Erzählung, die ich meinem Ex-Freund widmete und diese Gedanken nur noch einmal in eine „lyrischere Form“ bringen wollte. Da soziale Bindungen – meiner Meinung nach – nicht bleiben wie sie sind und die Konstellationen oft wechseln (gesellschaftsbedingt), wollte ich diesen einen Augenblick „einfangen und konservieren“.
Mit der Dichtung „Existenz“ sollte verdeutlicht werden, dass in der eigenen Tiefe das wirkliche Exil ist. Dem Dichter bleibt der Rückzug – nicht ins Humane, sondern ins Artistische. Das es gekürzt werden könnte ist mir bewusst, allerdings erachte ich es für wenig sinnvoll, denn gerade dieses "verwobene und vielschichtige" macht doch den Einzelnen aus (sollte ein wenig symbolisch sein). Außerdem liest man zwischen den Zeilen vielleicht auch Hoffnungslosigkeit heraus oder sogar, dass ich mich meist unverstanden fühle? Ich kann schlecht einschätzen, wie meine Gedichte auf andere Individuen wirken.

Könntest du mir bitte deine Aussage "Lyrik kann aber mehr, nämlich wenn sie als Handwerk gesehen wird" noch näher erläutern? Ich versuche, dass die Menschen durch meine Gedichte nachdenken, nachdenken über diese kontinuierlich von Flachkopftechnokraten und perversen Hochleistungsfetischisten der im Kreis herumjagenden Irrwitzgesellschaft. Lyrik wird für mich somit zur Chronik der in ihre elementaren Bestandteile zerfallenen Welt.
Ich bin mir trotz aller Zwänge und des idiotischen Drucks zu schade für den Sch(l)uss, für die totale Verweigerung, noch zu schade und (du) auch hoffentlich lange noch.
Ich sehe die Zukunft so zugemauert, wie die Landschaft hier zugemauert ist. Schau dir einmal die Wände an, sie sind nicht mehr kerkerfeucht, sie sind augenfreundlich. Aber eingesperrt und isoliert sind wir doch mehr denn je. Ich mache mir keine Illusionen über meine Zukunft. Die geistige Auslese sitzt wohl hauptsächlich in Untersuchungshaft oder in Irrenanstalten.
Sry, wenn meine Worte jetzt ein Aroma des Untergangs besitzen, aber mich – sit venia verbo – „kotzt“ diese Gesellschaft einfach nur an.
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Heute gilt es, sich für eine Zukunft zu retten, von der völlig ungewiss ist, ob sie nach dem unvermeidlichen Untergang überhaupt noch eintreten wird.

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