| Silberspinne | Hej Ihr, mir kam ein ziemlich merkwürdiger Gedanke. Der Mensch lebt normalerweise nur in der Vergangenheit. Er bezieht sich auf sie, er schwelgt in ihr, er lernt aus ihr und vieles mehr. Was wäre, wenn sich der Mensch jedoch nicht an die Vergangenheit erinnern würde, sondern stattdessen an die Zukunft?! Ich meine, alle würden die Zukunft kennen, doch die Vergangenheit würde nichts weiter als dunkle Ahnung oder ein grosses Loch sein... Also, wie ist das, wenn man sich an die Zukunft erinnert? |
| jade | Hm, kommt drauf an, ob die Zukunft festgelegt ist, oder ob ich sie noch verändern kann. Wäre sie festgelegt, dann stelle ich mir das ziemlich beengend vor. Schließlich weiss ich genau, wie meine Zukunft ist, und schreite ihr unausweichlich entgegen, kann nichts daran ändern... Ich weiss, was ich für Fehler machen werde... und kann doch nichts dagegen tun. Wenn ich im Jahre 2005 irgendeinen Kerl heirate, von dem ich mich fünf Jahre später scheiden lasse, müsste ich da trotzdem durch, obwohl ich’s wohl lieber anders machen würde. Wäre die Zukunft aber veränderbar, wäre es besser. Dann würde ich immer, wenn ich etwas mache, direkt diese oder jene Folgen sehen, und könnte bestimmten Sachen aus dem Weg gehen und alles nahezu perfekt machen. Aber ein Leben ohne Vergangenheit wäre kaum möglich... ich könnte mich ja an nichts erinnern, nicht an meine Freunde, Familie, Schulzeit... Ohne alles, was ich je gelernt oder erlebt habe, wäre ich ja fast wie ein Säugling, der gerade erst geboren ist. |
| Big Azrael | Wenn man wirklich sein gesamtes Leben im Gedächnis hat und alles weiß, was man machen wird? Erschieß dich... Welchen Sinn hätte dein Leben denn dann? Und Lottospielen wäre auch überflüssig. Du kennst deinen Traumpartner auswendig, bevor du ihn siehst. Worüber willst du dich denn unterhalten? Das Wetter? "Kalt heute" "Ja, aber morgen wirds besser" Nee, Leben wäre irgendwie kaum möglich. Stellst du dir das denn so vor, daß jeder die Folgen seiner Entscheidungen auf lange Sicht erkennen kann? |
| jade | [QUOTE][i]Original geschrieben von Big Azrael [/i] [B]Stellst du dir das denn so vor, daß jeder die Folgen seiner Entscheidungen auf lange Sicht erkennen kann? [/B][/QUOTE] Natürlich, man weiss doch, was dann passiert. Ich persönlich will auch gar nicht wissen, wie meine Zukunft aussieht oder wann mein Todestag ist... Das wäre wirklich zu langweilig, hab nur mal so überlegt... Und vor allem, die ganzen Wahrsager wären arbeitslos. :D |
| Julya | und feuerwehrmänner und polizisten und sanitäter und ärzte (viele zumindest, denn einige krankheiten würden ja dennoch bleiben, auch wenn man sie vorausehen kann) ich fänd es sehr schlimm, wenn man sich nicht erinnern könnte. man hätte keine erinnerungen an schöne erlebnisse, wie urlaube, hochzeiten, erfolgserlebnisse, beziehungen... das wäre sehr traurig. und --ja, es würde dem leben einen großen teil seines sinnes nehmen. ist erinnerung also ein teil des lebenssinnes? |
| Big Azrael | Kennst du den Film "Lola rennt"? Da wird sehr gut verdeutlicht, welche Folgen jede kleine, banale Entscheidung mit sich bringt. Is schon eine Überlegung wert sich das Kneul von Verbindungen zu überlegen, welche die Menschen verbindet. Kann sein, daß ich morgen verschlafe, es dadurch zu einem tödlichen Unfall kommt, das Opfer ist der große Bruder deines Zeitungsjungen, welcher informiert wird, der bricht seinen Arbeitsablauf ab - und du kriegst keine Morgenzeitung. Also komm mir nicht mit " man weiß doch was passiert" :p . |
| BlackInfinity | Wenn man alles weiß, wie es passiert? Nun, dann wüsste man ja auch, dass man sich dann am nächsten Tag erschießen würde... dann hätte man ja das ganze andere zeugs nicht gewusst bzw. gesehen... Wieso sich also erschießen? Und wäre die Zukunft, die in einer Minute schon wieder vorbei ist, nicht schon wieder im dunkel verschwunden? Wüsste ich dann, was die Zukunft bringt, wenn die Erinnerung an das Geschehen in ihr in der Vergangenheit vergessen würde? Man hätte keine Persönlichkeit. Man wüsste nichts. Man hätte keine Identität. Aber interessanter Frage Silberspinne! |
| drachentöter | ähm sorry aber ich weiss nicht ob du das meinst: mann träumt etwas und ist der meinung es ist schon irgendwo geschehen ..aber dann irgendann passiert es dir selbst und du kannst dich nur sehr schwer daran erinnern aber du bist der Meinung du hast es schonmal erlebt und es ist dir dann auch irgendwan..später widerfahren................. |
| Silberspinne | so, also ich glaube das waren fast schon zu viele antworten. Moment also der reihe nach, ich fand die frage interessant, ob die erinnerung denn ein teil des lebens ist. Ich denke das schon, auf jeden fall. Wir leben quasi in ihr. Die Gegenwart ist in ein paar Augenblicken wieder vorbei. Selbst dieses Diskussion wäre nicht möglich, da wir ja direkt alles wieder vergessen würden. Überhaupt würden Gespräche unnütz weil jeder wüsste was dabei herauskommen würde. Allerdings, wenn es so wäre, dass wir die Zukunft erfüllen MÜSSTEN wären wohl beinah alle selbstmordkanidaten. MÜSSTEN wir es aber nicht, würden wir uns auf kurz oder lang nur noch anschweigen... Wir könnten ja gar keine Beziehungen aufbauen. @Drachentöter meinst du vielleicht ein dejá vu ? Dieses Gefühl hatte ich auch schon öfter. Aber ich weiss nie wo ich diese Situation schon einmal gesehen habe. Ich sage nur Fehler in der Matrix! :cool: |
| Sphaeria | Wenn man nur die Zukunft kennt, lebt man in ständiger Desorientierung. Man weiß zwar, was man macht und machen wird, aber man weiß nicht, was man gemacht hat. Man kann es erahnen, an den Dingen ersehen, die noch kommen. Ich stelle mir das trostlos vor. Du wirst dich nicht an Erfolgserlebnisse erinnern können, oder an einschneidende Erlebnisse. Es wird keine Erlebnisse geben, weil du sie schon kennst. Dein Leben wäre eine einzige Farce. Ohne den Reiz des Unbekannten. Und ohne die wundervollen und schrecklichen Gefühle, die aus Erinnerungen erwachsen. Gefühle werden ausgeschlossen, wenn es nichts mehr gibt, dass sie hervorrufen kann. Und wer will schon ohne Gefühle leben? Ich nicht. Denn dies ist oft das Einzige, das man noch hat. Gefühle sind es, die einen am Leben halten. |
| Selian | Das is wirklich ein ungewöhnlicher Gedanke. Ich denke hier wurden ja auch schon einige absurditäten aufgezählt die dann entstehen würden. Ohne Vergangenheit hätten wir alle Alzheimer... Aber du hast geschrieben, der Mensch lebe normalerweise in der Vergangenheit. Das sehe ich nicht so. Sicher gibt es Leute die mehr oder auch weniger an der Vergangenheit hängen. Aber wir alle Leben in der Gegenwart und in der sind auch zumeist die Gedanken. Es gibt natürlich täglich gedankliche Abschweifungen, sowohl in Richtung Vergangenheit als auch in die Zukunft. Aber ich denke mal die meiste Zeit lebt man im Jetzt, sonst wäre man auch relativ Handlungsunfähig. |
| Silberspinne | ich meinte das so: klar agierst du im jetzt und denkst auch nicht wirklich bewusst an die vergangenheit. aber alles, wie du agierst, was du tust, wie du reagierst ziehst du aus der vergangenheit. Aus Erfahrungen, welche auswertest und dann auf die neue Situation überträgst. Und wenn das mal nit passt, dann bist du im Begriff etwas neues zu lernen. Ausserdem müsste man mal definieren wie lange eigentlich die Gegenwart andauert ! :rolleyes: eine minute, zwei sekunden ? Wer kann das schon sagen? Wenn die Gegenwart nur eine Sekunde dauert, leben wir doch grösstenteils in der Vergangenheit. Mir ist noch was zum Thema Selbstmord eingefallen... Ich glaube viele würden davon abgeschreckt weil sie sich quasi an ihren mord erinnern könnten. Sie könnten ihn kaum planen, und selbst wenn es spontan wäre, sie wüssten es doch... |
| Selian | [QUOTE][i]Original geschrieben von Silberspinne [/i] [B]ich meinte das so: klar agierst du im jetzt und denkst auch nicht wirklich bewusst an die vergangenheit. aber alles, wie du agierst, was du tust, wie du reagierst ziehst du aus der vergangenheit. Aus Erfahrungen, welche auswertest und dann auf die neue Situation überträgst. Und wenn das mal nit passt, dann bist du im Begriff etwas neues zu lernen. Ausserdem müsste man mal definieren wie lange eigentlich die Gegenwart andauert ! :rolleyes: eine minute, zwei sekunden ? Wer kann das schon sagen? Wenn die Gegenwart nur eine Sekunde dauert, leben wir doch grösstenteils in der Vergangenheit. Mir ist noch was zum Thema Selbstmord eingefallen... Ich glaube viele würden davon abgeschreckt weil sie sich quasi an ihren mord erinnern könnten. Sie könnten ihn kaum planen, und selbst wenn es spontan wäre, sie wüssten es doch... [/B][/QUOTE] Naja so gesehen dauert die Gegenwart ja permanent an. Ich würde sagen, die Gegenwart begleitet uns immer, egal wo wir hingehen, wir können ihr nur in unseren Gedanken entrinnen. Aber dennoch ist sie immer bei uns. Selbst wenn jemand durch die Zeit reisen könnte, so wäre er doch für sich immer noch in der Gegenwart. Und Selbstmorde hätten sich ja in deinem Szenario ohnehin erledigt, da ja mangels Vergangenheit niemand mehr einen Grund hätte, sich zu töten. Oder wäre dann gerade das der Grund? :eek: |
| Forseti | in jeden Fall würde ich durchdrehen und verrückt werden. wenn die zukunft nicht veränderbar wäre wäre es doch schrecklich wenn du deine Fehler immer näher auf dich zukommen siehst egal wie stark du dich wehrst oder gerade weil du dich wehrst kommen sie immer näher . Das wäre doch der in Begriff der Unfreiheit,wenn dein leben vorher bestimmt ist und du nichts dagegen machen kannst.Wie schon gesagt wurde, man bräuchte es nicht zu leben und welche Freude hättest du am leben wenn du weißt das du der absolute versager wirst der alles falsch macht. wenn die Zukunft Veränderbar wäre ,wäre es noch schlimmer da sich ständig deiner Erinnerungen verändern würden .Jeder könnte die Erinnerung des Andere ändern. Einfach durch Änderung seiner persönlichen Entscheidungen(ihr wüßtet in eine moment von meinen jetzt geschriebene Beitrag und im anderen moment wäre die erinnerung weg weil ich mich umentschieden hab) und wer sagt mir das meine ürsprüngliche entscheidung ,zb diesen Beitrag zu schreiben, nicht für ein viel weiter entferntes Ereignis wichtig ist ,weil dann verschwinden aus meine gedächtnis ja eure antworten die ihr mir auf meine Beitrag geben würdet,die ich wiederum als grundlage für andere entscheidung nehmen könnte Beide versionen wären schrecklich bei der ersten weil du keine Freiheit hast und bei der zweiten würdest du durch die Fülle der Möglichkeiten und der fehlenden Beständigkeit verrückt werden. Ich bin froh das ich nicht weiß wie meine zukunft aussieht und welche Zukunftversion es gibt ,ob nun zukunft ohne Änderungsmöglichkeit oder zukunft der Unbeständigkeit. mach aber irgenwie spaß darüber nachzudenken |
| Silberspinne | Nicht wahr ?! Mir macht das auch Spass. :D Ich bin aber auch froh, dass ich die Vergangenheit kenne und meine Zukunft lenken kann. Zumindest bis zu einem gewissen Grad. Ich glaube irgendwann würde ohne Vergangenheit eine Art Anarchie ausbrechen... Stellt euch vor ihr würdet auf Wesen treffen (nicht unbedingt ausserirdische), die in solch einem Zeitkontinuum leben würden... Sie würden uns wohl nie verstehen können und wir sie nicht... P.S.: An alle Trekkies: War das nicht bei den Propheten von DS9 so? Ich weiss es nit mehr ganz genau. |
| Furunkel | salut Entropie.... Das Anwachsen der Unordnung oder Entropie mit der Zeit ist ein Beispiel für das, was wir Zeitpfeil nennen, für etwas, das die Vergangenheit von der Zukunft unterscheidet, indem es der Zeit eine Richtung gibt. Es gibt mindestens drei verschiedene Zeitpfeile: den thermodynamischen Zeitpfeil, die Richtung der Zeit, in der die Unordnung oder Entropie zunimmt; den psychologischen Zeitpfeil, die Richtung, in der unserem Gefühl nach die Zeit fortschreitet, die Richtung, in der wir die Vergangenheit, aber nicht die Zukunft erinnern; und den kosmologischen Zeitpfeil, die Richtung der Zeit, in der sich das Universum ausdehnt und nicht zusammenzieht. Also wenn es so waere, wuerden wir in einem Kontraktierenden Universum leben. Es waere aber demnach fraglich, ob wir die Kontraktionsphase ueberleben wuerden. Da die Menschen in der Kontraktionsphase rückwärts leben wuerden: sie wuerden sterben, bevor sie geboren waeren, und mit der Kontraktion des Universums jünger werden. Wuerden wir es ueberleben, dann koennte man beobachten wie scherben einer tasse auf dem Fussboden sich zusammenfuegen und auf den Tisch springen? Wir wuerden uns an die Kurse von morgen erinnern, und ein vermoegen an der boerse verdienen? Angenommen das Universum solle in einem Zustand grosser Ordnung enden, doch es sei gleichgueltig, in welchem es beginne. Dann wuerde sich das Universum anfangs wahrscheinlich in einem ungeordneten Zustand befinden. Folglich wuerde die Unordnung mit der Zeit abnehmen. Zersplitterte Tassen wuerden sich zusammenfuegen und auf den Tisch springen. Alle Menschen, die solche Tassen beobachteten, wuerden in einem Universum leben, in dem die Unordnung mit der Zeit abnaehme. Ich behaupte, solche Geschoepfe wuerden einen rueckwaerts gerichteten psychologischen Zeitpfeil haben. Das heisst, sie wuerden sich an Ereignisse in der Zukunft erinnern, nicht an Ereignisse in ihrer Vergangenheit. Wenn die Tasse zersprungen waere, wuerden sie sich nicht daran erinnern, wie sie auf dem Tisch gestanden hat, waehrend sie, wenn sie auf dem Tisch stuende, sich daran erinnerten, daß sie auf dem Boden laege. |