| Lucifer_Sam | Heute Nachmittag - ich glaube es war im WDR - kam ein Beitrag über ein Buch namens 'Die Vergessene Freiheit'. Darin geht es um die seit dem 11. September entbrannte Debatte um innere Sicherheit und die daraus resultierenden Gesetze. Laut dem Statement des Autors ist die westlichen Regierungen momentan im Begriff, das zu verlieren, was sie eigentlich vorgeben, zu verteidigen: Nämlich die Freiheit. Seit den Anschlägen auf das WTC wurden Gesetze, die z.B. das Überwachen von Kontobewegungen ohne richterlichen Beschluß - d.h. ohne begründeten Verdacht, usw. legalisieren, verabschiedet, die zwar auf den ersten Blick zum Schutz der Bürger dienen, letzendlich aber auch mächtige Instrumente darstellen, die das potential haben, Menschen zu kontrollieren oder sogar einen totalitären Staat, wie das DDR-Regime aufzubauen. Die Hysterie, die nach den Anschlägen in den USA herrschte zeigt wohl deutlich, daß den meißten Menschen der Blick für diese Gefahren fehlt. Sie glauben, die Freiheit zu verteidigen, legen aber gleichzeitig entscheidende Grundsteine in Richtung Gleichschaltung der Gesellschaft. Es ist schon paradox: Die Einführung neuer Raster, wie z.B. biometrische Merkmale, die in den Ausweisen der Besitzer gespeichert werden sollen, sollen Anschläge verhindern, schaffen aber stattdessen nur eine neue Verdächtigengruppe: Menschen mit gewissen Körperlichen Merkmalen. Der Vergleich mit der Nazi-Rassenlehre drängt sich mir da auf... Um es auf einen Punkt zu bringen: Ich mache mir sehr große Sorgen um unsere Freiheit. Es kann noch Jahre Dauern - vielleicht Jahrzehnte - aber wenn sich nichts ändert (und der 'Krieg gegen den Terror' wird uns mit Sicherheit noch lange verfolgen), ist der Weg in einen 1984-Staat vorgezeichnet. Daher mein Anliegen, da in diesem Forum kritische, vernünftige Exemplare der Spezies Mensch verkehren: wie schätzt ihr die Gefahr ein und was sollte man dagegen tun? |
| Taryk | Wie ich die Gefahr einschätze? Gewaltig hoch. Wenn man sich mal vorstellt, das selbst so ein Staat wie Deutschland, wo die Intimsphäre der Bürger als sehr wichtig eingestuft wird, aber wir es immer öfters damit zu tun, das Daten über uns gesammelt und gespeichert wird, ohne, das wir was dagegen unternehmen können. Wir können ja schon froh sein, wenn wir etwas darüber erfahren. Dein Vergleich mit der DDR ist also mal gar nicht so weit hergeholt. Was man dagegen tuen kann? Das ist, glaube ich, nicht so einfach. Man könnte den Weg durch die Instanzen wählen, soll heissen selber in die Politik gehen und da gegen arbeiten oder versuchen, einen richterlichen Beschluss zu fordern. Aber das würde sehr viel Zeit benötigen, und wer weiss, ob es nicht dann zu spät ist. Man könnte Protest Aktionen vom Zaun brechen, den Reichstag friedlich besetzen und so eine Entscheidung herbeiführen. Oder man versucht das ganze direkt vom volk aus zumachen, sprich überall im ganzen Land die Leute auf die Strassen bewegen, und nicht nur eine einmalige Aktion, sondern öfters. (Kurzer blick nach Italien, da geht das normale Volk auch auf die Strassen um gegen Berlusconi zu protestieren)! Es ist auf jeden Fall eine Angelegenheit, die man nicht einfach so unter den Tisch fallen lassen kann! |
| HooMair | So nach langem Mitlesen hier meld ich mich auch mal zu Wort Nun ja Freiheit steht immer irgendwo im Gegensatz zur Sicherheit...ein Staat kann z.B. für absolute Sicherheit garantieren, es ist ihm dann aber unmöglich, seinen Bürgern auch nur einen kleinen Fetzen Freiheit zu lassen. Oder er kann "absolute Freiheit" (wobei das auch Definitionssache ist) garantieren, und demzufolge aber nicht mehr für Sicherheit sorgen. Das ist eines unserer Grundprobleme, dass große Freiheit und große Sicherheit nicht koexistieren können. Man muss also irgendwo einen Mittelweg finden. Diese "Krieg gegen den Terror"-Angelegenheit ist aber garantiert keiner, da kommt schon deutlich rüber dass man hintenrum versucht, Kontrollmaßnahmen einzubauen, die weniger zur Verhinderung von Terroranschlägen dienen sondern eher der Überwachung - frei nach dem Motto: jeder ist ein potentieller Terrorist. Ich seh da auch ne große Gefahr drin...letztlich dürfen wieder alle dafür bluten dass einige wenige meinen, für ihren Glauben Menschen töten zu müssen. Und wenn die Machtinstrumente "Überwachung" und "ständige Kontrolle" erst einmal geschaffen sind, wird jemand kommen und sie für seine Zwecke nutzen - ob diese Zwecke dem Gemeinwohl dienen oder nur seinem Egoismus, ist natürlich nicht vorhersagbar, aber da der Mensch ziemlich zum Egoismus neigt ist wohl eher letzteres zu erwarten. Na ja und dann haben wir den Salat... Was dagegen unternehmen? Das geht glaube ich nicht so einfach...die Idee mit den landesweiten Protesten von Taryk ist an sich nicht schlecht, aber das wird auch erst funktionieren wenn der Druck zu groß ist - erst dann wird der Frust in der Bevölkerung groß genug um eine Änderung herbeizuführen. An sich müsste man irgendwie verhindern dass diese Kontrollmaßnahmen überhaupt erst eingerichtet werden können...und ein in meinen Augen wirksames Mitteldazu wäre richtige Aufklärung. Die ganzen Maßnahmen werden nicht ohne Grund unter dem Deckmäntelchen des "Kriegs gegen den Terror" durchgezogen: wären die Auswirkungen wirklich allgemein bekannt, könnte man den Bürgern die Überwachungsmaßnahmen nicht mehr ganz so leicht unterschieben. |
| SonneundSterne | Mr. Sam ;o) ... Du hast ja ein waches Auge ... doch das ist doch schon lange so ... D-land ist eines der modernsten Sklavereien ... die es überhaupt gibt ... Wir d i e n e n dazu das Bruttosozialprodukt zu erhöhen & dürfen malochen ohne Ende ... Geld ausgeben ... und zu konsumieren damit wir gleichzeitig im Kreislauf die Wirtschaft weiter ankurbeln ... eigentlich ... ist das SYSTEM was sich da ausgedacht wurde genial ! ... aber es ist aus den fugen geraten ... durch die GIER nach dem Mamon !!! .... Und um diesen Weg zu kontrollieren ... bzw. unter Kontrolle zu behalten ... dafür dienen solch politische Instrumente... wie diese ... die DU genannt hast... Gruss Sonne |
| lizard | [URL=http://free.pages.at/liz4rd/schmidt.htm]klick mich[/URL] |
| Lucifer_Sam | @ SonneundSterne: Also irgendwas hast du nicht begriffen. Das unser System nicht das beste ist, ist schon richtig, nur was seit dem 11.09 abgeht, ist etwas völlig anderes. Es geht vielmehr um die Freiheit, die es uns z.B. erlaubt, uns in diesem Forum zu betätigen. Habe ich dich richtig verstanden? Du behauptest, diese neuen Gesetze würden uns nützen; die Gellschaft wieder in die richtige Bahn lenken? Überleg doch mal! Das kann doch nicht sein. Der Staat mischt sich da doch nicht in den Wirtschaftkreislauf ein, sondern spioniert den Bürgern nach. Bist du auch fürs abhören von telefonen? Für biometrische Karteien? Du kannst nicht behaupten, das Geld hätte die Menschen verdorben. Die Menschen selbst sind daran schuld. Geld ist doch nur eine Art Speichermedium für erbrachte Leistung. Nur daß der Mensch dieses Mittel pervertiert hat. Wir leben leider nicht in einer perfekten Welt und in so einer konkreten Bedrohung der Freiheit, sollten wir lieber auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Starre nicht auf die Sterne, während du gleichzeitig auf einen Abgrund zugehst. |
| Menedemos | Was mich in dem Zusammenhang immer erschreckt: Letztlich bleibt das Argument für die Freiheit, wenn es denn überhaupt geäußert wird, immer das schwächere. Beobachtet einmal: Immer, wenn es um die Frage "Sicherheit oder Freiheit" geht, setzt sich die Sicherheit am Ende durch. Irgendwie ist das vielleicht auch eine Mentalitätsfrage. Aber ich z.B. werde nicht zurückschrecken, trotz allem Gegenwind, für die Freiheit einzutreten. Mehr kann ich nicht tun. Aber jeder Mensch kann in seinem kleinen Umfeld sagen wir mal 100 andere beeinflussen. Und wenn jeder freiheitsliebende Mensch 100 Bürger beeinflussen würde, wäre das schon eine ganze Menge. Natürlich könnte man auch in die Politik gehen, aber das ist ein sehr, sehr langer Weg. Man kann auch im kleinen Rahmen etwas tun. (Das ist ja auch der Grundgedanke des Wählens - nur eine einzige Stimme unter Millionen - aber so funktioniert die Demokratie.) |
| Lu Diamond | Das hört sich so an als könne man nichts tun.Leute im kleinen Rahmen "wach zu rütteln" ist gar nicht nötig.Die meisten wissen von allein was abgeht.Wahlen allein werden das Problem nicht lösen können. Gibts eine Partei,unter der anders gehandelt würde, nicht strenger sondern mehr im Sinne von weniger Überwachung? |
| Lucifer_Sam | Ich denke nicht, daß die meißten Menschen wirklich begriffen haben, was da abgeht. Bei Hitler z.B. war es viel deutlicher, aber auch da haben sie alle stillgehalten und die Augen verschlossen. Kein Wunder - warum sich in Gefahr begeben, wenn man einzig nur das tun muß, was die Obrigkeit von einem will, um in Ruhe gelassen zu werden. Da, finde ich, liegt das Problem. Solange es nicht an das persönliche Wohl des einzelnen geht, wird sich keiner aufraffen. Aber wenn es endlich soweit ist, wird es zu spät sein. Eigentlich können nur Menschen, die in Medien präsent sind, auf die Gefahr, in die wir uns begeben, aufmerksam machen. Aber wie viel kritische Denker gibt es schon, die im Rampenlicht stehen? Heutzutage sind doch gerade die braven, die Ja-Sager so im Trend... Ich habe so meine Zweifel, daß man auf kleiner, persönlicher Ebene allzuviel erreichen kann. Dafür ist die Masse zu träge. Man sollte es versuchen; das Thema zur Sprache bringen, aber man wird bei weitem nicht jeden erreichen können. Beispielsweise den typischen Bild-Zeitungsleser, der seine Meinung jeden Tag für 40 Cent am Kiosk kauft, wird man damit nie erreichen. Die meißten rennen sowieso nur großen Meinungsströmungen nach, weil das einfacher ist, als selber zu denken. |