| Menedemos | Ich habe heute bei Luciano de Creszenzo einen wunderschönen Text gelesen und möchte ihn hier reinschreiben. Vielleicht entwickelt sich ja sogar ein Gespräch oder eine Diskussion, wie sich das verhält mit den "Frage-" und den "Ausrufezeichen"... [quote] Dann zeigte er auf ein Plastiksesselchen und sagte zu mir: [i]"Ingegnere[/i], setzen sie sich und hören sie mir aufmerksam zu: es gibt auf der Welt Fragezeichen und Ausrufezeichen, die Soldaten des Zweifels und jene der absoluten Gewißheit. Wenn sie einem Fragezeichen begegnen, haben sie nichts zu befürchten: es ist mit Sicherheit ein anständiger Mensch, ein Demokrat, jemand mit dem sie diskutieren und verschiedener Meinung sein können. Die Ausrufezeichen dagegen sind gefährlich. Das sind Menschen mit festem Glauben, Leute, die früher oder später unwiderrufliche Entscheidungen treffen. Merken Sie sich gut, was ich Ihnen jetzt sage: Glaube ist Gewalt, jede Art von Glaube, religiöser, politischer, sogar der von Sportlern. Bei jedem Krieg gibt es immer einen Menschen mit festem Glauben, der den ersten Schuß abgibt, und wenn er tötet, tut er es immer im Namen der Liebe. Mein Vater hat mich gelehrt, daß der Zweifel der Vater der Toleranz und der Neugier ist. Die jungen Leute sind neugierig, aber sie sind nicht fähig, tolerant zu sein, die Alten sind tolerant, aber sie sind nicht mehr neugierig, große Menschen dagegen sind fähig, sowohl neugierig, als auch tolerant zu sein. Wer aber einen Glauben hat, meint alles schon von vornherein zu wissen, er kennt keine Zweifel, er wundert sich über nichts, und wie Aristoteles sagt: Das Wundern ist der Anfang des Forschens."[/quote] Der Text soll von mir übrigens weder ein bestimmtes politisches noch ein religiöses Statement sein, sondern soll sich selbst genügen. Allenfalls eine Reflexion über die richtige Haltung zu Religion und Politik und vielem anderem im Leben... |
| jade | Ausrufezeichen mögen gefährlich sein, aber hat man denn überhaupt eine Möglichkeit, kein Ausrufezeichen zu werden? Es heißt, man muss einen festen Glauben haben, wissen wovon man spricht und seine eigene Meinung auch so vertreten. Wenn man als Fragezeichen herumläuft, heißt es, man habe keine Meinung, wolle sich nicht festlegen, und frage womöglich erst mal ab, was die anderen denn so denken (ist ja auch so)... um sich dann vielleicht anzuschließen. Ich hab das Gefühl, dass es zu einer starken Persönlichkeit gehört, ein Ausrufezeichen zu sein. Fragezeichen werden nicht gern gesehen, weil sie irgendwie unsicher wirken. Man muss wohl ein Mittelding schaffen, zwischen der Offenheit für Neues und trotzdem so etwas wie eine Meinung zu präsentieren. Eine eigene Meinung braucht man ja schließlich, oder? Aber, sobald man sich für einen bestimmten Standpunkt entschieden hat, ist man doch schon wieder festgelegt. Man kann seine Meinung natürlich immer wieder ändern... Aber das scheint erst recht ein Zeichen von Unentschlossenheit. Hm, also was ich sagen will, ein Ausrufezeichen ist eben lieber gesehen, wird es wohl weiter bringen, weil es eben einfach überzeugender ist, egal ob in seiner falschen oder richtigen Ansicht, weil es eben eine feste Ansicht [I]hat[/I], während das Fragezeichen sich wohl nie dazu durchringen kann, etwas als entgültigen Standpunkt zu akzeptieren. Deshalb wird es das Ausrufezeichen schaffen, immer den Ton anzugeben, während das Fragezeichen wohl kaum viel entgegensetzt, ausser Zweifel, ob der Weg, den das Ausrufezeicehn vorgibt, nun richtig ist. Ich hoffe, das war jetzt einigermaßen verständlich. *g* |
| Selian | Es erscheint mir etwas einfach gestrickt, die Leute in Ausrufezeichen und Fragezeichen einzuteilen. In jedem Menschen steckt ja beides (und noch mehr). Somit wäre ein Mensch in einer Situation ein Fragezeichen und in einer anderen ein Ausrufezeichen. Nun unterstellen wir dem guten Mann einmal, der Einfacherheit halber, das er es Situationsbedingt gemeint hat. Ein Mensch kann noch so sehr von etwas überzeugt sein, es ist niemals unmöglich ihn davon abzubringen, bzw das er seine Meinung zu einem späteren Zeitpunkt ändert. Im umgekehrten Fall ist es auch möglich einem "Fragezeichen" eine Überzeugung nahe zu bringen, die ihn dann zum "Ausrufezeichen" werden läßt. Man könnte das ganze sogar ins genaue Gegenteil umwandeln. Die Ausrufezeichen sind standfeste Menschen mit eigener Meinung. Die Fragezeichen sind umherirrende Menschen die geradezu danach betteln von einem Ausrufezeichen "an die Leine" genommen zu werden. Und was würde aus dem Fragezeichen werden wenn sich kein Ausrufezeichen findet? Prinzipiell sind mir Ausrufezeichen lieber. Dann weiß man wenigstens wo man dran ist und sie haben eine Meinung, wie @jade schon sagte, ob die dann richtig oder falsch ist, ist dann zweitrangig. Aber mit jemandem Diskutieren der keine eigene Meinung hat, macht nicht wirklich Spaß. Und was kommt dabei herraus wenn sich 2 Fragezeichen unterhalten? Ne, ich halte nicht wirklich etwas von dieser Klassifikation. |
| jade | Also mir sind Fragezeichen lieber. Es ist ja gerade das gute, dass sie keine ,unantastbare’ Meinung haben, sondern wie in dem Text oben immer bereit sind, neue Meinungen kennen zu lernen. Nur das ist leider das Problem, es scheint eben, als hätten sie keine Meinung. Weil sie eben nicht so beharrlich auf ihren ultimativen, festen Glauben bestehen und durchaus mal die Ansichten wechseln. Dabei ist, wie der Text sagt, ja gerade die ,standhafte’ eigene Meinung das gefährliche. [QUOTE][i]Original geschrieben von Selian [/i] [B]Und was kommt dabei herraus wenn sich 2 Fragezeichen unterhalten?[/B][/QUOTE] Bestimmt mehr, als wenn sich zwei Ausrufezeichen unterhalten. Dann kommt nämlich gar nix raus, weil jeder auf seiner Meinung beharrt, es gibt höchstens Krieg ums Recht... |
| Selian | [QUOTE][i]Original geschrieben von jade [/i] [B] Bestimmt mehr, als wenn sich zwei Ausrufezeichen unterhalten. Dann kommt nämlich gar nix raus, weil jeder auf seiner Meinung beharrt, es gibt höchstens Krieg ums Recht... [/B][/QUOTE] Aber wie kommst du darauf? Wie könnte bei zwei Fragezeichen etwas herraus kommen, die wären ja noch nicht einmal sicher über was sie sich unterhalten sollten. Eine Unterhaltung zwischen zwei Fragezeichen würde defacto nicht funktionieren. Eine Unterhaltung zwischen zwei Ausrufezeichen würde funktionieren aber es käme nix raus, da hast du recht. Das bestärkt mich darin das ich von dieser Einteilung nix halte. Das reale Leben sieht halt so aus das jeder Überzeugungen hat, diese sich aber dennoch aus verschiedenen Gründen verändern können. |
| jade | Ich habe bei ,Fragezeichen' so eine Art Philosoph im Kopf... der sich eben nie mit einer Antwort zufrieden gibt. Ich denke, wenn sich also zwei Philosophen unterhalten, wird bei der Unterhaltung sehr viel herauskommen, beide werden sich sehr gut ergänzen und auf neue Ideen bringen... und auch am Ende der Unterhaltung wird das Ergebnis, was jeder für sich gefunden hat, nur vorläufig sein. Und jeder wird weiter als ,Fragezeichen’ umherziehen und nach anderen suchen, die ihn noch ein Stückchen weiterbringen. Und ich denke eben, dass Ausrufezeichen das nicht machen, weil sie ihre Meinung längst gefunden haben. |
| jade | Nachtrag: Och, ich finde die Einteilung ganz gut, auch wenn es wirklich sehr vereinfacht ist. |
| Selian | Das mit den Fragezeichen und dem Philosophen klingt plausibel, aber ein Ergebnis wird es dabei nie geben. Das ist der Haken. Irgendwann kommt immer ein Punkt an dem man Stellung beziehen muß/sollte. Ansonsten ist man wie ein Fähnchen im Wind. Abgesehen davon bin ich mir nicht sicher ob es ausgerechnet Philosophen geben die keine standhafte Meinung vertreten. Naja wie gesagt irgendwie ist das schon etwas festgefahren. Ich denke jeder ist sich bewußt darüber das man zwar immer offen sein sollte für neue ideen, man aber auch in anderen Fällen klar Stellung beziehen sollte. Z.b Gegen den Krieg usw. |
| Menedemos | Also was mich betrifft, ich habe Ausrufezeichen noch niemals ernst genommen. Ich habe sie weder bewundert für ihre "feste" Meinung, sondern nur belächelt - wenn sie harmlos erschienen - oder in schlimmeren Fällen auch hart angegangen. Das Schlimme ist in der Tat, daß es Ausrufezeichen oft weiter bringen, aber nur, weil die Mehrheit der Leute auf diesen wirklich billigen Trick hereinfällt, daß sie glaubt, daß Menschen, die nur mit einem besonderen Brustton der Überzeugung auftreten, schon auch recht haben müßten. In Wirklichkeit ist das ein ausgesprochen primitives Ritual. Denn in der Steinzeit (und nicht nur in der) war derjenige, der am lautesten, am selbstbewußtesten tönte, stets derjenige, der auch die größte Macht hatte. Und da ging es gar nicht darum, ob er Recht hatte, sondern ob er seine Meinung auch durchsetzen konnte. Das ist alles. Und daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Denn ich weiß, daß keiner im Besitz der endgültigen Wahrheit ist. Nicht zuletzt deswegen, weil ich selbst schon öfter geglaubt habe, ich könnte mir völlig sicher sein und wurde dann dennoch vom Gegenteil überzeugt (oder habe mich selbst vom Gegenteil überzeugt). Im Gegensatz zu vielen Menschen betrachte ich also denjenigen, der von seiner Meinung völlig überzeugt zu sein scheint, nicht als besonders glaubwürdig. Er erscheint mir unseriös. Dem Zweifler dagegen leihe ich gerne und interessiert mein Ohr. Oft wird dieses Zweifeln aber auch mit Entscheidungsschwäche verwechselt. Das ist natürlich in jedem Fall von Übel. Auch wenn man sich nicht 100% sicher ist, muß man oft Entscheidungen treffen. Das ist auch völlig legitim, und man muß sich nicht einmal schämen, wenn sich die Entscheidung später als falsch herausstellen sollte, weil man ja zum Zeitpunkt der Entscheidung nach bestem Wissen und Gewissen entschieden hat. Und nun ja, mit dem Krieg, das ist ein gutes, aktuelles Beispiel. Ich habe mich gegen den Krieg ausgesprochen, ich habe sozusagen eine Entscheidung getroffen. TRotzdem bleibe ich mir bewußt, daß ich mir nicht hundertprozentig sicher sein kann, daß meine Meinung richtig ist. Aber eine Meinung habe ich! Aber keine Überzeugung. Und es wäre mir ehrlich gesagt auch ziemlich peinlich, wenn ich plötzlich anfangen würde vorzutäuschen, als wüßte ich irgendwelche Dinge GANZ sicher. Ich bin mir durchaus bewußt, daß ich mit einer solchen Haltung viele Menschen mit beeindrucken könnte, die sich davon täuschen ließen. Aber auf die kommt es mir nicht an. Ich will jene überzeugen, die ebenfalls auf der Suche sind, auf der Suche nach Wahrheit. Nach Wahrheit und nicht nach [i]der[/i] Wahrheit. Die wissen, daß sie die endgültige Wahrheit noch nicht gefunden haben. Und dies auch nicht von sich behaupten. Sie sind der Wahrheit zumindest näher als alle anderen. Und es wäre für die Menschheit gut, wenn sich diese Erkenntnis allgemein verbreiten würde. Und somit erkläre ich hiermit ganz ausdrücklich: Ich, M., bin mir in nichts, was ich vertrete und über was ich jemals rede, absolut sicher! Wer will, darf mich deshalb also für dumm halten. Das macht mir nichts aus. |
| bloodymina | hm, ausrufezeichen und fragezeichen, meine frage dabei ist, ob es solche ausrufezeichen überhaupt gibt, die bei allem eine feste meinung haben und nicht von ihr abzubringen sind, gut wäre das meiner meinung nach nicht. aber ich muss jade schon recht geben, ich glaube fragezeichen wirken oft so, als hätten sie keine meinung, dabei muss das ja zwangsläufig nicht so sein, sie haben eine, haben bloss ständig, wie auch schon erwähnt wurde, den zweifel im hintergrund. ich denke auch, dass ein gespräch zwichen zwei fragezeichen wesentlich effektiver und interessanter wäre als zwischen zwei ausrufezeichen mit verhärteten fronten (wobei ich mir immer noch nicht vorstellen kann, dass es diese strikten ausrufezeichen überhaubt gibt, vielleicht nur scheinbar...). schliesslich fangen meiner erfahrung nach die interessantesten gespräche mit fragen an...es wäre ein gegenseitiges zweifeln und fragen, was doch interessant wäre. aber zweifeln ist nicht einfach.....wenn man an allem zweifelt kann das sehr zermürbend sein, ständig auf der suche, mit dem wissen, dieses gesuchte wohl nie zu finden. mina |
| jade | [QUOTE][i]Original geschrieben von Menedemos [/i] [B] Aber eine Meinung habe ich! Aber keine Überzeugung. [/B][/QUOTE] Stimmt, das ist wohl ein wichtiger Unterschied. [QUOTE]meine frage dabei ist, ob es solche ausrufezeichen überhaupt gibt, die bei allem eine feste meinung haben und nicht von ihr abzubringen sind, gut wäre das meiner meinung nach nicht.[/QUOTE] @bloodymina - Ich glaube, je ,wichtiger’ diese Ausrufezeichen sind, je weniger dürfen sie wanken und je weniger werden sie das tun. So wie G. Bush, er darf niemals Zweifel zulassen, niemals erkennen lassen, dass er vielleicht doch falsch lag. |
| Selian | [QUOTE][i]Original geschrieben von Menedemos [/i] [B]Also was mich betrifft, ich habe Ausrufezeichen noch niemals ernst genommen. Ich habe sie weder bewundert für ihre "feste" Meinung, sondern nur belächelt - wenn sie harmlos erschienen - oder in schlimmeren Fällen auch hart angegangen. [/B][/QUOTE] Wenn du sie niemals ernst nimmst, setzt du ja eigentlich erstmal selber ein Ausrufezeichen hinter die Ausrufezeichen. Es sollte ja gar nicht darum gehen, weder Ausrufezeichen noch Fragezeichen zu bewundern. [QUOTE][B] Das Schlimme ist in der Tat, daß es Ausrufezeichen oft weiter bringen, aber nur, weil die Mehrheit der Leute auf diesen wirklich billigen Trick hereinfällt, daß sie glaubt, daß Menschen, die nur mit einem besonderen Brustton der Überzeugung auftreten, schon auch recht haben müßten. In Wirklichkeit ist das ein ausgesprochen primitives Ritual. Denn in der Steinzeit (und nicht nur in der) war derjenige, der am lautesten, am selbstbewußtesten tönte, stets derjenige, der auch die größte Macht hatte. Und da ging es gar nicht darum, ob er Recht hatte, sondern ob er seine Meinung auch durchsetzen konnte. Das ist alles. Und daran hat sich bis heute nicht viel geändert.[/B][/QUOTE] Eigentlich ist das ganze ja nur ein Definitionsproblem, jeder definiert "Ausrufe- bzw. Fragezeichen" ja anders, aber aus deinem geschriebenen entnehme ich das du "Ausrufezeichen" grundsätzlich als Negativ bewertest oder definiert hast. Ich bezweifel aber genau wie @bloodymina das es solch einseitige Menschen und engstirnige Menschen gibt. Ich habe bis zum heutigen Tag noch keinen Menschen kennengelernt der von allem dermaßen überzeugt war das es unmöglich war ihn mit einer anderen Sichtweise zu überzeugen. Alles was du in diesem Abschnitt beschrieben hast, hat mit Überzeugung nichts zu tun. Macht aufgrund von Stärke ist keine Überzeugung, aber dazu später mehr... [QUOTE][B] Denn ich weiß, daß keiner im Besitz der endgültigen Wahrheit ist. Nicht zuletzt deswegen, weil ich selbst schon öfter geglaubt habe, ich könnte mir völlig sicher sein und wurde dann dennoch vom Gegenteil überzeugt (oder habe mich selbst vom Gegenteil überzeugt).[/B][/QUOTE] Da hast du recht, niemand besitzt die endgültige Wahrheit, die es ja meistens nicht gibt. Aber das behauptet niemand der von etwas überzeugt ist. Man sollte sich darüber bewußt sein, daß jeder Mensch der wirklich von etwas überzeugt ist, aus bestimmten Gründen zu seiner Überzeugung gekommen ist. Diese Gründe können richtig oder falsch sein, aber sie sind nie unumstößlich. Und wenn man diesem Menschen seine Gründe plausibel umstößt wird er seine Überzeugung entsprechend Überdenken. [B]Denn Überzeugung ist immer ehrlich[/B] und beruht auf bestem Wissen und Gewissen. Das sollte man nicht verwechseln mit einem Rechthaber, der auf seiner Meinung besteht auch wenn er innerlich schon längst weiß das seine Meinung nicht wirklich korrekt ist. Das hat dann mit Überzeugung nichts zu tun. [QUOTE][B] Im Gegensatz zu vielen Menschen betrachte ich also denjenigen, der von seiner Meinung völlig überzeugt zu sein scheint, nicht als besonders glaubwürdig. Er erscheint mir unseriös. Dem Zweifler dagegen leihe ich gerne und interessiert mein Ohr. [/QUOTE][/B] Wie gesagt, Überzeugung setzt immer eine innere Ehrlichkeit vorraus insofern sehe ich gerade sie als seriös an. Ob die Überzeugung dann objektiv gut oder schlecht ist, ist wieder eine andere frage. Übrigens gehe ich aufgrund meiner Definition äußerst Vorsichtig mit dem Begriff Überzeugung um. Und ich glaube das Menschen nur sehr selten aus innerer Überzeugung handeln. [QUOTE][B] Und nun ja, mit dem Krieg, das ist ein gutes, aktuelles Beispiel. Ich habe mich gegen den Krieg ausgesprochen, ich habe sozusagen eine Entscheidung getroffen. Trotzdem bleibe ich mir bewußt, daß ich mir nicht hundertprozentig sicher sein kann, daß meine Meinung richtig ist. Aber eine Meinung habe ich! Aber keine Überzeugung.[/B][/QUOTE] Tja da haben wir wohl einfach eine andere Sicht. Ich bin aus voller Überzeugung gegen diesen Krieg. Und diese Überzeugung ist entstanden aus dem Bild, das ich mir zu der Kriegssituation gemacht habe. Das Bild wiederum setzt sich zusammen aus allen Informationen die ich zum Thema erhalten habe und die ich für wahr erachte. Wohlwissend das Informationen falsch sein können. Und auch bereit im Falle von neuen Informationen, die ja dann wieder ein neues Bild ergeben, meine Meinung und im extremen Fall sogar meine Überzeugung zu ändern. [QUOTE][B] Aber auf die kommt es mir nicht an. Ich will jene überzeugen, die ebenfalls auf der Suche sind, auf der Suche nach Wahrheit. Nach Wahrheit und nicht nach [i]der[/i] Wahrheit. Die wissen, daß sie die endgültige Wahrheit noch nicht gefunden haben. Und dies auch nicht von sich behaupten. Sie sind der Wahrheit zumindest näher als alle anderen. Und es wäre für die Menschheit gut, wenn sich diese Erkenntnis allgemein verbreiten würde. [/B][/QUOTE] Sie wissen das sie die endgültige Wahrheit noch nicht gefunden haben, aber beanspruchen für sich näher dran zu sein. Sorry das ist für mich ein wiederspruch. Und der letzte Satz hat doch irgendwie etwas von einem Ausrufezeichen. "Leute wir wissen nicht ob unser Handeln oder unsere Wahrheit das richtige ist, aber es wäre auf jeden Fall gut, wenn alle so wären wie wir." Das halte ich für viel gefährlicher, im Endeffekt versucht man hier noch Leute für etwas zu gewinnen, von dem man selber noch nicht einmal Überzeugt ist. Auch wenn es in diesem Fall das gewinnen zur Nichtüberzeugung ist. Tatsache ist, daß nur Menschen die aus voller Überzeugung handeln etwas wirklich verändern können. Denn Überzeugung ist es, die uns dazu antreibt Dinge zu tun, die vielleicht unmöglich erscheinen. Menschen sterben aus Überzeugung, sie stehen für etwas ein und immer meinen Sie es ehrlich. Wie schonmal gesagt, diese Überzeugung kann gut oder schlecht richtig oder falsch sein. Das ist ein anderes Thema, aber davor sind auch Fragezeichen nicht gefeit. Auch sie treffen gute oder schlecht, richtige oder falsche Entscheidungen, allerdings immer ohne Überzeugung. Es ist Überzeugung die Menschen dazu antreibt anderen Menschen zu helfen, auch wenn es für sie selber Nachteile mit sich bringt. [QUOTE][B] Und somit erkläre ich hiermit ganz ausdrücklich: Ich, M., bin mir in nichts, was ich vertrete und über was ich jemals rede, absolut sicher! Wer will, darf mich deshalb also für dumm halten. Das macht mir nichts aus. [/B][/QUOTE] Nein für dumm wird dich wohl deswegen niemand halten. Aber wenn ein Mensch keine Überzeugung hat finde ich das ziemlich traurig. Und so richtig glauben kann ich es dir ehrlich gesagt nicht. Wenn man nun wieder das aktuelle Beispiel mit dem Krieg nimmt. So bezweifle ich das G. Bush diesen Krieg aus wirklicher Überzeugung führt. Das würde bedeuten das er aufgrund aller Informationen die er hat, zu dem Entschluß gekommen wäre das ein Krieg absolut Notwendig ist. Eine solche Überzeugung bekommt man aber nicht durch das Streben nach Öl oder Macht. In diesem Fall wissen die Leute ganz genau das sie unrecht tun, es ist ihnen nur egal. Das hat auch wieder nichts mit Überzeugung zu tun. Da das ganze doch etwas länger geworden ist, möchte ich nochmal ganz kurz fassen, was mir wirklich wichtig erscheint. Überzeugung ist immer Ehrlich. Sie hat nichts zu tun mit Rechthaberei und sie beruht nicht auf Stärke, Geld oder Macht. Sie ist niemals unumstößlich. Sie ist [b]äußerst[/B] selten. |
| Mephistangelo | Erst einmal zurück zum Anfang. Wenn man der Meinung ist, daß Fragezeichen die besseren Menschen sind, sollte man nicht gerade Aristoteles zu Wort kommen lassen. Denn das, was er erforscht hat, hat er vorrangig mit Ausrufezeichen untermalt. Für eines dieser Ausrufezeichen sind dann auch viele Fragezeichen in den Feuertot gegangen: das ptolemäische Weltbild, was auf den Lehren von Aristoteles aufbaut (Scheibe, 7 Schalen usw.). Hieran schließt sich nahtlos an, daß Philosophen nicht nur Fragezeichen sind. Gerade in Oligarchien hat es unter ihnen viele Opportunisten gegeben,... ...was mich zu einem anderen Punkt führt: Gibt es wirklich nur Frage-, Ausrufezeichen und die Mischung aus beidem? Ich glaube nämlich nicht, daß jemand, der keine Meinung hat, fähig ist, Fragen zu stellen. Denn der Sinn einer Frage ist es, Antworten zu finden, um eine Meinung bestätigt zu sehen, sie zu hinterfragen oder sich eine völlig neue Meinung zu bilden. Jemand, der keine Meinung hat und sich deshalb von einem Ausrufezeichen eine Meinung zitieren läßt, ist ein oben schon erwähnter Opportunist. Welches Satzzeichen ihm entspricht, lasse ich offen. |
| Demon17 | @menedemos, deine rigorose ablehnung der ausrufezeichen halte ich für sehr gefährlich. denn ohne feste überzeugung lassen sich demokratien z.B. gegen diktaturen nicht verteidigen. wie wir alle wissen liegt die macht bei den gewehren und politik und recht dienen der zivilisierung dieser gewalt denn alle macht beruht im endeffekt auf physischer gewalt. wie aber willst du werte wie freiheit, menschenrechte oder auch materiellen wohlstand verteidigen ohne ausrufezeichen. natürlich muß man bereit sein tausende zu töten wenn sie die eigene freiheit bedrohen sonst endet man wie die geschichte beweist in der sklaverei. ob das nun zu bedauern ist oder nicht möchte ich mal dahingestellt lassen. tatsache ist jedenfalls das das recht auf unversehrtheit des lebens notfalls auch mit der waffe verteidigt werden muss! paradox nicht wahr? während die ganzen toleranten fragezeichen noch fragen ob eine aggressive diktatur nicht etwa doch recht haben könnte haben dann ein paar hirnamputierte ausrufezeichen die fragezeichen schon einkassiert. das geht doch nicht. wer alles toleriert z.B. auch die intoleranz macht sich an den opfern der intoleranz genauso schuldig wie die intoleranten selbst. ich denke das es gegen feste überzeugungen nichts einzuwenden gibt man muss sich nur darüber im klaren sein das auch andere mal rechthaben können, jeder mal irrt und deshalb übertriebener fanatismus schädlich ist. aber ich glaube nicht das sich dieses problem auf die einfache unterscheidung zwischen ? und ! reduzieren lässt. think twice its magic demon17 |
| Menedemos | Ich sage ja gar nicht, daß man keinen festen Standpunkt beziehen soll. Das ist manchmal sogar notwendig. Aber man sollte sich immer bewußt bleiben, daß man sich irren kann und daß man noch dazulernen kann. Und daß man nicht auf einer Überzeugung beharrt nur um des Beharrens willen! |
| Demon17 | @Menesdemos, und schon wieder kein Grund zum Disput, schade!;) never surrender demon17 |