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  Forum: Platz der Philosophen
    Thema: Religiöser Extremismus, Fundamentalismus
CagliostroWodurch entsteht Extremismus / Fundamentalismus?
Viele Strömungen unterstützen die Bildung von Fundamentalismus.
Oft ist es so, dass die Geschichte des Landes und seine Politik eine große Rolle spielen. Es geht um Macht und Geld. Es geht darum, welche Religion vom Staat unterstützt wird. Im Fundamentalismus wird der Glaube Absolut gesehen und ins Extreme geführt. Nur EINE Wahrheit, nämlich die, an die ICH glaube.

Fundamentalismus entsteht auch aus einem kulturellen Unsicherheitsvermeidungsfaktor. Man will Sicherheit, man will Wahrheit und zwar 100% . Dieses Thema ist ein gesamter Wissenschaftsbereich, den ich hier nicht auf so kleinem Raum zusammenfassen kann. Wer sich dafür interessiert
[ Cultures and organizations von Geert Hofstede (ein Wissenschaftliches Buch)]
Der Mensch tut erstaunlich viel um sich sicher zu fühlen. So will er auch Sicherheit über sein Seelenleben haben. Diejenigen, die sehr starkes Bedürfnis dafür haben, brauchen diese EINE Wahrheit. Denn wenn es mehrere Wahrheiten gäbe, welche wäre dann DIE richtige? Im Christentum wird gerne die Textstelle Joh. 14,6 dafür genommen: "ich bin der Weg, denn ich bin die Wahrheit und das Leben. Einen anderen Weg zum Vater gibt es nicht". Diese Textpassage soll die Exklusivität sichern. Man ist ein besserer Mensch per se, weil man die Wahrheit BESITZT.

Die Buchreligionen - Judentum, Christentum, Islam - scheinen für den Fundamentalismus am meisten anfällig zu sein. Der Grund? Nun, es steht geschrieben. Basta, Diskussion beendet. Jeder heutzutage weiß, wie wichtig ein schriftlicher BEWEIS ist. Bei den Buchreligion existiert eben dieser schriftliche Beweis und die Gottheiten selbst haben nach manchen Leuten zufolge die Federn geführt.

Die Hauptströmungen, die ich sehen kann sind somit: Macht, Geld, Unsicherheitsvermeidung und Exklusivitätsanspruch.
MenedemosDen wichtigsten Grund für Fundamentalismus hast du meines Erachtens schon genannt: Die monotheistischen Buchreligionen, die keine andere Wahrheit zulassen. Religiöser Fundamentalismus läßt sich daraus unschwer ableiten, aber auch politischer, säkularisierter Fundamentalismus hat meines Erachtens seine Wurzeln in dieser religiösen Denktradition. Auch nach dem Verlust ihres Glaubens behalten Kulturen unbewußt ihre Denktraditionen, dann nun in säkularisierter Form. Jegliche politische Dogmatik und Engstirnigkeit ist meines Erachtens eine Fortführung der Tradition religiöser Engstirnigkeit.
Der These, daß Fundamentalismus und Streben nach Geld etwas miteinander zu tun haben, möchte ich allerdings widerstreben: Das erstere erfordert eine gehörige Portion Idealismus, Streben nach persönlichem Wohlstand ist dagegen gerade der Gegensatz zu Idealismus.
Duiondann sind die amis auch fundamentalisten?
Demon17Sicher ist der Monotheismus für religiösen Fundamentalismus anfälliger als polytheistische Konstruktionen, zumal diese ja häufig das Ergebnis religiöser Toleranz sind, indem alle möglichen Götter im Laufe der Geschichte in den "Pantheon" oder seine Äquivalente eingefügt wurden. Nur ist das Erstarken des religiösen Fundaentalismus momentan auch eine Frage des Wirtschaftswachstums und der Geburtenraten. Einerseits ist genug Geld vorhanden um eine radikal-religiöse Infrastruktur zu unterhalten, die häufig weltweit vernetzt ist, andererseits gibt es nicht genug Arbeitsplätze, so daß in manchen Gegenden zwischen 50% und 80% der jungen Männer keine Möglichkeit haben sich materiell zu emanzipieren, Familie zu Gründen etc. Ich beschränke das jetzt bewußt auf Männer, da der religiöse Fundamentalismus heutzutage mit patriarchalischen Wertvorstellungen einhergeht. Insofern gibt es halt dann Millionen von Menschen ohne Zukunft, von denen dann wiederum tausende bereit sind ihr Leben für ein "Ideal" zu opfern. Meines erachtens ist der religiöse Fundamentalismus nur eines von mehreren Ventilen für diese Situation. Es kann auch zu allen möglichen anderen Radikalismen führen, das hängt dann von den jeweiligen sozialen und historischen Kontexten einer Gesellschaft ab. Es kann auch Nationalismus oder éin anderes "Ideal" sein. Wichtig ist nur die moralische Legitimation zum Krieg.

never surrender

demon17
IshvaraIch kann mich nicht daran errinnern, das eine "Buchreligion", die vernichtung aller anderen Religionen predigt.
Der Koran sagt in der Sure 109: Deine Religion ist deine Religion, die Religion der Ungläubigen ist die ihre und nicht deine, kümmere dich nicht um sie, denn sie werden seligkeit nicht erreichen.

So steht es zumindest bei mir, wer einen Koran zuhause hat kann ja mal nachschauen.

Ich denke es liegt eher daran, das die politischen und religiösen Führer, die Worte irgendwelcher Schriften zu ihren Zwecken uminterpretieren und unangenehme Sachen einfach unter den Tisch fallen lassen um so ihre eigene Macht zu stärken.
Ich glaube auch, das Menschen denen es schlecht geht, eher anfällig für so etwas sind.
Im Mittelalter z.B. ging es eigentlich ganz Europa so richtig dreckig, und tausende zogen auf Kreuzzügen ins Heilige Land, was ihnen die Erlösung von ihren Sünden versprach.
Heute geht es den meisten Islamischen Staaten richtig schlecht, und tausende ziehen in den Dshihad, der ihnen ja auch einen Platz im Paradies verspricht.

Nein Amis sind keine Fundamentalisten, sondern nur ein durch Medien und Politik bewußt dumm gehaltenes Volk, was seine Geschichtliche Identitätskrise durch Weltmacht ansprüche kompensiert.
MenedemosNun ja, das mag ja im Koran stehen, aber immerhin wird keine andere Glaubensrichtung anerkannt und wenn man diese Haltung dann mit anderen Stellen, etwa denen vom dschihad bringt, dann kann durch gewisse leichtfertige Interpretationen durchaus aggressiver Fundamentalismus begründet werden.
Und das Christentum ist in gewisser Weise noch schlimmer, es duldet keinerlei andere Glaubensformen, der Islam toleriert zumindest noch andere Buchreligionen, sofern sich deren Anhänger politisch den Moslems unterordnen.
Das Judentum ist ebenfalls extrem intolerant, bezieht sich aber zum Glück nur auf ein "auserwähltes" Volk.
Demon17[QUOTE]Ich kann mich nicht daran errinnern, das eine "Buchreligion", die vernichtung aller anderen Religionen predigt.[/QUOTE]
-Ich bin der Herr dein Gott Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. In blutrünstigen stark religiösen Zeiten ist das die "licence to kill".
Was meinst Du denn, wie diese "Buchreligionen" zur einzig existierenden Religion ihrer Zeit und Region geworden sind? Es gab hunderte von Göttern in der Zeit in der sie entstanden. Die Toleranz des Koran gegenüber anderen Monotheismen liegt meines erachtens in seinem relativ jungen Entstehungsdatum begründet. Es gab halt schon andere Religionen, die die Abstraktionsleistung vollzogen hatten, das göttliche in einer einzigen Gottheit zusammenzufassen und aus den irdischen Verwicklungen herauszulösen. Allerdings würde ich diese Toleranz nicht überbewerten. Der Islam ist in politisch-militärischen Kontexten mindestens genauso Imperialismustauglich wie das Christentum. Außerdem ist er ebenso wie das Christentum eine Religion, die zu großen Teilen auch militärisch verbreitet wurde. Nordafrika und Lateinamerika sind da schöne Beispiele, ebenso wie die muslimischen Enklaven Europas.

[COLOR=crimson]think twice its magic[/COLOR]

demon17
cocrea[QUOTE][i]Original geschrieben von Cagliostro [/i]
[B] Im Christentum wird gerne die Textstelle Joh. 14,6 dafür genommen: "ich bin der Weg, denn ich bin die Wahrheit und das Leben. Einen anderen Weg zum Vater gibt es nicht". Diese Textpassage soll die Exklusivität sichern. Man ist ein besserer Mensch per se, weil man die Wahrheit BESITZT. [/B][/QUOTE]

[I]Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich. Johannes 14, 6 [/I] (anmerkung: so kenn ich die passage)

Die Aussage »Nur durch [B]m-Ich[/B] kommt ihr zum Vater.« ist mE ein strategisches Verhängnis, geboren - wie so oft - durch eine gefällige Fehlübersetzung. Diese Art von Volksglaube trägt einerseits zur Idolisierung Jesu/des angeblichen Satzautors (Er, doch nicht wir) und zur Herabsetzung der Schäfchen bei.
Gestützt auf die Altsprachen-Kenntnisse [... eines theologischen Gelehrten] habe ich von ff Bedeutung dieses Kernsatzes erfahren: [COLOR=skyblue]»Nur durch das (bewusstwerdende) Ich kommt ihr zu Mutter/Vater=Selbst/ Ganzheit.«[/COLOR] Für alle narzisstischen Infantilisten ist dies ein Bäh!-satz. Der ´große Bruder´ Jesus hat darauf hingewiesen: »Ihr sollt größere Dinge tun denn ich.« Wie wird dies ermöglicht angesichts von indoktrinierter Koabhängigkeit?

übrigens [B] liberte, fraternite und egalite [/B] waren die ideale der frz. Revolution. das institutionalisierte Christentum der kath. kirche beruht auf Hierarchiedenken.
1) Der FremdERlösungsgedanke durch einen stellvertretend Ermordeten hat mE nix mit [B]Freiheit [/B] zu tun.
2) Wenn der erniedrigste zum Höchsten wird, hat auch nix mit [B]Gleich(wertig)keit [/B] zu tun.

ist jesus primus inter pares oder superprimus ala `NUR durch MICH könnt ihr zum Vater kommen?´
3) Die [B]Brüderlichkeit [/B] vs. Geschwisterlichkeit ist noch eindeutig männerorientiert formuliert auch die frz. revolut. vordenker hatten einen gepflegten männerdünkel und frauenabwertung(ausgrenzung), über die DAMALS nachzudenken noch luxus gewesen sein dürfte. was sind schon etwas mehr als über 200 Jahre?

cocrea (un-voll-endend eingebracht)
MenedemosAlso ich komme da zu einem anderen Ergebnis. Erstens macht allein schon der Zusammenhang klar, daß Jesus sich selbst meint. Und zweitens erkenne ich weder in der lateinischen Vulgata noch im griechischen Original etwas abweichendes.

oudeis erchetai pros ton patera ei me di' emou. Wörtlich:

Niemand kommt zu dem Vater wenn nicht durch mich.

Eine Möglichkeit bestünde natürlich, daß ein Übersetzungsfehler aus Jesus eigener Sprache, dem Aramäischen, vorgelegen hat. Das wäre zumindest ein interessantes Gedankenspiel, hängt aber letztlich in der Luft, weil uns davon nicht erhalten ist.
Demon17Ich frage mich ob die korrekte Interpretation einer einzigen Textstelle im Sinne der Fragestellung überhaupt wichtig ist, es geht um den Alleinvertretungsanspruch der monotheistischen Religionen, die das Göttliche zu ihrer Zeit monopolisiert haben, während die Polytheisten eben häufig toleranter waren, wie der Hinduismus, der die Götter der besiegten Völker eben nicht dämonisierte und ausrottete oder der Buddhismus der in vielen Formen auch mit vielen animistischen Vorstellungen verbunden ist, Erst durch dieses Monopol auf religiöse Wahrheit eignet sich eine Religion doch zur Legitimation zum Krieg, ja er kann zur heiligen Pflicht werden, wenn die anderen sich nicht bekehren lassen, und kann damit ein Motiv zum töten werden. Hier unterscheidet sich der religiöse Fundamentalismus nicht wesentlich von früheren polytheistischen Religionen wie etwa bei den Germanen, die den Tod im Kampf bei der männlichen Bevölkerung voraussetzten oder die Menschenopfer mancher Polytheisten, etwa einiger Indianerkulte Lateinamerikas, von denen die Opferung tausender Kriegsgefangener überliefert ist, falls die Inschriften richtig übersetzt wurden. Insofern ist die Differenz Polytheismus = tolerant und friedlich und Monotheismus = intolerant und agressiv sicher zu einfach. Religionen sind eher Ausdruck der Mentalität und der sozialen Organisation ihrer Zeit als deren Ursache, obwohl es da sicherlich eine Wechselwirkung gibt, die zu unheilvollen Teufelskreisen, also sich gegenseitig verstärkenden Ursache-Wirkungs Zusammenhängen führen kann.

[COLOR=crimson]think twice its magic[/COLOR]

demon17
MenedemosNatürlich kommt es auf diese eine Stelle nicht wirklich an.
raison d'être[QUOTE][i]Original geschrieben von Menedemos [/i]
[B]Streben nach persönlichem Wohlstand ist dagegen gerade der Gegensatz zu Idealismus. [/B][/QUOTE]

Wie kommst Du darauf?
Ich seh' das nämlich nicht unbedingt so. :)
versprengterWer sagt denn eigentlich, dass man zum Vater will?

Wenn er sich so selbstverliebt und autokratisch zeigt,
wie in Talmud, Bibel und Koran,
was will ich dann bei ihm?

Warum soll ich für ihn töten?
Ist er dann besser als Satan?

Gott steht an seiner Auschwitz-Rampe und sortiert die
Menschen nach brauchbar und unbrauchbar aus.
Das soll eine Religion des Friedens und der Liebe sein?

Also, irgendwer muss sich da gewaltig verschrieben haben......

Oder die Übersetzungen waren so grausig...wer weiss?

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