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  Forum: Platz der Philosophen
    Thema: HAbe ich mal für literaturkurs in der 12. geschrieben
InssanaIn der letzten Zeit fällt mein Blick immer öfter auf die Harley draußen,auf der anderen Strassenseite.
Er ist wieder da. Ich weiß schon jetzt,dass ich ihm Alles verzeihen werde und Alles tun werde,was er
von mir verlangt. Er hat mich in der Hand. So wie er mich einst gerettet hat,so zerstört er mich jetzt.
Ich warte und hoffe,dass es bald zuende ist.
Es war keine leichte Zeit damals für mich,als er mir das erste Mal begegnete. Oder soll ich besser sagen,
als er mich fand? Ich hatte schlimme Angstattacken,musste jede Stunde Pillen schlucken und das
Gefühl der Einsamkeit wollte einfach nie von mir weichen. Jeden Tag hab ich stets aufs Neue gehofft
von hinten erwürgt,erschossen oder erstochen zu werden. Ich schleppte mich von einer Minute meines
Lebens zur Nächsten. Ich weiß gar nicht, woher meine Depressionen kamen. Es ist weder Jemand, der
mir nahe stand, gestorben, noch hatte ich irgendwelche anderen Sorgen. Heute glaube ich einfach,
dass es mein Schicksal war in einer großen Trauer zu leben, sonst wär er nie zu mir gekommen.
Natürlich versuchte ich mich nach Außen, vor meinen Bekannten und Freunden, locker und fröhlich
zu geben. Dies war nicht schwer, wenn man bedenkt, dass alle Menschen ihre Augen gerne vor dem
Übel verschließen. Also hat Niemand gemerkt, dass mein Herz einsam und dunkel war. Ich wollte
ausbrechen. Einfach Alles fallen lassen, abhauen und irgendwo anders von vorne anfangen. Aber ich
traute mich nicht. Ich hatte Angst zu versagen.
Also entschied ich mich auf eine andere Weise auszubrechen. Ich wollte Selbstmord begehen. Genug
Beruhigungsmittel bekam ich auf Rezept und meine Eltern waren wieder auf einer Reise ins Nirgendwo.
Ja,es schien richtig zu sein. Ich zog die schwarzen Vorhänge zu und begann die Kerzen und asiatische
Duftstäbchen zu entzünden. Dann setzte ich mich auf den Boden und packte alle kleinen Pillen aus
den Schachteln aus bis ich einen kleinen Berg bunter Smarties vor mir liegen hatte. Ich nahm eine
handvoll und schluckte die kleinen Bonbons mit Hilfe einer vollen Vodka Flasche. Als das Pochen in
meinen Ohren immer lauter wurde und ich immer schläfriger wurde, wußte ich,dass es bald soweit ist.
Ein Gefühl der Glückseligkeit durchströmte mich, als ich meien Tod immer näher und lauter kommen
hörte. Ich steigerte meinen Gefühlszustand, aus lauter Vorfreude, bis zur blanken und hemmungslosen
Ekstase.
Doch auf einmal spürte ich eine fremde Energie meine Aura durchdringen. Panik überkam mich, dass
mich Irgendwas aufhalten will. Ich stürzte ans Fenster, um frische Luft zu schnappen und da erblickte
ich ihn zum ersten Mal. Sein Anblick faszinierte mich. Seine langen Haare waren zu einem Zopf auf
seinem Rücken gebunden. Er saß vornübergebeugt auf seiner verchromten Maschine und blickte zu mir
hoch, so als würde er darauf warten, dass ich zu ihm komme.
Ich weiß nicht wie lange wir uns in die Augen schauten, aber ich weiß, dass von da an meine
Selbstmordgedanken völlig verflogen waren und ich wieder leben wollte. Die Müdigkeit von den Pillen
entschwand und ich fühlte mich frisch. Doch wenn ich gewußt hätte was auf mich zukommt, hätte
ich die restlichen Pillen so schnell wie möglich geschluckt. Aber die Hormone üben eine intensivere
Macht auf die Psyche aus, als Depressionen. Nun gut, es kam, wie es kommen mußte, wir lernten uns
kennen und lieben. Schon bald waren wir unzentrennlich. Aber wir waren nicht wie zwei Menschen, die
ihre Schwächen erst lieben lernen müssen, sonder vielmehr, wie ein einziges Individuum, welches schon
vollendet ist. Als ob eine Seele zwei Körper gleichzeitig bewohnen würde. Wir hatten diegleichen
Gedanken zu genau dergleichen Zeit und kümmerten uns nicht darum, wie andere Menschen uns
anschauten oder was sie über und dachten. Ich glaube all dies hat mich sehr verblendet. Denn er
vermittelte mir das Gefühl, als wäre ich wirklich wichtig. Als könnte ich Alles schaffen,was ich mir je
erträumt habe. Ich konnte mich jeder Zeit auf ihn verlasen. Er war immer in meinr Nähe und immer
zur Stelle, wenn ich von einer neuen Depressionen ummantelt wurde. Jeden Tag beschenkte er mich
mit schwarz-weiß gefärbten Rosen oder mit weißen Lilien. Mein ganzes Zimmer war voll von diesen
Totenblumen, doch es machte mir Nichts aus, nein, ich fand es eher schön und romantisch. Damals
wußte ich noch nicht wie verrückt er wirklich ist.
Ich habe ihn noch nicht gesehen, aber sein Motorrad steht auf seinem alten Platz, vor meinem Fenster u
und ich bekomme jeden Tag eine neue Lieferung dieser schrecklichen Blumen. Trotz der Angst vor ihm
sehne ich mich nach seinem Einzug in meine Leben, nach seiner Rache, der ich nie entrinnen werde,
egal wieweit ich weglaufe.
Trauer umschnürt mein Herz, wenn ich an den letzten, glücklichen Tag meines Lebens denke. Es war
wunderbar schwül draußen, schon um 9Uhr früh. Ich liebte damals Hitze und Schweiß, der auf nackter
Haut glänzte. Als ich aus dem Fenster sah, wartete er bereits unten auf mich. Wir fuhren einen
einsamen Highway entlang bis zu einer großen, roten Scheune, mitten in der Wüste. Dort lernte ich
seine Freunde kennen. Sie hießen mich willkommen und eine echt gute Zeit fing an. Eine wirklich
gute Zeit. Ich habe immernoch den Geschmack des Abenteuers auf der Zunge,wenn ich dran denke.
Vor allem waren wir damals jung und hatten noch die ganze ZUkunft vor uns, aber das war uns
eigentlich egal, denn wir sahen den Tod nicht als Fluch, sondern als Erlösung an. Und so verhielten wir
uns auch. Völlig high fuhren wir dem Sonnenuntergang auf unseren Motorrädern, mit
Höchstgeschwindigkeit entgegen. Vielleicht klingt das verrückt, aber Nichts ist aufregender, als das
Leben am Abgrund. Nur das Vebotene und das Gefährliche machen einen Menschen frei und lassen
ihm Raum und Zeit zu leben. Denn Pflichten sind wie Gitter, die uns hindern den Menschen zu
befreien,der in Jedem von uns auf Erlösung wartet. Daran habe ich jedenfalls eine Zeit lang geglaubt
und habe danach gelebt.
Wie schon erwähnt, war das der letzte Tag, an dem ich glücklich war. Ich weiß nicht mehr, wie ich
nach Hause gekommen bin. Ich weiß nur, das ich in meinem Bett aufwachte und überall Blut war. Ich
ging raus auf den Gang und mußte mich beinahe übergeben. Es stank überall nach Tod und Blut. Ich
lief zum Schlafzimmer meiner Eltern, dabei trat ich mit nackten Füßen in unzählige Blutlachen. Ich
weinte, denn ich wußte,was mich am Ende des Ganges erwarten würde. Und ich wurde nicht enttäuscht.
Nein,ich will nicht erzählen, welcher Anblick sich mir bot. Ich will nicht einmal dran denken. Ich sage n
nur, dass neben den Leichen ganze Berge von schwarzen Rosen und weißen Lilien lagen.
"Ich habe das nur für unsere Liebe getan, damit Niemand zwischen uns steht."
Das flüsterte er mir ins Ohr,als ich auf der Schwelle fast in Ohnmacht gefallen wäre.
Ich bin dann vor Ihm geflüchtet, habe ihn angezeigt und er kam ins Gefängnis.
Nun ist er aber wieder da und diesmal nicht aus Liebe.
Ich muß jetzt aufhören, denn er wartet schon auf mich. Ich werde ihn jetzt begrüßen gehen.
Lebt wohl


"...und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein." (F. Nietzsche)
MenedemosZiemlich krasse, aber interessante Geschichte. Du weißt wahrscheinlich selbst, daß sie ins Philosophenforum nicht gut reinpaßt, ich wüßte allerdings auch nicht, wohin man sie verschieben könnte. Es gibt im Garten der Poeten einen Kurzgeschichten-Thread, vielleicht könnte man sie dort anhängen. Das ist allerdings nur eine Schmalspurlösung. Am besten würde ich ohnehin ein eigenes Kurzgeschichtenforum finden, weil ich selbst gelegentlich welche verfasse, aber das ist "politisch" momentan nicht durchsetzbar.
Lilaswow. hat mir echt ne gänsehaut gebracht...
hoffe mal ganz, ganz stark, dass da keine autobiographischen züge drin sind...
DunklerSchattenstimmt Lilas, die Geschichte ist auf jeden fall sehr gut gelungen und kann einem einen großen Schrecken einjagen. Ich hoffe ebenfalls, dass die Geschichte nichts mit dir zu tun hat...
Wenn ich das richtig sehe willst du uns auf die Philosophische Aussage deines Textes mit dem Satz "...und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein." (F. Nietzsche) nahe legen, richtig?
Little DreamerDiese Geschichte jagt mir einen kalten schauer über den Rücken,
sie ist wirklich gelungen,
Ich würde mich freuen, mehr von dir zu lesen.

Little Dreamer
CaligoCavus[I]Seid gegrüßt!
Ich kann mich meinen Vor - Beiträgern nur anschließen...sensationell!! Beinahe jede Zeile ließ mich schlucken, mein Herz schlug bis zum Hals und diese Gänsehaut...
Ihr habt wahrlich Talent! Und so fordere auch ich im Namen der Allgemeinheit: mehr davon!

post scriptum: Selbstverständlich hoffe auch ich, dass diese Erzählung weder biographische noch autobiographische Hintergründe hat.[/I]

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