| Eskapist | Dieser Thread richtet sich an alle, die an der Systemtheorie von Niklas Luhmann interessiert sind.Ich möchte insbesondere Luhmanns Theorie der "symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien" (sgKM) zur Diskussion stellen. Luhmanns Theorie basiert auf der Annahme, dass Gesellschaft durch Kommunikation konstituiert ist - die Grenzen der Kommunikation sind die Grenzen der Gesellschaft. Deshalb sind z.B. Menschen, Städte, Protonen und Autos nicht Teil der Gesellschaft - aber natürlich kann all dies zum Thema der Kommunikation werden! Kommunikation ist unwahrscheinlich, ihr Zustandekommen an zahlreiche Vorraussetzungen gebunden und ihre Ablehnung immer möglich, denn: es ist immer möglich "nein" zu sagen,oder so zu handeln, dass es kommunikativ als "nein" interpretiert wird. Wieso funktioniert dann unsere moderne Gesellschaft? Ein Teil des Rätsels wollte Luhmann durch seine Theorie der sgKM lösen. Diese Medien sind sozial-evolutionäre Mechanismen, die Kommunikationsannahme wahrscheinlicher machen. Dazu gehören z.B. Macht, Geld, Wissen, Liebe und Recht. Ich möchte diesen Gedanken am Beispiel der Macht verdeutlichen: Macht ist für Luhmann ein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium, dass prinzipiell eine Sonderform des allgemeineren Mediums Einfluss darstellt. Einfluss zeichnet sich dadurch aus, dass Alter Ego durch Inaussichtstellen von Sanktionen zu einer Handlung bewegen kann, die Ego andernfalls nicht tun würden. Sanktionen wiederum sind grundsätzlich in zwei Formen denkbar: als positive oder negative Sanktionen. Positive Sanktionen sind dadurch definiert, dass sie tatsächlich erfolgen, wenn Ego die von Alter gewünschte Handlung ausführt. Ego zahlt (falls Alter eine Zeitung kauft), Ego geht zum Supermarkt (wenn Alter die Küche putzt), Ego erklärt sich bereit ein Kind zu bekommen (falls Alter Ego heiratet). Diese Form von Einfluss kann als Tausch bezeichnet. Macht ist jedoch demgegenüber durch negative Sanktionen bestimmt. In diesem Fall führt Ego eine Handlung aus, wenn Alter eine andere Handlung nicht ausführt. "Negative Sanktionen werden über Drohung kommuniziert oder schlicht antizipiert, so dass es einer expliziten Drohung gar nicht mehr bedarf" . Das Medium Macht funktioniert falls Ego die angedrohte oder antizipierte Handlung Alters zu vermeiden sucht. Kommentare, Ergänzungen, Kritik und Fragen erwünscht! |
| Demon17 | Lass mich raten, die Gesellschaft der Gesellschaft S. 355ff? *fg* Aber im Ernst wir sollten zumindest versuchen, das Ganze anschlussfähig zu halten. Unter symbolisch generalisierten Kommunikationsmediendien versteht Luhmann häufig das, was in der Soziologie wesentlich unschärfer auch als Institution bezeichnet wird. (Also nicht das BVG aber das Recht an sich) Oder Eigentum, Geld usw. Das heißt etablierte Sinnzusammenhänge, die in gewisse, gesellschaftlich weitgehend akzeptierte standardisierte Handlungsmuster eingebettet sind. Die Funktion des Geldes muss nicht extra erklärt werden, jeder weiß was ein Gericht ist und das die Regierung das Recht hat die Steuern zu erhöhen. Das heißt das eigentlich interessante an diesen Kommunikationsmedien ist es, das sie im Alltag eigentlich kaum kommuniziert werden. Wer philosophiert schon über die soziale Funktion des Geldes, der Macht oder des Rechtes?;) ...Jedoch die Kommunikation stark beeinflussen. Was kostet das? 5€ Beide Seiten setzen das Grundverständnis über die funktionsweise des Geldes und den Begriff Eigentum voraus. Aufbauend auf die weitgehende Kenntnis und Akzeptanz dieser symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien findet dann z:b: die tatsächliche Kommunikation statt. Also 5€? das ist höchstens 3€ wert. Diese Kommunikationsmedien ermöglichen also eine historisch gesehen völlig neue Komplexität, statt sich mühsam über den Tauschhandel asuzutauschen mit seinen, drei-vierund Xeck Geschäften bis man endlich den ersehnten Hut für sein Schaf bekommen hat, zahlt man einfach einen (Geld) Preis. Auch kann man normalerweise sicher sein, das man als Eigentümer des neuen Hutes akzeptiert wird und diesen nicht mit dem Stock in der Hand verteidigen muss. Ähnlich ist es mit der Politik, statt sich jahrelang im Namen der gerechten Sache, des wahren Glaubens oder des rechtmäßigen Herrscherhauses gegenseitig zu ermorden ...wir erinnern die Sanktion, diese beruht wie alle Macht letztendlich auf physischer Gewalt...gehen Teile der Bevölkerung zur Wahl und dann ist erst wieder Ruhe. Im Grunde rationalisieren symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien das Leben in modernen (funktional differenzierten) Gesellschaften und betten die Kommunikation in Kontexte ein, die den beteiligten nur einen gewissen Handlungspielraum lassen und die Konsequenzen ihres Verhaltens kalkulierbar machen. Insofern strukturieren sie sie Kommunikationsprozesse ohne unbedingt erwähnt zu werden. Sie bleiben jedoch jederzeit spezifizierbar, ließen sich also bei Bedarf in die Kommunikation einführen. Wie sieht es mit dem Eigentum bei Ratenzahlung aus? z.B. Ich finde wir können jetzt langsam von den symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien zu den Funktionssystemen übergehen, was meinst Du Eskapist? never surrender demon17 |
| Eskapist | Aber sicher doch;-). Vorher aber noch ein paar kurze Worte zu den sgKM. Ich finde der eigentliche Gag bei Luhmanns Betrachtung ist, dass er Sachen miteinander vergleicht, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, wie z.B. Liebe, Recht und Geld. Aber dann findet er eben doch einen Vergleichspunkt: Alle diese "Institutionen" machen Kommunikationsannahme hochwahrscheinlich: Man zahlt mit Geld, als wäre es das normalste auf der Welt, akzeptiert zu 99% die Gesetze und weiß wie man sich als Liebende(r) verhält - obwohl alle Welt rätselt, was Liebe IST. Luhmann sagt jetzt: Dieses "was IST" muss uns gar nicht interessieren, die Frage ist schon an sich falsch gestellt, wichtig ist nur, dass man weiß wie Liebe FUNKTIONIERT, was also typische Handlungen im Medium Liebe sind. Küssen, Rosen kaufen, Sex, Aufmerksamkeit schenken. Dasselbe gilt (um bei den obigen Beispielen zu bleiben) für Recht und Geld. Also: Philosophen können sich jahrhundertelang über das "Wesen" dieser Dinge auslassen, die Gesellschaft "weiß" wie sie funktionieren. So, dann leite mal zu den Funktionssystemen über, Demon17. ;-) Im Übrigen: Anschlussfähigkeit sichern! Ich fände es toll, wenn sich auch Leute an diesem Thread beteiligen, die von Luhmann nie gehört haben, aber einfach Fragen und Anmerkungen einbringen. |
| Demon17 | Heute Abend hab ich nicht mehr so die rechte Lust dazu, ich bin heut etwas aufgehalten worden. Die Vergleiche von Phänomenen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben ergeben sich aus seiner Theorie, deren zentrale These und Botschaft ist es den Leuten immer wieder in Erinnerung zu rufen, das die Gesellschft aus kommunikation besteht, das jede Kommunikation so gut wie nichts mit der "Realität" zu tun hat, sondern sich diese "Realitäten" aus dem Standpunkt der Beobachter ergeben. Oder etwas Theoretischer, Systeme sind lediglich in der Lage auf die Umwelt gemäß ihrer internen Strukturen wahrzunehmen und entsprechend zu reagieren. Jede Beobachtung sagt deshalb etwas über die Strukturen des Beobachters aus, aber so gut wie nichts über den Gegenstand der Beobachtung. Hiermit vermeidet er dieses unfruchtbare Ontologie-Problem, da sich die Frage nach der Objektivität erst gar nicht stellt ;) . Mir leuchtet es ein, stell Dir vor diese Mädchenmörder aus Belgien währen nicht überführt worden. In der Bundesrepublik verschwinden jährlich ca. 80 000 Menschen. Solange keine Leichen gefunden werden regt sich keiner auf und es gibt für die Gesellschaft einfach kein Verbrechen. Ein Sachverhalt der nicht kommuniziert wird existiert praktisch nicht, jedenfalls hat er ausser für die Mordopfer und deren Familien nicht die geringsten sozialen Konsequenzen. Die Tatsache das solche Leute teilweise jahrzehnte lang ungestört töten können bestätigt seinen Ansatz Gesellschaft auf Kommunikation zu reduzieren. Es geht um das permanente Bewußtsein der Eigenschaften und Beschränkungen menschlicher bzw gesellschftlicher Wahrnehmung, die quasi so gut wie nichts mit der Realität zu tun hat sindern fast ausschließlich mit den internen Strukturen und Prozessen derselben. Dies ist´deshalb so wichtig, weil bei fast allen Diskussionen und Debatten kontrafaktisch so getan wird, als seien die Sprecher in der Lage sich zutreffend über die Realität zu äussern, so das immer wieder die Illusion der Planbarkeit und Lenkungsmöglichkeit auf sozietaler Ebene entsteht. (gerade in der Politik) Also bis Morgen demon17 |
| Eskapist | Zu den Funktionssystemen! Die moderne Gesellschaft ist in verschiedene funktionale Teilbereiche differenziert, wie z.B. Recht, Wirtschaft, Religion und Politik. Der Gag ist nun der Folgende: Die Funktionssysteme sind bei Luhmann zu 100% als KOMMUNIKATIONSSYSTEME konzipiert, Systeme also, die ausschließlich aus Kommunikation bestehen, und zwar, je nach System, aus einer ganz bestimmten Form der Kommunikation. Bei Rechtssystem handelt es sich dabei z.B. (und naheliegenderweise) um rechtliche Kommunikation. Diese Kommunikation zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich auf die Frage von Recht und Unrecht bezieht. Jede Kommunikation die mit der Differenz Recht/Unrecht arbeitet ist Teil des Rechtssystems. Dieses Konzept weicht bei genauerer Betrachtung stark von unserem Alltagsverständnis vom "Rechtssystem" ab. So ist nach Luhmann eine Debatte über die Rechtmäßigkeit des Irakkrieges Teil des Rechtssystems - auch wenn sie außerhalb der Gerichtssäle geführt wird. Andererseits ist z.B. das Gerichtsgebäude selbst kein Teil des Systems Recht, da ein Gebäude keine Kommunikation ist (natürlich kann aber ÜBER das Gebäude kommuniziert werden...). Mehr dazu später... |
| Demon17 | Man sollte vielleicht noch hinzufügen, das jedes dieser Funktionssysteme auf dem Prinzip der operativen Geschlossenheit beruht. D.H. jedes dieser Systeme kann ein Ereignis nur im Rahmen seiner inhärenten Sytsemlogik verarbeiten. So ist das Rechtssystem z.B. nur in der Lage anhand von Gesetzen zu operieren und nich nach moralischen Kriterien z.B. (siehe Cap Anamur) Entsprechendes gilt für die anderen Funktionssysteme. Im Wirtschaftssystem geht es ausschließlich um Zahlung/nicht Zahlung und nicht um Patriotismus, soziale Sicherheit oder Gerechtigkeit z.B. Hierzu hat es das symbolisch generalisierte Kommunikationsmedium Geld entwickelt. Im Preis werden alle Informationen zur einzig relevante Information gebündelt, den Preis. So spielt es für die Systemlogik des Wirtschaftssystems auch keine Rolle ob dieser Preis rechtmäßig zustande gekommen ist oder nicht, solche Informationen könnte es nur an Risikoanalysen, die wiederum in Geld, z.B. Kosten einer Versicherung, Höhe eines möglichen Strafgeldes usw. Wahrnehmen. Wie gesagt, die Kommunikation besteht ausschließlich im Zahlungsverkehr, alles andere ist irrelevanter Lärm. Natürlich hat jedes System eine Programmierung, über die es die Leistungen anderer Funktionssysteme autonom integriert. Eine politische Partei z:b: kann nicht einfach sagen, wir wollen die Macht, sondern muss dies durch eine Parteiprogramm begründen. Macht um der Macht Willen wäre schließlich ebenso Paradox wie Geld für Geld zu zahlen, es sei denn eine solche Transaktion würde über den Zahlungszeitraum entparadoxiert, in Form eines Kredites z.B. Wichtig für das Verständnis der funktional diefferenzierten Gesellschaft ist, das es eine Vielzahl unterschiedlicher Rationalitäten in den Teilsystemen der Gesellschaft gibt, die weitgehend autonom operieren können müssen um ihre Funktion zu erfüllen. Dies blieb z.B. im Sozialismus unberücksichtigt, die die anderen Funktionssysteme dem Primat der Politik unterwarf, mit den bekannten Funktionsstörungen. Natürlich limitieren sich die Funktionssysteme sich auch Gegenseitig. So ist z.B. die Politik dem Recht unterworfen (Verfassung) das sie selber schafft. Auch die Politik ist beispielsweise auf die Ressourcen des Wirtschaftssystems in Form von Steuern angewiesen. Dies klingt vielleicht nicht besonders aufregend, aber viele Menschen haben immer noch die diffuse Vorstellung von der Gesellschaft als Hierarchie im Kopf. Sie ist jedoch in dieser hyperkomplexen Form nicht mehr Hierarchiesierbar und also auch nicht zu Steuern. Da die Reaktionen der unterschiedlichen Funktionssysteme mit ihren individuellen, autonomen Rationalitäten im ganzen Umfang unabsehbar wird. Luhmann geht deshalb von der gesellschaftlichen Evolution aus, die im Grunde den Gelichen Gesetzmäßigkeiten unterworfen ist wie die biologische also Mutation/Variation - Selektion - (Re-)Stabilisierung. Diese Erkenntnis hat ihn in Konflikt mit vielen Kräften bebracht, die die Gesellschaft für reformierbar hielten (also davon ausgehen das geplante Veränderungen mit absehbaren Ergebnissen möglich wären). Diese sind weitgehend wiederlegt, selbst die normativen Handlungstheoretiker msuuten Begriffe wie "Blind Spot" einführen um der Realität Rechnung zu ragen. Das ist allerdings sehr bedenklich da hierdurch ähnlich wie mit Begriffen wie kontrafaktisches Denken, negative Folgen eines häufig moralisierenden politischen Handelns nicht berücksichtigt werden, so das die moralische Qualität einer Reform auch nicht bewertet werden kann, da ein Großteil der negativen Wirkung durch die normative Verengung des Fokus unberücksichtigt bleiben. [COLOR=crimson]think twice its magic[/COLOR] demon17 |
| Eskapist | Eine Autorin verglich die Funktionssysteme einmal mit unterschiedlichen Farbfiltern, mit denen sich die Welt beobachten lässt. Die Metapher ist zwar nich optimal, aber sie macht eines klar - Funktionssysteme beochten die Welt, und zwar anhand ihrer eigenen Kriterien, ihrem Code, z.B. recht/unrecht im Rechtssystem. Dabei kann potentiell ALLES unter dem jeweilgen Systemcode betrachtet werden. Jeder Fakt kann zum Gegenstand gerichtlicher Verhandlungen werden, solange es die entsprechenden Gesetze dafür gibt, ebenso kann alles prinzipiell unter ökonomischen (Wirtschaft) Gesichtpunkten beobachtet werden oder zum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung werden. Es existiert keine Stopregel! Deshalb beklagen wir uns heute über wucherndes Recht, die Expansion des Kapitalismus oder die Zerstörung aller Mythen durch eine Verwissenschaftlichung der Welt. Der Zusammenhang der Funktionssysteme und der Kommunikationsmedium (siehe Threadtitel...) ist dabei ganz einfach: Jedes Funktionssystem hat ein Medium "monopolisiert", z.B. ist das Medium Wahrheit das konstituierende Medium der Wissenschaft und das Medium Geld das Medium der Wirtschaft. |
| Demon17 | Aus der Sicht der Theorie stell sich nun die Frage, wie arbeiten diese verschiedenen Systeme mit ihrer individuellen an der jeweiligen zugrundeliegenden Leitdifferenz orientierten binären Codierung zusammen. an und für sich müssten wir ja im Chaos leben. Doch wir leben in dem komplexesten sozialen System, das die Weltgeschichte bisher realisiert hat. Verglichen mit der modernen Gesellschaft sind Diktaturen, Feudalismen und anders höchst primitive Gebilde oder sagen wir mal triviale Systeme, weil ihre Komplexität überschaubar bleibt. Die Integration der Funktionssysteme vollzieht sich über die Entwicklung der formalen Organisation. Sie hat zwei wesentliche Vorteile. Einerseits füllt sie das Machtvakuum, das durch den Verlust der "Gefolgschaft" oder Hörigkeit mit dem Ende des Feudalismus entsanden wäre. Sie zentralisiert die Macht und abstrahiert vom Individuum, indem es dem Einzelnen (Berufs)Rollen zuweist, die auch von anderen erfüllt werden können. Die Bedürfnisbefriedigung, die mit der Organisationszugehörigkeit verbunden ist, diszipliniert die Individuen und führt zur Bildung steuerbarer zielgerichteter sozialer Systeme. In der gesellschaftlichen Funktion dienen sie der strukturellen Kopplung der Funktionssysteme. In allen größeren Organisationen gibt es diverse Abteilungen, Controlling/Rechnungswesen (Zahlung/Nichtzahlung), Rechtsabteilung, Forschung und Entwicklung (Wissenschaft), die fast exakt auf die einzelnen Funktionssysteme ausgerichtet sind. Diese Organisationen entwickeln interne Differenzpragmatiken, zur Umsetzung des Organisationszweckes. Ein anderes Beispiel für die strukturelle Kopplung ist z.B. die Krankschreibung durch den Artzt, die dann über das Rechtssystem (Krankengeldanspruch) eine Zahlung(Wirtsschaftssystem) an den Kranken auslöst. Die Organisation ist einerseits die Voraussetzung zur Ausdifferenzierung der Funktionssystem, denn nur durch Organisation kann von den Interessen einzelner abstrahiert werden und die nachhaltige Zielsetzung gewährleistet werden. So war die Entwicklung zu eines freien Juristenstandes, der in seinen beruflichen Belangen ausschließlich seiner eigenen Standesgerichtsbarkeit unterlag konstituierend für die Ausdifferenzierung des autonomen Rechtssystems im Italien des Mittelalters. Kein Fürst konnte mehr einen Juristen sein Interesse diktieren. So waren auch die Fürsten den Gesetzen unterworfen. never surrender demon17 |
| Eskapist | Ein wichtiger Aspekt ist hier die Differenz von Organisationen und Funktionssystemen. Wie bereits oben erwähnt, sind die Funktionssysteme der Gesellschaft nicht mit den Organisationen identisch, welche mit diesen Systemen üblicherweise assoziiert werden. Das System der Wirtschaft ist nicht identisch mit Banken, Unternehmen, etc. sondern besteht einzig und allein aus Kommunikationen, welche nach dem Code zahlen/nicht zahlen im Medium des Geldes codiert sind. Auf der anderen Seite existieren Organisationen, die ihre eigenen Operationen (also Kommunikationen) vorrangig an einem Funktionssystem ausrichten (z.B.Unternehmen - Wirtschaft). Trotzdem sind Organisationen grundsätzlich immer "mehrsprachig", d.h. mehrere funktionssystemischen Operationen kommen in ihnen vor. Jede Organisation muss z.B. die Kommunikationsgepflogenheiten der Wirtschaft und des Rechts beherrschen, denn jede Organisation benötigt Geld und eine rechtliche Formalisierung. So bilden Organisationen quasi die Schnittstellen der funktional differenzierten Gesellschaft. |