| bndk'snt | Tag, ich wollte mal eure meinungen hören, ist sich ein geisteskranker seiner geisteskrankheit bewusst? bzw Kann er sich seiner geisteskrankheit überhaupt bewusst sein? ich spreche jetzt hier von geisteskrankheit nicht im sinne von dumm, geistig zurückgeblieben, sondern eher davon das gestörtes verhalten als absolut normal empfunden wird. lasst mal hören ;) bndk'snt |
| Darque | Wie du selbst schon bemerkt hast, empfindet ein "Geisteskranker" sein Verhalten als durchaus normal. Er ist sich jedoch meist bewusst (zumindest wenn er einen sonst ungetrübten Verstand besitzt), dass die Aussenwelt seine abnormale Handlungsweise verurteilt und verheimlicht deshalb seine Angewohnheiten, sei es aus Furcht vor sich selbst oder weil er andere Menschen selbst als abnormal oder als niedere Lebensformen ansieht. Er ist sich jedoch seiner Andersartigkeit meist bewusst, denn wir nehmen ja an, dass er in seinen Gehirnfunktionen nicht beinträchtigt ist. Er kann seine Verhaltensweisen nun annehmen oder ablehnen, das kommt ganz auf seine geistige Stärke an. Wenn er sie unterdrückt, kann es aber zu unkontrollierbaren Ausbrüchen seiner Triebe oder seines im andersartigen wurzelnden Verhaltens kommen. Lebt er sie aus, wird er vielleicht irgenwann in Berührung mit dem Gesetz kommen und dann muss er sich für seine Taten rechtfertigen. Meist bleibt ein solches Verhalten aber unentdeckt, d.h. man kennt selbst meist Menschen, die in den Augen der heutigen Gesellschaft als unnormal gelten oder man gehört sogar selbst dazu. Heutzutage werden allein aus Intoleranz heraus bestimmte Verhaltensmuster als krankhaft angesehen, wie z.B. früher die Homosexualität. Mein finales Statement: lch denke, dass in jedem Menschen etwas "abnormales" steckt, dass aber von der Masse propagiert wird, dieses Verhalten zu unterdrücken und selbst als etwas Schlechtes anzusehen. |
| Menedemos | Geisteskrankheit ist ein sehr schwammiger Begriff, da gibt es ja sehr verschiedene. Schizophrene sind sich ihrer Erkrankung meist nicht bewußt, gelegentlich aber schon. Wir hatten da mal jemanden, der hat gefragt, ob er "verrückt" sei, daß er ständig Stimmen höre und daß Bäume ihm zuwinkten u.s.w. Ich hab gesagt "ja", Bäume winken nicht, schon deshalb, weil sie keine Hände haben, mit denen sie das tun könnten. Er sollte besser einen Arzt aufsuchen. Das hat er eingesehen und einige Zeit darauf vermeldet, daß die Behandlung genutzt habe und er sich jetzt gesund fühle. Also - man kann es schon selber bemerken, daß was nicht stimmt. Kommt vermutlich auch auf die Persönlichkeit an. Wer auch im gesunden Zustand so sehr von sich überzeugt ist, daß er alles richtig macht, wird wohl auch den Zustand einer Krankheit schwerer einsehen. Aber ich möchte hier auch auf die philosophische Komponente der Eingangsfrage hinweisen: Was ist im medizinischen Sinne "verrückt" und was im volkstümlichen Sinn des Wortes - also eben nur außergewöhnlich, ungewöhnlich? Dazu fällt mir gleich die alte Weisheit ein, daß Genie und Wahnsinn Brüder sind - aber was steckt dahinter? |
| hagzissa13 | Menschen mit Psychosen z.B., sind sich nach "Normalisierung" ihres Zustands durch Neuroleptika (für diese Krankheit eingesetzte Medikamente) darüber im klaren, daß das, was sie in ihrem Wahn erlebt haben, nicht real ist. Ähnliches beobachtet man bei Alkoholdeliren. Die im Delir aufgetretenen Halluzinosen können nach dem Delir durchaus als nicht real stattgefundene Phänomene von den Betroffenen geschildert und eingeordnet werden. Jedoch berichten die Patienten auch davon, daß sie in diesen "verquerten" Phasen die wahrgenommenen Dinge sehr wohl für real hielten. Hagzissa - per aspera ad astra - |
| Nymphenzeit | Im Volkschulalter hatte ich einen Freund, der verdammt intelligent war, aber eine offensichtliche, geistige Störung hatte.. was heißen soll, dass er weder Bäume winken sah noch Stimmen hörte, sondern einfach verdammt hyperaktiv war, und von Zeit zu Zeit anfälle hatte.. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich dessen bewusst war, dass er sah, dass wir alle anders waren. |
| hagzissa13 | Sehr interessant fand ich die Aussage eines Nachbarjungens, der unter dem Hyperaktivitätssyndrom leidet. Er sagte mal zu mir, daß er keine Schokolade essen würde, weil er sonst Dinge tun würde, die er eigentlich gar nicht machen wolle. Davor habe er Angst. Er empfände es als Kontrollverlust. Er empfindet also die Dinge, die in einer solch hyperaktiven Episode vor sich gehen, als "nicht normal". Hagzissa - per aspera ad astra - |
| Pursi | Ja kann er, ich zumindest, was das Selbstverletzende Verhalten betrifft. Und ich denke das Passt auch zum Thema "geisteskrank" blos das man Persönlichkeitsstörung im krankenhaus sagen würde... |
| S!nn1R | Hallo leuts ich muss sagen ich bin positiv überrascht wie Gut Ihr euch mit diesem Thema auskennt. Nun ich bin\war selbst Schizophren und ich nehme auch heute noch Neuroleptika. Sehr Interessant fand ich auch den Beitrag von Darque du hast mir die ersten eventuellen Gründe von denen ich je geöhrt habe Aufgezeigt warum ich vielleicht Schizophren bin. Und wie Darque schon sagte war ich mir während meiner Akuten Phase meiner Krankheit keinesfalls bewusst. Die Krankheit begann bei mir sehr schleichend, bis ich später die Gedanken anderer "Hören" konnte und dachte, ich würde mit meinem Gedanken, in Andere Menschen eindringen, und deshalb konnten sie mich nicht leiden. Es ging auch soweit das ich alle Menschen die in meiner Nähe waren Weinen sah z.B. in der Strassenbahn leute die Einstiegen weinten noch nicht, je länger sie in der Bahn waren um so Trauriger wurden sie wegen mir, leute die Ausstiegen waren sehr erleichtert. Ich suchte mir oft Plätze wo ich so allein wie möglich war trotzdem hörte ich immer Stimmen, für mich von anderen Menschen die Irgendwo in der Nähe waren. Dies alles machte mich so fertig das es auch zu einem Suizid-versuch kam und einigen Selbstverletzung (obwohl ich hier nicht vom Borderline-Syndrom sprechen möchte.) So einige bekannte sagten mir ich solle nicht auf die Ärzte hören und mir nichts einreden lassen. Ich jedoch war sehr Froh das ich "Klassifiziert" wurde und die Ärzte mir sagten ich sei Schizophren. Ich konnte es am Anfang nur schwer Glauben und dachte sie versuchten vielleicht nur mich zu beruhigen und dass sie in Wahrheit wussten was für Schwein ich bin. Aber es war doch ein Hoffnungsschimmer. Mittlerweile habe ich drei Bücher über die Krankheit und bin sehr erstaunt wie Originalgetreu Krankheitszustände von an anderen Kranken mit meinem übereinstimmen. Interessant ist auch das es sogar ein Forum der Stimmenhörer gibt wo mann sich austuen kann und eigene Ideen Schildern kann warum mann nun stimmen hört. Warum interresiert dich dieses Thema so bntk'snt? Für mich war die Akute Phase das schlimmste was ich jeh erlebt habe und ich habe auch heute noch zu Kämpfen mich hier in dieser Welt zurecht zu Finden. Ich hoffe wir schreiben uns noch öfter S!nn1R PS ich wollte mir das einfach mal von der Seele schreiben, weil ich denke bei diesem Thema doch ein kleines wörtchen Mitreden zu können, und wenigsten ein klein bisschen zeigen wie mann sich als "Geisteskranker" fühlt |
| neptunia | ich hab vor kurzem einen bericht über die sogenannte "multiplen persönlichkeiten" gesehen, die lustigerweise zuerst nur in amerika vorkamen ... lange zeit war es richtig "in", ständig wurde diese persönlichkeitsstörung bei allen möglichen leuten fest gestellt. und hatte es erstmal die mutter, dann war's bei den kindern plötzlich auch ... die leute wurden über lange zeiträume von psychotherapeuten betreut ... erst als die ersten der patienten bankrott waren nachdem die versicherungen auf gehört hatten zu zahlen, und sie die behandlung abbrechen mußten, wurden sie über nacht gesund ... das läßt mich zweifeln, ob nicht alle verrückten ein bißchen normal sind ... oder die normalen nicht alle ein bißchen verrückt ... |
| Penumbra | @Neptunia Ich denke das diese Fälle wie bei der Familie wohl eher aus Langeweile wie aus einer echten Krankheit entstanden sind. Sie kamen auch nicht zuerst in den USA vor. Vielleicht als Modegag wie du schon erwähntest. Im Mittelalter wurde sowas größtenteils als besessen deklariert. Man wurde auch nicht gepflegt sondern von der Gesellschaft verstoßen. Oder es kam vor das Eltern Ihre Kinder versteckten und sie Jahrelang einsperrten. Psychische Störungen sind so alt wie die Menschheit selbst.In einer Wohlstandsgesellschaft wie unserer tauchen bestimmte Störungen jedoch häufiger auf als noch vor 200 Jahren. Es kommt auf die Art der Krankheit an ob der betroffene sie erkennt oder nicht. @S!nn1R Einen lieben Gruß! Ich fand es toll deinen Bericht zu lesen. Wie fühlst du dich zurzeit? Ich denke jeder hat manchmal Ansätze die andere als abnormal bezeichnen würden. Aber die Menschlichen Abgründe sind größer als die meisten glauben. |