| Schwarzbär | Ich finde, daß der Zeitgeist, sofern ich ihn einfangen kann, nach stetiger Veränderung strebt. Stillstand ist der Tod, unerschütterlicher Glaube an die Naturwissenschaften.... Ständig streben wir nach Neuem. Zunächst assoziieren wir mit dem Neuem nur gutes, da häufig seine Schatten noch nicht erkennbar sind. Ein kurzes Beispiel: Als Radioaktivität entdeckt wurde, ging man von einer unerschöpflichen Energiequelle aus, sauber und gut. Nun sind wir etwas aufgeklärter: Zwar ist die Bedrohung durch Nuklearwaffen nicht mehr ganz so konkret aber doch bekannt. Wir fürchten uns vor der Strahlung, die erst wesentlich später entdeckt wurde. Sollten die Stürmer und Dränger in den neuen Bereichen der Wissenschaften nicht ein wenig an die Kette gelegt werden? Wäre eine konservativere Haltung gegenüber den Neuheiten der Wissenschaften nicht angebracht? Sollten wir nicht erst mal warten, bis sich die Schatten des Neuen abzeichnen bevor wir uns darauf stürzen? |
| Demon17 | @Schwarzbär, wie du am beispiel der gentechnik sehen kannst ist dies in deutschland bereits der fall. persönlich halte ich es nicht unbedingt für unklug aus deb fehlern anderer zu lernen, obwohl auch hierzulande das kind oft mit dem bade ausgeschüttet wird. soll heißen überreagiert wird und zu vieles verboten bzw. überreguliert wird. think twice its magic demon17 |
| draconia | nein. wenn erst mal etwas entdeckt wurde wird es auch benutzt werden (siehe abwurf der ersten atombombe. nachdem sie ja dann nicht mehr auf deutschland fliegen konnte wurde eben eien anderer gesucht...) genauso würde es mit z.B. der grntechnik auch kommen. dann lieber erforschen was möglich ist, etc, bevor man später aspekte feststellt, die man nicht erwartet hat. außerdem ist es doch von vorteil in gewissen bereichen gentechnik einzusetzen. solch ein wissen kann man nicht an ketten legen. auch wenn die regierungen experimente am menschen verboten haben. vereinzelt sollen sie a schon stattgefunden haben. -und das ist das was rauskam... der mensch ist nun mal kurzsichtig. kamma mache nix... |
| Schwarzbär | @Deamon17: Findest Du den umgang mit Gentechnik in deutschland wirklich vernünftig? Viele Endprodukte sind schon genetisch manipuliert. Wir sind also die Controll- und die Versuchsgruppe in einem. Erst neulich (naja schon ein bizchen her aber) titelte der Spiegel, der Gencode des menschen sei entschlüsselt. Tatsächlich kann man mittlerweile jedem Genom irgendeine Funktion im Aufbau der Zellen zuordnen. Übrigens nichts neues die Entdeckung von dominanten und rezessiven Merkmalen mit Wahrscheinlichkeit was rauskommt wurde schon im Mittelalter entdeckt und zur Zucht eingesetzt. Zumindest wurde es da das erste Mal niedergeschrieben und mit Versuchen untermauert. (Biounterricht mit den Erbsen) Tatsächlich ist es unmöglich den genomcode bis in das letzte Detail zu entschlüsseln, da man vorher ja den Menschen bis in das letzte Detail zumindest bis hin zu jeder Zelle entschlüsseln müßte. Wäre dies der Fall, ständen wir medizinisch auf einem ganz anderen Level. Ergo (zumindest für mich): Wir haben keinen blassen Schimmer welche Risiken Gentechnik hat essen aber schon fleißig Gensoja und -mais. Unabhängig von den Wissenschaften finde ich es auch interessant, daß Neu ein Verkaufsargument zu sein scheint. Scheinbar assoziieren wir Menschen (zumindest heute) mit Neu gut. Ist das nicht eine form von Flucht? Wenn Neu gut ist, muß ja jetzt oder gestern schlechter sein. |
| Seneca | ...in lezter Zeit kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, das der ganze "Fortschritt" in erser Linie mal Qualitätsverlust mit sich bringt. Nicht nur was die Produkte das täglichen Lebens angeht, sondern auch ganz extrem in Kunst und Handwerk. Es wird immer schwieriger, noch etwas zu finden, das mit Liebe zum Detail entworfen und hergestellt wurde. Gerade wenn ich mir Dinge aus vergangener Zeit anschaue, wirken neuzeitlichen Objekte meist "billig" dagegen, obwohl der Preis, an der Kaufkraft gemessen, noch der gleiche ist. Während die Produktionsstraßen immer menschenleerer werden, und damit auch immer mehr unbeseelte Produkte erzeugt werden, verliert sich dazu auch noch altes handwerkliches Wissen, weil kaum noch jemand an traditioneller Herstellung interessiert ist. Meist werden dann "Fakes" hergestellt, die zwar den Stil nachahmen, aufgrund der einfachen Herstellung aber bei näherer Betrachtung "billig" wirken. Außerdem ensteht bei mir einfach der Eindruck, das mit zunehmender Technisierung mehr und mehr Lebensqualität verloren geht. Natürlich hat uns die Technologie das Leben leichter gemacht, ohne Zweifel, aber mitlerweile kommen wir an den Punkt, an dem es zu viel wird. Die Rationalisierung der Welt schreitet ständig voran, und die steigenden Kosten der Industrie(ist doch seltsam, das trotz Rationalisierung ständig die Kosten Steigen...!)führen zu immer neuen Entwicklungen in der Produktpalette, die dann aber auch abgesetzt werden müssen, und so wird der moderne Mensch überflutet mit eigentlich überflüssigen Produkten. Damit das Zeug auch gekauft wird, muss ständig an der Unzufriedenheit des Kunden gearbeitet werden, zum Beispiele mit minderer Haltbarkeit, und schnellerem Modellwechsel, aber auch einfach mit suggestiver Werbung, die mitlerweile ebenfalls ein sehr niedriges Niveau erreicht hat. Modernes Leben: Ich steige um 6:45 aus dem Ikea Bett, geweckt von einem Digitalwecker von Tschibo. Nach den Früstück, bestehend aus Indusrietoast u. Zuckerkringeln in Milch steige ich ins Auto, um mich der Blechlawine anzuschließen. Im Büro empfängt einen das nervige surren dutzender Rechner, von dene die meisten völlig überflüssig vor sich her werkeln, weil ohnehin die [Entf] Taste das wichtigste Werkzeug ist. Stunden langes Getipsel in Datenbanken, und Anrufe von ebenso genervten Menschen, die dieses hinter professioneller Höflichkeit verbergen. Man verhandelt mit Menschen, deren Stimme man seit Monaten kennt, aber eben nich den Menschen...Büroroboter... Feierabend, und obwoh ich mich heute kaum bewegt habe bin ich müde. Was habe ich heute eigentlich geschaffen...? ...Nichts... den morgen geht es genauso weiter, kein greifbares Ziel, kein sichtbares Ergebniss. Ich wünsche mich in die Werkstatt zurück, in der man die eigene Arbeit wachsen sehen konnte, und man am Abend weniger müde war, obwohl man richtig "geschafft" hatte. Oder sollt ich besser "geschaffen" sagen, denn man ist ja befliessen, Qualität zu produzieren, sonst könnte der Kunde ja gleich bei der Industrie kaufen. Ich fürchte wir haben den Punkt erreicht, an dem es haupsächlich um Stückzahlen geht, und nicht mehr um wiklich gute Arbeit, nicht zuletzt weil der Endverbraucher verlernt hat, sich an der Langlebigkeit und Präzision "echter" Arbeit zu erfreuen. Das scheint mehr und mehr für viele Dinge zu gelten, seien es Literatur, bildende Kunst oder Musik. |
| draconia | *zustimm* -aber anders ist das irgendwie auch nciht mehr nötig. "richtige wertarbeit" braucht zeit, únd die hat heute keiner mehr. -vor allem kann das keiner (mehr) bezahlen... wer einen schrnak beim schreiner bestellt und helfen will den zu entwerfen, der wird komisch gemustert. neu ist nicht automatisch gleich gut, aber gerade unsere gesellschaftliche situation hat sich in den letzten paar jahren eändert, und deßhalb verändert sich auch das "gut" vor ein paar jahren brauchte man noch keine genfood-da war einfach genug da (ok, ist schon einbisschen länger her...;) ) |
| Any Body | [QUOTE][i]Original geschrieben von Schwarzbär [/i] [B]Ich finde, daß der Zeitgeist, sofern ich ihn einfangen kann, nach stetiger Veränderung strebt. Stillstand ist der Tod, unerschütterlicher Glaube an die Naturwissenschaften.... Ständig streben wir nach Neuem..... Sollten wir nicht erst mal warten, bis sich die Schatten des Neuen abzeichnen bevor wir uns darauf stürzen? [/QUOTE] welches sind die indikatoren für die schatten des neuen? die einschätzung wann der richtige zeitpunkt für den relaunch eines vermeindlich neuen kommt doch von den menschen, die in der wissenschaft oder im markt agieren? die frage, warum neu wurde bereits im eingangspost beantwortet, stillstand ist der tod.. das verharren auf alten werten ... warum werden heutzutage immer wieder kinder geboren? es werden prozentual zwar weniger, weil mehr menschen darüber nachdenken, es aus bestimmten gründen nicht zu tun, doch es passiert noch.. ist das jetzt gut? für wen oder für was? damit der fortbestand der menschheit gesichert ist um die welt noch weiter zu verderben oder sie zu verbessern? warum beziehen sich vergleiche zwischen altbewährtem und neuem = gutes überwiegend auf güter, die käuflich zu erwerben sind? in deinem beispiel seneca, und ähnliches gab es bereits zu lesen, bewertest du handgearbeitetes höher als das, was in höherer stückzahl von maschinen ausgebracht wird und hinter dem ein wirtschaftliches prinzip zu stecken scheint. zurück zu den ursprüngen des lebens, lasst es einen urknall geben und uns alle noch einmal von vorn anfangen, wird es dann besser als bisher oder ist es gar unmöglich die evolution aufzuhalten? wir lernen, erweitern unseren horizont, damit wir es besser machen als bisher, doch das ergebnis dieser besseren früchte ist frustration - wieso? haben wir uns übernommen? wollen wir zu viel? die bewertung, dass stillstand = tod? verliert an ihrer ursprünglichen bedeutung. stillstand = leben? <= eine bessere zukunft? |
| DemonOfLove | wir hatten mit unserer Nählehrerin vor kurzem ein ähnliches Gespräch über den stetigen Wechsel von Dingen (hauptsächlich ging es um Mode) ... sie sagte: Der Mensch brauche diese Veränderung, stetig etwas neues... es liegt einfach in seiner Natur neue Dinge aufzunehmen, herauszufinden... und genau der meinung bin ich auch... auch wenn sich vieles später als schlecht herausstellt.. wir haben etwas mit dem wir uns beschäftigen können, in das wir gedanken investieren... wenn es nichts neues mehr gibt, über was redet man? was tut man? wir würden noch mehr in einen einheitstrott verfallen und jeden tag das gleiche tun... es würde noch weniger individualität geben... |
| Schwarzbär | @DeamonOfLove: Als bekennender Modemuffel, muß ich leider gestehen, daß ich nach wie vor Kleidung sicherlich auch nach dem Aussehen aber doch vor allem nach Komfort und Haltbarkeit aussuche. Vielleicht ist es auch einfach nur ein teil meines Problemes, daß ich nach Konstanz strebe. Sowohl im Zwischenmenschlichen als auch in Gütern strebe ich nach Ewigkeit. Ein Beispiel: Meine Schwester lebt jedes mal auf und schwelgt in Erinnerungen, wenn sie ihre abgelegten Möbel bei mir wiederfindet. Wenn es wirklich die Erinnerungen sind die uns bleiben, wie es immer so schön bei Beerdigungen heißt, warum streben wir dann nach ständigem Wechsel? Wo finden wir Ruhe in der schönen Schilderung eines Alltages nach Seneca? Doch wohl nur in uns. Kleidung, Stil und ähnliches als Ausdruck unseres Wesens sollte nach meiner Meinung unserer Mitte dienen! __________________ |
| draconia | @ schwarzbär: ich kann deinen gedankengemg sehr gut nachvollziehen, allerdings verändern wir menschen uns ja auch im laufe unseres lebens. ich selbst schwelge auch imme rin erinnerungen, wenn ich mein altes kinderbett oder mein schaukelpferdchen sehe, aber deßhalb stehen sie nicht bei mir im zimmer rum. mir ´geht es oft so, das ich wechsel, die in mir stattfinden, auch durch meien kleidung irgenwo "ausdrücken" will (ich weiß, hört sich doof an, kommt aber automatisch bei dem blick in den kleiderschrank) und deßhalb denke ich, dass weil wir menschen uns imemr weiterentwickeln wir auch immer neue wege suchen diese weiterentwicklung "sichtbar" zu machen. sei es durch das ausquartieren des schaukelpferdes oder des ersten Bh's im kleiderschrank. ;) |
| LaChatte | Ich finde das Neue eine sehr zweiseitige Medaille. Gehen wir etwas zurück: vor hundert Jahren gabs in den allermeisten Haushalten keinen Strom, kein fliessendes Wasser, keine Heizung im Winter, und die Toilette war ein so komisches Häuschen im Hof *nase zuhalt*... Und heute leben die allermeisten Menschen in Europa mit diesem Komfort, was ich persönlich sehr schätze. Und diese Entwicklung wurde auch durch die Massenproduktion von Gütern möglich. Andererseits hat Seneca auch recht, wenn er sagt, dass das Handwerkliche, und das Qualitätsbewusstsein etwas verloren gegangen ist, und wir von billigen, seelenlosen Gegenständen umgeben sind. Andererseits können sich die meisten echte Handarbeit auch nicht leisten... Mein Bruder hat sich vom Schreiner einen Tisch anfertigen lassen, er ist wunderschön, aber er kostete um die 2500 Euro... und die anderen Möbel holte er dann auch bei Ikea, um sein Budget nicht zu arg zu strapazieren. Mein Geschichtslehrer hat mal gemeint, man müsse es sehen wie eine Waage: für jeden Vorteil, der das Neue uns bringt, erhalten wir gleichzeitig einen Nachteil... Beispiel Emanzipation: die Frauen erhalten mehr Rechte, und gleichzeitig müssen die Männer einen Teil ihrer Rechte abgeben. Ob es dann ein Fortschritt für alle ist, ist dann noch eine andere Geschichte--- |
| Schwarzbär | @LaChatte: Du erwähntes gerade unsere Fortschritte in Hygiene tatsächlich sind wir nicht wesentlich fortschrittlicher als in der Antike. Rituelle Waschungen, übrigens ein Grund warum Juden von Pestepedemien oft verschont blieben ,gehörten zur Tagesordnung. Tatsächlich war die katastrophale Hygienische Situation ein Fortschritt: Es gehörte nicht mehr zum guten Ton sich zu waschen. Geruch überdeckte man mit Parfum, und das auch nur der Adel. Die gewöhnlichen Gossenbürger sind in ihrem Dreck fast erstickt. Der Zeitgeist hatte sich einfach mal wieder gewandelt. Im römischen Reich waren Großstädte kanalisiert und sauber. Die wiederentdeckung von Sauberkeit gelang erst durch die Realisierung von Keimen und Erregern, denen die hygienischen Verhältnisse des Mittelalters ein guter Nährboden waren. |
| Seneca | Ferner Zweifle ich die Errungenschaft des "indoor Abkotens" per WC als sonderlich fortschrittlich an. Die Gerüche die dabei entstehen (auch durch das Fallrohr) müssen auch überdeckte werden...! |
| shroud_of_false | Bedrohung, Gefahr, Ungerechtigkeit hin oder her: Weiter gehts! (solange es noch Menschen gibt) |
| Schwarzbär | @shroud_of_false: Sieht so Optimissmus aus? Interessant! Meiner Meinung nach ist ja ein Pessimist ein Optimist mit Erfahrung... @Seneca: Aufgrund unserer engen Besiedlungsdichte sehe ich da einige Schwierigkeiten. Auch so eine Errungenschaft, daß man nicht mehr kaputt geht.... |